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Suwa, den 13. September 1929 ennachrichken.

■ Privatdozent für Geburtshilfe und Gynä- und Oberarzt an der Frauenklinik der Uni­at Freiburg i- B., Dr. Richard Kräuter Mardorf, Kr. Kirchhain, Abiturient des h'efi- Kamnastums, wurde zum außerordent- en Professor ernannt.

henipfänger!

Die Auszahlung der Zusatzrente an sieche er- chsunfähige Kriegsbeschädigte und Kriegshinter- »bcne findet am Montag, den 16. September ig vormittags 9—12 Uhr statt. Beim Abholen ' Rente ist die gelbe Ausweisnummerkarte oor- lliegen.. — Renten, welche an diesem Tage nicht übaeholt sind, werden den Empfangsberechtigten auf ihre Kosten durch die Post übersandt.

Wichtig für Sozialrentner!

Am Dienstag, den 17. September 1929 norm o__12 Uhr wird die Unterstützung für den Monat

September an die hilfsbedürftigen Sozialrentner fcei Stadt Fulda ausgezahlt. Beim Abholen der Rente ist die rote Ausweisnummerkarte vorzu- legen. Renten, welche an diesem Tage nicht abge­holt sind, werden den Empfangsberechtigten auf ihre Kosten durch die Post übersandt.

Reue Mister.

Bor der hiesigen Meisterprüfungs-Kommission bestanden am gestrigen Donnerstag ihre Meister- pritfung die Friseure: Hans W i n g e n f e l d und Jos. B a ch u s, beide in Fulda, sowie Karl Fischer-Hersfeld und Walter Hilde- brandt-Heringen (Werra).

Anerkennung einer Geflügelzucht.

Die Geflügelzucht des Herrn Theo Beck in Hof- bieder, Kreis Fulda, wurde als Mustergeflügelhof der Landwirtschaftskammer für den Regierungs­bezirk Kassel anerkannt.

Die Versicherungspflicht der Angestellten in der Arbeikslosenoersicherung.

Außer den krankenversicherungspflichtigen An­gestellten mit einem Einkommen bis zu 300 Mark monatlich unterliegen auch die Angestellten mkt einem monatlichen Einkommen über 300—700 Mk. -der Arbeitslosenversicherung, wenn sie angestellten­versicherungspflichtig sind, weil sie die Verdienst­grenze in der Krankenversicherung (zur Zeit 300 .Mark monatlich) überschritten haben. Ausgenom­men sind also nur solche Angestellten mit einem Einkommen über 3 00—700 Mark mo­natlich, die auch dann nicht krankenversicherungs­pflichtig wären, wenn ihr Einkommen weniger als 300 Mark monatlich betragen würde. Der Kreis dieser Personen ist beschränkt. In Betracht kom- men Angestellte in leitender, mit selbständiger Der- antwortlirbkeit ausgestatteter Stellung, soweit sie nicht Handlungsgehilfen im Sinne des § 59 des f). G. B. sind. Daher sind keinesfalls arbeits- losenversicherungsfrei z. B. Buchhaltungsvorsteher, Versandleiter, Lagerverwalter, Werkmeister, was auch die neueste Rechtsprechung der Versicherungs- behörden zum Ausdruck bringt. Arrch Einzel- und Gesamtprokuristen können als leitende Angestellte nur dann angesehen werden, wenn die Art und der Umfang des in Frage kommenden Betriebes und die Stellung, die der Prokurist in diesem Be­triebe einnimmt, es rechtfertigen: andernfalls un­terliegt der Prokurist als Handlungsgehilfe der Dersicherunqspflicht. Während für die krankenver- sicherungspfl'chtigen Angestellten besondere Mel- düngen an die Krankenkassen nicht erforderlich sind, da die Meldung für die Krankenversicherung gilt, sind die nicht krankenversicherungspflichtigen, aber arbeitslosenversicherungspflicktigen Angestell­ten durch den Arbeitgeber unverzüglich der zustän- digen Krankenkasse zu melden. Zuständia ist, so­weit die Angestellten freiwillig für den Fall der Krankheit bei einer Orts-, Land-, Betriebs-, oder Jnnungskrankenkasie, bei der die Angestellten zu versickern wären, wenn sie krankenversicherungs­pflichtig wären (für knavpschaftlick Versickerte ist die Reichsknappsckast zuständig). Der an die zu­ständige Krankenkasse zu zahlende Beitrag betrögt für die Angestellten mit einem Einkommen von 300—700 Mark monatlich zurzeit 3 Prozent von »00 Mark — 9 Mark monatlich, (und zwar Arbeit- aeber und Angestellten je 4.50 Mark). Ist der Angestellte bei einer Ersatzkasse versichert, so hat der Arbeitgeber seinen Beitraqsanteil dem Ange­stellten zur Abführung an die Ersatzkasse auszu- händigen. Soweit Arbeitgeber bisher eine Mel­dung unterlassen haben, wird ihnen dringend emp­fohlen, sie unverrüalick nackmholen, da sie fonff Getabr laufen, neben einer O'-dmrngsürasi in Geld noch das 1—äfache der rückständigen Beiträge ent­richten zu müssen.

Cs kann noch regnen!

Ei. was war denn das? Man hat fo schön ge­schlafen und wittert plötzlich Morgenluft, worauf man Ohren und Augen langsam öffnet. Das Ge­hör vernimmt ein ungewohntes Esräufck ... es tropft . . . man fckiebt den Vorhang zur Seite . . . man traut seinen Auaen nicht . . . 'es regnet. Aus dunstigen Schwaden fließt es. einmal zaghaft, dann wieder etwas bestimmter. Es hört auck bald wie­der auf und die Sonne guckt bitter-süß in den Morgen des 13. September, der ein Freitag ist. Immerhin- es hat wieder einmal geregnet nach wockenlanger Trockenbeit. Es geht nock. St. Beter, der das Wetter macken soll, hat das Regen-Regi­ster nock nicht abgebaut, wie manche Ungeduldige schon glaubten. Rur nickt gleich hitzig werden, wenn auck einmal das Wasser nickt so reichlich zur Verfügung steht. Rur nickt gleich verzagen, wenn der Regen, einmal ausbleibt. Gerade gestern herrschte in der Fuldaer Stadtverordnetenver­sammlung noch die Ansicht, daß es sobald nicht regnen werde. Und siehe da. noch keine zwölf Stunden später sah man Wasserpfüben in den Stra­ßen. Zu behaupten, die gestrige Wasserdebatte im Rathaus habe der zuständigen höheren Instanz die Dringlichkeit von Regenwetter besonders klar ge­

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Samstag, oen 14. September 1929.

macht, würde ja sicher als naiv empfunden wer­den. Aber wer kann die Kausalität im Einzel- fall genau feststellen? Es gibt Leute, die glauben, die Weisen von Zion seien daran schuld, daß Deutschland die Marneschlacht nicht gewonnen habe und andere sind überzeugt, die Uoung-Annuiiäten seien deshalb so hoch, weil Frau Gustav Strese- mann keine blonden Haare habe. „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich die Schulweisheit nichts träumen läßt." Zusammen­hang hin, Zusammenhang her. Es hat oeregnet. Alles übrige wird sich finden.

Rekordauftrieb auf dem gestrigen Viehmarkt.

Die Futterknappheit scheint Einfluß aus die Beschickung der Viehmärkte zu haben. Auf dem gestrigen hiesigen Viehmarkte waren fast 1000 Tiere aufgetrieben, eine Zahl, die man seither nicht ge­wohnt war. Sämtliche Gastwirtschaften und Stal­lungen in Fulda waren überfüllt. Auch die Reichs- bahn hatte reichlich zu tun. Am Mittwoch trafen 94 Wagen mit Vieh von auswärts am hiesigen Bahnhof ein. Rach Marktschluß am Donnerstag wurden auf dem hiesigen Bahnhoft 115 W a g e n mit Vieh beladen und verfrachtet. In den Mittagsstunden mußten je ein Viehsonderzug in den Richtungen nach Frankfurt a. M., Bebra und Gießen abgelassen werden. Auck die mit dem Ord­nungsdienst beauftragten Polizeibeamten hatten wegen der unglücklichen Lage des Viehmarktes und des beschränkten Raumes keinen leichten Stand.

Die Hagebutten leuchten ....

Die Zeit ist vorüber, da Jugend weit wanderte, ^wenn am Walde die Heckenrosen blüh'n". Der September hat die Früchte der Heckenrosen am Wege purpurrot gefärbt. Jetzt ziehen die alten Waldgänger, die die Wilvfrüchte zu werten wissen.

hinaus, um die Hagebutten einzusammeln. Die Stacheln der Rosen reißen eifrige Hände auf und selbst Handschuhe schützen nicht immer beim Pflük- ken der roten Früchte. Viele Hausfrauen schätzen die süßen Suppen aus den Früchten der Rosin ain Hag. Aber wenige wissen, daß die Hagebutten zu köstlichen Kompotten verarbeitet werden können. Daß ein wundervoller Fruchtwein aus Hagebutten und ein vollmundiger Likör aus den roten Früch­ten gebraut werden können, weiß jeder Trinker eines guten Obstweines. Früh schon hat sich das deutsche Märchen des Männleins im Walde an­genommen. Das Volkslied singt: „Hier lagen wir im Heckendorn, in Gras und grünen Ranken.

Aus dem Gerichlsfaal.

Gegen den Inhaber eines hiesigen Herren- Konfektionsgeschäftes auf Abzahlung war Anzeige wegen unlauteren Wettbewerbs erfolgt. Er hatte in Geschäftsanzeigen behauptet, daß bet Ratenzah­lungen auf gekaufte Waren kein Preisaufschlag er­folge. Im gestrigen Termin wurde aber das Ge­genteil erwiesen. Das Urteil lautete auf 30 Mk. Geldstrafe. — Der 19jährige Zimmerlehrling R. L. von A. hatte in einem unbewachten Augenblick aus der Schublade des Nachbarhauses zwei Zehn­markscheine gestohlen. Der Verdacht richtete sich sofort auf L., der den gestohlenen Betrag auch so­fort zurückerstattete, als man ihm Vorhaltungen machte. Wegen der großen Unverschämtheit, mit der L. bei diesem Diebstahl vorging, zumal er nicht in Not war, wurde er zu 30 Mk. Geldstrafe oder zu 6 Tagen Gefängnis verurteilt. — Weil der F. D. von hier auf einem verbotenen Wege Rad gefahren hatte, erhielt er 3 Mk. Geldstrafe. — Die gleiche Strafe erhielt auch der M. von K., der wiederholt unbefugt auf einem Rasenplatz im Ba­degarten gelagert hatte.

Eine wichtige Skadkverordneken-Sitzung.

Die Bezirkssteuern erhöhen sich auf 121.476 Mk. — 3m Etat waren nur 100.000 Mk. eingesetzt. — Gerichtliche Feststellung der Rechts- und Vesitzverhülknisse auf dem JMafj vor der Hoffchmiede ist uokwendig. — Für den Ausbau des Zieherferweges bis zur Berufsschule werden die Rosten in Höhe von 20.000 Mk. bewilligt. — Die Wasserdebakte erlebt eine zweite Auflage. — Oberbürgermeister Dr. Antoui gibt Auffchlutz über die Pläne

Obwohl die Neuwahlen immer näher rucken, sind die Fuldaer Stadtverordneten noch eifrig tätig. Erst acht Tage sind seit der letzten Stadckerordne- tensitzung vergangen. Auf gestern nachmittag 5 Uhr waren die Stadtverordneten schon wieder zu einer kurzen Tagung zusammengekommen. Zu ihr waren vom Magistrat Oberbürgermeister Dr. A n- t o n i, Stadt- und Vaurat E b e r l e i n, Stadtrat Dr. Kramer, Stadtrat Sunkel, und Magi­stratsrat Dr. D a n z e b r i n k erschienen. Als Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt Schul­theis kurz nach 5 Uhr die Sitzung eröffnete, wa­ren 21 Stadtverordnete anwesend.

Als erster Punkt wurde eine Magistratsvorlage behandelt, in der um eine weitere

Rachbewilligung von Mitteln für die Bezirks­steuern

für das Jahr 1929 gebeten wurde. Wie der Be­richterstatter, Stadtv. Zirkenbach, mitteilte, waren bisher die Bezirkssteuern nach dem Maß­stab-Steuersoll von 1927 berechnet worden. Nach dem Steuersoll von 1.928 erhöhen sich die Steuern aber um 10935,52 Mark. Bekanntlich waren schon am 1. August 10541 Mark Über den im Etat fe st gesetzten Betrag von 10 0 0 0 0 Mk. na chbewilligt worden. Mit der jetzt gefor­derten Erhöhung betragen die Bezirkssteuern für 1929 insgesamt 121476,52 Mark. Da die Erhöh­ung zwangsläufig eintritt, konnte das Kollegium die Bewilligung nicht verweigern.

Seit langem bestehen Streitigkeiten zwischen der Stadtverwaltung und dem Besitzer der H o f s ch m i e d e über

die Rechts- und Besihverhältnisse auf dem Platz an der Ecke Schloßstraße—Rhabanusstrstze.

Stadtv. Frank berichtet, daß der Platz zum größten Teil der Stadt gehört. Die Hoffchmiede benutzt ihn aber seit Jahren zur Durchführung ihres Betriebes. Sogar die Tankanlage, die Herr Auch vor seiner R-eparaturwerkstätte errichtet hat, liege z. Teil auf städtischem Grund und Boden. In den Verhandlungen hatte die Stadt zuletzt vor­geschlagen, die Hofschmiede könne den Platz wei­terbenutzen gegen eine Anerkennungsge- bührvon2Mk. Als der Vertrag unterzeichnet werden sollte, verweigerte der Besitzer die Unter­schrift, da er anerkennen sollte, daß er k e i n R e cht auf den Platz habe uni) daß die Erlaubnis zur Benutzung jederzeit von der Stadt zurückgezogen werden könne. Dos Eigentums-Recht der Stadt wird zwar nicht bestritten, doch glaubt Herr Auth auf ein Benutzungsrecht Anspruch ma­cken zu können. Zur Klärung der Rechtslage soll eine Feststellungsklage durchgeführt wer­den. Die Versammlung erteilt einstimmig ihre Zustimmung.

In der letzten Stadtverordnetenversammlung war die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 20 000 Rm. bewilligt worden. Die Summe war für den

Ausbau des Zieherferweges bis zum Berufsfchul- gebäude

vorgesehen. In der gestrigen Sitzung wurden nach Entgegennahme eines Berichtes des Stadtv. Fer­dinand Schmitt die Mittel zum Ausbau der Straße bewilligt. Die Baukommission hat die Vor­ige gevrüft und keine Einwendungen erhoben. 3000 Mk. werden zur Errichtung der Gartenein- fricdigung und 17 000 Mark zum Bau der Straße verwendet. Der Antrag fand einstimmige Geneh­migung.

Die

Debatte über die Dasfernot

die schon im Frühjahr im Stadtparlament einmal geführt worden war, erlebte infolge der monate­langen Trockenheit des Sommers in der gestrigen Sitzung eine neue Auflage. Stadtv. Rhode hatte eine A n f r a g e an den Magistrat gerichtet,

zur Anlegung von Tiefbrunnen.

die folgenden Wortlaut hat: „Was ist gesche­hen und was gedenkt die Stadt Fulda zu tun, um den Wassermangel der Stadt Fulda abzuhelfen?"

In der Begründung seiner Anfrage wies Stadtv. Rhode zunächst auf die Gefahren hin, die 'durch den Wassermangel für die Bevölkerung bestehen und bat um Auskunft, wie weit die Vor­bereitungen für die in der Nähe der Stadt beab­sichtigten Bohrungen nach Wasser fortgeschritten seien. Es sei notwendig, daß baldige Abhilfe ge­schaffen werde, da and) im Winter eine dauernde Trockenperiode wieder eintreten könne. Weiterhin teilte er mit, daß er dem Magistrat eine Quelle zur Prüfung ihrer Ausnutzbarkeit empfohlen habe, die in der Nähe der Rommerzer Quelle liege. Auch möge man erwägen, ob es nicht angebracht fei, die drei Quellen, die in der Nähe des Kron­hofes zutagetreten, zur Wasserversorgung hcr- anzuziehen. Man habe ihm erzählt, daß diese Quellen täglich mindestens 100 Kubikmeter aus­schütten.

Oberbürgermeister Dr. Aukoul

gab dann eine ausführliche Darlegung derheuti - gen Lage des Wasserwerkes und der Pläne, durch Bohrungen die Wassernot zu behe­ben. Er führte u. a. aus:

Durch die Fassung der Altenfelder Quellen und die Anlegung der neuen Hochbehälter durfte man hoffen, daß die Stadt stets unter normalen Verhält­nissen ausgiebig mit Wasser versorgt werden könnte, wenn es, wie üblich, alle 14 Tage regnete. Infolge der Monate langen Trockenheit in diesem Sommer und des Umstandes, daß sich auch wegen des starken Frostes im Winter im Boden keine Feuchtigkeit ansammeln konnte, ist in den letzten Tage die Lage des Wasserwereks aber katastro­phal geworden. Die tägliche Schüttung der Quellen geht ständig zurück. Der Zulauf zu den Hochbehältern betrug am 11. Juni 1929 noch 4 9 0 5 K u bi km et er; anfangs Juli war er er auf 4270 zurückgegangen: am 16. August betrug der Zulauf noch 3722, am 30. August 3310; am 10. September ist der tägliche Zulauf sogar auf 3096 Kubikmeter zu rückgegangen. Hinzu kommt nur noch eine tagtiche Abgabe des Horaser Wasserwer- k e s von 70—80 Kubikmeter.

Oberbürgermeister Dr. Antoni wies weiter darauf hin, daß die Wassernot heute in fast allen Städten und Dörfern Deutschlands besteht. In Fulda herrscht nur in einigen Stadtteilen ausgesprochener Wassermangel. In dem unteren Teil und dem oberen Teil läuft das Wasser fast regelmäßig. Nur im mittleren Teil versagt seit einiger Zeit die Wasserleitung. Es gibt aber kein Haus, in dem nicht wenigstens zu einer bestimmten Zeit des Tages, bezw. der Nacht Wasser gezapft werden könne. Dieser Umstand führe dazu, daß in jedem Haus­halt beträchtige Mengen gesammelt würden, die bann oft nicht verbraucht werden könnten. Durch dieses durch die Derhältnisie bedingte „Wasserham - st e r n ", das vielfach eine Verschwendung des Wassers zur Folge habe, werde der Wassermangel wei­ter verstärkt.

Für den A u s b r u ch einer Feuersbrunst fei man dadurch gerüstet, daß auf dem Watschet stets die am Höch st en gelegene Kammer voll Wasser gehalten werde. Sobald ein Brand ausbricht, be­steht die Möglichkeit, nach einer gewissen Zeit (ca. 20 Minuten) durch Umstellen der Schieber genügend Was­ser zu dem bedrohten Stadtteil zu leiten.

Die Frage, wie der Wassernot abzuhelfen sei, be­schäftigt seit langem die Stadtverwaltung. Weüere Quellen zu fassen, sei nach der Ansicht aller mit den Um­ständen vertrauten Kreise nicht zweckmäßig. Die fier» anziehung der Kronhofauellen könne keine wesentliche Hilfe bringen Es sei fraglich, ob die Quellen wirklich täglich 100 Kubikmeter ausschütten. Auch sei das Wasser nach einem Gutachten hygienisch nicht einwandfrei, da der Untergrund verschmutzt -st. Wollte man die Quellen ausnutzen/so müßten alle umlie­genden Häuser niedergelegt werden.

Eine endgültige Behebung der Fuldaer Wasiernot könne zweckmäßigerweise nur durch die Anlage von Tiefbrunnen in 80—100 Meter Tiefe erzielt werden. Der Magistrat hat zu diesem Zweck verschie­

dene Gutachten eingeholt. Der bekannte Geologe B ü k. fing, der die Bodenverhältnisse unserer Gegend einge­hend durchforscht hat, ist der Auffassung, daß ganz :r der Nähe der Stadt durch Bohrungen Grundwasser, das zu Trinkzwecken geeignet ist, erschlossen werden kann. Ein weiter eingeholtes Gutachten der Preußischen Landesan st alt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene stimmt mit den Angaben Prof. Bük- king ganz überein. Es werden Bohrungen in der Nähe von Ziehers und in der Richtung nach Riesig und an dem Abhang des Michelsrombacher Waldes empfohlen. Weiterhin wurde noch als Kenner der ört­lichen Verhältnisse Herr Köhl um ein Gutachten er­sucht. das mit den anderen Gutachten ganz überein- stimmt. Herr Köhl schätzt die Ko st en zur Durch­führung der Bohrungen und der Röhrenanlagen auf rund 150000 Mark. Die entsprechende Vor­lage werde morgen den Magistrat beschäftigen und tn einigen Wochen der Stadtverordneten-Versammlung zur Beratung vorgelegt werden. Vielleicht könne, wenn mii den Bohrungen rechtzeitig begonnen werde, schon in kommenden Winter eine evtl, wieder auftretende Wasser not verhütet werden.

Durch die Maßnahmen könne natürlich der äugen- blickliche Mangel nicht abgestellt werden. Man habe auf die Brunnen der T i vo l i-B r a u • erei und der Cellulosefabrik aufmerksam ge­macht. Die Stadtverwaltung hat sofort Pumpversuche dort vornehmen lassen. Es sei aber keine Pumpe hier oder auswärts zu bekommen, die das Wasser heben könne. Bis eine Pumpe hergestellt werden kann, die den Anlvrücken genügt, werden 6 Wo-ben vergeben. Bis dahin dürfe man aber zuversichtlich aus einen Um» scklag der Witterung und mit dem Aushören des Wassermangels in ganz Deutschland rechnen.

An der Aussprache wünschte Abg. Zirkenbach, daß der Magistrat eine Verordnung erlasse, in der die Bevölkerung zur Spar­samkeit im Wasserverbrauch a u f ge­fordert werde. Er habe heute wieder gesihen, wie in einer Gärtnerei gespritzt worden sei. Ober­bürgermeister Dr. Antoni hatte Bedenken gegen den Erlaß einer Verordnung, da durch sie kaum praktisch etwa? erreicht werde; im Gegenteil die Lage werde noch verschlimmert werden, da die Be­völkerung nervös werde. Es würde dann noch mehr Wasser „gehamstert". Man könne selbstver­ständlich niemandem übel nehmen, wenn er das Wasser, was er täglich braucht, in Bebältern auf* bewahrt. Aber es stehe fest, daß viel Wasser wie­der unbenutzt weggeschüttet werden würde. Er habe Bedenken, zu Zwangsmaßnahmen, wie z. B. in Aachen zu greifen. Auch fei es fraglich, ob man einem Gärtner, der doch auch leben will, das Gie­ßen ganz verbieten könne.

Damit war die Aussprache über die Wafsernot beendet. Gegen %6 Uhr konnte der Stadtverord­netenvorsteher die öffentliche Sitzung schließen. Das Kollegium zog sich danach auch diesmal wie­der zu einer nichtöffentlichen Sitzung zurück.

*

Im Anschluß an die öffentliche Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung fand eine ge­heime Sitzung statt. In ihr wurde, wie wir hö­ren, dem aufgrund des Altersgesetzes am 31. März 1930 erfolgenden Ausscheiden des Oberbürgermei­sters Dr. Antoni mit dem gesetzlichen Ruhegehalt einstimmig zugestimmt. Ferner wurde der Stadfverordnesin-Vorsteher, dem eine Kom­mission zur Seite steht, beauftragt, die Stelle des Oberbürgermeisters zur Ausschreibung zu bringen. Die Besetzung der Oberbürgermei­sterstelle selbst wird erst nach der im November er­folgenden Neuwahl der Stadtvewrdnetenversamm- lung vor sich gehen.

Mdchenkurnen der stad! Volksschulen.

Man schreibt uns:

Im farbenfrohen Aufzuge marschierten heute morgen die Mädchen der drei Volksschulen mit Hellem Sang zum Irrgarten, um ihr Iugendturnfest zu halten. Viele Mütter u. auch einige Väter erwarteten schon die Scha­ren. Im Nu standen die Mädels in ihrer schmucken, ein­wandfreien Turnerinnentracht wohlgeordnet zu den Freiübungen neuesten Stiles.

Nach einer kurzen Ansprache durch Schulrat Dr. H a- wacher begann das Spiel, das Schwung und Freudig­keit zeigte.

Nach den wohlgelungenen Massenfreiübungen erschie­nen die Turnerinnen wieder in ihren bunten Klei­dern — das wirklich Schöne der heutigen Mode — und führten Volkstänze und Turnspiele auf.

Gegen Schluß richtete Oberbürgermeister Dr. An­toni Worte der Anerkennung und Aufmunterung an die Schülerinnen, und Dankesworte an die Lehrerinnen. Er wies darauf hin. daß solches Turnen, das nicht Selbst- zweck werden darf, am besten der harmonischen Aus­bildung von Körper und Geist dient. Mit einem drei- fachen, hellschallenden Heil aus den jugendlichen Mäd­chenkehlen war die kleine Festlichkeit gegen Mittag be­endet.

Das Vrandkommando

der Landeskriminalpolizei zu Frankfurt, das, mit schon mitgeteilt wurde, bisher monatelang im We­sterwald arbeitete, hat am 11. September tatsäch­lich seine Tätigkeit auf Veranlassung der Staats­anwaltschaft Hanau in das Fuldaer Land verlegt, um die Brände in der hiesigen Gegend, deren Ur­sache noch nicht festgestellt werden konnte, aufzu­klären.

Aufbrauchsfrist für Arachkbriefmuster.

Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.» Hanau macht darauf aufmerksam, daß nach einer Verfügung des Reichsoerkehrsministeriumi die Aufbrauchsfrist für die alten Frachtbriefmu- fter neuerdings auf den 31. März 1930 festgesetzt worden ist. Es empfiehlt sich daher, bei Neudruck von Frachtbriefen hierauf Rücksicht zu nehmen.

Das llrloubsgeld der Kellner.

Die Frage, ob die Bezahlung des Urlaubs eines durch Urnfatzprozente entlohnten Kellners aus der

Wie wird das Wetter?

An der Südseite eines zwischen Island und Norwegei liegenden kräftigen Tiefdruckwirbels erstreckt sich übe; Frankreich hinweg eine breite, aber flache Tiefdruckrinne Sie brachte schon am Donnerstag im westlichen Deutsch, land Bewölkungszunahme und vereinzelt auch leichten Regen. Da von Westen her jedoch der Luftdruck wieder ansteigt, ist eine längere und durchgreifende Aenderung des herrschenden Witterungscharakters noch nicht wahr- cheinlich.

Witterungsaussichten für Samstag: Wieder meist heiter, trocken, mäßig warm, westliche Winde.

BAD OEYNHAUSEN ™

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. ISCHIAS« FRAUENLEIDEN

.....P~ZUGSSTATI0N:BEPUN-KOLN/DQgSDEN-AM5TERDAM - AUSKUNFT DURCH DIE BADEVERWALTUNG. WXr