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Ilr. 238.

Fuldaer Zeitung (AmMches kreisblatt.)

Sonntag, den 13. Oktober 1929.

Wte Ml

Besitzer:

Hermann Kramer

Telephon Amt Fulda Nr. 46

Gut bürgerliches Gast- und Logierhaus Bratwürstchen, Knoblinen Kaffee und Kuchen auch wochentags.

Großer Saal, Gartenwirtschaft Fremdenzimmer, Autogaragen

Heimat

Fulda, den 12. Oktober 1929.

Kirchliche Benediktion der St. Josephskirchr.

Zur Feier der kirchlichen Benediktion der St. Josephskirche, die am morgigen Sonntag V2IO Uhr durch den Hochwürdigsten Herrn Bischof stattfindet, werden die Gläubigen nochmal herzlich eingeladen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Gläubigen erst nach der Benediktion die Kirche betreten. Das feierliche, leditierte Hochamt beginnt etwa um 10 Uhr. In dem Amt singt der Domchor eine Messe von Filke. Nach dem Amt ist Te Deum und Segen. Nachmittags 2 Uhr ist eine Dankandacht zu Ehren des heiligen Joseph mit Segen.

Bon den städtischen Dolksschulen.

Der Magistrat wählte vorbehaltlich der Bestäti­gung durch die Regierung Fräulein Therese F u hr- mann zur Lehrerin an die Städtischen Schulen. Fräulein Fuhrmann, die zurzeit am Institut der Englischen Fräulein unterrichtet, verwaltet schon seit längerer Zeit das Amt der Stadt-Jugendpfle- gerin in Fulda.

Deutsche Wohlfahrtsbriefmarken 1929.

Am 1. November gelangen die Wohlfahrtsbrief­marken 1929 zur Ausgabe. Es werden herausge­geben: eme Fünfpfennigmarke zum Verkaufspreise von 7 Pfg., eme 8-Pfennigmarke für 12 Pfg., eine 15-Pfennigmarke für 20 Pfg., eine 25-Pfennig- marke für 25 Pfg., eine 50-Pfennigmarke für 90 Pfg. und eine 8-Psennigbildpostkarte für 12 Pfg. Die Wohlfahrtsbriesmarken sind vollwertige amt­liche Postwertzeichen, gültig zur Frankierung aller Postsendungen nach dem In- und Ausland. Der Wohlfahrtsaufschlag ist jetzt zum ersten Mal herab­gesetzt.

päpstliche Anerkennung.

Der Heil. Vater richtete an Frl. Katharina S ch y n s e, die Gründerin und Vorsitzende der Missionsvereinigung kath. Frauen und Jungfrauen Deutschland s, ein Handschreiben, in dem er für den Erfolg der Aus­stellung heiliger Paramente, die auf Initiative der Missionsvereinigung in diesen Tagen im Vati­kan veranstaltet worden war, warmes Lob aus­spricht. Die Ausstellung war bekanntlich auch mit Paramenten beschickt, die von der F u l d a e r Orts­gruppe der Missionsvereinigung deutscher Frauen und Jungfrauen hergestellt worden sind.

Laudwirtschastsschule Fulda.

Am 7. November 1929 beginnt wiederum der Unterricht an der hiesigen Anstalt. Es ist daher an der Zeit, an dieser Stelle auf die Notwendig­keit des Schulbesuchs hinzuweisen. Alle Landwirts­söhne sollten heute eine theoretische Schulung er­halten, ganz einerlei, ob sie später den Hof über­nehmen oder sich in der Fremde eine Existenz als Verwalter, Milchkontrollasiistent oder Inspektor usw. gründen. Darum Eltern, meldet Euren Sohn umgehend zur Schule an, wenn er das 18. Lebens­jahr erreicht hat. Nach oben gibt es natürlich keine Grenze, je älter umso besser. Selbst für drei- tzigjährige ist es noch nicht zu spät. Vielfach ist noch die Ansicht verbreitet, daß der Schulbesuch mit übermäßig hohen Kosten verbunden wäre. Es ist dies jedoch keineswegs der Fall. An Ausgaben entstehen für ein Winterhalbjahr: 1. 50 Mark Schulgeld, das in zwei Raten im November und Januar erhoben wird. 2. Fahrtkosten durch Lö- en einer Schülermonatskarte. Es find dies un- ,efähr 4 Hin- und Rückfahrten von der Heimat- tation des Schülers zum Schulort. Vielleicht wird riefe Aufklärung manchen Eltern die Anmeldung hres Sohnes erleichtern. Die Anmeldungen sind bis jetzt erst spärlich eingegangen. DerKreis G e r s f e l d fehlt bis heute dabei noch ganz. Es fei aber noch besonders erwähnt, daß gerade aus dem Kreise Gersfeld in diesem Winter eine starke Beteiligung erwartet wird, nachdem für den ttlftergrunb in dem Winterfahrplan ein neuersehrgünstigerZug, der um 6.09 in Wüstenfüchsen abfährt und um 7.43 Uhr in Fulda ankommt, eingelegt ist. Eine Entschuldigung gibt es also jetzt nicht mehr. Da der Unterricht nur bis 1.15 Uhr dauert, können alle Schüler mit den Mittagszügen nach Hause fahren. Wegen des Kirchweihfestes beginnt der Unterricht erst am Don­nerstag, den 7. November, vormittags 10 Uhr.

Tohuwabohu!

Gemeindewahlen, durch die einer Reihe von Mitbürgern weittragende Entscheidungen über kul­turelle und materielle Güter einer Stadtgemeinde in die Hände gelegt werden, sollten die gewissen­hafteste Prüfung der für solche Aemter in Frage kommenden Personen und ihrer Grundsätze zur Voraussetzung haben. Nicht darauf kommt es an, I wer bei einem W a h l k a m p f die größte Betrieb- | samkeit entfaltet, sondern wer in dem Amt, in das er durch die Wahl gelangt, das Beste lei­st et. Durch Aufstellung einer neuen Liste ist der Allgemeinheit gar nichts genützt. Immer neue Parteigründungen sind die Folge des Zer­splitterungsprozesses. Das sieht man deutlich in unserer Nachbarstadt Hanau. Dort war das letztemal Handwerk und Gewerbe allein mit einer Handwerkerliste vorgegangen. Jetzt hat sich be­reits diese Handwerker- und Gewerbegruppe wie­der in zwei Teile gespalten und ein Teil geht mit der Wirtschaftspartei, ein anderer Teil geht für sich vor. Neben den Sozialdemokraten und den Kommunisten gibt es in Hanau auch noch eine Spartakistengruppe, die einen eigenen Wahlvor­schlag bringt. Tohuwabohu auf Kosten einer soli­den Selbstverwaltung!

Zusahrentenempfänger.

Die Auszahlung der Zusatzrente an sieche er­werbsunfähige Kriegsbeschädigte und Kriegshinter­bliebene findet am Dienstag, den 15. Oktober 1929

norm. A—12 Uhr statt. Beim Abholen der Rente ist die gelbe Ausweisnummerkarte vorzulegen. — Diejenigen Renten, welche von den Empfangsbe­rechtigten an diesem Tage nicht abgeholt sind, werden denselben auf ihre Kosten durch die Post übersandt.

Die Umbauten im katholischem Gefellenhause sowie die verschiedenen Erneuorungsarberten sind vollendet. Am morgigen Sonntag findet eine Ein­weihungsfeier statt, zu der alle Vereinsange- hörigen mit ihren Familien eingeladen sind. Die Feier, bei der alte Abteilungen des Vereins in Tätigkeit treten — Sänger, Turner, Musiker, Büh­nenkünstler — beginnt abends um 7y2 Uhr. Es steht ein besonders schöner Abend in Aussicht.

Der Martinstag

ist zwar noch fern. Vom 11. November trennen uns noch Wochen. Gleichwohl waren auf dem heu­tigen Fuldaer Buttermarkt die Martinsvögel, leb kere Gänslein, bereits in großer Zahl seilgeboten.

Heimat * Kunstausstellung.

In dem Schaufenster der Buch- und Kunsthand­lung F. I. Reinhardt, das vor kurzem in seiner vielbeachteten „Es war einmal" betitelten Auslage eine Reihe interessanter Aufnahmen aus Fuldas Vergangenheit bot, stellt jetzt der bekannte Fuldaer Kunstmaler Nikolaus Kleineber g sechs Gemälde aus, auf die hier ausdrücklich hingewie­sen werden soll. Heimatbilder nennt er sie mit Recht. Nicht nur für den Kunstfreund, son­dern auch für jeden, dem das Wort Heimat noch etwas bedeutet, und der nicht geringschätzig auf das Gestern herabblickt, bietet diese kleine, aber geschmackvolle Ausstellung so viel des Schönen, und Wertvollen, daß es sich wohl lohnt, etwas näher darauf einzugehen. Glückliche Wahl der Motive und gute Ausführung fesseln uns in glei­cher Weise. An erster Stelle sei der hessische Bauer erwähnt. Wie natürlich und lebendig ist er wiedergegeben in seinem charakteristischen blauen Leinenkittel, wie er auf dem Lande bis zum Ende des 19. Jahrhunderts getragen wurde. Trotz seiner Gutmütigkeit scheint er gerade über die schlechten Zeiten schimpfen zu wollen, die doch im Vergleich zu heute gar nicht so schlimm waren. — Drei Gemälde sind nach alten Bildnissen Fuldaer Persönlichkeiten geschaffen. Das jungeEhepaar schaut so frisch und lebensfroh drein, daß man es ob seiner behaglichen Zufriedenheit fast beneiden möchte. Die Preise der Stoffe scheinen damals, d. h. um das Jahr 1860, noch nicht so hoch gewe­sen zu sein wie heute, denn, wie zu sehen ist, konnte man sich noch richtig bekleiden. Ebenfalls recht gut getroffen ist das Bild der jungen Ful­daerin am Spinett. Wie lebenswahr hat der Zünftler diese würdige Vertreterin des Fuldaer Bürgertums um 1830 dargestellt! Derselben Zeit entstammt auch der schmucke kurhessische Ho­boist, dessen Bataillon in der alten Kaserne, dem jetzigen Stadtschulgebäude, in Garnison lag. Es darf vielleicht verraten werden, daß die auf diesen bei­den gleichgerahmten Bildern dargestellten Fuldaer später ein glückliches Paar geworden sind. — Die beiden Landschaften zeigen uns, daß die Stadt Fulda für den, der zu sehen versteht, reich i st (bald wird es leider heißen müssen reich w ar) an malerischen Motiven. Das eine Bild stellt einen Rest der alten, nun völlig niedergerissenen Ful­daer Porzellanfabrik dar mit angrenzen­dem Hofraum, der jetzt zum Spielplatz der Ober­realschule gehört. Man staunt, wie aus einem scheinbar reizlosen Stück Mauerwerk ein Stim­mungsbildchen von solch treulicher Wirkung hat entstehen können. Bei dem zweiten Landschafts- bild hat eine Partie A n derTränke als dank­barer Vorwurf gedient. Es stammt aus dem Jahre 1885. Der Waidesbach ist noch nicht völlig in hohe Ufernmauern eingezwängt, und als Uebcr- gang dient ein einfaches Brett. Heute ist eine feste Betonbrücke an feine Stelle getreten, und auch das malerische Häuschen im Vordergrund ist verschwunden. Es war einmal!

Erst nach längerer Pause zeigt jetzt Herr Klei­ne b e r g wieder öffentlich Proben seiner Kunst, aber sie liefern den Beweis, daß er sich in der Zwischenzeit durch keine neue Kunstrichtung hat beeinflussen lassen, sondern unbeirrt seiner alten Malweise treugeblieben ist. Seit dem 1. April dieses Jahres lebt Herr Steineberg im wohl­verdienten Ruhestand, nach dem er mehr als drei Jahrzehnte an der Fuldaer Oberrealschule als Zei­chenlehrer tätig war, und so darf man vielleicht die Hoffnung und den Wunsch aussprechen, daß seine Mußezei recht fruchtbringend werde und daß er uns noch durch manches Erzeugnis feines künst­lerische Schaffens erfreut. Studienrat Bargon.

Bon der Polizei.

Der bisherige Polizei - Hauptwachlmeister Weber m Fulda ist zum Polizei-Meister ernannt worden.

Aus dem Gerichtssaal.

Die gestrige Kleine Strafkammer be­schäftigte sich nur mit zwei Fällen. Eine 30jährige Frau von auswärts, die mit dem ihr nur erst bürgerlich, nicht kirchlich angetrauten Mann bereits seit längerer Zeit in Scheidung liegt, hatte Berufung eingelegt gegen ein Urteil des Amts­gerichts Fulda, wonach sie wegen Betrugs zu 80 Mark Geldstrafe ober 10 Tagen Gefängnis verur­teilt worden war. Die Frau hatte unter Berufung auf 'ihren „Zivil-Gatten" in einem hiesigen Kauf­haus zwei Kleider und einen Mantel zur Auswahl sich kommen lassen, die Kleidungsstücke aber nicht zurückgegeben, sondern ohne Bezahlung mit in ihre Heimat genommen. Es handelt sich um einen Be­trag von 103 Mark. Die Berufung wurde auf Kosten der Angeklagten verworfen. — Das Amtsgericht Burghaun hatte den L. I. in Michels- rombach wegen öffentlicher Beleidigung der Ehe­

frau R. A. in Michelsrombach in zwei Fällen zu je 20 Mk. Geldstrafe verurteilt und Aushang des Urteilstenors am Gemeindebrett in M. zuer- kannt. Der Angeklagte hatte wegen eines Falles Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung wurde seine Berufung verworfen, da man fest­stellte, daß auch in dem zweiten Falle eine öffent­liche Beleidigung vorlag.

Bewußtlos ausgefunden.

In der vergangenen Nacht wurde in der Leip­zigerstraße in der Nahe der Eifenbahnunterführung von einem hiesigen Kraftwagenführer ein 20jah- rtget Arbeiter im bewußtlosen Zustande aufge­funden. Der Kraftwagenführer beförderte den Be­wußtlosen mit seinem Auto zur Polizeiwache, von wo er sofort auf ärztliche Anordnung in das hie­sige Landeskrankenhaus überführt wurde. Hier zeigten sich Vergiftungserfcheinungen an dem Bewußtlosen. Der nähere Befund muß noch geklärt werden. Nach den Papieren des Bewußt­losen zu urteilen, handelt es sich um den Arbeiter Willi Bolz, geboren am 27. April 1908 zu Mühlhausen, der sich wahrscheinlich hier auf der Durchreise befand. Sachdienliche Mitteilungen über den Vorfall an die hiesige Kriminalpolizei erbeten.

— Der katholische Jugend- und Jungmännerverein der Dompfarrei begeht morgen am Sonntag, den 13. Oktober sein 40. Stiftungsfest. iDe Mitglieder des Vereins ehren diesen Tag durch eine entsprechende reli­giöse Veranstaltung. Am Abend findet die weltliche Feier im großen Stadtsaal statt. Im Mittel­punkt des Festabends steht das Theaterstück „Der Herr Senator", ein Lusffpiel in drei Akten. Die Blechmusik­kapelle und das Streichorchester des Vereins verschö­nen den Abend durch ihre Musikvorträge, sodaß den Be­suchern ein froher Abend bevorsteht. Alle Mitglieder und deren Eltern, die Pfarreiangehörigen der Dompfar­rei sowohl als der neuen St. Josephspfarrei, sowie alle Freunde der katholischen Jugend sind herzlich eingeladen.

— Fuldaer Stadltheater. Am 18. Oktober bringt uns die Südwestdeutsche Bühne im Stadtsaale Otto Lud­wigs großes Drama „Der Erbförster". Das Werk gehört der klassischen Literatur Deutschlands an. Das ganze Personal der Südwestdeutschen Bühne wirkt an der Aufführung mit.

— Reichskurzschristverein Fulda. Montag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr, beginnen in der Oberrealschule (Eingang vom Schloßhof her) die neuen Kurse für An­sänger und Fortgeschrittene. Einige Teilnehmer kön­nen sich noch beteiligen. Wer Interesse daran hat, kann Montag abend sich noch melden. Der Redeschrist-Kursus fällt Montag, den 14. Ott., aus. Wann der nächste Un­terricht beginnt, wird unter Vereinsnachrichten bekannt gegeben. Die Mitglieder werden gebeten, Interessenten

Vom Vorsitzenden des Handelsbeirates der Zentrumspartei, Ortsgruppe Fulda, wird uns geschrieben:

Die Vertrauenskrise im Wirtschaftsleben ist nicht nur ein Schlagwort, wie so viele andere, sondern eine furchtbare Wirklichkeit, die lawinenartig an­schwellend über unser ohnehin durch tausend Ader­lässe geschwächtes Wirtschaftsleben hereinbricht.

Die Vertrauenskrise hat die Börsen verwüstet, verhindert die Kapitalzuflusse für eine blutarme Wirtschaft. Die Vertrauenskrise birgt die große Gefahr in sich, zahlreiche noch lebensfähige, ja ganz gesunde Unternehmungen mit in den Strudel des wirtschaftlichen Zusammenbruchs hineinzu­reißen. Auf dem Boden der Vertrauenskrise schie­ßen die wilden Gerüchte ins Kraut, die heute den Kurssturz einer Aktie, morgen den Sturm auf die Schalter einer Bank Hervorrufen, übermorgen einem soliden, vertrauenswürdigen Unternehmen die Kreditgeber und die Kunden zugleich entführen.

Das alles kann ein Gerücht anrichten, nur ein Gerücht, eine Unwahrheit, eine Lüge. Je un­sicherer die Zeit, desto sicherer das Gerücht. Und die Gerüchtemacher wissen das. Nicht alle Gerichte werden absichtlich gemacht. Viele entstehen aus der allgemeinen Nervosität. Viele aber sind Ab­sicht, einfach ein ganz gemeines Konkurrenzmittel, absichtliche wirtschaftliche Schädigung.

Aber schließlich wäre auch die Lawine der Ge­rüchte einmal aufzuhalten, wenn alle Gerüchte sich als unhaltbar erwiesen. Aber leider, leider hat die Vertrauenskrise auch ihre allzutiefe Berechtigung. Und wenn man immer wieder betont, daß es sich schließlich stets um Einzelfälle handelt, daß man nicht verallgemeinern darf, so ist doch zu sagen, daß die Kette der Einzelfälle, die Kette der Skan­dale so dicht ist, so erschreckend geschlossen in der Folge, daß die Skandalchronik auch in der vor­sichtigen, ruhigen, nicht sensationellen Presse ein­fach nicht mehr aufhört.

Darf man deshalb verallgemeinern? Unser S Wirtschaftsleben in die Atmosphäre dieser alaffären hineinziehen? Sicherlich: nein. Und doch wird sich niemand wundern, daß dies allgemein geschieht. Das wirtschaftliche Denken, die wirtschaftliche Kenntnis ist fast in unserem ganzen Volke — auch bei den Gebildeten — außerordent­lich primitiv.

Aber letzten Endes muß ja auch zugegeben wer­den, daß bei aller Würdigung zahlreicher guter und bester, solider und anständiger Unternehmun- jen, die Häufung der Skandalaffären im Wirt- chaftsleben den Schluß auf gemeinsame Ursachen geradezu herausfordern.

Diese Ursache liegt in erster Linie in der plötz­lichen, sprunghaften Entwicklung der Wirtschaft zu großkapitalistischen Riesenformen, in der Ame­rikanisierung unserer Wirtschaft, für welche auf leben Fall wenigstens die Menschen bei uns noch nicht reif sind. Die Großformen wirtschaftlicher Riesengebilde haben uns das gebracht, was unter dem Namen Direktorenwirtschaft bereits ein natio­nalökonomischer Begriff geworden ist. Was besagt das Wort Direktorenwirtschaft? Schonend aus» gedrückt: Es gibt sehr viele Leute, die mit dem

für die neuen Kurse auf den Beginn derselben aufmerk- sam zu machen.

= Gardeverein Fulda. Man schreibt uns: Wie aus dem Anzeigenteil ersichllich ist, findet am morgigen Sonntag im Martinschen Saale zu Horas das diesiah- rige Herbstoergnügen dieses Vereins statt. Ganz be­sonders fei darauf aufmerksam gemacht, daß Sonntag nachmittag von 5 Uhr ab Postautoverbindung vom Post­amt aus besteht, ebenso von 23 Uhr ab von Horas zurück.

Jugend- und Jungmänner- vereine des Fuldaer Landes.

Aloys Setjod kommt!

Er ist uns kein Unbekannter. Wir laden des­halb alle Seelsorggeistlichen, Lehrer und die Jugenl hiermit zu folgenden Versammlungen ein:

Sonntag, 13. Okt., Z Uhr nachm.

in der Harmonie, Zimmer 2, Bezirksvorständekon­ferenz Aloys Seyock wird sprechen:

„.Aufgaben der Fuldaer Jugend in heutiger Zeit!"

Jeder Ortsverein möge wenigstens ein Vertreter entsenden..

Sonntag, 13. Oktober, abends in H 0 s e n s e l d Jugendabend für die Vogelsber­ger Jugend.

Montag und Dienstag

spricht Seyock im Kreis H ü n fe l d.

Mittwoch, 10 Uhr vormittags Präsideskonserenz für Fulda u. Gersfeld.

Tagesordnung:

1. Neuwahl und Geschäftliches.

2. Exerzitien und religiöse Wochen.

3. Arbeitskreis mit A. Seyock.

3 Uhr nachmittags Versammlung für di Herren Geistlichen, Lehrer und Jugendführer, Ju genbarbeit in nächster Zeit.

Es sprechen Diözesanpräses Kind und A. Seyock. Aussprache.

Mittwoch, abends 8 Uhr in Neuhof Ju- gendversammlung für die Jungmänner Neuhofs und Umgehung im Jugendheim.

Jungführer, J'ugendführer an die Front!

Mit Verbandsgruß „Tapfer und Treu'

Kind, Bub, Füller, Arend,

Diözesanpräses. Bezirkspräses.

Geld anderer nicht genau so vorsichtig, sparsam uno gewissenhaft umgehen, wie mit dem eigenen. Das ist ja zwar eine sehr verbreitete menschliche Schwäche. Wer sie aber noch nicht abgelegt hat» dem fehlen die moralischen Qualitäten für eine füh­rende Stellung in großkapitalistischen Wirtschafts­gebilden. Denn diese arbeiten durchweg mit dem Kapital, mit dem Gelds anderer. Mit dem Gelds einer oft ganz breiten Allgemeinheit, mit dem Selbe der Aktionäre und der Kreditgeber aller Art. Interessiert den Direktor das eigene Gehalt mehr als die Gesundung des Werkes und die Dividende der Aktionäre, so ist das bereits beginnende Kor­ruption. Geschehen dagegen Dinge, wie wir sie kürzlich in einer großen Versicherungsgesellschaft erlebt haben, so sind das wirtschaftliche Verbrechen, für die unsere Strafgesetze [Aber nicht eine bet Ungeheuerlichkeit bes Vertrauensbruchs angemes­sene Strafe kennen.

Besonbers genährt wird auch die Vertrauens­krise, wenn sich Fälle abspielen, wie in der Sklarek- affäre, wo ein Riesengeschäft aufgezogen wird auf­grund mehr oder minder nachweisbarer Bestech­lichkeit- von Personen in amtlicher Stellung. Schließlich wird die Wirtschaft nur noch rollen kön­nen, wenn die Schmiergelder fließen, schließlich wird das Schmiergeld für den Absatz, was das Schmieröl für den Motor ist, nämlich eine unum­gängliche Voraussetzung. Eine Hauptursache der Vertrauenskrise: Der Glaube in die Unbestechlich­keit der verantwortlichen Stellen ist im weitesten Maße erschüttert.

Ein dritte Ursache, die die Vertrauenskrise be­fördert, ist der oft gänzlich unübersichtliche, oft ab­sichtlich unklare Aufbau der Konzerne, die garnicht mehr zu überblickende Verschachtelung zahlreicher Gesellschaften. Eine Firma gehört der anderen, eine pumpt der anderen, eine liefert der anderen. Es ist eigentlich alles eins, aber es dient verschiede­nen Zwecken, nicht immer ganz unanfechtbaren. Wer als Einzelner einem solchen Gebilde gegen­über tritt, wird im Ernstfälle, wenn er sich geschä­digt fühlt, gar nicht finden, wer der verantwort­liche Mann ist. Jeder ist angeblich wieder von an­deren abhängig. Es ist der Mangel an Persön­lichkeiten, die für großkapitalistische Wirtschafts­gebilde die persönliche, moralische und finanzielle Verantwortung zu tragen bereit sind, der als dritte Ursache der Vertrauenskrise in Frage kommt.

Diese Zeilen sollen aber weniger die Ursacher der Vertrauenskrise nach allen Seiten hin auf- genaueste untersuchen, als vielmehr die Frage auf werfen, wie kann sich die Wirtschaft in dieser Zeil des Mißtrauens helfen und retten. Es sind we Niger die Sorgen der großkapitalistischen Unter nehmungen, die uns hier interessieren, als die Gor­gen des kaufmännischen und gewerblichen Mittel­standes.

Das Bild der Wirtschaftsstruktur unserer Va­terstadt ist vorwiegend mittelständisch: das weitver­zweigte Handwerk, unser ganzes Handelsgewerbe und auch zum größten Teile unsere Klein- unt Mittelindustrie, auch wenn zuweilen die sonst mehr beim Großkapital übliche Gesellschaftsform vor­handen ist.

Andererseits sehen wir aber auch die Unter- nehmungen des Großkapitals immer mehr ihre

Vertrauenskrise im Wirtschaftsleben und Mittelstand!

Ein offenes Wort.

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