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Fuldaer Zeitung

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den IS. September 1929.

Das tausendjährige Brandenburg feierte

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Pfarreilag der St. Sturmius-Gemeinde

am 15. September 1929 im Jägerhaus zu Bronnzell

allem einverstanden, was er je und je gesagt hat. Aber jeder Mensch hat seine Entwicklung, und heute scheint mir eine Form gefunden zu sein, die es auch Seipel ermöglichte, mitzutun. Ach, wie lacht das Herz auf, wenn da das Inserat steht: Zwölf Kasernen zu verkaufen .... Man sagt, daß auch die Franzosen schon das Liedlein üben: Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus . . . . Schließlich sind nämlich auch die beiden erschrocke­nen Gäule zur Ruhe gekommen und sind wahr- icheinlich wieder auf ihre Weide zurückgekehrt, wo es Futter genug für sie gab, Sicherheit obendrein.

Noch einen letzten Gruß an den Freiburger Katholikentag. Nach allem, was man darüber ge­lesen und gehört hat, ist es doch eine große, herr­liche Sache gewesen. Das prächtige Festblatt Hab­ich mir aufbewahrt und es in aller Stille durch­gearbeitet. Und einen allerletzten Gruß an mei­nen Wirt zum Falken. Qualität ist dort die De­vise . . . ach, hätte ich hier nur eine hinreichende Quantität davon! Der Mann im Monde.

* Von ihrem Mann erstochen. (Eig. Meld.) Der etwa 45 Jahre alte Arbeiter Karl Rebmann m Fellbach (Württemberg) hat am Freitag seine Frau, die seit einigen Tagen getrennt von ihm lebte, nach kurzem Wortwechsel durch einen «tich ins Herz getötet und sich selbst eine Verletzung mit dem Messer beigebracht. Er wurde verhaftet.

* Schwere Gewitterschäden im Mittelrhein- gebiel. Ein schweres Gewitter, verbunden mit wolkenbruchartigem Regen, hat Freitag nachmittag im Mittelrheingebiet, insbesondere in der Gegend von Boppard schweren Schaden angerichtet. Die herabstürzenden Fluten rissen in die Weinberge tiefe Furchen und schwemmten Erde und Rebstöcke fort. An fünf Stellen liegt der Schutt 1% Meter hoch und in einer Länge von mehreren hundert Metern auf dem Berggleis der Strecke Koblenz— Bingerbrück. Der Durchgangsverkehr auf dem zum Rhein führenden Gleis konnte nur notdürftig ein- gleifig aufrechterhalten werden.

Funfköpfige Familie verbramtt.

In der Gemeinde Schönwald in Nordmäh­ren ist das Haus des ehemaligen Legionärs Hetzel niedergebrannt. In den Trümmern des Hauses wurden fünf Leichen vorgeiunden, nämlich die des Ehepaares Hetzel und die der drei Kinder, von

fchern, und alle Papageien der Well werden es sich zurufen: Erst Sicherheit! Erst Abrüstung! Ei, wie drollig ist die Welt. Aber die Photographie: Mac- donald und Stresemann, jener mit dem Lächeln eines frisch gebackenen englischen Premiers und dieser mit dem ganz andern Lächeln der Amts­müdigkeit nach fünf Jahren, die bleibt doch köstlich. Man kann sie Dr. Wirth zum 50. Geburtstag schicken. Jedenfalls hat er seine Sache gut ge­macht. Das ganze Rheinland wird ihm dankbar sein.

Geduld, meine Freunde, ich bin heute etwas durcheinander. Habe nämlich einige Schrillen von Frenzold Schmid gelesen, Akad-mieprofessor a. D.. der da behauptet, erstens, daß es keine Sterne gibt, und zweitens, daß die Erde keineswegs rund ist im Sinne des Kopernikanischen Systems, sondern daß sie eine riesige Hohlkugel bildet, in der wir innerhalb der Peripherie sitzen. Er meint das al- len Ernstes und zählt auch di» „wissenschaftlichen" Vorgänger auf, die schon das Gleiche behauptet haben. Die Schriften sind erschienen im Verlag Terhorst u. Co., Halle a. d. S. Seil ich dieses ge­lesen, suche ich mich umzustellen. Die Sonne und die Sterne sind nicht mehr draußen, sondern drin­nen. Er beweist das wirklich. In der Mitte der Hohlkugel sitzt der liebe Gott, und Schmid meint damit der Frömmigkeit einen großen Dienst er­wiesen zu haben, hätte doch der böse Kopernikus, indem er die Erde aus dem Mittelpunkt rückte, auch den lieben Gott sozusagen ins weite Univer­sum entfernt, was eigentlich eine gottlose Angele­genheit fei. Da Frenzold Schmid auch ganz neue Strahlen entdeckt hat und mit ihnen ein neues Heilverfahren, das ein Sanatorium ermöglicht — billige Preise natürlich — so dürfte er für sein Al­ter gesichert sein. Ich werde nächstens in meinem Hof einen Brunnen graben, und zwar so tief, daß er endlich die Hohlkugel durchbricht und dann werde ich von da aus die Füße ins — ja wohin? — das ist sehr drollig — nun einfach ins Univer- sum stecken und untersuchen, ob es da warm ist oder kalt und jedenfalls einen neuen Weltrekord erzielen. Usbrigens ist Frenzold Schmid ein Mann der Wissenschaft und hat schon darum recht. In dem neuen Weltbild wird sich auch Platz finden für die Vereinigten Staaten von Europa, und so wird Briand aus aller Verlegenheit heraus fein.

Das Auto rast noch immer, und die Pferde auch. Jetzt haben sie ihre Losung geändert. Dorne seufzt es: Kelloggpakt. Das Auto aber tutet: Mi­litärbündnis. Und neues Wetterleuchten fliegt über den Horizont bis nach Sibirien, wo Krieg ist und doch kein Krieg. Das hat Pater Strat- mann auf dem Friedenskongreß ganz richtig ge­sagt, und Macdonald hat es ja wiederholt: Wer den Frieden will und die Abrüstung nicht, der will auch den Frieden nicht. Läßt man aus der Frankfurter Friedens-Tagung einmal einige Auf­schreie der Hysterie fort und sieht man auf den Kern der Sache, wie er in den Referaten zum Ausdruck kam, so muß ich gestehen, daß die Frie­densbewegung dieser Kreise gesunder geworden ist. Es wäre jetzt an der Zeit, daß sich möglichst viele ausgezeichnete und kluge Männer und Frauen ihr anschließen. Es muß wirklich eine große Bewegung werden. Wir müssen heraus aus diesem Spiel mit dem Feuer. Zum wenigsten müflen wir ehrlich werden. P. Stratmann ist ein kühner Vorkämpfer gewesen. Ich bin nicht mit

denen das älteste 10 Jahre, das jüngste sechs Mo- nate alt war. Es verlautet, daß Hetzel in einem Anfall von Schwermut Frau und Kinder ermor­det und dann das Haus angezündet hat. Da dw Leichen teilweise verbrannt find, wird erst nach der gerichtlichen Obduktion festzustellen fein, ov es sich um einen Mord oder um ein U n g l u cf han­delt.

herum. Erst Sicherheit! Erst Abrüstung! Nächstes Jahr werden es die Vögel am Genfer See zwit-

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Acliendruckerei. Fulda.

Rund um die Woche.

-rei i« der Gewitternachl. — Erst Sicherheit! Erst Abrüstung! — neues Weltbild. — Friedenskagung in Frankfurt. — Der Falkenwirt.

- c ys„to rast durch die Gewitternacht. Erst Listen Morgen erfahre ich, daß dieses Wet- an* das breit über die Landschaft flammt, tt^uchteN'e eine Anzahl Gehöfte vernichtet hat. r;nh es gewesen, und da, wo sie niederzacken, ® l aebonnert und gebrannt. Schau, da sprin- • »in paar verirrte Pferde aus irgendeinem

Qaun auf die Straße. Gerade vor das $u wM sie überholen, aber i» gefährlich, und sie jagen ja überhaupt, wenn , f»mt um so schneller. Was tun? Halten? Dann ”, t auch. Fahren? Dann geht die Jagd lo5. Arme Tiere. Die Schwänze sind auf« "Stuben, und die Autolichter beleuchten grausig »itternben braunen Rücken. Aus den Mäulern ?-»ft der Schaum, wenn sich die Köpfe wenden mit “„großen verängstigten Augen. Mit gläsernem n-„ts»K»n blicken sie zurück. Den Jammer der ge- ,Men Kreatur in sich. Wie ist da zu helfen? e: nmeterroeit geht nun schon diese Jagd, und es tnrm niemand ändern. Zwei Pferde? Nein, wir er» iaaen daher. Hinter uns ein dämonisches Un- n»r Fühlst du nicht bisweilen dieses Schicksal- hafte in dieser Zeit, dieses eifern Daherwuchtende, tiefes Gigantische, das uns hetzt? Wie willst du ha heraus? Wir leben nicht mehr in der großen Freiheit königlicher Entschlüsse. Wir sind alle ein« ^spannt, alle verfolgt, alle zwangsläufig. Der Dämon bestimmt das Tempo. Was willst du tun, ivenn dein Konkurrent auf einmal ein neues Schaufenster einrichtet? Du mußt mit. Was willst hu da tun, wenn jene Stadt eine große Aus­stellung macht? Du mußt auch eine veranstalten., willst du tun, wenn die Blusen wieder ge- Mchsen werden? — Du verkürzt unten, was oben lugelegt wird. Verstehst du mich? Ach vielleicht au'ck nicht. Und du gehörst zu jenen Sommer­gästen, die bei all dem seelenruhig in ihrer Som- merfrische sitzen ... ________ >

Ich lese da gerade etn Kärtchen, von irgend­woher .... Eine Art Tagebuchnotiz . . . .: „Rei­cher Tag: früh Felsenspaltengang — Kneippsche Kur inmitten von armer Bevölkerung — Strandbad- Lourgeoisie — Riesenhotel — Fürst von Dei­sten (?) und König und Königin von Holland auf her Terrasse — Mohrbedienung — kranksüße Mu­sik — Eleganz . . . ." Herz, was willst du noch mehr? Ist das Leben nicht interessant? Was geht mich die Höllenmaschine im Reichstag an, was der Bankkrach von Frankfurt, streck die Beine übers Ems, es hilft doch alles nichts.

Ja, die Höllenmaschine im Reichstag. Pala- mentarier, es ist Zeit. Beeilt euch! Recht tun und ronu?är bleiben wollen, das gibt leicht eine Krise. Es scheint, ihr wollt populär bleiben. Aber so kommt ihr nicht ZU Streich und werdet darum un­populär. Was tun? Recht tun. Aber das eben' ist nicht populär. Herrschaft, warum ist das Leben jo eingerichtet, daß eine Regierung auch einmal unpopulär handeln muß? Die Fabriken, in denen starkes Rückgrat produziert wird, haben samt und sonders pleite gemacht. Und das ist in der Tat der Anfang der großen Pleite, darauf kann man sich schon verlassen .... Die Pferde rasen noch immer. Die Schwänze wedeln: Erst Sicherheit! Das Auto tutet: Erst Abrüstung! Und die Gäule rasen, ich glaube, sie galoppieren noch bis Genf und bann immer um den Völkerbundspalast

Silber von Brandenburgs Festtag.

Oben: Die neuerbaute Lange Brücke, die anläßlich der Tausendjahrfeier eingeweiht wurde.

Daneben: Der Festakt im Dom, bei dem der preußische Iustizmimster Schmidt die Festrede hielt. Unten- Die erste Elektrische fährt über die Lange Brücke und zerreißt eine symbolische Rosenkette. Daneben: Ehren-Gäste der Feierlichkeiten, links der preußische Iustizmmister Dr. Schmidt, ganz rechts Frau Ebert, die Witwe des ersten Reichspräsidenten.

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8.

Abends: Theater, Konzert, Reigen, Gesangsvorträge etc.

Beginn 3 Uhr

Abermals war

Detmar zu als gefesiel-

die feucht- bewachsene

auch Detmar und Ahnung hatten.

rechts und links neben der Wunde, die man ihm ge­schlagen — unverändert in seiner Fähigkeit, alles zu verschlingen, was der Zufall in sein Gebiet trieb. In diesem Jahre hatte er wieder mehrere Rinder und Schafe als Tribut geheischt, — und zwei Wanderer aus der Kreisstadt waren durch Wiard gerettet wor­den, wobei der Schlickschlitten helfen mußte.

„Gerade, als ob das Biest sich vor feinem Ende

einen tückischen Plan ausheckt."

„Am Ende soll man das Werk loben, nicht eher, auch das eigene nicht. Wir sind aber noch nicht am Ende, bedenken Sie das, Warpbofbauerl"

Zeit ein bißchen Wasserbau und Entwässerungswissen, schäft treiben."

„Hm ja, du bift’n lütt kluge Deern, und Oma Timk« soll es gleich erfahren, denn Vater wird doch wohl draußen am Kanal sein."

Timke empfing den großen Jungen mit Herzlichkeit. Sie freute sich, daß der Konflikt zwischen Vater und Sohn so gut ausgelaufen war. Als sie das Bekenntnis Geros gehört hatte, wurde sie sehr ernst, aber sie brauste nicht auf. „Was du sagst, hat ja Hand und Fuß, Gero, eigentlich mehr zufällig, denn ich möchte wohl glauben, wenn die technische Geschichte dir mehr Spaß gemacht hätte als die Landwirtschaft, dann würdest du wohl einen Grund gefunden haben, der die Vernunft der Sache in dem Licht gezeigt hätte."

„Oma Timke, ich bin aber doch kein Pharisäer."

„Lieber Gero, das sagst du so leicht hin. Jeder, auch der gute Mensch, ist allzusehr geneigt, seine eigenen Wünsche mit dem Recht in Einklang zu bringen; und wenn es sich dann nicht um eine gar zu schwere Sünde handelt, so merkt er die Stimme des Gewissens gar nicht. Aber ich will dir glauben, daß du es ganz ehrlich meinst. Ich will auch nicht behaupten, daß das falsch ist, was du tatest, denn darin liegt ja Vernunft. Ich meine nur, das wäre dir ja alles noch geblieben, wenn der Kanal fertig ist. Zwei sehen mehr als einer, und Maring ist der Jüngste auch nicht mehr. Weiht du denn, ob du da in Berlin nicht etwas verpaßt haft, was hier bei dem Kanalbau ganz notwendig hätte bachtet werden müssen?"

„Nun, nun, es ist ja nicht so, daß ich alles versäumt hätte. So allerhand habe ich denn doch begriffen. Und gleich nachher gehe ich hinaus, sehe mir die Arbeiten an und spreche mit Maring ein Wort. Und dann muß ich auch gleich zu Schäfer Wiard. Der hat mir vor vie- len Jahren einmal etwas von einem Sumpfkobold er­zählt; die Mär hat er von der alten Moorbecka, die nur mit Wiards Vater sprach und sonst stumm war. „Ich muh wissen, ob er sich irgend etwas dabei denkt, was nicht' just mit Spuk zu tun hat."

„Paß bloß auf, daß Vater nichts davon merkt; der ist auf Wiard und feine geisterhaften Reden gar nicht gut zu sprechen." Oma Timke seufzte aus schwere.» Herzen.

ganz andere Erträge zu erzielen waren als bei der ge­wiß nicht schlechten Warphofwirtschaft.

An der Universität las abends ein junger begeister­ter Privatdozent über deutsches Volkstum und Volks­kunde in Geschichte und Sage. Sein eifrigster Zuhörer war Gero Bisser.

ein Jahr vergangen. Die neuen Wände, die ihrerseits einen ganzen

noch einmal recht satt ftesien will," sagte Maring. „Sehen Sie mal, wie es daliegt ter Riese."

Der Ingenieur blickte träumerisch über

Der Warphos

und das Sumpfmoor.

Roman von Alfred Manns, Bremen.

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Jetzt in Berlin, wo Gero fo viele Bildungsmöglich­keiten an den verschiedenen Lehranstalten hatte, bekamen nüchterne Erwägungen, sowie auch seine persönlichen Nei­gungen die Oberhand. Er, der Warphoferbe, faßte es als feinen natürlichen Beruf auf, sich in der Landwirt- fchast die großen und wichtigen wissenschaftlichen Erfah­rungen der Neuzeit zunutze zu machen. „Ich bin Land­wirt, ich bin Bauer," so schrieb er einmal an Antje, „und .-in Kanalbuddeler. Es ist für mich ein Ding der Selbst- erständlichkett, daß es dermaleinst meine Aufgabe fein >irb. den Warphof wieder herauszuarbeiten aus der ltifere, in die ihn der Kanal gebracht hat und zweifellos och weiter bringen wird. Denn ich sehe es kommen: is der Graben fertig ist, ist der Warphof verschuldet bis ort hinaus, und feine Fundamente wackeln. Uebrigens int mir ganz ähnliches schon Schäfer Wiard prophezeit, «ls ich noch ein ganz kleiner Junge war. Wiard ist ein :luger Mann, und meist ist irgendwie eingetroffen, was it so vorhersagte. Hosfentlich behält er nicht recht nut jem, was er außerdem noch prophezeite damals."

Gero lernte sehr eifrig in Berlin. Hätte Detmar aber gewußt, womit er seine Zeit zubrachte, er würde ihn sofort nach Haufe zurückgerufen habn. Zwar hatte er auf der technischen Hochschule in Charlottenburg die Vor­lesungen über Wasierbau- und Entwässerungstechnik be- legt und besuchte sie auch, indessen diese Materie reizte ihn nicht besonders, und manchmal hörte er gar nicht zu, sondern träumte von seiner Antje und den Kornfeldern des Warphofes.

Um fo eifriger war Gera in der landwirtschaftlichen Hochschule, wo er sich ebenfalls hatte immatrikulieren lassen. Dort verpaßte er kein Wort; es gingen ihm die Augen auf, und er bekam den richtigen Begriff davon, wie bei rationeller Behandlung des Bodens noch

glänzende, von allerhand Sumpfvegetation Fläche, und ohne es zu wollen antwortete er: „Ober als wenn es feine Kräfte bis zum Endkampf schont und

Pfähle hielten die .

Wald herrlicher Kiefern verlangt hatten; wohl 10 000

Stämme. Der Sumpf hatte still gehalten und lag nun

So verlief Geros Studienzeit. Zu Haufe in den Ferien hatte er dem Vater gegenüber, wenn auch nicht just ein böses Gewissen, doch ein unbehagliches Gefühl, weil der sich vor ihm so weit gebemütigt hatte, ihn, Gero, um Hilfe zu bitten, unb Geros Vorbereitungen für bisse Hilfe waren boch höchst unvollkommen. Unb doch wäre es viel gewesen, würde man gesagt haben, der junge Bauer hätte nach dieser Richtung hin gar nichts getan, denn allein die Vorlesungen über Moor- kultur gaben ihm über manche Dinge Aufschluß, von denen er bislang nichts wußte und von denen vielleicht möglicherweise sogar Maring keine

Nach Semesterschluß war wie immer Gero eingetrof­fen unb von Antje mit bem Wagen von ber Station abgeholt worden. „Du machst solch trübes Gesicht," sagte das Mädchen nach ber ersten herzhaften Be­grüßung. „Du solltest einmal beinen Vater sehen, der ist so sicher und selbstbewußt jetzt--freilich," fügte

sie nachdenklich hinzu, „gealtert ist er stark, feit du ihn nicht sahst; es ist, als ob etwas in ihm brennt."

„Unb Maring?"

„Ach ber--dein Vater sagt, er wäre ein Unke."

„Dann bin ich auch ein Unke."

„Gero, wie kannst du so etwas sagen? Du glaubst doch nicht, daß ber Bau mißlingt? Herrgott, bas wäre nicht auszudenken! Nein, das darf nicht sein und du — du darfst fo etwas nicht glauben, ich will es nicht!"

Aber Antjes Befehle hatten nur in kleinen neben­sächlichen Dingen Gewalt über Gero. In großen Din­gen, wo es sich um Ueberzeugung handelte, war er so unbeeinflußbar, rote alle Visser vor ihm . . .

„Von glauben kann hier gar keine Rede fein. Ich weiß nicht, wie das Ende sein wird, aber die Sicherheit von Vater kann ich nicht teilen, wohl aber deine Wünsche."

Antje wußte einen Augenblick nicht, ob sie sich ärgern sollte; schließlich kam ihr ein anderer Gedanke. „Gero, hast du auch so studiert, wie dein Vater es von dir erwartet?".

Der junge Bauer antwortete nicht gleich, dann ent­gegnete er: „Ich bin ein Visier, unb wenn ich einmal aufzubauen. Auf bisse Arbeit habe ich mich vorberei­tet, indem ich vor allem Landwirtschaft studierte."

„Wie du das so sagst, hast du ja wohl recht, Gero, aber--das ist doch so ganz gegen den Willen dei­

nes Vaters; sagen darfst du ihm nichts davon, denn später mein Leben beschließe, soll man mir nicht nach­sagen, ich habe ebenfalls alles auf eine Karte gesetzt, wie Vater es tun muh — er kann ja nicht anders. Dem Warphof wankt der Boden unter den Mauern. Meine Aufgabe wird es einmal sein, wieder zu festigen und du würdest ihn quälen und wer weiß, was sonst noch danach körne. Ich meine, wir erzählen es Oma Timke, und bann auch denke ich, wenn du so lange Landwirt­schaft studiert hast, kannst du ja vielleicht den Rest ber