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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

irr. 213

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerri in Fulda. Fernrufe: Schrift- " leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Samstag, 14. September 1929.

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56. Zahrg.

Ausklang in Genf.

wtb. Paris, 13. Sept. (Eig. Meldg.). Der Chefredakteur des „PetitParifien" hatte mit M a c- tzonald am Tage seiner Abreise aus Genf eine Unterredung über die Einstellung Englands zu Frankreich. Auf den Hinweis, daß man in Frankreich auf Grund verschiedener Wahlkundge­bungen und Parlamentsreden sowie vor allem auf Gründ der Vorkommnisse zu Beginn der Haager Konferenz den Eindruck habe, die Arbeiterpartei fei mit einer gegen Frankreich gerichteten Einstel­lung zur Macht gelangt, erklärte Macdonald: Nein, niemals gegen Frankreich! Unsere Politik gegenüber Frankreich ist eine Politik wirklich enger Zusammenarbeit. Die von Ihnen erwähnten Kund­gebungen entsprachen der in England auch in kon­servativen Kreisen weitverbreiteten Anschauung, daß die Politik des britischen Reiches gegenüber Frankreich eine Unterordnung darstelle und daß sie einer unabhängigen Stellung Englands Platz machen müsse. Eine Aenderung der Methode und der praktischen Stellungnahme war erforder­lich, um Großbritannien mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß seine Zusammenarbeit mit Frank­reich freiwillig sei. Durch seinen Ausspruch: „Keine Allianzen, keine Entente mehr, das ist eine überholte Einstel­lung^, habe er, kategorisch feststellen wollen, daß die Haltung der jetzigen Regierung von derjenigen der früheren verschieden sei. Die Borkriegsallianze fei gegen andere gerichtet gewesen. Run fei es aber ein politischer Grundsatz der Arbeiterpartei, daß die Freundschaft von Volk zu Volk keine Spitze gegen irgend ein anderes haben darf, entsprechend dem Geist der Nachkriegszeit. Daher müsse auch die Ausdrucksweise den neuen Zeiten und den neuen Ideen angevaßt werden. Das sei der Sinn seiner Worte „überholte Einstellung". Diese richteten sich gegen ein überholtes Wort. Er dachte dabei nicht im geringsten an einen Bruch der Freundschaft mit Frankreich. Die Zusammen­arbeit mit Frankreick, wird keinem Bruch ausgesetzt fein, weil die dieser Zusammenarbeit zugrunde lie­genden politischen Ziele die gleichen sind.

Ueber die Beziehungen Englands zu ande­ren Völkern des Rats erklärte Macdonald: Ich denke nicht daran, mit irgendeinem Staat Al­lianz abzuschließen, von der Frankreich ausgeschlos­sen wäre oder die gegen Frankreich gerichtet wäre.

Zur Haager Konferenz erklärte Macdonald: Man sollte sich in unsere Lage versetzen, wir waren m der äußersten Grenze unserer Beiträge zum Frieden angelanqt. Denken Sie an die ungeheu­ren La st en unserer Sch ul d gegenüber !lm e r i k a, an die uns die d r ä n g e n d en W i rt- chaftsprobleme, an unser Arbeitslo­se ne l e n d und an den Druck unserer -teuern. Wir konnten es nicht als gerecht hin- aebmen, daß die Sachverständigen, die dazu keinen Auftrag hatten, das Abkommen von Spa abzuän­dern. Wir kannten den neuen Schaden, den rin­der Poung-Plan zufügte, nicht dulden. Wir wer­den alles tun, um die entstandenen Mißverständ- liffe zu zerstreuen.

Die Vomben-Affäre.

Vas Waffenlager im kreise Winsen. — welkere Verhaftungen.

E. Hamburg, 13. Sept. sEig. Meldg.). Wie oer Polizeibericht meldet, wurde bei einer vurch- suchung in der letzten Nacht auf dem Anwesen des Vaters des in der Sprengstoffangelegenheit fest- genommenen Landmanns Amandus Dick in Rönne CKr. Winsen) auf dem Hausboden folgende Waf­fen und Munitionsvorräte gefunden: 2 Maschinen- gewebre, 28 Gewehre, 35 Handaranaten, 7 Schach­teln Sprengkapseln, 7 Gewehrläufe, 5 Kasten Ma­schinengewehrmunition. 2 Kasten Gewehrmunition, außerdem Ersatzteile. Werkzeuge, Oel- und Wasser- kalten. Das Versteck dieser Gegenstände war ein 3 Meter tiefer ausgemauerter Schacht. Der Fuß­boden war an der betr. Stelle des Hausbodens herausgeschnitten und in die entstandene Lücke wie­der hineingeleqt worden. Eine große Futterkiste, die über diesem Ausschnitt stand, verdeckte die Stelle. Auch Amandus Vick fen. wurde fest- genommen.

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wtb. Esten, 13. Sevt. (Eig. Meldg.). Die im Zusammenhang mit den Bombmanschlägen in M L b l h e i m verbgsteten drei Personen sind wn Esten nach Altona gebracht worden, wo die weitere Vernehmung stattfindet.

Mussolinis neues Kabinett.

Mussolini hat den Entschluß bekanntgegeben, aon den si-ben Ministerien, die er jahrelang als Minister selbst leitete, alle bis auf eins, das Mini­sterium des Innern, abzugeben. Das Minifte- num des Innern ist natürlich das für die kontt- ruierliche Politik des Regimes im Lande rrnch- igste, und als solches ist es verständlich, daß der Gründer und Chef des Faschismus hier an der Spitze bleibt.

Als Ministerpräsident behält Musiolini die Füh­rung der Gesamtregierung und der Ministerien, ju deren Chefs er jetzt seine bisherigen Unterstaats- 'etretäre ernannt hat: als Minister des Aeußern Sen Abg. Grandi, als Kriegsminister den bisheri­gen Unterstaatssekretär General Gazerra, als Ma- rineminifter den bisherigen Unterstaatssekretär Ad­miral Sirianni, als Minister für die Kolonien den bisherigen Unterstaatssekretär General de Bono, als Luftfahrtmnister General Bolbo, als Minister der Korporationen den bisherigen Unterftaatssekretär Bottai.

v. Guerard an die Richter.

wtb. Köln, 13. Sept. (Eig. Meld.) Reichs­justizminister von Guerard hielt auf dem 8. Deutschen Richtertag eine Rede, in der er, anknüpfend an das auf dem Hamburger Anwalt­tage von ihm Gesagte, daß Rechtseinheit ein Stück Reichseinheit sei, erklärte, in unserem,ein­heitlichen Recht besitzt unser Volk ein Gut von unschätzbarem Wert. Allzeit ein treuer Hüter dieses Gutes gewesen zu sein, kann die deutsche Richterschaft ebenso wie die Anwaltschaft mit Stolz für sich in Anspruch nehmen. Dafür gebührt ihr aller unser Dank. Die hinter uns liegenden Jahre, so führte der Redner weiter u. a. aus, haben auch die Rechtspflege und die Richter vor Aufgaben von einer nie geahnten Größe und Schwierigkeit gestellt. In diesen Zeiten, wo die Gesetzgebung mit der Entwicklung nicht immer Schritt halten konnte, fiel dem Richter die Aufgabe zu, Mitt- l e r zwischen dem starren Gesetz und der Seele des Volkes und damit Träger der le ben - digen Rechtsentwicklung zu fein. Jeder objektiv Denkende wird mit mir anerkennen, daß der deutsche Richter diese schwerste Probe, die ihm je beschieden war, bestanden und sich auch in dieser Zeit erwiesen hat als das, was er fein soll, als Diener der Gerechtigkeit und Diener des Volkes. Im Hinblick auf den auf dem Richter­tage zu behandelnden Punkt der Tagesordnung: „Bedarf es einer grundlegenden Justizreform?" sagte der Minister: Ich kann nur dankbar fein, wenn Sie aus der Seele des modernen Richters und aus ihren praktischen Erfahrungen heraus an der jetzigen Organisation nachträgliche Kritik üben. Ob wir zu tiefgreifenden Aenderungen ge­langen oder an den bestehenden Grundlagen fest­halten wollen, das sind zur Zeit noch offene Fra­gen, zu deren Klärung Ihre Stellungnahme mit beitragen wird. Zum Schluß begrüßte der Red­ner es, daß die Berufsvertretung der deutschen Richterschaft mit den berufenen Dolmetschern der Volksseele, der Presse, zu­sammenkommt, um sich über ihre gegenseitigen Beziehungen auszusprechen.

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wtb. Köln, 13. Sept. (Eig. Meld.) Der preu­ßische Justizminister Dr. Schmidt be­grüßte in einer Ansprache den 8. Deutschen Richter­tag im Auftrage der preußischen Staatsregierung und der übrigen vertretenen reichsdeutschen Län­der und führte bann u. a. aus: Soll das Bewußt­sein von den hohen Aufgaben der Justiz nicht schwinden, soll das Vertrauen zu ihr erhalten bleiben und gestärkt werden, so müssen unsere Volksgenossen wissen, daß diejenigen, die in erster Linie Hüter des Rechtes sind, mitten im viel­gestaltigen Leben stehen, dem ewig werden­den und sich verjüngenden Rechte und damit dem ganzen Volke dienen und dienen wollen und ernst und ehrlich an den großen Problemen Mitarbeiten, die bas rastlose Leben täglich neu entstehen läßt.

♦ vekchswlrkschaflsminister Dr. Surfing hat Ge­heimrat Ernst von Borsig zum 60. Geburts­tage ein Glückwunschtelegramm gesandt.

* Ernennung im preußischen Handelsministe­rium. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren wird der bisherige Ministerialdirektor S t a u d i n- 0et im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe zum Staatssekretär im gleichen Ministe­rium befördert werden. Er wird sein neues Amt am 1. Oktober antreten.

Eine Nachtübung der Flotte.

wtb. Stvinemünbe, 13. Sept. (Eig. Meld.). Un­ter der Leitung des Chefs der deutschen Flotte, Vizeadmiral Oldenkop, wurde von gestern auf heute eine Nachtübung der deutschen Flotte in der Ostsee abgehalten. Die Flotte war in eine blaue und in eine gelbe Partei ge­teilt, deren jede aus vier Linienschiffen bestehen sollte, jedoch wegen Mangels an Schiffen je durch ’tpei Linienschiffe und zwei Tender dargestellt war. Die blaue führte der Befehlshaber der Sesstreit- kräfte der Ostsee, die gelben der der Nordsee. Bei der blauen Partei befanden sich vier Torpedoboots- halbflotillen (19 Torpedoboote), bei der aelben wurden die leichten Streitkräfte durch sechs Minen- U-Boote dargestellt.

Bei Einbruch der Dunkelheit begann die Übung. Die blaue Partei hatte den Auftrag, ihr Ueberge- wicht an Torpedobootsstreitkräften zur Schädigung des Gegners zur Wirkung zu bringen, bevor die schweren Streitkräfte aneinander gerieten. Die Aufgabe wurde in vollem Umfange gelöst und war heute früh gegen 3 Uhr beendet. Der Nachtübung waren im Laufe des Donnerstoo in der mittle­ren Ostsee Gefechtsübungen zwischen annähernd oleichstarken Streitkräften vorangegangen, die aus Linienschiffen und Torvedobooten bestanden.

China und Rußland.

Anweisungen der chinesischen Regierung an ihren Vertreter in Genf.

wtb. Nanking, 13. Sept. (Eig. Mekd.) Reuter. Der chinesische Minister des Aeußern hat den chinesischen Vertreter in Genf angewiesen, die Sowjetregierung davon in Kenntnis zu setzen, daß die chinesische Regierung die Sowjetunion für die Menschenopfer und den Schaden verantwort- lich machen wird, die durch die Beschießungen durch Sowjet-Truppen in den Grenzgebieten der Mandschure: verursacht ist. Die chinesische Regie­rung hat ihren Genfer Vertreter ferner beauf­tragt, auf die Haltlosigkeit der von der Sowjet- Propaganda aufgestellten Behauptung hinzuweisen, daß Sowjetbürger in China schlecht behandelt würden. 1

Die Arbeikslosen-Reform.

VDZ. Berlin, 13. Sept. (Eig. Meld.) Vertreter der Reichsregierung setzten heute vormittag in einer gemeinsamen Sitzung mit den Vertretern der Regierungen von Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg die Verhandlungen über die Reform der Arbeitslosenversicherung fort.

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VDZ. Berlin, 13. September. (Eig. Meld.) Im sozialpolitisch en Ausschuß des Reichs­tages wurde heute die Beratung über die Reform der Arbeitslofenversicherung fortgesetzt. Vor Ein­tritt in die Tagesordnung wurde vom Zentrums­abgeordneten R i e s e n e r und vom Vorsitzenden, Abg. Esser (Ztr.), eine Nachricht der deutsch- nationalen Pressestelle als unzutreffend zurück­gewiesen, in der es hieß, nach einer Mitteilung des Abg. Graf Westarp (Dtn.) seien Zen­trum und Sozialdemokraten darin übereingekom­men, das ganze Defizit der Reichskasse aufzu­bürden. Von den Rednern des Zentrums und den Sozialdemokraten wurde betont, Graf Westarp habe eine solche Erklärung nicht abgegeben, sonst würde man dieser falschen Darstellung sofort entgegen­getreten sein.

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VDZ. Berlin, 13. Sept. (Eig. Meld.) Zur Reform der Arbeitslosenversicherung erfährt das Nachrichtenbüro des V. D. Z. weiter, daß in den gestrigen Verhandlungen der Reichsregie­rung mit der preußischen Staatsregie­rung eine Verständigung erzielt worden ist, die in gemeinsamen Vorschlägen an den Reichs­rat ihren Ausdruck finden soll. Heute werden die Vertreter der Regierungen von Sachsen, Bayern und Württemberg über den Jnhast des neuen Entwurfes unterrichtet.

* Der französische Dampfer Baukis ist bei Greenly-Island (Neufundland) in unmit­telbarer Nähe der Stelle, wo im vorigen Jahre das Ozeanflugzeug „Bremen" gelandet mar, ge­scheitert.

Genf, im September.

Aeußerlich merkt man in Genf, dieser eigen­artigen Mischung von Klein- und Großstadt, nicht so sehr viel davon, daß in diesen Tagen alle nam­haften Staatsmänner Europas, ja fast der ganzen Welt, hier versammelt waren. Gewiß, es lind viele Fremde gekommen, reisende Engländer, Amerikaner, auch viele Deutsche, die in der Schweiz waren und nun einen Abstecher über Genf ge­macht haben. Der Verkehr in den breiten Stra­ßen nahe beim Bahnhof und beim Völkerbunds­gebäude, in der Rue de Montblanc und am Quai de Montblanc, ist lebhafter geworden, und nicht nur zu den Stunden des Geschäftsschlusses, um 12 und um 7 Uhr, sondern auch sonst tagsüber sau­sen hier die Automobile, und manche tragen nur ein kleines Fähnchen in irgendeiner der vierund­fünfzig Nationalfarben der Dölkerbundsmitglieder .... Und auch die Hotels haben geflaggt, in denen die Delegationen wohnen — aber das ist auch al­les. Die Stadt selbst zeigt kein besonders fest­liches Gesicht, — den Genfern scheint der Völker­bund samt seiner zehnten Jubiläumsoersammlung eine Alltäglichkeit geworden zu sein. Keine Fahne, keine Illumination, nicht einmal die ratternden schüttelnden Straßenbahnwagen hat man hübscher instand gesetzt, wahrscheinlich weil man glaubte, daß die Delegierten dort sowieso Auto fahren.

Genf nennt sich gerne die Völkerbundsstadt, aber es hat für diese Ehre wenig getan und tut auch setzt wenig. Nur wenn einmal eine Tagung au­ßerhalb der Stadt angesetzt wird, besinnt man sich darauf und — fängt an zu schimpfen.

Doch halt, beinah hätte ichs vergessen, — jedes Jahr im September lädt die Stadt Genf zu einem ebenso kurzen wie feierlichen Empfang in das — vom alten Braunschweiger gebaute Grand Teätre ein.

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Wer nicht „dabei" ist, wenn die in allen Spra­chen der Welt redende babylonische Versammlung im schmucklosen, aber geräumigen Reformations­saale tagt, kann sich schwer ein Bild von ihr ma­chen. Und doch lohnt es sich, wenn man sich auch mit dem Aeußeren dieser großartigsten, weit um­fassendsten und ständig wiederkehrenden diplomati- chen Konferenz, mit dem „Drum und Dran" einer Völkerbundsoersammlung beschäftigt. Erst bann wird man die Berichte über Reden und Ausschuß- itzungen, die man jetzt jeden Tag in der Zeitung liest, richtig verstehen.

Der Reformationssaal diente bisher der Voll­versammlung für ihre großen Sitzungen und wird auch für die nächsten Jahre noch dienen, bis der neue Völkerbundspalast fertig ist. Ein nüchterner, gestreckt rechteckiger Raum mit zwei übereinander» liegenden Tribünen. Im Saal selbst sitzen die De­legierten der vierundfünfzig Länder, nach dem Al­phabet ihrer französischen Namen geordnet. Deutschland (Allemagne) sitzt also in unmittelbarer Nachbarschaft der Albanier, der Australier und Oesterreicher (Anstriche). Es ist in Wahrheit eine bunte Versammlung, eine Versammlung aller Ras­en und Sprachen. Aus dem Fernen Osten sind die Chinesen und Japaner gekommen, aus Europa alle

0 Hugenberg!

Die Deutschnationalen, die wir imme» als eine ernsthafte Partei gewürdigt haben, mit der man in Meinungsverschiedenheiten stehen, mit der man aber auch Stücke Wegs zusammengehen konnte, sind durch ihren Führer Hugenberg wieder stark bloßgestellt. Hugenbergs Volksbegehren, zu- fammengebraut mit Hitler und Lehrte, ist ver­heerend schlechte Dilettanten-Ar- b e i t. Nicht einmal die „Deutsche Tageszeitung" tritt mit Wärme für das komische „Gesetz" ein, das Hugenberg zur Annahme empfiehlt. In der Ber­liner Presse findet der Hugenbergsche Gesetzentwurf eine vernichtende Kritik. Die Deutsch- Diplomatische Korrespondenz sagt folgendes: „Es ist noch nirgendwo in der Welt möglich gemeßen, durch eine einseitige Erklärung des Schuldners Forderungen feiner Gläubiger zum Erlöschen zu bringen, und ganz bestimmt wird das bei den ge­gebenen Machtverhältnissen nicht durch eine Erklä­rung Deutschlands gegenüber der Gesamtheit seiner Gläubigermächte der Fall fein. Um so törichter ist es deshalb, deutschen Staatmännern, die nach be­stem Wissen und Gewissen uns unter schweren und mühevollen Verhandlungen Erleichterungen und Fortschritte für uns erwirken konnten, mit dem Hochoerratsparagraphen drohen zu wollen."

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Die erste Pleite in dem Hugenbergschen Fe. zug ist inzwischen auch eingetreten. Wie nämlst. die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, hat das Präsidium des Reichslandbundes, das sich am Mittwoch mit dem Wortlaut des Volks­begehrens beschäftigt, einstimmig beschlossen, dem 8 4 die Zustimmung zu verweigern Dieser § 4 bedroht die Mitglieder des Reichskabi- netts mit Gefängnis und Zuchthaus, wenn sie in Zukunft „Tributverträge" unterzeichnen. Die Hu- genbergfront hat also gleich zu ^Beginn einen Knick bekommen. Darüber braucht man sich nicht zri wundern, wenn man in dem Entwurf eine Bestim­mung lieft, die nicht nur der Reichsregierung, son­dern auch dem Reichspräsidenten v. Hin denburg Strafen in Aussicht stellt. Es

Länder mit Ausnahme der Russen, aus Amerika die Canadier (die Nordamerikanische Union gehört dem Bunde nicht an) und fast alle Südamerikaner, aus Afrika der schwarze Vertreter der Republil Liberia, der immer von einem Weißen begleitet ist, der einen deutschen Namen hat und sich sogar Baron nennt . . . Man hört alle Sprachen, wenn die Delegierten, deren jedes Land, groß oder klein, gleicherweise drei sendet, miteinander reden, — die offiziellen Sprachen dagegen, in denen die Red­ner vom Rednerpult herab sprechen, sind immer noch Französisch und Englisch. Spricht ein Redner französisch, so wird am Schluß seiner Darlegungen das Ganze im Zusammenhang von einem Dolmet­scher des Völkerbundes englisch vorgelesen, und umgekehrt. Wenn ein Redner keine der beiden Bundessprachen beherrscht, darf er sich seiner Mut­tersprache bedienen, muß aber von sich aus dafür Sorge tragen, daß seine Rede in eine der beiden offiziellen Sprachen übertragen wird. So hat man im Reformationssaal neben den beiden Bundes­sprachen schon Redner in Chinesisch, in Spanisch, in den slawischen Sprachen und am häufigsten in Deutsch gehört.

Die Versammlung wählt, — nachdem sie der amtierende Präsident des Völkerbundrates, dies­mal ein persischer Prinz, eröffnet hat, — ihren Präsidenten. Natürlich hat eine solche Präsiden­tenwahl bei einer derartigen Diplomatenversamm­lung ihre Hintergründe. Tagelang vorher werden Gerüchte über die ausersehene Persönlichkeit lan­ciert. Meistens ist es auch so, daß irgendein Land, das einen gewissen Grund zur Verstimmung hat, mit dem Beruhigungspflaster der Präsidenten­schaftsehre versöhnt werden soll. Neben dem Präsidenten werden — aus ähnlichen Zusammen- hängen heraus — die Vizepräsidenten bestimmt, worauf die Versammlung jedes Jahr sechs Aus­schüsse bildet, die sich mit juristischen, politischen, Budget-, Abrüstungs-, Transit- und Wirtschafts-, sowie Hygiene-Fragen beschäftigen. Ihre Arbest läuft neben der allgemeinen Versammlung her.

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Wer aber füllt die beiden Tribünen des Saa­les? Die erste ist der Presse reserviert, den 3- bis 400 Journalisten, die jedes Jahr im September hier zusammen kommen. Auch sie sind aus allen I Ländern der Welt, viele aus Deutschland, aus Frankreich, England, Italien, Belgien, Nordame­rika, aber auch aus Skandinavien, Polen, dem Balkan, Spanien, Südamerika, ja aus Japan, China und Indien. Wer Menschen sehen und ken­nen lernen will, braucht nur im September zur ersten Tribüne oder abends in die „Völkerbund­kneipe", die Bavaria, zu kommen, — er findet ihrer genug, und die verschiedensten Köpfe.

Am wenigsten interessiert an der Versammlung ist das Publikum, — fast immer die gleichen Köpfe, neugierige Cook-Reifende (neben Naturfchönheit offeriert Cook auch: League of Nations . . .), ge­schminkte Damen und Dämchen, politische Frauen, — nur selten ein frisches, junges Gesicht, und das gehört denn meist einem deutschen Studenten, her sich den „Betrieb" mal ansehen will. „Das Volk", dem — im Pural — der „Völker"dund ja dort 1 letzlich dienen will, kommt nie ....

Wie gehl es bei einer völkerbundsnersamminng zu?

Von unferm ständigen Genfer Mitarbeiter.

Sie,.VgttLrhMdsstadt". — Das Sichere vild der Versammlung. — Wsldenlenwahl und Ihre Anker grüude.—Die Lechs Ausschüsse.—Vresse-und Vublikumskribiine.—„Völkerbund" ohne „das Volk"