56. Zahrg.
uldaerZeitung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
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I im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag lifj. 41V I der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- I:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
M saarländischen parleisuhrer in Gens.
Saarbrücken, 10. Sept. (Eig. Meld.). Der m-nser Vertreter der Saarbrücker Zeitung meldet, gestern die in Genf weilenden Führer der Mailändischen Parteien in Anwesenheit 2r. Stre- l-manns, Staatssekretärs von Schubert und der Reichrtagsabgeordneten v. Rheinbaben, Dr. Kaas iind Dr- Koch-Weser von der deutschen Delegation Mpfangen worden seien. Bei der Besprechung alle Fragen erörtert worden, die mit der Einleitung diplomatischer Verhandlungen über die Saarfrage zwischen Deutschland und Frankreich in Verbindung stehen und festgestellt, daß der Stand- S sämtlicher vertretenen Parteien in den be- enen Frage ein einheitlicher ist. Die Verhandlungen, die nach dem Berichterstatter in der Säten Hälfte des September in Paris beginnen, en deutscherseits voraussichtlich unter der Leitung des Staatssekretärs a.D.Dr. Ernst v.Simson.
Kritik der Strefemann-Rede.
Die Rede Stresemanns wird von der franz ö - fischen Presse als schr bedeutsam gewürdigt und von vielen Blättern nach den Erklärungen Macdonalds und Briands als weiterer Beitrag zur Friedenspolitik bezeichnet. Besonders wird die bei aller Festigkeit maßvolle Art des Vortrags hervorgehoben und besonders die Zustimmung zum Briandschen Vorschläge einer Neuorganisation Europas unterstrichen.
Der Außenpolitiker des „Matin" sagt, eine Gruppe der Stresemannschen Darlegungen stelle die Ansichten der Höhenstraße über die Entwicklung Europas dar, die andere Gruppe der Darlegungen sei das persönliche Werk Stresemanns, das Werk eines Ministers, der vorwärts schreite und die Ereignisse von hoher Warte aus zu beurteilen versuche, indem er mit gutem Willen an dem gemeinsamen Unternehmen mitarbeite.
Der Genfer Sonderberichterstatter des „Journal" fragt: Wie lange wird das Reich die Möglichkeiten, die ihm Artikel 19 der Völkerbundssatzung geben, unbenutzt lassen? Die Kontinuität der Auffassung, sich zur Befreiung von den im Versailler Vertrag auferiegten Bedingungen dieses Artikels zu bedienen, macht es den alliierten Staaten zur Pflicht, (die Möglichkeiten, die eintreten könnten, vorauszusehen.
Der Genfer Berichterstatter des „Pettt Journal" erklärt die Rede Stresemanns für geschickt und klug. Es sei die Rede eines guten Europäers, aber fteilich die Rede eines Europäers, der allzu ausschließlich als Deutscher spreche und denke.
Der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" in Genf sagt: Stresemann hat sich sehr versöhnlich und maßvoll gezeigt. Seine Rede lag ganz in der Linie, die Macdonald und Briand vorgezeichnet haben.
Englische Blätter.
wtb. London, 10. Sept. (Eig. Meld.) „Times* läßt sich aus Genf berichten: Wenn Dr. Strese
manns Vorschlag, die ganze Völkerbundssatzung neu zu prüfen, angenommen werden sollte, werde noch weniger Aussicht als jetzt bestehen, daß irgendeine Aenderung oergenommen werde. ; Im „Daily Herold" schreibt Glocombe, Briand und S t r ese- manrt seien die zwei größten Männer u n se r er Zeit. Stresemann fei nicht nur ein Physionär, er sei auch ein äußerst kluger Politiker, ein unerbittlicher Realist, er habe Mut, Phantasie und Ehrgeiz. Wenn seine durch Ueberarbeit geschwächte' Gesundheit durchhalte, so werde er es erleben, daß er als der große Befreier Deutschlands und Mitgründer der Franco-Deutschen Versöhnung gefeiert wird.
Die amerikanische Presse.
wtb. Newyork, 10. Sept. (Eig. Meld.) Die Blätter berichten ausführlich über die Verhandlungen der Völkerbundsversammlung in Genf. Auch die Rede des Reichsaußenministers Dr. S t r e f e» mann wird an hervorragender Stelle abgedruckt. „World" schreibt in einem Leitartikel, die Rede Stresemanns zeigte, daß der Vorschlag Briands durchaus nicht auf steinigen Boden gefallen sei. Die Ausführungen des deutschen Außenministers feien zudem mit sichtlicher Sympathie von den Vertretern der anderen Länder ausgenommen worden. Freilich fei die Zeit zum Uebergang von der Erörterung zu Taten noch nicht gekommen. „Times" meint, Stresemann habe mit Recht die Gründe des Pan-Europa-Plans betont, der noch keine politische Gestalt annehmen dürfe. Die wirtschaftlichen Argumente sprächen ausnahmslos für den Plan, während ihn die politischen sofort komplizieren würden.
Ein beuff(^nationales Urteil.
lieber die Genfer Stresemann-Rede schreibt die „Deutsche Tageszeitung":
Mit vielen Teilen der Ausführungen des deutschen Außenministers, die durch gute Formulierungen, Entschiedenheit und Offenheit nach der angenehmen Seite hin enttäuschten, kann sich auch der Kritiker der Sttesemannschen Eesamtpolitik einverstanden erklären. Das Blatt drückt seine Freude darüber aus, daß Dr. Stresemann das Ergebnis der Haager Konferenz nüchterner beurteilte, als es in Deutschland in Regierungskreisen Mode geworden sei. „Die Entschiedenheit, mit der er auch die Befreiung des Saargebiets von fremder Besatzung forderte, war gerade dem Völ- kerbund gegenüber, der bekanntlich hier Treuhänder ist, angebracht und nützlich. Bezeichnenderweise aber blieb an dieser Stelle jeder Beifall aus. Es war richtig, daß der deutsche Außenminister keinen Zweifel daran ließ, daß er die von Briand wieder vom Völlerbund verlangte Sanktionspolitik nicht billige, vielmehr im Einverständnis mit den Engländern die allgemeine Abrüstung für das wichtigste Sicherheitselement halte." Auch die Ausführung Dr. Stresemanns über den Ausbau des Arttkels
Die Grundsteinlegung zum neuen Völkerbundspalast.
Der Hammerschlag des Völkerbundsprasidenken Guerrero (San Salvador).
Oben: Das Modell des Genfer völkerbundspalasts.
Irn Genfer Ariana-Park fand die feierliche Grundsteinlegung des neuen Völkerbundspalastes statt, der die Vertreter sämtlicher Delegationen, sowie der Schweizer Behörden und Tausende von Zuschauern beiwohnten. Der Generalsekretär des Völkerbunds, Sir Eric Drummont, der neue Präsident des Rates Forughi, der Präsident der Versammlung Guerrero, der die Zeremonie der Grundsteinlegung vornahm, und der Schweizerische Bundespräsident Dr. Haad hielten Ansprachen, in denen sie der Bedeutung des feierlichen Aktes gedachten.
19, besonders seine Bemerkung, es gelte die Ursachen des Krieges zu beseitigen, nicht aber den Krieg gegen den Krieg zu organisieren, wird von dem Blatt eine durchaus richtige Erkenntnis genannt, der leider die bisherige Praxis der baut» scheu Politik tn keiner Weise entsprochen habe. Bezüglich Paneuropas erklärt das Blatt, daß nach seiner Ansicht es unbedingt notwendig gewesen wäre, zunächst einmal das Politische in den Vordergrund zu schieben und völlig klarzustellen, daß jede europäische Zusammenarbeit die unbedingte Gleichberechtigung der europäischen Völker auf allen Gebieten zur Voraussetzung habe.
Das Pan-Curopa-Hrühftück.
Der Vertteter der Havas-Agentur in Genf berichtet über das Frühstück, das Briand zur Förderung des Gedankens des europäischen Staatenbundes im Hotel des Bergues veranstaltete, und gibt der Meinung Ausdruck, Briand wolle durch seine Initiative die Genfer Organisation beleben und einer Stagnierung vorbeugen, die, wenn sie eintreten sollte, die berechtigten Hoffnungen der Völker enttäuschen müßte. Er wolle den europäischen Staatenbund im Rahmen und im Geiste des Völkerbundes verwirklichen. Briand habe sich formell dahin ausgesprochen, daß eine derartige Gruppierung keinerlei Offensiv- charakter gegen die nicht daran beteiligten Staaten oder gegen Staaten anderer Erdteile hüben dürfte. Die Nachkriegszeit habe die gegenseitige Abhängigkeit der europäischen Staaten besonders auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet gezeigt. Es erweise sich immer mehr als dringend notwendig, Produktion und Warenaustausch zu rationalisieren, besonders angesichts der stets schärfer werdenden Weltkonkurrenz, die unwiderstehlich werden könne, wenn dem Zustand der Anarchie des europäischen Marktes nicht ein Ende bereitet werde. Gegen den Gedanken Briands, so heißt es in der Havasauslassung weiter, sei keinerlei grundsätzliche Opposition laut geworden; allerdings habe man Vorbehalte gemacht, wie dies angesichts eines so umfassenden Planes ganz natürlich fei, aber es habe sich weder eine systematische Ablehnung Noch eine Kritik a priori ergeben. Stresemann, der als erster seine Ansicht äußerte, habe das unbestreitbare Interesse vom wirtschaftlichen Standpunkt aus anerkannt und sicki trotz Hervorhebens der politischen Schwierigkeiten dem Plan entschieden günstig gezeigt.
wtb. New Jork, 10. Sevt. (Eig. Meld.). Nach einer Meldung der Associadet Preß aus Washing-
I ton wird in offiziellen Kreisen erklärt, die amerikanische Regierung habe den Versuchen einer politischen oder wirtschaftlichen Organisation Europas seit mehreren Jahren ihre Aufmerksamkeit zugewendet. Der gegenwärtige von Briand und Stre- semann unterstützte Versuch werde als der bedeutendste dieser Besprechungen angesehen. Es werde besonders anerkannt, daß Stresemann betonte, er wünsche nicht, die Organisation Europas als Block gegen die Vereinigten Staaten aufgefaht werde.
Graf Apponyi in Genf.
wtb. Genf. 10. Sept. (Eig. Meld.) Die heutige Vormittagssitzung des Völekrbundsoerfammlung wurde mit einer großen Rede des Ungarn Grafen Apponyi eröffnet, der trotz feines hohen Greifenalters wieder mit unveränderter geistiger Fr'sche und Unabhängigkeit des Urteils die Hauptarbeitsgebiete des Völkerbundes unter allgemeiner Aufmerksamkeit des Hauses umriß.
Briand unterbricht seinen Genfer Aufenthalt.
wtb. Paris, 10. September. (Eig. Meld.) Wie „Matin" berichtet, wird Briand an dem am Donnerstag in Rambouillet stattfindenden Ministerrat teilnehmen und wahrscheinlich Ende der Woche nach Genf zurückkehren.
Die Reparationsbank.
wtb. New Dort, 10. Sept. (Gig. Meld.). Wie Herold Tribüne hört, wird in Finanzkreisen er* wartet, daß in den nächsten Wochen zwei amerikanische Bankiers für die internationale Repara- tiousbank ernannt werden würden. Diese Ernennung erfolge zweifellos auf Vorschlag Owen D. Young und I. P. Morgan. In Finanzkreisen werde erneut betont, daß kein Grund vorhanden fei, warum nicht das Federal Reserve Board direkt vertreten fein solle, da das Kapital des Federal Reserve-Systems im Besitze von fßrioatbanr ken fei.
China.
wtb. Tokio, 10. Sept. (Eia. Meld.) In amtlichen Kreisen wird die Wiederaufnahme der Kampftätigkeit bei Pagramtschnaja lediglich als Grenzzwischenfall betrachtet, der nicht ernst zu nehmen sei. Es bestätigt sich, daß ein Japaner durch eine Bombe, die auf ein Hotel in Pagranit* schnaja fiel, tödlich verletzt wurde.
Nene Aktion der Landwirtschaft.
Die Führer der landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen, Hermes, Brandes, Schiele und Fehr, haben sich mit einem Schreiben vom 8. Sept, erneut an den Reichsernährungsmini* ster gewandt und auf die Verschärfung der Krise in der deutschen Landwirtschaft hingewiesen. Sie richten an die Regierung die Forderung, eine Reihe von Sofortmaßnahmen durchzuführen, die geeignet seien, die dringendsten Mißstände auf den landwirtschaftlichen Produktenmärken zu beheben und die ohne Mitwirkung des Reichstagsplenums durch- fiihrbar seien.
Es muß leider feftgefteltt werden, so heißt es in dem Schreiben weiter, daß eine Einwirkung des Gesetzes über die Vermahlung von Inlandsweizen vom 4. Juli 1929 auf dem Weizenmarkt bisher nicht zu verspüren ist. Wir halten es daher für dringend geboten, daß Sie, Herr Minister, von den im Gesetz vom 4. Juli 1929 festgelegten Ermächtigungen sofort restlos Gebrauch machen. Die Entnncklung der deutschen Wenenpreise und die schwache Nachfrage nach inländischem Weizen im Monat August zwingt in der Tat zu der Annahme daß die im Gesetz vorgeschriebene Quote von in* ländischen Weizens bisher tatsächlich nicht vermahlt ist.
Wir hakten es ferner für notwendig, daß in Ausführung der Bestimmungen der Paragraphen.1 und 3 des Gesetzes eine Erhöhung der Vermahlungsquote vorgefchrieben wird. Die Anwendung des in Paragraph 2 des Gesetzes zugelassenen Bei- mifchungszwanges von inländischem Weizenmehl zu Mehl aus Äuslandsweizen halten wir aus dem gleichen Grunde für erforderlich.
Wir find der Ansicht, daß die dringend notwendige Entlastung des Roggenmarktes nur durch Herausnahme größerer Mengen Roggen aus dem Tlarft erreicht werden kann. Wir schätzen diese Menge auf mindestens 500 000 To., die im Wegs der Magazinierung des Exports und der Verfüt- terung zu verwenden wären.
Aus dem engen betriebswirtschaftlichen Zusammenhang zwischen Schweinemarkt, Roggen- u. Futtergetreidemärkten ergibt sich die Notwendigkeit, die Einfuhr ausländischen Futtergetreides zu drosseln. Da bei Mais handelsvertragliche Bindungen vorliegen, ist die notwendige Hilfe auf dem Gebiete der Futtergerste umso dringender. Wir beantragen schnellste Aufhebung des Zwischenzolles für Futtergerste.
Die erforderliche Entlastung der Rindoiehmark- tes ist nur durch Fernhaltung' der übermäßig großen Vieh- und Fleischeinfuhren zu erreichen.
Wir richten an Sie, Herr Minister, im Interesse der an der Futtererzeugung besonders interessierten bäuerlichen Landwirtschaft die dringende Bitte, mit allem Nachdruck sich für' die Kündigung des deutsch-finnischen Handesvertrags innerhalb der Reichsregierung einzufetzen. Das Ziel muß unter allen Umständen darin bestehen, mindestens noch im Laufe dieses Jahres die erhöhten Butter- und Rahmzölle in Wirksamkeit zu setzen.
Angesichts der äußerst bedrohlichen Verschärfung der Lage der Landwirtschaft halten wir die schleunige Einberufung des handelspolitischen Ausschusses des Reichstages, unabhängig vom Zusammentritt des Plenums, zur sofortigen Durchführung der auf zollpolitischen Gebiet liegenden vorstehend aufgezählten Sofortmaßnahmen für unerläßlich.
Wir bitten schnellwirkende Maßnahmen auf steuer- und krditpolitischem Gebiet zur Behebung des Verkaufsdruckes und zur Erleichterung der Ernte* finanzierung.in die Wege zu leiten. Endlich muß die Landwirtschaft nunmehr schleunigst van der Last der T i l g u n g der Renten mark* scheine befreit werden.
Ministers esuch in Vühlerhöhe-
Im Kurhaus Bühlerhöhe trafen die Reichsmini' fter Severin, Wissest und Dr. Hilferding ein, wo sie mit dem Reichskanzler eine Besprechung haben werden.
Zweck dieser Fühlungnahme der sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder mit dem Reichskanzler in Bühlerhöhe war, eine Klärung der Auffassung vor allem über die Reform der Arbeitslosenversicherung herbeizuführen, da ja mit der Sitzung des Reichsrates am Dienstag und mit der am Donnerstag beginnenden zweiten Lesung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes im Sozialpolitischen Reichstagsaus- fchuß ein neues entscheidendes Stadium beginnt.
Die Minister trafen bereits wieder in Berlin ein. Reichsarbeitsminister Wissest will an der Reichsratssitzung teilnehmen.
Die Länderkonferenz.
— Berlin, 10. Sept. (Eig. Meld.) Privatmeld.: Am 4 Oktober treten die Unterausschüsse der Länderkonferenz zusammen, um über das Organisationsreferat zu beraten. Es ist möglich, daß die Ausschüsse auch noch am 5. Oft. tagen.
Die preußische Verwallungsresorm.
Der preußischen Innenminister hat wiederholt erklärt, daß die preußische Staatsregierung dem Landtag im Herbst 1929 die neuen Verwaltungsreformgesetze vorlegen werde. Wie der „Voss. Ztg." zufolge verlautet, hofft man im Innenministerium, die genannten Gesetzentwürfe in absehbarer Zeit dem Landtag zuzustellen.
Preußischer Landtag.
Im Preußischen Landtag, der feine Plena rar* beiten am 15. Oktober wieder aufnimmt, ist ber neugebildete Untersuchungsausschuß zur Nachprüfung der K redi t ae w ä hri»n , der Preußenkaffe an die Landbund» und Raiffeisen • Genosfenfchaften bereits für Mittwoch, 18. September, einberufen worden. Er will in nichtöffentlicher Sitzung den Präsidenten der Zentralgenoffem'chaftskasse Klepper als Auskunftsperfon hören. Die Beratungen den voraussichtlich von fänaer« Deuer fein.