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uldaerZettung

Amtliches Kreisblatt

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda

56. Zahrg

Samstag, 7. September 1929

im Bild' und „Buchcndlätter". Noranonsorua uno Dermx

Ift* ZU * der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift KF? - leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :

jch Großes Dr. Hepp

Heues vombenallenlal in Lüneburg

Der Genfer Korrespondent des „Dailay Herold" lenkte die Aufmerksamkeit des britischen Staats­sekretärs Henderson auf den Meinungsstreit tn der französischen Presse über die Auslegung eines Satzes im Haager Abkommen bezüglich der Bedingungen der Räumung der dritten Rheinland­zone und auf die Behauptung der französischen Presse, daß die Räumung von der Mobilisierung eines Teils des französischen Anteils an der un­geschützten deutschen Annuität abhänge. Hender­son betonte, daß die Worte des Abkommens voll­kommen klar seien und dieRäurnungEnde

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchcnblätter". Rotationsdruck und Verlag

Dazu wird uns aus Berlin gemeldet: Ober­staatsanwalt Binder und Staatsanwalt Schönhofs von der Staatsanwaltschaft in Berlin haben auf die Benachrichtigung der Frankfurter Gerichtsbehörde die sofortige Übersendung der Akten gebeten, um sich dann zu entscheiden, ob der angebliche Täter evtl, nach Berlin zu überführen ist oder nicht. Der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsi­diums ist ein Mann namens Hett nicht bekannt.

Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und | Arbeitslosenversicherung teilt u. a. mit: Der Präsi­dent der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beobachtet, wie aus einem Rundschreiben an den Verwaltungsrat hervorgeht, die Entwickelung in der Frage , der Reform der Arbeitslosenversicherung m i t l e b h a f t e r S o r ge. Die Verzögerungen, die das Reformgesetz bis­her erlitten hat und die ihm noch weiterhin be­vorzustehen scheinen, haben den Präsidenten Dr. Syrup veranlaßt, im Interesse der Reichsanstalt erneut bei allen in Betracht kommenden Stellen auf eine schnelle Erledigung zu drängen. Jeder weitere Zeitverlust erschwert die Lage der Reichsanstalt in finanzieller und verwaltungs­mäßiger Hinsicht. Kann das Gesetz erst am 1. November d. Js. in Kraft treten, so besteht die Gefahr, daß die Reichsanstalt im Winter wieder­um erhebliche Darlehen vom Reich rn Anspruch nehmen muß, um ihren gesetzlichen Ver­pflichtungen nachzukommen.

Am 4. September begannen bekanntlich die neuen Verhandlungen über die Arbeitslosenver­sicherung mit einer Besprechung der Minister mit den Parteiführern über die zurückgestellten Haupt­fragen: Anwartschaft, Wartezeit, Leistungsabbau und Beitragserhöhung. Als um 6 Uhr nachmittags

nes, sondern das Debüt eines Propagandisten ge­wesen ist. Als „wahrer Führer, der nock f8rnfe,,<1 zu leisten berufen ist", hat sich Herr . auch bei dieser Gelegenheit nicht gezeigt.

gangbaren anderen Weg aufzuzeigen, hinter bra­marbasierende Phrasen versteckt. Natürlich ist auch die Außenpolitik kein Kräutlein „Ruhr mich nicht an", auch an einer außenpolitischen Gesamt- Haltung oder an einzelnen außenpolitischen Aktio­nen, beispielsweise an dem Haager Abkommen, ist Kritik möglich und mitunter auch nötig und nütz­lich. Die Kritik muß aber hier wie überall, unbe­dingt sachlich, verantwortungsbewußt und frucht­bar sein. Wer jedocki. wie Dr. Hepp, ohne die Zwangslage unserer Außenpolitik auch nur mit einem Wort zu streifen in leicht erregbarer Dolks- versammlung durch flammende Reden den Glau­ben züchtet, man brauche nur nein zu sagen, um .alle Bedrückungen los zu sein, der beweist darntt nicht seine große Berufung, nicht seine Führerschaft, sondern nur sein demagogisches Talent. Auch m der Demokratie ist nicht die Tat durch das Reden ersetzt, auch im demokratischen Regime erhält der wirkliche Führer seine Weihe nur durch tatsäch­liche staatsmännische Leistung und nicht durch den Applaus,, mit dem eine einseitig zusammengesetzte Tagung eine berauschende Rede quittiert.

Die „Nassauische Bauernzeitung", die in ihrer emphatischen Art die Behauptung wagt, bte©tu"h«.

Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Derfassungstages fanden wir in der Rechtspresse auch wieder den unliebsamen Flaggenstreit. Es in deshalb nicht ohne Bedeutung, wenn wir heute Gedanken wiedergeben, welche Professor Konrad Beyerle von München bei einer Behördenfeier in Bayerns Hauptstadt in einer festlichen Ansprache am Verfassungstage vertrat. Professor Beyerle hat bekanntlich als Mitglied d« Nationalversamn. lung in Weimar hervorragend an der Gestaltung des Berfassungswerkes mitqearbeitet. Seine Rede ist jetzt im Verlag Max Hueber in München als Broschüre erschienen und verdient weiteste Der- breitunq, da sie zum ersten Mal, und zwar er­schöpfend, die Situationen schildert, wie sie in der Weimarer Zeit erlebt werden muhten. Wir lesen da unter anderem: , ■ . .. .

„Der Entwurf des Ministers Dr. Preuß, hierin der Bismarckfchen Verfassung gleich, kannte noch keine Derfassunasbestimmung über die Reichsfar­ben Aber schon der Regierungsentwurf, wie er sich nach den Beschlüssen des Staatenausschusses darbot, hatte sich für die großdeutschen Farben Schwarz-rot-gold entschieden. Im Versassungs- ausschuß waren die Meinungen sehr geteilt. Der Berichterstatter, Professor Dr. Kahl von der Volks- Partei, blickte hier weiter als andere, er bekämpfte den Flaggenwechsel grundsätzlich als solchen und hätte zur Vermeidung von Zwietracht am liebsten gar keine Regelung in der Verfassung gesehen. Der Hanseatische Demokrat, heute regierender Bür­germeister von Hamburg, Dr. Petersen, trat nach­drücklich für Beibehaltung der Flagge fchwarz- weiß-rot ein. Die Unabhängigen verlangten ver­fassungsmäßige Festlegung der roten Flagge. Mehrheitssozialdemokraten und bürgerliche Mitte blieben mit großer Mehrheit beim großdeutschen Symbol schwarz-rot-gold des Regierungsentwurfes stehen, das ja dann auch Gesetz geworden ist, frei- lich mit dem bedeutenden Vorbehalt zugunsten der Handelsflotte, entsprechend den dringenden Dor- stellungen der Schiffahrtskreise.

So groß war die Zustimmung zu schwarz-rot- I gold in der Nationalversammlung, daß man allen

Em wahrer Führer?

hepp auf Hugenbergs Spuren.

In irgendeinem Taunusdorfe, gelegentlich der Tagung eines jungen Landbundkreises, hat kürz­lich der Reichstagsabgeordnete Dr. Hepp, der Füh­rer der „Ehristlich-nationalen Bauernpartei , eine Rede gehalten, die bei seinem getreuen Gefolg- schaftsblatt, der „Nassauischen Bauernzeitung einen für nüchtern urteilenden Menschen vollkom­men unverständlichen Begeisterungstaumel hekoor- gerufen hat. Man habe gefühlt, sagt das Blakt, daß „dort oben ein Mann sprach, der ein wahrer Führer ist und noch Großes zu leisten berufen ist", und man habe nur wünschen können, daß ganz Deutschland seine „glänzende Führerrede" ge­hört hätte. Wir unsererseits glauben allerdings nicht, daß „ganz Deutschland" in diesem Falle mel versäumt hat, denn an derartig glänzenden Fuh- rerreden ist in ganz Deutschland leider kein Man­gel. Auch anderswo, man denke an Hugenbergs Detmolder Denkmalsrede oder an ähnliche Demon­strationen, wird in schneidigstem Tone gegen un­sere außenvolitischeHaltung gewettert und auch am- derswo wird das Unvermögen, einen wirklich

Schluß mit dem Alaggeufireil

Warum in Weimar die Reichsfarben geändert wurden.

Von unserem besonderen Mitarbeiter:

da Hepp seine glänzende Führerrede hielt, habe „nichts Kleines und Parteipolitisches belastet", wird übrigens auch von Hepp selber desavouiert. Das scheint ihr entgangen zu fein. Dabei verrat Herr Dr. Hepp den parteipolitischen Zweck feiner Rede doch schon eingangs, wenn er sagt, die ^ungland- bundbewegung gehöre „zu uns",d.h. selbstverständlich zur Bauernpartei, und Schulter an Schulter muß­ten Alt- und Iungbauern den schweren Kampf um die Zukunft bestehen. Das Kernstück der Rede, der überraschende Versuch, die Agitation auch aus die Arbeiterschaft auszudehnen, entspringt bestimmt ebenfalls nur parteipolitischen Erwägungen. Hepp möchte die Basis seiner Partei verbreitern. Des­halb nennt er jetzt Bauern und Arbeiter, „diese beiden schaffenden Stände des Volkes", die durch eine verlogene Politik bisher getrennt worden wä­ren, zusammen. „Bauern und Arbeiter", sagt er „haben keine Devisen, mit denen sie bei Nacht und Nebel über die Grenze schlüpfen können, wenn

! das Vaterland zusammenbrickt". Um der Bauern i und Arbeiter Schicksal würde jetzt gewürfelt. Daß

Herr Dr. Hepp wirklich glaubt, die anderen Er­werbstätigen, die Mittelständler, die Beamten und die Angehörigen der freien Berufe hätten nichts wie Devisen, daß er die Zustimmung zur Haager Konvention für ein untrügliches Anzeichen „ver- schiebbaren" Devisenbesitzes hält, oder daß er nicht weiß, daß ein gewisser Devisenbesitz zum Funk­tionieren unserer Wirtschaft notwendig Ift, wird

I man kaum annehmen dürfen. Wenn Dr. Hepp I trotzdem so argumentiert, wie er es getan hat, so I zeigt auch das wieder, daß diese angeblich glan- I zende Führerrede nickt die Tat eines Staatsmau-

v. Hindenburg und das Haager Ergebnis

Dr. Lurkins beim Reichprästdenlen.

* Erwerbslose Demonstranten zogen in Dres­den zum Rathaus, wurden aber von der Polizei abgedrängt. Erst am Bönisck-Platz ereigneten sich ernste Zusammenstöße. Die Menge, die sich mit Zaunlatten und Brettern bewaffne: hatte, hieb damit auf die Polizeibeamten los, die ihrerseits vom Gummiknüppel Gebrauch machten. Mehrere der Angreifer wurden verhal­tet Eine Anzahl von Polizeibeamten wurde ver­letzt, davon drei schwer. Auch mehrere Demon­stranten trugen Verletzungen davon. Gegen 10 Uhr abends war die Ruhe wieder hergestellt.

Grund hatte, auf die allgemeine Zustimmung der öffentlichen Meinung zu rechnen. Schwarz-rvL gold erschien als der einzig mögliche Ausgleich als Annahme des geheiligten Symbols der groß­deutschen Idee. In der Einheits- und Freiheits- bewegung nach den Befreiungskriegen hochgekom­men,'Flagge der Burschenschaft, Flagge des Ham- bacher Festes, Flagge der Paulskirche, überlebte Schwarz-rot-gold das Unglücksjahr 1866 im Votts- bewußtfein namentlich Süddeutschlands. Ein mächtiger Mann der bayerischen Volkspartei, der in Weimar mit mir dasselbe Pensionszimmer teilte, sprach mir dort in hoher Begeisterung von der schwarz-rot-goldenen Fahne, die sein Vater noch lange nach 1870 unentwegt an seinem Aschaf­fenburger Elternhaufe bet festlichen Anlässen ge­zeigt habe. Meine eigene Partei hatte ihren Wahl­aufruf zur Nationalversammlung breitbandig schwarz-rot-gold umrahmt. Sie erhoffte also von der großdeutschen Idee für sich eine werbende Kraft und sie hat sich darin nicht getauscht.

Erst nachher ist der unselige Flaggenstrett ent­brannt. Schwarz-Weiß-Rot wurde nicht nur das selbstverständliche Erinnerungssymbol an unsere Gefallenen, sondern geradezu ein ^eichen der Op­position gegen Weimar und seine Verfassung. Schwarz-Rot-Gold schien zeitweilig fast ganz aus die Linksparteien abaebrängt zu sein. Darum ver­hallten zunächst selbst die mahnenden Worte des Reichskanzlers Marr: „Schwarz-Rot-Gold ist keine Verketzerung von Schwarz-Weiß-Rot, und wer Schwarz-Weiß-Rot in Ehren hält, braucht deshalb Schwarz-Rot-Gold nicht zu schmähen. Beide Flag­gen haben in der neueren deutschen Geschichte eine nationalvolitische Rolle gespielt."

Man hat zur Beseitigung des unseligen Zwi- stes das Unmögliche versucht, durch eine vernünf­tig ausgeklügelte Neue Flagge den Streit aus der Welt schaffen zu wollen. Daß ein solches Begin­nen mißlingen mußte, war jedem klar, der für Snmbole Sinn hat, die den Menschen ms Blut geschrieben sind. Nachdem Schwarz-Rot-Gold als Flagge der deutschen Republik verfassungsmäßig sanktioniert ist, ist an eine Rückwärtsredigierung

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Bei Wiederholungen Rabatt. Poitscheckk. Tranks. a. M. 40j1

* Glückwunsch des Reichskanzlers an den Reichs­minister Dr. Wirth. Reichskanzler Muller hat aus Bühler-Höhe an den Reichsminister für die besetz­ten Gebiete Dr. Wirth zu seinem 50. Geburt-.-tage in einem sehr herzlich gehaltenen Handschreiben seine und der Reichsregierung Glückwünsche ausge­sprochen. Staatssekretär Dr. Pünder.hat für die Reichskanzlei, der Reichsminister Dr. Wirth in den Jahren 1921/22 als Reichskanzler rorge anden hat, feine Glückwünsche übermittelt und ein Blu­menarrangement überreicht.

* Hitler und Heller Hand in Hand. Als neuer Beweis dafür, wie bereitwillig die heterogensten Radikalinskis Zusammenarbeiten, wenn es gilt den unseren heutigen Staat tragenden Parteien ober bereu Führern eins auszuwischen, darf es gelten, daß der „Völkische Beobachter" jetzt die unwahren Behauptungen wörtlich abdruckt, die Vit us h e I« [er in feinem „Neuen Volk" über die Stellung der Zentrumspartei und ihres Vorsitzenden äum rhei­nischen Separatismus riskiert hat. Diese Bebgup- tungen sind in der Zentrumspresse von .zuständiger Seite mehrfach richtig gestellt worben. Wenn ^)it- lers Leiborgan, der „VölkischeBeobachter", trotzdem I nach ber ^Antwort des Zentrums" fragt,Jo ift baraus entweder zu schließen, baß seine Redalt: »re die deutsche Presse nur sehr oberflächlich lesen oder daß er die Wahrhaftigkeit nicht für em geeignetes Mittel des politischen Kampfes hält.

Mtb. Lüneburg. 6. Sept. (Eig. Meldg.). Heute „ndlt gegen 1 Uhr explodierte neben dem Haupt- »tnaang zum Regierungsgebäude mit gewaltigem vnall und großer Sprengwirkung eine Bombe. Ein mfeiler des Kellergewölbes, in das die Bombe ge» - ZLf war, wurde herausgerissen, einzelne Mauer- »eine flogen 25 Meter weit an die gegenüberlie- ' 6nbe Rathauswand und hinterließ dort deutlich sichtbare Spuren. Fast sämtliche Fenster des Rat- siauses, viele Fenster des Regierungs- sowie an- tz-rer Gebäude sind zertrümmert. Teilweise wurden die Fensterrahmen durch den Luftdruck ein- aedrückt. Die Wirkung der Bombe ging nach oben unb durchschlug bas Kelleraewölbe. In bem bar- fiber liegenden Büro des Bezirksausschusses war- den starke Verwüstungen angerichtet. Ein Schrank versank halb in ber Fußbodenöffnung, bie meter­hohen, mit Akten voll angefüllten Regale sinb voll- •fcinbig durcheinander geworfen.

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wtb. Lüneburg, 6. Sept. (Eig. Meldg.). Der Bombenanschlag auf bas hiesige Regierungsge- bäube ist in genau der gleichen Weise inszeniert worden wie s. Zt. der Anschlag auf das Haus des Rechtsanwalts Strauß. Durch die Explosion find, wie jetzt festgestellt wurde, zahlreiche Wasser­leitungsrohre im Regierungsgebäude beschädigt worden, sodaß mehrere Räume überschwemmt wurden. Bereits wenige Stunden nach dem An­schlag war der Patrouillenwagen der Landeskrimi- nalpolizeistelle Harburg in Lüneburg eingetroffen. Auch der Regierungspräsident und der Polizeide­zernent von Lüneburg hatten sich bald nach dem Anschlag am Tatort eingefunden. Bis zur Stunde haben sick Anhaltspunkte, die zur Ermitt­lung ber Täter führen könnten, nicht erge­ben. *

Die geheimnisvoll Attentatsserie in Nord- deutschlanb und der Höllenmaschine-Anschlag auf das Reickstaasgebäude fanden eine neue geheim­nisvolle Fortsetzung. Die verschiedensten Behörden und Unternehmungen erhielten Drohbriefe, in de­nen Sprengstoffattentate angekündigt werden. So hat ber „Nachtausgabe" zufolge in ben letzten Ta­gen auch bie Oberpostbirektion in Berlin eine Reihe von anonymen Schreiben erhal­ten, wonach gegen bie Fernsprechämter in Berlin Attentate geplant seien. Die Kriminalpolizei er­

griff bereits Maßnahmen, um etwaigen tatsächsiich oorbanbenen Absichten unverantwortlicher Ele­mente zu begegnen. An alle Fernsprechämter sind I telegraphische Weisungen ergangen, bie Gebäude strengstens überwachen zu lassen. Gleichzeitig sind die Ermittlungen nach den unbekannten Briei- schreibern mit größtem Nachdruck ausge­nommen worden.

Vombensund im Postamt.

wtb. Berlin, 6. Sept. (Gig. Meldg.). Bei Prü­fung des Schalterraums und seiner Zugänge sand heute früh ein Beamter des Postamts Ost 27 t n der Magazinstr. am Alexanderplatz in einem Korridor eine Blechbüchse, die 23 Patro­nen und etwa Pfund Holzkohle mit Papier­stückchen bedeckt enthielt. Aus dem Ganzen ragte eine Spiralfeder heraus. Es ift nicht versucht wor­den, das Papier anzuzünden. Der Täter wurde anscheinend gestört. Nach Angabe von Sachver­ständigen, die den Inhalt der Büchse untersucht haben, hat der Täter vermutlich nur die Absicht gehabt, Unruhe zu stiften.

Eine Selbst-Vezichtignng.

wtb. Frankfurt a. 7N., 6. Sept. (Eig. Meldg.). Gestern nachmittag erschien bei der Staatsanwalt­schaft ein Kaufmann Joseph Hett aus Frank­furt a. M., der angab, das Bomben-Attentat im Reichstag gemeinschaftlich mit einem anderen ver­übt zu haben. Er machte in stundenlangen Ver­handlungen ausführliche Angaben über die Tat. Er wurde festgenommen und steht zur Verfügung der Berliner Behörden, die für die weitere Un­tersuchung der Sache zuständig und allein in der Lage sein werden, die Richtigkeit nachzuprüien. Nach den ganzen Umständen müssen die Angaben vorerst mit Vorbehalt ausgenommen werden.

Reichspräsident v. Hindenburg empfing den Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius, der ihm in Vertretung des Reichsministers des Auswärtigen Dr. Stresemann Bericht erstattete über den Gang und das Ergebnis der Haager Konferenz. Der Reichspräsident sprach dem Minister zugleich mit dem Ersuchen um Uebermitttung an die übrigen Mitglieder der Delegatton seinen Dank für die in schwierigen und mühevollen Verhandlungen geleistete Arbeit aus." Insbesondere gab der Reichspräsident seiner Be­friedigung darüber Ausdruck, daß endlich das Recht Deutschlands auf Befreiung der rheini­schen Gebiete von fremder Besatzung In naher Zukunft erfüllt werden soll. Der Reichspräsident sprach ferner die Erwartungaus, daß von der jetzt erreichten Etappe aus die Lösung der noch offenen Reparattonsfragie n und die volle Anerkennung der deutschen Staatshoheit erkämpft werben möge.

Juni durchgeführt sein müsse. Er sagte: „Ich bin überzeugt, daß Briand die im Haag ein« gegangene Verpflichtung ehrenhaft durchführen wird, und ich würde bedauern, wenn die Presse irgendwelcher interessierter Länder vorsätzlich die innerpolitischen Schwierigkeiten Stresemanns ober Briands vermehren würde."

Driands Plan.

wtb. Paris, 6. Sept. (Eig. Meld.) Der Genfer Berichterstatter des Petit Parisien meldet überein­stimmend mit den Berichterstattern anderer Blät­ter, daß Briand für nächsten Montag oder Diens­tag eine Zusammenkunft der Delegier­ten der in Genf vertretenen Staaten einzuberufen gedenke, damit ein Komitee zur Prüfung der mit der Bildung der Wirischafts»- Förderation der Staaten Europa zusammenhängen­den Fragen eingesetzt werde. Der Korrespon­dent des Echo de' Paris teilt darüber hinaus mit, daß, falls man sich auf einen, wenn auch noch so bescheidenen Entwurf einigen könne, für Anfang 1931 eine reguläre Konferenz einberufen werden könne.

Macdonalds Rückreise.

wtb. Paris, 6. Sept. (Gig. Meldg.). Der eng­lische Premierminister Macdonald ist heute früh 7 Uhr aus Genf kommend in Paris eingetroffen. Gr hat sich vom Bahnhof direkt auf den Flugplatz Le Bourget begeben, von wo aus er im Flugzeug nach London weiterreist.

MeMI>aieder»eichsansla>IsiirArbeils>sse noch keine Einigung erzielt war, brach man die Verhandlungen ab. Die Minister berieten umcr sich weiter, konnten sich aber bislang cbenfa.r.- noch nicht einigen. Eine erneute Besprechung der sozialpolitischen Parteivertreter am Morgen des 5. September kam nicht zustande.

Der Sozialpolitische Ausschuß begann um 10 Uhr am 5. September unter dem Vorsitz des Abgeordneten Esser (Z.). Der Sozialpolitische Aus- schüß nahm einige Punkte der Regierungsvorlage an. Alle anderen Anträge der Parteien wurden aber gegenseitig abgelehnt, ebenfalls wurde die Beitragserhöhung abgelehnt.

Der Ausschuß vertagte sich dann auf Donners­tag, ■ den 12. September, um dann mit der gtocit en ßefung $u beginnen.