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Fuldaer

Nachk

Bl 226.

Sonntag, de« 29. September 1929.

Rund um die Woche.

Gut und Vöfe. — Der glückliche Schornsteinfeger. — Mostergefchichten.

(eben. — Brigitte Helm. — Vater unser im Theater.

Wie ist doch die Welt voller Gegensätze! Sieht man auf das Gute, so kann man sich in wenigen Minuten ganz optimistisch stimmen. Und umge­kehrt bedarf es auch nur weniger Minuten, um we­gen der zunehmenden Dekadenzerscheinungen recht traurig zu werden. Besonders gilt das in der Großstadt. Da begegnet mir eines Morgens cm Schornsteinfeger. Der Mann ist offenbar in der allerbesten Laune; und als ich ihn daraufhin ein wenig neugierig anblinzelte; da nimmt er sein Käppchen ab und — was meinst du, was auf der Innenseite zu sehen war? Es war keine Zigarre und auch kein großes Los. Aber es war die Pho­tographie eines allerliebsten Babys. Ein Jahr sind wir verheiratet und so ist halt das Kleine da, pünktlich, wie es fein soll. Wissen Sie, eine Ehe ohne Kinder, das ist noch nichts Rechtes ... Ich frage nach der Wohnung und er plaudert nur so fort: „Freilich ein Zimmer nur, das ist Küche, Schlafstube und Wohnraum zugleich. Was brauch ich mehr! Die Küche ist übrigens einfach, ein Schrank, unten die Wäsche und oben die Pötte drin. Die Hauptsache aber ist das Kleine. Er sagte das alles so drollig, daß man ihm noch lange hätte zuhören können, und man dachte so im Stillen: Was sind wir doch für ein gesundes Volk, wo wir noch so brave Bäter und Schornsteinfeger haben. Man fing unwillkürlich an, sich einen neuen Traum von deutscher Zukunft zufammenzuspinnen. Aber siehe da: schon im nächsten Augenblick kommt ein kleiner Beamter aus der Vorstadt und erzählt von einem Häuserblock, der 250 Familien beherberg^. Auf diese 250 Familien kommen im Ganzen 15 Kinder . . . Und wieder vergebt eine Weile, da treffe ich einen großen Geschäftsmann. Sein Freund ist soeben durch einen Wechsel betrogen worden, der auf eine Bank lautete, die es gar nicht mehr gibt. Und das wurde denn der Anlaß, über die unheimlich zunehmende Korruption der deut­schen Geschäftsmoral zu sprechen. Wo sind die Zeiten, in denen Fleiß und Solidarität fröhlich ihr Liedlein sangen: „Ueb' immer Treu und Red­lichkeit bis an das kühle Grab? . . ."

Folgen dann weiter anmutige Anekdoten von den nächsten Nachbarn und Hausgenossen, Betrun­kenheit, Prügelszenen, Komisches und auch Rüh­rendes ohne Ende. Der Kleine von oben darf schon einmal herunter zu seinem Schulfreund. Man fragt ihn, als das Tischgebet beginnen soll: „Hör mal, Franz, was bist du denn eigentlich?' Bist du katholisch oder protestantisch? Was bist du eigent­lich?" „Ach, sagt der Kleine, das weiß ich nicht, ob katholisch oder protestantisch, aber ein Jude bin ich auf keinen Fall". Man kann sich vorstellen, wie es in mancher besseren Familie aussieht; denn daß es sich um eine bessere Familie handelte, ergab . schon der Umstand, daß dieser Kleine, der seine 6 Jahr zählen mochte, von feinen noch so antisemiti­schen Eltern so weit erzogen war, daß er im Lokal nur a la carte zu speisen geruhte und den ihm ge­reichten Sekt empört ausspuckte mit dem Ruf: »Pfui Teufel, das ist ja deutscher!" . . .

Um die schweren Gedanken, die man sich nach sicher Erfahrung über den Zusammenbruch zahl- 'er einst auf Tradition haltender Familien machte,

zu verscheuchen, stellte sich Gott sei Dank wieder eine erbauliche Geschichte ein. Irgendwo war :n einem Film die Tracht katholischer Nonnen ge­bracht worden, was natürlich den guten Schweste rn zu Ohren kam. Darüber sind sie so erschrocken, iah sie heiße Tränen geweint haben. Man mag dar­über denken, wie man will; es zeigen diese Tränen doch eine rührende Liebe zum heiligen Beruf. Leise zeichnet man in das Bild des Jahrhunderts die auch heute noch aus dem reinsten Ideal guel lende Wirksamkeit der Barmherzigen Schwestern ein. Die Erinnerung fliegt zu Stätten, wo es an­dere Schwestern gibt, die unablässig ihr bräutliches Gebet zum Himmel emporsenden. Und wie ein Bild das andere so ruft, auf einmal stand jene junge Karmeliterin vor meiner Seele, die ich nie gesehen habe, von der ich nur weiß, daß sie schwer schwindsüchtig ist, daß sie einmal schon ganz nahe am Sterben war, daß sie dann aber immer noch lächelte und endlich denen, die darüber erstaunt waren, in ihrer kindlich heiteren Art sagte: „Was soll ich mich fürchten norm Tode? Das ist doch einfach so: Der liebe Heiland nimmt fein Kind auf den Arm und fagt ihm: Kind, jetzt mach einen Au­genblick die Augen zu, denn es kommt eine dunkle Stelle, bann aber kannst du sie gleich wieder aus- machen, und es wird wunderschön fein . . ."

Welche Gegensätze! Da kommt ein Bezirks­richter zu mir und erzählt von drei Neunzehnjähri­gen, blühenden Mädchen, die kurz nacheinander bei ihm erschienen waren, um sich in gewisse Listen ein- trogen zu lassep. Auf die entsetzte Frage, wie sie denn auf so etwas tarnen, sie seien doch aus guten Familien, und es ende doch die Laufbahn des La­sters in Ekel und Grauen, gaben sie einfach zur Ant­wort, sie hätten das im Film gesehen und da sei das so wunderschön. Hier öffnen sich Abgründe, und man möchte denen, die irgendwie im Kino et­was zu sagen haben, doch zurufen: „Seid euch eu­rer Verantwortung bewußt". Zu diesem Kapitel noch eine Sache. Brigitte Helm, die bekannte Dar­stellerin dämonischer Rollen, geriet in einen Pro- zeß mit ihrer Filmgesellschaft. Da kam unter an- berm zutage, baß bieser Star kontraktisch verpflich­tet war, während der Vertragsbauer mit Krem Körpergewicht 120 Pfunb nicht zu überschreiten! Da sie bei Abschluß des Vertrages 118 Pfund wog, durfte sie also nicht mehr als 2 Pfund zunehmen. Man muß schon gestehen, daß bei solcher Einschät­zung auch kein Hauch mehr von dem Idealismus von' Schillers Würde der Frauen zu spüren ist. Also auch das gibt es in unserer Zeit. Und viel­leicht sieht man gerade an diesen kleinen Snmplo- men, wie weit die Zersetzung des deutschen Wesens schon vorangeschritten ist . . .

Mit Absicht habe ich heut nur Geschichten er­zählt und bedauere bloß, daß ich damit schon auf­hören muß. Ziehe ich die Bilanz, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß ganz in der Stille und in der unproblematischen Selbstver­ständlichkeit des Daseins ein Prozeß in unserem Volke vor sich gebt, der selbst im Ausland schon Entsetzen erregt. Die „La Croix" brachte vor kur­zem einen Artikel, der die Behauptung aufstellte, es gäbe im heutigen Deutschland bereits 500 000

Rudolf.

(Eine Geschichte aus dem Weltkrieg.

Von 3. Lewald. 4] ----------

„Mensch, das ist ja schrecklich", unterbrach mich Ru­dolf, „was soll denn daraus noch werden?"

„Ich weih es auch nicht, aber etwas Gutes bestimmt nicht."

Wir schwiegen. Rudolf hatte seine Zigarette hin- gelegt, ein dünner Rauchfaden stieg von ihr empor; er las in seinem Brief und schüttelte dabei den Kopf.

„Weißt du," begann er plötzlich, „jetzt kann ich man­chen von ir > verstehen. Frau und Kinder daheim, die Hunger leiden, da soll der Teufel vergnügt dabei fein Da haben wir junge Bengels es immer noch gut. Aber meine Eltern! Ich glaube ja nicht, daß es ihnen so schlimm geht, wie du erzählt hast, aber zu lachen ha­ben sie sicher auch nichts. Deine Eltern haben ja Land­wirtschaft, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen."

Wir saßen noch eine Weile schweigend beisammen. „Es wird Zeit, Rudolf. Ich möchte um sieben daheim {ein, will auch nochmal in die Buchhandlung.

„Da gehe ich mit " Wir schnallten um, zahlten und gingen. In der Buchhandlung kaufte ich Verschie­denes und war gerade am Bezahlen, da trat Rudoli zu mir heran, er hatte ein Buch in der Hand: „Da habe ich den „Spielmann" von Lienhard eben gefunden Ich weiß, du magst Lienhard gern, da hab ich das für dich getauft."

„Das freut mich aber Rudolf, den „Spielmann" hätte ich längst gerne gehabt, da danke ich dir recht herz­lich."

Wir gingen. Wir wußten nicht, ob wir uns so bald wiedersähen. Unser Bataillon sollte eine andere Stel­lung beziehen, welche, wußten wir nicht. „Ra, wir wer­den uns schon finden," meinte Rudolf, als er mir die Hand gab. Wir trennten uns.

Da kam mir ein Gedanke: „Rudolf!" rief ich ihm nach.

Er drehte sich um und kam zurück.

„Hör mal. mir ist eben etwas eingefallen. Ich habe ein Paar neue Wickelgamaschen im Tornister Tragen bp'f ich lle hier doch nickt, ich will st- dir gern schenken.

Leitung

Schwere Skurmflrri SchSden an der deutschen Küste

Katholische Wett.

Der neue General des Dominikanerordens.

Das am Samstag in R o m zusamnumgetretene Ge- neralkapitel des Dominikanerordens wählte den Pro..,n- iial der Provinz Poris, den bekannten Halogen und Sozio'ogen Pater Martin G i l l e t, zum General d e s Ordens. ,

VSM EspsriMw.

— Efperantolagung in Bingen. Am 28. und 29. Sc P tember dieses Jahres findet in ..'Bingen bieja r e Herbst-Delegiertentagung des «udwestdeutschen Cfpernn toverbandes statt.

Ms wird dss WMsL?

Das Hochdruckgebiet über Mitteleuropa Hai sich recht abgeflacht und die Wirbeltätigkeit im Norden scheint wie­der etwas südwärts vordringen zu wollen. Jedoch wird es zu nennenswerten Störungen der trockenen Witterung noch nicht kommen.

Witterungsaussichten für Sonntag: Seine nennens­werte Aenderung.

3. Mall.

Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda.

Vergebliches Ringen.

Dresden, Ende September 1929.

Es ist ganz unleugbar, daß die fächs t s ch e Sozialdemokratie augenblicklich eine Krt^e durchmacht. Seit 6 Jahren ringt sie nun vergeblich um die neuerliche, absolute Macht im Lande. A s dos Jahr 1923 zu Ende ging, mar es um die mar- ristifche Macht geschehen. Der Terror, den unge­schickte 'Führer leidenschaftlich entfacht hatten, war gebrochen, das Bündnis zwischen Kommunisten und Sosialdemokroten hatte sich nichts als stark genug erwiesen, um die Zügel weiter zu suhlen. Ja die eigenen Reihen der sozialdemokratischen Fratt on '.vt=erten sich damals, und die 23 Gemäßigten trennten sich. Dazu wurden Dinge in der Oeffent- sichkistt bekannt, die allzu sehr das Ansehen gewis­ser Führergruvpen untergruben. Der Traum et- nes roten'’ Mitteldeutschland war vorläufig zu Ende. . ..

Seit diesen Tagen zieht sich eine beständige krisenhafte Erscheinung durch die Sozialdemokra- üscho Partei. Zwar nicht in dem Sinne, als hak­en die Parteiführer ihre bekannte Stoßkraft ver­mindert Mer auch nur bei irgend einer Gelegen­heit die Hände in den Schoß gelegt, sondern im Gegenteil: Sie haben, sich durch ihre Mißerfolge durchaus nicht beirren lassen und immer wieder versucht, die Oberhand zu gewinnen. In den Jahren der sozialistischen Hochkonjunktur, also von 1919 bis 1922, hatte die sozialdemokratische Wäh­lerschaft weit über 1 Million Stimmen aufgebracht. Bei der letzten Wahl vor dem Sturz im Herbst 1922 stand sie auf rund 1 060 000, was für die Partei 40 Landtagssitze bedeutete. Dann kam in den ,-wei iolgenden Jahren der katastrophale Ruck-

Nud'sten", d. h. Anhänger der Nackstulturbewe- qung. Deutschland ist hierin das führende Land der Welt. Damit, aber etwas Tröstliches den A r- schluß bilde, so befindet sich in dem vielbesvro-4-enen Stück „happt) end" ein? S'.me, in der -mmimoes Mädchen, wo schon der Untergang des Schifte? droht, ein paar furchtbare Strophen singt, um aann die letzte hinzuzufügen, d e da sagt: „Run bäumt sich die Seele, nun verfinstert sich der ftimm nun ist es ans mit Mädchen und Musik,Wd,TanT und nun bleibt nur noch das Vater unser In dem Augmblick glich das groß? schmertende Theater einer Kirche. Der Wann im Moitm'

Die überschwemmten Kai-Anlagen von W'.khelmshave.

Eine gewaltige Sturmflut suchte in den letzten Tagen die ganze norddeutsche Küste heim und richtete überall großen Schaden. Die Kaianlagen von Wilhelmshaven waren vollkommen über­schwemmt und standen meterstef unter Wasser. „

£Lchi isn ist die teste Vtoeidsto^.

oet;:s dehr

Mem

„Auch alles wohl

Wie geht? denn bei euch?"

denes zu erledigen.

siellung und Dom ®.-’nft

Ich erzählte von unserer

Warle

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rade war Pause. Die Kinder liefen und fingen lick

zwei

Und heute morgen

hier halten sie Schule.

war

Der Franzmann weiß das

dran

ge-

da oben als ihren Orstrnltar, wo ia b-

zu kommen.

fuhren ihn zu den Pionieren Ich Aufsicht, arbeitete aber meistens auch Die Arbeit da oben gefiel uns

gut zu auf dem

auch den Opfertod stirbt, stirbt als Opfer für die Hei­mat. die da hinten liegt. Ich meine, dann wäre aus dem Heldentum des Leidens Jesu ein bißcken Licht auf die­sen verfluchten Krieg gefallen, und Mancher hätte da vielleicht etwas Kraft gefunden >«in hier oben mit mehr Zuversicht zu tragen."

.Meine Mutter war

■fer Sonst 'ft alles

etwas . Mr1 wir

„Sicher weih er das Aber wir sind halt

Lehrer gingen zwischen ihnen auf und ab, gerade wie daheim. ~ Ich stand noch als Rudolf zu mir kam

• „Es ist doch eip toller Kram Rudolf Zweitausend Meter von hier stehen die kranzösifchen Kanonen, und

ganze Kircke roll Soldaten, doch ganz bestimmt."

wieder mal ein richtiges Unternehmen gibt. ! hier, ich komme gleich wieder."

Er ging ins Regimentsgeschäftszimmer. Ich ein Stück die Straße hinab, da war d:e Schule.

datenheim. dort frühstücken wir dann erft." Ich ging hin. Rudolf brachte Brot und sogar

Butter, verriet aber nicht woher er all s hatte

Er meinte „Der Zuckerhut ist immer die schönste Stei­lung im ganzen Regiment gewesen, da habt ihr Gluck. Bei uns ist auch nicht viel los. Wir machen jede Nacht Patrouillen, schmeißen Handgranaten und zerreißen uns die Brocken am Drahtverhau Es wird Zeit, daß es

ten wir den Krieg aus."

Karfreitag war ich unten zum Gottesdienst und traf auch Rudolf dort, den ich die ganze Zeit nicht ge­sehen hatte. „Das ist schön, daß ich dich treffe", sagt? er. „ich wollte ohnehin heute zu dir Hast du Zeit"?" Um 12 Uhr muß ich wieder oben sein." ..Da gehen wir miteinander. Ich habe hier unten erst nach Berschie-

in O.dnuna Und b

wöhnt, daß er nickt herschießt, du wstst dich auch . noch dran gewöhnen. Hast du übrigens etwas zu essen bei dir?"

„Ja. meine Kälevortion von gestern abend." „Sckon dann will ich Brot besorgen, geb einstweilen ins iaol-

aßen und gingen dann, es war gegen ’.ehn Uh: hatten gemütlich ^eit um noch recbheiha nm den ’Xe-a

ch-r Blick

allen red* überanstrengen brauchte sich keiner. Und Berge wars schön, der Frühling begann, und j umfaßte die ganze Vogescnlandschast bis zum Rhein.

„Korporal", sagten die in meiner Gruppe „hier hal-

Brüder ist" setzt auch im Peld. bei den Arm'erungssol» beiten " „Na, da'ists ja nicht so schlimm." . Er schreibt aber, daß sie auch schon schwer im Feuer waren "

Wir stiegen langsam bergan, vorbei an der Molkerei in der die Maschinen liefen vorbei an bebauten Aeckern. Das Korn stand grün auf den Wiesen blühten 'chon Achlü'kelblumen. Das war früh, bei uns daheim blüh­ten sie um diese Zeit noch nicht.

„Hier können wir uns noch ein bißchen setzen", meinte Rudolf, als wir an einer Waldecke angeiangt waren, „wir kommen oben noch recht."

Wir setzten uns ins Gras „Beinah hätte ich was vergessen," ' sagte Rudolf und kramte etwas aus der Dusche, . hier habe ich Tabak von Gustav und mir, wir empfangen immer mal und rauchen keinen "

„Da wird aber gleich mal eine Pfeife angesteckt. Tabak hatte ich die ganze Zeit keinen mehr, und das Zi- aarettenraueben bin ich schon leid "

.Mit der Philosophie hast du recht gehabt," sagte Rudolf nach einer Weile, „es ist unsinniges Zeug man wird ganz rapvelig davon " „Ich hatte dirs ja gesagt!"

„Wie hat dir denn der .Spielmann" gefallen? .Aus­gezeichnet. Das Buch mußt du auch mal lesen. Kannst es nachher gleich mitnehmen, ick bin fertig damit."

„Ich habe ja jetzt eigentlich wenig Lust zum Lesen, ich bin lieber draußen, ich habe so eine Unruhe in den Knocken, woher, weiß ick selber nickt."

„Das wird das Frühjahr sein. Rudolf. Sag mol, wie hat dir denn heute die Predigt gefallen?"

„Sie war ja ganz schön, aber ich hätte sie doch an­ders gehalten." Er schwieg wieder eine Weile und loh vor sich hin. „Der Pfarrer hat vom Leiden und Tod Christi gesprochen. Ich hätte den Leuten gesagt, daß sie den Weg auf diesen verdammten Berg als Opfergang ansehen sollten, als ihren Leidensweg, und den Beiz

Deine sind doch schäbig genug und passen nicht zu Dem neuen Vize."

„Das ist ja großartig, Josef. Ich habe heute schon bas ganze Nest hier abgesucht, meinst du, da gäbe es Wickelgamaschen? Keine Spur. Da freue ich mich über deine Wickelgamaschen noch mehr wie du über den Spiel­mann. Ich schicke morgen früh den Gustav zu dir, der mag sie mir holen.

„Ist recht, Rudolf. Lebe wohl!"

*

Am nächsten Tage wurde ich zum Maschinonaew-chr- kursus abkommandiert, damals kamen die leichten Ma­schinengewehre auf: Die Ausbildung dauerte etwa zwei Wochen. Dann tarnen wir noch eine Woche in eine Ortschaft weiter rückwärts zum Scharfschießen Wir lagen dort in Privatquartieren und verlebten schöne Zeiten, zumal es schon ganz frühlingsmäßig warm draußen war. Vorn war es ziemlich ruhig. Manchmal konnten wir bei unseren Hebungen auf den Bergen un­sere Stellung sehen, den Einschlag einer Granate konnte man mit bloßem Auge erkennen.

Es tat uns allen ein bißchen leid, als die Ausbil­dungszeit zu Ende war. Ich kam wieder zu meiner Kompanie und wurde einer anderen Gruppe als Füh­rer eines leichten Maschinengewehres zugeteilt.

Die Kompanie lag auf dem „Zuckerhut", einer stark befestigten Refervestellung ungefähr 500 Meter hinter der Hauptstellung. Wir hatten hauptsächlich Arbeits­dienst, dabei aber die Aufgabe, bei feindlichen Angriffen einen genau bezeichneten Abschnitt unter Feuer zu hal­ten. Außerdem mußte ich jede Nacht um 12 Uhr Wnd- richtung und Windstärke feststellen und mit dem Fern­sprecher weitergeben. Gewöhnlich blieb ich bann allein bis 12 Uhr auf und las, manchmal spielten wir auch Karten.

Tagsüber war Arbeitsdienst, ein betonierter Beobach- tungsftanb wurde auf dem Gipfel erbaut. Den Ban selbst machten Pioniere, wir hatten Sand, Zement und Wasser heraufzubesorgen, zu mischen und den Pwnie- ren zu bringen. Damals lernten wir alle das Betonie­ren so gut wie jeder Maurer.

Um '.Kraft und Zeit zu sparen, war eine Drahtsesi- bahn angelegt, welche die Sachen heraufbeiörderte. Sie | mußte mit der Hand betrieben werden Zwei Mann | drebt-n do- Rad. zwei Mann miscktev B-u-- und irret