Äamsrag, ven r. September 1929
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)
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Der Landesausschutz des Bezirks Kassel trat zu seiner ordentlichen Septembersitzung am heutigen Freitag, den 6. Sept. 1929, vormittags 9 Uhr im Ständehaus in Kassel zusammen. Der Landesausschuß wird u. a. einen für die Vornahme der kommenden Wahlen des Kommunallandtags wichtige Entscheidung über die Bildung der einzelnen Wahlbezirke zu treffen haben.
Der Skellenmarkt für Kaufmannsgehilfen im Slugust
Der kaufmännische Stellenmarkt im August wurde buiuj den Ouartalskündiqungstermin ungünstig beeinflußt. Zahlreiche Kündigungen . in den verschiedensten Wirtschaftszweigen lassen erkennen, daß für eine Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage nicht die geringsten Anzeichen vorhanden sind. Im Gegenteil konnte wieder eine recht erhebliche Zahl von Betriebsstillegungen beobachtet werden, besonders in der Eisen- u. Metallindustrie. Massenkündigungen wegen ungenügender Beschäftigung erfolgten bei den Werften in Kiel und Bremen. Die Banken schritten an verschiedenen Plätzen zur weiterem Personalabbau. Eine Großbank in Berlin entließ etwa 200 Angestellte: weitere erhebliche Kündigungen sollen bevorstehen. Auch in der Margarineindustrie erfolgten vielerorts Rationalisierungsmaßnahmen, die zum Teil umfangreiche Kündigungen nach sich zogen. In Erfurt hat ein bedeutender Margarinekonzern seinen Betrieb stillgelegt. Auch Autoindustrie und -handel leiden unter schlechtem Geschäftsgang. In der Erteilung von Besetzungsaufträge zeigten die Firmen nach den Beobachtungen des Deutschnationalen chandlungsgehilfen-Berbandes durchweg größere Zurückhaltung. Angefordert wurden auch im August zum größten Teil j ü n > aere Kräfte mit guten Kenntnissen i n Kurzschrift und Maschinenschreiben. Solche Bewerber sind an manchen Plätzen zeitweise knapp. Aeltere und rualifisterte Kräfte wurden vereinzel!
das Vieh kaum noch Futter. Den Landwirten ist es fast unmöglich, die Stoppelfelder umzubrechen. An den Obstbäumen sind die Früchte vielfach zurückgeblieben und notreif geworden. Auch der Städter hat unter den Folgen der Trockenheit zu leiden. Es häufen fick die Meldungen über W a b sermangelin großen und kleinen Orten. Der W a s s e r st a n d der Flüsse und Bache ist stark zurückgegangen. Träge dahinfnehende schmutzige Wasser verpesten die Lust durch ihren unerträglichen Gestank, da die in die Wasserlaufe geleiteten Abwässer nicht schnell genug abfließen und einen zu starken Prozentsatz des Fluhwassers ausmachen.
N:«r Beitragsmarken ab 30. September 1929 in der Invalidenversicherung.
Dom 30. September 1929 ab werden neue für alle Landesversicherungsanstalten gültige Beitragsmarken der Lohnklafsen IV bis VII für eine Woche und der Lohnklassen I bis VII für zwei Wochen ausgeqeben. Die Einwochenmarken für die Lohn- klassen I bis III bleiben unverändert. Der Geld- wert der sämtlichen Beitragsmarken bleibt unverändert. Die Marken der einzelnen Beitrags- klaffen haben alsdann folgende Farben: Lohnklasse 1 rot. 2 blau. 3 grün, 4 violett, 5 azuv- blau. 6 rot. 7 blau. Um die Versicherten vor Schaden und säumige Arbeitgeber vor Strafe zu bewahren, empfiehlt es sich, etwa rückständige Wochenbeiträge rechtzeitig nachzuholen, da für die Folge die jetzt gültigen Beitragsmarken nicht mehr hergestellt werden. Ebert.
Aufwertung von Kautionen.
Ein Beamter einer städtischen Sparkasse hatte einen Betrag von 500 Mark als Kaution hinterlegt, der von der Sparkasse auf ein aus den Namen des Beamten lautendes Sparbuch eingezahlt wurde. In dem Streit um die Aufwertung dieser Kaution hat nun, wie die Deutsche Beamtenbund. Korrespondenz meldet, das bayerische oberste Landesgericht durch Beschluß vom 10. 6. 1929 entschieden, daß hier eine höhere als die allgemein für Sparkassenguthaben vorgesehene Aufwertung Platz zu greifen habe. Wenn die Kaution in Form eines Sparkassenbuches einem Unternehmen gegeben wurde, das selbst einen Svarkassenbetrieb führe, so sei die Aufwertungspslickst. eine andere als in 1 den übrigen Fällen.
Der übliche Verkchrsunfall.
Zu einem Zusammenstoß zwischen einem die Brauhausstraße Richtung Karlstraße fahrenden hiesigen Personenkraftwagen und einem die Truch- seßstraße Richtung Buseckstraße fahrenden auswär. tigen Motorradfahrer kam es gestern abend an der Straßenkreuzung Brauhaus-Truchseß-Buseckstraße. Personen wurden nicht verletzt. Das Moorrad wurde nicht, der Personenkraftwagen nur leicht I beschädigt.
Zu der auf Donnerstag 5 Uhr einberufenen Sitzung der. Stadtverordnetenversammlung waren vom Magistrat Oberbürgermeister Dr. Antoni, Stadt- und Baurat E b e r l e i n, Stadtrat Fleck, Stadtrat K a tz e n st e i n, Stadtrat Karl S ch m i tt und Stadtrat Sunkel erschienen. Von den Mitgliedern des Kollegiums, das unter Leitung des Stadtverordnetenvorftehers Schultheis tagte, waren 22 anwesend.
Die Punkte der Tagesordnung wurden rasch und ohne Reibung erledigt. Eine längere Aussprache entsvann sich nur bei der Beantwortung der Anfrage Enders-Ruppel über die geplanten Aenderungen der heimischen Elektrizitätswirtschaft.
Zuerst berichtete Stv. Dr. W e y m a r über die Aufnahme eines Darlehens von 150 000 R2N. bei der Gothaer Feuerversicherungsbank. Bei den Verhandlungen über die Aufwertung einer Anleihe, die die Stadt Fulda in früheren Zeiten bei dieser Gesellschaft ausgenommen hat, wurde ein neuer Darlehns- vertrag über 150 000 RM. abgeschlossen. Der Zinsfuß beträgt auf Grund eines Kompromisses nur 7 Prozent. Da durch die Aufnahme des Dar- lehens nicht nur die Aufwertungsforderungen der Gothaer Feuerverficherungsbank befriedigt werden können, sondern auch notwendige Ausgaben gedeckt werden können, wurde einstimmig die Zustimmung erteilt.
Bekanntlich ist kürzlich mit dem Einbau einer
Warmluftheizung in der Stadkpfarrkirche begonnen worden. Die Versammlung war einmütig damit einverstanden, daß die in den letzten vier Etatsjahren für die Zwecke einer Heizanlage in der Stadtpfirrkirche eingestellten Beträge jetzt dem Kirchenvorstand für fein Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.
Mit Einmütigkeit bewilligten die Stadtverordneten einn weiteren, durch nachträgliche Erhöhung dr Ausgaben notwendig gewordenen
Zuschuß von 2187 RW. für das Private Lyzeum der evangelischen Gemeinde zur Deckung des Fehlbetrages aus dem Rechnungsjahr 1928.
In der letzten Stadlverordnetenverfammung war eine Magistratsvorlage, durch die die
Freistellung der Neubauten von der städtischen Grundvermögenssteuer neu geregelt werden sollte, der Finanzkommission zur Vorberatung überwiesen worden. Die Magistratsvorlage sah vor, daß die seitherigen
Ueber den Z u st a n d des Baumes hat sich knzwischen Gärtneretbesitzer A n g e l i gutachtlich geäußert. Er hat nach Besichtigung der in der Lindenstraße vom Sturm gestürzten Linde u. a. erklärt: Der Baum ist voll grün. Ein krankhaftes Erscheinen machte die Linde nicht. Ein Meter vom Erdboden gemessen hatte der Baum einen Durchmesser von 60 Zentimeter. Der Stamm war zum Teil hobl, die Höhlung hatte eine Tiefe von 20, teilweise 25 Zentimeter. Der Kern war faul. Dies war jedoch erst zu sehen, nachdem der Baum zerschnitten war. Das gesunde anstehende Holz hatte eine Dicke von 27, 22 15 Zentimeter an den verschiedenen Stellen.
war gut vernarbe und überwallt. Die zu "rkrn- nenden Seitenwurzeln waren gesund, die Pfahlwurzel abaefault. Der obere Teil des Baumes war gesund. M E. konnte der Baum noch eine ganze Reihe von Jahren stehcm
Auf die Kunde von dem Unfall hatte sich bald eine größere Menschenmenge an der Unglücksstelle eingefunden. Dabei hätte sich beinahe nochmals ein schwerer Unfall ereignet. Ein kleiner Junge lief in einen Kraftwagen hinein, kam aber glücklicher Weife gerade zwischen die Vorderräder zu liegen und konnte unverletzt unter dem Wagen hervorgezogen werden.
Sie gestrige Sitzmg der SlaMerordnelenVersMmlung. Oberbürgermeister Dr. Antoni gibt Ausschluß über die Entwicklung und die geplante Aenderung der heimatlichen Elektrizitäts-Wirtschaft.
kirchliches.
Am nächsten Sonntag, am Feste Mariä Geburt, wird um % 3 Uhr nachmittags, die herkömmliche Prozession von der Domkirche nach dem Frauenberg gehalten.
Dazu werden die Gläubigen der Stadt Fulda, insbesondere die Mitglieder der Marianischen Sodalitäte» (Kongregationen) höflichst eingeladen.
Das Domkapitel.
Freistellungen gänzlich aufgehoben werden. Künftighin soll nur von Fall zu Fall und auf Antrag entschieden werden, ob die Steuer mit dem Ziel einer endgültigen Niederschlagung von Jahr zu Jahr gestundet werden soll. Für diese Regelung spricht der Umstand, daß sie Rücksicht auf die Bedürftigkeit der Erfteller von Neubauten nimmt. Stv. Enders berichtet, daß die Magistratsvor- läge nach gründlicher Durchbrechung in der Finanz- und Baukommission einstimmig angenommen worden fei. Dementsprechend wurde auch im Plenum der Magistratsantrag einstimmig angenommen.
Zum Ausbau der Straße von der Abzweigung des Z ie h e r s e r w e g e s bis zur Berussschule werden rund 20000 RM. benötigt. Die Mittel sollen durch Aufnahme einer
Anleihe von 20 000 R2U.
aufgebracht werden. Nach dem Antrag des Berichterstatters wird die Vorlage vorerst der Finanzkommission überwiesen.
Die Zentrumsfraktion hatte durch die
Stadtverordneten Enders und Suppe!
eine Anfrage
an die Stadtverwaltung gerichtet, in der um Auskunft über den Stand der geplanten Aenderungen in der heimatlichen Elektrizitätswirtschaft, insbesondere darüber, ob bei etwaigen Aenderungen die R e ch te und Interessen der Selbstverwal- tungs körper gewahrt werden und die Belange der Stromoerbraucher und der für die Elektro-Installation in Betracht kommenden selbständigen Gewerbetreibenden Berücksichtigung finden. Zur Begründung der Anfrage führte Stv. Enders u. a. aus:
Die im Gange befindliche Umänderung der Elektrizitätswirtschaft steht im Mittelpunkt der Erörterungen. Es ist daher angebracht, daß sich auch das Stadtverord- neten-Kollegium der Stadt Fulda über diese wichtige llngelegenheit ausspricht und kritisch zu den Plänen Stellung nimmt, da die Interessen der Stadt in mancher Hinsicht durch sie berührt werden.
Bisher stand jährlich ein nicht unbedeutender Betrag aus den Ueberfchülfen des Elektrizitätswerkes für den städtischen Etat zur Verfügung. Durch die Neuregelung darf auf keinen Fall eine Verringerung dieses Betrages eintreten. Weiterhin muß im Interesse der Stromverbraucher verhütet werden, daß irgend eine Kommission ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche und sonstige Lage im heimischen Bezirk die Preise einfach diktiert.
Ebenso muß Vorsorge getroffen werden, daß den Fuldaer Handwerkern, die sich mit der E l e k- troinstallation beschäftigen, keine unüberwindliche Konkurrenz entsteht. Es muß Grundsatz fein, daß
Auch im Biebergrunde, wohin das Unwetter abzog, wurde Schaden angerichtet. Gegen 3 Uhr schlug der Blitz in die Scheuer des Hüttners und Steinhauers Joseph Huder in Werte s b e r g bei Almendorf ein. Im Nu standen die Scheunen und der angenrzende Stall in Flammen. Die Gebäude brannten bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden wird auf 5000 RM. geschätzt.
Fulda, hen 6 September 1929
Gewittersturm über Fulda.
-. jragisthrr Unfall — Ein Mädchen wird auf ©.-ae jum Büro in der Lindenstraße von
I rLj, umstürzrnden Baum erschlagen — Das Er- * Vni5 der Untersuchung. — Der Blitz zündet in mwicsberg bei Almendorf. - Ungeheure Staubwolken — Kein Regen.
Seftern nachmit'.ag hoffte jeder, ein Gewitter l rse von der unerträglichen Schwüle erlösen.
««-en 2 Uhr zogen auch von Westen her dunkle molkenmassen heran. Bald raste ein starker Nelwind durch den oberen Teil der Stadt, ^waltige Staubwolken verhüllten die ganze Keoend. Die elektrischen Entladungen waren nur ^wach. Das Unwetter zog, ohne den ersehnten | ^ccen gebracht zu haben, in der Richtung auf die
Ahön ab.
Leider fand in dem kurzen Unwetter ein jun- Menschenkind den Tod. Auf dem Wege zu •Lrcr Arbeitsstätte wurde Frl. Luise Schade aus der Wörthstrahe um 2.40 Uhr unter einem um« MMzenden Lindenbauin vor der evangelischen Kirche Lptaben und tödlich verletzt. Wie Augen- z^uoen berichten, hatte das Mädchen die Gefahr I fanerft und versuchte dem Unglück auszuweichen.
-sm letzten Augenblick aber wurde es noch von den «leiten des stürzenden Baumes erfaßt und kam unter den Stamm zu liegen. Die gegenüber der Unglücksstätte wohnenden Aerzte Dr. Schneider und $r. Stegmaier sowie hilfsbereite Passanten be- freiten das Mädchen unter Anstrengungen von der Last des Stammes und brachten e5 in die Wohnung des Herrn Dr. Schulte. Leider konnte ärztliche Kunst nicht mehr helfen. Das bedauernswerte Mädchen starb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der schwerbettoffenen Familie wendet sich allgemeine Teilnahme zu.
dem Handwerk die Arbeiten, die es leisten kann, auch übertragen werden. Es ist zu hoffen, daß die Verhandlungen zwischen dem Uebertanbroert und den Handwerkern ein günstiges Ergebnis zeitigen. Leider haben die Vertreter der Stadt in der Organisation keinen maß- gebenden Einfluß. Notwendig ist deshalb, daß unsere Vertreter die Belange der Stadt mit aller Kraft ver- leidigen, damit wir nicht eines Tages vor einer großen Enttäuschung stehen.
Oberbürgermeister Dr. Antoni beantwortete sodann die Anfrage durch eine aus- ührliche Darlegung der Entwicklung des Ueberlandwerkes sowie der gesamten heimischen Elektkizitätswirtschaft, deren Neuordnung jetzt durch die veränderten Verhältnisse notwen- dig ist. , .
Er erinnerte zunächst daran, daß in einer kürzlich von Landrat Frhr. v. Sagern in den Kre'ss'tzungssaal einberufenen Versammlung eingehend über die Grg de und den Stand der geplanten Neuregelung der ch.et worden sei. Er könne hier nur wenige neue Beschlüsse, die seit dieser Zeit gefaßt worden seien mitteüen. Um die Anfrage beantworten zu können, müsse er etwas weiter ausholen und bis in das Iahr 19 0 5 zuruckgehen. Damals wurden umfangreiche Verhandlungen wegen der Errichtung eines Elektrizität sw erkes in Fulda, besonders auf Drängen der Eisenbahn- Verwaltung geführt. Da die Eisenbahn aber einen so geringen Preis für die Stromabnahme zugestehen wollte daß sich das Werk, dessen Errichtung ungefähr 500 000 bis 750 000 Mk. gekostet hatte, nicht rentiert hätte, blieben die Verhandlungen ergebnislos.
Die Körperschaften kamen zu der Ueberzeugmig, daß es zweckmäßiger sei, von einer anderen Gesellschaft em Elektrizitätswerk errichten zu lassen. In den Jahren 1911__12 wurde das Werk auch in der Form einer Zit*
tiengesellschaft gegründet. Die Stadt hatte keine Lei- stungen für dieses Unternehmen aufzubringen. Der
Gesellschaft wurde nur das Recht zur Errichtung der Hochspannungsleitungen und der Ausbreitung in der Stadt zugestanden. Dafür erhielt die Stadt einen S i tz im Aufsichtsrat und eine jährliche Ueberwelsung von 4 Prozent der Bruttoeinnahmen.
Zuerst entwickelte sich das Elektrizitätswerk sehr gut Im Jahre 1921=22 schloß es aber mit einem Defizit ab. Es wurden Verhandlungen mit verschiedenen Elektro zitütsgesellschaften geführt. Der Wert des Werkes wurde auf 1 Million RM. geschätzt. Die Aktionäre verlangten aber den Betrag von 1900 000 Mk. Das inzwischen gegründete Ueberlandwerk kaufte die Aktiengesellschaft auch für diesen Preis auf. Im Jahre 1927 wurde bann zwischen ber Stabt Fulda und dem heutigen Landkreis Fulda ein Vertrag geschlossen, nach dem die Partner gemeinsame Eigentümer ber im Kreis und der Stabt Fulba liegenben Anlagen des Ueberlandwerkes werden sollten.
Der Zweckverband Fulda - Hünfeld- Schlüchtern wurde gegründet, weil man sich über die Schwierigkeiten, die Elektrizitätswirtschast durchzu- führen, klar geworden war. Die teuren Kohienpreise drohten in ber Kriegs- und Nachkriegszeit die heimische Elektrizitätswirtschast zu vernichten. Der preußische Staat hat schon seit langem versucht, die Elektri- zitätswirtschäft in seine Hand zu bekommen. Durch den Bau der E d e r t a l f p e r r e hofft er, die ganze Gegend mit Elektrizität versorgen zu können. Als sich das aber als unmögiich herausstcllte, baute der Staat bei dem Braunkohlenbergwerk in Borten ein großes Elektrizitätswerk, das durch Verwendung der Braunkohle an Ort und Stelle den Strom billig Herstellen konnte. Das Ueberlandwerk schloß sich an die staatliche Versorgung an.
Nach den damaligen Verhandlungen im Jahre 1913 Sie man, daß ber Zweckverbanb Fulba-Hünselb- ichtern jährlich 3 Millionen Kilowatt- stünden abnehmen würbe. Heute werben in dem Gebiet 17 Millionen Kilowattstunden, davon 13 Millionen in ber Stadt Fulda verbraucht. Der Rest verteilt sich auf den Landkreis Fulda, die Kreise Hünfeld und Schlüchtern. Die Bestrebungen des Staates gingen dahin, möglichst hohe Preise zu er- zielen. Um diesen Bestrebungen wirksamen Widerstand leisten zu können, schlossen sich die einzelnen Kreise des Bezirks Kassel und die kleineren Zweckverbände zu dem großen Zweckverband Kassel zusammen, der außer den hessischen Kreisen und Unterverbänden noch zwei westfälische Kreise und Göttingen umfaßt.
Die Expansionsbestrebungen des preußischen Staates gingen aber fortwährend weiter. Man begnügte sich nicht damit, die Erzeugung des Stromes in die Hand zu nehmen, sondern sucht auch die Verteilung bis zur letzten Lampe in die Hand zu nehmen. Damit wäre dem Staat alle Macht in die Hand gegeben. Er hat bereits einige Werke, z. B. die der beiden westfälischen Kreise und des Kreises Frankenberg aufgekauft. Augenblicklich sollen auch Verhandlungen zwecks Ankauf der Anlagen des Kreises Roten- bürg geführt werden. Damit wurden planmäßig Bre- fchen in den Zweckverband Kassel gelegt.
Um der Gefahr der langsamen Aushöhlung des Zweckverbandes entgegenzutreten, hielt man es für notwendig, mit dem Staat ein Uebereinkommen zu treffen, damit dieser in den Zweckoerband eintrat. Da die Form des Zweckverbandes aber nur für kommunale Verbände in Frage kommt, war es zweckmäßig, für den neuen Zusammenschluß die juristische Form der Aktien-Gesellschaft zu wählen, an der die bisher im Zweckverband vereinigten Kreise und kleineren Zweckoerbände beteiligt sind. Ueber den Anteil des preußischen Staates konnte noch keine Einigung erzielt werden. Der Staat verlangt 26 Prozent des Aktienkapitals. Man will ihm aber nur 24 Prozent zugestehen, um zu verhindern, daß er eine qualifizierte Minderheit in der A. G. erhält.
Nach der Umstellung des großen Zweckverbandes ist auch eine Umänderung der einzelnen Streife und der Zweckverbände in Aktiengesellschaften notwendig. In Fulda ist dies bereits geschehen. Es war hier einfach, weil die alte Aktiengesellschaft bes Elektrizitäten, erkes noch bestand. Man
anqeforbert. Im Allgemeinen wurden Bewerber mit buchhalterischen und besonders auch Fremd- sprachenkenntnissen bevorzugt. Gesragl waren branchekundige Reisende und Dersicherungsaußen- beamte. Der Kleinhandel bot verhältnismäßig gute Vermittlungsmöglichkeiten. Für Verkäufer herrschte vielerorts Nachfrage, besonders in der Eisen- und Lebensmittelbranche.
wichtig für Kleinrentner;
Am Montag, dem 9. September 1929, von 9—11 Uhr wird die Unterstützung für September an die hilfsbedürftigen Kleinrentner der Stadt Fulda ausgezahlt. Grüne Ausweisnummerkarten sind vorzulegen. Die Unterstützungen, welche von den Empfangsberechtigten an diesem Tage nicht abgeholt sind, werden denselben auf ihre Kosten durch die Post übersandt.
Sonniaasgottesdienst auf dem Frauenberg.
Am kommenden Sonntag, den 8. August, findet in der Klosterkirche auf dem Frauenberg um 8 Uhr die Ablegung der feierlichen Gelübde statt. Innerhalb dieser Feier ist um 8 Uhr wie um 9 Uhr je eine stille hl. Messe — Zur Profeßseier sind die Gläubigen herzlich eingeladen.
Darf man fremde Kinder prügeln?
Die Frage, ob man gelegentlich fremden Kindern einen „Katzenkopf" verabreichen darf, ist für jedermann wichtig. Denn wohl schon jeder, ist in eine Situation geraten, bei der er sich dies? Frage vorlegen mußte. Meistens natürlich gingen derartige Züchtigungen im Affekt vor sich, wie dies auch ein Fabrikdirektor tat, der im Winter 1 durch ein kleines märkisches Städtchen mit feinem Auto fuhr, als plötzlich ein Schneeball die Windschutzscheibe zerschlug. Der Fahrer stoppte, stieg aus und verabreichte dem schuldigen Jungen, einem Quintaner, einige Ohrfeigen und verfohlte ihm den dafür vorgesehenen Teil feines Körpers. Darauf ging der Junge prompt zum Arzt und ließ sich bescheinigen, daß durch die Ohrfeigen eine chronische Nervosität erzeugt sei. Es kam zu einem Strafverfahren, aber das Gerücht in Potsdam erkannte mit folgender Begründung auf F r e i fp r u ch: „Der Angeklagte durfte sich als Stellvertreter des Vaters betrachten und das Züchtigungsrecht ausübsn, und zwar in den zulässigen Grenzen, wie es hier geschehen ist, I Katzenköpfe und Schläge auf die Verlängerung des Rückens stellen keine Ueberfchreitung des Züchti- | gungsrechtes dar. Es ist das Recht jedes Autofüh- rers sich gegen gefährliche Gewohnheiten der Iu-
I gend zu schützen." I Die große Trockenheit, I die das charakteristische Merkmal des Iabres 1929 ist, macht sich immer nachteiliger bemerkbar. Die
I Grummeternte fiel sehr spärlich aus. Auf den -Jteb= I weiden ist das Gras verbrannt: auch sie liefern für
Sonttfa«, den 8. Sept. 1929, nicht 3, sondern 4 Uhr
K
Mi
KM
hä KASSEL 222:22
NB. Unsere Mitglieder werden höflichst ersucht, zum Zwecke einer reibungslosen Durchführung, für die Folge die letzten Beitragsquittungen unaufgefordert an der Mitgliedskasse vorzuzeigen, da nur dann die Preisvergünstigung für unsere Mitglieder eintreten kann.
I Sport'Verein Borussia OS e*V»