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Fulda, öen 14. September 1929

Hochrvürdigste Herr Bischof

it sich vom 14. bis 17. September auf -Nrmunqs- und Visitationsreise in die Ge- n-jnden Eschwege, Witzenhausen, Al­endorf °- d. W. und Wanfried.

«ei günstiger Witterung

»ndet heute von 17—18 Uhr im Schloßgar- I - n ein Wa n d e l k o n z e r t der Feuerwehr- kap eile statt.

Dompfarrei.

Die Missionshelfer und - Helferin­nen werden gebeten, die Missionsblätter zum Verteilen anfangs nächster Woche im Dompfarr­haus abzuholen.

Die Schweinehaltung im Landkreise Fulda.

Das Ergebnis der Schweinezwischenzäh- lnng vom 1. September d. I. liegt vor. Danach werden die in den 214 Gemeinden des Kreises in 6247 Haushaltungen Schweine gehalten. Die Ge- snmizahl hat sich gegenüber der letzten Zwischm- Mlung am 1. Juni des Jahres (20 188) um ' |3q Schweine auf 24 888 vermehrt. Dieser Iu- £g ist dadurch zu erklären, daß wir vor den im ifer üblichen Hausschlachtungen stehen. Ferkel tzjs zu acht Wochen waren 6196 (3191) vorhanden. Schweine bis zu einem halben Jahr wurden 10 316 (11119) gezählt. Im Alter von einem halben bis einem Jahr waren insgesamt 6571 (4110) vor­handen. Davon waren Zuchteber 59 (49), trächtige Zuchtsauen 374 (352), nichtträchtige Zuchtsauen 330 (356), übrige Schweine 5808 (3333). Schweine, die über ein Jahr alt waren, wurden 1805 (1760) notiert. Davon waren Zuchteber 49 (66), trächtige Zuchtsauen 619 (866), nichtträchtige Zuchtsauen 677 (424), übrige Schweine 460 (404).

Senehmigte Haussammlung.

Dem Verein für das Deutschtum im Ausland, Landesverband Hessen-Nassau in Kassel, ist die Genehmigung erteilt worden, zum Besten des be­drängten' Grenz- und Auslanddeutschtums in der Zeit vom 8.—21. September d. I. Haussammlun­gen und außerdem während dieser Zeit an einem Tage Straßensammlungen zu veranstalten. Bei Ausführung der Haussammlungen müssen die Sammler mit Ausweispapieren und Sammel­büchern versehen sein.

wiederum 48 städtische Wohnungen vollendet!

Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Dieser Tage sind die Baugruppen Staubach und Mahr im Kohlhäuser Feld fertig geworden. Die beiden anderen Gruppen stehen gleichfalls vor der Vollendung. Damit ist wieder ein wichtiges Stück Fuldaer Wohnungssürsorge, d. h. ein wichtiges Stück sozialer Arbeit überhaupt zum Abschluß ge­kommen. Am 5. Juli vorigen Jahres, gleich nach Vollendung der von der Stadt erbauten 84 Drei­zimmer-Wohnungen im Kühlhäuser Feld stellte die Zentrumsfraktion der Fuldaer Stadtverordneten- Versammlung den Antrag: Die Stadtoerordenten- Versammlung wolle im Anbetracht der Wohnungs­not, die sich noch immer in ^nlda in starkem Maße bemerkbar macht, den Magistrat beauftra­gen, umgehend eine Vorlage zur Erstellung von Zweizimmer-Wohnungen der Stadtverordneten- Versammlung zu unterbreiten. Der Magistrat ent­sprach dem Verlangen. So wurden im Kohlhäu- ser-Feld ein Häuserblock von 46 Zweizimmer- und 2 Einzimmer-Wohnungen errichtet, der in diesen Tagen seiner Vollendung entgegen sieht. Bereits am bevorstehenden 1. Oktober können diese neuen Wohnungen bezogen werden. Der von der Zen- frumsfraktion vorgeschlagene Finanzierungsplan ermöglicht es, daß die Zweizimmer-Wohnungen im Parterre mit 20 <M, im ersten Stock mit 22 M and im zweiten Stock mit 21 <M für den Monat vermietet werden können. Wohnungen mit einem Zimmer und Küche, die allerdings nur wenig vor­handen sind, kosten pro Monat 14 <At Miete. Vor­bildliches ist damit geschaffen worden. Es wird wenige Städte geben, die es fertig gebracht haben, Wohnungen dieser Art mit allem Zubehör zu ei­nem solchen Preise zu vermieten. Wie notwendig her Antrag auf Erstellung von Zweizimmer-Woh­nungen war, geht daraus hervor, daß et roa 200 Anwärter für diese Wohnungen fick) gemeldet hatten und nur 48 berücksichtigt werden konnten. Denjenigen, die jetzt noch nicht berücksichtigt wer­den konnten, möge zum Trost gesagt fein, daß die Zentrums-Fraktion längst wieder Vorbereitung >n getroffen hat, um den Magistrat zu veranlassen.

Sommer im Rhöndorf.

Don Ferd. Lammeyer.

Heiße Luft zittert über dem Schienenstrang. Die Station der Rhönbahn liegt einsam in der Glut der Nach­mittagssonne, als ein fast neuer Wagen, gezogen von vier kräftigen Ochsen, vor der Güterrampe hält. Ein Bauer springt vom Brett, das als Sitz quer über den Leitern liegt, mit steifen Beinen zur Erde, streckt sich, gähnt und schlenkert mit müden Füßen zum Dienstraum. Nach einer Weile treten zwei Eisenbahner aus der Tür, wischen sich bedeutsam und unternehmungslustig über den Schnurrbart und gehen mit dem Bauern zur Güter­halle. Ein Tor öffnet sich. Mit Stemmeisen und son- fügen Hebeln wird eine große Kiste aus ungewöhnlich starken Brettern nach langer Arbeit auf einige Rollen ge­bracht und dann mühsam nach der Rampe geschoben. Noch viele Schweißtropfen kostet es, bis die Kiste sicher zwischen den Leitern auf den Strohbündeln im Wagen -letzt.

Nach zwei Stunden bewegt sich das Gespann mit sei­ner schweren Last noch immer auf der Landstraße, die ständig bergauf führt. Im letzten Dorf warten als Vor­spann zwei Kühe, denn der Feldweg zum Weiler dort oben am Berggipfel ist steil und sandig. Seltsame Schat­ten liegen schon langgestreckt über Weg und Wiesen, als das Sechsgespann mit seiner Last den Weiler erreicht. Fast alle Nachbarn eilen herbei. Balken werden schräg an den Wagen gelegt, Bauern spucken in ihre harten Fäuste, dann gleitet die Kiste, die einen Schwerölmotor birgt, auf die Tenne. Der Motor ist zum Antrieb der Maschinen in der neuen Schreinerwerkstatt bestimmt, die in den Ostflügel der Scheune eingebaut wird. Der Um­bau der Scheune zur Werkstatt währt den ganzen Som­mer. Oft müssen die Arbeiten der Maurer und Zim­merleute unterbrochen werden, wenn das Wetter zur Heuernte auf die Wiesen ruft. Aber der Arbeiten sind es so viele, daß die Bauern des kleinen Dorfes mithelfen Müssen. Sie tun es alle mit ganzer Kraft und auch ihre Zugtiere werden eingespannt. Und so durchbricht dieser Umbau mit seinen vielen Notwendigkeiten den Rhyth- Mus der Landarbeit, wie er sich alljährlich mit jedem

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Sonntag, den 15. September 1929.

sofort weitere Dreizimmer- und Zweizimmer-Woh­nungen zu einem annehmbaren Mietpreis zu er­stellen. Man kann sich also der Hoffnung hingeben, daß, wenn städtischerfeits ein vernünftiges, ziel­sicheres Bauprogramm eingehalten wird, die Woh­nungsnot in nicht allzu ferner Zeit in Fulda ver­schwindet.

Die Siedlungsvereinigung Flieden

ist, rote das Amtsgericht Neuhof bekannt gibt, we­gen Zahlungsunfähigkeit und lieber- schuldung am 13. September in Konkurs gegangen.

Saufi am Platz

und laßt Euch nicht durch irgend welche mehr oder weniger verlockende Vorwände von diesem Grund­satz abbringen. Beamte und Angestellte öffentlicher Körperschaften sollten sich am wenigsten dazu be­wegen lassen, dem bodenständigen Geschäftsmann untreu zu werden und den fliegenden Händlern sich zuzuwenden. Spannungen, die dadurch her- beigefüijrt werden, dienen zu nichts Gutem. Die Berufsorganisationen der Beamten ha­ben das wiederholt ausgesprochen. Denkt daran!

Aus dem Gerichksfaal.

Der Sattler K. R. war vom Amtsgericht Fulda wegen Betrugs in strafschärfendem Rückfalle zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte R. Berufung eingelegt. Die Kleine Strafkammer Fulda beschäftigte sich gestern mit dieser Angelegenheit. Es wurde fest- gestellt, daß R., der sich seit vielen Jahren in sehr schlechten Vermögensverhältnissen befindet und in 1925 den Offenbarungseid geleistet hatte, in 1926 bei einer auswärtigen Tapetenfirma innerhalb zweier Monate für fast 182 <M. Tapeten bestellte, ohne eine einzige Abschlagszahlung zu leisten. Trotz seiner wiederholten Vorstrafen wegen Eigentums­vergehen und wegen Betrugs billigte die Kleine Strafkammer R. mit Rücksicht auf seine sehr schlechten Dermögensverhältnisie nochmals mil­dernde Umstände zu. Sie hob das erstinstanzliche Urteil auf und verurteilte R. wegen Betrugs im Rückfalle zu 3 Monate Gefängnis. — Vom Amts­gericht Fulda wurde am 30. August 1928 die 25- jährige Hausangestellte M. Bl., gebürtig von H. (Rhön), zurzeit in Frankfurt a. M.-Preungesheirn, wegen Betrugs im Rückfälle zu 3 Monaten Ge­fängnis verurteilt. Da auch sie Berufung einge­legt hat, beschäftigte sich die Kleine Strafkammer in Abwesenheit der Bl. mit dieser Angelegenheit. Es wurde festgestellt, daß die Bl. im Februar 1928 in einem hiesigen Geschäft unter falschen Angaben für 46 Waren entnahm, 5 <K anbezahlte und den Restbetrag erst bezahlte, als das Strafverfah­ren schwebte. Da die Bl. schon wiederholt wegen Betrügereien vorbestraft ist, verwarf die Kleine Strafkammer die Berufung der Angeklagten auf deren Kosten. — In der Privatklage des Kauf­

manns K. V. in K. gegen die Ehefrau D. wegen Beleidigung hatte das Amtsgericht Fulda die An­geklagte zu 5 M Geldstrafe verurteilt. Die Kleine Strafkammer hob als Berufungsinstanz das erst­instanzliche Urteil auf und sprach die Angeklagte frei. Die Kosten der zweiten Instanz hat der Pri­vatkläger zu tragen. In der Prioatttage des Wa­genmeisters a. D. R. in Fulda gegen die Ehefrau D in K. wegen Beleidigung war die Angeklagte vom Amtsgericht Fulda zu 3 -4t Geldstrafe verurteilt worden. Auch gegen dieses Urteil hatte Frau D. Berufung eingelegt. Die Kleine Strafkammer ver­warf die Berufung auf Kosten der Angeklagten. Eine weitere Berufung der Ehefrau D. gegen Frau A. und der Frau A. gegen Frau D. endete mit einem Vergleich.

Dom rechten Festefeiern.

Es gibt Menschen, die es verstehen, jede Feier­stunde zum Fest zu gestalten, und mit geringen Mitteln wahre Wunder hervorzuzaubern. Ande­ren jedoch gelingt es kaum, selbst unter Zuhilfe­nahme von Geld und allerlei Hilfskräften, die Höhepunkte des Lebens zu wirklichen Feiertagen zu machen. Ihnen steht ihre eigene Schwerfällig- feit im Wege, ihre Talentlosigkeit, anderen Freude zu machen, und eine gewisse Steifheit und Be­quemlichkeit dazu, die sich beim Festefeiern unan­genehm bemerkbar machen. Trotz allen guten Willens kommt in der Nähe solcher Leute keine Stimmung auf, keine Wärme und Behaglichkeit. Man fühlt zu sehr die Absicht heraus, feiern zu müssen um jeden Preis, weil nun einmal Geburts­tag oder Verlobung oder Gedenktag zum Feiern zwingen: Das Fest wird zur gesetzlichen Pflicht, zum Zwang, anstatt zur s p o n t a n e n Aeußerung festlich-freudiger Stim­mung.

„Also sollte man nur bann die Feiertage fest­lich begehen, wenn man sich in froher Laune befin­det?" wird man uns entgegenhalten. Bewahre, man soll die Feste feiern, wie sie fallen, wie es in einem alten Gemeinplatz heißt. Man soll sich den inneren Frieden abzwingen, der die Feiertage verschönt, und der zu den Familienfesten notwen­dig ist. Dann wird sich auch die gute Laune ein« stellen, besonders am Wohlbefinden der Haus­genossen und Gäste gemessen! Man soll auch ein­mal ein kleines Fest improvisieren, ein besonders leckeres Mahl zubereiten, den Tisch mit Blumen schmücken und ein Feierkleid anziehen, wenn es gilt, einen lieben Menschen um geringfügiger Ur­sache willen zu ehren und ihm eine Liebe zu er­weisen.

Es bedarf also gar keiner großen Vorberei­tungen und erheblichen Kosten, um rechte Feier­stunden zu begehen.

Wenn die Hausfrau am Geburtstag eines ihrer Angehörigen nur eine Süßspeise einschiebt, den

Nöroetleroetfammlunfl der Zentrumspartei (Ortsgruppe Fulda)

Zu der am Dienstag, den 17. September er., abends 8V- Uhr in der „Harmonie" stattfindenden

Handwerker-Verfammlung werden hierdurch alle Handwerker, die auf dem Boden der Zentrumspartei stehen, höflichst eingeladen.

Tagesordnung:

1. Besprechung wichtiger Standessragen.

2. Stellungnahme zu den bevorstehenden Sommunalwahlen.

3. Neuwahl des Vorstandes für den Handwerker-Velrat.

Zu dieser Versammlung hat unser Berufskollege, Herr Landtagsabgeordneler Schreinermeister Aink-Wiesbaden, fein Erscheinen zugesagt.

3. A.: Sturmius Grosch.

Ach, wie ist es so schön, wenn jetzt an den immer länger we.drndm Abenden die Familie am hellbeleuchteten Tisch sitzt und sich in die mannigfaltigen Neuigkeiten ter Fuldaer Zeitung vertieft. Der Vater lieft die be­deutsamen Meldungen und Betrachtungen über die politische Lage, die feit langem nicht so gespannt war, wie heute. Die Mutter verfolgt mit inniger Anteilnahme, was auf „Warphof und Sumpfmoor" vor sich geht. Der ältere Bruder hat schon di« Neuigkeiten aus aller Welt zur Kenntnis genom­men und sich in die neuesten Sportberichte vertieft. Schwester Annemarie studiert Verlobungsanzeigen und Ausverkäufe im Anzeigenteil. Der Benjamin der Familie aber läßt sich mit der Fuldaer Zeitung photographieren.

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Wer mannigfache Anregung durch eine gut ge­leitete umfangreiche moderne Tageszei­tung haben will, wer ein wirklich bodenständi­ges Heimatblatt lesen möchte, wer für 1,80 Mark im Monat viele ideelle und praktische Vor­teile zu erwerben gedenkt, der bestelle sofort die Fuldaer Zeitung für den Monat Oktober.

schlichten Gabentisch mit Grün oder Blumen ziert, und sich selbst einmal die Zeit nimmt, ein herz­liches Plauderstündchen am eigenen Herd zu halten, dann ist die Feierstimmung schneller und wärmer vorhanden, als im Prunkgemach vor überladener Tafel, die ohne Herzlichkeit bereit gestellt wurde.

Hiev liegt also die Lösung des Rätsels, mit ein­fachen Worten gesagt: „Und hättet Ihr der L i e b e n i d) t . . . ."

Herzlichkeit, Verständnis und Liebe verklären die geringste Gabe, erhellen das dürftigste Gemach, gießen Zauber und Segen aus über Alltag uni Feierstunde. Wer in der rechten Liebe schenkt, bei versteht auch Feste zu feiern mit geringen Mitteln. Und kennt die Veranlagung, die Wünsche und ge­heimen Hoffnungen seiner Angehörigen gut ge­nug, um Brücken zu bauen zwischen sich und Jenen.

Häufig schafft ein gutes, ernstes Wort am rech­ten Fleck eine plötzliche Feierstunde: oft wird ein einfacher Spaziergang zum wahren Fest, ohne daß es zuvor geplant war: Solche Feste bergen ein« ungeahnte Heilkraft in sich, eine Wunderwirkung, die den Alltag verschönt und erhebt, und uns lehrt, daß das rechte Festefeiern zwar identisch ist mit Liebe säen und Verständnis pflegen, wie mit Be­hagen verbreiten, nicht aber — mit Geldausgaben!

Don Emmy Ficus.

— Bereinigung für Familien- und Wappenkunde zu Fulda. Auch an dieser Stelle sei auf den morgen (Sonntag) stattfindenden Sommerausflug nach Schlüchtern und Steinau hingewiesen. Abfahrt 10.57 Uhr (Näheres im Anzeigenteil.)

— Ton der 2. Sommerausgabe des Reichskursbuch- können noch vorhandene Reststücke zu Lehr- und Stu- dienzwecken billig abgegeben werden. Bestellungen wer­den an das Postamt erbeten.

D

ic Zeitungs- Reklame

ist von allen Reklamen bk wirkungsvollste und wird es infolge ihrer Billigkeit nnd Ein­fachheit auch bleiben.

Sommer wiederholt. In der Arbeit für die Werkstatt wird das Dorf zur großen Familie. Keine Stunden werden gezählt, kein Mühen gerechnet. Still greift ein Rad ins andere. Ohne viele Worte werden Balken und Steine und Kalk und Sand aus dem Pfarrdorf ober aus dem nahen Basaltwerk oder Maschinen zur Holzbearbei­tung von der Bahnstation hoch hinauf in das kleine Dorf gefahren. Nicht allein guter Wille und tätige Hilfs­bereitschaft veranlassen zu dieser Arbeit. Die Höfe da droben auf der Rhön können sich kaum Knechte und Mägde halten. Immer ist es der Nachbar selbst, den man zur Mitarbeit bitten muß. Und genau wie beim Umbau der Werkstatt greifen die Nachbarn ein, wenn droben auf der Rhön ein Mäher fehlt, wenn das Heu noch vor einem Gewitter geborgen werden muß, das langsam von Westen heranzieht.

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Am Ende der Dorfstraße, die ostwärts durch die Wie­sen in den Buchenwald führt, liegt der Hof des Bauern Gregor. Wollte ich diesen trefflichen Mann zeichnen, so müßte ich mit einer Kurve beginnen, die den starken, kurz geschorenen Graukopf umfaßt und dann in eine Senkrechte ausläuft, von der unten wieder in hartem Winkel das breite Kinn abbiegt. Als Altbürgermeister ist er der Ratgeber der kleinen Dorfgemeinschaft. Selbst in den heißen Tagen der Heuernte kommen die Bauern in den Abendstunden zu ihm, um mit ihm zu plaudern oder seinen Rat zu erfragen. Der massige Körper sitzt dann in einem Lehnstuhl. Von dort aus dirigiert er die letzten Arbeiten draußen auf dem Hofe, hier unterhält er sich mit seinen Nachbarn. Immer wieder greift er auf frühere Jahre zurück. Kulturkampf und MUitärzeit sind ihm die beiden Hauptereignisse früherer Jahrzehnte, wäh­rend die Gegenwart von heute auf morgen im Gleich­klang der Arbeit vorüberfließt. Im Frühjahr hat Gregor den Regimentstag in Frankfurt besucht. Er erzählt von dieser Reise und all dem, was er in der Großstadt ge­sehen, mit einem gewissen Stolz. Dazu streicht er sich behaglich das Kinn, daß die grauen, harten Bartstop- peln knistern. (Heute ist Donnerstag, und rasiert wird sich nur am Sonntag vor dem Kirchgang.) Gregor ist, wie man sich im Stillen erzählt, nicht nur ein guter Be­rater. sondern auch ein stiller Helfer. Wenn her iunae

Schreiner über Gregor spricht, liegt große Dankbarkell in seinen Worten.

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Die Gemeinde besteht aus einem Dorf, drei Weilern und drei Einzelhöfen, die im Halbkreis um das Dorf lie­gen. Strahlengleich wie die Finger zur Handfläche. Der Bürgermeister wohnt einsam auf einem Hof zwischen Hügel und Wald. Unter uralten Linden erscheint sein Haus geduckt, flach und niedrig. Nur hoch vom Berg aus ist es sichtbar. Aber eines Tages kommen die Zim­merleute. Sie räumen das Dachgeschoß ab, ein Stockwerk soll aufgesetzt werden. Unter dem hellgrauen Himmel wird es gewagt. Früh morgens beginnen die Zimmer- leute, die runden Ziegel mit den Sttohbündeln in den Sparren verschwinden schnell. Dann entfernen viele Hände die Dachbalken. Am einen Ende wird bereits der erste Balken zu neuem Fachwerk gesetzt. Als es dunkelt, steht das Stockwerk im Gebälk, und in die Dachbalken werden die letzten Dübel geschlagen. Ein steifer West­wind hält die grauen Regenwolken im Sauf und trägt sie hoch über die Rhön. Am anderen Abend steht das Haus wieder unter Dach. Mit feinen neuen Ziegeln leuchtet es in saftigem Rot über den Hügel, beschattet von den alten Linden, die noch immer Riesen geblieben sind. Trotz ihrer verdorrten Wipfel und der hohlen Stämme, in denen die Ameisenvölker ruhelos leben. So bleibt der Bau stehen. Durch die Balken fegt der Wind. Niemand arbeitet, kein Maurer, kein Zimmermann — Heuernte!

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Ein leichtes Klirren weckt mich aus dem Schlaf. Der Lichtkegel der Taschenlampe zeigst einige Minuten nach Zwei Uhr nachts. Draußen gehen einsilbig und schlaf­trunken ein paar Bauern vorüber. Sensen leuchten matt aus dem Dunkel, in den Eßkörben rutscht leise klirrend das Geschirr zusammen. Holzschuhe stoßen mit stump- fern Ton an das grobe Steinpflaster. Ein frischer Ost- wind läßt die weißen Kopftücher der Frauen und Mäd­chen flattern. Der Weg auf die Rhön währt eine gute Stunde. Als vom Tal herauf im Pfarrdorfe die zehnte Stunde schlägt, ist der Achtstundentag der Heuer schon vorbei, zerronnen zwischen den Dämmerstunden und der ol»i6.enben Hitze, die nun bleischwer lastet.

Es dunkelt, als die Schnitter heimkehren, die beiden Arme, lang und müde ausgestreckt, schaukeln langsam auf der geschulterten Senfe — so müde, daß sie fast lautlos ins Dorf treten, leise ihre Sensen in die Halle hängen und bann zum Abendbrot um den Tisch hocken. Nur kurze Hammerschläge hallen noch spät in die Nacht. Der Bauer liegt neben dem Backhaus zusammengekauert auf dem Boden, knapp vor sich den Amboß. Und so dengell er die Sensen. Gleichmäßig schlägt der kurze Hammer. Lange, lange ... Es sind neue Sensen. Dann ruht das Dorf.

Als ich mitten in der Nacht wieder polternd-schlürfende Schritte höre und draußen im kühlen Ostwind die weißen Kopftücher flattern und die Sensen in der klaren Lust mattblau blinken, zeigt die Uhr im Lichtkegel der Taschen­lampe die zweite Stunde ...

Das Dorf liegt an diesem Tage wie ausgeftorben in der prallen Sonne. Ueb-r der Landschaft spannt sich der tiefblaue Himmel, ohne Wolken, aber weit und durchsichtig ohne Grenzen. Eine Farbe, die das Unend­liche ahnen läßt. Nur über dem westlichen Horizont liegt violetter Dunst.

Plötzlich erscheint der Bauer im Dorf, schirrt zwei große Leiterwagen und fährt wieder hinauf auf die Rhön. Hastig, schweißtriefend. Wenn er scheltend auf die trägen Ochsen einhaut, schlägt die Stimme über. Rechts uni links fegen die Schwalben an ihm vorbei. Dicht übei der Erde. Auf den Weiden am Hang über dem Dorf wird das Weidevieh unruhig, es läuft über die Grenzen. Die Hül.jungen schreien sich fast die Lu ge aus dem Halse, sie hasten bergauf und bergab, um die Herde zu­sammenzuhalten. Trotzdem gelingt es einigen Kühen auszureißen. Sie kehren ins Dorf zurück und stehen brül lend vor dem verschlossenen Stall. Am westlichen Horizon zeigt sich eine dunkle Wolke. Das Sonnenlicht wird kalt Manche Farben erscheinen wie umgewandelt, seltsam uni unwahrscheinlich. Ein Wind fegt heran. Auf den Wie fen zerzaust er die Heuhaufen, und die alten Buchei im nahen Wald läßt er ungestüm rauschen. Auf den kleinen See beginnt das Wellenspiel. Ein Wirbelwind entreißt den Wasserpflanzen die weißen Blüten, trägt sie hoch und streut sie locker und leicht über den See. Dann dunkelt es plötzlich — ein Blitz! Unmittelbar folgt