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Fuldaer Zeikung

Die geplanten Zeppelin-Transozeaulinien

Litauen, Lettland, Estland, Rußland, China, Ja­pan und den Vereinigten Staaten beschafft wer­den mußte, weil Deutschland bisher mit keinem dieser Länder ein entsprechendes Gegenseitigkeits- Abkommen hat. Infolgedessen hätten die Länder Bedingungen stellen können, wie die Einhaltung vorgeschriebener Luftwege, das Verbot des Photo- graphierens usw. Deutschland, als Nichtmitgliev der Pariser Konvention, hat bereits mit etwa einem Dutzend europäischer Staaten durch Luftvekkehrv- abkommen den gegenseitigen Ueberflug geregelt und auch mit den durch den „Grafen Zeppelin" überflogenen Ländern Verhandlungen über solch;

Abkommen ausgenommen.

Die Frage der unbeschränkten Lufthoheit sei nur einer der zahlreichen Fragen des internationalen

Hl 207.

Samstag, den 7. September 1929.

Eckener bei Präsident Hoover.

Rechts: Der deutsche Botschaftsrat Dr. Riep.

so, wenn der Kanal fertig ist, dann muß ich ja weg aus meiner Pachtung. Ich mag gar nicht daran den­ken."

„Na, na, verlier man nicht den Mut, Brink. Das kann wohl sein, daß meine Gerda mal auf den Warp­hof kommt, und bann lege ich ein gutes Wort für dich ein."

Meiko wurde grau im Gesicht. Er schwieg eine Weile und warf einen scheuen Blick in das Tanzzelt, aber der Tisch stand an der trennenden Plane, so daß keiner — auch Bernt Fockinga nicht, — von diesem Platze etwas sehen konnte.

„Soso," murmelte Brink. „Weißt du, ich hab so 'ne Ahnung, als wenn das anders kommt, als wir alle zu­sammen denken. Und daß ich meine Pachtstelle los werde, das glaube ich sicher."

„Mensch, Meiko," erwiderte der joviale Onnen Olt- manns, „du bist ja heute so sauer wie Essig! — He, Didde Meiner!, bring uns noch mal ein paar Pullen von diesen her!"

Didde Meinert half hier im Wirtschaftszelt mit. Er hatte gesehen, wie Gero seit einer halben Stunde kein Mädel außer Antje Brink ansah, auch die hübsche, freund­liche Gerda Fockinga nicht. Bernis Worte waren ihm nicht entgangen, und er wußte, woher Meikos verzwei­felte Stimmung flammte. Er wußte auch noch mehr, nämlich, daß Gero nicht der Mensch war, mit einem Mädchen zu spielen, und sagte sich mit Meiko: Dieses nimmt kein gutes Ende.

In dem kleinen Holzverschlag, der als Küche für die Wirtschaft diente, hantierte Mette Meinert: zu der trat Didde im Vorübergehen.

„Mette, der Gero hat immer die Antje im Arme, die er so anguckt." Mit diesen Worten versuchte er, feine kleingeratenen Aeuglein so weit wie möglich aufzureißen. „Und die Gerda fitzt an der Plane, und ich will nicht Didde heißen, wenn sie nicht Tränen in den Augen hat."

Mette fuhr herum. „O Gott, da kommt nichts Gut's von, und ich mein, dies kriegt selbst Oma Timke nicht richtig in die Reihe." Didde war schon wieder draußen, holte den Wein und schenkte den vieren ein.

„Prost Meiko, alte Unke! Du bist doch sonst nicht so miesepetrig. Trink mal feste, bann wirds dir anders," rief Onnen Dltmanns,

Der Warphof

und das Sumpfmoor,

Roman von Alfred Manns, Bremen.

211 ---------

Solch ein niederdeutsches Tanzvergnügen fängt unsag­bar steif an. Ein Fremder, der im Anfangsstadium zu­schaut, hat den Eindruck, als ob die Jungens und die Deerns hier zusammengekommen seien, um gemeinsam einer schweren Pflicht zu genügen. Kaum ein Lachen er­tönt, und wenig sprechen die Paare miteinander. Das wird nachher anders, wenn die Herren so ein Dutzendmai an der Theke gewesen sind. Dann kommen sie in Stim­mung und werden laut, überlaut, dann fallen auch Witze, die aber meist stumpf und krampfhaft sind.

Antje und Gero hatten ein anderes Temperament. Die Umgebung störte sie nicht; sie waren sich selbst genug. In der Deffnung, die das Bauernzelt mit bem Tanzzelt verband, stand der schwächliche Tim Brünjes im schwar­zen Rock. Er machte sich nichts aus Tanzoergnügungen. Er hatte Gero lieb und sah voll Besorgnis dem Paare zu.

Während das Jungvolk langsam das Temperament aus den untersten Tiefen feiner Psyche heraufholte, saßen die älteren Bauern beim Männerschnack im Wirtschafts­raum. Gespielt wurde noch nicht; damit pflegte man erst am Abend anzufangen.

An Schützenfesttagen waren die großen Bauern duld­sam, und so kam es denn auch, daß Bernt Fockinga Meiko Brink an den Tisch rief, an dem er mit Onnen Dltmanns saß und wo auch der Ziegeleibefitzer Dierk Habben Platz genommen hatte.

„Meiko," sagte Bernt Fockinga, „Onnen Dltmanns und mich geht bas ja nicht viel an, aber einerlei ist einem bas natürlich auch nicht, was in ber Gegenb passiert. Wir sprechen just eben von ber Tortumregulierung und von Kiffer feinem Kanal. Du sitzt ja auch im Moor und verstehst was davon; kannst uns ja mal erzählen, wie du darüber denkst."

Meikos Mienen wurden noch betrübter als vorher: „Mich geht bas auch nichts an, denn in drei Jahren ober

Und Meiko tränt. Aber fröhlich wurde er heute nicht. Die Angst vor irgend etwas Schrecklichem faß ihm zu sehr in allen Knochen.

„Na, Brink," so nahm nun Fockinga bas Gespräch von vorhin roieber auf, „wie bas nun auch wird mit dir, ins Elend kommst du ja nicht, und deshalb, mein ich, kannst du uns wohl sagen, was du von ber ganzen Moor­geschichte hältst."

Hier fiel Dierk Habben ein: „Ich hab wohl gesehen, daß Maring eine ganze Menge Leute von dem Tortum- bau weg an den Kanal geschickt hat. Aus die Art zieht sich die Regulierung länger hin, und bas paßt mir nicht. Was schert mich Visser sein Kanal?"

„Habben, so muß bu nicht reben," sagte Onnen Dlt­manns, „sonst kommst du noch mal im Unguten mit Det- mar zusammen, und ich glaub, bas wolltest bu selbst nicht. Dann mußt bu aber gerecht fein. Wenn Visser sich um euch nicht geschert und bloß von der Kanal- münbung aus die Tortum bis zur Samme reguliert hätte, dann konnte er das allein machen, und ihr hättet dagesessen. Nun gönnt ihm auch, daß endlich sein Lieb- lingswunsch erfüllt wird. Meinst du das nicht auch. Meiko?" *

„Das wohl," entgegnete dieser bedrückt. „Aber zu dem Kanal hab ich kein rechtes Vertrauen. Schäfer Wiard meint--"

„Und meine Großmutter sagt---", fuhr ihm

Fockinga dazwischen, „Mensch, Meiko, sei doch vernünf­tig, was versteht denn ein Schäfer vom Kanalbau?"

Meiko blieb ernst. „Der Wiard ist klug, ber weiß viel. Warum er das meint, kann ich nicht sagen, aber Wiard glaubt nicht, daß Detmar das mit seinem Kanal gelingt."

In diesem Augenblick trat Gerda, aus bem Tanzzelt kommend, zu den Disputierenden. „Vater, ich habe keine Lust mehr. Kann Frick mich nach Hause fahren? Bleib du nur ruhig hier."

Fockinga blickte erstaunt: „Na, Deem, sind denn keine Jungens da zum Tanzen? Eine ganze Menge sind doch da! Gero Visser, den hab ich vorhin gesehen, und alle die anderen."

„Ja, die sind wohl da, aber ich mag heut nicht." Die gute Gerda liebte den Gero, aber ihr freunlidjes Gemüt ließ es nicht zu, dielen und Antje den Kummer, den sie

3. Blatt

Druck der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda.

Bilder von der Zeppelin-Fahrt.

Der Empfang in Friedrichshafen. — Der Begrütznngsakk in der Halle

verspürte, entgelten zu lassen. Sie sah ja mit ihren weib­lichen Gefühlen deutlich, wie es um die beiden stand. Nun zog sie sich still zurück. Bernt Fockinga erhob sich kopfschüttelnd: „Ich muß mir doch mal eben die Gän­gerei ansehen." Der kluge Bernt merkte sofort, daß ir­gendetwas mit ber Tochter los war.

Ein paar Minuten blickte er ben Tanzenden zu. Dann schoß ihm bas Blut zu Kopf, und langsam kam er zu­rück zum Tisch, faßte Meiko am Arm unb zog ihn vor bie Deffnung: „Brink, guck mal deine Antje an und Gero Visser, aber genau; wir wollen hier kein Verstecken miteinander spielen. Was bedeutet bas, Brink?"

„Meine Schulb ist es nicht, Bernt Fockinga, aber ich kann nichts daran machen. Die Antje ist mir über den Kopf gewachsen, und über Vissers Gero habe ich nichts zu sagen."

Bernt Fockinga schwieg eine geraume Zeit, während der er eine schöne Hoffnung zu Grabe trug. Aber er war ein gerechter Mann von anständiger Gesinnung. Deshalb rüttelte er sich auf und klopfte bem anscheinend völlig gebrochenen Meiko auf die Schulter. „Ich sehe, du meinst es ehrlich," sprach er, „siehe zu, wie du zurecht kommst. Ich glaube man, dir steht noch ein schweres Ding bevor."

Die beiden Männer merkten nicht, wie das Gläser- klappern im Wirtshause plötzlich auf gehört hatte. Irgend­etwas nahm die Aufmerksamkeit aller in Anspruch. Ein seltenes Ereignis war eingetreten: Detmar Visier be­suchte das Schützenfest und stand nun hinter Bernt unb Meiko. Starren Auges blickte er auf ben Sohn unb beffen Tänzerin. Gleich einer Zange umspannte feine Hand diejenige Meiko Brinks, ber sich nun entsetzt um­blickte: „Ist bas bein Werk, Brink?"

Meiko zitterten bie Knie. Aber bann erholte er sich, unb nun begehrten Stolz unb Trotz in ihm auf. „Kann ich bafür? Und überhaupt, sind ich unb Antje räubige Tiere? Was willst bu von mir? Ich hab nicht ja unb nicht nein gesagt. Die Sache mußt bu mit beinern Sohn ausmachen!"

„Und das soll auf der Stelle geschehen," entgegnete Detmar, dessen Schläfenadern, wie stets im Zorne, dick geschwollen waren. Er ließ Meiko los und ging festen Schrittes auf ben Sohn zu.

(Fortsetzung folgt)

öffentlichen Luftrechts. Auf alle übrigen, wie u. a. die technischen Anforderungen, Führung der Ho­heitszeichen, Lichterführung, Ausweichregeln, Fest­setzung von Luftwegen und Sperrgebieten usw. sei nur hingewiesen. Das deutsche Luftverkehrsgesetz vom 1. 8. 1922 lege dem Halter eines Luftfahr­zeuges, also auch dem des „Grafen Zeppelin" bs- dingungslos die Pflicht zum Ersatz eines jeden Schadens auf, der durch den Betrieb des Luftschif­fes Personen oder Sachen zugefügt wird. Der Schaden ist summenmäßig beschränkt. Die weit­gehende Haftung kann aber durch besonderen Be- förderungsvertrög gemildert werden. Für Schä­den durch Herabfallen oder Herabwerfen von Ge­genständen auf die Erdoberfläche haftet der Halter des Luftschiffes bisher nach den Gesetzen des Un­fallortes. All diese vielfachen Einzelprobleme ha­ben gerade bei der Zeppelin-Weltfahrt die Not­wendigkeit der Schaffung eines weltgleichen Luft­

rechts erwiesen. Die Anfang Oktober in Warschau zusammentretende zweite internationale Luftpri- vatrechtskonferenz wird zu diesem Ziele das Er­gebnis der Pariser Konvention weiter ausbauev können.

Tagungen.

Tagung des deutschen Hereins gegen ben Alkoho- holismus. In ben Tagen vorn 11. bis 13. September hält ber beutsche Vereinn gegen ben Mkoholisrnus in Frankfurt feine vierzigste Jahresversammlung ab, in beren Mittelpunkt bie Erörterung ber Frage steht, wel­ches Interesse Handel unb Gewerbe an ber Bekämpfung des Alkoholsmißbrauchs habe. Das Hauptreferat dar- über hält Universitätsprofesior Keßler, Leipzig. JDht der Tagung verbunden ist bie sechzehnte Konferenz für Irtn« । terfürforge unb bie Tagung bes Verbandes für Trinker- 1 Heilstätten des deutschen Sprachgebiets.

Aus Akron (Ohio) wird gemeldet: Nach der .rften Besprechung mit Vertretern New Yorker Änkhäuser und der Good Year Zeppelin Com- «,frrr/„rflärte Dr. Eckener, daß die amenka- nsicke und die beutsche Zeppelin-Gesellschaft zwei- was ben gemeinsam geplanten regelmäßigen Luftfckiffverkehr über den Stillen und den Atlan- iil^en Ozean aufnehmen werben, wenn auch noch kein bestimmtes Abkommen grossen, sei. Präsi­dent Litchfield von der Gooü Year Tire and Rub­ber Company gab der Ansicht Ausdruck, daß, nach­dem man sich über alle Einzelheiten geeinigt ha­ben werbe, noch immer zwei bis vier Jahre vergehen würden, bis der Betrieb der Luftfchiff- linien ausgenommen werden könnte. Er und Dr. Eckener hätten alle Einzelheiten eines die ganze Welt umspannenden Luftschiffverkehrs erörtert. Es sei jedenfalls eine engere Zufammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu erwarten. Man nimmt hier an, daß außer den New Yorker Banker auch die Dollar-Schiffahrtsllnien an dem geplanten Unter­nehmen interessiert sind. ^M^jetb teilte auch mit, daß Knut Eckener in die i^ood Year Zeppelin- Company eintreten werde, sobald Dr. Eckener nach Friedrickcbafen zurückkehre. — Dr. Eckener erklärte ferner, daß er beabsichtige, mit dem „Graf Zeppe­lin" in diesem Jahr noch mehrere Fahrten in Eu­ropa, namentlich nach Skandinavien, zu unter­nehmen. Er werde vielleicht auch noch einmal mit dem Luftschiff nach den Vereinigten Staaten kom­men, vorausgesetzt, daß er die Luftfchisfhalle in Lakehurst benutzen könne.

Wie „ New York Times" aus Akron berichtet, erklärte Vizepräsident Hunscher von der Good Year Zeppelin Company, er erwarte, daß die Ma­rine die Pläne bezüglich der Einrichtung von re­gelmäßigen Luftschifflinien über den Stillen Ozean unterstützen werde, namentlich soweit ein regel­mäßiger Lustschiffverkehr mit Hawai in Frage komme, da den dort stationierten Marinemann- sckafien auf diese Weise Gelegenheit geboten werde, sich weitgehende Erfahrungen bei der Landung gro­ßer Luftschiffe anzueignen. Die Kosten der für den transpazifischen Dienst zu bauenden Zeppeline werden auf vier Millionen Dollar per Schiff ver­anschlagt. Die Errichtung einer Luftschiffhalle in Hawai dürfte nicht notwendig sein, da die dort vor­handenen Ankermasten vollständig genügen. Aller­dings müßten in Hawai Tanks für die Aufbewah­rung des Hellumgases angelegt werden, das für die in den pazifischen Dienst einzustellenden Luft­schiffe benötigt wird. Dem genannten Blatt zu­folge sollen die geplanten Zeppelin-Verkehrslinien durch die beiden New Yorker Bankhäuser Lehmann u. Co. und Murphy u. Co. ohne Beteiligung des Publikums finanziert werden. Im Verlauf des Winters wird man sich bemühen, vom Bundeskon- greß mehrjährige Poftkontrakte für die Zeppelin- Linien zu erhalten.

«Graf Zeppelin- im Recht.

, In der „Deutschen Juristenzeitung" würdigt Ministerialrat Dr. Wegerdt-Berlin die juristischen Momente, die durch die Weltfahrt des „Graf Zep­pelin" sich ergeben haben. Er führt dabei aus, durch den silberglänzenden Riefenleib des Luftschif­fes würden wir daran erinnert, daß vor genau 10 Jahren im Versailler Vertrag Deutschland zur Ablieferung aller fertigen und aller im Bau be­findlichen Luftschiffe und Lustfchiffhallen verpflich­tet wurde, daß zunächst jede Neuherstellung ver­boten war, und daß nach einer gewissen lieber« gangsregelung erst nach dem Locarno-Vertrag die Baubeschränkungen aufgehoben worden seien. Wei­ter müsse man sich daran erinnern, daß ebenfalls vor zehn Jahren von den ehemaligen Feindbund­mächten die Pariser Konvention über die Luftfahrt abgeschlossen wurde, die sich die Schäftung welt- gleichen öffentlichen Luftrechts zum Ziel gesetzt und als eine ihrer wesentlichsten Anerkennung gebracht hat. Obwohl weder Deutschland noch die Mehr­zahl der anderen durch den „Graf Zeppelin" über­flogenen Länder bisher dieser Konvention beige­treten seien, nähmen sie doch sämtlich die unbe­schränkte Lufthoheit über ihrem Gebiet in An­spruch, sodaß kein Land mehr überflogen werden dürfe, wenn nicht eine besondere Genehmigung hierfür erteilt fei. Das bedeute, daß auf diploma­tischem Wege für die Fahrt des „Graf Zeppelin" die Ein- und Ueberflugs-Genehmigung von Polen,

3n A. S. A.

Im Ankermast zu Los Angeles. Oben: Der triumphale Einzug in New York.

Unten: Dr. Eckener und Polizeipräsident Whalen auf der Fahrt zum Rathaus von New York.