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alls veröffentlicht, dann tut

Pflicht. Dann aber ist die Reichsregierung zu einer solchen Stellungnahme durchaus befugt,

100 Jahre Röhrenkessel-Lokomotive.

b-aleitet hat, in der in ganz kurzerhand pragnan- neraloi trma beteiligt, inegeimap g onngen ,

ter Form der politische Unfug des Volksbegeh- ! schiffe der Gesellschaft die gewaltigen Mengen m den 1

wenn nicht sogar verpflichtet, noch sehr gut, daß es gerade wesen sind, die im Juni 1926

doch erreichte er nicht viel damit, hatten, daß auch der andere neu nichts auf sein Vaterland kommen mals sehr beachtenswerte Proben

da sie bald erfahren eingetretene Deutsche ließ und auch mehr- oon seiner Muskel­

kraft und Schlagfertigkeit gegeben hatte Entsetzung folgt.)

natürlich niemals fertigbringen.

Man hat es dem Reichsm'misterium übelge- nommen, daß es die Bekanntmachung Severings über die Zulassung des Hugenbergschen Volksbe­gehrens im „Reichsanzeiger" mit einer Erklärung begleitet hat, in der in ganz kurzerhand prägnan-

Vorwürse deswegen gemacht haben, weil es zu dem Volksbegehren in der Frage der Fürstenab­findung nicht selber autoritativ Stellung genom­men hat. Wir erinnern uns auch noch sehr gut, daß damals eine Meinungsäußerung des Reichs­präsidenten Hindenburg in Form eines Briefwech­sels der Oeffentlichkeit vorgelegt worden ist, die, wenn sie auch in der Form die Grenzen einet privaten Meinungsäußerung nicht überschritt, den­noch die Absicht und auch die Wirkung einer hoch­politischen Aktion hatten, daß aber damals auch die Kritik der Linkspresse an solchem Verhalten des Reichspräsidenten von den Zeitungen der Rechtspresse mit heiligem Zorn zurückgewiesen wurde. Damals war alles in Ordnung, obwohl das Vorgehen Loebells, die Hineinzerrung Hinden­burgs in den Parteistreit, in Wirklichkeit eine Po­litik war, die sich aus den „Zwirnsfäden" der Ver­fassung rein garnichts machte. Das Verhalten der Reichsregierung ist jedenfalls durchaus korrekt, ja, wir hoffen sehr, daß sie in den kommenden Wochen nichts unversucht läßt, um das deutsche Volk über das Treiben der Hugenberg-Cligue aufzuklären.

Wir erinnern uns Rechtszeitungen ge- dem Kabinett große

Nach dem Kriege und der Inflation begann die machtvolle Anfwärisbeweaung der Motorisierung auch in Deutschland, und von Jahr zu Jahr fliegen die Ein­fuhrzahlen für Mineralölprodukte um Millionen von Litern. An diesen riesigen Zahlen ist die D. A. P. ® entsprechend ihrer Stellung als bedeutendste deutsche Mi- neralälfirma beteiligt. Regelmäßig bringen die Tank-

Stephensons „Rocket", die erste Röhrenkessel- Lokomokive. 3m Kreis Skephenfon.

Vor 100 Jahren, vom 6.-12. Oktober fand in England die erste Wettfahrt zwischen den verscyie- denen Lokomotivtypen statt. Stephenson führte seine berühmte Maschine „Rocket vor und errang den ersten Preis.___________ ____

Das weiße Blut der Mrischast.

Aus der Geschichte des deutschen Erdölhandels.

Als in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die ersten Petroleummengen in Segelschiffen von Ame­rika nach Deutschland kamen, waren sie in hölzernen Fäs­sern (Barrels) verladen. — Diese Art der Verschiffung war naturgemäß außerordentlich umständlich und ver­teuernd.

Diesen Mißstand erkannte als erster einer der Mit­begründer der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesell­schaft in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts und er ließ deshalb den Segler „Andromeda" in ein Tank­schiff umbauen, damit Mineralöle lose importiert wer­den konnten („in bulf") Aber das Schiff lag lange Zeit im Hafen von Bremen still, denn die deutschen See­leute jener Zeit mieden es, da sie darin „ein verdam­menswertes Versuchen des Schicksals" faben. Man fürchtete vor allem die Beweglichkeit des flüssigen Stof­fes auf See, und außerdem galt das noch ziemlich unbe­kannte Petroleum noch zu feuergefährlich, um damit auf eine so „leichtsinnige" Art umzugehen. Aber schließ­lich siegte doch die Beharrlichkeit der Schiffseigentümer, und dis „Andromeda" kehrte sicher in die Heimat als erstes Tankschiff zurück.

Der nächste Schritt in der Entwicklung war der Bau eines Tankdampfers; jedoch wollte keine einzige deutsche Werft den „gefahrvollen" Auftrag der Dapolin-Gesell- schäft übernehmen. Endlich erklärte sich eine englische Werft zur Ausführung des Auftrages bereit und baute den ersten Tankdampfer der Welt von 3500 Tonnen Laderaum für die D. A. P. G., der den zuversichtlichen Namen „Glückauf" erhielt. Durch die neue Art der Verschiffung konnten damals die Petroleumpreife in Deut'-l''ar:d a"nz erheblich gesenkt werden, was bei die­sem lebenswichtigen Erzeugnis für die deutsche Volks­wirtschaft von größter Bedeutung war.

So wurde die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Ge­sellschaft zum Pionier des großartigen überseeischen Mi­neralöltransportes von heute, der zunächst die große Verbreitung des Leuchtpetroleums und später die gewal- tiae Motorisierung der Wirtschaft überhaupt erst ermög­licht hat.

Bald wurde auch Benzin auf die gleiche Art verladen, und nun fliegen besonders feit 1906, als der Siegeszug des Motors begann, die Einfuhrzahlen von - Jahr zu Jahr 1914 war die D. A. P. G. zur drittgrößten Ree­derei und zur größten Privatreederei Deutschlands ge­worden. -

II.

Am nächsten Morgen nahm der junge Mann Abschied »on den braven Landsleuten, bei denen er eine zweite Heimat gefunden hatte. Die Tochter weinte bitterlich, und der Vater drückte dem Scheidenden lange die Hand, indem er sagte: „Gehen Sie mit Gott, junger Freund! das Schicksal reißt uns auseinander; aber dem Menschen, der sich immer des Rechttuns und seiner Pflicht bewußt ist, kann es nicht dauernd schlecht gehen und er wird Überall seinen Weg finden."

Er bezeichnete ihm bann noch ein in der benachbar­ten Straße liegendes Gasthaus, wo er vorläufig Unter­kunft finden könne, bis er eine neue Stelle gefunden habe. Noch ein herzlicher Abschiedsgruß und ein liebender Blick in die Augen der Tochter und bann ging er, um den Kampf bes Lebens von neuem zu beginnen.

Da staub nun ber junge Mann wieder in dem Hüufer- tneer von London, wo sich niemand um den andern küm­mert und jeder abgestumpft ist und unempfindlich für die Not des andern. Mechanisch schob er sich durch das Gedränge der Menschen und Wagen und fand schließlich die Herberge, die ihm der Hausmeister genannt hatte.

An der Bar drängte sich eine Menge Leute aus den verschiedensten Ständen, Arbeiter, Bürger, Matrosen und an einigen Tischen saßen auch Gäste, die den fogenanntai besseren Gesellschaftsklassen anzugehören schienen. In einer Ecke des Zimmers sah ein Herr und ihm gegen­über zwei junge Leute, mit denen der Mann eine anschei­nend wichtige Sache verhandelte. Unser Freund setzte sich an einen Tisch ganz in der Nähe der Gruppe und konnte nun genau den Gang des drüben geführten Ge­spräches verfolgen. Da hatte er bald heraus, daß es ein üßerber fei, der den beiden mit ihm am Tisch Sitzenden die Bedingungen für den Eintritt in das englische Heer und die näheren Verhältnisse in demselben klar zu machen suchte.

Ohne etwas fragen zu müssen, wußte er bald alles, was für ihn von Interesse war. In England war

friebener Miene: „Gut, kommen Sie mit, bcn Annahme­schein können Sie auch noch später unierfdjreiben."

Dann ging es burch mehrere Straßen zu einem großen, weitläufigen Gebäube, vor bem zwei Solbalen mit geschulterten Gewehren stauben. Beim Passieren des Postens glaubte ber junge Mann auf bem Gesicht des einen ein hämisches Grinsen zu bemerken und beim Durchschreiten der Türe fing er ein halblaut gespro­chenes Wort auf, das in ber beutschen Sprache etwa mit der Bezeichnung „Gimpelfang" übersetzt werden könnte. Er konnte sich wohl erklären, was es zu be­deuten habe, aber nun gab es kein „Zurück" mehr. Und so stand er gleich darauf mit den beiden anderen in dem Werbebüro, wo mehrere Beamte und ein an­scheinend höherer Offizier an ihrem Schreibtisch saßen. Der Mann, der die Rekruten hergebracht hatte, machte dem Offizier eine Meldung, und dieser trat gleich dar­auf vor sie hin, jeden einzelnen mit scharfen Blicken musternd. Dann fragte er nach Namen, Stand und Heimat und nahm das von den beiden ersten unter­schriebene Papier entgegen. Und der da? sagte er, auf den jungen Deutschen deutend. Der Werber erklärte, daß der junge Mann sich eben erst gemeldet habe und daß er mit ihm noch keine weitere Abmachung getroffen habe.

„Nun, bas können wir hier ja noch nachholen." meinte der Offizier, dem allem Anschein nach die' schlanke, sehnige Gestalt des Deutschen besser gefiel als die ziemlich schmächtigen Figuren ber beiden anderen, von den der eine eine breite, rote Narbe an der Stirn trug. „Sprechen Sie englisch?" fragte er dann nicht unfreundlich. „So ziemlich." war die Antwort. Noch einige kurze Fragen; dann sagte er: „Nun gut, es wird schon gehen." Die übrigen Formalitäten waren bald erledigt: eine Stunde später war der junge Mann in die englische Uniform eingefleibet und unter dem Na­men Brown in die Stammlifte des 84. Regiments' ein­getragen. Ms er sich bas erste Mal im Spiegel in bem kleidsamen, scharlachroten Rock, der blauen Hose und der ebensolchen schirmlvsen Mütze sah, mußte er lächeln und sich sagen, daß er wohl auch in einem preu­ßischen Garberegiment keine schlechte Figur gespielt haben würbe. Aber nein, bas war ja ausgeschlossen; fein ehrlicher Name hatte einen Flecken und es mußten erst Jahre darüber hingehen bis die schnell hastende

»k. 231.

Samstag, den 5. Oktober 1929

Seeimportplätzen an, an deren Spitze bei weitem Ham­burg steht. .

Außer den flüssigen Erdölprodukten wird noch As­phalt als — normaierroeife — festes Produkt des Erd­öls importiert, und zwar in besonderen Fässern, die man „drums" nennt. Die D. A. P. G. baut jedoch jetzt in Deutschland zwei neuzeitliche Asphaltumschlagstellen, denn sie beabsichtigt, ebenfalls das Bitumen „in bulf einzuführen; naturgemäß wird dieser Stoff nur in er­hitztem Zustand (140—160 Grad) flüssig und formt tn besonderen Schiffen und besonderen Eisenbahnkesse'wa- gen transportfähig sein. Mit dieser Neuerung trägt man auch den Wünschen der einheimischen Asphaltindu­strie Rechnung.

Der größte europäische Petroleumhafen ist Ham- burg. Er befindet sich unterhalb des eigentlichen Haien- gebietes auf einer ausgedehnten Halbinsel in der Elbe, die von Natur dafür wie geschaffen ist. Sie ist mit den großen Tankanlagen ber Mineralölimportgesellschaften bebaut. Von bissen Anlagen ist biejenige ber D. A P. G. eine ber größten in Europa. 70 große Tanks mit ei­ner Lagerkapazität von 150 000 Kubikmeter unb aus­gedehnte Lagerräume für Faßware bedecken eine Gesamt- lächs von 110 000 Quadratmeter. Endlos und kaum Übersehbar zieht sich diese musterhaft und übersichtlich gegliederte Anlage am Elduser hin. Mächtige Ozean­riesen, See- und Flußleichter, Barkassen liegen vor An­ker und geben zusammen mit den grauen Riesentanks, die wie geheimnisvolle fensterlose Hochbauten zum Him­mel ragen, ein großartiges Bild.

Es ist selbverständlich, daß umfassendste und aller- trengste Sicherheitsmaßnahmen gegen Feuersgefahr ge­troffen sind. Schutzzonen ziehen sich um sämtliche Lager­stätten, Erdwallungen umgeben die Tanks; sine , vielfache Sicherung schützt den.kostbaren Tankinhalt gegen äußere Feuereinwirkung. Das Rohrleitungsnetz für Füllung unb Entleerung ber Tanks und zur Löschung ber Damp­fer ist ein technisches Wunberwerk, so praktisch unb zweckmäßig angelegt, daß Tankbampfer mit 15000 Ton­nen Ladung in kürzester Zeit entleert werden können, üae-» f'n?nmotin<'n sorgen für die Beförderung der der Faßabteilung sorgt eine prompte Anlage für die Be- br Faßabteilung sorgt eine erprobte Anlage für bie Be- hanblung ber Berge von Fässern, angefangen vom Rei­nigen bis zur Füllung unb zum sofortigen Versand.

Maschinen erledigen den Großteil ber Arbeit. Drei Dampfkessel mit runb 400 Quabratmeter Heizfläche und 12 Atmosphären Uederdruck mit Ueberhitzeranlage lind für den Gesamtbetrieb notwendig; die neuzeitlichen Heizanlagen sind mit Del befeuert. — So werden von hieraus die Mineralöle in Eisenbahnkesselwagen, m Kähnen und Leichtern nach den Lägern im Sinnen« lande transportiert.

Die zweite große Seeverladestelle für die Dapolin» Gesellschaft befindet sich in Rotterdam. Originell für Holland ist bei dieser Anlage besonders das Haus für Kohlensäure-Batterien unb bie baneben befindlichen Gasometer mit ben hochragenden Entgasern. Es ist weiterhin auffällig, daß die Tanks nicht direkt auf bem Erbboben stehen, fonbern auf einem Unterbau, um ei­ner hollänbifchen Vorschrift für Mineralöllagerung nach­zukommen.

Diese beiben großen Seeimportstellen ber Deutsch- Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft find die Tore

Ein ftumbemgles Letzen Rach dem Tagebuche eines Jugendfreundes erzählt von Peter Selig.

3. Blatt

Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda.

nicht wie in Deutschland eine Militärdienstpflicht, son­dern bie Soldaten wurden angeworben. Neben freier Kost unb Kleibung erhielten sie einen ziemlich hohen Selb, von dem sie sich etwas sparen ober doch einige An­nehmlichkeiten bes Lebens leisten konnten. Freilich bürsten bie Militärbehörben nicht sehr wählerisch sein bei ber Einstellung der Rekruten. Von den Einheimi­schen meldeten sich nur wenige zum Eintritt in das Heer, da der Stand des gewöhnlichen Soldaten damals keine besondere Achtung genoß. So war man bennjn der Hauptsache auf die Fremden und auf die mehr oder weniger minderwertigen englischen Untertanen ange­wiesen, um die Bestände in den einzelnen Regimentern zu erhalten und aufzufüllen. Da England in der gan­zen Welt Kolonien hatte, mußte es Überall eine ent­sprechende Militärmacht haben, der aber öfters Ersatz zugeführt werden mußte. Die Kolonialtruppen hatten überall durch Klima und Kämpfe mit den Eingeborenen ber okkupierten ßänber viel Abgang an kampffähigen Soldaten. Deshalb mußten ständig von England aus bie Lücken ausgefüllt werben, unb jedes Jahr gingen Tausende neuer Truppen nach den Kolonien ab. Die Armee bot ein buntscheckiges Bild von Leuten aus allen Ländern Europas. Es war eben meist die letzte Zu­flucht für solche, die fein Unterkommen finden konn­ten oder sonst in der einen oder anderen Weise Schiff­bruch gelitten hatten. Wohl wurden viele enttäufcht. wenn sie erst in der Uniform steckten und manches anders fanden, als man ihnen gesagt hatte, aber zum Zurücktreten war es bann zu spät. Es war daher nicht zu verwundern, wenn in der englischen Armee viele Desertionen vorkamen. Doch ein heimliches Ausreißen war auch nicht leicht; das Hinauskommen aus dem Lande war wegen des Inselcharakters von England nur zu Schiff möglich, und der Aufenthalt im Lande konnte meistens nicht lange unentdeckt bleiben.

Der englische Werber, der mit den beiden jungen Leuten verhandelt hatte, schien mit ihnen einig gewor­den zu (ein; er legte ihnen ein Papier zur Unterschrift vor und sagte, daß er mit ihnen zur Kommandantur gehen wolle, wo ihnen das übliche Handgeld ausgs- zahlt werden würde. Als die drei bann sich zum Weg­gehen anschickten, trat unser Freund hinzu unb äußerte ebenfalls ben Wunsch, ins englische Heer einzutreten. Der Werber warf einen raschen Blick auf die vor ihm 1 stehende stattliche Gestalt und sagte dann mit sehr zu-

rens festgestellt wird. Es wird in den Rechts­blattern gesagt, daß ein solches Verhalten ver­fassungswidrig sei, da die Zulassungsbekanntma­chung keinerlei Stellungnahme der Reichsregieruna enthalten durfte. Zunächst ist die Erklärung der Reichsregierung durch das Wolffbüro bekanntge­geben worden. Wenn der Reichsanzeiger sie eben­er damit nur seine

Deutschlands, von denen aus sich das Mineralöl das weiße Blut der Wirtschaft als Betriebsstoff, als Schm-er- öl, für Leucht-, Brenn- und Heizzwecke und ur fonft.ge Industrielle und technische Zwecke, in die ch^'i tausend Adern und Aederchen eraieht, um den mächtigen 2IuT chwung der deutschen Volkswirtschaft der Gegenwart als einer seiner bedingenden Grundstoffe zu ermöglichen.

Zeit den Schleier der Vergessenheit über das unver- biente Verhängnis gebreitet haben würde.

Auf der Stube, bie er mit anberen Soldaten be­wohnte, fand er eine aus aller Welt zusammengewür- feite Gesellschaft von jungen Leuten, bie alle erst in ber letzten Zeit angeworben worden waren, unb sich noch in ber ersten Ausbilbung befanben. Neben drei frü- Heren Matrosen aus Schweden, Holland und Rußland waren noch zwei Deutsche da von der Ostseeküste, ein Amerikaner, zwei Südländer unb ein Franzose, ber wie cs schien, ber Hecht im Karpfenteich war. Ein tarne, rabfchaftliches Verhältnis, wie man es bamals meistens im beutschen Heer fanb, konnte unter einer solchen ge­mischten Gesellschaft nicht aufkommen. Höchstens schlos- fen sich zwei ober drei enger aneinanber, je nachdem die gemeinsame Sprache ober auch bie verwanbte Geistes» gefinnung bas Bindemittel war. Von ben zwei Deutschen suchte nur ber eine Anschluß an ben neu eingetretenen Landsmann, dessen geistige unb körperliche Ueberlegen« heit er halb erkannt hatte. Er war, wie ber anbere, Matrose gewesen, ein freier, offener Bursche, während ber zweite ein finsterer, verschlossener Charakter war, ber allem Anschein nach schon eine buntle Vergangen- . heit hinter sich hatte. Er beteiligte sich nie an den deutschen Gesprächen, bie zuweilen bie beiben Lanbs- leute miteinanber führten; nur wenn einer von ben anberen Stubengenossen, wie es hie unb da vorkam, anzügliche Bemerkungen über die Deutschen und deutsche Verhältnisse machte, da blitzte es unheildrohend in den dunklen Augen auf. Ganz besonders böse Blicke warf er dann dem Franzosen zu, wenn dieser, wie es nid): selten vorkam, sich an den Deutschen reiben wollte odei sie durch spitzfindige Redensarten zu verletzen suchte Als er aber eines Tages dem Spötter, ohne ein Wcw zu sagen, nach einem französischen Schimpfwort, das der Deutsche verstand und auf sich bezog, einen Faust­schlag versetzte, daß der Freche halbtot in einer Ecke lag, da hütete sich dieser sehr, noch einmal eine anzügliche Bemerkung zu machen. Im Stillen aber suchte er bei ben anberen gegen bie Deutschen Stimmung zu machen;

Der Kampf beginnt

Der Reichsminister des Innern hat das vom I Reichsausschuß Hugenbergs beantragte Volksbe­gehren zugelassen und die Eintragungssrist auf die Zeit vom 16. bis zum 29. Oktober festgelegt. Um ein Volksbegehren beantragen zu können, muß der dem Volksbegehren zugrunde liegende Antrag zu­nächst einmal von 5000 zustimmenden Unterschrift I ten gestützt werden. Sind diese vorhanden, und I wird in dem Anträge nichts verlangt, was durch I die Verfassung als Objekt eines Volksentscheids aus­geschlossen wird, so hat der Rcichsinnenminister das I Volksbegehren im Reichsanzeiger bekanntzugeben. Ueberali in Stadt und Land sind alsdann Listen auszulegen, die diejenigen mit ihrer Unterschrift versehen müssen, welche wünschen, daß das im Volksbegehren verlangte Gesetz dem Reichstage I vorgelegt wird. Die Mindestzahl dieser. Unter­schriften für ganz Deutschland muß ein Zehntel der Wahlberechtigten betragen. • Da diese augen­blicklich auf rund 34 Millionen berechnet sind, sind 4,3 Millionen Unterschriften nötig, damit der An- I trag des Hugenbergschen Reichsausschusses als An­trag des Volkes dem Reichstag vorgelegt werden kann. Der Reichstag ist durchaus in der Lage, sich weiter ablehnend zu verhalten, und darüber kann nicht der geringste Zweifel bestehen, daß der jetzige Reichstag in seiner übergroßen Mehrheit nicht dar- I an denkt, die Hugenbergsche Machenschaften zu un­terstützen. Die vorgeschriebenen 4,3 Millionen Unterschriften, die, wie gesagt notwendig sind, da­mit sich der Reichstag überhaupt mit dem Volks­begehren befaßt, werden vielleicht erreicht werden. Eine klare Schätzung ist nicht gut möglich, weil man die Wirkungen der Agitation nicht berechnen kann, die offenbar diesesmal mit der größten Hem- I mungslofigkeit arbeiten wird und vor allem dar­auf spekuliert, mit der deutschen Sentimentalität Geschäfte zu machen Das Volksbegehren der Kom­munisten gegen den Panzerkreuzer A vor zwei Jahren hat es nur auf 1,2 Millionen Unterschrif­ten gebracht, obwohl man wirklich nicht sagen konnte, daß der Panzerkreuzer 21 besondere Liebe im Volke gefunden hätte. Der Inhalt jenes kom­munistischen Volksbegehrens ist denn auch als An­trag des Volkes niemals vor den Reichstag ge­langt. Größer war seinerzeit der Erfolg des Volks­begehrens in der Frage der Fürstenabfindung. Da­mals ist die vorgeschriebene Unterschriftenziffer von 4 Millionen erreicht worden. Als dann aber das zur Abstimmung gestellte Gefetz im Reichstage nicht durchkam und nun der Volksentscheid in die Wege geleitet wurde, da brachte man nur etwa

Millionen Unterschriften zusammen, die die erforderliche Ziffer von rund 20 Millionen bei wei­tem nicht erreichte.

Kommt das Hugenbergsche Volksbegehren zum Volksentscheid, so werden diesmal etwas über 21 Millionen Stimmen notwendig fein, damit der Wille Hugenbergs erfüllt werden kann. Es wird wohl keinen unter den Freunden und Nachläu­fern Hugenberas geben, der der Auffassung wäre, daß diese 21 Millionen Unterschriften zusammen­zutreiben wären. Es muß aber auf folgende merk­würdige Tatsache aufmerksam gemacht werden: Wer bei einem Volksentscheid mit Nein stimmt, der unterstützt das Volksbegehren. Das hat darin sei­nen Grund, daß, wenn mindestens die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Meinung äußern, die Ja- und Nein-Stimmen gegeneinander aufgerechnet werden. Wenn also beispielsweise nur 14 Mil­lionen Wahlberechtigte für den Volksentscheid sind, aber außerdem 10 Millionen Stimmen in aller Form ihre ablehnende Meinung schriftlich zum Ausdruck bringen, so haben die Antragsteller ihr Spiel gewonnen, denn es heißt im Gesetz, daß mindestens die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abaegeben haben müsse, von der dann d:e Mehrheit die'Entscheidung gibt. Es kommt also daraus an. daß möglichst keine 21 Millionen Stim­men erreicht werden, daß also diejenigen, die ge­gen Hugenberg sind, zuhause bleiben. In diesem Falle müssen die Hugenberganhänger die gesam­ten 21 Millionen Stimmen aufbringen, was sie

Ern Unglücksvogel.

Das Kasseler Sleinlustschisf vom Sturm losgerisser und zerschellt.

Das Kleinluftschlff D. R. K. 27 der Raab-Kat- zenstein-Werke in Kassel, das kürzlich tn Magde­burg notlanden mußte, wurde von dem herrschen­den' Sturm vom Ankermast losgerissen. Der tu der Gondel befindliche Führer Hinderlich aus Ber­lin vermochte abzuspringen, erlitt aber hierbei einen Schenkelbruch. Er wurde in da°. Kranken- haus übergeführt. Das Luftschiff siurzte in de Umflutkanal bei Magdeburg und zerfchellte.

* Sommunistenverhaflungen in Polen. An 30 September wütete in dem kleinen kongretzpol­nischen Städtchen SlupaNova ein Brand, dem 70 von insgesamt 120 Häusern zum Opfer fielen. — Der Krakauer Illustrierte Kurier meldet dazu, die Polizei habe nun festgestellt, daß die Kommu- nisten in Slupa Nova ein verborgenes Arsenal von Waffen und vor allem Munition unterhalten hätten, das während des Brandes explodierte. Die Polizei habe bisher acht Kommunisten ver- haftet. Hierbei scheine es nicht ganz ruhig ab- qeqangen zu sein, da sich die kommunistische Ju- qend zur Wehr setzte und Polizisten und Feuer- wehr mit Steinen bewarf und mit Messern an­griff. Der Brandschaden ist sehr groß und betragt schätzungsweise XV» Millionen Zloty. 400 Per­sonen wurden obdachlos.

♦ Rückkehr des Zeppelins von der vierten Schweizerreife. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" traf auf der Rückkehr von seiner vierten Schweizer- reife am Mittwochnachmittag bereits gegen 15.30 Uhr wieder über Friedrichshafen ein. Die Rück­fahrt war durch den während des Tages aufgej- kommenen starken Westwind anscheinend sehr de- schleunigt worden. Angesichts des auch bei per Ankunft des Luftschiffes noch anhaltenden Windes — der Wind schwoll zeitweise bis zu Starke 11 an — mußte das Luftschiff vor der Landung noch einige große Schleifen über dem Bodensee aus­führen. Nachdem der Wind etwa auf sechs 6e- kundenmeter nachgelassen hatte, entschloß sich die Schiffsführung zur Landung, die in verhältnis­mäßig kurzer Zeit um 15,53 Uhr glatt voustatten ging.