Eimeiauimner io Big, (mir jnnffr. Beilage 15 M r
S. fl Einzeiammer IQ Big, (mir 3», Beilage 15 Bffl T
uldaerZertung
56. Zahrs
Mittwoch, 4. September 1929
: । jm *yjiö* UNO ,,-oucociw luiicr . jiDiaiiünsuiuu UNO -ceiiu^
2U4 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :
Die Durchführung der Räumung
* Mitteldeutsche Kundgebung des Jungdeutschen Ordens. Die Großballei Sachsen des Jungdeut- schen Ordens veranstaltete in Dresden eine mitteldeutsche Kundgebung, die durch eine wirtschaftspolitische Konferenz eingeleitet wurde. Den Höhepunkt der Beranstaltung bildete am Sonntag mittag eine Kundgebung im Zirkusgebäude, das mit schwarzrotgoldenen, schwarzweißroten Fahnen sowie den sächsischen und Dresdener Farben geschmückt war. Nach einer Rede des Ordenshochmeisters M a h r a u n, der in den Vordergrund den Kampf gegen die internationale Pluto k r a t i e stellte, ergriff Reichsminister Dr. D i e t- r i ch das Wort. Der Minister ging auf die Bauernfrage ein und beklagte sich, daß die Notlage der Landwirtschaft vielfach unter dem Gesichtspunkt reiner Schlagworte behandelt werde. Als Bismarck seinerzeit das Reich schuf, mußten viele Millionen Deutsche draußen stehen. Das Ziel aller muß jetzt sein, ein neues Reich zu schaffen, das allen, die deutscher Zunge sind, eine Heimat sei über die gegenwärtigen Grenzen hinweg. Nach Zertrümmerung der österreichisch-ungarischen Monar
chie hätten die Deutschen in ganz Europa sich heimgefunden und sähen in Berlin ihre Zentrale. Auch die innerpolitischen Gegensätze müßten aufhören Im Jungdeutschen Orden erblickte er, so erklärt«, der Minister, eine Schar deutscher Männer, die dazu geschaffen seien, die Kraft ihrer Ideen irt die Tat umzusetzen und zu verwirklichen. Nach einer Reihe weiterer Ansprachen schloß die Kundgebung mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes. Begrüßungstelegramme hatten u. a. gesandt Reichsverkehrsminister Stegerwald, die früheren Reichsminister Dr. Külz und Koch-Weser sowie du sächsischen Minister Richter und Weber.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag
Monatelang schon wird die Bevölkerung Schleswig-Holsteins und der Lüneburger Gegend in furchtbare Nervenspannung gehalten, da ein Bombenattentat das andere ablöst. Im November vorigen Jahres begann die Serie der Attentate mit einem Anschlag auf das Haus des Amtsund Gemeindevorstehers in H o l l e n st ä d t im Kreise Schleswig. Und schon einen Tag später in Lunden auf das Auto des Amtsvorstehers, am gleichen Tage auch auf das Haus des Amtsvorstehers von Beidenfleth.
In Wesselburen wurden in der Nacht vom 5. zum 6. April Handgranaten gegen das Haus des Kreisdeputierten Hußmann geworfen, während sich in der Nacht vom 22. 23. Mai eine Explosion im Landratsamt von Itzehoe und in der Nacht vom 29. zum 30. Mai in der Autogarage des Schulrates von Hohenwestett ereignete.
In der Nacht vom 9. zum 10. Juli wurde in Niebüll das Attentat gegen das Wohnhaus des Landrats Dr. Skalweit verübt und in der Nacht vom 31. zum 1. August explodierte vor dem Hause des Rechtsanwalts Dr. Strauß in Lüneburg eine Bombe Dann kam das große Attentat auf das Gebäude des Vizepräsidenten von Schleswig-Hol- sttzin Grimpe. Das war wohl das schwerste Bombenattentat, das bisher ausgeführt werden sollte und nur durch einen Zufall ohne ernstere Folgen verlief.
Leider ist es bis heute den Bemühungen der Kriminalpolizei noch nicht gelungen, auch nur eine Spur dieser Attentäter ausfindig zu machen, trotzdem eine Belohnung von 25 000 Mark ausgesetzt ist. Schon nach der Art des Vorgehens der Ätten- täter kann man den Schluß ziehen, daß es sich um politische Attentäter handeln muß. Ob die allseits vertretenen Ansichten, daß sie in den Hakenkreuz- lerkreisen zu suchen sind, richtig sind, muß erst die Untersuchung ergeben. Die L i n k s radikalen von Moskaus Gnaden sind uns nicht weniger verdächtig.
Nach den bisherigen Untersuchungen steht fest, daß die gefundenen Sprengstoffe den auch in Norddeutschland verwendeten entsprechen. Was ist eigentlich mit diesen Attentaten, mit diesen Anschlägen geplant? Es wird höchste Zeit, daß diese Attentäter gefaßt und sie eine exemplarische Strafe zur Warnung für alle erhalten. Die übergroße Mehrheit des Volkes will Ruhe und Frieden. Sie zu schützen, ist Pflicht des Staates, der dabei auch nicht vor drakonischen Strafmaßnahmen zurückschrecken darf.
Der preußische Minister des Innern Grze- s i n f k i hat an die Nachgeordneten Behörden fol- ' genden Erlaß gerichtet:
„Seit einer Reihe von Wochen wird die Oeffentlich- keit immer wieder durch Sprengstoffanschläge beunruhigt, die schwersten Sachschaden' verursacht und auch Menschenleben in Gefahr gebracht haben. Die häufigen Wiederholungen, die Gleichartigkeit der Vorbereitung wie der angewandten Mittel und die Auswahl der Ziele der Attentate lassen die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß es sich um das planmäßige Vorgehen einer Gruppe radikaler Elemente handelt, die politische Unruhen hervorzurufen und dadurch ihre dunklen Absichten m lnrdern lucht. Diese überall unter
Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (ZObezw. 48 Pf.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0,15 , auswärts
0,20 :/<Jl. Reklamezeile: lokal 0,60 HJt, auswärts 0,80 O.. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 40ol
wollen Sie?" so fragte Briand. „So sind eben die Militärs! Wie wäre es, wenn Sie einige Ihrer MUitärs zur Lösung dieser Streitfrage nach dem Haag kommen ließen? Die Reichswehr muß doch sicher tüchtige Spezialisten für Truppentransportfragen besitzen". Stresemann nahm ihn beim Wort. Aus eine telegraphische Aufforderung der deutschen Delegation entsandte das Reichswehrministerium den Leiter seiner Transportabteilung Major G. nach dem Haag. Dieser rechnete aufgrund der eigenen Tabellen und sonstiger Grundlagen sehr bald aus, daß die etlichen 50 000 Franzosen mitsamt ihrem Material ordnungsgemäß in soundsoviel Zücwn innerhalb mn b^ftms vier Wochen heimbefördert werden könnten. Als aber dieses Ergebnis Briand mitgeteilt wurde, hütete er sich wohl, die von ihm selbst ursprünglich eingeräumte Konfrontierung zwischen General Guillau- mat und dem Vertreter der deutschen Reichswehr herbeizuführen. Sie hätte gar zu peinlich werden können. __________
Der Bombenanschlag aus den Reichstag.
Reue Rampfmethoden gegen den Staat — Mil Höllenmaschinen.
Das zehnte Bombenattentat
Von unserem besonderen Mitarbeiter.
dem Schutz der Nacht betriebenen verbrecherischen Machenschaften können zwar das öffentliche Leben in keiner Weise erschüttern, doch bereiten sie peinliche Storungen dec Ordnung, die allen Behörden und Beamten die Sorge zur gebieterischen Pflicht macht, daß diesen hinterhältigen Verbrechern am Volk schleunigst das Hand- werk gelegt wird. In erster Linie hat die Polizei mit größtem Nachdruck und allen geeigneten Mitteln zu arbeiten. Insbesondere wird sie sich zur Aufklärung die- ser heimtückischen Verbrechen und zur Ermittelung, ihrer Zusammenhänge wie ihrer Anstifter der tatkräftigen Mithilfe der Bevölkerung zu versichern haben. Ich ersuche daher, die Bevölkerung zu eifriger Mitarbeit an der Aufklärung zu gewinnen und her- anzuziehen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei geeigneter Einwirkung alle Kreise bestrebt sein werden, da« Erdenkliche zu tun. um den gewissenlosen Leuten entgegenzutreten, die in dieser Zeit schwerster wirtschaftl:- cher Not die ruhige Arbeit, Eigentum und Leben der Volksgenossen zu gefährden wagen".
Die Bombenanschläge.
Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Hamburg: Es besteht bei den zuständigen Stellen, denen die Ermittelung der letzten Sprengstoffanschläge in Lüneburg und Schleswig obliegt» kaum ein Zweifel, daß es sich bei dem Anschlag auf das Reichstagsgebäude um die gleichen Täter handelt, die auch ihre Höllenmaschine nach genau demselben Rezept angefertigt haben. Es ist fest- gestellt, daß die Täter an der Wasserkante über schnellfahrende Automobile verfügen und so in der Lage sind, überraschend an den verschiedensten Orten aufzutauscken. Der Verdacht hat sich bereits auf bestimmte Personen zusammengezogen, die gegenwärtig auf das schärfste kontrolliert werden. Es ist weiterhin festgestellt, daß die Lüneburger Attentäter in Schleswig die gleiche Margarinekists zur Verpackung der Höllenmaschine benutzten wie in Lüneburg. Eingehende Nachforschungen in dem fraglichen Margarinewerk haben ergeben, daß sich die Täter von einem Händler dieser Fabrik einen größeren Posten von Margarineverpackungskisten verschafften, die dann gleichmäßig für die verschiedenen Anschläge benutzt worden sind. Die Gesamtuntersuchung aller Bombenanschläge wird jetzt zentral von den Berliner Untersuchungsbehörden aus geleitet.
Eine Spur?
Bei der Kriminalpolizei in Berlin hat sich, dem „B. T." zufolge, ein wichtiger Zeuge gemeldet, dessen Angaben für die weiteren Ermittelungen in der Bombenanschlagsaffaire von großer Wickstigkeit fein können. Dieser Mann hat in der fraglichen Nacht gegen 2 Uhr am Bismarckdenkmal am Platz der Republik einen Personenkraftwagen halten sehen, dem zwei jüngere Leute entstiegen. Diese gingen nach dem Reichstagsgebäude zu, kehrten aber schon nach ganz kurzer Zeit zum Kraftwagen zurück und fuhren mit diesem in Richtung Lehrter Bahnhof davon. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Leute als Täter in Frage kommen. Eine genaue Beschreibung der Männer konnte der Zeuge jedoch nicht geben, da sich der ganze Vorfall in wenigen Minuten abgespielt hat.
Oesterreich.
wtb. London, 3. Sept. (Eig. Meld.) „Dailtz Telegraph" veröffentlicht ein Interview seines Wiener Korrespondenten mit dem vormaligen Bundeskanzler und Führer der christlich-sozialen Partei Oesterreicks, D r. S e i p e l, in dem dieser zwar nickt die Möglichkeit eines inneren Konslik- tes in Oesterreich leugnet, jedoch der Ueberzeugung Ausdruck verleiht, daß eine gründliche Reform der österreichischen Verfassung ohne Blutvergießen durchgeführt werden kann. Auf die Frage des Korrespondenten, ob diese Bewegung nicht em Versuch sei, die Sozialisten unter Androhung einer Heimwehr-Aktion zu zwingen, die notwendige Zweidrittelmehrheit zur Aenderung der Verfassung zu gewähren, antwortete Seipel, er sehe keinen Grund, weshalb das zu einem Bürgerkrieg führen sollte. Im Gegenteil! Alle Parteien schienen fick während der letzten Tage dem Gedanken anzupassen, daß eine Verfass u n g srefo r m dringend notwendig sei. Wenn die Sozialisten trotzdem die notwendige Zwei-Drittel- Mehrheit für Annahme eines Reformgesetzes ablehnen sollten, so bestünden zwei Möglichkeiten: der Landbund schlage für diesen Fall eine Volksabstimmung vor, deren Erbegnis die Sozialisten nicht ignorieren könnten. Er (Seipel) sei für eine sofortige Auflösung des Parlaments. Zum Schluß erklärte Dr. Seipel, es würde unmöglich sein,
Km Zusammenhang mit dem Notenwechsel über Räumung der zweiten und dritten Zone lind ^«„nntlich der Deutschen Regierung drei Annexe "h.raeben worden, in denen Mitteilungen über die » *niW Durchführung der Räumung enthalten “T ©eiter enthalten, wie mehrere Blätter mit« Hen diese Anhänge Mitteilungen über die vor- fibifiae Abgrenzung der dritten Zone und schließ-
ist noch dem Wunsche Ausdruck gegeben worden daß mit Frankreich und Belgien über eine amneft ierun g derjenigen Personen verhan- Mt wird, die mit den französischen bzw. belgischen Truppen in Verbindung gestanden haben. Von den Besatzungsmächten ist auch Mitteilung gemacht, daß die Rheinlandkommission ihren Sitz von Koblenz wegverlegen wird. Heber den neuen Sitz der Rheinlandkommission ist von den Besatzungsmächten noch nichts mitgeteilt worden, jedoch darf angenommen werden, daß die Rheinlandkommission sich bis zur endgültigen Räumung in Wiesbaden niederlassen wird.
Die deutschen Verhandlungen mit der interalliierten Rheinlandkommission werden voraussichtlich jetzt keine Schwierigkeiten mehr bieten, da alles aus diesen Äerhandlungen ausscheidet, was mit einer längeren Besetzung in Zusammenhang gebracht worden war. Nach dem Abzug der Be- satzungstruppen werden deutsche Schutzpoli- z ist en in das Gebiet einziehen, und zwar gemäß den Abmachungen, die im vorigen Jahre mit der Deutschen Regierung über die Zahl und Verteilung der deutschen Schutzpolizei getroffen worden sind.
Belgische Räumungsbefehle.
Der „Vorwärts" meldet aus Brüssel: Amtlich wird mitgeteilt, daß in Durchführung der Haager Beschlüsse die belgischen Truppen im Rheinland zum Teil Mitte September und zum anderen Teil Anfang Oktober das Rheinland verlafsen werden. Ende November dürfte die Räumung des deutschen Gebietes durch die belgischen Truppen vollzogen fein.
*
Die Maßnahmen für die Räumung durch die britischen Truppen, die in Stärke von 6200 Mann die Zone des rechts- und linksrheinischen Brückenkopfes Mainz besetzen, sind nunmehr eingeleitet. Wie wir bereits früher mitteilten, werden zunächst die Besatzungen der Stadt Königstein und dann von Bad Schmalbach und Wiesbaden-Bieberich zurückgezogen werden. Dann ziehen die Truppen aus Wiesbaden, Wiesbaden-Schierstein und Bingen ob. Diesen Abtransport hofft man bis zum 23. November d. Js. durchgeführt zu haben. D'e Truppen aus Wiesbaden-Dotzheim und der in Wiesbaden noch verbleibenden Teile Militär und Militärpolizei werden voraussichtlich am 30. November zurückgezogen werden, sodaß mit diesem Tage die britische Besatzungszone geräumt und die britische Flagge vom Hotel Hohenzollern, wo sie feit dem 30. Dezember 1925 vormittags 11 Uhr weht, niedergehen wird.
Die Rheinlandkommission.
wtb. London, 3. Sept. (Eig. Meld.) Der Sonderkorrespondent der Times in Wiesbaden berichtet seinem Blatt, bei der dortigen Bevölkerung werde das Gefühl der Befriedigung über den Abmarsch des britischen Besatzungsheeres durch die Nachricht getrübt, daß die Interalliierte Rheinlandkommission demnächst aus Koblenz nach Wiesbaden verlegt werden soll. Das bedeute, daß auch weiterhin fremde Truppen in Wiesbaden verbleiben dürfen. Die Stadt sehe daher jetzt das britische Heer abziehen und werde trotzdem nicht von der Anwesenheit stemder Truppen befreit. Die deutschen Badegäste würden auch in Zukunft fern bleiben. Wiesbaden blicke dem verbleibenden Zeitraum der Besetzung mit Besorgnis entgegen. Auch der Wiesbadener Korrespondent der Morning-Post betont, daß die beabsichtigte Verlegung der Rheinlandkommission nach Wiesbaden dort als eine ausgesprochene Verschlechterung der Lage betrachtet werde. Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph meint, die Haager Konferenz habe es unterlassen, die Stadt zu bestimmen, nach der die Oberkommission verlegt werden soll. Nach feiner Ansicht komme Wiesbaden dafür nicht in Frage, da es nach dem Abt- marsch der britischen Garnison nicht gut von den Franzosen von neuem besetzt werden könne. Als Sitz der Kommission müsse eine Stadt ganz in der Nähe der französiscken Grenze gewählt werden, z. B. Trier oder Kaiserslautern oder auch eine Stadt im Saargebiet. Die Lösung dieser Frage müsse umgehend von Deuffchland und den alliierten Mächten in Angriff genommen werden.
Sie werden sich täuschen.
Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:
Am Sonntag hat Hugenberg am Hermannsdenkmal seine Getreuen gesammelt, um sich als den „Retter Deutschlands" hinzustellen. Es dürste wenig Zweck haben, noch einmal Herrn Hugenberg zu sagen, daß nur engherzigster Parteistandpunkt von ihm vertreten wird, daß er zur Macht kommen will, ganz gleich, wie das Volk, wie das Reich dabei abschneidet.
Es gibt immer noch gewisse Kreise, die mit scheelen Augen zusehen müssen, wie der neue Volksstaat gefestigt dasteht, wie das Volk langsam lernt, diesen Staat zu lieben, für ihn zu arbeiten, ihn aber auch zu verteidigen. Sie können es nicht verschmerzen, daß sie nicht mehr allein die Macht
Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
träger sind, daß heute auch der Mann aus dem Volke politisch sich im Staate betätigen und mitbestimmen darf.
Diese Kreise um Hugenberg sind es, denen es Hauptaufgabe zu sein scheint, immer wieder neue Unruhe in das Volk hineinzutragen, mit politischen Wirren und Kämpfen parteipolitische Geschäfte zu betreiben. Und jedes Mittel ist ihnen gut genug zur Erlangung ihrer Ziele.
Sie werden sich aber täuschen. Denn die übergroße Mehrheit unseres Volkes verweigert ihnen nicht nur die Gefolgschaft, sondern wird sich energisch zur Wehr setzen gegen alle volkszerstörenden Kräfte, welche die Befreiung des Vaterlandes und die Wiederaufrichtung des deutschen Volkes zu verhindern suchen. Das Volk wird auch jede Gewaltspolitik nach außen ablehnen, weil sie unseren Wiederaufftieg hemmt, weil sie nur dazu dient, uns erneut den Haß der ganzen Welt zuzuziehen, was bereits in der Vergangenheit oft genug eine Ursache unserer Schwäche, unseres Unterliegens gewesen ist.
Und wenn jetzt Hugenberg zusammen mit dem Stahchelm und der Hitlergarde den Kamps ansagt gegen den Poung - Plan, gegen die Haager Ergebnisse, dann wird das Volk ebenfalls nicht nach den „Heldengesängen" dieser sogenannten Führer das politische Geschehen beurteilen, sondern nach den Erfolgen der deutschen Außenpolitik und die Gewaltpolitiker daran erinnern — und zwar täglich und stündlich — daß sie es ja gerade gewesen sind, welche damals dem weit drückenderen Dawes-Plan durch ihre Zustimmung zur Annahme verhalfen haben. Sie haben damals bei der Entscheidung über den „Dawes-Plan 50 Prozent abkommandiert, weil sie genau wie jetzt, den „engherzigen Parteistandspunkt" an die Spitze stellten. Herr Hugenberg möge sich heute einmal in das Rheinland begeben und dort versuchen, für das Volksbegehren Stimmung. zu machen. Die rheinische Bevölkerung, für die jetzt endlich die Sonne der goldenen Freiheit strahlt, wird ihm die gebührende Antwort nicht schuldig bleiben.
Das Zentrum.
Von einer besonderen Seite wird uns geschriv- ben:
Die aus Anlaß des Katholikentages nach Freiburg berufene Sitzung der Zentrumsfraktion des Reichstags hat schon lange vor ihrer Abhaltung den Gegenstand mehr oder minder weisheitsvoller Erörterungen in der Nichtzentrumspresse abgegeben. Die einen haben mit Sorge, die anderen mit Schadenfreude auf das Ergebnis gewartet. Beide Teile sind enttäuscht worden. Der von den Gegnern im besonderen erwartete Konflikt, den man an die Namen Wirth und Kaas knüpfen zu sollen glaubte, ist überhaupt nicht in die Erscheinung getreten, und weil dem nicht so ist, darum ergeht man sich wieder einmal in allen möglichen phantastischen Kombinationen. Die „Dossische Zeitung" verfügte über einen ganz besonders findigen Berichterstatter in Freiburg, der ihr berichtete, es solle in der bewußten Fraktionssitzung zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen Dr. Wirth und dem Abgeordneten Kaas gekommen sein. Dabei war Prälat Dr. Kaas in dieser Sitzung überhaupt nicht anwesend! Die Blätter der Rechten, insbesondere vom Hugenberg-Konzern munkeln etwas von „allerhand Schlüssen", die sich daraus ergeben, daß in der offiziellen Mitteilung über den Verlauf der Sitzung von der Anwesenheit des Herrn Dr. Kaas nicht gesprochen werde und man hält, weil man sich in diese Ideen nun einmal verrannt hat, daran fest, daß zwischen Dr. Wirth und Dr. Kaas die gegensätzlichen Auffassungen über die Rheinlandfragen und dergleichen nach wie vor weiter beständen. Insbesondere nimmt- sich der Berliner Lokal-Anzeiger den Reichsminister Dr. Wirth vor, von dem er sagt, er habe wieder einmal seine Partei in eine sehr schwierige Lage gebracht.
All das zeigt, wie man auf dieser Seite des parlamentarischen Lagers den brennenden Wunsch hat, dem Zentrum nach innen und außen Schwierigkeiten zu machen, und wie man sich nun wieder einmal grenzenlos darüber enttäuscht fühlt, daß die Erwartungen auf eine Zersetzung innert« halb der Zentrumsfraktion wieder einmal, wie schon so ost, gescheitert sind.
Unsere Gegner sind wirklich unbelehrbar. Immer und immer wieder spekulieren sie auf Uneinigkeiten und Zersplitterung innerhalb des Zentrums und immer und immer wieder müssen sie sich davon überzeugen, daß däs Zentrum nur um so stärker und gefestigter dasteht. Im Zentrum wird eben ehrlich über Fragen des Staats- und Volkswohls und die zu ihrer Sicherung bestgeeignete Methoden gerungen, und jede Zentrumsentschließung, jeder Zentrumsbeschluß, ist das Ergebnis solchen, von heißer Liebe zu Volk und Vaterland getragenen Auseinandersetzungen. Das vergessen so manche Gegner des Zentrums, die das agitatorische Interesse in der Vordergrund stellen und darüber manches vernachlässigen, was dem Wohl der Gesamtheit entspräche, was zu vertre- ten, nicht gerade immer populär ist.
Wanmat und der Reichswehrmajor.
Der Vorwärts erzählt folgende wahre Geschichte über die Haager Konferenz: Es war bei einer der ersten Unterredungen unter vier Augen, die Dr. Stresemann mit Briand über die Räumung des Rheinlandes im Haag führte. Der französische Ministerpräsident ließ unmögliche Räumungstermine durchblicken und verschanzte sich dabei hinter den fachmännischen Urteilen der Generäle. „Was