Donnerstag, 10. Oktober 1929
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Konserenz der Innenminister der Lander
Lsvering spricht.
Sendern
21 Mill.
30 Mill.
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20 Mill.
97 Mill.
Vortrag der erste über das
übernommen.
Laut Deutscher Allgern. Ztg. ist der des Reichsinnenministers Severing nur
Sie Reform Der toeifslofeiwetfidjetung
Die finanziellen Auswirkungen. — Was bleibt übrig? — Die Aufgaben der Selbstverwaltung.
Von unserem sozialpolitischen Mitarbeiter.
in einer Reihe von sechs Vorträgen Volksbegehren, die von Vertretern der Reichsregie. rung und der preußischen Staatsregierung auf der Deutschen Welle gebalten und auf alle Sender des Reiches übernommen werden sollen.
Auf amtliche Veranlassung erfährt das Pro- oramm der Berliner Funkstunde, Mittwoch, den 9. Oktober eine Veränderung. In der Zeit von 19 bis 19,25 Uhr spricht Reichsminister des Innern Severing über „Das Volksbegehren". Der Vortrag wird von sämtlichen deutschen
Verlängerung der Wartezeit Anrechnung der Renten Beseitigung der Mißstände u. Mißbräuche das sind also insgesamt
Das Defizit beträgt 280 Millionen im Jahre, dazu kommt der Ueberbrückungskredit, den die Reicysanstalt in diesem Winter sicher nötig hat, und der vom Reichsarbeitsministerium aus 100 bis 110 Millionen Mark geschätzt wird, sich sicher aber auf 150 Millionen erhöhen wird, sodaß ein Defizit von rund 180 Millionen Mark ungedeckt
— Berlin, 9. Okt. (Gig. Meld.) Im Reichs- Innenministerium begann heute vormittag um 11 Uhr unter dem Vorsitz des Reichsministers Severing die angekündigte Konferenz der Innenminister der Länder. Die Konferenz, die eine starke Beteiligung aufweist, beschäftigt sich mit den schwebenden politischen Fragen, die in das Ressort der Innenminister fallen, wie Volksbegehren, Republikschutzgesetz und D om- benattentate.
bleibt.
Ziehen wir nun die praktischen Folgerungen aus dieser kurzen Darstellung, so müssen wir sagen, daß, obwohl die Lösung des Rrsormwer- kes nur in geringem Maße gelang, die Arbeitslosengesetzgebung dennoch eine hochbedeutsame Leistung bleibt. Es liegt jetzt an der Verwaltung, einzugreifen und dafür zu sorgen, daß die Finanzierung der Reichsanstalt und die Herstellung des finanziellen Gleichgewichtes geschaffen wird. Sie hat die erforderlichen Richtlinien und wird beroei» sen müssen, ob sie ihren Aufgaben gewachsen «st.
Zum Schlüsse ein interessanter Vergleich mit dem Auslanoe bezüglich der Leistungen der Ar- beftslosen-Versicherung. Deuischland zählt 17 Millionen Ardeitsoersicherte, England 12' Millionen, die Zahl aus der Sowjetunion kann man nur schätzen, sie beträgt aber auch zwischen 11 und 12 Millionen, Italien hat 3,5 Millionen. Bei diesen Zählen ist das Jahr 1928 zugrundegelegt.
An Iahreseinnahmen in der Arbeitslosenversicherung hat Deutschland 855 Millionen Rm. auf- zuweisen, wobei die Krisenfürsorge nickt mit eingerechnet ist. England nennt 55 Millionen Pfund Sterling, also ungefähr dieselbe Summe. Run | sind hier aber die Staatsbeiträge mitgezählt in Höhe von ungefähr 12 Millionen, ferner ist zu be- | rücksichtigen, daß England keine Krifenfürsorge kennt, sodaß also auch noch diese Betröge hinzuzuzählen wären. Im übrigen dürfte es von Interesse sein, daß England beabüchngl, die Staatsbeiträge auf 15,5 Millionen Pfund zu erhöhen.
Von der Sowjetunion sind Iahreseinnahmen nicht bekannt. Alle die von uns genannten Zahlen sind einer halbamtlichen russischen Darstellung entnommen. Italien nennt 189 Millionen Lire an Einnahmen, also 40 Millionen Mark.
Wenn wir die Jahresausgaben des Jahres 1928 betrachten, so betrugen sie in Deutschland eine Milliarde fünfundsech'igtausend Mark, wieder ohne Einberechnung der Ausgaben für die Krisenfürsorge. Dazu kämen dann noch 100 Millionen Mark für die Krankenversicherung, was immerhin einer indirekten Unterstützung gleichzu-
schätzungsweisen Annahme von 1,1 Millionen Erwerbsloser 280 Millionen Mark. Run war geplant, daß dieses Defizit ungefähr gedeckt werden mußte durch eine Beitragserhöhung von A Prozent und bann unter Berücksichtigung der jozralen Bedürfnisse durch eine tragbare Verminderung der Leistungen. . _.
Monatelange Kämpfe ließen die Schaffung eines klaren Gesetzes in allen seinen Teilen nicht zu. Betrachten wir das Resultat, dann können wir folgende Feststellungen machen: Gelungen ist die Beseitigung der Mißbräuche und Mißstände, über die es eigentlich bei keiner Partei einen Zweifel gab. Dagegen konnte eine Beitragserhöhung nicht durchgeführt werden, sie ist zurück- gestellt, bis man an die Beratung über eine allgemeine Finanzreform im Herbst herangeht. In der Zwischenzeit bleibt nun nicht anderes übrig, als daß die Reichskasse die schätzungsweise im Mo- nat 11 Millionen Mark betragende Minderem- nähme der Reichsanstalt trägt. Das kann aber im Interesse einer gesunden gtnanjpohhf nur für kurze Zeit möglich (ein. Ueberhauvt tft man über bo« Ergebnis der durch das neue Gesetz erreichten
Kürzung der Saisonarbeiter-Unterstützung Herabsetzung der Krankenkassenbeiträge Verdoppelung der Anwartschaftszeit für die erstmals Erwerbslosen
in eine Revolution, so ginge die republikanische Gutmütigkeit doch etwas zu weit, wenn die Behörden solche Provokationen ruhighinneh - I men wollten. Den Leuten, deren zweites Wort Gewalt und Revolution ist, imponiert offenbar selbst nur öie Gewalt, und die Regierung sollte nicht zögern, ihre Machtmittel gegen sie zu gebrauchen. Das wird auch wohl geschehen. Die nationalsozialistische Agitation, insbesondere auch die Kölner Versammlung, ist zurzeit Gegenstand sorgfältiger Erwägungen bei den für Ruhe und Sicherheit verantwortlichen Stellen der Regierungen Preußens und des Reiches. Und wir hoffen, daß sie m i t f r i s ch e r H a n d gegen eine Wühlarbeit vorgehen werden, die das Recht der | Meinungsfreiheit schmählich mißbraucht, Umsturz zu predigen, und offen die Vorbereitungen zum Bürgerkrieg trifft. *
Auf Veranlassung des Gauvorstandes des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Gau Volksstaat Hessen, fand in Darmstadt eine Sitzung statt, an der die Vertreter der Weimarer Parteien, ver freien und christlichen Gewerkschaften sowie führende hessische Persönlichkeiten teilnahmen. Rach einem Referat des Landtagsabgeordneten Storck über die politische Lage wurden eine Reihe von Fragen behandelt, die sich auf die derzeitigen Vorgänge im öffentlichen Leben beziehen. Zum Schluß fand nachstehende Entschließung Annahme:.
„Die Verrohung des politischen Kamvfes in Deutschland, der Terror der Gegner der Republik von rechts und links, erfüllt die im Gau Volksstaat Hessen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold organisierten Mitglieder mit schwerster Sorge. Politisches Rowdytum von links und rechts glaubt durch Lüge, Verleumdung und Gewaltanwendung das Ansehen und den Bestand der deutschen demokratischen Republik erschüttern zu können und zu dürfen.
Die Republikaner erwarten von den z ui - ständigen Behörden und vom Parlament schärfstes Durchgreifen und sind zu jeder Unterstützung bereit. Sie werden im Kampf für die Demokratie alles einsetzen und mit allen denen eine gemeinsame Front bilden, die zur Verteidigung der Republik sich zur Verfügung stellen."
Der Oberbürgermeister von Gossar hat sieh, laut Voss. Ztg., nach Berlin begehen, um beim preußischen Kultusminister wegen der Maßnahmen gegen die beiden höheren Schulen der Stadt vorstellig zu werden. Die Stadt Goslar werde finanziell insofern getroffen, als sie sich in nicht aussichtslosen Verhandlungen mit dem Staat über die Umwandlung ihres Lnceums in ein Oberlyzeum befunden habe. Es fei anzuneh- men, daß durch die bekannten Vorkommnisse b;efe Verhandlungen ungünstig beeinflußt worden seien.
Ja, wenn die Kinder ohne pflichtgemäßes Einschreiten der Lehrer in ihrer Art Politik treiben dürfen, bann muß natürlich der Schaden nachher vom Oberbürgermeister wieder gut gemacht werden.
Das unerwartete Ableben des Reichsaußen- Ministers Dr. Stresemann hat begreiflicher Weile die politische Debatte über die Arbeitslosenreform zurücktreten lassen. Daneben war man froh, dog mit allen Mühen eine Regierungskrue vermieden werden konnte. Es soll auch jetzt nicht unsere Ausgabe sein, noch einmal die Borge chichte der Gesetzesreform zu wiederholen. Es fft zweckmäßiger dafür zu prüfen, was das vom Reichstag am 3. Oktober 1929 beschloßene Gesetz darstellt und ob es wenigstens den Namen des Reformgeiktzes ver- dient. .
Bei den ganzen Beratungen war man sich m allen Parteien darüber klar, daß eine Sanierung der Arbeitslosenversicherung erfolgen muh. -'wer Gebiete galt es dabei zu beachten. Eirimal. handelte es sich um die Beseitigung der Mißstände und Mißbräuche, über die so viel geklagt worden *ft; des weiteren um die finanzielle Sanierung, welche unabhängig von der Beseitigung der Mitz- dräuche oorgenommen werden mußte.
Daß die Reichsanstalt in den letzten Jahren mit uuiner höheren Defizits zu rechnen hatte, ist be- %un, ÄdUnfo» hefua ha« Defizit be- der
Die Völker in der Tschechoslowakei.
Der Schlag gegen die Slowaken.
Im tschechischen Preßburg wurde der slowakisch« Politiker Tuka zu 15 Jahre, der Mftan- geklagte Snazky zu fünf Jahre Zuchthaus verurteilt. Mach wurde sreigesprochen. Weller wird Tuka zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von drei Jahren verurteilt.
Im Urteil heißt es: „Professor Dr. Albert Tuka und Anton Snaczyk sino schuldig des Verbrechens des militärischen Verrates nach dem Ge- setze zum Schutze der Republik und des Verbrechens der Vorbereitung eines Komplor- tes gegen die Republik nach dem genannten Gesetz. Die Verbrechen werden darin erblickt, daß Tuka sich mit Snaczky in den Jahren 1923 und 1924 verband, ein ausländisches Spionagebüro in Wien aufsuchte und mit ausländischen Kreisen ver- handelte, daß Tuka 1924 in Wien eine Wohnung mietete, in der ein Spionagebüro eingerichtet wuroe, daß beide den Srand der Ausrüstung der tschechoslowakischen Armee und die Zahl der Waffen un- ter der Bevölkerung, die Zahl der Au.os und andere Umstände, welche im Interesse der Rc u- blik geheim bleiben sollten, verrieten, daß Tn a sich mit Snaczky und ausländischen Kreisen vrr- band, um Dinge auszukundschaften und zu besch. - fen, welche geheim bleiben sollten, und zwar un er besonders erschwerenden Umständen, daß Tuka 19-3 mit Snaczky die Rodobrana (einen Wehrverband der slowakischen Volkspartei. D. Red.) organisier e, die dazu bestimmt war, einen Aufstand in der Tschechoslowakei und den Einfall fremder militari- scher Kräfte in die Republik zu dem Zwecke zu er- möglichen, die Slowakei gewaltsam losreißen und diesen Teil der Republik fremdem Gebiet einzuvcr- leiben."
In der Urteilsbegründung wird gesagt, daß der Zcugenbeweis gegen die Singet.agten 2uia und Snaczky geglückt (et und dies im einzelnen ausgeführt.
Der Abgeordnete der siowakischen Vollspur ei, Professor Dr. Tuka, ist durch das Urteil des Preß- bürget Gerichtes zum politischen Ni >' - tyrer geworden. Die Verhandlungen sind ■■ zum Teil öffentlich geführt worben. Was o s ergeben haben, ließ zumindest starke Zwei el an der Berechnung der Ank.age zu. Wenn ; bei den nichtöffentlichen Verhandlungen trift., s Material gegen Tuka vorgelegt worden ist, b t muß das Urteil ganz unbegreiflich erscheinen. Unbegreiflich nicht nur aus jurist ischen Erüiuca, sondern vor allem aus politischen. In der Tjchcc:»o- slowakei ist bekanntlich seit einigen Tagen eine Re- gierungskrisis ausgebrochen, die zur Fmge gehabt hat, daß das Parlament aufgelöst worden ist. Unter den Gründen dieser Regierungskrisis ist die Drohung des slowakischen Führers, H l i n l a, mcht der unwichtigste gewesen, daß seine Par.ei aus der Regierungskoalition ausireten werde, wenn man nicht dafür sorge, daß das Urteil des Prager Gerichts über Tuka auf Freisprechung lau et. Die siowakische Volkspartei ist von der Unschuld Tukas überzeugt unb hat ihn zu einem ihrer Spitzenkandidaten gemacht. Die Wahlen selbst sollen am 27. Oktober statifinden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Wahlkampf jetzt außer- ordentliche Schärfe annimmt. Die Verurteilung Tukas wird der siowakischen Unabhängig - teitsberoegung natürlich neuen Elan geben und schon sind Aufrufe veröffentlicht worden, um
Gefahr droht!
In Köln hat am Sonntag eine Veranstaltung der Nationalsozialisten stattgefunden, die in weiten Kreisen als Anzeichen ernster Gefahr für die staatliche Ordnung in Deutschland erscheint. Der auch in Fulda bekannte, aus dem Fuldaer Lehrerseminar hervorgegangene Wagner- Bochum, der ein Reichstagsmandat der völkischen Partei inne hat, fiel mit seinen Ausführungen besonders auf. In der „Köln. Volksztg." wird Wagner als ein „hemmungsloser demagogischer Redner" bezeichnet, der sieh zu schweren Angriffen auf Stresemann hinreißen ließ. Er rief in den Saal: „Sehen wir den Mann, den das Schicksal gerichtet hat — und damit sei über ihn die Debatte geschlossen. Es tut uns von Herzen leid, daß wir ihn nicht einmal für seine Taten vor den Staatsgerichtshof des kommenden deutschen Reiches laben konnten! Wir Nationalsozialisten sagen, über das Volksbegehren hinaus soll dieser Regierung mit Severing an der Spitze das Genick abgedreht werden." (Tosender Beifall.) Die Parole des Volksbegehrens laute: „Das Volksbegehren soll münden in einer Revolution des Volkes gegen feine Unterdrücker und Aus- plünderer! Es komme die Stunde, da die Nationalsozialisten den Volksparteilern und Sozialdemokraten aufspielen werden, daß ihnen Hören und Sehen vergehe."
Das führende Blatt der rheinischen Katholiken kommt zu solgendem Ergebnis:
Die Agitation der Nationalsozialisten überschreitet allmählich jedes Maß. Unter dem Schutz ihrer Immunität zeichn, sich besonders die nationalsozialistischen Abgeordneten in der Aufputschung der Leidenschaften und der Hetze gegen die Regierung unrühmlich aus. Aufforderungen zu Gewälttätig- keiten sind keine Seltenheiten mehr und die den nationalsozialistischen Versammlungen vielfach folgenden Straßenkeilereien sind die vorläufigen Ergebnisse der nationalsozialistischen Agitationsmeth)- ben. Welchen Umfang diele radikale Agitation angenommen bat, gebt aus der Tatsache hervor, daß gegen mehr als 30 Abgeordnete der Rechts- und Linksparteien Verfahren wegen Aufreizens und Aufforderung zu Gewalttätigkeiten schweben. Die Behörden verfolgen die nationalsozialistischen Wühlereien natürlich mit Aufmerksamkeit und werden bald zu Gegenmaßnahmen gezwungen werden. Die Abgeordneten können-bekanntlich nur mit Zustimmung des Reichstages, der die Aushebung der Immunität beschließen muß, verfolgt werden. Eine Besprechung, die der Reichsjustizminister mit dem Präsidenten des Re-chsgerichts batte, dürfte sich um die juristische und strafrechtliche Seite der Er- zesse nationalsozialistischer Abgeordneten gedreht haben.
Die örtlichen Polizeiorgane werden in Zukunft ein wachsameres Auge auf die Werbearbeit der Nationalsozialisten haben und die Frage prüfen müssen, ob sie nicht auch gegen Abgeordnete e insckreiten und vom Recht der Verhastung aus frischer Tat Gebrauch machen müßen, wenn sie zu Gewalttätigkeiten aufrehen. Wenn in der letzt. Kölner Versammlung der Nationalsozialisten ein Redner gesagt hat, über das Volksbegehren hinaus solle dieser Regierung mit Severing an der Spitze das Genick abgedreht werden und das Volksbegehren solle münden
setzen ist. England hat im Jahre 1928 50 Mill. Pfund an Ausgaben. Die Somietumon roaniue für reine Unterstützung 125 Mill Rubel auf. Wol- len wir diese in Mark umrechnen, ’o finden wer verschiedene Kritiken. Die Somjetregierung 'egt den Rubel gleich 2,10 Mark, während an der Weltbörse der Rubel gleich 1— ober 1,50 -rr im Kurs sieht. Danach würden al'o die Jahresausgaben rund 200 Mill. Mark betragen. Italien hat 125 Mill. Lire ausgeworsen.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird schätzungsweise mit 1,1 Million angegeben. In diesem Jahre wird sie ganz bestimmt hoher hegen und man rechnet mit 1,2 bis 1,3 Millionen im Durchschnitt. England registriert nur die Zahl der Arbeitsuchenden, soweit sie den Arbeitsämtern bekannt ist und errechnet 1,2 Millionen Arbeitslose. In der Sowjetunion beträgt die Zahl der registrierten Arbeitslosen aus 1927'1928 1,2 bis 1,4 Millionen. Gerade biete Zahlen über die Sowjet- union sind um deswillen (ehr interessant, weil doch die Kommunisten den Abbau der deutschen Arbeitslosenversicherung als Agitationsstoss benutzen. Sie wagen es aber nicht, zu sagen, daß Rußland, soweit es überhaupt unterstützt, höchstens 50 Prozent von der Gesamtzahl die Beihilse gewährt. Sie liegen überdies um mehr als unter der Hälfte der deutschen Leistungen.
In Deutschland wird nämlich pro Kopf und Monat im Durchschnitt bei allen Lohnklassen ein I Unterstützungssatz von 67 Mark gezahlt. Der eng- lische hält sich auf ungefähr gleicher Höhe, ist sicher aber nicht höher. Rußland aber bezahlt nur 18 Rubel. Ganz gering sind doch Y-e Leisiungen Italiens, das noch nicht einmal 30 Mill. Mark für feine Erwerbslosen ansg'llll.
Wenn unter diesen Gesichtspunkten das jetzt geschaffene soziale Reformwerk betrachtet wird, bann können wir immerhin von einem Ergebnis sprechen, Wenngleich, wie bei jedem Gesetz, Zu- I friedens neben Unzufriedenen ihre Stimme erheben werden. Was mir verlangen müssen, ist, daß jede soziale Gesetzgebung dem politischen Tages- I streit entzogen wird, und daß man nur die praf» I tische gerecht abmägenbe Gestaltung nach der sozia- I len und wirtschaftlichen Seite in Betracht zieht.
Ersparnisse wirklich nicht befriedigt. Ist man i ganz optimistisch, dann werden rund 95 Millionen I Mark erspart, während auf der anderen Seite immer noch ein Defizit von ungefähr 180 Millionen I Mark bleibt. r .. , I
Die Beseitigung der Mißstände und Mißbrauche ist, wie wir oben schon sagten, ermöglicht worden. I Die Maßnahmen hierzu dienen zunächst der genauen Definition des Begriffes der Arbeitslosig- I feit und strafferen Behandlung des Kreises der I Versicherungspflichtigen, der Neufassung über die Bestimmungen der Sperrfristen und Wartezeit, der Verschärfung der Kontrolle, der Strafbestimmungen u. a. Nach dieser Richtung hin wurden im wesentlichen die Vorfchläge der seiner Zeit einge- I setzten Sachverständigenkommission berücksichtigt.
Was aber die Sachverstänbigenkommlssion an I finanziellen Vorschlägen machte, ist kaum merklich I in dem neuen Gesetz enthalten. Hierbei spielte der bekannte Antrag Riesener - Teusch eine besondere Rolle, um den heftig gekämpft wurde. Wäre er angenommen worden, bann hätten rund 150 Millionen Mark erspart werden können. Da kamen aber alle die vielen Sondervorfchläge, so daß zum Schluß nur noch eine Ersparnis von etwa 21 Millionen Mark übrig geblieben ist, da eine Einigung | über die in Verbindung zu bringende Höhe der j Unterstützung mit der Dauer der Anwartschaftszeit nicht zu erzielen war. Von dem Antrag Riesener- Teusch ist nur übrig geblieben, daß die Saisonarbeiter während der berufsublichen Arbeitszeit nur die Unterstützungssätze der Krisenfürsorge erhalten. Damit ist allerdings eine nicht den Wünschen der Antragsteller entsprechende Formulierung des Gesetzes geschaffen worden.
Es sind noch weitere Ersparnisse erzielt worben, die sich aus verschiedenen kleineren Teilbeträgen zusammensetzten. So bringt die Herabsetzung der Krankenkassenbeiträge etwa 30 Millionen Mark. Die Fortsetzung der Anwartschastszeit auf 52 Wochen beim erstmaligen Bezüge der Arbeitslosenunterstützung 16 Millionen Mark, die neuen Bestimmungen über Wartezeit 2 Millionen, I die Anrechnung von Renten unter Freilassung der I Kriegsrenten und Gewährung einer Freigrenze I von 30 Mark monatlich, die Anrechnung von Ge- I hältern und Wartezeitgeldern zusammen 8 Millio- I nen Mark. Die Verlängerung der Beitragspflich- I tigen Zeit bei Lehrverhältnissen wird eine Ein- I nähme von einer Million bringen. Insgesamt I wird also eine Verminderung des Defizits um etwa I 78 Millionen Mark erreicht. Dabei ist die Befeiti- I gung der Mißstände ziffernmäßig noch nicht in I Rechnung gestellt. Man schätzt ihr finanzielles I Ergebnis, wenn man sehr optimistisch denkt, auf | etwa 20 Millionen Mark im Jahr. Dadurch I würde sich eine Minderung des jährlichen Fehlbe- I träges um 90 bis 100 Millionen Mark erzielen I lassen.
Wir hätten demnach folgende finanzielle Bilanz I des neuen Gesetzes: