Einzelbild herunterladen
 

MW

M

* Xt':

M

/M

>

P MM t - 'M * - »L ’Ä..: G

-

fa’

FuldaerZertung

| Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Wett

56. Mlg

im Bild' und „Buchcnblätter". Rotationsdruck und Verlag fafaO der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

Samstag, 28. September 1929

:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.

Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 dezw. 48 Pf.) ohne ZmteUg. An;eigen-Preise: Kleinzeile iCol.) lokal 0,15 -L^l, auswärts 0,20 XX. Reklamezeile: lokal 0,60 M, auswärts 0,80 HJt. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051

Die Befreiung des Rheinlandes

Schober regiert in Deutsch-Oesterreich

des mit der

Die innenpolitischen Vorgänge in Oesterreich haben in Deutschland in den letzten Jahren höchste Beachtung gefunden. Nicht nur deshalb, weil Deutsche und Oesterreicher benachbart und glei­chen Stammes sind und der Anschluß beider Län­der von beiden Völkern gewünscht wird, sondern auch deshalb, weil man in dem österreichischen Parteiieben Parallelerscheinungen des deutschen Parteilebens sieht, die dort nur eine etwas schärfer zugespitzte Form gewonnen haben. Auch in Deutschland ist wie in Oesterreich eine Zweifrontenentwicklung im Gange. Sie wird hier repräsentiert in etwa durch den Stahlhelm als Rechtsgruppe auf der einen Seite und durch das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als Linksgruppe auf der anderen Seite. Der Stahlhelm hat sich in den letzten zwei Jahren sehr stark in den Borden- gründ des öffentlichen Interesses gestellt, obwohl er im Grunde genommen eine nur militärische Organisation ist, deren politische Ideologie sich noch in sehr kümmerlichen Grenzen hält. Aber es haben sich Gruppen parteipolitischer Art mit ihm verbündet, er bildet ihren Machtkern und hat überdies in Hugenberg, dem Führer der Deutschnatwnalen Volkspartei, einen Mann ge­funden, der dieser Bewegung sein Geld, dann aber auch seinen großen Nachrichten- und Zei­tungsapparat als wirkungsvolles Propagandamittel zur Verfügung stellen kann. Die österreichische Heimwehrbewegunq ist im Gegensatz zu dem sozial­demokratischen Schutzbund entstanden und trägt in der Hauptsache ländlichen Charakter. In Deutschland war die Stahlhelmbewegung vor dem

Ruhrkampses. Diese Leute sollen doch nicht dem Einwand kommen, die Hinauszögerung Befreiung des Rheinlandes fei nicht beabsich­

tigt; oder gar sie werde nicht die Folge der An­nahme des Volksbegehrens fein. Das glauben die Urheber des Volksbegehrens ja selber nicht. Man ist sich vielmehr auch in diesen Kreisen durchaus darüber klar, was die Annahme des Volksbe­gehrens zur Folge haben muß. In einer den Deutschnationalen nahestehenden Zeitschrift ist in diesen Tagen ausdrücklich festgestellt worden, daß folgende außenpolitische Konsequenzen „vielleicht nicht zu vermeiden" sind: „die Wiederbesetzung des schon geräumten Gebietes, Sanktionen und weitere Besetzungen im Westen und Osten des Reiches." Man weiß es also ganz genau, was im Falle der Annahme geschehen wird. Und trotzdem wagt der Reichsausschuß es, sich über alle Rücksichten auf das ohnehin schon schwer betroffene Rheinland hin­wegzusetzen, nur um seinen parteiegoistischen Zwek- ken zu nützen. Alles Beschönigen und alles Ver­tuschen wird den Herrens des Reichsausschusses nichts helfen. Man hat im Rheinland schon jetzt klar erkannt: Wer für das Volksbegehren stimmt, verhindert die Räumung des Rheinlandes.

Bauern und Volksbegehren.

Westfalen gegen Hugenberg.

Der in Essen tagende Gesamtvorstand des W e ft» fälischen Bauernbundes nahm in einge­henden Beratungen zu den brennenden gesamt- und wirtschaftspolitischen Fragen Stellung. Es wurde u. a. die folgende Entschließung einstimmig angenommen:

Mit Rücksicht auf die schädlichen Folgen, die auf außen- und innenpolitischem sowie wirtschaftlichem Gebiete durch das Volks­begehren der Rechtsradikalen hervor- gerufen werden fordern wir unsere Mitglieder nachdrücklich auf, sich von jeder Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Volksbe­gehrens fernzuhalten.

Bundeskanzler Schober, der neue Chef des österreichischen Kabinetts. Unser Bild zeigt Schober in seiner bisherigen Position als Polizeipräsident bei einer Fahnenweihe.

Reichsbanner da, auch in ihr ist das ländliche Ele­ment sehr stark. Genau wie die Heimwehrbewegung bemüht sich auch die Stahlhelmbewegung, das christliche Moment in den Vordergrund zu schieben. Weniger allerdings als religiöses UeberzeugungÄ- gut, denn als Mittel der Politik. Die geistige Uebereinstimmung zwischen den österreichischen Heimwehrverbänden und dem deutschen Stahlhelm ist größer als die zwischen dem österreichischen Schutzbund und dem Reichsbanner. Doch ist auch der Gedanke etwas fernliegend, daß etwa in unse­rem Stahlhelm ein katholischer Prälat die große Rolle spielen könnte, die neuerdings Prälat Seipel bei den österreichischen Heimwehren spielt. Der österreichische Schutzbund ist eine durchaus sozial­demokratische Einrichtung, obwohl er größten­teils aus Katholiken besteht oder solchen, die es gewesen sind, während das deutsche Reichsbanner als eine Einrichtung der Sozialdemokratie nicht angesehen werden darf, wenn auch feine Mit­glieder größtenteils Sozialisten sind. Der Gegen­satz gegen christliche Auffassungen ist im Roten Schutzbund außerordentlich groß, während das Reichsbanner konfessionelle und weltanschauliche Momente bewußt ausschaltet, da es ja auch inner­halb der Zentrumsjugend eine breite Basis be­sitzt. Im Grunde genommen beruhen aber die Ver­schiedenheiten der beiden Kampftruppen in beiden Staaten m der Hauptsache lediglich in der ungleich­förmigen konfessionellen Zusammensetzung der bei­den Staatsvölker.

Weil diese verwandten Kampforganisationen in beiden Ländern bestehen, ist unser parteipolitisches Interesse an den innenpolitischen Vorgängen Oester-

Aus rheinischen Kreisen wird uns geschrieben: Die Befreiung des Rheinlandes vom Joch der Besatzung ist eines derHauptzielederdeut- cchen Außenpolitik. Seit einem Jahrzehnt lebt die rheinische Bevölkerung unter dem Druck der fremden Besatzung. Erst allmählich hat sich dieser Druck dank der folgerichtig durchgeführten Politik gelockert; und jetzt kann das Rheinland hof­fen, daß die Stunde feiner Befreiung in abseh­barer Zeit geschlagen hat. In diese Hoffnung des Aheinlandes fällt aber ein schwarzer Schatten. Im Rheinland sieht man mit großer Besorgnis dem Ausgang des Kampfes um das Volksbegehren ent­gegen. Es besteht kaum ein Zweifel daran, daß die übergroße Mehrheit der rheinischen Bevölke­rung, wenn es zum Volksbegehren und — was al­lerdings ganz und unwahrscheinlich ist — auch zum Volksentscheid kommt, die Zumutung ablehnen wird, parteiegoistifchen Zielen des Herrn Hugen­berg zuliebe das Joch der fremden Besatzung noch länger zu tragen. Die rheinische Bevölkerung hat ein Jahrzehnt lang mit beispiellosem Opfermut schwerste Lasten auf sich genommen, und sie hat durch ihre berufenen Vertreter immer wieder er­klären lassen, daß sie lieber das Joch der Besatzung noch länger tragen wolle, als auf Kosten der Ge­samtheit des deutschen Volkes durch übergroße Zu- Seftändnisse die Freiheit zu erlangen. Zum Wohle er Gesamtheit hätte die rheinische Bevölkerung wohl noch länger ausgehalten, aber nicht zum Wohle einer Klique, deren letzte Ziele gefähr­lich und verderblich sind für Volk und Vaterland. Wer sind denn die Träger des Volksbegehrens? Zum großen Teile doch dieselben Kreise, die sich während der letzten 10 Jahre niemals gescheut ha­ben, das Rheinland ihren parteipolitischen Zwecken dienstbar zu machen. Man denke nur an die deutsch- nationale „Versackungstheorie" zu Zeiten

;; Der österreichische Nationalrat genehmigte, wie l aus Wien gemeldet wird, mit 84 Stimmen der ! Christlich-Sozialen, Eroßdeutschen und des Land- i bundes gegen 69 Stimmen der Sozialdemokraten den Wahlvorschlag des Hauptausschusses, womit die neue Regierung Schober gewählt erscheint. Das Ministerium des Innern behält danach der bisherige Vizekanzler Schumy (Landbund), das Heeresministerium Daugoin, der als Christlich- Sozialer hierbei zugleich Vizekanzler wird, das Justizministerium Dr. Slama (Großdeutscher), das Landwirtschaftsministerium Födermayr (Christlich- Sozialer). Das Handelsportefeuille wurde dem früheren Bundespräsidenten Dr. Michael Hai- nisch übergeben, das Ministerium für Fürsorge dem vorletzten Rektor und jetzigen Prorektor der Wiener Universität, Prälat Inn itzer. Schober selbst übernimmt neben dem Bundeskanzleramt auch 'das Finanzministerium, unterstützt vom Sek­tionschef Dr. Juch, dem man zuerst das Portei- feuille übergeben wollte. Es war davon die Rede, den letzten Finanzminister Kaiser Karis im Ka­binett Lammarsch, Prof. Dr. Redlich, der gegen­wärtig in Amerika weilt, nach Wien zu berufen und ihm das Finanzressort zu übergeben. Das Unterrichtsministerium dürfte vorläufig noch nicht besetzt werden, um es für den bekannten Chirurgen Hoftat Prof. Dr. Eiselsberg offen zu halten, der aus Rumänien zurückerwartet wird.

Abg. Dr. Seipel erklärte als Berichterstatter im Nationalrat, die Betrauung des Bundeskanz­lers mit der Leitung der Ministerien für Unter­richt und Finanzen sei nur eine zeitweilige, weil der Bundeskanzler noch nicht in der Lage gewesen sei, mit den für die definitive Besetzung der beiden genannten Ministerien ausersehenen Persönlich­keiten in Verbindung zu treten.

reichs besonders lebhaft. Und so kann man beim heute sehr oft die Vermutung aussprechen hören, daß das, was in Oesterreich jetzt geschieht, viel­leicht ein Vorbild für mögliche Entwicklungen in Deutschland fein könnte. Das um so mehr, als zwischen den Heimwehren und dem Stahchelm aus der einen Seite und dem Roten Schutzbund und dem Reichsbanner auf der anderen Seite die Verbindungen tatsächlich gepflegt werden. Und doch würde man zu weit gehen, wenn man auf diesen Parallelen allzu unbedenklich seine politi­schen Kombinationen aufbauen wollte. Wenn man vielleicht auch mit dem Roten Schutzbund in Oestex­reich das Parallelogramm der politischen Kräfte in Oesterreich in hohem Maße gezeichnet hat, so würde das Parallelogramm der Kräfte in Deutsch­land durch Reichsbanner und Stahlhelm durchaus noch nicht völlig umrissen sein, das politische Kräfte­spiel in unserem Lande ist erheblich komplizierter und undurchsichtiger als in Oesterreich.

Aber Oesterreich steht vor der Entscheidung. Die Gegensätze zwischen Christlich-sozialer Partei und Sozialdemokratie oder, besser gesagt, zwischen Bürgerblock und Marxismus haben sich festgefah­ren. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwi­schen Bürgertum und Proletariat, zwischen Chri­stentum und Sozialismus, der in Oesterreich überall in derselben Linie verläuft, hat sich zwischen Regie­rung und Opposition so verhärtet, daß seine lieber« Windung nur dadurch möglich erscheint, daß die Macht der Parteien beschränkt wird, und zwar zu Gunsten der Macht des Bundesprä­sidenten und der des wählenden Volkes. Der ehemalige Bundeskanzler Seipel hat in diesem Sinne bereits eine Verfassungsreform gewollt, war

Reichstag und

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge­schrieben:

Wenn der Reichstag am kommenden Montag erstmalig wieder Zusammentritt, steht er vor wich­tigen Entscheidungen und Entschlüssen. Mit ihm auch, die Reichsregierung.

Täuschen wir uns nicht. Die Zeiten sind bitter ernst. Auf alle Fälle so. eiwoller, als es sich der oberflächliche Beurteiler denkt.

Alle Parteien ohne Ausnahme haben W um­zustellen, haben bei allen kommenden Entscheidung gen zu fragen: wie weit dürfen wir mit den Be­willigungen gehen? Wie hoch sind unsere Einnah­men? Welche Deckung ist für die Ausgaben vor­handen? Welche Bewilligungen vermehren die Reichsschuld?

Wenn alle Anträge und Bewilligungen ledig­lich nach diesen Gesichtspunkten gestellt und erfol­gen würden, käme nicht immer wieder bas Schrek- kenswort „Fehlbetrag" in jeder Aufstellung über die Reichsfinanzen.

Nur die Parteien werden sich auf die Dauer be­haupten können, welche bei ihrer ganzen Arbeit — selbst wenn sie in der Opposition stehen — sich nur dem Volke, dem Staate gegenüber in erster Linie verantwortlich fühlen und das Parteiwohl oder die Parteizukunft in die zweite Linie rücken.

Schon die nächste Reichstagssitzung, die sich in der Hauptsache mit der R e fo rm d e r A r b e i ts- losenversicherung zu befassen hat, wird uns zeigen, ob das erforderliche Verantwortungs­und Pflichtbewußtsein bei vielen Parteien wirk­lich vorhanden ist. Es wird sich in gleicher Weise auch zeigen müssen, ob die Reichsregierung nun endlich wieder seihst die Führung in die Hand nimmt, damit die Schwierigkeiten, die nun schon seit Monaten bestehen, auch wirklich beseitigt wer­den können. Vieles ist da schon versäumt wor­den. Es wäre zu begrüßen, wenn der Reichs­kanzler seinen Worten auch sofort die Tat folgen ließe, wenn es ihm gelänge, die Parteien schnell­stens zu einer Einigung in der Arbeitslosenfrage zu bringen.

Diese Reform bedeutet schon eine Entscheidung über die noch kommenden Arbeiten für die gesamte Finanz- und Wirtschaftsreform. Es hat keinen Zweck, sich vortäufchen zu wollen, als würbe jetzt die Lage rosiger sein. Das Gegenteil ist der Fall. Rücksichtsloseste Svarsamkeit muß überall

Macdonald bei Hoover.

Reuter meldet aus London:

Zu dem bevorstehenden Besuche des Premier­ministers Mac Donald beim Präsidenten Hoover wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß es sich bet diesem Besuch nicht so sehr um • eine Mission zur Behandlung einer bestimmten Frage handele wie um einen BesuchdesgutenWil- lens im Interesse der englisch-am erikani- fchen Beziehungen. Mac Donald würde, so heißt es in der (Ertlarung weiter, enttäuscht sein, wenn sein Besuch nicht einen günstigen Einfluß auf Herstellung der größten Herzlichkeit zwischen Groß­britannien und den Vereinigten Staaten ausüben würde. — Mac Donald, der am Samstag früh von Southampton aus mit dem Dampfer „Berengaria" die Reife nach New Port antreten wird, gedenkt am 4. November, d. h. etwa eine Woche nach der Wiederaufnahme der Parlamentsarbeiten, wieder in England zu fein. Während feiner Abwesenheit wird, wie bereits gemeldet, Snowden stellvertre- "tender Premierminister und Führer der Partei im

Unterhaus fein. *

wtb. Washington, 27. September. (Eig. Meld.) Parker Gilbert wurde gestern von Hoover und Staatssekretär Stimson empfangen. Der Reparationsagent lehnte es Pressevertretem gegen­über ab, die Frage, ob er das Reparationsproblem

aber, weil er so sehr in Kampfstellung stand, zu ihrer Durchführung nicht in der Lage. Er vermoch.e nicht einmal mehr die dringenden Wirtschafts­gesetze, insbesondere das Mietengesetz, zu verab­schieden. Das hat fein Nachfolger Streeruwitz, der eine versöhnlichere Natur war, in wenigen Wochen fertig zu bringen gewußt. Aber was Stree­ruwitz nicht leisten zu können scheint, ist die Ver- fassungsreform, die man in den bürgerlichen Grup­pen unter dem Drucke der Heimwehrbewegung immer lebhafter verlangt. Darum hat Streeruwitz jetzt sein Amt an den Polizeipräsidenten Schober abgetreten. Die Heimwehren betrachten das als einen Sieg ihrer Sache, wogegen allen« dings spricht, daß Schober als Wiener Polizeipräsi­dent energische Worte der Ordnung auch den Hei'm wehren zugerufen hat. Das deutsche Par­teiwesen ist infolge der weltanschaulich bunteren Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung nicht in einer Entwicklung begriffen, die dem Partei« leben Oesterreichs konform wäre, wenn es auch an Symptomen dafür nicht fehlt. Trotzdem bleibt das Experiment, das Schober anzustellen hat, für uns sehr lehrreich. Es ist das Experiment der Ueberwindung der Klassengegensätze in der poli­tischen Führung des Landes und das der Eman­zipierung des wählenden Volles von einer erstarr­ten Parteibürokratie. Oesterreich ist ein Beispiel dafür, daß es nicht gut für eine Demokratie ist, wenn die politischen Scheidungen im Volke auf einer Linie verlausen, auf der sich zugleich alle anderen möglichen Scheidungen, nämlich solche ge­sellschaftlicher, solche weltanschaulicher, solche be­rufsständischer und solche klassenmäßiger Art zu» famntenfinben.

Finanzreform.

Platz greifen. Auf allen Gebieten ist sie notmen big und muß sie durchgeführt werden. Ob dar nun dem einen ober anderen mißfällt, ist bei dem großen Ziele, bas sich eine verantwortungs­bewußte Regierung zu stecken hat, vollkom­men gleichgültig. Wir müssen über die Schwierigkeiten der nächsten Monate hinweg, da gibt es kein Paktieren, fein Verhandeln, da gift nur starker Wille und starkes Wollen. Jetzt hat der Reichstag das Wort.

*

wtb. Berlin, 27. Sept. (Eig. Meld.). Reichs­kanzler Müller traf heute morgen von Büh­lerhöhe kommend in Bexlin ein. Zu feiner Be­grüßung hatten sich auf dem Anhalter Bahnhof bii Reichsminister Severing und Wissell» Staatssekretär Dr. Pünder mit den Herren der Reichskanzlei und Ministerialdirektor Dr. Brecht eingefunden.

Die Volksparkei berät.

DDZ. Berlin, 27. September. (Eig. Meld.) Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volksparter trat heute zu einer Sitzung zu­sammen, an der auch Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Reichswirtschaftsminister Dr. Curttus teilnahmen. Der Reichsaußenminister leitete die Verhandlungen ein durch ein längeres Referat über die politische Lage. Er ging dabei auch auf die Finanzfragen ein.

*

Die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volks- partei war in München unter dem Vorsitz des Abg. Leicht zusammengetreten. Vor allem wurde die Frage der Reform des Arbeitslosenversiche­rungsgesetzes erörtert. Endgültige Beschlüsse wur­den nicht gefaßt. Die Reichstagsfraktion der Bäue­rischen Volkspartei wird, wie verlautet, ihre end­gültige Stellungnahme von der schließlichen Ge­staltung des Gesetzes abhängig machen. Nach wie vor stehe sie aber auf dem Standpunkt, daß eine finanzielle Sanierung der Reichsanstalt durchgeführt werden müsse, die die Anstalt auf eigene Füße stellt, und daß gleichzeitig alle Mängel, die zu einem Mißbrauch der Ar­beitslosenversicherung führen, beseitigt werden müs­sen.

mit Hoover besprochen habe, zu beantworten. Es I verlautet jedoch, daß er mit Staatssekretär Stirn- fon die allgemeine Wirtschaftslage in Europa sowie die im Poung-Plcm enthaltene Revision der deutschen Reparations­zahlungen erörtert hat.

Die Einwanderung in Kanada

wtb. Ottawa, 27. Sept. (Eig. Meldg.). Nay der Tagung der Konferenz der an der Einwande­rung interessierten Transportgesellschaften wurde eine Erklärung veröffentlicht, die besagt, die bri­tische Einwanderung werde nächstes Jahr weiter gefördert werden. Die Erklärung empfiehlt, ge­wissen Schichten der britischen Einwanderer einen Teil des Fahrpreises zu ersetzen. Die Einwande­rung aus den Vereinigten Staaten sowie aus Nordeuropa soll im gleichen Verhältnis wie bis­her bleiben. Landarbeiter aus Mitteleuropa und Landwirtsfamilien, die über das zur Bewirtschaf­tung eines eigenen Hofes nötige Kapital verfügen, sollen willkommen sein.

* Lin Wahabikeneinfall in Transjordanien zn- rückgeschlagen. „Daily Mail" berichtet aus Jerusa­lem: Flugzeuge und Panzerwagen aus Ammar haben eine Abteilung Wahabiten vertrieben, bii von Arabien her in Transjordanien eingedrungen waren und mehrere Grenzdörfer überfallen hatten.