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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

irr. 231

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck undLlerlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Samstag, 5. Oktober 1929.

Monatl. 1,80 einschl. Postgev. (30vezw. 48 Pf.» ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile iCol.) lokal 0,15 M., auswärts 0,20 ftJt. Reklamezeile: lokal 0,60 O., auswärts 0,80 M. Bei Wiederholungen Rabatt. Poitscheckk. -vrankf. a. M. 4051

56. Zahrg.

Skresemanns Tod und die politische Lage.

Die Beisetzung des Autzenminifters am Sonntag.

Es war am 13. August 1923, also vor mehr ets 6 Jahren, als der nunmehr Heimgegangene Reichsaußenminister Dr. Stresemann Mitglied eines Reichskabinetts wurde. Er übernahm damals die Reichskanzlerschaft, nachdem der H a p a g - Direktor Dr. Cuno am Tage vorher ab>- aedankt war. Es waren schlimme Tage, als Stresemann sein Amt antrat. Das Kabinett Cuno, das sogenannte Kabinett des Ruhrabwehrkampfes, hatte versagt. Der Ruhrabwehrkampf war mit einem neuen Zusammenbruch geendet, die Katastrophenpolitik, auf die man ge­rade in Rechtskreisen unter Führung von Stin- n e s und ch e l f f e r i ch so lange und intensiv ge­drängt hatte, hatte mit einem schweren Fiasko geendet, und Stresemann, der derselben Partei wie Cuno angehörte, aber erheblich mehr politische Phantasie und diplomatisches Fingerspit­zengefühl besaß, sah sich nun genötigt, den passi­ven Widerstand am Rhein und Ruhr abzublasen und ein neues positiveres Verhältnis zu den En­tentestaaten wieder anzubahnen. Er tat das in einer Zeit, wo als Wirkung der voraufgegangenen Katastrophenpolitik die radikalen Strömungen im kommunistischen und im nationalistischen Lager Oberhand zu bekommen versuchten, um der demo­kratischen Republik den Garaus zu machen und die bolschewistische oder national­sozialistische Diktatur aufzurichten. Sachsen und Thüringen auf der einen Seite und Bayern auf der anderen Seite waren die Brennpunkte dieses doppelseitigen Aufruhrs. In Berlin selbst herrschte Panikstimmung. Die Stadt lag im Dun­keln, weil die Elektrizitätswerke nicht arbeiteten, die Straßenbahn lag still, auch der Automobil- und Droschkenverkehr ruhte. Das Schlimmste aber war, daß die Druckereien streikten, in denen das Papiergeld hergestellt wurde. Die Banken selbst gaben kein Geld heraus. Es waren fürchter­lich e T a g e, an die man gegenwärtig wohl e r- i n n e r n darf, weil eine mächtige Bestrebung im Gange ist, solche Katastrophentage von neuem herbeizuführen. Und es sind auch dieselben Kreise wieder, die diese- Verwirrung berbeiführen möchten. Die Hitlerfront hat sich um die Stablbesmorganisation sogar noch vermehrt und der gesamte chugenbergsche Presseavparat steht ihnen zur Verfügung. Auf der anderen Seite wach st der kommunistische Anbang trotz des Rotfrontverbotes an dem lauten Getöse, das die nationalistische Reaktion zurzeit wegen ckr-s Volksbegehrens macht. Es ist eine bekannte Erfahrung, daß die radikalen Flügel­fronten fich immer gegenseitig stär­ken. Stresemanns Regierungsantritt erfolgte also im Reichen einer sehlgeschlagenen Katastro- nben"nlitik, sein Tod siebt in dem Schatten, den die Pläne eine neuen Katastronhenpolitik. ver­einbart von einer haßerfüllten Front von Unver­söhnlichen. über Deutschland bereits wieder vor­auswerfen möchten.

Nicht nur bei der übergroßen Mebrbeit des deutschen Volkes, sondern vor allem auch im Aus­lände und nickt zuletzt bei den Völkern die Deutf-^land wohlgesinnt sind, emnfindet man den Tod Stresem"nns als einen schweren Ver­lust, ja, als ein grobe? Unalück für Deutschland. Für die Stabilität des innen- und a"benvolUis^en Kurses, den dj- deutsch» De» wo^s>tke Hf Welwar u"d nach deutlicher Hi dem Zusammenbruch d»s NnfHunwses einaeschlaaen bat, war di? V-Hönückkeit Stretemgans als Füh- rer den D»nt'chen von unschätzbarem

W-nfe. Pi» deutsche Musick fint fn*unM in ibren A''sfwben noch innen w'e in ihren ss,,kolben nach außen sehr darunter ’u leiden aebobt, daß die ka- pitolfväftiaen deuEchen Wirtschastsfa^toren nock sehr wenia poetisch f’o-'en w-ren. Sie hotten Nock fein s^bendiaes Gefühl dastir. daß der Staat und seine Vo'itik eine ornndlgblicke Va r r o n a - stestnno freri<w geoeuüber feoNcker Fa-nn von pri­vaten Wirtschaftsintersssen. Vosttsf ist gewiß ein leerer Beansf, mnnn er non den wirtschaftlichen Interessen d»s Landes nicht erfüllt wird, aber die Ttirfssf-^sf iff in ihrer Vetätwima und in allen ibren Aeußerunaen stets mit Blindheit geschlagen w^nn sie nickt dos f'nf»r''ffo des Staates und die Stohilstät d-r staatlichen Ordnung au ihrer ober­sten Richtschnur macht Unter Stresemann ist ae= r"he gegenüber der Wirtschgst viel an nolitstcher Cfr,iehuna geseiUet myrden. Unter Stresemann hat n'an fn einem argbm Tei'e der deutschen oN!rt- ickaft den ontistaotli^en Geist eines $)ugo Stin- de? l-e-akgm in sich übernmnden. Zwar ist hier doch Riesen au tun. ober w"nn man nur an die Rolle denkt, die Stresemann jetzt wieder bei den ^arlom-ntarifck"n Kämpfen um die Relprm der »^^-st'rlafenversickerung bat svielen müssen, so sich ermessen, was man durch den Tod Strest- Manns verloren hat. Es wird nickt so leickt sein, gerade d»n Posten ro;»her ous'ufüllen. den Strese- ^sonn als innenvolitfiche St"'ße des Staates v»r- k^rvert bat In außsnpolitifcker Beziehung ist die ^t'stuno Stresemanns wohl leichter erlebbar Seme Leistungen und feine persönlichen Erfolge nahen in aHmsten Kreilen der Wirtschaft, wenn Wan diesen Ausdruck gehraucken darf, davon über« ö"ugt. daß der Kurs der Verständigung mit Frankreich der einua mögliche ist. um wieder zur vstep (Minna Deutschlands zurückkommen zu fön« *en. -yfe Deutsch? Volkspartei wird nach dem Mh» Stresemanns an diesem Kurse festhalfen, £?A wenn nickst gerade ein Mitglied der Deutschen -bolcsvartei selbst der Rachsolaer dieses verdienst­

vollen Mannes sein wird. Aber man darf nicht vergessen, daß Stresemann für die Sozialdemokra­tie ein ganz persönlicher Anknüpfungspunkt an die Deutsche Volkspartei gewesen ist. Daß er ins­besondere deshalb die gegenwärtige Regierungs­koalition in hohem Maße zusammengehalten hat.

Was wir wünschen müssen, ist, daß die Erkennt­nisse, die das deutsche Volk in innen- und außen­politischer Beziehung in den letzten 6 Jahren ge­wonnen hat, so e i n d r in glich und lebendig geworden sind, daß es auch nach dem Verlust dieses Führers sich des rechten Weges bewußt bleiben wird. Die Probe dafür steht unmittelbar vor der Tür. Hoffen wir, daß es diese zu sei­nem Nutzen und zur Vermehrung seines politischen Ansehens in der Welt erfolgreich bestehen wird.

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Das Reichskabinett, das Donnerstag um 5 Uhr zu einer Trauersitzung zusammentrat, beschäftigte sicy ausschließlich mit der Frage der Feierlich­keiten für die Beisetzung des verstorbe­nen Reichsaußenministers Stresemann. Wie nicht anders zu erwarten, wurde für Stresemann das Staatsbegräbnis beschlossen.

Der Leichnam Stresemanns wird am Sonntag feierlich im Reichstag aufgebahrt werden. Vor berg öffneten Bahre wird im Reichstag um 11 Uhr vormittags die große offizielle Trauerfeier stattfinden, an die sich das Begräbnis auf dem al­ten Lirifenftädtifchen Friedhof anfchließen wird.

Der Reichspräsident als Oberbefehlshaber der Wehrmacht wird entscheiden, ob ähnlich wie bei der Beisetzung des ebenfalls als aktiver Reichs- minifter verstorbenen Walter Rathenau eine Reichswehrkompagnie zur Totenparade antreten wird.

Die Trauerzeremonien sollen ähnlich denen der Trauerfeier für den 1922 ermordeten Außenmini­ster Rathenau gehalten fein. Der Katafalk wird also auf der Estrade des Reichstagspräsidiums auf­gebaut werden. Nach bej Trauerfeier im Parla­mentssaal wirb der Sarg' durch das Hauptportal auf die große Freitreppe getragen werden. Die Trauerrede im Reichstag wirk) Reichskanzler Hermann Müller halten. Voraussichtlich wird in dem Augenblick, wo der Sarg vor der großen Haupttreppe zum Leichenwagen gebracht wird, ein Mitglied der Deutschen Volkspartei Ab­schiedsworte an den verstorbenen Parteiführer rich­ten.

Die Beisetzung auf dem Friedhof an der Berg- mannstraße an der Hasenheide soll im Beisein der allernächsten Familienmitglieder erfolgen.

Die Leiche Stresemanns wird bis zur Ueberfüh- rung in den Reichstag im Arbeitszimmer der Villa des Auswärtigen Amtes aufgebahrt bleiben, in der Stresemann mit seiner Familie seit sechs Jahren wohnte.

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Zum Tode Dr. Stresemanns liegt eine unüber­sehbare Menge von Trauerkundgebüngen vor. Bis weit in das Lager der Rechten hinein wird Strese­mann hohes Lob gewidmet. Bekanntlich haben nur Nationalsozialisten und Komm u- n i ft e n fich von der Trauerfeier des Reichstages ferngehalten. Bemerkenswert ist, was das Haupt­organ Hupendergs, das im Auftrag seines Herrn das Werk Stresemanns wegen mangelnder patriotischer Haltung so scharf bekämpft über den toten Stresemann sagt.

„Der Mann, den heute die „guten Europäer" preisen und die Leute mit dem Weltgewissen, war ein glühender Deutscher. Wer jahrlaug ihm menschüch begegnet ist, der weiß das, allei Politik und allem politischem Gegensatz zum Trotze. Keiner fand auflobernbere Worte, wenn es den Namen Vaterland galt."

Und was sagen Huqenbergs Bundesge­nossen, der Apotheker Gregor Strasser und seine Freunde? Sie reden von Landesverrat, wenn ein gewiegter Staatsmann es fertig bringt, auch dem Ausland als Wortführer Deutschlands zu imponieren. Daß die ganze Welt an dem Tode Stresemanns weitgehendes Mitgefühl bekundet, wie es aus der Weltvreffe heute hervorgeht, ist für Deutschlands Sache sicher von größerer Bedeutung als hakenkreuzleriscke Demonstratior'spolitik, die als Theaterdonner leicht erkennbar ist.

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Die berufenen Organe der deutschen Zen­trumspartei haben an Frau Stresemann und an die Deutsche Volkspartei zum Tode des Außen­ministers herzliche Beileidskundgebungen gerichtet.

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Der Privatsekretär des Königs von England, Lord Stamfordham hat vom Buckingham Palast aus an den deutschen Botschafter Sthamer folgen­des Schreiben gerichtet:

„Der König, der sich in Sandringham befindet, wünscht, daß ich Euer Exzellenz sein Beileid zu dem großen durch den Tod Dr. Stresemanns er­littenen Verlust ausspreche, den seine Majestät als einen Verlust nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa betrachtet. Der König erinnert . sich gern seines Zusammentreffens mit Dr. Strese­mann, als dieser zuletzt in London war, und hat die Trauerkunde mit einem Gefühl aufrichtigen Bedauerns erhalten, das, wie er weiß, vom eng­lischen Volk geteilt werden wird."

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Auf der Reichswahlliste der Deutschen Volkspartei steht als Nachfolger für Dr. Strese­mann Malermeister Hagemann (Hildesheim).

Hagemann war während der ersten Wahlperiode | 1920 bis 1924 Mitglied des Reichstages, wurde 1 1924 wieder gewählt, unterlag aber bei der Wahl I im Jahre 1928. Ob er die Nachfolge Dr. <5 tiefe.» ! manns annehmen wird, ist noch nicht bekannt.

* Die Kabinettskrise in Aegypten. Aus Kairo wird gemeldet: Adly Pascha hat den Auftrag zur Bildung eines neuen ägyptischen Kabinetts ange­nommen.

Die Arbettslosen-Versicherung.

Das zahlenmäßige Ergebnis der Abstimmung über die Novelle zur Erwerbslosen-Dersicherung ist schon mitgeteilt worden. Die Einzelberatung ging ziemlich rasch vorüber. Die Beschlüsse der zwei­ten Lesung wurden mit geringen Abänderungen bestätigt. Danach ist die befristete Sondervorlage weggefallen. Beitragserhöhungen

sind in der Vorlage nicht mehr enthalten. Vor her Schlußabstimmung begründeten die Parteien in kurzen Erklärungen ihr« Haltung. In der na- mentlichen Schlußabstimmung wurde die Vorlage mit 238 gegen 155 Stimmen bei 40 Enthaltungen angenommen. Dafür hatten Sozialdemokraten, Zentrum, Demokraten und Bayerifche Volkspar­tei gestimmt. Die Deutsche Volkspartei und dis Mitglieder einiger Splittergruppen hatten Stimm­enthaltung geübt. Gegen die Vorlage, die der Erhaltung der Arbeitslosenversicherung dient, stimmten die Nationalsozialisten, die Kommunisten und die Deutschnationalen. — Gegen die Stim­men der Deutschnationalen und der Bauerngrup- pen wurde dann noch die Vorlage zur Ausführung der Empfehlungen der Weltwirtschaftskonferenz, also das internationale Abkommen gegen Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, mit 321 gegen 112 Stim­men angenommen. — Dann vertagte sich der Reichstag auf unbestimmte Zeit.

Der Kanzler beim Reichspräsidenten.

Dr. Lurkins mik Skresemanns Dienstgeschäsken betraut.

— Berlin, 4. Oft. (Eig. Meld.) Wie mir er­fahren, ist Reichspräsident von Hindenburg heute vormittag aus seinem Erholungsurlaub zürückge- kehrk. Um 11.30 Uhr empfing er den Reichskanz­ler, der ihm über das Hinscheiden Dr. Stresemanns und die dadurch entstandene politische Lage Vor­trag hielt. Um 12 Uhr war die Besprechung noch im Gange.

Zur Frage der Nachfolge fär ben verstorbenen Reichsaußenminister schreibt die B. Z.: lieber die endgültige Nachfolge wird man erst entscheiden, wenn nach dem Be­gräbnis Stresemanns die Situation sich einiger­maßen in Ruhe übersehen läßt. Die Hauptschwie­rigkeit liegt darin, daß eine Besetzung des Außen­ministeriums durch ein Mitglied einer anderen Partei das Gleichgewicht im Kabinett zerstören würde. Die Volkspartei hat zur Zeit zwei Sitze in der Regierung, das Wirtschafts- und das Au- fjenminifterium. Wenn das Außenministerium an eine andere Partei, sagen wir das Zentrum, fällt,

so ergibt sich die Notwendigkeit zu Kompeniatio- nen, die sofort alle Probleme der Partei-Arithme­tikaufrollen. So liege es am nächsten, für die Be­setzung des Außenministeriums wieder an einen Volksparteiler zu denken und man erwägt deshalb in erster Linie den bisherigen Wirtschaftsminlster der Deutschen Volkspartei, Dr. Curtius, mit dem Außenministerium zu betrauen. Dr. Gmrfius gilt als ein außerordentlich fähiger Politiker. Daß er ein naher Freund Stresemanns war, prädesti­niert ihn ebenfalls für seine Nachfolge. Das Wirt­schaftsministerium wäre dann durch einen anderen Angehörigen der Volkspartei zu besetzen.

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wtb. Berlin, 4. Oft. (Eig. Meldg.) Nci: ~- präsident von Hindenburg hat aus Vorschlag des Reichskanzlers den Reichswirtschaftsmini­ster Dr. Curtius mit der einstweiligen Wahrnehmung der Geschäfte des Rerchsaußenministers beauftragt.

Aus derPariserSowZekbokschufk.

Zu der Darstellung des „Matin" über den Vor­fall in der Pariser 'Sowjetbotschaft erfährt das kommunistische Blatt „Berlin am Morgen" von „unterrichteter Seite": Bessedowsky ist nicht der Geschäftsträger der Sowjetbotschaft, er hatte ledig­lich den Posten eines Botschaftsrats inne, der wirkliche Geschäftsträger ist der Botschaftsrat Arens. Von irgendwelchen politischen Mei­nungsverschiedenheiten, die Bessedowsky angeblich mit der Soro'etregierung haben solle, ist bisher nie etwas bekannt geworden. Bessedowsky hat sich Verfehlungen zuschulden kommen lassen, weswegen er aufgefordert ist, seinen Posten als Botschaftsrat niederzulegen und nach Moskau zu- rückzukehren. Der angebliche Tfcheka-Abgefandte Roifemann hat mit der Tscheka (Moskauer Ge­heimgericht) nicht das geringste zu tun. Er ist Mitglied des Kollegiums des Volkskommissariats der Arbeiter- und Bauerninspektion, die ein staat­licher Kontrollapparat ist. Roisemann benutzte

seinen zufälligen Aufenthalt in Deutschland, um nach Paris zu gehen, um gewisse Fragen, die tm Zusammenhang mit den Verfehlungen Besse- dowskys stehen, aufzuklären, was ihm nicht gelang.

i! ♦ Regierungspräsident Dr. Brandt gestorben. Aus Koblenz wird gemeldet: Regierungsprä­sident Dr. Brandt wurde bet der Rückkehr von der Hirschjagd in der Oberförsterei Entenpfuhl tm Kreise Kreuznach plötzlich vom Herzschlag getroffen.

Rückgabe von Deulsch-Moskasrika?

r = Berlin, 4. Oft. (Eig. Meld.) Die Weseü- zeitung und einige Blätter bringen eine Mel­dung, wonach die englische Regierung sich mit dem Plane trägt, den südlichen Teil von Deutsch»- Ostasrika an Deutschland zurückzugeben.

। An zuständiger Stelle ist von einer solchen Ab- ; sicht der englischen Regierung bisher nichts bekannt.

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Reichsbanernsronl und Volksbegehren.

Von maßgeblicher Zentrums-Stelle wird uns geschrieben:

Die Bildung einer Reicksbauernsront ist ins­besondere von den Herren Schiele, Hepp und an­deren maßgebenden Persönlichkeiten des Reichs- landbundes mit großem Nachdruck betrieben wor­den, weil sie damit den Nachweis erbringen woll­ten, daß ihr Parteimandat für sie keine politische Abhängigkeit bedeute. Diese Einstellung der Reichs- landbund-Fuhrung dürfte nicht zuletzt beeinflußt fein durch den wiederholten Wunsch der süddeut­schen Unterorganifationen des Reichslandbundes, die Führer des Reichslandbundes, die ein Abge­ordnetenmandat ausüben, möchte dieses nieder­legen, um damit auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen, daß der Landbund grundsätzlich über den Parteien stehen will.

Es ist unleugbar für die gesamte deutsche Bauernschaft ein Fortschritt, daß es, zum Teil we­nigstens, gelungen ist, die politische Verfechtung der besonderen Interessen des Bauernstandes von parteipolitischen Hemmungen freizumachen, also eine Reichs-Bauernfront zu schaffen, die möglichst von sämtlichen hier in Betracht kommenden Par­teien des Reiches gestützt werden kann. Verschie­dene Ansätze zu dieser Reichsbauernfront sind in­zwischen bereits vorhanden, so u. a. die Verein­heitlichung des landwirtschaftlichen Genossenschafts­wesens und die inzwischen ins Leben getretene Ar­beitsgemeinschaft der verschiedenen landwirtschaft­lichen Organisationen. Gerade von ihr hat man sich in bäuerlichen Kreisen viel für den Zusammen­schluß der gesamten deutschen Bauernschaft verspro­chen. Wenn die Bauernfront ihre Aufgabe, die schwere Lage der Landwirtsckaft zu bessern, lösen will, dann muß ihre ganze Kraft auf diese eine Aufgabe verwenden. Sobald einzelne Teile der Front sich politischen Sonderzielen zuwenden, ist ihre Durchschlagskraft bedroht.

Durch den Anschluß des Reichslandbundes an den Reichsausschuß für das Volksbegehren wird die Einheitsfront der deutschen Bauernschaft auf

das Ernsteste bedroht. Der Reichslandbund doku- mentiert durch seine Zugehörigkeit zum Reichsaus­schuß in aller Oeffentlichkeit, daß er, entgegen den vielfachen Forderungen seiner Unterorganifationen nicht über den Parteien steht. Das kommt besonders kraß zum Ausdruck in der Tatsache, daß der Reichslandbund im Reichsausschuß Arm in Arm mit den Nationalsozialisten mar­schiert. Die nationalsozialistische Partei ist, wie auch schon aus ihrem Namen hervorgeht, im Grunde s o z i a l i st i s ch eingestellt. In ihrem Programm vom Jahre 1920 heißt es u. a.: Wir ^ordern eine, unseren nationalen Bedürfen ange- vaßte Bodenreform, ©Raffung eines Gesetzes zur unentgeltichen Enteignung von Bo­den für gemeinnützige Zwecke, Adsckaf- sung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bo- densvekulation." Dieser Satz hat acht Jahre fpätei durch Hitler selbst eine sehr gezwungen wirkende Interpretation erfahren, die den Eindruck des Pro- qrammsatzes, der in Wirklichkeit eine Bedrohung der Landwirtschaft bedeutet, abschwächen soll. Aber auch diele Interpretation enthält noch so dehnbare Begriffe, daß man der Bauernschaft den National­sozialisten gegenüber nur größte Vorsicht anraten kann. ____________

♦ Derlagsdirektor Aloys Gockel gestorben. Aus Beuthen wird gemeldet: Mittwochabend verschied unerwartet in Gamm in Westfalen, seiner Hei­mat, Verlagsdirektor Aloys Gockel, der Schöpfer des oberschlesischen Zentrumspresse­konzerns im Alter von 42 Jahren. Verlags- direktor Gockel wirkte fast 20 Jahre in Oberschle­sien, davon acht Jahre als Chefredakteur des Ober­schlesischen Kuriers. Seit 1920 stand er an der Spitze der Oberschlesischen Volksstimme G. m. b. H. Gleiwitz. Sein Tod kam umso überraschen­der, als sich Gockel nach einer gut verlaufenen Operation bereits auf dem Wege der Besierunc befand.