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Ersckemt lechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Wett

Sonntag, 29. September 1929.

m /»'Iß im Bild' und „Buchcnblütter". Rotationsdruck und Verlag

JIt» fafaV der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :• leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

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FuldaerZertun;

Anzeiger für die Stabt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Das Ende der Okkupation.

Don Dr. Alphons Nobel.

Außer einigen zurückgelasfenen oder verlassenen Dräuten weint niemand der abziehenden Besatzung eine Träne nach. Man kann sich keinen freudige­ren Ablchied denken. Glocken läuten, Fahnen we­ben und Festesstimmung herrschen, wenn der letzte fremde Soldat deutschen Boden verließ. Und Glok- ken klingen heute schon in jedem Dorf und jeder Stadt, das in diesen Wochen von der Besatzung toi wird.

Soldat ist Soldat und auch der General der Besatzungsarmeen nur ein Objekt der Pariser und Londoner Politik. Trotzdem wird es, haben sie sich nur ein wenig gesunden Menschenverstand be­wahrt, auch ihnen lächerlich vorkommen, wenn sie nun mit Pauken und Trompeten den deutschen Bo­den verlassen. Im strömenden Regen marschierten vor einigen Tagen die Bataillone des Leicestershire Regiments aus dem kleinen Badeort Königstein im Taunus ab. Als sie in Wiesbaden nach Ostende verladen wurden, umgrüßte sie der Jubel zwar nicht der Bevölkerung, aber ihrer englischen Kameraden. Auch Bad Schmalbach, wo ein Bataillon des Dor­setshire Regiments lag, ist frei geworden.

Es ist wahr, daß die Besatzung in den letzten Monaten nicht mehr so drückend war wie vordem, wenn auch da^Wort, sie sei unsichtbar, nicht gerade zutraf. Mainz, Koblenz, Trier mim« melnnochvonSoldaten und alle diese Gar­nisonen haben noch genug unter der Willkür des einst feindlichen Militärs zu leiden. Im Bezirk Aachen hielten sich im Anfang dieses Jahres über 7000 Mann, ebensoviel im Bezirk Trier und Wies­baden, im Bezirk Koblenz weit über 8000 Mann auf. Fast 4000 Belgier waren in der Stadt Aachen, 1300 in Jülich und 300 in Eschweiler garnisoniert; in der Stadt Trier und in der Stadt Koblenz gibt es je 7000 Franzosen, selbst das kleine Bad Kreuz­nach hat über 1100 Soldaten und Bingerbrück und Bad Ems je 500. Dazu kommen noch die non der Bevölkerung mit Recht als Landplage betrach­teten Beamten der Gendarmerie und der mit noch größerem Recht von der Bevölkerung als Land­plage betrachtete familiäre Anhang: Großmutter, Schwiegermutter, Frau und Kind. Alle diese Leute nehmen Wohnungen weg und erschweren auch sonst das Leben der Bevölkerung. Die Schu­len beispielsweise find für den Unterricht bet deut­schen Kinder gebaut, nicht etwa zu dem Zwecke französische Soldatenheime zu bilden. Ueber 500 Wohnungen werden allein in Trier von der Be­satzung belegt. Auf preußischem Gebiet nimmt das Schießplatzgelände eine Fläche von 6000 Hek­tar, das Flugplatzgelände eine solche von 1100 Hektar ein. Die Manöver wurden sinnigerweise zur Zeit der Ernte abgehalten u^d der für die Landwirtschaft entstehende Schaden rann aus einer Einzelheit ermessen werden:"der Kreis Sim­mern mußte bei den Herbstmanövern 1927 10 000 Mann und 12 000 Gäule beherbergen. Die Ernte aber verkam auf den Fluren. Besonders schlimm leiden die Orte, welche einst blühende Bäder wa­ren. Wiesbaden hatte in der Vorkriegszeit 12 000 Fremdenbetten zur Verfügung, heute nur noch 8000. Die durchschnittliche Besuchsziffer dieses Weltbades betrug früher 100 000; heute kaum die Hälfte. Relativ' nicht besser geht es Kreuznach, Ems und vor allem Machen. Das schlimmste Los vielleicht von allen Landschaften des besetzten Ge­bietes traf die Pfalz. Nicht nur die Landwirt­schaft, auch die Schuhindustrie und der Tabakbau sind wegen der Besatzung gewaltig zurückgegangen. Die Pfalz hat 15 000 Soldaten beherbergen müs­sen, darunter 500 farbige. Auch hier ist der fami­liäre Troß außerordentlich groß, umfangreich und anmaßend.

Die Rheinlandkommission kommt nach Räumung der zweiten Zone von Koblenz nach Wiesbaden Die Interalliierte Rheinlandkommission m’rb sich vermutlich in Wiesbaden ebenso breit machen wie in Koblenz. Dort hauste sie im Gebäude des Oberpräsidiums der Rheinprovinz sowie in Pavil­lons des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses und der englische Delegierte allein bewohnte eine Villa, deren Friedensmiete 24 000 Mark betrug.

In der zweiten Zone, deren Räumung nun im Gang ist, wohnen 1,2 Millionen Menschen. Die Besatzung betrug in der letzten Z<üt durchschnittlich 15 000 Mann. Die Besatzung der dritten Zone zu der Mainz, die Pfalz und Trier gehören, wurde mit rund 50 000 Mann anaegeben. Natürlich sind dabet die Familienangehörigen nicht gerechnet. lMan schöbt auf etwa 10 000 Familien, die zu den Besatzungstruppen gehören).

Belgien räumt sehr ungern und Frank- re i ch zu mindesten lustlos, während die E n g » ä n- d e r als die vernünftigsten zu betrachten find. Die öffentliche Meinung in England hat sich ^chpn lest Jahren scharf und unzweideutig gegen die Besatzung ausgesprochen. Großbritannien mußte an vielen Stellen der Welt Besatzungen unterhalten, so in Aegypten und am Euphrat, in Arabien und In­dien, am Pangtsefluß und in Weiheiwei. Dort läßt es sich zur Not verteidigen, denn dort sind britische Belange zu vertreten mid zu verteidigen. Am Rhein aber war nur Prestige zu schützen, für das der Engländer erfreulicherweise weniger Ver­ständnis als der Franzose hat.

Jeder deutsche Politiker und Staatsmann, aus welcher Partei er auch stammte, hat sein Bestes getan, die Befreiung deutschen Bodens um Len Vesatzungstruppen zu erreichen. Leider ist es nur langsam gelungen. Im Versailler Vertrag war als äußerste Grenze der Besatzung für die Kölner Zone 1924, für die Koblenzer Zone 1929 und für die Mainzer Zone 1935 angegeben. Uebrig--ns sieht der Versailler Vertrag ausdrücklich vor, daß geräumtes Gebiet wieder besetzt werden darf, selbst

nach 1935. Voraussetzung ist eine Feststellung der Reparationskommission, daß Deutschland die Ver- tragsettüllung verweigere. Die Gefahr dazu ist durch den Poungplan glücklicherweise gering ge­worden. Immerhin aber sind solche Paragraphen des Versailler Diktates ein erneuter Beweis, daß die Sicherheit Deutschlands erst nach Re­vision dieses Vertrages wieder hergestellt sein wird.

Die „Ehrenwache**.

Das D. T. meldet aus Wiesbaden: Wie nun­mehr bestimmt feststeht, wird der militärische Schutz der Rheinlandkommission nach ihrem Umzug aus 300 Soldaten und 25 Gendarmen besten. Be­schlagnahmt wurden vorläufig ein Exerzierplatz, die Wilhelm-Heilanstalt, die von der Rrichsver- mögensverwaltung errichteten Wohnungen und 19 größere Privatwöhnungen. Dagegen werden in Wiesbaden durch Weggang der Engländer zahl­reiche Wohnungen frei.

Die Saarfrage.

Erklärung der Stadtverordneten von Saarlouis.

wtb. Saarlouis, 28. Sept. (Eig. Meldg.). In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde vor Eintritt in die Verhandlung folgende Erklärung abgegeben:

Die Bewohner der treudeutschen Stadt Saarlouis sprechen durch ihre gewählten Vertre­ter ihre besondere Ferude über den bevorstehen­den Beginn der Saarverhandlungen aus. Sie danken der deutschen Reichsregierung

herzlichst für ihre Bemühungen zur Befreiung des heimatlichen Bodens vonf remder Herrschaft und geben der Erwartung Ausdruck, daß das gesamte Saargebiet politisch und wirtschaftlich baldigst mit dem deutschen Mutterland wieder vereinigt wird. Dieser Erklärung traten bei die Fraktionen der Zentrumspar­tei, der deutsch-saarländischen Volkspartei, des Vereins zur Wahrung städtischer Interessen und der Wirtschaftspartei.

Russische Kalender-Reform.

Das Jahr Hal 360 Arbeitstage und nur 5 Ruhetage. Echt bolschewistisch!

wtb. Moskau, 27. Sept. (Eig. Meld.) Die Aka­demie der Wissenschaften billigte einen Entwurf einer Kalender-Reform, wonach die Woche nur aus 5 Tagen, nämlich Montag bis Freitag, gemäß der in den Industriebetrieben und Institutionen in Kraft tretenden fünftägigen Arbeitswoche bestehen wird. Samstag und Sonntag wird aus dem Kalender gestrichen. Die Zahl der Monate bleibt unverändert, jedoch zerfällt jeder Monat in 6 Wochen. Der 31. Monatstag fällt weg. Somit wird das Jahr aus 360 Arbeitstagen bestehen. Die fünf Ruhetage, die den revo­lutionären Festen gewidmet sind, werden keinem einzelnen Monat zugestellt. Keinem Monat gehört auch der bisherige 29. Februar in Schaltjahren an, der zum Industrialifie- j rungstag erklärt wird. Dieser Entwurf wird von der Regierung geprüft.

Macdonalds Amerika-Relfs.

Die Abrüstung.

Im amerikanischen Staatsdepartement ist die offizielle Einladung der britischen Re­gierung zur See-Abrüstungskonfe- renz eingetroffen, die im nächsten Januar in London stattfinden und dem Zwecke dienen soll, die Frage einer vorläufigen Perminderung der See-Rüstungen durch Einlegung einer mehrjähri­gen Nuh epause i m Flottenbau zu bespre­chen.

würdige Gedenken und das Wohlwollen, mit bew Eure Majestät mir Ihre besten Glückwünsche zu einer Reise übersanbt haben, die, wie ich hoffe, eine sich fruchtbar erweisende Neuerung sein wird."

Macdonalds politischer Gegner, der Führer der Konservativen, sprach in Downingstreet 10 vor, um Macdonald persönlich eine gute Reise und guten Erfolg in Amerika zu wünschen. Der Lord­major der City von London und andere hervor­ragende Persönlichkeiten haben telegraphisch ihre guten Wünsche gesandt..

So behandeln sich in England politische Gegner. In Deutschland wird unter Hilgenberg mit Landesverratsprogramm gedroht und unter Hitler und seinen kommunistischen Gegenspielern

Der König von England hat an den Pre­mierminister Mac Donald anläßlich der Reise nach den Vereinigten Staaten, die der Premierminister antritt, folgendes Geleitwort gesandt:

„Am Abend Ihrer Abfahrt wünsche ich Ihnen eine gute Reise. Alle herzlichen Wünsche sind bei Ihrer Abreise zugegen, handelt es sich doch um einen Schritt zur Förderung jener erfreulichen Be- Ziehungen zwischen zwei großen Völkern, deren Be­stehen bei allen Menschen guten Willens ein Glau­bensartikel sein muß."

Premierminister Mac Donald antwortete: „Ich bin Eurer Majestät tief dankbar für bas liebens»

mit der Faust draufgehauen. Dann wundert man sich, daß in Deutschland das parlamentarische Sy­stem so wenig Sympathie finden kann und immer mehr Volksfreunde an der st a a t § b ü r g e r I i chen Fähigkeit des deutschen Menschen zweifeln.

Hugenbergs Genosse fiinDel Revolution.

Dr. Goebbels im Sportpalast. —

Im Interesse des Volksbegehrens hat auch die nationalsozialistische Gruppe bes Hugenbcrg-Aus- fchusies in Berlin im Sportpalast eine Kundgebung veranstaltet. Der nationalsozialistische Führer Dr. Goebbels erklärte, im Haag habe man die deutsche Wirtschaft verschachert. Von einer Erleichterung, die der Voungplan bringen soll, könne keine Rede 'ein. Der Kampf gegen den Poungplan sei nicht Sache einer Partei, eines Ausschusses, ton- hem Sache eines revolutionierenden Volkes. Die nationalsozialistische Bewegung kämpfe nicht nur gegen die Kriegsschuldlüge, son­dern auch gegen die Repräsentanten eines Systems, das sich auf der Schuldlüge aufbaue. Das Volksbe­gehren fei nur ein Anfang, morgen fei es ein Volks­protest,' übermorgen werde eseineVol ksr e v o- (ution fein.

Hugenberg hat, bas steht wohl jetzt schon sest, eine politische Entwicklung mit herbeigeführt,deren weiterer Verlauf von ihm zweifellos nicht be­stimmt werden wird. Was feine Freunde dabei noch erleben werden, kann man vorläufig nur ahnen. Immerhin wird dafür das Goethewort gelten: die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los.

Reue Zusammenstöße.

wtb. Berlin, 28. Sept. (Eig. Meldg.). Nach der gestrigen Kundgebung der Nationalso­zialisten gegen den Young-Plan kam es in ver­schiedenen Teilen der Stadt Berlin zu Zusam­menstößen. Die Polizei verhaftete 25 Perso­nen, meist Nationalsozialisten, von denen 20 im Laufe der Nacht wieder entlafsen wurden. In Moabit und Pankow wurden bei Schläge­reien zzwei Personen leicht verletzt.

Politische Schlägereien in Hamburg.

wtb. Hamburg. 28. Sept. (Eig. Meld.) Nach Schluß einer gestern abend von der nationalso­zialistischen Arbeiterpartei einberufenen, non etwa 600 Parteiangehörigen besuchten Versamm­lung kam es am Ausgang des Lokals zu einer Schlägerei mit Kommunisten, bei der die Gegner mit Stühlen und Tischbeinen aufeinander einschlugen. Zwei Nationalsozialisten wurden so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Polizei mußte schließlich ein chrei- ten. Eine halbe Stunde nach Mitternacht wurden i vor der Badeanstalt am Lübecker Tor Passanten

AeberaN heftige Zusammenstöße.

von etwa 40 National-Sozialisten angehalten und nach ihrer Parteizugehörigkeit befragt. Einer der Angehaltenen, der sich als der K.P.D. zugehörig erklärt hatte, erhielt mit einer Selterswasserflasche Schläge auf den Kopf und mußte flüchten. Zwei auf Patrouille befindliche Polizeibeamte, die sich als solche legitimierten und einschritten, wurden ange­griffen und zu Boden geschlagen. Einer der Beam­ten erlitt einen schweren Schädelbruch, der zweite, der gleichfalls schwer mißhandelt wurde, wurde nur leichter verletzt. Als uniformierte Polizei her­beeilte, flüchteten die Täter.

50 verletzte in Schweidnitz.

wtb. Schweidnitz, 28. Sept. (Eig. Meldg.). Als Antwort auf eine gegen das Reichsbanner gerich­tete Kundgebung der Na t i o n a l f o z i a l i st e n, die vor einigen Tagen ftattfanb, hatten gestern abend R e i ch s b a n n e r, S. P. D. und die Freien Gewerkschaften eine Persammlung einberufen, auf der der Redakteur der „Bergwacht" in Walden­burg, Reichstagsabgeordneter Wendemuth, sprechen sollte. Zu der Versammlung hatten sich auch Natoinalfozialisten in großer Zahl eingefun« den. Als der Redner kaum fünf Minuten gespro­chen hatte, setzte ein fürchterlicher Tumult ein und die Gegner gingen schließlich mit Stüh- len und Biergläsern aufeinander los. Die Saaleinrichtung, Fenster, Türen usw. wurden zer­trümmert. Mehr als 50 Personen wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Mehrere Aerzte ver­banden die Leichtverletzten an Ort und Stelle. Eine Reihe von Personen, die ernstliche Verletzun­gen davongetragen hatte,, wurde mit Sani­tätsautos abtransporiert.

ren zwei Personen leicht verletzt. ♦

Aus Neumünster in Holstein wird gemel­det:

Die Kommunisten haben in einer von den Na­tionalsozialisten nach der Tonhalle einberufenen Versammlung eine Gegendemonstration veranstal­tet, zu der von auswärts Unterstützung erschienen war. Nach einem Marsch durch die Hauptstraßen drangen kurz vor 8 Uhr etwa 200 Kommunisten, die Stahlstangen, Handstöcke und andere Gegen­stände als Waffen benutzten in den Saal, in dem sich er st etwa 20 Versammlungsteil­nehmer befanden. Diele wurden innerhalb we­

niger Minuten niedergeschlagen und z. T. schwer verletzt. Die Polizei räumte den Saal und nach Eintreffen einer als Verstärkung angefordetten Hundertschaft der Kieler Schutzpolizei auch die um liegenden Straßen. Die Kommunisten haben die Kasse und für etwa 150 Rin Werbeschriften an geh genommen. Die Versammlung, die dann noch ftattfanb, war van 400 Personen besucht.

Diele „politische" Arbeit in Form bes an Mexiko ertnnernben Kleinkrieges scheint immer mehr Fortschritte zu machen.

Kommunisten unter sich.

Der „Vorwärts" meldet aus ® ö 11 i n g e n _ Aus der hiesigen kommunistischen Parteiorganisa­tion wurden fünf Personen, darunter der Vor­sitzende und der Kassierer sowie der Leiter der Roten Hilfe ausgefchlosfen. Die Ausgeschlossenen wurden auf der Straße von Anhängern der zen­trale überfallen und Übel zugerichtet. Dem einen wurde das Nasenbein oingekhiagen, ein anderer erhielt einen Messerstich durch die Hand. Dte An­gegriffenen wurden schließlich so bedrängt, daß sie auf eine Polizeiwache flüchteten und dort Schutz erbaten. Einen Tag nach ihrem Ausschluß wurden sie in der Stadt wiederum überfallen. Sie haben jetzt gegen ihre Angreifer Strawntrag gestellt.

*

Von führender Zentrumsseite wirb uns ge- schrieben:

Die nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen größeren Städten bereits zu verzeichnen­den blutigen Exzesse zwischen radikalen Organi- sationen, die als Hauptursache die Propaganda des Hugenbergschen Reichsausschusses für bas Volks- bege^ren haben, lassen eine für die Ruhe und Sicherheit sehr bedeutsame Frage in den Vorder­grund treten. „

Die Regierung hat unverzüglich Maß­nahmen zu treffen, um dem sich täglich mehr ausoreitenden Radikalismus auf den Straßen ein Ende zu machen. Die Zusammenstöße erfolgen in der Regel zwifchen Nationalsozialisten und Kom­munisten. Schuldig sind beide zu gleichen Teilen. Aber unser Volk hat ein Recht darauf, vor bieten Horden sich schützen zu lassen. Der Bürger will friedlich seines Weges gehen und nicht dauernd tn Gefahr schweben.

Nun schweben über die Möglichkeiten eines wirksamen Vorgehens gegen den Straßen-Radi- kalismus bereits im Reichsministerium des Innern Erwägungen. Wahrscheinlich werden die nächsten Tage schon bie entsprechenden Entschlüsse bringen. Es könnte auch dahin kommen, daß im neuen Republikschutzgesetz, dessen Entwurf das Reichskabinett ebenfalls in den nächsten Tagen be« schäftigen wirb, gewisse Paragraphen bes Straf- gesetzbuches Anwendung finden mit ausreichenden Strafverschärfungen gegen solche Vereinigungen und Organisationen, die sich die Straße als Tum­melplatz ihrer zügellosen Leidenschaften aussuchen. Solche Bestimmungen würde das Volk dankbar begrüßen, und alle Parteien, denen an der Siche­rung des Staates und an dem wirksamen Schutz der Bevölkerung gelegen ist, werden ihre Zustim­mung geben.

• Em Pressechef für bas Reichsinnenmiinslerium Wie die übrigen Berliner Zentralbehörden so be­kommt nun, wie die „B Z." zu berichten weitz, auch das Reichsinnenministerium einen eigenen Pressechef Dem genannten Blatt zufolge ist lur diesen Posten der'bisherige R-d-kttnr des '»"al- demokratischen „Hamburger Echo" Dr. Haubach ausersehen. Haubach ist seit längerer Zeit Mu- glied der Hamburger Bürgerschaft und Leiter des Hamburger Reichsbanners.

* Die Finanznot der sächsischen Stabte. Der erste Bürgermeister der Stadt Oschatz hat nach einer Blättermeldung aus Dresden eine Eingabe an den sächsischen Gemeinbetag gerichtet, worin er daraus hinweist, daß eine große Anzahl sächsischer Städte in kürzester Zeit v o r d e m Z u s a m m e n b r u ch stehen. Nach einer Umfrage, die der Verband sächsi­scher Mittelstädte bei 65 sächsischen Stödten von 45 000 bis 130 000 Einwohnern veranstaltet hat, stellt er fest: Von den 65 Städten schließen bas Rechnungsjahr 1928 nur 3 Städte ohne ungedecktes Defizit ab. Bei Nichtbeachtung der Eingabe durch Regierung und Landtag fei es nicht zu verhüten, daß bei der steigenden Tendenz der Ausgaben und dem Sinken der Steueremnahmen das Bild des kommenden Rechnungsjahres noch furchtbarer werde. —

Ein Streichholz-Monopol?

- Berlin, 28. Sept. (Eig. Meldg.). Privai- information: Die B. Z. berichtet, daß Der schwe­dische Streichholzkönig Ivar Kreger in Berlm em- treffen werde, um mit dem Rcichswirtlchastsmmi- fterium in Verhandlungen, bie darauf abzielen, bie von der Reichsregierung überwachte Zündholz- Industrie zu einem Monopol auszubau.'n, ein­zutreten, bas den Einfluß Kreugers, der bereits jetzt 70 Prozent der deutschen Zündholzindustrie kontrolliert, weiter ausdchnt. Kreuger soll dem genannten Blatt zufolge als wesentlichste Gegen­leistung der Reichsregierung die Vermittlung eines verhältnismäßig billigen S t a a t s k r e d i t s von etwa 150 Millionen Dollar, also über 60 Million. Mark anbieten.

Hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite, daß Kreuger tatsächlich bereits in Berlin gewesen ist und daß Verhandlungen Dieter Art schon statt- gefunden haben. Sie sind aber noch keines­wegs abgeschlossen. Dieses Projekt war einer der wichtigsten Pläne in dem kommenden Finanzierungs- und Steuertenkungsprogramm Die Veröffentlichung der „B. Z." wird in politifchen unterrichteten Kreisen außerordentlich bedauert.