Sonnlag, 6. Oktober 1929.
Jlt. 232
treffen.
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wenn sich alle sogenannten Regierungsparteien I darüber schlüssig geworden sind. I
Erschemt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Perlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe Schrift- :: leitunq 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Der englische Premierminister und Führer der Arbeiterpartei ist in Nordamerika eingetrofsen und [ hat sich nach Washington begeben.
vor längerer Zeit die im stationierte Kavallerie-Abteilung abgerückt war, sind gestern auch 6 Offiziere und 100 Mann des in Kehl liegenden 170. französischen Infanterie-Regiments nach Remiremont (Vogesen) abtransportiert worden. Ein weiterer Teil des Regiments wird
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Es ist kaum für möglich zu halten, daß in einer Zeit, in der wir in schwersten innerpolitlschen Krisen stehen, in der die Parteien sowohl wie die Reichsregierung andauernd Verhandlungen fuhren, um über die Schwierigkeit der Situation Hinwegzukommen, ausgerechnet im Rechtsausschuh von Seiten der Sozialdemokraten, Demokraten und der Volkspartei versucht wurde, sofort wieder in die Beratungen über die Ehescheidungsreform einzu- treten
Das Zentrum hat mit Rücksicht gerade auf die gespannte Lage in derJnnenpolitik einen zweckentsprechenden Vertagunqsantrag gestellt, der aber
abgelehnt wurde.
Mit Recht wies Dr. Bockius vom Zentrum in der sehr erregten Aussprache darauf hin, daß doch seinerzeit von den hinter der Regierung stehenden Parteien vereinbart worden sei, daß wesentliche Angelegenheiten nur dann beraten und bestimmte Anträge eingebracht werden sollen,
Ein mutige Tat holischer Priester macht in Litauen viel von sich reden. In dem kleinen Städtchen Ramigala war ein Brand ausgebrochen, der sich schnell
Kehl am 11. Oktober endgültig verlassen.
Politische Zusammenstöße.
wtb. Berlin, 5. Oft. (Elg. Meldg.) Heute nacht kam es an verschiedenen Stellen der Stadt nach natlona l-sozialt st rfchen Versa nun« lungen zu Zusammenstößen zwischen heimkehrenden Versammlungsteilnehmern und politischen Gegnern. So wurde im Norden der Stadt ein Elektroingenieur durch Faust- und Stockschläge am Hinterkopf verletzt. Ein Beteiligter wurde festgenommen. Bei einem anderen Zusammenstoß ebenfalls im Norden schritt die Polizei rechtzeitig ein und nahm 11 Personen fest. In Siemenstadt wurden 5 Nationalsozialisten mit Messern von ihren Gegnern bearbeitet. Drei Schwerverletzte wurden dem ^ankenhaus zugeführt. Bei der Auflösung eines Demonstrationszuges der Nationalsozialisten im Norden wurden 9 Personen wegen Ruhestörung und Nichtbefolgung polizeilicher Anordnung festgenommen.
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Welcher Radikalismus sich heute in Deutschland, im Zeichen der B u n d e s g e n o ss en- schaft Hitler-Hugenberg breit machen kann, zeigt auch folgendes:
Im „Reichswart" greift der nationalsozialistische Abgeordnete Graf Reventlow den Reichspräsidenten von Hindenburg in einer Weise an, die sowohl in ihrer Form als in ihrer Schärfe alles bisherige übertrifft:
den plötzlichen Tode Ihres Gatten, der bis zum letzten Atemzug so treu für sein Vaterland gearbeitet hat."
Hindenburgs Wille wäre es sicher nicht gewesen, daß Stresemann, wie es das Hugenbrrgsche Volksbegehren will, wegen Landesverrat vor den Staatsaerichtshof zitiert würde.
Und noch etwas: Unter der Ueberschrift „Sie gehören eben zusammen" finden wir in „Lu den- d o r f fs V o l k s w a r t e" das folgende Stückchen, das wir wörtlich wiedergeben wollen. Wir lesen:
wtb. kehl, 5 .Okt. (Eig. Meld.) Nachdem schon Kehler Brückenkovfgelände
An der Bahre Stresemanns.
Die Leiche des Reichsaußenministers wird an. Samstag spät abends von der Villa des Minister! nach dem Reichstag überaeführt werden, wo ji( aufgebahrt wird. Bei der Feier im Reichstag wird für den Reichstag Vizepräsident von K a r d o r f f sprechen. In der großen Loge werden der Reichspräsident und die engste Familie des Verstorbenen der Feier beiwohnen. Reichspräsident von Hindenburg wird dem Leichenwagen zu Fuß bis zu seinem Palais folgen. Eine militärische Beteiligung kommt nicht in Frage, da diese nur bei Staatsoberhäuptern vorgesehen ist
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Der Deutschnationale Handl ungs- gehilfen-Verband hat an Frau Strele mann folgendes Telegramm gerichtet:
Mit dem Ausdruck aufrichtige'r Teilnahme beklagen wir den jähen Verlust des deutschen Staatsmannes, der seit dem Jahre 1907 dem von uns vertretenen jungen Stande der Kaufmannsgehilfen in allen feinen Röten mit feiner politischer Kraft beigestanden hat. Sein klarer Blick hat di< wertvollen Kräfte, die dem politischen Leben de- deutschen Volkes aus dem austteigenden Stand zuwuchsen, erkannt und weitschauend gefördert. Die deutschen Kaufmannsgehilfen werden des Heimgegangenen stets in dankbarer Verehrung gedenken.
Slrefemann-Straße.
= Berlin, 5. Okt. (Eig. Meld.) Wie d-e B. Z. hört, wird in Berliner städtischen Kreisen die Absicht erwogen, eine Straße im Herzen Berlin s zu Ehren des verstorbenen Reichsminister! des Auswärtigen den Namen Stresemannstraße zr geben. In Betracht käme danach wahrscheinlich eine Querstraße nahe der Wilbelmstraße.
Der Heilige Stuhl hat die apostolische Nun- I tiatur in Berlin 'beauftragt, die wärmste Teilnahnu I des Heiligen Stuhles zum Hinscheiden des deutscher I Außenministers Dr. Stresemann der Reichsregie I ntng zum Ausdruck zu bringen. In Abwesenheb I des Nuntius hat sich Nuntiaturrat Msgr. Cento« I zu Staatssekretär v. Schubert begeben, um chir I diese Teilnahme zu übermitteln.
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wtb. Berlin, 5. Okt. (Eig. Meld.) Der P a r - teitag der Deutschen Volkspartei in I Mannheim ist abgesagt. Heber den Zeit- I punkt der Einberufung einer Zentralinstanz der I Partei wird der Parteivorstand noch Entscheidung
Am die Ehescheidungsreform
Auch im Rechtsausschuß des Reichstags innerpolitifche Schwierigkeiten.
wtb. Baden-Baden, 5. Okt. (Eig. Meld., Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird beut« abend Baden-Baden verlassen, um sich nach Berlin zu begeben und dort an der Beisetzung Dr Stresemanns teilzunebmen. Die Baden-Badenel Verhandlungen des Organisations- Komitees für die internationale Zahlungsbaw werden am Montag weitergeführt werden.
Reichsminister a. D. Dr. Scholz operiert.
= Berlin, 5. Okt. (Eig. Meld.) Die national liberale Korrespondenz, der Pressedienst der Deut schen Volkspartei, teilt mit: Ein überaus schmerz liches und tragisches Geschick hat es gefügt, daß in diesen Tagen, wo der große Führer der Partei auf der Bahre liegt, sein enger politischer Mitarhei'ei und Freund, Reichsmüüster a. D Dr. S ch o l z, bei erste Vorsitzende der Volksparteilichen Reichstags- fraktion, operiert werden muß. Um begreifliche: und um so verständlicher ist es, daß die fielen Hoffnungen der Partei die baldige und voll ge Genesung des Erkrankten ersehne. D-efe Hoffnung wird erfreulicherweiie durch das Eomunique bei operierenden Aerzte in stärkstem Maß» unterstützt
wtb. Washington, 5. Oktober .(Eig. Meld.) Der englische Premierminister Macdonald, den Staatssekretär Stimfon vom Schiff abgeholt hatte, traf mit seiner Tochter und mit Gefolge hier ein. Am Bahnhof erwiesen eine Kompagnie Seesoldaten und eine Abteilung Kavallerie die Ehrenbezeugungen und eine Marinekapelle spielte das britische Nationallied, als Macdonald den Bahnhof verließ. Kavallerie führte und beschloß den Zug der etwa 20 Autos, die langsam durch die Hauptstraßen zur britischen Botschaft fuhren. Bald darauf suchten Macdonald und seine Tochter Herrn und Frau Hoover auf, von denen sie herzlichst begrüßt wurden. Nach kurzer Unterhaltung begaben sich Macdonald und seine Tochter zur Borschaft zurück. Sie werden heute nachmittag ins Weihe Haus übersiedeln und dort bis Dienstagfrüh Gäste des Präsidenten Hoover sein. Falls das Wetter. es erlaubt, will der Präsident Macdonald in sein Wochenendhaus in den Virginia-Bergen mitnehmen und dort den Sonntag mit ihm verleben.
Gestern abend empfing Macdonald in der britischen Botschaft die Presse. In einer längeren Aussprache führte er aus, er freue sich, nach Amerika gekommen zu sein und besonders darüber, daß er in Neuyork von der Bevölkerung so warm begrüßt worden sei. Er komme nicht als Parteiführer, sondern als Vertreter der öffentlichen Meinung Großbritanniens, die dieser Reise von Herzen Erfolg wünsche. Er komme nicht, um ein Bündnis zu schließen, denn 1. brauche Amerika keinen Verbündeten und 2. sei die Idee der Bündnisse heut- zutage überholt. Was England brauche und er- strebe, sei Vermeidung künftiger Miß- v e r st ä n d n i f s e, und beide Regierungen wünschten, eine Befestigung des Friedens an Stelle der Rüstungen für etwaige Kriege zu setzen. Der Kelloggpakt, den die Welt den Vereinigten Staaten verdanke, sei mehr als ein Dokument. Er verbanne jeden Gedanken an Krieg und bringe dadurch die Zivilisation einen wichtigen Schritt vorwärts. Macdonald erklärte weiter, er wolle mit dem Präsidenten Hoover viele die beiden Länder angehende Fragen besprechen, aber et möchte betonen, daß nichts beabsichtigt fei, was irgendwie als gegen dritte Staaten gerichtet aufgefaßt werden könnte. Einer englischamerikanischen Verständigung solle vielmehr alsbald die Beseitigung der Mißverständnisse mit anderen Ländern folgen. Sollte, was er bestimmt hoffe, seine hiesige Mission erfolgreich sein und der Weg zu herzlicheren Beziehungen zwischen England und Amerika geöffnet werden, so werde er glücklich und zufrieden nach London zurückkehren.
Die Räumung.
ten beendet hat, so daß die Stadt dann vollständig geräumt sein wird.
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Macdonalds Besuch in Amerika
Das Abrüstungsproblem.
Geburtstages Hindenburg sich beeilt haben, ihm ihre Huldigung zu Füßen zu legen, werden wenigstens Respekt vor dem Worte Hindenburgs haben, der der Frau Stresemann solgendes Ve-.eidstele- “TxVÄTÄe 'ch *-« m» d°n den Ausdruck meiner herzlichsten Teilnahme an
für ihre Dummheit verbluten.
Nicbt um der Unbelehrbaren willen, sondern I wegen der blinden Mitläufer sei an dieser Stelle I auf das aewaltiae Welt-cho aufmerksam gemacht, das die Nachricht vom Tode des Ai-stenministers I Dr. Stresemann hervorgerufen bat. Die Nation«- I ästen würden sagen, gerade diese gewaltige Echo I der Snmpathie spricht gegen die Stresemannsche I Politik, eg sei ein Zeichen dafür, daß er sich mit I seinem Deutschtum an das Ausland verschenkt I habe, daß sein Patriotismus einen übermäßigen I weltbüraerlichen Charakter getragen habe. Wer I aber nicht ganz verbohrt ist in die Unfehlbarkeit I einer "Nvaten Anschauung. ber w-rd ob de? sicht- I baren Eindruck«, den der Tod Stresemanns in der I Welt gemacht hat, doch aufmerken, und nicht die I Augen vor den aufrichtigen Kundgebungen ver- I schste^-m. mit d<-nen die Babr» unl-'res verbliche- I Pen Al-l--"-Minister« iet-t van d-n Staal<-.mä-ir-ern I aller «rohen u"d kleinen Länder d»r Erde über« I schüttet wird. E« foffte nn« in die Obren dringen, I iv->nn insbesondere die Länder, die uns jahrelang I mit ihrem Haß nerMat haben die« a->nüß groß- I tenteils auch guten Glaubens, ihre Gefühle in ho- I hem Mgße geändert haben, rn-mn h?e Staats- I mrinn”r dieser Länder und auch ihr» Prelle ’um I Tode Stresemanns unumwunden erklären, daß er I mm Besten seines Lande« gewirkt habe. Gleicher I Ansicht sind aber auch die Zeitungen und die I Stanismänner d»r neutralen Staaten, die I glchchsam das Wirken und Auftreten des Nach- I krioasdeutschsand odn e?ner häberen Warte, ieden- I sglls aus einer gewißen Distanz heraus betrach- I fen känn«n. Deutschland kann nicht allein 'N der West leben, eg muß freunde ba- hen. ec; muh Vücksj-ht nehmen auf hie Weltmei- I dun«. Es -st bester für D»uEcflland wenn es "'nen We« sucht, gemeinsam mit den vhnoen fern [pftpp nls g»a»n ^'e aan'» '"brche Well Asli«!» jjy machen. Diese Eint^a-bt ist e'n sg großes Ent. daß »g unter Umständen gewisse Nationale Onf» r s«rd»rn d"rs. W»r auth dar ein wenig natitifch aofckult ift und Finaer- ^nihenaefphf für die aebeimnienallen und geaeu- ^hfirhen Ges»t>e de« Leben« hot. der weiß daß /ch ein ngkitische« Ziel nicht immer aus dem ]
»no erreichen fäht, der 'M psuae"i'lick gl« her ae- I r»h»rtg urh kürzeste erscheint. Der m»iß auch.
" der Versuch, auf dem kürzesten Wege zum n zu aefanaen. sehr ost neue K 1 t g st r o- n herauf bett märt. Wir f»s-en jedenfalls in
' ''rnt»tfrahme. die die «gn^e an»st an dem Tode reiomanns als dem nramtnenfeften Vertreter beittfrf,Op 9fuh»nnnfifif in den fehlen 6 Lahren, Kommen bat. daß her eina»schsaa»ne Kurs zur , ^^'rstrdnna der he',isch-n Freiheit der sicherste ■ ""h’r klügste oewelen ist.
l-nfere Ngtionafisten, die frgh h»g Anscklras, °si ste mit dem ßiugenbergfchen Voiksbeaehren r nr>>nnlich nuf Hindenburg als dem w.»nall>näck- Rten des Reiches versucht haben bei Anlaß des
Der Rationalismus. .
Außenpolitischer Anschauungsunterricht.
Es ist leider eine Tatsache, daß die nationalistischen Kreise in Deutschland aus d a s U r t e i l des Auslandes keinerlei Bedacht nahmen, wenn sie sich darüber Rechenschaft geben wollen, ob ihr Tun und Lassen politisch vernünftig ist oder ^cht. Sie verschmähen es wohl nicht, ausländische Presjestünmen heranzuziehen, die ihnen günstig I fjnb, denn der Nationalismus aller Länder unter- ! stützt sich gegenseitig. Er lebt vom Kampf gegen Alle. Der Nationalismus in diesem Staate bedarf des Nationalismus in anderen Staaten, bedarf der gegenseitigen Aufreizung und Aufhetzung, um sich existenzberechtigt zu fühlen. Denn sein Prinzip ist Feindseligkeit, und wie könnte er es geltend machen, wenn er nicht dafür sorgte, daß es im Nachbarlande auch Feindseligkeit gegen ihn selbst gibt. So hat denn zu allen Zeiten der Nationalismus und Militarismus eines jeden Staates sich bemüht, den Nationalismus und Militarismus im Nachbarstaate a n z u st a ch eln. lieber die Mittel dazu hat man sich niemals besonderen Gewissensbedenken hingegeben. Die neuesten Beispiele für diese Tatsache bilden die fortwährenden Fälschungen von diplomatischen Dokumenten, bildet auch der neueste amerikanische Rüstungsskandal, der sich an den Namen des Agitators Shearer knüpft. Der Nationalismus findei darum in der nationalistischen Presse der Nachbarländer nicht selten auch zustimmende Meinungsäußerungen zu seiner Politik, und wenn er sie nicht findet, dann flankiert er sie. Im übrigen aber legt er die Meinungsäußerung des Auslandes über seine politische Haltung grundsätzlich von vornherein zu den Akten. Denn ber Nationalismus aller Länder, insbesondere auch der deutsche, ist sich selber genug. Er rechnet nur mit der Macht, die er selbst darstellt und mit der entsprechenden Konkurrenzmacht in anderen Ländern. Er rechnet nicht mit den sonstigen Bevölkerungsmassen, er rechnet nicht mit der allgemeinen öffentlichen Meinung, er geht eben von der Souveränität seines Parteibegriffs aus: weil ihm Nationalismus die höchste sittliche Pflicht ist, und zwar Nationalismus im Sinne der politischen Selbstisolierung und der feindseligen Abwehr alles Fremden, deshalb ist ihm die Politik die beste und patriotischste, die ihm im Sinne dieser Begriffsbestimmung die radikale ist. Der echte Nationalist ist darum unbelehrbar, und wenn ihm die ganze Welt unrecht geben würde. Die politischen Niederlagen, die er sich selber zu- geht, sind immer durch die anderen verschallet, die nicht seiner Meinung sind, selbst dann, venn die Fahnenträger des Nasionalismus int sicheren Hintergründe sich verbe"' ^. während die dummen Mitläufer, zur vorder^.. Linie geschickt,
Das Zentrum halte sich deshalb nach wie vor an diese Abmachungen und lasse sich seine Rechte nicht beschneiden. Bevor nicht die Reichsregierung eine klare Entscheidung darüber getroffen hätte, daß die Beratungen über die Ehescheidungsreform wirklich notwendig seien, würde das Zentrum diese Beratungen nicht mitmachen. Sollte aber der Ausschuß anders beschließen, dann gäbe es für das Zentrum keine Möglichkeit, weiter im Ausschuß vertreten zu sein. Auf die Frage an das Zentrum, ob es überhaupt nicht bereit wäre, auch späterhin an den Beratungen über die Ehescheidungsreform teilzunehmen, hat Dr. Bockius noch einmal den grundsätzlichen Standpunkt der Zentrumsfraktion bekanntgegeben und erklärt, daß das Zentrum nach wie vor jede Erleichterung der Ehe scheidung ablehne, mithin auch jede Reform.
Doch wäre das ja für den Augenblick nicht entscheidend, da das Zentrum sich die endgültige Beschlußfassung für den Zeitpunkt vorbehalten müsse, in dem die Reichsregierung ihrerseits erklären wird, daß sie die Frage der Ehescheidungsreform für wichtig halte.
FuldaerZeitung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
„Halten wir uns an die brennende Frage, den Kampf gegen den Young-Man! Hindenburg hat Stresemann nach dessen Rückkehr aus dem Haag beglückwünscht. Er billigt also den Young-Plan, ebenso wie er bisher alles gebilligt hat, was Stresemann an politischen Verbrechen gegen das deutsche Volk begangen hat, von Locarno bis zum heutigen Tage. Und dieser Dank an Stresemann durch den Reichspräsidenten war ein höchst politischer Akt, berechnet, auf die Volksstimmung zu wirken und das Urteil zu beenflussen und besonders all den Kreisen, die sich national nennen, zu sagen: sogar der verehrte Herr Feldmarschall heißt Stresemanns Young- Planpolitik gut . . . Hier kommt es lediglich auf die Feststellung an, daß Hindenburg ungeachtet besten Willens die Politik treibt oder unterstützt, welche wir für unbedingt verderblich und landesverräterisch halten Wenn nun in dem Volksbegehren die Landesverratsstrafe für Minister verlangt wird, welche für den Young-Plan eintreten, so war es schon nahe daran, das Volksbegehren zu einer politischen Kinderei zu machen, wenn man gemüwoll entrüstet ries: Aber Hindenburg, unser Hindenburg muß doch ausgenommen werden! . . . Und wenn wir ein Gesetz wollen, das Landesverrat als Landesverrat bestraft, so ist es uns vollkommen gleichgültig, ob dadurch auch jemand getroffen werden könnte, der eine Vergangenheit und Eigenschaften hat, wie — in
ausbreitete und 46 meist jüdische Familien obdachlos machte. In der allgemeinen Panik kümmerte sich niemand um die ebenfalls in Brand geratene Synagoge Eine Gruppe von katholischen Priestern, die zu eine Tagung eingetrofsen war, unterbrach bei dem 'Brani alarm ihre Sitzung und eilte nach der Brandstätte Un ter Lebensgefahr "drangen mehrere von ihnen in di brennende Synagoge und retteten die jüdisch Kultus gegenstände aus den Flammen. In den jüdischer Kreisen Litauens hat diese mutige Rettungstat tiefer Eindruck gemacht: Die Kownoer . „Jüdische Stimme' schreibt: die heroische Tat der Priester werde von de: gesamten Iuden'chaft mit der größten Dankbarkeit ausgenommen. Sie hätten echte Humanität und fittl'che Gesinnung bewiesen, und ein Beispiel gegeben, wie fich die einzeinen Bevölkerungsgruppen in Litauer gegeneinander verhalten müßten. tllnd nun der Kommentar der Volkswarte). Auf das Letztere kam es bei diese' Berichterstattung wohl besonders an, denn auch d'e Litauer werden noch nickt a»m r-Nos '"^»---ugt> sein, daß ausgerechnet die Nachfahren der Erzväter em auserwähltes Volk sein sollen. Im übrigen: ob K u t t > oder Kaftan, es ist dasselbe! Es sind die Unifor men der Söldner Iehowahs".
Herr Ludendorff, früher ein General, der einer Namen zu verlieren hatte, ist den katholischer Priestern, die diese tavfere Tat vollbrachten, mi( man sieht, ernstlich böse. So böse, daß ihm nicht einmal eine Pointe eingefallen ist, um seinem Aer- ger Ausdruck zu geben. Dafür aber vreist er diese seine Glosse in der gleichen Nummer seiner .Bstks warte" dem deutschen Volke als höchste Weishei. an. Und feinen Leitartikel schließt er mit den Sätzen:
I. „Deutsche! immer wieder rufe ich Euch zu, I schließt Euch zur Deutschen Abwehr zusammen und verbreitet im Volke das, was meine Frau und i ch und „Ludendorffs Volks- warte" Euch immer wieder geben. Sorgt dafür, daß die Abwehrwerke meines Haules ins Volk gelangen und „Ludendorffs Volkswarte in den Häusern der freien Deutschen gelesen wer den. Das ist der erste Schritt zur Freiheit".
Run wissen wir es wenigstens!
Aus Düren wird gemeldet: Am Freitag vormittag verließen die ersten französischen Truppen in Stärke von 200 Mann die Scadt. Am Samstag sollen weitere 200 folgen. Die fron- — —„— zösische Kantine wird am 21. d. M. geschlossen. Die diesem Falle, Hindenburg. Angehörigen der Besatzung werden bis zum 2». - 11~k —*
Oktober die Stadt verlassen haben. In den nächsten Tagen wird auch das französische Militärlazarett in der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt geräumt. Der Abtransport des Materials geht unentwegt weiter. Es ist damit zu rechnen, daß das Abwicklungskommando bis Ende November seine Arbei-
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