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Samstag, 21. September 1929.
uldaerZertung
Amtliches Kreisblatt.
irr. 219
am
Sir Charles Madden, der Oberbefehlshaber der englischen Marine.
Henry A Wiley, der Kommandant der amerikanischen Flotte.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Slctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
betreffen.
Lord Cecil stellte fest, daß seit 1927 in der A b - rüstungsfrage kein Fortschritt erzielt worden sei, ja man könne sogar von einem Rückschritt sprechen. Ohne die Herabsetzung des Kriegsmaterials der Landstreitkräfte sei kein Fortschritt zu erzielen. Auch hinsichtlich der Beschränkung der Effektivstärken sei kein befriedigender Fortschritt erreicht, hinsichtlich der Materialbeschränkung sei weder die Forderung der listenmäßigen Beschränkung, noch die der budgetmäßigen Beschränkung beibehalten worden. Es sei fraglich, ob die Bestimmung über die Veröffentlichung der Budgets allein genüge, die Beschränkung des Materials zu gewährleisten. Die Ab- rüstungskonoention werde auch unvollftänd. bleiben, wenn sie den Kontrollgedanken nicht berücksichtige.
Nach Lord Cecil, der seine Rede mit einem tiefgefühlten Appell an die Mächte schloß, einem vorzeitigen Ende der Abrüstunasarbeiten vorzubeugen, ergriff Loudon das Wort, um in seiner Eigenschaft als Präsident des Vorbereitungsausschusses dessen bisherige Arbeit zu rechtfertigen. Der französische Delegierte M a s s i a l i erklärte in trockenen und eindeutigen Morten, seine Regierung sehe nicht ein. warum die Beschlüsse der Vorbereitenden Abrüstungskommission noch einmal revidiert werden sollten. Es sei nicht angängig, wenn ein Land die Regierung wechsele, die Arbeiten von vorn zu beginnen.
Dann ergriff im Namen Deutschlands Graf Bernstorff das Wort. Er erinnerte daran. daß er schon im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß erklärt habe, die Deutsche Regierung müsse di? Verantwortuna für die Beschlüsse, die die Vorbereitende Abrüstunaskommission gefaßt habe, ablehnen. Wenn es so weitergehe wie bisher, dann seien diese Beschlüsse nichts anderes als ein Vertrag auf zehn Jahre zur gegenseitigen Unterstützung aeaen die Abrüstung. Wenn i^tzt Lord Robert Cecil eine Revision der Beschlüsse der Vorbereitenden Abrültunaskommission verlange, so sei die deutsch? Delegation bereit, diesem Vorschlag z u z u st i m m e n. Es sei zu hoffen, datz die Verhandlung in der Kommission zu einem einstimmigen Beschluß führten. Werde dieser nicht erzielt, so miss» er allerdings nicht, wie das Problem der Abrüstung weitergebracht werden könne.
Der italienische Delegierte de M a r i n i s und der japanische Vertreter Sato schlossen sich ohne Einschränkung dem französischen Standpunkt an. Die weitere Aussprache wurde auf Freitag vormittag vertagt.
Um die Zusammensetzung des "völkerbunds- fekretariaks.
In der Fortsetzung der Aussprache über die Organisation des Völkerbundssekretariats beanstandete am Donnerstag vormittag der ständige ungarische Vertreter beim Völkerbund hevesy fn schärfster Form die jetzige Zusa mm e n s e tz u n g des Sekretariats, das ein Haus aller Staaten fein sollte, während in Wirklichkeit gar mancher draußen stehen bleiben müsse. Für die Geheimdiplomatie sollte im Völkerbund kein Platz mehr sein. Wer aber die Verhältnisse kenne, könne sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß die Großmächte, die die hohen Posten besetzten, über alles unterrichtet seien, während es für die übrigen fast unmöglich sei zu erfahren, was im Sekretariat vor sich gehe. Angesichts dieser Mißstände sollte alles vermieden werden, damit die kleinen Staaten, die Vertrauen in den Völkerbund setzten und eine ständige Delegation in Genf unterhielten, nicht schließlich dazu kämen, über den Völkerbundsapparat nur noch verächtlich zu denken. Das eigentliche Zentralproblem des Völkerbundes bestehe in der Gestaltung des Generalsekretariats, in dem heute die fünf Großmächte tonangebend feien. Die einzige Möglichkeit, den Aufgaben im Geiste des Völkerbundes gerecht zu werden, sieht hevesy in der Schaffung eines Kollegiums in Form des schweizerischen Bundesrates, unter dessen sieben bis acht Mitgliedern auch die kleineren Staaten ihre Vertreter hätten, dessen Vorsiitz in einem bestimmten
Am die Erhaltung des Veltsriedens.
Lord Cecils Abrüstungsvorstotz in Genf. — Widerstand Frank
Deutschlands Standpunkt.
Turnus jährlich wechsele, hevesy gab zum Schluß die Versicherung ab, daß er mit seiner Erklärung gegen keine bestimmte Persönlichkeit, namentlich nicht gegen den Generalsekretär des Völkerbundes, Stellung nehmen wolle.
Der österreichische Gesandte in Bern Hoffinger z beantragte die wörtliche Aufnahme der Erklärungen des ungarischen Delegierten in das Sitzungsprotokoll.
Aus Oesterreich.
Vizekanzler Schumy über die Heimwehrbewegung
Die im Ausland verbreiteten Gerüchte übet eine bevorstehende Aktion der Heimwehr sowie der Artikel „Letzte Warnung" in einem Grazer Heimwehrorgan wurden am Donnerstag im Rechnungshofausschuß vom sozialdemokratischen Abgeordneten Deutsch zur Sprache gebracht. Deutsch stellt an die Regierung die Frage, was sie gegenüber den Bürgerkriegsdrohungen zu tun gedenke, und ob sie gewillt sei, zum Parlament zu stehen. Vizekanzler Schumy antwortete in Vertretung des verhinderten Bundeskanzlers, betonte aber dabei ausdrücklich daß er nur feine Meinung als Reffortchef des Innern abgeben könne, da zu einer formellen Regierungserklärung eine vorherige Be-
kriegervereine gegen Volksbegehren.
Der Vorstand d e s K y f f h ä u! e r- B u n • des der deutschen Kriegervereine hat eine Entschließung gefaßt, die sich mit den Fragen des Volksbegehrens und des Poungplanes beschäftigt. Die Entschließung geht besonders auf die K r i e gs- schuldlüge ein. Es wird darauf hmgewiejen, daß der Kyffhäufer-Bund stets gegen die Kriegs- schuldlllqe als historische Unwahrheit genau so ein« getreten' sei wie Reichspräsident, Reichsregierung Reichsminister. Bezüglich des Poungplanes wird darauf hingewiefen, daß es sich hier um eim Frage des politischen Tageskampfes handele, Zider die Organisation als solche nicht Stellung nehmen könne. Aus dieser Sachlage ergebe sich die einzig mögliche Haltung gegenüber dem Volksbe- gehren:
Als Organisation könne sich der Kyffhäuser- Bund diesem Volksbegehren nicht a n s ch l i e- ß e n und untersage dementsprechend den einzelnen Ortsvereinigungen den Beitritt in den Ortsausschüssen für das Volksbegehren unbeschadet der Entschließungsfreiheit der einzelnen Mitglieder.
Die Entschließung ist von dem Präsidenten des Kyffhäuser-Bundes, General a. D. von Horn, unterzeichnet. ———————
* Der Präsident des Oberlandesgerichts Karls' ruhe gestorben. Der Präsident des Oberlandes« gerichts Karlsruhe, des höchsten badischen Gerichtes, Dr. Ernst Bcrnauer, ist tun vor Vollendung seines 62. Lebensjahres nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Er gehörte als Mitglied der Zentrumsfraktion von 1913 bis 1921 dem Badischen Landtag an.
* Wiesbaden Tagungsort des Organisationsausschusses für die Internationale Iahlungsbank? Nachdem Brüssel als Tagungsort des Organisationsausschusses der Internationalen Zahlungsbank nicht mehr in Frage kommt, dürfte, wie der „Petit Parifien" berichtet, der Vorschlag Dr. Schachts, Wiesbaden als Tagungsort des Organisationsausschusses der Internationalen Zahlungsbank zu wählen, bei den übrigen interessierten Mächten Zustimmung finden. Die Eröffnungssitzung dürfte wahrscheinlich am 3. Oktober stattfinden und die eigentlichen Verhandlungen am 7. Oktober in Angriff genommen werden.
bund ist jetzt wieder Lord Robert Cecil, der 1927 nach der gescheiterten Seeabrüstungskonserenz fein Völkerbundsmandat niedergelegt hatte und aus dem konservativen Kabinett ausgetreten war. Die Ernsthaftigkeit des Auftretens Lord Robert Cecils kann schlecht bezweifelt werden. Allerdings wäre die englische Kabinettspolitik auch schlecht beraten, wenn sie schon heute, also einige Monate vor der für den Januar vorgesehenen allgemeinen See- abrüstungskonferenz in London erkennen ließe, daß sie hinsichtlich der Landabrüstung bereit sein würde, die Konzessionen des alten konservativen Kabinetrs ebenfalls zu leisten. Auch wenn Mac Donald zu einem Kuhhandel bereit wäre, müßte er die englischen Landabrüstungsforderungen jetzt so Hochtreiben wie nur möglich. Aber wie gesagt, wir glau-
H a a g vorgenommen. Es handelt sich um Frankreich, Peru und die Tschechoslowakei, die mit dem Vorbehalt der Gegenseitigkeit und Ratifikation unterzeichnet haben und um England, Indien, Reu-Seeland und Südafrika, die, abgesehen von dem Vorbehalt der Gegenseitigkeit, alle Streitfälle zwischen England und den Dominions bezw. zwischen den Dominions ausgeschlossen wissen wollen. Einschließlich der mit Sicherheit in dieser Tagung noch erwarteten Unterzeichnung durch Kanada sind damit 28 Staaten, also über die Hälfte Lder Signatar st aaten des Haager Statuts, der Fakultativklausel beigetre- ten. 18 dieser Staaten, darunter auch Deutschland, haben bereits ratifiziert. Der Vertreter Australiens, des einzigen englischen Dominions, das der Fakullivklausel noch nicht Beigetreten ist, erklärte, daß er angesichts der bevorstehenden Neuwahlen noch keine Weisungen von seiner Regierung erhalten habe. Irland hat bekanntlich bereits vor "einigen Tagen "die Fakultativklausel unterzeichnet. Der Beitritt Frankreichs gilt für fünf Jahre, der Englands und seiner Dominions für zehn Jahre. Der ftanzösische Vorbehalt beschränkt die Wirksamkeit der Fakuktativklausel u. a. auf die Fälle, „die nicht durch ein Schlichtungsverfahren oder durch
den Völkerbundsrat auf Grund des Artikels 15 § 6 geregelt werden können". Die Tschechojlowa- kei "behält sich vor, etwaige Streitfälle vor der Anrufung des Haager Gerichtshofes dem Volter- bundsrat zu unterbreiten.
Nach der Unterzeichnung durch diese sieben Staaten erklärte der englische Außenminister Hen« derson, daß man mit der Annahme der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit einen bedeutenden Beitrag für den Weltfrieden leiste.Wenn die 10. Völkerbundsversammlung als die Dersanun- lnng der Annahme der Fakultativklausel in dieGe- schichte eingehe, so könne man umsomehr die Hoffnung haben, daß auch bald die Völkerbundsver- sammlung der Abrüstung zustandekomme, denn die A b r ü st u n g sei die d r i n g l i ch st e F r a g e d e r auswärtigen Politik der Gegenwart. So viel Schwierigkeiten dieses Problem auch bieten möge, seine Erfüllung werde den Beweis oer Treue der Völker zum Kelloggpakt liefern. Es fei deshalb von lebenswichtiger Bedeutung, daß ein allgemeiner Abrüstungsplan in absehbarer Zeit einer vom Völkerbund organisierten Weltabrustungs- konferenz unterbreitet werde.
Hurst und Fromageot in den Weltgerichtshof gewählt.
Die Völkerbundsversammlung hat am Donners- tagabend in geheimer Wahl den englischen Kron- juristen Sir Cecil Hurst und den Justitiar des französischen Außenministeriums Fromageot mit 40 bezw. 37 von 52 Stimmen als Ersatzrichter in den Ständigen Internationalen Gerichtshof gewählt. Ebenfalls in geheimer Wahl hat der Vol- kerbundsrat das gleiche Wahlergebnis erzielt, —re beiden Ersatzrichter haben nur ein einjähriges Mandat, da der gesamte Gerichtshof von der nächsten Völkerbundsversammlung statutengemäß auf neun Jahre neuzuwählen ist. Sir Cecil Hurst tritt anstelle des verstorbenen englischen Richters Lord Finlay und Fromageot anstelle des verstorbenen, französischen Richters Andre Weiß.
Befürwortung der Zulassung des Irak zum Völkerbund.
Großbritannien hat der Regierung des Irak mitgeteilt, daß es bereit sei, den Wunsch des Irak auf Zulassung zum Völkerbund im Lahre 1932 zu unterstützen. Es werde dem Völkerbund eine entsprechende Mitteilung machen und ihn davon in "Kenntnis setzen, daß es auf den 1927 mit dem Irak abgeschlossenen Vertrag verzichte.
den nicht daran, daß sich Lord Rodert Cecil zu einem solchen Geschäft mißbrauchen ließe und müssen darum die Forderungen, die er am 19. Sept, in dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß des Genfer Völkerbundes begründet hat, als durchaus ernst gemeint betrachten.
Den Franzosen, aber auch den Italienern, weniger den Japanern ist die energische Initiative, die das Kabinett Mac Donald in der Abrüstungsfrage beweist, noch äußerst lästig. Man sieht sie ängstlich bemüht, möglichst viele Schwierigkeiten m den Weg zu legen, damit endgültige Entscheidungen vermieden werden können. Noch hat Frankreich an einer ehrlichen Durchführung des Versailler Ver- tragesartikels, der auch den Siegermächten die Abrüstung auferlegt, kein Interesse.
Am Donnerstag nachmittag hielt der Vöiker- bundsrat eine Sitzung ab. Die sämtlichen Ratsmitglieder v"ben nach Verlesung des Berichts über die Bitte Chinas, in Fragen der Hygiene mit dem Völkerbund zusammenzuarbeiten, der 5rev.be Ausdruck, daß diese Zusammenarbeit zustande gekom- men sei. Staatssekretär v. Schubert betonte die besondere Freude der deutschen Delegation über die enge technische Zusammenarbeit in dieser Frage zwischen China und dem Völkerbund. Bei Behandlung des ungarisch-rumänischen Optanten- ftreits schlug Henderson vor zu versuchen, den Streit durch direkte Verhandlungen zwischen den Parteien unter seiner Leitung und unter Mitwirkung der Finanzabteilung des Völkerbundsekretariats aus der Welt zu schaffen. Graf Apponyi erklärte im Namen Ungarns, daß er eine juristische Entscheidung vorgezogen hätte, aber bereit sei, den Vorschlag Hendersons anzunehmen. Titulescu nahm ebenfalls den englischen Vorschlag an. Der deutsche Vertreter im Rat Staatssekretär v. S ch u- b e r t berichtete dann über den Tagungsort der Konferenz über die Regelung des Ausländerrechts und verlas einen Brief der südamerikanischen Staaten, in dem der Wunsch vorgebracht wird, daß die Konferenz zum 5. November nach P a- r i 5 einberufen werden soll. Staatssekretär von Schubert gab in seiner Eigenschaft als Ratsmitglied — nicht als Berichterstatter — der Ansicht Ausdruck, daß eine so wichtige Konferenz wie die bevorstehende in Genf stattfinden müsse, wo der große Apparat des Sekretariats zur Verfügung stehe. In einer langen Sebatte traten die Südamerikaner mit ungewöhnlicher Schärfe für den Tagungsort Paris ein. Die Sitzung wurde unterbrochen, um die Ersatzwahlen in den Ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag vorzunehmen. Nach Vornahme dieser Ersatzwahlen wurde die Debatte über den Tagungsort der internationalen Konferenz für Fremdenrecht fortgesetzt. Staatssekretär o. Schubert erklärte schließlich, daß er im Interesse der Gesundheit der südamerikanischen Delegierten, die erklärt hatten, daß ihnen das Klima im Dezember in Genf unzuträglich sei, bereit sei, sich einerti Mehrheitsbeschluß des Rates zu fügen. Der Rat beschloß darauf, die Konferenz nach Paris zu verlegen, falls die Budgetkommission des Völkerbundes die notwendigen Mehrausgaben bewilligt. Die Bewilligung der Geldmittel ist äußerst ungewiß, so daß die Frage vorläufig unentschieden bleibt.
Die Fakullattvklausel.
27 Staaten haben bereits unterzeichnet.
Kommt die Abrüstung?
Die Engländer und Amerikaner haben sich hin- gckitlich ihrer Seerüstung weitgehend geeinigt. Aus E? Washingtoner Abrüstungskonferenz im Jahre hatten die dort vertretenen Mächte eine Ver- ,-nbarung getroffen, wonach sich die Gesamtheit r' Kriegsschiffe Englands und Amerikas für alle Kck>iNsgattungen über 10 000 Tonnen gleich fein ?wte. Das Verhältnis der Gesamtheit der Kriegs- Lüie über 10000 Tonnen der Franzosen, Jtaue- 2-r unb Japaner sollte sich zu jener der Engländer Kcr Amerikaner verhalten wie 3:5. Die Vereinbarungen, die inzwischen über jene Bestimmungen Kg Washingtoner Abkommens hinaus zwischen England und Amerika getroffen worden, beziehen ach auf fämtliche Kriegsfchiffeinheiten unter 10 000 Donnen. Man hatte schon im Jahre 1922 auf der Washingtoner Konferenz beschlossen, nach neun Jahren, also im Jahre 1931, erneut zusammenzukommen, um das damals getätigte Abkommen zu ergänzen. Die Vereinbarungen, die zwischen England und Amerika getroffen worden sind, bilden für eine solche Ergänzung einen guten Auftakt. Ehe aber auf der gefundenen Verständigungsbasis, die 'für England und Amerika eine gleichmäßige Stärke auch ihrer Kreuzerflotte vorsieht, die Franzosen, Jt liener und Japaner veranlaßt werden können, sich ebenso zu bescheiden, wie sie es in Washington hinsichtlich ihrer Großkampsschiffe getan haben, wird wohl noch mancher Kampf der Geister ausgefochten werden müssen. Das Interesse Frankreichs, Japans und Italiens an Großkampfschiffen ist seit dem Weltkriege sehr gesunken. Umso mehr hat man sich auf die Unterseebootwaffe und die Schiffseinheiten bis zu den Kreuzertypen verlegt, sodaß man bei einer Beschränkung dieser Schiffe sich sozusagen im Zentrum seines Verteidigungssystems getroffen fühlen würde.
Der jetzigen englisch-amerikanischen Verständigung war im vorigen Jahre der Versuch einer englisch-französischen Verständigung vorausgegan- gen. Er hatte in den viel erörterten englisch-franzö
sischen Marine-Abkommen fernen Ausdruck gefunden. Dieses Abkommen beruhte auf der Grundlage, daß Frankreich seine These, die für die See- abrüftung gelten sollte und den Engländern sehr unbequem war, aufgab, während andererseits die Engländer den Franzosen Unterstützung leisten sollten, wenn die Abrüstung zu Lande in Genf erörtert wurde. Die Engländer sagten also den Franzosen zu, daß sie nicht weiter darauf bestehen würden, daß bei der Festsetzung der Landrüstung auch das Kriegsmaterial und die militärischen Resewen mitberechnet werden müßten. Die Franzosen ihrerseits gaben ihre Forderung auf, daß sich die Abrüstung zur See nur auf die Gesamttonnage der Kriegsschiffe beziehen dürfte, in deren Rahmen alsdann jeder Vertragsstaat die Schiffe bauen konnte, die er für zweckmäßig hielt. Die Franzosen wollten also möglichst viel Unterseeboote bauen können. Das Marineabkommen bedeutete im Grunde genommen also eine neue Besiegelung der Entente und eine Uebereinkunft, jede effektive Abrüstung zu verhindern. Denn es war klar, daß auf 'dieser Basis weder Deutschland noch irgend ein anderes Land, das eine effektive Abrüstung herbeisehnte, zufriedengestellt werden konnte. Auch sahen die Amerikaner in dem Abkommen eine Bedrohung, ebenso wenig konnten sich die Italiener mit dieser Stabilisierung der englisch-französischen Hegemonie über Europa und die Weltmeere abfinden.
An dem Protest Amerikas ist schließlich jedes englisch-französische Marineabkommen gescheitert. Es hat auch in England selbst sehr viel böses Blut gemacht, und den Sturz der konservativen Regierung mitbetoirEt. Was die neue Vereinbarung zwischen England und Amerika von jenem unterscheidet ist einmal der Umstand, daß sie in voller Oeffentlichkeit getätigt wurde und eine effektive Abrüstung bedeutet, dann aber auch der Umstand, daß sie die Einleitung und die Möglichkeit zu einer allgemeineren Abrüstung bietet. In dem englisch- Lcunerikanischen Abkommen ist nichts gesagt, das irgendwie die Abrüstung zu Lande aufhalten konnte. In dem englisch-französischen Marineabkommen geschah das Gegenteil. Immerhin konnte man den Verdacht hegen, daß England sich vielleicht dazu verstehen würde, Frankreich uA> Statten Konzessionen in der Landabrüstungsfrage zu machen, um ihre Abrüstung zur See leichter durchsetzen zu können. Es scheint aber so. als ob solche Vermutungen noch nicht begründet seien. Denn der Vertreter des englischen Abrüstungsgedankens beim Völker
reidjs und Italiens. —
Im Abrüstungsausschuß der Genfer Völkerbundsversammlung begründete am Donnerstag vormittag Lord Robert Cecil den englischen Entschließungsantrag, durch den der Vorbereitungsausschuß für die Abrüstungskonferenz aufgefordert werden soll, bei der Vervollständigung des vorliegenden Entwurfes für die Abrüstungskonvention vier Grundsätze zu berücksichtigen, die die strittigen Hauptpunkte des Abrüstungsprvblems
Die Vertreter von sieben Staaten haben Donnerstagnachmittag feierlich am Ratstisch in Genf die Unterzeichnung der Fakuk- tatrvkkaufel über die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit des Ständigen Internationalen Gerichthofes im
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