Einzelbild herunterladen
 

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well

Mittwoch, 9. Ottobet 1929.

OHA im Bild' und „Buchcndlätter". Rotationsdruck und Verlag jll,. faOOt. -er Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda. Fernrufen Schrift-

:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Monatl. 1 80 einichl. Poügev. (30 dezw 48 Ps.) ohne 3a|teUfl. I

An°eigen.Pr-is- Kleinzeile (Col.s lokal 0,15 auswar s Kß IßtitjA 0,20 O. Reklamezeile: lokal 0,60 auswärts 0 80 AJt. I v ♦ JU J H Bei Wiederdolunaen Rabatt. Poftscheckk. Tranks, a. M. 40 >1 | _______

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Julda uub ben Canbtreis Juida. Amtliches Areisblatt.____

Ambttdung des Reichskabinetts?

rotb. London, 8. Okt. (Eig. Meld.) lieber die

noch in den Wahlfeldzug einzugreifen beabsichtige.

arm.

Die österreichische Versaffungsresorm

Der sozialdemokratische Pressedienst geht auf die Presseerörterungen über die Nachfolge Strrsemanns ein und wendet sich scharf gegen,eine Umb'.l- dung des gesamten Kabinetts: Es wird gut sein, von vornherein klarzustellen, daß die Sozialdemo­kratie solchen Bestrebungen durchaus abgeneigt ist. Sie denkt nicht daran, irgendwelchem Drängen nachzugeben und einen ihrer Vertreter im Kabinett zu opfern, selbst wenn man ihr dafür ein anderes Ressort zur Verfügung stellen wollte. Ganz abge­sehen davon, daß nach ihrer Ansicht jeder ihrer vier Minister den Ansprüchen genügt, die sie zu stellen hat, würde sie es für verhängnisvoll halten, wenn in diesem Augenblicke eine Regierungskrise — und auf eine solche würde jeder Versuch einer Umgrup­pierung hinauslaufen — ohne Not heraufbeschwo­ren würde. Ueber die Person des zukünftigen Außenministers wird man sich noch zu unterhalten haben. Es ist richtig, daß gerade dieser Posten nicht nach den Grundsätzen der Fraktionsarithmet,! beseht werden sollte, und nur auf eine Gefahr sei schon jeßt aufmerksam gemacht, auf die nämlich, die in derErnennung eines Berufsdiplo­maten liegt.

Die Kolonlal-Frage.

m I mann Richard Eckermann in Kiel hatte die Staats-

Macdonalds Erfolge in Nordamerika.

** l hat hier den Eindruck erweckt, daß der Republi-

Die enaMch-amerikanischen Vorvereinbarungen zur Flottenfrage, kcmische Richterbund die Landesjustizoerwaltung in

' ... I der Ausübung des ihr nach dem Gerichtsoerfas-

Aus Washington wird gemeldet:

Der Präsident der Bereinigten Staaten Hoover und der englische Ministerpräsident Macdonald kehrten mit dem Staatssekretär Stimson und dem kknterstaatssekretär Cotton vom Staatsdepartement Nach dem Wochenende in den Dirginia-Vergen zu­rück und gaben bald darauf ein gemeinsames Com- wuniquee aus, in dem sie sagen, sie hätten in freier Aussprache alle Fragen erörtert, die zu Reibungen zwischen den beiden Ländern Anlaß geben könnten, hätten hierbei einen erfreulichen Fortschritt erzielt und setzten ihre Besprechungen fort. Mittags wa­ren Macdonald und Tochter Hoovers Gäste, am Abend gab Präsident Hoover ein Staatsbankett für 90 Personen. .

9m Staatsdepartement wurde in Bestätigung °er am Freitag im Weißen Hause abgegebenen Erklärung betont, daß der Zolltarif und die bri- "Ichen Kriegsschulden nicht auf dem Diskussions­programm flehen. Die Blätter nehmen daher an, M die Flottenpolitik, die Freiheit der Meere und das Verhältnis zu China und Rußland die Haupt- chemata seien.

, , Der englische Ministerpräsident Macdonald stat- ,ete dem amerikanischen Kongreß seinen Be­such ab. Zunächst begab er sich ins Revräsentan- stuhaus. Don dort wurde er von vier Senatoren L den vollbesetzten Senat geleitet, nachdem die „'wng vertagt war. Die Tribünen waren dicht «'Mit, der französische Botschafter saß in der Dl- ; omatenloge. Als Macdonald eintrat, wurde er lang anhaltendes Händeklatschen gefeiert.

K^epräsident Curtis begrüßte Macdonald durch di/Ansprache, in der er u. a. sagte, er erhoffe Häufung der Flottenfrage von diesem Besuche.

eüanald, der hierauf das Wort erhielt, dankte

Die „Times"-Meldung besagt "weiter: Im all­gemeinen wird anerkannt, daß eine endgültige Vereinbarung nur durch eine Konferenz mit den anderen Seemächten erreicht werden kann. In­folgedessen lädt die britische Regierung zu einer Konferenz ein. Man hofft, daß die eingeladenen Regierungen sofort zu einem Meinungsaustausch über die aufgeworfenen Fragen sprechen werden. In der Note wird ausdrücklich erklärt, es sei nicht geplant, einen neuen Mechanismus zur Behand­lung der Seeabrüstung zu schaffen, im Gegenteil hoffe man, die Arbeit der Konferenz derart zu ge­stalten, daß dadurch die Aufgabe des Völkerbundes, der das gesamte Abrüstungsproblem zu behandeln

Am Montag fand die Herbsttagung des Provin- «alausschusses der Rheinischen Zentrums- partei statt. Die „Kölnische Volkszeitung" be­richtet über die interne Sißnng: Die Tagung war von dem Tode Dr. Stresemanns überschattet. Dies kam nicht nur in warmen Worten aufrichtigster Teilnahme und Trauer zum Ausdruck, die Justiz-al Mönnig und Prälat Kaas dem Entschlafenen wid­meten, sondern auch in dem Umstand, daß die vor­gesehene Tagung eine Aenderung erfuhr. Das Referat des Reichsministers Dr. Wirth über „Doungplan und Westprogramm" fiel aus. Es sprachen an Stelle von Dr. Wirth Reichstagsvize­präsident Esser und Reichstagsabgeordneter Joos, während das Schlußwort der Parte'vor- sitzende Prälat Kaas, selbst übernahm. Hierbei streifte Prälat Kaas

die Frage der Nachfolgerschaft Slrejemanns nach der grundsätzlichen Seite hin. Da in der Oef- fentlichkeit auch sein Name genannt worden war, ging er mit einigen Wendungen darauf ein und er­innerte an fein' Wort aus der Essener Tagungs­kundgebung vom Frühjahr dieses Jahres, daß er es sich zur Aufgabe gesetzt habe, denTypderan Ministerposten völlig uninteres­sierten Parteiführer wieder herauszu- bilden. Er habe dann schon mit aller Klarheit her- ausgestellt, daß für ihn als Parteiführer d i e Uebernatjme eines Ministeriums nicht in Frage komme. Trotzdem könne es aber dem Zen­trum nach der sachlichen Seite hin nicht gleichgültig­sein, wie dieses Ministerium besetzt werde. Die Lücke, die Dr. Stresemanns Tod geschaffen habe, sei groß und vielleicht sei sie i n n e r p o l i t i s ch größer als außenpolitisch. Deshalb müsse das Zen­trum bei der endgültigen Besetzung des verwaisten Außenministeriums — mit welcher Person laste er ebenso dahingestellt, wie die Frage ob Parlamen­tarier oder Beamter — verlange, daß alle Mitglie­der des Kabinetts die Gewähr für die innere Kon­sistenz des Kabinetts in feinen inner- und außen­politischen Aufgaben böten. Diese rein sachliche Frage fei für das Zentrum allein ausschlaggebend. Nur von diesem Gesichtspunkte aus werde das Zentrum an die Prüfung der Vorschläge des Kanz­lers herantreten, müsse deshalb aber auch den An­spruch erheben, bei der endgültigen Besetzung sach­lich gehört zu werden.

In der Aussprache über den Poungplan kam es zum einhelligen Ausdruck, daß ein endgültig ab­schließendes Urteil wegen der noch laufenden Ver­handlungen, insbesondere wegen der noch unae- klärtcn Saarfrage, zur Stunde noch nicht möglich sei. . -- •

Wie das „B. T." meldet, hat der Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. Wirth, nachdem er an der Trauerfeier für Dr. Stresemann teilgencm- men hatte, einen Urlaub angetreten. Das Blrtt tritt der Auffassung entgegen, als wenn in Dr. Wirths Urlaub die Unzufriedenheit des Zentrums über das im Auswärtigen Amt geschaffene Provi­sorium zum Ausdruck gelange. Es teilt mit, daß Dr. Wirth schon seit einiger Zeit die Absicht gehabt habe, einen kurzen Urlaub zu nehmen. Außerdem liege es nahe, daß er wie andere mit Baden be­sonders verbundene Abgeordnete, z. B. auch Mini-

______ Zu Beginn werden die Punkte aufge­zählt, in denen die Regierungen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten im Laufe der Be­sprechungen zwischen Macdonald und General Da­wes zu einer vorläufigen Verständigung gelangt sind. Danach besteht Einigkeit darüber: 1. daß die gegenwärtigen Verhandlungen das Ergebnis und die direkte Fortsetzung des Kriegsverzicht­paktes (Kellogg-Packtes) sind: 2. daß der Grund­satz der Parität der Flottenstärke für alle Schiffs­klassen akzeptiert wird, die nicht durch denWashing- toner Vertrag erfaßt werden und daß diese Pa­rität am 31. Dezember 1936 erreicht sein soll. Die britische Regierung hat über diese Punkte mit den Regierungen der Dominions beraten und es ver­lautet der „Times" zufolge über die Definition der Parität, daß sämtliche Marinestreitkräfte des bri­tischen Reiches in Rechnung gestellt werden sollen; 3. daß es ratsam ist, auch die Frage einer Revision der Dienstzeit von Schlachtschiffen aufzuwerfen; 4. daß beide Regierungen der Ansicht sind, daß U- Boote völlig abgeschafft werden sollen, daß aber diese Maßnahme nicht ohne die Zustim­mung aller beteiligten Mächte durchgeführt wer-

schwebt also noch ein Zweifel über der Tragweite dieser englisch-amerikanischen Einigung. Was steckt dahinter? Darüber wird man bald Bescheid wis­sen.

prälak Raas spricht eindeutige Worte. — Ihn lockt kein Minister

Et. — Ätzer es rnusz eine feste Koalition gebildet werden. — I an Me bereinigten Staa^n? Frankreich, Italien

* ** ° Ä „ ®. _ und Japan ergangenen Einladungen zu einer

Die Deutsche Dottspartei wird zur Entscheidung gezwungen. I Seeabrüstungskonferenz meldet „Ti-

1 ' .. mes": Das Dokument enthält ungefähr luuu

Am Montag fand die Herbsttagung des Provin- fter Dr. Curtius, vor den badischen Landtagswaylen 2ßorte- Zu Beginn werden die Punkte aufge-

Lord Rothermere schreibt in einem in der „Daily Mail" erscheinenden Artikel über seine Eindrücke auf einer Reise durch Deutschland un­ter der Ueberfchrift „Wird die Republik Bestand haben?": „Ich bin überzeugt, daß die Hohen- zollern den Thron Deutschlands endgültig verloren haben. Die deutsche Republik hat seit ihrem Bestehen ihre Autorität aufrecht erhal­ten und in zäher Beharrlichkeit viele Zugeständ- _ . .

nisse von den vormaligen Feinden Deutschlands I hat, erleichtert wird, erzielt." Rothermere tritt dafür ein, daß andere I ——■■■■■■■——

Nationen der deutschen republikanischen Regierung I ©pr ßrfßtttlfltttt. helfen, ihre Autorität weiter zu stärken, denn sie 1 " . . —

habe greifbare Pfänder ihrer guten Absichten ge- Aus Schwerin wtrb gemeldet: Wie die geben Er rät der britischen Regierung, als prak- „M'^nburger Zeitung aus bester Quelle e^ tischen und sofortigen Schritt zu diesem Zweck die fahrt hat der Oberstaatsanwalt gegen den Spruch Rückerstattung des vormaligen des »chwermer Gerichts auf Einstellung des Ber- Deutsch-Kame'run und des britischen An- fahrens gegen Eckermann Revision beim Reichs­teils an Togo, die beide eine Belastung des bri- I Gericht eingelegt.

tischen Schatzamts darstellen, an Deutschland „als 9m Zusammenhang mit dem im Fememordpro- Akt internationalen guten Willens" ernstlich zu öeß ergangenen Gerichtsbeschluß, wonach das Ver- ermägen. Wir haben es jetzt, sagt Rothermere wei- fahren gegen Eckermann emzusteilen und Ecker- ter, mit einem neuen Deutschland zu tun. Jede I mann aus der Haft zu entlassen fei, hat nach einer Maßnahme, die zu einem besseren Verhältnis zwi- I Meldung der „Voss. Zig. der Republikanische Rich- schen unseren beiden Nationen beiträgt, hat wirk- I terbund an das mecklenburgische Ministerium m liehen Wert. Die deutsche Flagge wieder über Schwerin die dringende Bitte gerichtet, die Staats- zwei der vormaligen afrikanischen Besitzungen anwaltschaft anzuweisen, fristgemäß Revision anzu- Deutschlands wehen zu lassen, deren europäische I melben. Ein Staatsnotwehrrecht stehe ©aennann Bevölkerung nur 300 Köpfe zählt, einschließlich der keinesfalls zu. Ueber diese wichtige strafrechtliche 180 Deutschen, die dort verblieben find, roütte Frage von entscheidender innenpolitischer Beben- für uns nur ein kleines Opfer bedeuten, würde je- I tung muffe die Entscheidung des Re ich s g e - doch das Prestige der republikanischen Regierung I [1G t e s herbeigefiihrt werden. Gleichzeitig hat in Deutschland sehr vermehren. Rothermere emp- I der Republikanische Richterbund den Reichsplstiz- sichlt daher der britischen Arbeiterregierung, dem winister v Guerard auf Grund von Artikel 5 der Völkerbund den Wunsch mitzuteilen, den britischen Reichsverfassung - Aufsichtsrecht gegenüber den Anteil an Togo und das vormalige Deutsch- Landern-ersucht, auf die Schweriner Regierung Kamerun Deutschland zurückerstatten. wegen der Reoisionseinlegung einzuwirken. Das

I mecklenburgische Justizministerium hat darauf ge- I antwortet: „In der Strafsache gegen den Kauf-

rotb. Slagenfurth, 8. Okt. (Eig. Meld.) Bundes­minister Schmny machte hier Mitteilungen über /,./ ci rc. „ff,. । den Fortgang der Arbeiten zur Berfassungsrefonn

d'l^^'dung fair gekämpft habe. Er wolle I bem ministeriellen Sonderausschuß. Der Na- durch die Erwähnung der großen Verdienste Stre- I ljonaIrQt r0[[ fünftig auf 120 Abgeordnete beschränkt semanns an dieser Stelle gleichsam einen Kranz I töerj)en Die an Stelle des Bundesrates in Aus- QU a6 Je9CTL. , , M f . I sicht genommene zweite Kammer ist als eine Ser- mmutenlanges Klatschen folgte, I Einigung von Länderkammer und Ständekammer hinterließ emen tiefen Eindruck. ! gedacht mit 27 Ländervertretern und 27 Vertretern

»?rgan des Lmks- £ Wirtschaft einschließlich 4 Beamtenvertretern.

Politikers Daladrers schreibt zu den Besprechungen I uct 1 A1

in Washington: Die Vereinigten Staaten befinden I or - . .

sich in ihrer Isolierung sehr wohl. Sie scheinen * Das Befinden Pomcares. Aus Paris wird weniger denn je geneigt zu sein, sie in eine Jsoliei gemeldet: Die vier Pomcare behandelndenAerzte rung zu zweien umzuwandeln. Macdonald wird I haben auf Grund ihrer Untersuchungen ses ges jedoch den Schein gewahrt haben, weil er bereits daß der ehemalige MiNlsterprafident sich von der Einladungen an Frankreich, Japan und Italien zu leichten Kongestion m der Zunge, die nach dem

einer Londoner Konferenz ergehen läßt und diese ersten chirurgischen Eingriff lestgestellt wurde,

Konferenz ist erst möglich geworden nach einer kommen erholt hat. Das h

Einigung zwischen England und Amerika. Um friedigend fern, ledoch noch feine Entscheidung dar

diese^Einigung herbeizuführen, wäre es aber nicht I über gestatten, wann die zweite Operation vorge- notwendig gewesen, übers Meer zu fahren. Es 1 nommen werden kann.

für das Willkommen und erklärte, er finde viele I sunqsgefetz zustebenden Anweisungsrechtes beein« gemeinsame Züge in den Parlamenten der Der- I stussen möchte. Dieser Eindruck mußte umsomehr einigten Staaten und Englands, und er wundere I befremden, als der dortige Wunsch nach einer An- sich darüber, daß die Verständigung zwischen den I Weisung an die Staatsanwaltschaft nicht nur mit beiden Ländern so lange verzögert wurde. Er I rechtlichen Erwägungen, sondern auch mit einem sei hier, um Mißverständnisse auszu- I Hinweis auf einen politischen Gesichtspunkt begrün- rotten. Weder Großbritannien noch die Der- I det worden ist."

einigten Staaten würden ein Bündnis abschließen, I Diese internen Auseinandersetzungen, wer zuerst das sich gegen ein anderes Volk ober gegen eine I war, sind nebensächlich: erfreulich vorn Stand- Gruppe von Nationen richte. Man müsse jetzt an I punft der Gerechtigkeit und des Rechts ist, daß die Fried en sarbeit gehen, nachdem Kel- I hie Revision beim Reichsgericht gegen ein un- logg und Briand den historischen Friedenspakt ge- I haltbares Urteil eingelegt worden ist. schaffen hätten. Einen Namen, den er in diesem Zusammenhang noch nennen wolle, sei der Gu­stav Stresemanns, ein stiller, heldenhafter Kämpfer für die Friedenssache, der imAusland und in der Heimat vonFeinden um­geben für Deutsch!anb~und bie Welt-

Die nächste Ausgabe.

Auf bem Mannheimer demokratischen Parteiia; hat der Führer der demokratischenPartei Dr. Koch- Weser ein viel beachtetes Wort gesprochen, von dem auch wir wünschen, daß es die verantwoltli- dien Politiker zum Nachdenken reizen sollte. Er sagte u. a.:

„Die Feinde der Republik sind weniger zu lurch ten als ihre eigenen Freunde. Die Verfassung vor Weimar ist gut. Aber was die Parteien aus chi gemacht haben, ist ein Zerrbild. Kein Minister hat in den 10 Jahren der Verfassung bisher Zeit gehabt, eine programmatische, geschweige denn eine volkstümliche Politik durchzusühren. Wir wollen keine herrschenden Männer, aber wir wollen füh­rende Männer. Die letzte Verantwortung muß bei der Regierung [ein. Die Hauptsache ist, datz die Selbstsucht der Parteien sich in Selbstzucht ver­wandelt. Man kann der Regierung wohl sagen, sie solle führen, aber welches Mittel hat sie. zu gih- ren, wenn sich die Parteien nicht führenl assen?

Dr. Koch-Weser betonte im Anschluß an jene kritiscken Bemerkungen diesD r i n g l i ch k e i t einer Wahlreform. Wenn wir irgend etwas an den zitierten Sätzen Koch-Wesers zustimmend unter- streichen, dann ist es die Bemerkung: „Die Ver­fassung von Weimar ist gut, aber was die Par- teien aus ihr gemacht haben, ist ein Zerrbild. Es wäre ein ungeheurer Fortschritt unserer öffentlich- politischen Diskussion, wenn man sich dazu verste­hen wollte, bei der Kritik über unseren Parlamen- tarismus und die Arbeit und die SelbftreprOien- tation des Reichsparlaments zu unterscheiden zwi­schen Verfassung und Parteien. Wenn man sich dieser Unterscheidung systematisch befleißigen wollte,

Vttder vom Tage.

Ably Pascha Deghen

ist nach dem Rücktritt Mohammed Mahmut Pa­schas zum Ministerprädenten Aegytens gewählt worden. Adly Pascha wird der erste ägyptische Ministerpräsident fein, der die Vorteile des neuen Vertrages zwischen England und Aegpten genie­ßen wird.

■

MWMWWM

■

gen geregelt

Der rumänische Regent Ruzdugan starb im 63. Lebensjahr an einer Blutvergiftum Buzdugan war eines der 3 Mitglieder des Re­gentschaftsrats, der feit dem 21. August 1927 dl. Befugnisse des Königs und die Vormundschaft aus- übt. Die exekutive Regierungsgewalt Rumäniens mußte für 8 Tage an ben Minifterrat übertragen werben, ba ber Regentschaftsrat burch ben Tob Buzbugans unb ben kurz zuvor erfolgten Rucktrttt des Patriarchen Christea seine Funktionen nicht mehr ausüben kann.

Aus Bukarest wird gemeldet:

Die durch den Tod des Mitglieds des Regent- fdiaftsrats Buzdugan aktuell gewordene Frage der Nachfolge muß verfassungsgemäß binnen acht La­gen geregelt fein. In politischen ^reifeU' noch keine einhellige Meinung darüber, ob durch den Tod eines Mitglieds des Regentschaftsrats auch das Mandat ber beiden übrigen Mitglieder erlo- scheu ist oder ob nur Ersatzwahl erforderlich ist. Die zuerst genannte Auffassung scheint die Ober­hand zu behalten. Jedenfalls werden die Recht« der Krone bis zur Regelung ber Nachfolgefrage do m Ttini ft errat ausgeübt. Kammer unb Senat würben als Nationalversammlung für Mitt­woch vormittag zusammenberufen, um bie Wahl unb bie Eibesleistung des neuen Regentschaftsmit­gliedes vorzunehmen. Die Beerdigung Buzdugan» ist auf Mittwoch nachmittag festgesetzt