56. Zahrg
Sonntag, 22. September 1929
Ar. 220
Sachliche Kritik des 3oung-
der Befreiung
Plans tut not. — Frankreichs Kriegsgewinne. —
Nach der
*)ie Frage der Kolonialmandate.
AAkrikl der litauischen Regierung
Ministerpräsident Voldemaras,
der
moros soll dem neuen Kobinett als Außenminister ongehören.
Die Politik der Woche.
Genf im Zeichen der Abrüstung. — Die Stunden
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
ergreifung ehemaliger deutscher Kolonien auch in Frankreich und Italien vorhanden sind, wenn man auch nicht offen davon spricht. Augenblicklich ist der Streit über eie Neuverteilung der Mandate im Gange. Dieses Mal von Italien hervorgerufen, das auch an die Reihe kommen will. Vielleicht ist es möglich, daß Deutschland durch diesen Streit ebenfalls seine alte Forderung durchsetzen kann, daß ihm wenigstens ein Mandat übertragen wird. Das wäre ein kleiner, aber zukunftsreicher Fortschritt.
wtb. Berlin, 21. Sept. (Geig. Meld.) Im August beträgt die Einfuhr im reinen Warenverkehr 1074 und die Ausfuhr einschließlich der Reparationslieferungen 1191 Millionen Reichsmark. Somit ergibt sich ein Ausfuhrüberschuß von 117 gegenüber einem Einfuhrüberschuß von 130 Mill. RM. im Juli. Die Reparationslieferungen belaufen sich aus 67 gegen 69 Mill. RM. im Juli.
Die Einfuhr ist gegenüber Juli um 156 Millionen RM. zurückgegangen, was einesteils darauf beruht, daß die Juli-Einfuhr be-
Am Dienstag, den 24. d. Mts., wird der Strafrechtsausschuß seine Arbeiten fortsetzen. Am Mittwoch, den 2. Oktober, gedenkt der Rechtsaus- fchuß die zweite Lesung des Gesetzes über die Ablösung älterer staatlicher Renten zu beginnen.
ist die Haltung der Zentrumofraktion allein zu prüfen und zu beurteilen.
Nebenher lähmt das innerpolitische Arbeiten ganz sicherlich auch die große wirtschaftliche und finanzielle Not weite st er Volksschichten, vor allem der Landwirtschaft. Aber auch hier kann nur ruhige Ueberlegung helfen und zum Fiele führen, niemals jedoch demagogische Verhetzung. Auch die Opposition müßte sich darüber klar sein, daß ihr Vorgehen, ihre Taktik falsch ist und nur dazu beiträgt, noch mehr Unheil anzu- richten.
Weil Tardieu von dem vermehrten Kolonialbesitz Frankreich.; gesprochen hat, müssen mir noch ein Wort hinzuiügen über die lebhafte Debatte in der politischen Kommission der Völkerbundsver- sammlüng über Begriff und Inhalt und Umfang . des Kolonialen Mandatsbegriffes. Wir wissen, daß England bestrebt ist, die ehemalige deutsche Kolonie Deutsch-Ost-Ainka in sein Imperium einzugliedern. Deutschland hat sofort seinen Widerspruch erhoben, aber der bisherige Verlauf der Verhandlungen zeigt uns mit aller Deutlichkeit, daß ähnliche Bestrebungen nach Besitz-
* Politischer Mord auf dem Balkan. Der Vertreter des Mazedonischen Revolutionär Komitees im Auslande, Georgi Baidaroff, wurde in Varna ermordet. Baidaroff war einer der bekanntesten Anhänger des ermordeten Generals Protogero. Die Mörder sind flüchtig. Die Untersuchung ist eingeleitet. — Der Anschlag hat noch ein zweites Opfer gefordert. Ein junger Mann namens Volkan Mileff, der sich im Augenblick des Ueberfalles m Begleitung Baidaroffs befand, wurde von den Anareifern gleichfalls getötet.
kanntlich durch die Zostabrechnungen im Niederlageverkehr beträchtlich erhöht war, andernreils aber auch im August die Einfuhr von Getreide, Pelzwaren, Leder und Automobilen wesentlich abgenommen hat.
Dre Ausfuhr ist gegenüber dem Juli um 91 Millionen RM. gestiegen. An der überwiegend saisonbedingten Mehrausfuhr find hauptsächlich Düngemittel, Steinkohlen, Textilwaren, Maschinen, Spielwaren, chemische und elektrotechnische Erzeugnisse beteiligt.
Das gefährliche einer falschen Oppositionstaktik erblicken wir im Hugenberg'schen Volksbegehren, von dem sich immer weitere Kreise mit Entrüstung abwenden, selbst deutschnationale, insbesondere deren Jugend, zusammengeschlossen im „Jungnationalen Ring", der eine Broschüre mit einem Warnruf ins Land gegeben hat und in dem das Volksbegehren als „glatter Unsinn" bezeichnet wird. Man spricht von der phrasenhaften ideanlosen und sinnlosen „Nationalen Politik" Hugenbergs. deren Opfer schließlich die Deutsch- nationale Partei sein werde, weshalb nicht Stresemann, sondern Hugenberg zu stürzen sei. Einer solchen scharfen, aber gerechten Politik haben wir von uns aus nichts mehr hinzuzufügen.
In der deutschen Innenpolitik wird in Zukunft bei den Gesetzesberatungen wie bei allen parlamentarischen Verhandlungen auszugehen sein von der Außenpolitik, vorn Doung- Plan. In Koblenz hat die Zentrumsfrak- tion des Reichstages in bedeutsamen Entschließungen schon auf die kommenden schweren Monate hingewiesen und gefordert, daß jetzt alle Parteien sich zu dem Entschluß durchzuringen hätten, das parteipolitische Interesse hinter das vaterländische zu stellen, das heißt eine feste vaterländische Gesamtpolitik zu betreiben. Es war vor allem der Parteichef, Prälat Dr Saas, der mit Recht von den bevorstehenden schweren Entscheidungen des Winters sprach, welche schwere seelifche Forderungen an die einzelnen Parteien, insbesondere aber an die politischen Frauen und Männer im Zentrum stellen. Wir bekommen schon einen Begriff davon, wenn wir die augenblicklichen kri- krifenhaften Zustände im Beich denken, hervorge- rufen besonders durch die Verhandlungen über die Reform der Arbeitslosenversicherung, die zu keinem Ende kommen wollen, weil eben in den Debatten viel zu viel an die Stimmung in den Wählerkreisen gedacht wird, anstatt an das, was dem Volksganzen, was dem Reiche frommt. Eine Reform ist aber notwendig, und sie hat nur Zweck, wenn sie so gestaltet wird, daß sie allen Erschütterungen in der Zukunft Stand zu halten vermag. Von diesen Gesichtsvunkt-n mt«
Der deutsche Außenhandel im August.
Ausfuhrüberschuß von 117 Millionen R.M. — ^Rückgang der Gin- fuhr um 156 MM. RM. — Steigerung der Ausfuhr um 91 Mill. RM
Gegen das Kaßastrophengesetz*
Auch der Jungdeutsche Orden lehnt das üolks- begehren ab.
Das „Hochkapitel" des Jungdeutschen Ordens hat, wie der „Jungdeutsche" mitt., eine scharfe Entschließung gegen das Hugenberg- f ch e Volksbegehren einmütig gefaßt. Der erste Absatz dieser Entschließung lautet wörtlich:
„In einmütiger Empörung stellen wir fest, daß eine Anzahl Führer der Rechten mit einer verblüffenden Leichtfertigkeit im Begriff ist, die naii > - n a [ e Opposition in eine noch nie dageweswe Niederlage zu führen. Wir legen Verwahrung dagegen ein, daß im Namen des nationalen Deutschlands ein Volksbegehren veranstaltet tm* - den soll, dessen katastrophaler Ausgang schon heu-e besiegelt ist. Die Herren Hugenberg, Hitler und Seihte sind nachweislich außerstande, mehr als 20 Millionen Stimmen für ihr Volksbegehren zu gewinnen. Sie zerstören die deutsche Einheitsfront gegen dieKriegsschutd- l ü g e, sanktionieren die Tributabmachungen der parlamentarischen Regierungen mit der Stimme der Nation und beleidigen den hochverehrten Reichspräsidenten von Hindenburg."
In der Entschließung wird dann weiter erklärt, daß auch entschlossene Gegner der Kriegsschul-nüge der Abstimmung fernbleiben würden, damit nicht die Gegner des Volksbegehrens nom -stmlande als Kronzeugen für die Schuld Deutschlands am Kriege bezeichnet werden könnten. Weiter protestiert die Entschließung dagegen, daß der Volksbegehren- Entwurf Deutschland auf den Zustand des Dawes- planes zurückführen wolle und schließlich wird die Beschimpfung des Reichspräsidenten, die im Paragraph 4 enthalten sei, zurückgewiesen. Zuletzt fordert die Resolution auf, das „Katastro phen- gesetz" der Herren Hugenberg, Hitler und Set die schon in der Opposition zu Fall zu bringen, um Sie sichere Blamage dieser Herren zu beschränken.
Der „Jungdeutsche" hat diese Entschließung dem Reichspräsidenten mit der Versicherung seine? uneingeschränkten Vertrauens übermittelt.
Koblenzer Zentrums-Tagung. — Das „Volksbegehren ist ein glatter llnfinn.
■ Die Genfer Völkerbundsversammlung hat tiefes Mal ein ganzes Bündel Arbeiten zu erledigen. Im Vordergründe des Interesses steht wieder einmal die Frage der A b rü ft u n g. Infolge der Umstellung in der englischen Politik scheinen jetzt größere Aussichten für eine endliche Lösung dieses wahren Friedensproblems zu bestehen. Zwischen England und Amerika sind die Flottenausgleichsverhandlungen günstig gelagert, so daß mit einem baldigen Abschluß gerechnet werden darf, weil bereits am 28. September Macdonald nach Washington reift, wo ihm schon heute ein großer (Empfang gesichert ist. England und Amerika wollen dann später die Konferenz der 5 Seemächte stattfinden lassen. Diese Konferenz hat abschließend die Abrüstung zur See in Gang zu bringen.
In der 3. Völkerbundskommission hat außerdem England in einer wichtigen Entschließung gefordert, daß die vorbereitende Abrüstungskommis- fion- die früheren Beschlüsse über die Internationale Kontrolle der Abrüstungsmaßregeln dis Frage der ausgebildeten Reserven unter anöerm revidieren soll.' Dabei kommt es vor allem darauf an, daß England festbleibt in der Widerrufung des früheren Zugeständnisses an Frankreich, das darin bestand, daß die alte englische Regierung den Franzosen die Nichtanrechnung der ausgebildeten Reserven zum Austausch gegen das Flottenabkom- men zugestanden hatte. Macdonald scheint dazu entschlossen zu sein, weil er der Zustimmung Amerikas sicher ist. Es ist nun klar, daß Frankreich wieder einen Proteststurm losläßt gegen das englische Vorhaben und daß es versuchen wird, sich einen Kreis von Mächten zur Ablehnung dieser Borfchläge zu sichern.
Wir Deutsche haben allen Anlaß, gerade diesen Verhandlungen und Diskussionen unsere größte Aufmerksamkeit zu schenken und dürfen von unserer Delegation erwarten, daß sie diese Situation ausnützt, um endlich das fchreiende Mißverhältnis der militärischen Kräfte zu beseitigen, weil sonst niemals ein sicherer Weltfrieden garantiert ist.
*
Das Rheinland wird frei! Jubel und Begeisterung herrscht in den besetzten Gebieten, wenngleich an große Siegesfeiern noch nicht gedacht werden kann, ehe nicht der letzte Besatzungssoldat abgezogen ist. Großes ist erreicht, Dank der zielbewußt feit zehn Jahren betriebenen Außenpolitik, die in dem Begriff „Erfüllungspolitik" liegt. Man kann sich kaum einen Begriff machen von den großen politischen und finanziellen Vorteilen, welche das baldige Aufhören der Besatzung mit sieb bringt. Man muß sich an die Anfangsjahre der Besatzung zurückerinnern, an die grauenvollen Zustände, die damals im besetzten Gebiet geherrscht haben, die man heute allerdings im übrigen Deutschland vergessen hat. Die rheinische Bevölkerung, die Bevölkerung der Pfalz, des Brückenkopfes Kehl, weiß es den Männern zu danken, die durch ihre zielbewußt geführte Politik ihr jetzt die Freiheit, die Erlösung aus der Knechtschaft, den Schikanen und Drangsalen schenken konnte. Sie erwartet aber auch Verständnis in der kommenden Zeit für ihre neuen großen Nöte, hervorgerufen durch die notwendige Umstellung und Wiederingangsetzung der Wirtschaft.
Wir wollen den Brüdern und Schwestern am deutschen Rhein gerne versprechen, daß wir m:t ihnen fühlen, zu ihnen stehen, sie unterstützen. Wir wollen ihnen noch mehr versprechen, es gift jetzt auch die Kritik an dem gesamten Poung-Plan auf das sachliche Maß zurückzuführen, stets sich bewußt zu sein, daß es nunmehr unsere Zukunftsaufgabe fein wird, mit vereinten Kräften in geschloffener Front durchzuhalten. Bittere Gefühle, über das. was nicht erreicht worden ist, bleiben stets in solchen Lagen zurück. Sie werden noch bitterer, wenn wir lefen, wie der französische Minister Tardieu in einer öffentlichen Rede von Frankreichs Kriegsgewinn, von dessen Macht und Größe sprach. Er schildert den Zuwachs an Land und Bevölkerung durch die vom Deutschen Mutterlande losgerissenen Gebiete, durch die ehemaligen deutschen Kolonien. Besonders der wirtschaftliche Aufschwung ist überraschend, was schon daraus hervorgeht, daß Frankreich die Handelsflotte nahezu verdoppeln mußte. Frankreich nimmt bezüglich des Eoldbesitzes heute den zweiten Platz in der Welt ein. Alles Folgen bzw. Errungenschaften des schmachvollen Versailler Zwangsbiktates. Tardieu hat die Wahrheit gesprochen. der Friedensredner Briand dagegen mar noch im Haag ein Schwarzfärber. Das muß man sich merken. '
zu, wenngleich er die Einigung kaum sehr erleichtert. Der Nachdruck liegt wohl in dem »atz, worin die Fraktion, wenn auch in indirekter Form, die allgemeine politische Bedeutung anerkennt, die einer weiteren Zuspitzung des Konfliktes um die Arbeitslosenversicherung zukäme. Geht die Fraktion schon so weit, so darf man auch erwarten, daß sie an die Konsequenzen denkt, und die nunmehr dem Reichstag vorliegende Kompromißvorlage wenigstens als den Rahmen Tür weitere Verhandlungen akzeptiert. Versteht sie sich dazu, bann müßte bei geeigneter Einwirkung durch das Kabinett auf alle Partner der Koalition in der nächsten Woche die Einigung gelingen, so daß das Plenum des Reichstages in schneller Arbeit die Reformvorlage erledigen könnte.
Eine Entschließung des Großhandels.
Die Vereinigung der Arbeitgeberverbände des Deutschen Großhandels hat sich in einer Entschließung an die Reichsregierung gewandt, in der erklärt wird, daß es dem Groß- und Ueberseehandel unmöglich erscheine, die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen der Arbeitslosenversicherung mit einer weiteren Belastung der Wirtschaft durchzuführen .
Einberufung des Reichstags.
Der Aeltestenrat des Reichstages hat in seiner Sitzung am Freitag dem Ersuchen der Reichsregierung entsprechend beschlossen, das Plenum des Reichstages zum 30. September ein« juberufen. Auf der Tagesordnung der um 3 Uhr beginnenden Sitzung stehen die beiden Vorlagen zur Arbeitslosenversicherung.
Fraklionssitzungen.
V.D. Z. Berlin, 21. Sept. (Eig. Meld.) Die b emokratische Reichstagsfraktion hat ihre nächste Sitzung für Mittwochvormittag anberaumt, die Zentrumsfraktion für Sonntag, den 29. d. Mts. vormittags, die Deuts chnatio- nalen treten erst am Montagvormittag, also kurz vor der Plenarsitzung des Reichstags zusammen.
Diktator Litauens, hat die Demission seines Kabinetts eingereicht. Sein Nachfolger dürfte der bisherige Finanzmtnister Tubelis, der Schwager des Staatspräsidenten Smetona werden. Wolde-
Am den Zollfrieden.
Eine deulfche Anregung in Genf.
Der zuständige Ausschuß des Genfer Völkerbundes hat am Freitgg nachmittag die vom Berichterstatter Dr. B r e i 11 ch e i d eingebrachle Entschließung über die einzelnen Etappen zur O r g a- nisierung des W i r t s ch a f t s fr i e d ens endgültig genehmigt. Die Einberufung der Pra- liminarkonferenz der Vertreter jener Regierungen, die breit find, ei n e n zwei- bis breiig h- r i g e n Zollfrieden abzujchließen, hangt nunmehr ganz vom Völkerbundsrat ab, der in seiner nächsten am 20. Januar 1930 beginnenden Tagung herüber zu befinden haben wird, ob die Einberufung dieser Konferenz als aussichtsreich angesehen werden kann. Die Antworten der Regierungen sollen bis Jahresende dem Völkerbundsfekre- tariat unterbreitet werden. Nach dem Abschluß des Zollwaffenstillstandes sollen sofort die Verhandlungen über den Abschluß von Kollektiovertragen zur Erleichterung des internationalen Wirttchafts- lebens im Wege des allgemeinen Zollabbaues und der Beseitigung sonstiger Handelshindernisse beginnen. Diese Verhanlungen würden sich über zwei bi? drei Jahre erstrecken, worauf eine Schlußkonferenz zur Bestätigung der Verhandlungsergebnisse über Kollektivverträge einberufen würde, zu der alle Staaten eingeladen werden sollen.
Gegenüber neuen Abänderungsanträgen be=- tonte Dr. Breitjcheid, daß um jedes Wort der Entschließung hart gekämpft wurde. Es fei deshalb im höchsten Grade wünschenswert, auf weitere Aenderungen zu verzichten. Der Borsitzende M o t- t a - Schweiz dankte unter dem Beifall des Ausschusses Dr. Vreitscheid für seine Bemühungen als Berichterstatter.
Am die Arbeitslosenversicherung
Eine Entschließung der Sozialdemokratie.
Die sozialdemokrati.sche Reichstags- fraktron hat in ihrer Sitzung vom Freitag zur Frage der Arbeitslosenverficherungs- reform einstimmig folgende Entschließung gefaßt:
„Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sieht in den sachlichen Erhebungen und Feststellungen des Sachverständigen-Ausschusses zur Arbeitslosenversicherung eine Bestätigung ihrer wiederholt bekundeten Auffassung, wonach die Beseitigung der nachweisbar bestehenden Mißbräuche und eine befristete Beitragserhöhung in Verbindung mit einer sozialen Neuregelung der Saisonarbeiter-Unterstützung die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung ermöglichen, ohne daß eine allgemeine sozialpolitisch unerträgliche Verschlechterung der Ver- sicherungsleistungen vorgenommen wird. .Sie stimmt deshalb dem Beschluß des Sozial- poli tisch en Ausschusses des Reichstage s f o w e :t z u, als sie diesen Rahmen einer Aen- berung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes nicht überschreitet.
Die Fraktton begrüßt aber gleichzeitig den beharrlichen und geschlossenen Widerstand, den Parte: und Gewerkschaften in wochenlangem, zähen Ringen gegen alle weitergehenden Gesetzesänderungen und Abbaupläne geleistet haben. Ohne die allgemein-politische Bedeutung irgendwie zu verkennen, die sich aus einer weiteren politischen Zuspitzung im Kampfe um die Arbeitslosenversicherung ergeben kann, verlangt die Fraktion, daß auch weiterhin der bei den bisherigen Verhandlungen von den sozialdemokratischen Unterhändlern gezogene Rahmen beibehallen wird, da die Sozialdemokratie nur innerhalb dieser Grenze eine Mitverantwortung für die Reform der Arbeitslosenversicherung zu tragen bereit ist.
Obwohl die Sozialdemokratie die Notwendigkeit anerkennt, die Arbeitslosenversicherung aus eigenen Mitteln zu sanieren, Hütt sie doch daran fest, daß bei unvorhergesehener Zuspitzung der Lage des Arbeitsmarktes das Reich die Pflicht zur Leistung von Zuschüssen hat. Sie lehnt es entschieden ab, daß die Sanierung der Reichsfinan- zen und der Abbau der Steuerlasten durch einen Abbau der sozialpolitischen Leistungen des Reiches erkauft werden."
Der Beschluß der fozialdemokratischen Fraktion, so schreibt die „Frankfurter Zeitung", schlägt erfreulicherweise die Tür zur Verständigung nicht
Monatt. 1,80 einfchl. Postgev. Mvezw. 48 Pf.) oyne ZusieUg. Arneiqen-Preise Kleinzelle Col.) lokal 0,15 O, auSroarts 0,20 Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 «K, auswärts 0M) .
Bei Wiederlwlunaen Rabatt Postscheck!. 'rankf. a. M. 40o 1
uldaerZertung
Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.