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Samstag, Den 12. Oktober 1929

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt.)

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Die Blätter fallen

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Müder Glanz der Sonne! Blasses Himmelsblau! Von versunkener Wonne träumet still die Au. Goldenes Entfärben schleicht sich durch den Hain: auch Vergehn

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Seien Lüfte noch so klar, sei die Tiefe noch so still, Gefahr ist immerdar, wer durchs Leben schiffen wi'l (Rückert.)

Wer gute Menschen liebt, kann wenigstens nicht ganz

datenausrüstung. Das Schwert aber diente ihm stets nur zur Verteidigung des Landes, zum Schutz der Witwen und Waisen. Alle, die da von einem „Schwächling" sprechen möchten, vergessen, was für ein Bekennermut dazu gehörte, in eine heidnische Bevölkerung solch um wälzende Ideen hineinzutragen, von einem wilden zü­gellosen Volke derartige Opfer zu fordern.

Der beste Beweis für die politischen Erfolge dieses heiligen Staatsmannes ist die Tatsache, daß sein Bruder scheu müssen sehr viel anders wie gleiche Menschen- Boleslaw, der ihn wegen Mangel an „nationalem Sinn" im Jahre 929 ermordete, später in die Bahnen dieser vom ihm so sehr verfolgten Politik einbog. Der Gesamteindruck der Persönlichkeit Wenzels hinterläßt denn die Empfindung wie die romanischen Dome seiner Zeit: das Gefühl der Ruhe und Stärke, einer trotzhaften und doch demutvollen Wucht. Diese romanischen Men- schatten" ausgesehen haben. Zum mindesten eignete ihnen eine ungewöhnliche Zähigkeit und Energie, ein unerschütterliches Kraftbewußtsein, eine beispiellose Si­cherheit und Unmittelbarkeit des Gottesbewußtseins. Sie verwirklichten das, worum wir ringen: Die Harmonie zwischen Religion und Politik.

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davon, wenn man glaubt, sich aus unserm ehernen Zeitalter ohne weiteres in jenes als das „goldene" zu­rückträumen zu können. Statt von den mittelalterlichen Menschen orakelhaft zu reden, täte man besser, die gro- ßen Männer zu ergründen, in denen das Mittelalter sich verkörperte. Und da kann uns denn eine solche Gestalt wie die des hl. Wenzel enthüllen, wie ein „mittelalter­licher Mensch" aussah und unter welchen Bedingungen es nur möglich ist, ihn wieder zu beleben. Auffällt uns da eine Religiösität von unergründlicher Tiefe. Un­ter dem Königsgewand trug er ein Kleid von rauhem Roßhaar, um sich, wie durch kärgliche Speise, dadurch dauernd abzutöten. Für den täglichen Gottesdienst bereitete er seine Opfergabe mit eigener Hand: In der Stille der Nacht mähte er den Weizen, trug ihn auf eigenen Schultern nach Hause und mahlte ihn selbst aus einer Handmühle; „Bäcker und Fürst" zugleich, siebte er das Mehl, und schöpfte das Wasser in der Nacht, wo­mit er die Hostien selber bereitete. Auch pflückte er im Weinberg selbst die Trauben, die er mit eigener Hand kelterte. In den Winternächten brachte er selbst den Witwen und Armen Holz in die Häuser und ließ sich sogar von seinem eigenen Holzförster, der ihn nicht er­kannte, dafür verprügeln, um sich nur nicht als der Wohltäter zu zeigen. Daher das Weihnachtslied vom „Good King Wencesclas", das noch heute jedes Kind in England kennt.

Dieser selbe Heilige war aber kein „Schwächling". Als Mann von beispielgebender Tatkraft und Entschlos­senheit in politischen Dingen, be aller Realpoltik aber nie unbekümmert um das Gebot der Nächstenliebe und Wahrheit, reformierte er das ganze Gerichtswesen sei­nes Landes, beschränkte die Zahl der Todesurteile auf das Mindestmaß, ließ Galgen und Gefängnisse besei­tigen und sein Verkehr mit den Untertanen beglückte durch die Liebenswürdigkeit seines Wesens. Der Hei­lige in ihm hat ihn nie bei den Staatsgeschäften be­hindert. Er, der nicht einmal bei einem Todesurteil zu­gegen sein wollte und die Arbeit für den Frieden als das Hauptprogramm seiner Regierung bezeichnete, er widmete seinem Heere eine besondere Sorgfalt. Selbst Reiter und Jäger, in allen ritterlichen Kriegsdiensten erfahren, sorgte er für di« besten Waffen in der Sol­

Sidjert euch das Wahlrecht.

Die Wählkartei liegt vom Samstag, 12. Okt. ab bis zum 25. Okt. im Wahlamt (Stabtschloß). offen- Alle Wahlberechtigten, die keine Benachrich­tigungskarte erhalten haben, werben ersucht die Kartei einzttsehen unb erforderlichenfalls die Eintragung zu beantragen. Wahlberechtigt sind alle männlichen und weibl. Reichsdeutfchen, die aw Wahltage (17. November 1929) das 20. Lebens­jahr erreicht haben und außerdem sechs Mo­naten ununterbrochen in Fulda wohnen.

Wir bitten unsere Parteifreunde, festzustellen ob sie und ihre wahlberechtigten Familien-Ange hörigen eine B ena chrich tigun g ska rtl über ihre Eintragung in die Wählerkartei erhal­ten haben. Wenn das nicht der Fall ist, mutz diese Eintragung beantragt werden.

im Jahre 907 geborene Enkel und Zögling der hl. Ludmilla — einer Frau, die von ihren Landsleuten um ihrer christlichen Tugenden willen zu Tode gemartert wurde — schickte sogar seine eigene Mutter in die Ver­bannung, weil sie die haßerfüllte deutschfeindliche Na­tionalpartei führte. St. Wenzel selbst sah in den Deutschen die Missionare, aber auch die Vermittler der Kultur. Deshalb rief er die während seiner Unmün­digkeit durch seine Mutter vertriebenen deutschen Prie­ster nach Böhmen zurück, so daß, wie die Legende er- zählt, „die Christen wie die Bienen in den Stock nach Böhmen streben, Priester und Leviten aus Bayern, Schwaben und anderen deutschen Landen". Ueberdies war Wenzel der Freund des Bischofs von Regensburg, von dem er sich den Bau des berühmten St. Veit-Domes bewilligen ließ. So finden wir denn feine Reliquien nicht nur in böhmischen Kirchen; sie liegen auch in den Domen zu Halberstadt, Salzburg, Bamberg und Qued- linburg, in Trier, Tegernsee und seit 1210 auch tm Rheingau. Als der deutsche König Heinrich I. sieg­reich in Böhmen stand, stellte Wenzel den zunächst aus völkischen Gründen gegen ihn geführten Abwehrkrieg ein. Wichtiger als eine nationale Herrschaft war ihm das wirkliche Wohl seines Landes. Deshalb erkannte er die Oberheit des Deutschen Reiches an. Diese weise Voraussicht Wenzels hat das Land vor traurigen Schick­salen bewahrt. Das erkennen heute, im Gegensatz zu früher, auch alle tschechischen Historiker an.

Sehen wir so den Herzog Wenzel als einen der wenigen echt christlichen Fürsten, den Gewaltmitteln ab­hold und auf sie verzichtend, wenn sich das Ziel auf friedlichem Weg erreichen ließ, so stoßen wir auf die eigentliche Bedeutung dieses Menschen: Man hat über­sehen, daß er uns wie etwa Heinrich II. ein echter Ver­treter des sog. Mittelalters ist. Der „mittelalterliche Mensch" ist heute ja wieder modern. An uns selber irre geworden, ratlos nach allen Seiten umschauend, waren wir schon in Gefahr, uns an Fremdes zu verlieren. Die Rettung ist aber nicht willkürlich irgendwo zu finden, sie kann nur bei unseren eigenen Lebensquellen fein. Deshalb entstand bei denen, die willens waren, in un­serer eigenen Tradition weiterzugehen, die Hinwendung zum Mittelalter. Nur macht man sich ein falsches Bild

haus hergerichtetes Gebäude ohne jedes Inven­tar und ohne besondere baulichen Vorrichtungen als eingerichteter Raum anzusprechen ist, auch wenn das Gebäude ebenso gut zu anderen Zwecken verwandt werden kann. Da durch dieses Urteil des Re-.chsfinanzhofs eine gewisse Beunruhigung in die Kreise der Wirtschaft getragen worden ist, wurde angeregt, daß der Reichsfinanzminister naher bestimmen solle, welche Merkmale einen gewerb­lichen Raum gegebenenfalls zum eingerichteten im Sinne des Umsatzsteuergesetzes machten.

Die Versammlung nahm sodann mehrere Be­richte über die 10. Sitzung des Landeseisenbahn­rats Frankfurt a. M. entgegen. Der Landesölsen- bahnrat hat in seiner Sitzung gegenüber dem Antrag des Verbandes die Strecke durch den D i st e l r a s e n t u n n e l nach den allgemeinen Ta­rifsätzen zu berechnen, eine dilatorische Stellung eingenommen. Die Versammlung HE dw von der Reichsbahnverwaltung vorgebrachten Grunde für die gegenwärtige Berechnung nichts u r a u s - zch lag geb end und beschloß, die Angelegenheit werter zu verfolgen.

Auch die Anträge des Verbandes über Nahverkehr sollen weiter verfolgt werden.

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Tagessprüche.

Sucht dich die Freude, grüße sie, sie schmückt bas Erbenleben: Gib Raum ihr, doch vergiß es nie, daß Flügel ihr gegeben. (Jul. Sturm.)

All Labsal, das uns hier befchieben, fällt nur im Kampf unb Streit uns zu. Nur in der Arbeit wohnt ber Frieden, unb in ber Mühe wohnt die Ruh.

(Fontane)

Die Landstraßen.

Man schreibt uns:

Die größte Sorge bereitet wohl allen kommu­nalen Behörden die stetig zunehmende Belastung ber Landstraßen., In den städtischen, wie in den Gemeindeetats erscheinen jedes Jahr große Sum­men für die Ausbesserung der Straßen, besonders aber ber Lanbstrahen. Die Kreistage unb die Pro- vinziallanbtage können ein Lieb bavon fingen.

Nach ber neuesten Kraftfahrzeug-Statistik wa­ren in Deutschland nach Abschluß des 1. Halbjah­res insgesamt 1214 000 Kraftfahrzeuge vorhan­den. Die Zunahme betrug bereits in dem am 30 Juni 1928 endenden Berichtsjahr rund 280 000 Kraftfahrzeuge, darunter 81 000 Perfonenkraft-

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wagen, 22 000 Lastkraftwagen und Lieferwagen, 170 000 Krafträder und rund 6000 motorisch ange­triebene Zugmaschinen. - r.-

Es ist nun klar, daß eine derartige Verstär­kung des Kraftwagenverkehrs sich nicht nur ent« sprechen!) auswirkt im Berkehrsbild der stabte, sondern noch mehr in dem der Landstraßen. Be­kanntlich hat der deutsche Straßenbau-Verband tn den Jahren 1924—1925 erstmalig eine Verkehrs- ,zählunq auf den deutschen Landstraßen durchge­führt, um sich über die Gestaltung des Landstra- ßenverkehrs ein genaues Bild machen zu können. Doch ber in den Nachjahren ständig wechselnde Verkehr, das sich stetig verändernde Bild seiner Zu­sammensetzung hat eine zweite notwendig gemacht, die vom 1. Oktober 1928 bis zum 30. September ds. Is. veranstaltet wurde, die aber auch Deutsch-Oesterreich miteingezogen uai, um eine einheitliche deutsch-österreichische Bestand-

Von der Handelskammer.

Sitzung des Derbanbes bet Hesfeu-Nassauischen Industrie- und Handelskammern am 9. Okt. 1929.

In der Sitzung des Verbandes der Hessen- Nassauischen Industrie- und Handelskammern am 9. Oktober berichtete Professor Dr. Salomon im Anschluß an das Referat von Dr. Melchior, Ham­burg, im Deutschen Industrie- und Handelstag über die Reparationsfrage. Unter Zustim­mung der Versammlung vertrat er die Ansicht, daß der Poungplan gegenüber dem Dawes­plan zweifellos als das kleinere Uebel anzu- sehen sei. Eine endgültige Regelung der Repa- rationsftage könne aber auch in dem Youngplan nicht erblickt werden. Im übrigen sei Voraus­setzung für Annahme und Durchführung des Planes eine tiefgehende Reform der Finanz- und Wirt­schaftspolitik, um zu einer Vereinfachung des öffentlichen Apparates, zur Vereinfachung der öffentlichen Ausgaben und zu einer wesentlichen Entlastung der deutschen Wirtschaft zu gelangen.

Ferner beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage einer Ermäßigung der Gebühren des Dampfkesselüberwachungsvereins, insbesondere für die Prüfung von Aufzügen unb von Kraftfahr­zeugführern. Die Gebühren haben feit ber Vor­kriegszeit keine Ermäßigung erfahren, während die Zahl der Prüfungen außerordentlich geftiegen ist.

Weiterhin berichtete die Kammer Frankfurt über d-ie Umsatzsteuer von der Miete eingerichteter Räume. In einem neueren Urteil hat der Reichs­finanzhof dahin entschieden, daß ein als Waren-

Verminderung ber Höhe der einzelnen Geschosse in dem Neubau e i n Geschoß mehr vorhandm, es weist vier Stockwerke auf, während das alle Haus dreigeschossig ist. Im Innern sind zahlreiche praktisch ausgestaltete Räume für die Anstalts­zwecke geschaffen worden, die es ermöglichen sol­len, die sehr große und immer wachsende Zahl von Pfleglingen, schwachsinnigen Kindern, gesund­heitlich einwandfrei unterzubringen. Das Keller­geschoß enthält Räume für Lehrwerkstätten, an bre sich ein großer Turnsaal anschließt. Den oberen Geschossen sind große luftige Liegehallen nach Westen hin ungegliedert. Die Pläne für diesen Erweiterungsbau stammen von Architekt Hermaim Mcchr, der auch die Leitung des umfangreichen Unternehmens in Händen hatte, bei dem das Fuldaer Bauhandwerk in diesem Baujahr sicher­lich ausgiebige Beschäftigung sand.

Vor einet Nachprüfung.

Von Mitte kommender Woche ab wird die Reichsverficherungsanstalt für Angestellte die Bei­tragsentrichtung zur Angestelltenversicherung in Fulda nachprüfen lassen. Die Arbeitgeber werden ersucht, die grünen Versicherungskarten sowie Ge­haltsunterlagen zur Prüfung bereit zu halten und für rechtzeitige Beitragsentrichtung besorgt zu sein, um Nachteile zu vermeiden. Eine Tabelle über die Höhe ber zu verwendenden Marken ist auf dem Postamt ausgehängt.

Auch aus Rhön unb Vogelsberg, werden leichte Schneefälle gemeldet. Der Schwarzwald ist also nicht allein von Frau Holles ersten Winterflocken bedacht werden. Ob nun ber „Zeppelin" biefes Jahr überhaupt noch kommt? Breslau, das im Mittelpunkt als Schle­sienfahrt stehen sollte, hat bereits, ungeduldig ge­worden durch bas lange Warten, die Verschie­bung ber Fahrt auf nächstes Früh­jahr erbeten. Kurz vor Redaktionsschluß trifft I aus Friedrichshafen eine Meldung ein, nach An- I sicht der Schiffsführung würden die Witterungs- I Verhältnisse sich bis zur Nacht auf Sonntag g ü n» I ft i g gestalten. Es werde bestimmt damit gerech- I net, daß die H 0 lla nd fah rt in ber 31 a cf) i I zum Sonntag ihren Anfang nehmen könne.

Fulda, den 11. Oktober 1929 I

Verfonennachrlchlen. I

Planmäßig angestellt als Telegraphensekretär I wurde ber Telegraphenpraktikant Singer in Fulda.

Dom Landeshauptmann in Hessen

wird uns geschrieben: Nach einer Dienstzeit von 42 Jahren beim Bezirksverband Hessen-Kassel, I von denen er allein 36Vs Jahre das Landes- hospital, jetzt Landesheilanslalt, Merxhausen ge­leitet hat, ist der Direktor und Landesobermedi­zinalrat Dr. Hermann S ch e d t l e r in den Ruhe- I stand getreten, nachdem die normale gesetzliche Altersgrenze bereits zweimal hinausgeschoben war. I Hiermit ist eine in weiten Kreisen des Hessen­landes bekannte und hochgeschätzte Persönlichkeit aus seiner für die Geisteskrankenfürsorge bedeut- I famen amtlichen Tätigkeit geschieden. Geborener I Hesse, hat Dr. Schedtler seine berufliche Tätig­keit als Psychiater ausschließlich ferner engeren Heimat gewidmet und sich unvergängliche Der- I bienfte um die Entwicklung der Psychiatrie im ftüheren Kurhessen und um die Tausende von Kranken erworben, die im Laufe der Jahrzehnte seiner ärztlichen Fürsorge anvertraut gewesen sind. Unter seiner zielbewußten Leitung hat sich die Anstalt Merxhausen bedeutend entwickelt: Was noch vor wenigen Jahrzehnten eine, wenn auch Jahrhunderte alte, aber doch bescheidene Pflege- mstalt für unheilbare Geisteskranke mit eng be- | grenzten Behandlungsmöglichkeiten war, kann sich heute mit seinen umfassenden modernen Behand- lungs- und Heilmethoden allen den aus neuerer Zeit stammenden Heil- und Pflegeanstalten eben­bürtig an die Seite stellen. Daß b*e Anstalt in ber verhältnismäßig kurzen Zeit von etwas mehr als einem Menschenalter einen solchen Wandel erfahren konnte, ist in hervorragender Weise das Lebenswerk Dr. Schedtlers, der sich, als er in bemerkenswert jungen Jahren dies verantwortungs­volle Amt übertragen bekam, mit ber ganzen Kraft seiner starken Persönlichkeit das Ziel gesetzt und es beharrlich verfolgt hat, die Eeisteskranken- sürsorge den neuzeitlichen Anforderungen entspre­chen!) zu entwickeln und insbesondere ans ber seiner Leitung anvertrauten Anstalt bas zu machen, was sie jetzt bei seinem Dienstaustritt tatsächlich ist. Am 10. b. Mts. fand in Merxhausen unter zahlreicher Beteiligung geladener Gäste sowie der Beamten und Angestellten ber Anstalt eine wür­dige Abschiedsfeier statt, bei der, m Vertretung des behinderten Landeshauptmanns, der Dezer­nent für die Krankenanstalten, Landesrat von Hugo, die reichen Verdienste des Scheidenden eingehend würdigte und ihm den wärmsten Dank der Verwaltung aussprach. Für den Kreis Wolf­hagen, dem Dr. Schedtler, insbesondere auch als langjähriger Gutsvorsteher und zuletzt Bürger­meister von Merxhausen, nahegestanden hat, sprach Landrat von Uslar, als Vertreter der Beamten und Angestellten der 1. Oberarzt Dr. Zeiß. Am Abend versammelte sich das gesamte Personal zu ejner internen Abschiedsfeier um seinen schei­denden Direktor, bei welcher Gelegenheit die große Verehrung und Liebe, deren er sich als stets gerechter und wohlwollender Vorgesetzter zu er­freuen gehabt hat, zum Ausdruck kamen.

Der Erweiterungsbau des St. Antomiusheims

tm Münsterfeld, ber im Laufe des letzten Jahres errichtet worden ist, geht seiner Vol' idung ent­gegen. Der Neubau erreicht die Aue..hnung des alten Hauses und ist in seiner äußeren Gliede­rung und innerlich mit ihm organisch verbunden roorben. Die Außen-Architektur läßt kaum den gebauten aufkommen, daß hier nicht ein einheit­liches Bauwerk vor uns steht. Dabei ist durch

Herbsiimmnng im Park.

Da« lebte Viertel des Jahres hat begonnen. Noch stehen einige Tage die Wälder in herbstlicher Farbenpracht, aber dann fangen schon die Blätter zu fallen an, unb bie Erbe beginnt bis zum nach- sten Frühjahr ihren Winterschlaf.______________________—-________________

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befolge den Rat einer Mutter,die uns schreibt:

1 Pfund 55 Pfennig

Daher nur„See!ig’s kandierten Kornkaffee"das gesunde deutsche Familiengetränk.

0er Slaalsmann und her heilige.

Gedanken im Anschluß an die 1000-Jahrseier in Prag.

Von Dr. Wilhelm Schulte.

Man hat die in den letzten Septembertagen zu Prag prunkhaft veranstalteten St. Wenzelsfeierlichkeiten vielfach nur als eine tschechische Nationalkundgebung. aufgefaßt. Und doch wäre gerade eine solche Gestalt wie dieses „großen mittelalterlichen Menschen" geeignet, Deutsche wie Tschechen im Dienst einer höheren Gemein­schaft zusammenzuführen, in der Erkenntnis, wo die ein­zigen Möglichkeiten zum Wiederaufbau des gesamten Abendlandes liegen.

Gewiß, der hl. Wenzel ist ein echter Nationalheili- ger. Sein Bild schmückte als nationales Symbol die Siegel der böhmischen Könige und die böhmischen Mün­zen, wie noch heute als Siegel der Prager Universität. I 9m Krieg erklang wie in früheren Jahrhunderten das uralte Wenzelslied, die tschechischen Legionen standen unter dem Schutz dieses Heiligen und die erste tschecho­slowakische Goldmünze war der 1923 mit dem Bilde des hl. Wenzel geprägte Dukat. Doch so sehr er auch in manchen Jahrhunderten als Patron sogar eines fanati­sierten Nationalismus angerufen wurde — er ist em . »Nationalheiliger" erst in jenem hohen Sinne, wie ihn her Prager Üniversitätsprofessor Dornik in seiner sein Seschriebenen Jubiläumsschrift auffaßt: daß man ein So» durch nichts so tief erkennen kann als durch 'eine Nationalheiligen; die Lcbensgeschichten der Volksheili- flen sind die beste Illustration zur Geschichte ihrer Völ­ker; besonders die Anfänge der kulturellen Entw.ck- ning aller europäischen Völker spiegeln sich in dem Le­hen ihrer Nationalheiligen, die sie dem Christentum zu- rnhrten und damit zugleich die Grundlage ihrer Bildung jausen. Jahrhunderte waren die Nationalheiiigen Mitt- zwischen Gott und ihrem Volke, dessen Ruhm und E Hoffnung sie verkörperten.

. Schon hieraus folgt, wie wenig dieser Sohn aus 'm Geschlecht der durch Grillparzer berühmten Libusia 5 Vorkämpfer und Rechtfertiger des Chauvinismus ''lefeben werden kann. Dazu kommt noch dies: Dieser

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