Berlin.
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56. Zahrg
Freitag, 20. September 1929
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(Berlin) über „Der Youni Landwirtschaft" berichtete
nossenschaften die
Die Verantwortung des Reichspräsidenten.
Die Tschechoslowakei gründet eine Handelsflotte
POLEN
Stützpunkt: Hamburg.
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ien Wirt- lang aller
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und*„Buchenblcitter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
betreiben will. Die tschechischen Exportgüter, die auf größtenteils tschechischen Binnenschiffen die Elbe herunterkommen, werden nun in der Hamburger Freizone direkt auf die neuen tschechischen Ozeandampfer verladen. Schon bisher erfolgte ein Sechstel des gesamten Güterumschlags in Hamburger Hafen auf tschechische Rechnung.
Die Tschechoslowakei will sich eine eigene Marine zulegen, obwohl sie als reines Binnenland nirgends an das Meer grenzt. Tschechoslowakische Wirtschaftskreise haben zusammen mit dem Nord- deutschen Lloyd eine Aktiengesellschaft „Mitteleuropäischer Lloyd" gegründet, die von Hamburg aus drei Schisfahrtslinien nach Nord- und Südamerika und nach dem Osten unter tschechischer Flagge
der gesamten deut schaftspolitik aus die Entw landwirtschaftlichen Produktionszen. tren und richtet an Reichsregierung und Reichs- tag die dringende Bitte, sich endlich unter Zuruckstellung aller parteipolitischen Erwägungen zu et. ner Wirtschaftspolitik zu entschließen, die dem deutschen Volke wirtschaftliche und politische Freiheit zurückgewinnen kann.
Landwirtschaft und Rentabilität.
59, Generalversammlung des Deutschen Landwirtschastsrates. Asichsernahrungsminister u« preußischer Landwirtschastsminister Ger das Agrarproblem. — Wie wird die deutsche Landwirtschaft wieder rentabel?
gemacht werden.
Im Anschluß an einen Vortrag des Geschäftsinhabers der Diskontogesellschaft, Dr. Solmfsen (Berlin) über „Der Young-Plan und die deutsche Landwirtschaft" berichtete dann Präsident Dr.
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Preis erhalten und damit werden die Bestrebungen zur Qualitätserzeugung, sowie die Standard isierungsmaßnahmen gesör- dert. Die für die Bewegung der Getreideernte im Reichsetat eingestellten 3 750 000 RM. müssen nach meinem Dafürhalten der Getreidebewegung im vollen Umfange und ganz besonders im Interesse der östlichen Landwirtschaft sofort dienstbar
Der Präsident des Deutschen Landwirtschafts- Tntt§ Brandes eröffnete am Mittwoch in der §radchalle zu Münster i. W. die 59. Voll- nerjammlung des Deutschen Land- wirtschaftsrates. Er begr”E±' nenen Reichsernährungsminister ferner die Vertreter verschiedener Reichsministerien, sowie den preußischen Landwirtschaftsminister Dr. Steiger, den bayerischen Landwirtschaftsminister Dr. Fehr, den mecklenburgischen Ministerpräsidenten E1 ch e n b u r g, ferner die Vertreter der Reichs-, Staats- und Provinzialbehörden, die Vertreter der Spitzenverbände der deutschen Landwirtschaft und die Vertreter der großen deutschen Yzirtschaftsverbände. Präsident Brandes wies in seiner Begrüßungsrede aus die besondere Bedeutung der Tagung hin, die darin liege, daß zum ersten Male die Vertretung der Präsidialkonferenz der landwirtfchaftlichen Hauptkörperschaften aus dem Bruderlande Oesterreich anwesend sei.
Brandes über
„Die Stellungnahme zum Rentabilitätsprogramm der Landwirtschaft"
und führte u. a. aus: Der deutschen Landwirtschaft muß unter allen Umständen Lebens- und Entwickiungsmöglichkeit wiedergegeben werden, selbst wenn damit vorübergehende Härten für andere Berufe verbunden wären. Eine verloren gegangene Rentabilität in der Landwirtschaft läßt sich wieder herstellen durch Umorganisation des Betriebes, Verringerung der Ausgaben und Vergrößerung der Einnahmen. In Deutschland muß eine Wirtschaftspolitik getrieben werden, die einen Jn- tensitätsgrad der landwirtschaftlichen Betriebe zu- läßt, der dem auf heutigen Landgrößen selbst wirtschaftenden Bauern und dem Arbeiter Beschäftigung und Verdienst gibt. Die Rentabilität würde sich nach den auf Grund der Buchführungsergebnisse angestellten Berechnungen durch eine 25- prozentige Einnahmeerhöhung ausdem Verkauf des Getreides, Viehes, der Milch und der Molkereierzeugnisse herstellen lassen.
Es wurde eine
Entschließung
angenommen, in der der Deutsche Landwirtschaftsrat neben schleunigster Durchführung der von den landwirtschaftlichen Führern geforderten Sosortmaßnahmen vollst ändige Verwirklichung des im Frühjahr aufgestellten Rentabilitätsprogrammes erwartet. Er sieht einen Ausweg aus der Notlage des deutschen Volkes nur in einer zielbewußten Urnstel-
uldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
1/2 Milliarde betragen.
Der bevorstehende Finanzausgleich müsse so gestaltet werden, daß die Länder und Gemeinden diese Realsteuern ermäßigen könnten.
Der Minister versprach in dieser Richtung tätig zu sein. Die Frage der Vereinfachung des land- wirtschaftlichen Steuerwesens werde ebenfalls erwogen. Zum Schluß seiner Rede erklärte der Minister, daß er nie um die Politik, sondern stets um die Sache gekämpft habe. Der Kampf um die Landwirtschaft sei ein Kampf um die deutsche Wirtschaft, denn ohne eine deutsche Landwirtschaft könne eine deutsche Wirtschast überhaupt nicht bestehen. Auch die freie und unabhängige Stellung Deutschlands unter den Nationen hänge von einer günstigen Lage der Landwirtschaft bezw. gesicherten Ernährungsgrundlage des Volkes ab, desgleichen aber auch die Erhaltung eines gesunden Volkstums.
Im Anschluß an die Rede des Reichsernah- rungsmmisters Dr. Dietrich sprach der preußische
Landwirlschaslsmimsler Dr. Steiger.
Er führte u. a. aus: Auch in diesem Jahre ist es weniger die Ernte, die die Lage der Landwirtschaft noch besorgniserregender gestaltete, es sind vielmehr die Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse. So zeigten die Großhandelspreise für landwirtschaftliche Produkte anfangs dieses Jahres einen Stand von etwa 132, erreichten im Mai einen Tiefstand von 124 und haben sich neuerdings mit gewissen Schwankungen wieder auf den Stand zu Beginn des Jahres gehoben. Dieser Preisstand zeigt bei einem Index von etwa 157 für industrielle Fertigwaren die mangelnde Rentabilität der Landwirtschaft.
Diese Notlage der Landwirtschaft hat ihre Ursache neben den gegenüber der Vorkriegszeit stark gewachsenen Lasten, besonders in weltwirtschaftlichen Zusammenhängen.
Zum Schutz der landwirtschaftlichen Erzeugung hat Preußen im Sommer Maßnahmen der Reichsregierung und des Reichstages zugestimmt, die auf einen erhöhten Zollschutz bei Getreide, Mehl, Butter, - Kartoffeln abzielen und die eine Teillösung der Maßnahmen darstellen, die auf dielen Gebieten von der Landwirtschaft gefordert werden. Neben die zollpolitischen Maßnahmen muß die innere Absatzregelung treten, die von der Selbsthilfe der Landwirtschaft und von staatlichen Maßnahmen gemeinsam getragen werden muß. Sollen die erzielbaren Preise für die Landwirtschaft wirklich erreicht werden, so muß neben der strengen Durchführung des Vermahlungszwanges durch eine bessere Beleihbarkeir der Getreideprodukte das Jnlandsangebot besonders alsbald nach der Ernte eingeschränkt werden. Entsprechende Maßnahmen sind in der Beratung begriffen. Hinzu muß eine einwandfreie Preisfest- st e l l u n g an den Börsen treten. Es kann damit gerechnet werden, daß alsbald an der Berliner Produktenbörse mehrere Notierungen für Weizen und Roggen unter Zugrundelegung der verschiedenen Hektolitergewichte eingeführt werden. Die bessere Qualität wird so ihren höheren
in der Hinsicht, daß der Rentenbankkreditanstalt ihre finanzielle Grundlage die in den Jahr für Jahr aus den Rentenbankzinsen zu fließenden 25 Mill. RM. liege, erhalten werde. Darüber hinaus werde mit dem Zusammenschluß der beiden Genossenschaften die Zinsspanne vom ersten Geldgeber zum letzten Geldnehmer verringert werden können. Unter den Steuern seien die drückendsten die Realsteuern, die für die Landwirtschaft etwa
Die Sitzung am Donnerstag.
wtb. Münster, 19. Sept. (Eig. Meld.) Am heutigen 2. Tage der 59. Bollversammlung des deutschen Landwirtschaftsrates sprach Prof. Dr. M ü n z i n g e r - H o h e n h e i m über „Die Aus- Wirkung der Agrarkrise aus der, kleinbäuerlichen Betrieb", wobei er u. a. auf das Schicksal der zweiten Sohne und Bauerntöchter hinwies, die mehr und mehr Fabrik- arbeit suchen müssen, um dadurch die Bargeldern, nahmen des Bauernbetriebes zu vergrößern. Dies habe in den letzten Jahren zur starken Prole- tarisisrung des Bauerntums und zur Landflucht geführt. Die herrschende „Agrar- Krise, besonders das schlechte Verhältnis zwischen den Preisen von Betriebs- Mitteln und Erzeugnissen bringe es da- hin, daß der Bauer nie Geld habe und sich in* folgedes en jeder Ausgabe enthalten muß, auch dann, wenn diese Ausgaben den Betriebserfolg erhöhen würden. Bei Zinssätzen für Leihkapital, dm über 10 Prozent liegen, wage es der Bauer nicht, Kunstdünger, Kraftfutter usw. auf Kredit zu taufen. Den größten Teil seiner Steuern müsse der Bauer aus seinem Arbeitsertrag zahlen, da er bet Zugrundelegung des ortsüblichen Lohnanspruches nur eine ganz ungenügende Kapitalrente durch den Reinertrag hat. Ziel unserer Agrarpolitik müßte sein, wenn man den Jungbrunnen des deutschen Volkes, sein Bauerentum, erhalten wolle, für unsere Landwirte em Einkommen zu schaffen, das dem der anderen Berufs- stände ebenbürtig ist, um. den Bauernstand vor Ueberarbeitung und vor körperlicher und geistiger Verkümmerung zu schützen.
Gleich darauf erteilte er dem
Reichsernühmngsminlsker Dr. Nelrich bas Wort. Dieser übermittelte zunächst die Grüße des Reichspräsidenten und der Reichsregierung, deren besonderes Sorgenkind die Landwirtschaft sei. Der diesjährigen Tagung komme eine besondere Bedeutung zu dadurch, daß diesmal auch hervorragende Vertreter der Landwirtschast Oesterreichs sich eingefunden hätten, wodurch auch äußerlich zum Ausdruck gebracht werde, daß über die politischen Grenzen hinaus die landwirtschaftlichen Fragen in beiden Ländern nach einheitlichen Gesichtspunkten betrachtet und beurteilt werden müssen. Mit der deutschen Landwirtschaft stehe und falle nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern das deutsche Volkstum; mit schwerer Sorge verfolge die Reichsregierung bezw. das Reichsernährungsministerium die
schwierige Lage am Getrridemarkt.
Im Hinblick auf die entstandenen Schwierigkeiten sei beschlossen worden, alsbald über ein planmäßiges Zusammenarbeiten zwischen der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft und der Getreideindustrie und Kommission AG. zu verhandeln. Die Reichsregierung sei durchaus entschlossen, im Rahmen des Gesetzes die Getreidepreise auf jede Art und Weise zu halten. Die Auswirkungen der Zoll- erhöhnngen werde abgewartet werden müssen. Der Minister ging bann auf die gesetzlich im Sommer d. Js. beschlossenen Maßnahmen ein und bemerkt-, daß er fest entschlossen sei, den Vermahlungs- zwang energisch durchzuführen, daß er darüber hinaus gewillt sei, die Quote festzuvermählenden deutschen Weizens zu erhöhen bezw. den Vermahlungszwang in einen Beimahlungszwang umzuwandeln. Die Lage am Getreide markt betrachte er im übrigen als nicht hofnnungs- los. Viel größere Sorge bereite die
Preisgestaltung des Großviehs.
Dr. Dietrich ging in seiner Rede weiter auf zwei wichtige Fragen der Landwirtschaft ein, nämlich die der Zinsen und der Steuern. Was die Zinsen angehe, so werde die unangenehme Zinslast der Landwirtschaft, nämlich die der
Rentenbankzinsen aller Voraussicht nach am 1. April 1930 verschwinden.
Dadurch werde die Landwirtschaft alljährlich 90 bis 100 Millionen RM. sparen. Die Amortil sationsfrist der Rentenbankscheine werde auf zehn bis zwölf Jahre verlängert werden. Es bestehe die Hoffnung, auch zu einer Lösung zu kommen
Der Paragraph 4 des Hugenbergschen Volks- begehrens (in dem gesagt wird, daß der Reichs- lanzler und die Reichsminister, sowie die Bevollmächtigten des Deutschen Reiches, die entgegen den in § 3 genannten Vorschriften des Volksbegehrens für die Führung der Außenpolitik Vertrage mit auswärtigen Mächten zeichnen, den in § 92 Abs. 3 des Strafgesetzbuches vorgesehenen Strafen unterliegen sollen), hat einen öffentlichen Meinungsaustausch darüber wachgerufen, ob sich diese Strafbarkeit auch auf den Reichspräsidenten bezieht. In einer Reihe von rechtsstehenden Blättern wird gesagt, daß diese Strafbarkeit nach dem Wortlaut des Volksbegehrens selbstverständlich sein würde, der Hugenbergsche Reichsausschuß selbst aber lehnt eine solche Auffassung ab. Die Debatte ist ihm außerordentlich peinlich geworden, denn die Erörterungen in der Zeitung waren gewöhnlich mit der Scklußfolgernng verbunden, daß der Reichsausschuß für das Deutsche Volksbegehren die Verfassung nicht richtig geprüft habe, als er seinen Gesetzentwurf formulierte. Der Fall muhte von ihm auch aus dem Grunde als sehr unangenehm empfunden werden, weil der Reichsausschuß ;a die Absicht hat, das alte Stahlhelm-Volksbegehren aufzunehmen, das für den Reichspräsidenten erweiterte Machtbefugnisse verlangen will. Ein solches Volksbegehren würde auf schwachen Füßen stehen, wenn sich seine Urheber die Blöße geben, nicht einmal zu wissen, wie weit in Wirklichkeit die Machtbefugnisse des Reichspräsidenten reichen
Es ist nun angekündigt worden, daß der Reiche- ausschuß für das Deutsche Volksbegehren in diesen Tagen noch einmal zusammentreten werde, um Klarheit über seinen § 4 herbeizuführen. Es heißt aber auch, daß er diesen Paragraphen ganz zuruck- ziehen werde, da er auch ohne Bezugnahme auf den Reichspräsidenten ernsthaften Widerspruch gefunden hat, hauptsächlich seitens des im Reichsaus- lchuß vertretenen Reichslandbundes. Inzwischen aber bemüht sich die Hugenberg-Presse den Nachweis zu führen, daß die Verantwortlichkeit des Reichspräsidenten durch jenen § 4 des Volksbegehrens nicht berührt werde.
Die hier zuftändiaen Artikel der Reichsverfaf- fttng und der Art. 45 Absatz 1 und der Art. 50. Jener lautet: „Der Reichspräsident vertritt das Reich völkerrecktlich. Er schließt im Namen des Reickes Bündnisse und andere Verträge mit auswärtigen Mächten. Er beglaubigt und empfängt die Gesandten." Dieser lautet: „Alle Anordnungen und Verfügungen des Reichspräsidenten, auch solche auf dem Gebiete der Wehrmacht, bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung durch den Reichskanzler oder den zuständigen Reichsmini- fier. Durch die Gegenzeichnung wird die Verantwortung übernommen."
Die' Hugenberg-Presse weist nun darauf hin, daß der £ 4 des Volksbegehrens vom Reichskanzler und den Reichsministern, sonst aber nur von „Bevollmächtigten" des Deutschen Reiches spricht. „Bevollmächtigter" des Deutschen Reiches aber sei der Reichspräsident keineswegs. Er sei nur Repräsentant des Reiches, niemals Beauftragter. Ein Bevollmächtigter, der für seine Handlungen keine Verantwortung zu tragen habe, sei ein juri- j stisches Unding.
Diese Auslegung der Verfassung durch die Hugenberg-Presse, die die Stellung des Reichs- i Präsidenten in der Frage der Verantwortlichkeit
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mit der des früheren Kaisers gleichsetzen mochte, wäre begründet, wenn es überhaupt keine Verantwortlichkeit des Reichspräsidenten gäbe. Das aber ist nicht richtig. Die Verfassung gibt dem Reichspräsidenten die Möglichkeit, seinen Willen selbst im Gegensatz zur Reichsregierung und zum Reichstag durchzusetzen, wenn auch selbst die Auslosung! des Reichstages die Gegenzeichnung durch den Reichskanzler voraussetzt. Dem Reichspräsidenten ist es gestattet, die Unterschrift unter außenpolitiiche Verträge abzulehnen und die Wahl eines neuen Reichstages darüber zu verlangen. Die Perant- Wörtlichkeit des Reichspräsidenten ist tm Art. 43 der Reichsverfassung unzweifelhaft Erkannt. Ein vorzeitiges Ende kann die Präsidentschaft finden, wenn es eine Volksabstimmung verlangt oder wenn ein Urteil des Staatsgerichtshofes dies herbelfuhrt. Die Frage der Verantwortlichkeit des Reichspräsidenten ist also in der Reichsverfassung etwas zwie- späliig gelöst. Zwar sind alle Amtshandlungendes Präsidenten nach Art. 50 an die Gegenzeichnung des Kanzlers oder eines Ministers gebunden und doch bedeutet andererseits die Möglichkeit der Absetzung durch Vollsabstimmung die Festsetzung einer politischen, die Möglichkeit der Absetzung durch den Staatsgerichtshof die Festsetzung einer rechtlichen Verantwortung. Daß diese Verantwortung besteht, kann der Reichsausschuß für das Deutsche Volksbegehren m dem Buche des ihm sehr nahestehenden deutschnationalen Abgeordneten yteu Herrn von Freytagh-Lorringh^en „Die WeMarer Verfassung m Lehre und Wirklichkeit Verlag I. F. Lehmann, München 1924, Seite 132, nach-
Derselbe von Freytagh-Lorringhoven, der natürlich die Reichsverfassung nur kritisieren will, schreibt Seite 124 desselben Buches: „Wenn nicht der Reichstag jeden inneren Halt verliert, wirb es wahrscheinlich bei dem schwankenden Gleichgewicht bleiben, das jetzt (1924) zwischen Reichstag und Präsident besteht. Bis zu gewissem Grade war es auch gerade das, was die Väter der Verfassting anstrebten. Präsident und Reichstag sollten sich die Wage hatten und beide sollten im Falle eines ernsten Zusammenstoßes an den gemeinsamen Auf- traggeber, an das Dott, Berufung ernlegen. Wir nehmen an, daß Herr von Freytagh-Lorrmghoven sich beeilen wird, den Reichsausschuß für das Deutsche Volksbegehren über die Tragweite des § 4 eingehend zu unterrichten.
3ungnafionalet Hing gegen hugenberg.
Der Jungnationale Ring, eine Gemeinschgzr junger konservativer Kräfte, die dem Boden der Deutschnationalen Volkspartei entwachsen sind, gibt lieben eine Schrift heraus mit dem Titel »Der Niedergang der nationalen Opposition". Diese Schrift, die als ein „Warnruf aus den Reihen der Jugend" bezeichnet wird, ist eine einzige Anklage gegen Hug enb erg. - Die Idee der nationalen Opposition befinde sich unter diesen Umständen in der größten Gefahr, „deshalb muß Hugenberg gestürzt werden — noch vor Stresemann". „
Es wäre kurzsichtig, so bemerkt die „Germania", die einen ausführlichen Auszug aus bei Schrift in großer Aufmachung bringt, in dieser Aktion der Jungnationalen etwa nur die Front gegen Hugenberg zu sehen und zu vergessen, daß es hier schließlich nicht um eine Person, sondern um eine Idee geht, um eine Idee, die so oder so di«