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Nr. 225.
Samstag, den 28. September 1929.
Verschiedentlich haben in den letzten Jahren die Nachrichten über kommunistische Unruhen die Aufmerksamkeit auf Niederländisch-Jndien gelenkt. Diese Umsturzbestrebungen werden in Holland mit begreiflicher Sorge verfolgt, da man befurchtet, daß der wirtschaftliche Hochstand des von der Natur so reich gesegneten Kolonialreiches im Fernen Osten stark beeinträchtigt werden könnte. Soweit sich indes erkennen läßt, darf die Wirtschaftslage in Indonesien im großen und ganzen als durchaus befriedigend bezeichnet werden.
Die Grundlage des Wirtschaftslebens Nieder- ländisch-Jndiens beruht auf der Ausfuhr seiner Landesprodukte, unter denen Zucker, Gummi, Tabak, ferner Zinn in erster Reihe stehen. Dank der Intensivierung und Verbesserung der Betriebsmethoden, der Urbarmachung jungfräulichen Bodens namentlich auf Sumatra, der Inangriffnahme neuer Kulturen, wie z. D. Oelpalme und Hanf konnte die Ausfuhr mengenmäßig so gesteigert werden, daß sie trotz eines erheblichen Rückganges der Preise dem Werte nach etwa auf der gleichen Höhe wie 1924 blieb. Durch die oben genannten Maßnahmen war es gelungen, den Ge- stehungspreis je Einheit entsprechend zu senken, und zwar ohne Herabsetzung der Löhne und Pachtpreise. Allerdings hat der Preissturz gerade für einige der wichtigsten Landeserzeugnisse die Gewinne der großen Unternehmungen ungünstig beeinflußt.
Dagegen ist die Kaufkraft der eingeborenen Bevölkerung entschieden gestiegen. Dies liegt einmal in den infolge der höheren Erzeugung erheblich vermehrten Lohnzahlungen begründet — allein für Ost-Sumatra wird hierfür eine jährliche Zunabme von zehn Millionen Mark veranschlagt —, dann aber auch in der zunehmenden Betriebsamkeit der Eingeborenen. Obgleich diese sich in landwin- fchaftlicher Beziehung rein extensiv auswirkt, hat sie stark dazu beigetragen, die ungünstige Folge des Preissturzes für Ausfuhrgüter auszugleichen. Während z. B. der Wert der Ausfuhr von Plan- tagenprodukten im letzten Jahrfünft um 112 Mil- Honen Mark abnahm, stieg jener der Eingeborenenprodukten um 128 Millionen. Die Abschaffung der Kopfsteuer auf Java und Madura am 1. Januar 1927 wirkt sich für die dortige Bevölkerung kn einer zusätzlichen Kaufkraft von jährlich 18 Millionen Mark aus. Der gesteigerten Kaufkraft entspricht eine zunehmende Erhöhung der Einfuhr der verschiedenen Berbrauchsgüter und Produktionsmittel.
Im ganzen kann die wirtschaftliche Zukunft Niederländisch-Indiens nur günstig beurteilt werden, vorausgesetzt allerdings, daß man dem Absatz seiner Erzeugnisse im Auslande keine künstlichen Hinderniste in den Weg legt. Die holländischen Kolonien bilden eins der fruchtbarsten und bestgeleiteten Wirtschaftsgebiete der Erde, das bestrebt ist, die ihm von der Natur verliehenen
Kirche im Menschenleben schaffen will, organisch und harmonisch eingliedert."
Von Zwang kann dabet keine Rede jein. Denn niemals wird ein Mensch irgendwie gezwungen diesen Verzicht zu leisten und sich dadurch in ganz besonderer Weise in den Dienst der dem Alkohol verfallenden Menschheit zu stellen.
Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß Nuntius Pacelli diesen allgemein verbreiteten Einwänden einmal in aller Deutlichkeit entgegentrat durch die in seinem Schreiben eindeutige Feststellung, daß „der Katholik in den geistigen Getränken kein Gift, sondern eine Gottesgabe sieht", und „der mäßige und vorsichtige Genuß geistiger Getränke nicht'Sünde ist", und daß er weiter darauf hm- wies, daß „die katholische Kirche dem Zwangs!) zur allgemeinen Totalabstinenz nicht das Wart reden kann". Ich sage, es ist sehr zu begrüßen daß einmal von berufener Seite diesen vollkommen zu Unrecht gemachten Einwürfen der „Kreuz- bund"-Gegner der Boden entzogen wurde. Nuntius Pacelli hätte der Abstinenzbewegung keinen besseren Dienst erweisen können.
Man sollte annehmen, daß durch diese Feststellungen der Gegner endlich mundtot gemacht sei. Aber so leicht kommt man nicht in Verlegenheit. Zunächst werden diese Feststellungen von Leuten, die aus Berufsgründen Interesse an einem möglichst großen Absatz des Alkohols haben, zur Reklame mißbraucht, und der Teil des Briefes, der ihnen hierfür geeignet erscheint, unter der Ueber- schrift „Die Gottesgabe" veröffentlicht. Wenn der heutigen Reklamesucht schon die Lüge nicht mehr als Sünde anaercchnet wird weil jedermann weiß, daß Reklame" heute übertreibt und übertreiben muß, um überhaupt beachtet zu werden, so muß es doch deutlich ausgesprochen werden, daß in diesem besonderen Fall doch wenig ehrlich und wenig sittlich gehandelt wurde.
Nuntius Pacelli ist eine Persönlichkeit, die nickst nur in katholischen Kreisen, sondern auch bei einem Großteil der Nichtkatholiken das größte Ansehen genießt. Und es zeugt von einer bedauernswerten Unvornehmheit, wenn man im Interesse einer Reklame nur einen Teil seines Briefes veröf- fentlicht, und hierdurch den Sinn des Schreibens derart verbiegt, daß bei Uneingeweihten die hoch-
fetne Pflicht tun und nicht weiter nachgrübeln, das ist das Wahre". Er stand auf. „So etwas hat ~- gefehlt, so lange ich hier bin. Und seitdem du da fühle ich mich wie geborgen. Nun aber noch eine Zigarette". Wir zündeten an. Irgendwo knatterte ':~ Maschinengewehr, tt schien in der Luft zu sein.
Sie wirtschaftliche Zukunft Riederländisch-Wlens.
Die zunehmende Bedeutung der Eingeborenenkulkuren. — Der Malaie auf dem Wege zum Ankernehmer.
Don Henry W i ck s o n - Bombay.
3. Blatt.
Druck der Fuldaer Actiendruckerel, Fulda.
Rudolf.
(Eine Geschichte aus dem Weltkrieg.
Von I. L e w a l d.
„Es waren lauter mittlere Minen", sagte der Posten, „bte hallen unsere Unterstände aus".
Es wurde vier Uhr, ich schrieb meine Meldung in Morsezeichen; fast eine Stunde brauchte ich dazu und drei Feldpostkarten. Dann schlief ich bis 9 Uhr, die Leute hatten mir den Kaffee warm gehalten. Der Kompanieführer ka mund spendete uns mächtiges Lob, weil wir beim Einsetzen des Feuerüberfalles so schnell mit unfern Werfer bei der Hand waren. Dann mußten wir in unserm Gruppenbereiche die Gräben ausbessern, die an zwei Plätzen eingeschossen waren. Dabei wurde es fast Mittag. Wurfgranaten hatten wir auch empfangen, diesmal drei Stiften, also neunzig Stück.
Unser Essenholer machte gerade seine Kochgeschirre zurecht, als es draußen hart nacheinander zweimal dumpf krachte. Wir sahen uns an, es krachte wieder. Hinaus. Da drüben links standen noch die Sprengwcü- ken, schon wuchsen neue aus der Erde. „Das gibt was. heut nacht der Feuerüberfall und jetzt die Schießerei, der Franzose will sicher eine Erkundung machen. Die Posten machten sich fertig, die Andern eilten an den Werfer. Ich beobachtete mit dem einen Posten. Das Feuer lag in der Hauptsache links von uns, einzelne Einschläge kamen in bedenkliche Nähe. „Dort werden sie wahrscheinlich kommen, wir müssen scharf achtgeben", meinte der Posten. Zu sehen war allerdings nichts, die Sprengwolken lagen zu dicht auf der Erde. Unser Werfer ballte wie in der Nacht, die Einschläge konnte ich deutlich sehen. „Die schießen hauptsächlich nach der Gegend, wo das Jagdkommando liegt", sagte der Posten. Ich ’ achte an Rudolf. Dort, wo der Qualm am dichtesten war, lag sein Unterstand. Das Feuer schien stärker zu werden. Ich ließ den Werfer schweigen, vielleicht brauchten wir unsere paar Granaten noch für später. Dann eilte ich wieder zum Posten, lauerte mit ihm in die braune Finsternis. Nichts zu sehen. Träge trieben die Quolm- wolken über die Gräben, unablässig krachten die Einschläge. Da knatterte hell ein Maschinengewehr „Das ist der „Betonturm", der kann am besten beobachten, jetzt sind sie hüben", schrie der Posten, „aufgepaßt!" Nichts zu sehen. Immer noch kläffte das Maschinengewehr durch das breite Krachen der Minen, keine Hand
granate, kein Gewehrschuß. Ich hastete an Den Werfer. Die Franzosen mußten sicher zurück, das Maschinenge- wehrfeuer war ein gutes Zeichen für uns. Da sollten unsere letzten Granaten auf ihren vermutlichen Rückzugs- weg. „Entfernung hundertzwanzig, Richtung der Baumstumpf, los!" Unsere letzten Granaten gingen hinüber, das Maschinengewehrfeuer schwieg, einzelner krachten die Minen; es wurde Heller, der Qualm verzog sich, das Feuer schwieg ganz. Wir standen alle am Grabenaustritt: „Was war nun eigentlich los?" „Vor allem will ich mal Esten holen, Korporal, dann höre ich vielleicht auch, was es gegeben hat." Der Mann ging mit den Kochgeschirren los. In unsere Nähe waren nur drei Einschläge gegangen, einer mitten in den Graben. Da gallts wieder Arbeit. Dort, wo das schwere Feuer gelegen hatte, sah man jetzt auch einzelne Leute. S:e schienen ganz ruhig, scheinbar hatte es nicht getan, sonst wären auch Sanitäter dagewesen. Wir warteten gespannt auf unfern Eslenholer. Wenn der nur nicht so lange an der Feldküche quasselt, denn gewöhnlich wurde dort eine Weile geklatscht, es gab da immer Neuigkeiten.
Endlich tarn er. „Heute hättest du mal ein bißchen schneller machen können, was war denn nur los?" empfing ihn einer. „Immer langsam, ich habe mich geeilt genug", sagte der und stellte die Geschirre ab. „Also hüben sind sie gewesen, erreicht haben sie nichts, bei uns hat es keine Verluste gegeben. Ein Franzmann soll Der- mundet sein, aber die andern haben ihn mitgenommen." Das klang ja gut, wir machten uns ans Essen. Dann wurden wir zum Kompanieführer gerufen, der genaue Meldung haben wollte. Als ich zurückkam, war Rudolf da. „In eurer Ecke Hais heute böse ausgesehen, Rn- dolf!" „Ja. bei uns waren auch die Franzosen." Er erzählte, wie die feindliche Patrouille — es mußten wohl zwölf Mann fein — ausgerechnet an ihren Unterstand geriet. Der war mit einer Panzertür gesichert, sodaß mit Handgranaten nichts zu machen war. Dann wollten sie Handgranaten durch den Schornstein werfen, aber da war auch ein starkes Drahtgitter, das nicht so -asch
.Sich dort!" Rudolfs Arm folgend, sah ich zwei Flieger im Kamps. In blitzschnellen Spiralen tanzten sie umeinander, fast wie zwei Schlangen, die sich um- schlingen wollen. Fortwährend knatterten die Maschinengewehre. Plötzlich — ein heulender Ton und ein Rauchstreifen — es war nur noch einer da. Triurnphie- rend knatterte, fein Maschinengewehr. „Der eine ist weg", sagte Rudolf. Es scheint der Franzmann zu fein". Ein paar Schrapnells bellten in der Luft, nahe bei dem Flieger. „Siehst du, die Franzosen knal- len nach ihm".
Ich sah nach meiner Uhr, vier vorbei. „Dann muffen wir gehen, um fünf gibts Post und Nachtesten". Wir brachen auf, Rudolf wickelte die- Zeltbahn zusammen und nahm sie unter den Arm. Bis zu seinem Unterstand gingen wir zusammen. „Findest du den Heimweg allein?" Ich bejahte. „Dann behüt Gott bis morgen, ich komme nachmittags wieder." Wir gaben uns die Hände, und ich ging langsam zu meinem Unterstand. Der Himmel färbte sich, hie und da begegneten mir schon Essenholer mit Kochgeschirren.
In der Nacht stand ich bei einem Posten und unterhielt mich im Flüstertöne, als drüben ein schwacher Knall ertönte. „Achtung, eine Mine, herunter in den Graben!" rief der Mann. Ein Sausen, lodernder Feuer- schein und berstender Krach, dumpf polternde Erdschol- len. Der zweite Abschuß drüben. „Los, du mußt zum Granatwerfer, bei Feuerüberfällen müssen wir schießen", zischte mir der Posten zu. Ich hastete davon, der zweite Einschlag dröhnte. Zwei Leute standen schon am Werfer. Er war auf die Stellung der französischen Minenwerfer eingerichtet. „Fertig, Schuß." Drüben hörte ich den Krach und sah das Aufblitzen. „Weiter feuern!" Regelmäßig kamen die Minen von drüben, bstsig kläffte unser Werfer dazwischen. Von weit hinten gurgelte eine Granate heran, noch eine Immer noch krachten die Minen, aber sie kamen uns nicht allzunahe. Unsere Wurfgranaten waren verschossen, oO Stück hatten wir gehabt. „Morgen früh müssen wir gleich neue empfangen beim Pionierdepot, sagte einer. Es wurde roieber st-ll. Ich ging nach den Posten, sie standen noch alle. Die Minen waren meist hinter uns gegangen, scheinbar war auch niemand verwundet.
geschützte Persönlichkeit m vollkommen unwahrem Lichte erscheinen muß. ,
Vielleicht auch wäre es gut, wenn man sich m diesen Kreisen einmal gründlich überlegte, ob denn in der Tat ein Bankerott zu befurchten 'ft. wenn Trunksüchtige von ihrer unheilvollen ^eldenichast befreit werden. Sicher ist, daß ein stark berauschter Mensch das Lokal für die übrigen Gaste nicht angenehmer macht. Vielleicht könnte man gar das Gehalt für einen Hausknecht sparen.
Die sozialdemokratische „Rheinische Zeitung aber kann es noch besser. Sie befand sich bteema! in einer einigermaßen verzwickten Situation. Man hatte die Wahl. Man konnte sich darüber freuen, daß sich der Nuntius hinter die Antialkoholbewe- gunq stellte- andrerseits aber war ihr, wenn je Angelegenheit auf Kosten der Wahrheit em wenig verdreht wurde (was großen Geistern nichts aus- macht), hier eine Gelegenheit geboten, dem Nuntius und damit der katbolstchen Kirche eins auszuwischen. Sie hatte alio die Wahl, aber nicht die Dual. Denn wenn es gilt, der Kirche eine Grobheit zu sagen, läßt man dafür gern einstweilen seine übrigen Grundsätze fahren. So bringt es denn das Blatt fertig, dem Nunt.us aus der abgeschmackten Propaganda der Alkoholfabrikanten einen Strick zu drehen, indem sie unter Der lieber- frfirift: „Der Wein erfreut des Menschen Herz . Und der Herr Nuntius erfreut die Alkoholreklame u. a. folgendes schreibt:
Diese .alkoholgegnerische Kundgebung" eines katholi- sehen Kirchenfürsten hat dem Alkoholkapital so gut gefallen, daß es sich um ihre weiteste Verbreitung bemüht. Der Nuntius ist ein vom Alkoholgeschaft hochgelobier Mann. Mit seiner Alkoholphilofophie „Gebern das Seine!" ist auszukommen. Die verdirbt den Prow nicht. Die läßt jedem die Freiheit, die verschiedenen Marken der „Gottesgabe" so lange zu gebrauchen, bis mm fcer „übernatürlichen Gnadentau" sagt daß nun „ber Semen« schäft Halt geboten" werden muh. Das durfte aber in einem gewissen Stadium nur noch schwer mogl'ch ^'"(Es ist männiglich bekannt, daß wir „Religionsfeinde" sind. Darum fällt es uns auch schwerer als .einem, allen, christlichen Kardinal, zu begreifen, daß Absinth, Asbach Uralt, Kornschnaps, Nordhäuser und andere edjulnu, die uns fönst als Elixiere des Teufels denunziert wer-
Schätze in immer stärkerem Maße auszubeuten. Schon wenn man nur die heute bestehenden Pslan- zungen und Unternehmungen ins Auge faßt, wird klar, daß man in naher Zukunft bereits mit einer weiteren erheblichen Zunahme der Produktion rechnen muß. Allein in Ost-Sumatra und Atjeh sind zurzeit 325 000 Hektar mit Gummi, Tabak, Tee und Oelpalmen bepflanzt, wovon erst etwa 212 000 Hektar Erträge liefern, so daß ohne Neuanpflanzungen das produktive Gebiet in Kürze um 53 Prozent zunehmen wird. Auch die Erträge je Hektar sind im Steigen begriffen. So erhöhte sich die Gummierzeuqung von 331 Kilogramm je Hektar im Jahre 1924 auf 426 Kilogramm tm Jahre 1928, die von Palmöl von 1100 Kilogramm (1924) aus 1723 Kilogramm (1928). Dies sind Ziffern für Eingeborenenkulturen, die für die Pflanzungen liegen meist weit höher. Eine deutsche Palmölvlan- tage erzielte 1928 z. B. 2763 Kilogramm je Hek- tar.
Die künftige Steigerung der Gummiproduktion erhellt aus bet Tatsache, daß z. B. für West- Borneo das Verhältnis der bereits angezapften Bäume zu den noch keine Erträge liefernben etwa 1 zu 7, in Palembang sogar 1 zu 8 beträgt. Auch hier handelt es sich nur um Eingeborenenkulturen Welche Bedeutung diese für das ganze Gebiet besitzen, geht daraus hervor, daß sie 1924 an der Eesamtausfuhr landwirtschaftlicher Güter für ganz Niederländisch-Jndien mit 25 Prozent, 1927 dagegen schon mit 31,6 Prozent beteiligt waren. Die planmäßige Erziehungsarbeit der Holländer hat hier gute Früchte getragen. Auch die Malaien auf Java, Sumatra, Borneo und den kleineren Inseln haben heute die Annehmlichkeiten westlicher Kulturen und Zivilisationen kennen gelernt; der Wunsch, sich besser kleiden, Rad und Auto fahren, Lichtspielhäuser besuchen und nach Herzenslust Zi- garetten rauchen zu können, und die sich daraus ergebende Notwendigkeit einer Einkommensteigerung haben zu der großen Betriebsamkeit der Braunen beigetragen. Daß sich mit der Zeit bei den Eingeborenen eine Kapitalbildung und damit eine eigene malaiische Industrie entwickeln wird, ist wohl kaum zu bezweifeln. Schon heute lassen sich die ersten Ansätze einheimischer Betriebe erkennen; die Zahl der eingeborenen Arbeitgeber nimmt zu, wenn es sich bisher auch nur um Unternehmer kleinen oder mittleren Grades handelt. Immerhin werden auch diese mit der Zeit ihr Volk auf eine höhere Stufe wirtschaftlicher Entwicklung führen, mag der Weg dazu auch noch lang und beschwerlich fein. Nur dadurch, daß sich der Eingeborene in die wirtschaftliche und industrielle Struktur der Gesamtbevölkerung Niederländisch- Indiens einfügt, kann er sich einen Anspruch auf die politischen Rechte verschaffen, die ihm bisher gewissermaßen als Geschenk in den Schoß gefallen sind, von denen er aber, wie die kommunistische Bewegung zeigt, heute noch nicht immer den rechten Gebrauch zu machen versteht.
Gemeinheit oder Dummheit?
vor einiger Zeit veröffentlichte die katholisch« Presse ein Schreiben des Nuntius Pacelli, das er gelegentlich der Eröffnung des neuen Kreuzbundheimes in Berlin, an dessen Vorsitzenden, Hochw. Herrn Ezeloth, gerichtet hatte. Wie die antikatholische Presse dieses Schreiben des Nuntius zu ihren Gehässigkeiten mißbraucht, ist geradezu ein Schul- beispiel für die Taktik der Kirchenfeinde.
Zunächst ist festzustellen, daß der Nuntius in diesem Briefe der Tätigkeit des „Kreuzbundes" ganz eindeutig und unzweifelhaft seine Anerkennung zollt. Er bezeichnet ihn als den „Dorstotz- trupp" „im Kampfe gegen die verheerende Seuche des Alkoholmißbrauchs und für ein Maßhalten im Genüsse geistiger Getränke, das diesen Genuß der sittlichen Gesamthaltung, so wie sie die katholische
Unten: Reichsinnenminister Severing (X) bei Besichtigung der Flugsporthalle.
In Magdeburg, der sporteifrigen Stadt an der Elbe, wurde in Anwesenheit von Reichsinnenminister Severing eine Sportausstellung eröffnet, die eine großzügige Übersicht über alle Sportartenbleteh
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„Gerade der Krieg ifts", fuhr Rudolf fort, „über den ich nicht ins Klare kommen kann. Wie der zu Gottes Güte, zu dem Gebot der Nächstenliebe passen foH."^
„Da habe ich dir doch damals ein Heft geschickt."
„3a, ich t>ab es gelesen, aber es hat mir nichts geholfen. Ich meine, es ist und bleibt da ein Widerspruch. Ich soll auch meinen Feind lieben und schieße ihn tot---*
„Ich will dir sagen, wie ich über die Sache denke. Ich tue als Soldat meine Pflicht und Schuldigkeit, über das Weitere mache ich mir keine Sorgen, denn ich kann hier mit dem besten Willen wirklich nicht über Recht und Unrecht urteilen, und ich trage auch keine Verantwortung, denn ich folge bei meinem Tun nur der geistlichen und weltlichen Obrigkeit."
Rudolf schwieg. Nach einer Weile begann er wieder: „Ich glaube, es kommt doch einmal eine Zeit, wo es keinen Krieg mehr gibt. Denn im Grunde genommen ist er ein Wahnsinn".
„Das glaube ich auch, aber vorläufig müßen wir uns an das halten, was ich vorhin sagte. Es kommt bann sicher auch die Zeit, daß an die Stelle des Mordes und der Gewalt die Gerechtigkeit und Vernunft tritt. Den Traum vom ewigen Frieden haben schon Diele geträumt"
Wir schwiegen eine Weile. Rudolf begann wieder: „Da sitzen wir nun, vor uns im Tal den Frieden, hinter uns auf dem Berg den Krieg. So nah hat man bie beiden nie zusammen, vielleicht komme ich deshalb immer auf diese Gedanken. Ich glaube, du hast recht,
Es dürste nun wohl allgemein bekannt sein, d«ß man in manchen Kreisen der Tätigkeit des „Kreuzbandes" skeptisch gegenübersteht. Besonders sind es zwei Einwürfe, die man immer wieder zu hören bekommt. Der erste Einwand bedeutet den Mitgliedern des „Kreuzbundes", daß auch *''*'• Wein eine Gottesgabe fei, die man nicht — ihre Bewegung es täte — verschmähen dürfe, zweite Einwand betont die Willensfreiheit Menschen und wirst der Abstinenzbewegung daß es unsittlich sei, ihren Mitgliedern den Zwang einer Totalabstinenz aufzubürden. Beide Vorwürfe aber sind nichts weiteres als Lufthiebe und zeigen nur das Eine: Daß man das eigentliche Ziel und die Aufgabe des Kreuzbundes nicht kennt. Das Ziel der Bewegung besteht nämlich darin, die dem Laster der Trunksucht unheilvoll verfallenen armen ; Mitmenschen aufzurichten, sie durch das heroisch« i Opfer des freiwilligen Verzichtes auf den Alkohol । mitzureißen und ihnen dadurch Kraft zu geben, I gegen ihre Leidenschaft mit Erfolg anzukämpfen.
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