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Amtliches Kreisblatt

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Julda

Donnerstag, 3* Oktober 1929

Verdun s Sorge

sichert werden.

Gute Zett für Demagogen

Die Scharfmacher wagen sich im Reichstag hervor. Der

troffen worden feien und will damit die Schluß folgerung verbinden, daß der Völkerbund aus sich heraus einen faktischen Fortschritt nicht hervorzu­bringen vermöge. Wir halten das für unrichtig- Wenn auch die Genfer Tagungen an sich gewöhn­lich mit einem scheinbaren Leerlauf endigen, io ijt doch das geistige Fluidum, das von ihnen aus- qeht, ist der moralische Anreiz zu einer Fortbildung der aktuellen politischen Ideale m Der Welt, den er darbietet, unzweifelhaft; er ist auch gänzlich unabschätzbar.

Das 5. Kürassier-Regiment, das bisher in Trier stand, hat in Pontoise Garnison bezogen.

Der französische Innenminister Tardieu ist bei seiner Rückkehr von Montfacon in Verdun emp­fangen worden. Der Bürgermeister der Stadt ruh- tete bei dieser Gelegenheit eine Ansprache an den Innenminister, in der er ausfuhrte: Wir haben

sehr unter dem Kriege gelitten, um nicht den

Spaß beiseite! Wir sind heute tatsächlich m dem Endstadium der Entscheidung angelangt. Die Zentrumspartei, weih, worum es jetzt geht. Ent­weder die Parteien werden miß Rücksicht auf die bevorstehenden unsagbar schweren Gesetzesausga­ben eine verantwortungsbewußte Politik zusam­men mit uns betreiben, dann sind wir zu jeDer weiteren Mitarbeit bereit. Tun sie das aber Nicht, dann sind sie allein für alle F o l gl e n, v e r- antwortlich und werden vor dem Volke Re- ckenschaft ablegen müssen, wenn Deutschland m em neues, und dieses Mal bedeutend schlimme­res Chaos versinken würde.

Die Reichskagssitzung.

in volksparteilichen Kreisen, die diesen Gedanken sogar offen aussprechen, die scheinbar bei der Är beitslosenreform den Anfang machen wollen. Rach Stresemanns Sturz müßte dann einer seiner ener­gischsten Kritiker, zum Beispiel der Apotheker Gre­gor Strasser von den Nationalsozialisten Au- ßenminister werden. Dann würden Engländer, Franzosen, Amerikaner das zittern lernen. Alle politischen Säuglinge männlichen und wciblicken Geschlechts sind davon überzeugt und strecken den rechten Arm in die Höhe!

Kamps um das Haager Ergebnis Im Gang. — Regierungskrise. Vielleicht kann Gregor Strasser Außenminister werden. . Das wäre das schlimmste, was den rrakionalsozialiste« passieren konnte. Besprechung des Reichskanzlers mit Dr. Slreseman«.

hielten

Minister Brauns sprach erneut das Bedauern darüber aus, daß durch diese Rede des vottspar- teilichen Abgeordneten und durch dle.es Borge- hen der Deutschen Volkspartei d t e g r o ß e K l u ft zwischen Arbeitgeber rn Arbeitneh. mer noch vertieft worden sei und noch dazu in dieser schweren und sä)wierigen Lage. Gerade jetzt sollte man etwas mehr a n d a s E n d e d e n- k en, und der Verantwortlichkeit gegenüber der Gesamtheit des Volkes bewußt sein.

Die tiefernsten Ausführungen des Ministers Brauns machten einen starken Eindruck im ganzen

In der Abstimmung wurde die Aussbußvor- lage in einigen Punkten durch Kompromihantr..:e der Regierungsparteien mit Ausnahme der Deut­schen Dolkspartei abgeändert. Die neue Regelung der Anwartschaft wurde aus der bis zum 31. Marz befristeten Vorlage in die für die Dauer bestimmte Hauvtvorlage übernommen.

Doonerstag vormittag 10 Uhr: Dritte Lesung der Vorlagen über die Arbeitslosenorrsicherungs- reform.

Was wird?

- Berlin. 2. Okt. (Eig. Meld.). Wie wir er­fahren, besuchte der R e i ch s k a n z l e r heute vor- mittag Dr. S t r e s e m a n n und hatte nut ihm eme längere Besprechung über die Situa­tion, die sich bei der gestrigen Behandlung der Arbeitslosenversicherung im Reichstage ergeben hat. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese Besprechung den Zweck hatte, die Gegensatz- innerhalb der Koalition beheben zu helfen. In par. lamentarischen Kreisen herrscht der Eindruck vor, daß sich Auswirkungen dieser Gegensätze auf dis Regierung vermeiden lassen, wenn ein Teil der । Fraktion der Deutschen Volkspartei bei der morgi­gen Schlußabstimmunq f ü r das Gesetz stimmt und die Fraktion darauf verzichtet, eine Erklärung abzu- aeben, die den Gegensatz weiter verschärfen konnte. Die Reichstagssraktion der Deutschen Volkspartei hält um die Mittagsstunde zunächst eine Sitzung ab und im Anschluß daran wird dann der Kanzler „ie Fraktionsführer zu einer Besprechung empfangen. Im ganzen wird die Lage im Reichstag ubennie- qend ruhig beurteilt und es überwiegt die Hon- n''nq, daß sich schon im Hinblick auf Die äugen, red­liche' außenpolitische Situation eine Regie- rungskrise umgehen lassen wird. .

Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutsche I Aeitungsnerleger meldet, hielt sich Reichsaust n- m-nister Dr. Stresemann in telephonischer Verbin­dung mit seiner Fraktion, da er wegen des kühlen und regnerischen Wetters das Haus nicht verlaßen wollte.' Auch die Deutschnationalen hielten "'ne. Fraktionssibung ab, fernerhin waren sehr zahl- reiche Ausschußmitglieder anwesend.

* *

Z u seinem Geburtstag hat der Reichs­präsident zahlreiche Glückwünsche empfangen, da» I runter diejenigen der Reichsregierungen und der 1 Länderregierungen.

Tag herbeizusehnen, an dem eine W t ede rho- lung des Krieges unmöglich wird. Ver­dun liegt aber in derselben Entfernung von der belgischen, französischen und rheinischen ©ge rate 1914. Von Nordosten her pflegen die Einfälle auszugehen, und ihnen steht nichts im Wege, we. die Forts Vaux, Douaumont, Souvilles und Frmde terre, die früher den Weg versperrten, nicht mied instandgesetzt worden sind. Wenn Verdun auch «m Osten durch die Befestigungen von Metz und Die- denhofen geschützt ist, so ist es doch nach Norden h n frei, in erster Linie längs der Grenze. A-io braucht Verdun eine starke Garnison, uno die Verteidigung der Statd muß entweder durch Wiederinstandsetzen der früheren Befestigung Ver­duns oder durch Anlegung neuer Besestigungen ge-

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Sckwn zu Beginn der Beratungen über die Reform des Ä r b e it s lo se n - Ve r siche - rungsgesetzes haben wir in ooUer Erkennt ins Der Sachlage darauf hingewiesen, daß es hier um mehr geht, als um eine herkömmliche Reform Die großen Fragen Der Politik, besonders der Fi­nanz- und Wirtschaftsreform spielen hier herem. Gerade das Zentrum war es wieder, das in allen Stadien der Verhandlungen darauf hmwies, daß , es unerträglich ist, wenn die Reform des Arbelts- losen-Versicherunggesetzes nur nach e t n'[ e 11 tg en Ge ichts punkten beraten wurde. Man mußte sich darüber klar sein, daß, wenn auch nicht offen, so doch versteckt, die politischen Zukunstsfra- gen entscheidenden Einfluß bei der Gestaltung des Reformwerkes gewannen.

Wenn wir heute die krisenhafte Situation über­blicken, dann finden wir unsere Feststellung, vor al­lem durch das Verhalten der Deutschen Volks- Partei gerechtfertigt. Ihr war es trotz aller Versicherungen und Schönredereien überhaupt nie darum zu tun, die Reform des Arbeitslosen-Ver- sicherunasgesetzes zu einem Abschluß, zu einer vol­len Lösung zu bringen. 3m Gegentech Die alte liberale Taktik war wieder am Werke. Man wollte , sich für die Zukunft alle Türen offen halten und glaubt, die anderen Parteien über die wahren Ziele Hinwegtäuschen zu können. So unehrlich wie die­ses Mal war selten die Politik der Deutschen Volks­partei, trotzdem man bei ihr schon das Ungewöhn­lichste erlebte. . .,...,, , .

Mit diesem Spiel muß jetzt rücksichtslos aufge­räumt werden. Was will eigentlich die Deutsche Volksvartei? Rach außen hin sucht sie es Jo l)tn- zustellen, als ob sie nur im Interesse der Wirt­schaft handle. Wenn wir uns aber ihre An­träge nach der praktischen Seite hin überlegen, dann sind diese direkt w i r t s ch a f t s f e i n d l l ch zu nennen. Denn 1. wird durch sie in keM-r Weise das finanzielle Defizit beseitigt. Und 2. ärmfen sie in einer unglaublichen Verzerrung des Wesens I des bekannten Zentrumsantrages Rlsener-^eusc.) die Unterstützungssätze derart herunter, daß da­durch gerade die Gemeindefürsorge ur\e= I dingt auf das Schwerste belastet werden mU|ßüri)e nach dem Rezept der Deutschen Dolks­partei verfahren, dann würde eben nicht mehr die Versicherungsanstalt für die Leistungen aufzukom- I men haben, sondern die Kommune n mußten an deren Stelle treten, die Wohlfahrtsämter mußten ihren Etat ins Ungemeffene belasten, um alle die Leistungen erfüllen zu können, tue dann an fie I herantreten. Die armen Arbeitslosen können doch nicht einfach verhungern.

| Daraus ergibt sich nun folgendes Bild, bas in der Öffentlichkeit nicht oft genug gezeigt werden kann, um die wirtschaftsfeindliche Haltung der Deutschen Volkspartei entsprechend zu charakter,fie­ren Die Deutsche Volkspartei will also irn Reichs­tag, so wie sie es darzustellen versucht, nur des­wegen die Reformvorschläge zur Arbeltslosenver-

I stcherung ablehnen, um nicht noch mehr die Wirt- ckaft zu belasten. Sie belastet sie aber im Gegen­teil in größtem Maße, weil doch die Kommunen jetzt Mittel und Wege sinden müssen, um die Gel­der aufzubringen, die dann notwendig werden für die Fürsorge. Und das wird nur geschehen kön­nen durch Erhöhung der Re al steuern. So sieht also die Wirtschaftsfreundlichkeit der Deut­schen Volkspartei bei Lichte besehen aus.

Noch eine andere bedeutsame Frage haben wir aber in diesem Zusammenhang an die Deutsche Dolkspartei zu richten: Hat sie sich es denn über­legt, nach allen Seiten hin, was geschehen kann, wenn sie das Resormgesetz zum Scheitern bringt. Will sie etwa selbst ihren eigenen Parteiführer, den Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n mit dieser ihrer Taktik zu Fall bringen? Es ist ,a kein Geheimnis mehr, daß in den Wirtschaftskrel- fen die zur Deutschen Volkspartei sich rechnen, schon lange im stillen eine Opposition am Werke I ist um den diesen Kreisen unliebsamen Parte,suh- I rer aus der öffentlichen politischen Verantwortung herauszubringen. Es sind nicht wenige Stimmen

der Rationen.

Sie hat nunmehr ein Alter von 10 Jahren er-- I reicht, und das ist auch in unserer schnellebigen Zeit immerhin eine gewisse Etappe, die zu einem I Gesamturteil Veranlassung geben möchte. Am 3deal des Dölkerbundsgedankens gemessen läßt die Gen- I fer Einrichtung gar sehr viel zu wünschen übrig. I Aber als eine Gesellschaft der Nationen hat sie doch I schon manches Fortschrittliche geleistet und für bie I internationale Aussprache ein ergiebiges Podium I dargestellt. Besonders auf dem Gebiete des sozia- I len und sozial-wirtschaftlichen und des kulturellen I Gedankenaustausches der Welt sind ihr manche I Verdienste zuzuschreiben, während allerdings auf I dem politischen Gebiete die sachliche Arbeit nur I sehr langsam voranschreitet und auch vieles noch getan wird, um den Fortschritt hintanzuhalten. Es I ist das nicht immer böser Wille, aber die Erkennt- I nis des Guten hält unter den Staaten längst nicht I gleichen Schritt. Wir wollen heute nicht aufzäh- I len, auf wieoiclen Gebieten der Völkerbund — wir I gebrauchen Liefe Bezeichnung weiter, weil wir uns I nun einmal daran gewöhnt haben — sich auswirkt. Schon ist ihm fast kein Gebiet des öffentlichen Le- I bens mehr verschlossen, soweit es auf interaatio» I nate Verbindungskanäle Wert legen muß. Die | zehnte Tagung, die jetzt ihren Abschluß genommen I hat, soll uns aber als die Tagung in Erinnerung I bleiben, auf der ein bewußter Vorstoß einer der I wichtigsten Siegermächte gemacht worden ist, um | den Völkerbund zu einem Gebilde von eigenem Le- I ben und eigener Souveränität auszugestalten. Das I war der Vorstoß Macdonalds, dessen Ini- I tiative es zu verdanken ist, daß sich jetzt der Ge- I danke der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit I siegreich durckgesetzt hat. Mit dieser seiner Initia- I tive hat sich di- Erkenntnis Bahn gebrochen, daß I der staatliche Souveränitätsgedanke als höchstes I Prinzip des staatspolitischen Handelns überlebt ist. | Ein sehr konkretes Wort Hat dafür Briand gefun- I ben, indem er zu Beginn der jetzigen Dölkerbunds- verhandlungen die Bemerkung wagte, ein verlore­ner Prozeß vor dem Haager Gerichtshof fei auch für eine Großmacht keine Schande, sondern eine gewonnene Schlacht im Dienste des Friedens.

Die Franzosen haben leider aus dieser ihrer neuen Anerkennung der hohen Stellung des Stän­digen internationalen Gerichtshofs und der ver­pflichtenden Kraft seines Urteils in juristischen Streitfragen noch nickt die Konseguen'en gezogen, j die eigentlich nahe liegen müßten. Sie geben zu, daß der Friedenswille unter den Staaten gewach­sen ist, sie geben auch selbst ein Beispiel dafür, aber was sie noch nickt fertigbringen, ist die Einräu­mung, daß dieser wachsende Wille zur friedlichen Verständigung, diese sich mehrende Autorität des Internationalen Gerichtshofs wie anck die hoch- ' offizielle Feststellung der Unmoralität jeden Krie­ges, wie sie 'm Kelloggpakt geschehen ist, die Sta­bilität des Friedens wirklich verstärkt habe. Sie meinen immer noch, daß alle diese moralischen Fortschritte wertlos sind, wenn keine starke Macht­instanz dahinterstönde. Sie haben sich zwar an­fangs auf den Standpunkt gestellt, daß die Ab- rüftung bann erfolgen könne, wann die Sicherheit gewährleistet sei, je mehr aber bas System aller möglichen Sicherheiten durch Verträge und auto­nome staatliche Handlungen zur Förderung des Schiedsgerichtsgedankens in sich gefestigt und ab­gerundet wird, iimfvmehr stellen sich die Franzosen auf den Standpunkt, daß eine militärische Macht nötig sei, um diese wertvolle Entwicklung zu schift- - zen und leichtfertige Frevler mit Sanktionen in Schach zu halten. Aus der Sicherheit, also aus einem Zustand macht die französische Politik jetzt ein Wertobjekt, das um seiner selbst geschützt wer­den müsse und das einen um so größeren Schutz erheische, je mehr cs an innerem Wert zunimmt. Es ist das eine etwas groteske Entwicklung, es läßt sich aber leugnen, daß dieser französische Sophis­mus in Genf wieder gewisse Triumphe feiern konnte. Lord Cecil, der englische Abrüstungssreund, hat nach einigen erfrischenden Vorstößen sehr bald wieder resignieren müssen, so daß die Abrüstungs­frage trotz des optimistischen Auftaktes der Eng­länder um keinen Schritt weiter gekommen ist.

Erfreulich ist aber der Beitritt Amerikas zum Ständigen Internationalen Gerichtshof, wenn er auch mit einer Statutenänderung erkauft werden mußte. Erfreulich ist auch, daß auf Grund des Vorgehens der Chinesen der Artikel 19 des Völkerbundsstatuts wieder zum Leben erweckt wor­den ist, der den Weg zur Revision unhaltbar ge- wordoner Verträge öffnet. Dieser Artikel war feit einigen Jahren völlig eingeschlafen.

, Hie und da weist man darauf hin, daß eigen!« «ch alle Abmachungen internationaler Art, die in den lebten zehn Jahren den Weltfriedensgedanken gefördert hat, außerhalb des Völkerbundes ge-

habe, daß nunmehr die W o h l f a h r t s e i n r ich- tu n g en der Gemeinden eintreten muß­ten, stdaß also die Aufwendungen der Fursoige- oerbände ganz ungeheuer angespann werde, müßten. Nun weiß man aber doch, wie W Die Gemeinden schon jetzt »nter den Fursorgelasten l^ den. Eine neue Inanspruchnahme dieser Lasten würde gleichbedeutend sein mit einer ganz unge. heuren Erhöhung der Realsteuern. Und das a.Ies nennt die Deutsche Dolkspartei nun Liderung der Wirtschaft. Aba. Esser hatte stürmischen Beifall des Hauses, als er'feststellte, daß ein Elches Vorgehen nicht wirtichaftsfördernd. sondern wirtschaft s- feindlich ist. Abg. Esier gab deshalb de Er klärung ab, daß das Zentrum einmütig diese An ^Auf^den Angriff erfolgte eine ebenso scharfe Erwiderung durch den Abg. Dr. Hueck fDeuPclfS Volksvartei). Die Tatsache, daß die Deutsche Volks Partei' in diesem kritisch zugespitzten Augenblick wagen konnte, als ihren offiziellen Sprecher- rr> dw- ser Sache einen ausgemachten Scharfmacher, nam lich den industriellen Direktor Hu eck, vorzusch k- ken, zeigt fckon, wohin ihr Kurs geht. Und Hueck wurde den Erwartungen, die die Großindustriellen Drahtzieher in die Deutsche Volkspartei setzen, voll- kommen gerecht. Seine Rede war geradezuc uner- hört, und das Echo war zum Schluß em stürmi­sches, geradezu tumultarisches Pfui, das nicht nur die ganze Linke erfaßte, sondern weit tn andere Kreise sich fortpflanzte. ber

Der Zentrumsabgeordnete Dr. Brauns, oer wie kein anderer als früherer Reichsarbestsminister

| die beste Legitimation be ah, um auf diese Rede zu antworten, unternahm es den Gesit

Huecks und dessen, was die Deutsche Dolkspartei will, deutlich zu kennzeichnen. Er hatte das Oyr des ganzen Hauses, als er den ungeheuren Man- ael an sozialem Verständnis betonte

1 der in dem Vorgehen der Deutschen Volkspartei I siege. Er kennzeichnete die Rede des Abg. Hueck

als echt scharfmacherisch und auch diese Chara, t e - ristik wurde vom ganzen Hause verstanden und demonstrativ unterstrichen.

Minister Brauns hob hervor, daß man auch für diejenigen Kreise, die das traurige Los der Arbeitslosigkeit getroffen hat, etwa mehr Erstand- is haben müsse. Ee bedauerte und sprach dieses I «Bebauer namens ber ganzen Äentrumsfraktlon aus, daß die Deutsche Dolkspartei in solcher Form

I vorgehen konnte. Läppische Zurufe aus den Krei- I fen ber Dolkspartei, „Das steht Ihnen garnicht zu", konnte Brauns mit der gleichen vornehmen Handbewegung abtun, wie die unflätigen Zwi­schenbemerkungen von kommunistischer Seste, die auf das geistliche Gewand des Ministers Brauns

Die 10. Völkerbundstagung.

Der offizielle Titel der Genfer Institution, die nm den Versailler Siegermächten vor 10 Jahren eingerichtet worden ist, heißt nicht Völkerbund oder irnnfoeberation des Nations, sondern Gesellschaft

Nationen, Societe des Nations. Es liegt etrt Unterschied in diesen beiden Begriffen. Daß man ih' sich in Deutschland nicht immer klar macht, ist m ein Grund für manche Enttäuschung, die tie Arbeit der Genfer Friedenseinrichtung bet uns bisher herbeigeführt hat. Man sollte Überhaupt m der Uebersetzung und in der Definierung politischer Bezeichnungen internationalen Charakters stets sehr vorsichtig sein, denn es ist schon manche Mitz- ftimmung und auch manches ungerechte Urteil da­durch entstanden, daß man sich von einem Begriff des internationalen politischen Verkehrs innerhalb der beteiligten Nationen gänzlich verschiedene Vor­stellungen' gemacht hat. Der Völkerbund ist ein Ideal, Tatsache aber ist erst die Ge feilsch ast

Wer angesichts der Meinungsverschiedenheiten über die Reform der Arbeitslosenversicherung Aon lange erwartete Konflikt unter den Re » gierungsParteien ist in der Dienstags- Sitzung recht schroff und deutlich in die Erschei­nung getreten. Auf der Tagesordnung stand die j zweite Beratung der Vorlagen zur Arbeitslosen­versicherung, es wurde auch dazu gesprochen, aber bie Hauvtsacke spielte sich außerhalb des Plenar­saales ab. Eifrig wurde unter den Regierungs­parteien verhandelt. Immer neue Vorschläge wur­den gemacht, die Fraktionen beschäftigten sich da­mit in Sitzungen, aber noch um 6 Uhr, dem Zeit­punkt, der für die Abstimmung festgesetzt war, war man so weit von der Verständigung entfernt, daß Die Plenarsitzung um eine Stunde unterbro­chen werden mußte. Bei Wi-dererö^nung dcr Sitzung war endlich Klarheit geschaffen, freilich in n e g a't i d e r Richtung. Ein von den übrigen Re­gierungsparteien vereinbarter Antrag fand nicht die Zustimmung der Deutschen B o l k s p ar­tet, die ihrerseits selbständig einen Antrag em- brachte, der durch Verlängerung der Wartezeit und eine gestaffelte Leistungsverminderung das De­fizit abdecken will. Der Mittelstandssührer und Sozialpolitiker des Zentrums, Abg. Esser, sprach aus, daß mit Schlagworten die Arbeitslosenreform. Frage nicht zu lösen sei. Dieses Gesetz, das em- zigartig in der Welt dasteht, ist nicht so schlecht, wie es manche Menschen gemacht haben. Das Zentrum hat im Antrag Riesener-Teusch die Wege zur Lösung gewiesen, dadurch, daß einerseits eine Anpassung der Leistungen an die Beiträge, ande­rerseits eine Erhöhung der Beiträge zur Sanie­rung der Finanzen erfolgen sollte. Es ist mit die­ser 'Auffassung leider nicht durchgedrungen. Ge­rade die Deutsche Volkspartei Hai gegen diese An- träge gestimmt. Wenn die Deutsche Dolkspartei nun aber ihrerseits wieder alte Antrags sm- bringt, die feine Aussicht auf Annahme haben, bann betreibt sie keine verantwortungsvolle Poli­tik. Das Zentrum hat, als es mit feinem Antrag allein stand, ehrlich versucht, den Ausgleich zu schaffen, und mitten in diesen Bemühungen ist es überrascht worden durch das Vorgehen der Deut­schen Dolkspartei. Abgeordneter Ejser wirft mit Reckt und unter stürmischer Zustimmung der weit­aus" größten Mehrheit des Hauses die Frage auf. ob eine derartige Politik d e n N o t wen d i g k e i- ten der Stunde wirklich Rechnung trägt Er führte den Nachweis, daß das Ge- fetzeswerk der von der Deutschen Volkspartei ge­wollten Unterstützungssätze für die arbeit«» losen gleichbedeutend sei miMent langsa­men Hungertode. Diese Feststellung wurde vom Hause unter stürmischer Kundgebung ausge­nommen. Abg. Esier weist des weiteren nach, daß das Vorgehen der Deutschen Dolkspartei zur Folge

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im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Ifc. 229 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- leitung 1152, Fuldaer Aciiendruckerei 1150 und 1151. ::