diese Verfassung abzuwehren oder unmöglich zu machen.
Kaum waren sie wieder in der Opposition, war ihr Eid zur Farce geworden, haben sie den rücksichtslosesten Kampf gegen diese feierlich beschworene Reichsverfassung ausgenommen und bis zu dieser Stunde auch geführt.
Daß der Beamte bei der Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte sich innerhalb des gebotenen Anstandes und insbesondere der Strafgesetze halten muß, auch jetzt bei dem Volksbegehren, hat ebenfalls die Deutschnationalen auf den Plan gerufen. Sie sprechen von einer Gewissensknebelung der Beamtenschaft, von einem Verfassungsbruch der Reichsregierung, wollen sich auch hier als Hüter der Beamtenrechte hinstellen.
Wenn wir aber an die Vorkriegszeit und auch an die Kriegszeit zurückdenken, bann wissen wir, wie es mit diesem Schutz der Beamtenrechte und der Wahrung der Gewissensfreiheit durch die Deutschnationalen aussieht. Gerade wir vom Zentrum können manches Lied von der früher b i s herab zum Nachtw»chter seitens der Konservativen betriebenen Gesinnungsschnüffelei singen. KeinBeamter, der sich vor dem Kriege offen zum Zentrum bekannte, hatte die Möglichkeit, in feiner Karriere weiterzukommen. Unterdrük- k u n g war an der Tagesordnung. In den Ministerien war ein Katholik überhaupt un- denkbar, aber auch in den städtischen Behörden wo die Konservativen die Oberherrschaft hatten, waren Katholiken so gut wie garnicht unterzubringen, weniait-ns vi^t 6f«'H"t'aen. Unb
heute will sich biefe Partei, bie in ber Vorkriegszeit mit ungeheurer Gesinnungsschnüffelei bis zum Nachtwächter h i n- unter ging, für bie Beamten einsetzen. Das ist denn doch eine kaum zu überbietende Heuchelei
Das Zentrum kann für sich in Anspruch nehmen, daß es in Wahrheit die Beamtenschaft schützt und deren Rechte verteidigt. Aber es verlangt auch von ihr die unbedingt erforderliche Di st a n z von Bestrebungen, welche die Staatsautorität untergraben.
*
Die Beamten, soweit sie Hugenberg nachlaufen, sind zum großen Teil solche Leute, die aus konfessioneller Voreingenommenheit es nicht mit ansehen können, daß heute auch K a tholiken in mehr der Parität entsprechenden Zahl in Beamtenstellen hineinkommen können. Die deutschen Katholiken verkennen auch von weltanschaulichem Gesichtspunkt her nicht die Richtung, in der Hugenbergs Vorstoß geht.
R.F.V. bleibk verboten.
Gegen das Verbot hatte der Rote-Front-Kämp- ferbund beim Reichsgericht Beschwerde eingelegt. Der IV. Strafsenat hat nunmehr enschieden, daß das Reichsgericht über die Beschwerde seit dem Außerkraftsetzen des Republikschutzgesetzes nicht entscheiden könne.
Von unterrichteter Seite erfahren wir, daß die Mutmaßungen eines Berliner Morgenblattes über ein Verbot des Stahlhelms fürganzDeutfch- l a n d unzutreffend sind. Ein Gesamtverbot des Stahlhelms ist nicht in Aussicht genommen.
Bünde und Uniform.
Man schreibt der KV. aus parlamentarischen Kreisen:
Die Ueberschrift mag zunächst etwas sonderbar klingen. Aber zwischen der Tatsache, baß alle Bünde auf die Uniform ein großes Gewicht legen und ihrer starken Verbreitung, gibt es mehr Zusammenhänge als man denkt. Wir erheben daher die Forderung: Was gedenkt die Regierung zu tun, um dem Unsinn der irregulären Uniform endlich ein Ende zu machen? Es ist doch soweit gekommen, daß einzelne Bünde eine Bekleidung besitzen, die nicht nur ein militärisches Gepräge trägt, sondern die von Ausländern als regulär" betrachtet werden muß.
Aber das ist noch nicht einmal das Entscheidende. Sie übt auch einen magischen Zauber aus auf die Jugendlichen! Man hat fast den Eindruck, als wenn ihr Zauber nach dem Kriege noch gewachsen sei. Daran mag eine merkwürdige Bewegung der Zeit überhaupt beteiligt fein, die fi<6 ja auch in der studierenden Jugend z. B. geltend macht, daß sie sich in bunten Mützen zeigt, eine Bewegung, die man vor dem Kriege nicht kannte Oder drückt sich darin ein betonterer Zug nach Gemeinschaft aus? Wie dem auch sei: Der Zauber, die Magie ber Uniform, ist nicht zu leugnen, unb sie spielt bei ber Werbung ber Bünbe, namentlich unter ber Jugend, eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Es mag auch nicht uninteressant sein, darauf hinzuweisen, daß gerade die radikalsten Verbände die ausgesprochenste kriegerische Bekleidung haben die wirklich nicht , mehr von der regulärer Truppen zu unterscheiden ist, und wo eben nur noch die staatliche Anerkennung fehlt: sie machen durchaus den Eindruck „regulärer" Truppen.
Nun ist bei uns kein Mensch so töricht, das zu überschätzen; man hält bas für Spielerei unb weiß, baß es tatsächlich eine ist, baß hinter bieten Leuten nichts steht als ein romantisches, um nicht zu sagen phantastisches, Ideal. Man belächelt das gebührend und nimmt diele politischen Kinder nur «n soweit ernst, als sie tatsächlich Gelegenheit geben, sich mit ihnen und ihrem Tun als etwas ernstem zu befassen.
Aber der Taumel ber einheitlichen Vekleibung hat nun auch die bisher zurückhaltendsten Kreile ergriffen. Auch das Reichsbanner unb ber Jung- deutsche Orden ,die noch auf eine gewisse Bürgerlichkeit Gewicht legten, sind allmählich dazu übergegangen, sich ebenfalls zu „militarisieren", sie kön
nen anscheinend nicht anders, und wenn das so weiter geht, so können wir noch allerlei erleben!
Wenn man auf dem Standpunkt steht, daß bie ganzen Bünbe überflüssig finb, unb biefen Standpunkt haben mir immer vertreten, dann muß man ernsthaft die Frage aufwerfen, gibt es denn für bie Regierung kein Mittel, bie Uniform ben Bün- ben zu verbieten? Man unterschätze bvch mcht bas Psychologische babei, bas wir oben angebeutet haben. Es ist wirklich nicht nur etwas Aeußeres, es ist ein Symbol, bas baburdj getroffen wird. Wir entsinnen uns nicht, baß im alten Deutschland jemals solche Dinge erlaubt gewesen wären, und es sollte doch ein Kleines fein, zu unterscheiden, was als Uniform angesehen werden kann und was nicht. Die Bünde aber sorgen dafür, daß sie diese immer mehr individualisieren unb zurechtmachen, weil sie wissen, welches Aktivum es für sie darstellt.
Und noch etwas! Gerade ihre Anlegung hat ganz wesentlich dazu beigetragen, die Idee ber Bünbe, die ja anfangs ganz anders war, zu materialisieren und zu veräußerlichen! Man würde sie durch das Verbot geradezu zwingen, wieder auf die Idee und auf das Ideale mehr Gewicht zu legen. Alle diese großen Aufmärsche unb bas militärische Schaugepränge, bas soviel Unheil birgt, bie Schlägereien unb Kämpfe, bie sich, weil man einanber bann unterbleiben kann, boch nur in Uniform burchführen lassen, würben, wenn nicht zu Ende sein, so doch wesentlich geringer werden. Besitzt die Regierung dazu keine' Handhabe ober will sie es nicht, weil auch befreunbete Verbänbe bereits benfelben Weg zu gehen sich anschicken? Es hanbelt sich um ein zu ernstes Problem, als baß man es anbers als mit ber größten Unparteil'ch- feit unb dem größten Ernst anfaßt. Der Stahlhelm würde ein Geländespiel ohne sie niemals aus» führen können, sie ist so wesentlich dabei wie bie ganze Jbee bes heutiaen Stahlhelm, ber von seinem ehemaligen Boben völlig abgekommen ist — buch die Uniform! Das klingt sonderbar und scheinbar paradox, aber es ist so.
Und noch etwas, was wir schon oben anbeuteten: Der schlechte Einbruck ber Bünde auf bas Ausland. Kann man das einem Ausländer übernehmen? Der Deutsche, der sich einige Wochen in Paris auchäit, wundert sich darüber, daß er in der Hauptstadt des miUtarifierteften Staates der Welt fast nie Soldaten sieht. Das ist so! Ist es Absicht ober ist cs Zufall? Wir wißen es nicht. Wer aber -’n? beutsche Stabt etwa an einem Sommertag sich ersieht, der bekommt die sonderbarsten Einbrük-. Fast stets „üben" hier irgendwelche „Truppen"; denn dem Ausländer erscheinen sie so. Man-, muß sie für „Freischaren" halten. Was wunder, wenn wir immer wieder bei dem Versuche, uns außenpolitisch durchzusetzen, darauf hingewiesen werden. Stresemann wußte ein Lied davon zu fingen! Diele Verbände haben mit all ihrer Spielerei uns außenpolitisch mehr geschadet, als wir wissen, und sie hohen vor allem den deutschen Kredit, das Vertrauen auf uns. das beinahe noch mehr wert ist, geschädigt. Es ist Zeit, diese Frage wieder einmal mit allem Ernst und allseitig anzufassen. Man sollte meinen, daß auch ruhig denkende Bündler für diese Gedankengänge ein Interesse hätten, und daß sie für diese Vernunft Zugänglich finb! Der Augenblick ist gekommen offen zu reben! *
Unter der Ueberschrift „Die Stammrollen für Ehrabschneider liegen aus", erläßt der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold einen Aufruf, in dem es heißt:
Wer sich vom 16. bis 29. Oktober in die List» des Volksbegehrens einzeichnet, wirft dem Reichs- nräfibenten v. Hindenburg vor, daß er eine Vo- litik des Landesverrats gedeckt und gebilligt habe unb von Rechts wegen mit allen Mitaliebern ber Reichsregierung in ein Suchtbaus gehöre. An Strefemanns Bohre rief Vi.zepräsibent v. Karborff aus: Unbegreiflich will mir scheinen, baß man es gewagt hat, diesem treuesten Patrioten die politische,' die nationale und die persönliche Ehre abzusprechen. Vom 16. bis 29. Oktober wird sich erweisen, wer den traurigen Mut aufbringt, mit seinem Namen für ein ehrabickneiderifches Unternehmen einzustehen Wer sich vom 16. bis 29. Oktober in bie .Liste bes Volksbegehrens einzeichnet, ruft die fremden Truppen zurück über ben Rhein, gibt Deutschland einer neuen Invasion und Inflation preis, stürzt das deutsche Volk in ein Chaos.
Wie romantische Gesüblswellen schon von dem Gedanken an Uniform ausgelöst werden, selbst bei Leuten, die durch ihr Alter unb ihre Sagt vor solchen Anwandlungen geschützt fein sollten, bewies dem Schreiber dieser Zeilen die' Denkschrift eines Ehemannes und Vaters mit wichtigem Pflich- tenkreis in gut bürgerlichen Verhältnissen, in ber immer roieber bie Rede davon war: dgsLands- knecht-Kleidanzuziehen. Wer R o m a n- t i k e r ist und trägt Sonntags und Werktags einen von einem leistungsfähigen Schneider gut gebauten Anzug, der sehnt sich halt danach im bunten Rock des Landsknechts herumzulaufen:
Das Käuzlein laß ich trauern, Im Astloch Tag und Nacht. Ich renn aus Stadt und Mauern Ins offene Feld zur Schlacht. . .
Spielerei! Butzenscheibenlyrik! Unsere Zeit braucht mehr kühle Ueberlegenheit! Wer waren die „Landsknechte"? Der hessische Militärschrift- steller Worringer-Kassel, der auch in Fulda gut bekannt ist, schreibt über die Landsknechte im „Hanauer Magazin": „Da sie im Gegensatz zu den gern, ’n fremde Kriegsdienst tretenden Schweizern dem deukjche.: nanbe entstammten, nannte man sie „Landsknechte". Dein: Abbruch-eines Krieees gaben di« kriegführenden Fürsten einem tägigen
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Samstag, 19. Oktober 1929.
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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.
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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt 1frf» OjL'X im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. n
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Gegen die Verblendung!
Jrn „Fränkischen Volksblatt", dem Würzburger Organ der Bayerischen Volkspartei, wird in trefflicher Weise zum Hugenberg-Hitler „Volksbegehren" Stellung genommen. Es heißt da u. a.:
Wenn man mit nüchternem Verstand alles überlegt, bann muß man erschrecken, was heute in Deutschlanb roieber möglich ist. Ist bas wahr, was die Agitatoren für das Volksbegehren behaupten, daß Deutschland durch seine Staatsmänner an das Ausland verraten und verkauft sei? — Eine boshaftere Lüge ist nie ausgesprochen worden! Was uns an bas Auslanb verkauft hat,, bas ist ber Seift ber Verdlenbung, ber seinerzeit verhinderte, daß wir recht zeitig Friede nschlof- f e n, als noch nicht alles verloren war. Das ist ber Geist ber Lüge, ber währenb bes Krieges immer nur törichte Hoffnungen weckte, bie bann in Nichts zerrannen, nachbem sie uns noch tiefer in das Unglück gebracht hatten.
Wo waren denn diese „tapferen Helden", welche heute wieder so große Worte machen, damals im Jahre 1918? Als ihr Vorbild und Führer Luden- borff verzweifelt von der Regierung verlangte, sie müsse binnen 2 4 Stunden 28 aff en st i l l- stand herbeiführen, sonst sei alles verloren! Als die Millionen amerikanischer Soldaten mit Bergen von Kriegsmaterial unsere Front durchbrachen! Als das ausgeblutete Deutschlanb keinen Mannschaftsersatz mehr hatte, während Amerika jeden Monat 300 000 neue Soldaten an bie Front schickte! Als 50 feinbliche Flieger auf einen beut« scheu kamen! Als bie bulgarische Front zusammen- brach! Als bas österreichische Heer sich auflöste unb die Italiener sich rüsteten, in Bayern einzubrechen. Als tatsächlich und buchstäblich alles verloren war. Nicht weil die Heimat versagte, nicht durch Verrat, wie verblendete Torheit heute wieder zu behaupten wagt, sondern weil eben zehn mehr sind als einer unb weil in einer Zeit, ba bie Technik unb bas Material im Kriege entscheibet, auch bas tapferste Heer in dem Hagel der Geschoße schließlich erliegen muß. wenn es gegen zehnfache Uebermadjt jahrelang zu kämpfen hat.
Wo waren damals diese tapferen Helden mit dem großen Mund, bie heute bas Volk mit ihren Reben aufhetzen?
Damals, als keine Macht der Welt die Feinde hätte hindern können, ganz Deutschland zu besetzen, übernahmen einige pflichttreue Männer die unsagbar bittere Aufgabe, mit den Feinden zu verhandeln und für das Vaterland alle Demütigung und Herzensnvt auf sich zu nehmen, bie bamit ver- bunben war. N:->lleicht, wenn es sich nicht um das arme beutsche Volk gehanbelt hätte unb um ben Bestaub bes beutschen Vaterlanbes, hätte man besser getan, jenen „Helben" biefe unbantbare Aufgabe zu übertragen, bie es heute wagen, die Staatsmänner, bie den Frieden schließen mußten, und ihre Nachfolger als Verräter zu beschimpfen und mit Zuchthaus zu bedrohen. Einen Ludendorff und einen Hitler! Aber Ludendorff floh damals mit einer blauen Brille nach Schweden, weil er Angst hatte für fein Leben! Und auch einem Hitler blieben damals bie Sprüche im Hals stecken, bie er heute in fo großer Zahl über Deutschlanb ausgießt!
Wer bie Wahrheit kennt unb sich über bie Pflicht der Gerechtigkeit nicht hinwegfetzen will, ber muß anerkennen, baß bie Staatsmänner, welche nach dem Verlust des Krieges die bittere Aufgabe übernehmen mußten, m-t den Feinden zu verhandeln, daß diese Staatsmänner nach Pflicht unb Gewissen sich bemühten, bas Beste für basbeutsche Bvlk zu erreichen! Das gilt für Erzberger unb das gilt für Stresemann. Erzberger würbe zum Danke dafür feige niedergeschvssen und Stresemann sollte durch das Volksbegehren mit Zuchthaus belohnt werden, wenn er nicht vorher gestorben wäre. Ist bas beutsche Volk so g e i ft e s a r m, baß es alle biefe Tatsachen übersieht unb sich von Fanatikern verführen läßt?
Wer sich in bie Liste bes Volksbegehrens einträgt, ber hanbelt gegen Wahrheit unb Gerechtigkeit. Unb er versündigt sich am deutschen Baterlanb! Denn was würbe bie Folge fein, wenn das Volksbegehren Gesetz würde?
1. Deutschland müßte 600Millionenjähr- lich Mehrzahlen an seine Gegner. Denn um soviel erleichtert der Houng-Plan, gegen den sich bio Volksbegehren richtet, bie Zahlungen Deutsch- tanbs.
2. Die bereits geräumten Gebiete bes Rheinlanbes würben sofort roieber von ben Feinben besetzt unb bie noch nicht geräumten würben alle Hoffnungen verlieren, befreit zu werden.
3. Frankreich würde ben Schluß ziehen, daß Deutschland einen neuen Krieg mit ihm führen will. Es würde die Macht, die es in der Hand hat, ausnützen, um dieses mit Gewalt zu verhüten. Es würde auch vor einer neuen Besetzung des Ruhrgebietes nicht zurückschrecken!
4. Die Katastrophe, welche die Nationalsozialisten herbeisühren wollen, würde allesbishernach dem Krieg mühsam Aufgebaute mit einem Schlag wieder zerstören, das deutsche Geld zum zweiten Male entwerten und Bürgerkrieg und bolschewistische Z u- stände in Deutschland herbeiführen.
Wer dies mit seinem Gewissen vereinbaren kann, der möge feinen Namen verewigen in der Liste des Volksbegehrens. Wir aber verlangen, zusammen mit den vernünftigen pflichtbewußten und vaterlandsliebenden Männern aller Par
teien, daß zäh und energisch, aber mit Vernunft und Klugheit an der weiteren Befreiung von den Lasten gearbeitet werde, die Deutschland drücken. Wir lassen den Staatsmännern die hierzu nötige Zeit! Wir bedrohen sie nicht mit Zuchthaus, wenn sie nicht in einem Jahr alles erreichen. W i r haben im Krieg zuviel gelernt, um leichtfertigen Versprechungen politischer Kinder mehr zu glauben als der eigenen Vernunft und den ernsten Versicherungen kluger und zielbewußter Politiker. Unser Name ist uns zu lieb, als daß wir ihn für das törichte und verhängnisvolle Experiment des Volksbegehrens hergeben möchten. Unser Parole heißt: Daheim bleiben!
Hindenburg bedauert.
Der Reichspräsident gegen den § 4 des Volksbegehrens.
wtb. Berlin, 18. Ott (<Eig. Meld.) 3m Laufe des heutigen Vortrages des Reichskanzlers nahm der Herr Reichspräsident Gelegenheit, den § 4 des Volksbegehrens, welcher Reichskanzler und Reichsminister, die den Doungplan oder ähnliche Verträge abschlietzen, unterdieAnklagedes Landesverrats stellt, als einen unsachlichen und persönlichen politischen Angriff zu bezeichnen, den er bedauere und verurteile. Der Herr Reichspräsident ersuchte den Herrn Reichskanzler, hiervon den Mitgliedern des Reichskabinetts Kenntnis zu geben.
*
Nahezu alle Preßorgane Hugenbergs befchäf- tigten sich mit der Rundfunkrede des Reichsjustizministers v. Guerard über das Volksbegehren. Daß sie an ihr Kritik üben, ist ihre eigene Sache. Uns interessiert nur das Wie. Unb da ist der Hu- genberpresse schlimmstes Pech passiert.
Sie wendet sich „mit Entrüstung" dagegen, daß der Reichsjustizminister davon gesprochen habe, „daß die Nichterfüllung der deutschen Reparations- Verpflichtungen die Wiederbesetzung deutschen Gebietes zur Folge haben würde." „Das ist" — so sagt die Hugenbergpresse, „das Stichwort, auf das man in Frankreich wartet."
So steht es auf der ersten Seite. Dreht man bas Blatt um, fo fällt man vor Schrecken beinahe in Ohnmacht, benn auf ber zweiten Seite kommt in großer Aufmachung ber Bericht über bie Sonntagsrede Hugenbergs in Neustadt an der Hardt und ba heißt es u. g.:
..Pfänder und Sanktionen drohen! Wenn wir nicht erfüllen können, — und niemand glaubt ernstlich daß wir den Poungplan durchführen können —, dann wird der Gegner wieder Pfänder fordern und mit Sanktionen kommen. Das erste Pfand, auf das er die Hand legen wird, wird die Reichsbahn fein. Noch ist der Paragraph des Versailler Vertrages nicht aufgehoben, wonach befetztaewefene Gebiete bei Nichterfüllung wieder besetzt werden können. Noch bestehen die Sanktionen des Versailler Vertrages fort. Und wenn neue Sanktionen kommen, dann wird auch der Pole im Osten nicht fehlen."
Da müssen wir benn doch fragen, ja, wer gibt benn Frankreich, sogar Polen „bas Stichwort" auf bas biefe schon lange warten? Ganz bestimmt nicht ber Reichsjustizminister, aber Herr Hugenberg. Die Deutschnationale Parteileitung würbe also bie Verantwortung bann voll unb ganz zu übernehmen haben, falls bie Bescktzungsmächte von ber ihnen durch Hugenberg aufgezeigten unb aus bem Versailler Vertrag hergeleiteten Möglichkeiten Gebrauch machen würben.
Es scheint, als ob ber gefunbe Menschenverstand bei ber Hugenberg-Presse völlig abhanden. gekommen ist. Sonst wäre eine Propaganba, wie sie sich hier barstellt, absolut unbentbar. Aus ber einen Seite wirb ber Reichsjustizminister maßlos angegriffen, weil er in sachlicher Weise vor ben Gefahren, bie bas Volksbegehren im Gefolge hat, als verantwortlicher Reichsminister warnt. Auf ber anderen Seite wirb Hugenberg verherrlicht, weil er aus biefen Gefahren eine entsprechende Propaganba für bas unsinnige Volksbegehren herleitet.
Einst und jetzt.
Lehrreiche (Erinnerungen aus der Vorkriegszeit. — Die Deukschnatioualeu als „Verfasiungsschüher" und
„Hüter der Veamtenrechke".
Aus parlamentarischen Kreisen wirb uns geschrieben:
Die Deutschnationalen scheinen bes Glaubens zu sein, baß bas beutsche Volk bte Geschichte biefer Partei vergessen habe. In ben Tagen, in benen sie für das Volksbegehren agitieren, stellen sie sich in eigenartiger Weife als die Hüter und Schützer der Reichsverfassung hin, wollen sich auf diese Reichsverfassung stützen in ihrem Kampfe nicht nur gegen den Poung-Plan, sondern gegen ben Staat selbst, gegen die verantwortlichen Regierungen. Dabei vergeht keine Stunde, wo sie nicht dieselbe Verfassung mit allen tauglichen und untauglichen Mitteln bekämpfen, ihre Bestimmungen zu unterhöhlen versuchen.
Wie in Wirklichkeit bie „Verfassungstreue der Deutschnationalen" aussieht, dafür ein Beispiel. Als sie seinerzeit um vier Ministersessel willen alle ihre Parteigrundsätze verleugneten unb in bie Regierung eintraten, haben sie ben feierlichen Eid auf bte Verfassung geleistet unb gelobt, jeber« zeit zu bereit Schutze einzutreten und alle Angriffe, von welcher Seite sie auch kommen mögen, aeaen