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Fulda, »en 31. August 1929
September.
m,.n da die Scheunen mit Getreide gefüllt sind .mb ©arten Obst, Kohl, Honia und Ruben der Enüe harren, schreiben wir schon September Er m der fierbftmonat, denn am 23. September, dem Ke bet Tagundnachtgleiche, beginnt nach dem seiender der Herbst. Seinen Namen hat der Keotember davon, daß er in dem alten römischen eohmberialir, das mit dem März begann, der sie- ?-nte Monat war. Man hat ihm verschiedene Male neue Namen geben wollen, aber bei Sep- Sber ist es geblieben.
Die Bezeichnung „Scheidung", die der Kevtember neben dem Namen Herbstmonat im Deutschen führt, ist symbolisch für den Charakter dieses ersten Herbstmonats. Er bringt den Scheidepunkt des Jahres, der Sommer geht, der Herbst tritt feine Herrschaft an. Er ist gleich- tatn der Gipfel des ganzen Jahreslaufs, der Gipfel den zwar noch mit nur leiser gedämpfter Glut die Sommerstrahlen umspielen, hinter dem aber bereits jäh der Abstieg beginnt und die Schatten dxz Winters lauern. In einer milden, abgeklärten Schönheit, der Schönheit der Reife und Vollendung, erstrahlt noch einmal die Natur, aber in 6ie[er Schönheit liegen schon die Symptome des Derfalls bis die dampfenden Herbstnebel die Erde „tefjr und mehr einhüllen und zum Schlaf in den Schoß des Winters betten. Köstlich ist dieser Monat.
Maler Herbst wirst mit voller Palette und in übermütiger Künstlerlaune herrliche Fac - benbilder über die Wälder, Farben, deren leuchtendes Spiel in tausend Nuancen vom tiefsten Rot bis zum grellsten Gelb das Auge des Naturfreundes entzücken. Aber freilich, ein so großer Künstler er auch ist, seine Kunst ist anders geartet als die seines Nebenbuhlers, des Frühlings. Mit dem feurigen Saft der Rebe, mit dem der Herbst die Becher füllt, wirst er auch die ersten Schatten als Vorboten herbstlich-winterlichen Strebens in seine prächtigen, lebensfrischen Naturbilder. Von den Herbstwinden erfaßt, flattert klaglos sterbend Blatt um Blatt zur Erde nieder. Noch ist die Dämmerung golden durchglüht, aber sie kommt rasch und ihr folgen oft schon jene wallenden, kältenden Nebel, die unerbittlich über die schönen Landschaftsbilder dahinziehen und im Gemüt des Menschen jene traurigmüde Stimmung erzeugen, in der ihm die Vergänglichkeit alles Irdischen voll bewußt wird.
Recht zutreffend umschreiben die alten Dauernregeln das Naturgeschehen im Herbst. „Um Mariägeburt fliegen die Schwalben furt". — Eine andere Regel weist auf das Wetter hin: „Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember", oder „Auf nassen Michelstag, nasser Herbst folgen mag". — „Wenn Matthäus (21.) weint statt lacht, Essig aus dem Wein er macht".
Der September ist arm an kirchlichen Feiertagen. Michaelis am 29. September ist ein im bäuerlichen Leben viel beachteter Termin. Ma- rienfeiertage zählt der September zwei: am 8. Mariä Geburt und am 12. Mariä Namen.
Der Hochmürdigste Herr Bischof
begibt sich vom 31. August bis zum 10. September auf eine Firmungs- und Difitaions- reife in das Dekanat Kassel.
25 Jahre.
Am heutigen Tage kann, so schreibt man uns, Herr Franz S ch i e r. Direktor an der Warengesellschaft für das Fuldaer Land (Kornhaus) auf eine 25jährige Tätigkeit im landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen zurückblicken. Herr Direktor Schier ist bekannt als echter Raiffeisenmann und hat sich in feiner einflußreichen Stellung gerade in den vergangenen Jahren um die Weiterentwick- Öunb die Erhaltung der Einigkeit im Genossen-
sroefen des Fuldaer Landes besonders verdient gemacht. Sein gerader aufrechter Charakter, sein weiter Blick, fein wohlgemeinter Rat haben ihm bei den Landwirten des Fuldaer Landes Ach- hing und Anerkennung erworben. Mit dem herzlichen Glückwunsch zum heutigen Tage sprechen wir die Hoffnung aus, daß Herr Schier noch eine lange wirkungsvolle Tätigkeit befchieden fein möge zum Wohl und Nutzen der Landwirtschaft des Fuldaer Landes.
Ein Sänger-Jubilar.
Auf eine 30jährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied (Archivar) konnte dieser Tage der Vorschlosser a. d. B., Herr Ferdinand D o r s ch e l im Männer- gesangverein Liedertafel des Arbeiterfortbil- dunasvereins zurückblicken. Herr Dorsche! ailt als eifriger Förderer des deutschen Liedes/
Schadenersatz wegen Nichtbeachtung der wege- unkerhaltungspslicht.
Das Reichsgericht hat einen Bezirksver» band verurteilt, für den Schaden aufzukommen, der aus mangelhafter Unterhaltung einer Landstraße entstanden ist. Der zugrundeliegende Sachverhalt ist folgender: Der Ehemann der Klägerin verunglückte tödlich bei einer Fahrt mit einem Kraftwagen, d er von dessen Besitzer gesteuert wurde, auf einer Landstraße in der Richtung We- sterburg-Willmerod, deren bauliche Unterhaltung laut Gesetz dem beklagten Bezirksverband oblag. Es handelte sich um eine sogenannte Landstraße zweiter Klasse oder um einen befestigten Weg, der unter die „Landwege" im Sinne des preußischen Gesetzes über die Landwege im Regierungsbezirk Wiesbaden vom 15. März 1923 zu rechnen ist. Ur- fache des Unfalls, bei dem der Kraftwagen sich überschlug, war, daß die Straßendecke über einem bie Landstraße kreuzenden unterirdischen Entwässerungsrohr eingesunken war und sich dort zwei sogenannte Schlaglöcher gebildet hatten. In dem zweitinstanzlichen Urteil des Oberlandesg-richtens Frankfurt a. M., gegen das sich die Revision des Bezirksverbandes richtete, das jedoch vom Reichsgericht bestätigt wurde, heißt es in der entscheidenden Stelle: „Es war Sache des Beklagten, die ihm zur Verfügung stehenden Mittel so zu verwenden, daß auf den Straßen zunächst die aller- gefährlichsten Stellen, zu denen die Unglücksstelle gehört, beseitigt werden. Es mag fein, daß genügende Mittel zu einer gründlichen und vollständigen Herstellung der ganzen Straße nicht zur Verfügung standen, aber die provisorische und auch ,
Sonntag, den 1. September 1929
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblakt)
Die verwallungsreform im Regierungsbezirk Kassel
Die
vorder- und Rückseite der Münze.
Die Preußische
von Fünf- und Zwanzigmarkstücken.
Anspruch genommen werden soll. Der Reichsarbeitsminister hat daher den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslofen- verficherung ersucht, die Landesarbeiisämter und Arbeitsämter in diesem Sinne zu unterrichten und auch die obersten Landesbehörden gebeten, au? di»
Znm 17. November.
„Kein Amt ist in unseren Tagen so verantwortungsvoll wie das eines Eemeindever- treters oder Stadtverordneten. Dieses Amt ist wohl ein Ehrenamt, bringt aber reichlich mehr Bürden und Aufgaben mit sich, als das eines Parlamentariers. Und gerade für diese Aemter heißt es: Die Tüchtigsten an die Front!"
Am 1. September sind 25 Jahre vergangen, feit Landesobermedizinalrat Dr. med. Paul G u n - k e l an der Spitze des Fuldaer Landkrankenhauses steht. Am 15. Juli 1904 war er vom Lcmdesaus- fchuß des Bezirksverbandes Kassel zum Direktor des durch den Tod des Geheimen Sanitätsrats Dr. Schneider verwaisten Landeskrankenhauses gewählt worden. Auf Grund feiner hervorragenden medizinischen und besonders chirurgischen Leistungen wählte ihn der Landesausschuß unter 22 Bewerbern aus. Dr. Gunkel, der 1873 zu Iserlohn in Westfalen geboren ist und seine medizinischen Studien an den Universitäten München, Freiburg und Würzburg absolviert hatte, war damals Erster As-
Neugebildet wurden 875 Landgemeinden, davon 303 in Pommern, 276 in Ostpreußen, 120 in Brandenburg, 90 in Schleswig-Holstein, 41 in Sachsen, lieber die Auflösung der Gutsbezirke in unserer Provinz und in unserem Regierungsbezirk hervorgerufenen Veränderungen gibt die nachstehende Uebersicht Auskunft.
In der Provinz Heffen-Nafsau bestanden am 1. Januar 1928: 102 Stadtgemeinden, 2105 Landgemeinden und 272 Gutsbezirke. 1 Stadtgemeinde, 22 Landgemeinden und 255 Gutsbezirke wurden aufgelöst. 9 neue Landgemeinden entstanden, so daß wir am Anfang dieses Jahres noch 101 Stadt- und 2182 Landgemeinden (13 weniger als vordem) und nur noch 17 Gutsbezirke in der Provinz hatten.
Im Regierungsbezirk Kassel waren am 1. Januar 1928 vorhanden 64 Stadtgemeinden, 1321 Landgemeinden, 272 Gutsbezirke. Aufgelöst wurden 8 Landgemeinden, 255 Gutsbezirke. Es entstanden 9 neue Landgemeinden, so daß deren Zahl sich um 1 auf 1322 vermehrte, während nur noch 17 Gutsbezirke übrig blieben.
Im Regierungsbezirk Wiesbaden waren am 1. Januar 1928 vorhanden 38 Stadtgemeinden, 874 Landgemeinden. Schon vordem hatte Wiesbaden keinen einzigen selbständigen Gutsbezirk. Es wurden im Bezirk eine Stadt- und 14 Landgemeinden aufgelöst, so daß zu Beginn dieses Jahres vorhanden waren 37 Stadt- und 860 Landgemeinden.
lichen Notfällen in erster Linie stets versucht werden muß, durch Vermittlung der Arbeitsämter die notwendige Zähl von Arbeitskräften zu erhalten, und daß nur im Falle eines dringenden Notfalles, wenn durch Vermittlung der Arbeitsämter nicht geholfen werden kann, die Hilfe der Reichswehr in
neu, zumal der Betrieb der Fuldaer Anstalt so gestaltet wurde, daß der Bezirksverband nur in geringem Umfang für den Ausbau finanzielle Zuschüsse leisten mußte, während für die anderen Krankenhäuser des Bezirks bekanntlich solche Zuschüsse fortgesetzt in erheblichem Umfang notroen- big sind. Im Jahre 1907 wurde der große Neubau der Chirurgischen Klinik vollendet. Am 11. Mai 1907 konnte das Haus feiner Bestim- mung übergeben werden. Erbaut nach den Planen des Baurats Röfe aus Kassel trug der Bau in allen feinen Einrichtungen allen Erfahrungen und Neuerungen der medizinifchen Wissenfchaft Rechnung. Unmittelbar nach der Fertigstellung der Chirurgischen Klinik begann alsbald der Umbau des alten Hauptgebäudes, der im Jahre 1908 durchgeführt war und gleichfalls erhebliche Verbefferungen für die Einrichtungen des Krankenhauses gebracht hat. Auch in der Folge sind noch zahlreiche bauliche Verbesserungen getroffen worden. Im Iah re 1916 wurde ferner die Privatklinik eröffn :t, die eine weitere bemerkenswerte Auswirkung auf die Bedeutung und den Ruf des Fuldaer Kranken- haufes hatte. Vor zwei Jahren wurde dann die Frauenabteilung des Krankenhauses erbaut und zu einer modernen gynäkololifchen Klinik ausgestaltet.
Rastlos hat Direktor Dr. Gunkel an all diesen vielen Verbesserungen und Erweiterungen gearbeitet, dem Hause in vorbildlicher sozialer Gesinung vorgestanden, unermüdlich und in edelster Auffassung seines Berufes als Arzt und Helfer der kranken Menschen gewirkt. Deshalb gedenkt heute auch die Anstalt, ihre Schwesternschaft aus dem Orden des hl. Vinzenz von Paul, die Beamtenschaft, alle Kranken, die der Sorge des Hauses anvertraut sind oder anvertraut waren aber auch die gesamte Einwohnerschaft der Stabt Fulda und das Fu'daer Land des Jubilars und wünscht ihm neue Kraft für fein mühereiches, aber gesegnetes Lebenswerk.
Der Magistrat der Stadt Fulda bat durcy Oberbürgermeister Dr. Antoni folgendes Glück- wurffchfchreiben an Herrn Landesobermedizinalral Dr. Gunkel gerichtet:
Hochgeehrter Herr Landesobermedizinalrat!
Zu Ihrem 25-jährigen Dienstsubiläum spricht Ihnen der Magistrat die herzlichsten Glückwünsche aus.
Ihre stete Hilfsbereitschaft, Ihr freundliches Entgegenkommen, befonders in sehr schwierigen Fällen, Ihre hervorragenden Leistungen als Chirurg werden bei dieser Gelegenheit seitens der Bevölkerung der Stadt ganz besonders geschätzt und anerkannt.
Möge Ihnen noch eine lange und ersprießliche Tätigkeit im Dienste der kranken und leidenden Einwohnerschaft befchieden fein.
25 Jahre Landeskrankenhaus-Direktor Landesobermedizinalrat Dr. Paul Gunkel als Jubilar.
Stadtv erordnelen-Sitzung.
Auf Donnerstag, den 5. Sept. 1929, 17 Uhr ist wieder eine Sitzung der Stadtverordneten-Der- fammlung einberufen worden. Die Tagesordnung lautet:
1. Erteilung der Zustimmung zur Aufnahme eines Darlehns von 1 50000 Mark bei der Gothaer Feuerversicherungsbank (Berichterst. Dr. Weymar). 2. Erteilung der Zustimmung zur Auszahlung einer Beihilfe für die Warmluftheizung der Stadtpfarrkirche aus der bestehenden Rücklage. (Ruppel). 3. Bewilligung eines Zuschusses an das Private Lyzeum der evangelischen Gemeinde zur Deckung des Fehlbetrages aus 1928. IWohl- gemuth). 4. Freiaabe-Urkunde. (Heidt). 5. Nachstandserklärungen. (Heidt). 6. Anderweite Regelung der Freistellung der Neubauten von der städt. Grundvermögenssteuer. (Enders). 7. Bewilligung zur Aufnahme einer Anleihe von 20 000 Rm. zum Ausbau der Straße von der Abzweigung des Zieherserweges bis zur Berufsschule. (Ferd. Schmitt). 8. Anfrage Enders Ruppel über den Stand der geplanten Aenderungen in der heimatl. Elektrizitäts-Wirtschaft. (Enders).
Staatsmünze in Berlin hat anläßlich der Weltfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin" eine Medaille nach dem Entwurf des Bildhauers O. Gloeckler geprägt. Die Vorderseite der Gedenkmünze zeigt die Profile von Graf Zeppelin als Schöpfer, Dürr als Erbauer, Eckener als Führer. Die Rückseite wird durch die Weltkugel mit Darstellung der Erdteile und der Etappenstationen ausgefüllt. Die Münzen sind in Bronze, Silber und Gold geprägt und haben die Größe
fiftent an dem berühmten St. Hödwigs-Kranken- haus in Berlin. Dr. Gunkel hat die Erwartungen, die von der Kasseler Wahlkörperschaft auf ihn gesetzt wurden, in reichem Maße erfüllt. Unter feiner Direktion hat das alte angesehene Fuldaer Krankenhaus einen gewaltigen Aufschwung nach innen und außen genommen. Der Ruf des Direktors als erfolgreicher Chirurg und feine Bewährung als tüchtiger Verwaltungsbeamter schufen die Voraussetzung für den ununterbrochenen Ausbau des Fuldaer Krankenhauses, der sich unter seiner Direktion vollzog. Sie bewogen den Bezirksverband, die medizinischen Einrichtungen des Krankenhauses von Jahr zu Jahr zu vervollkomm-
einigermaßen dauerhafte Ausbesserung befonbers gefährlicher Stellen war auch mit verhältnismäßig geringem Kostenaufwand möglich. Unzulässig und fahrlässig dagegen war es, wenn sich der Wegebaumeister damit begnügte, die Löcher mit losen. Splitt auszufüllen. Zum mindesten hätte dieseStelle durch auffalenbe Warnungstafeln kenntlich gie>» macht werden müssen." (R.G. IV. Z. S. v. 24. 1. 29).
Nachprüfung bet Renken bet ftriegsbefdyäbigfen.
Nach einer Blättermeldung sollen in Kürze die feit längerer Zeit ausgesetzten Nachuntersuchungen der Kriegsbeschädigten wieder vorgenommen werden. Zweck der Nachuntersuchung ist, objektiv festzustellen, ob ein naturgemäß dem Wandel unterworfenes Rentenleiden in der Zwischenzeit eine wesentliche Veränderung erfahren bat, worin sie sich ausdrückt, und wie sie für die Neufestsetzung der Rente zu bewerten ist.
Die „Bürgerpartei der Stabt Fulda", bie bei den Wahlen im Jahre 1924 und kurz nachher viel genannt wurde, aber während derAmts- bauer der jetzigen städtischen Körperschaften sehr wenig hervortrat, wird auch bei den kommenden Wahlen wieder eine Liste aufstellen. Obmann der Parte: ist, wie aus einem Aufruf hervorgeht, nunmehr Herr Stadtverordneter Jean St ein. Ihrem Wesen nach ist die „Bürgerpartei" mit der Wirtschaftspartei gleichzusetzen, wenn sie deren Ansichten auch nur für kommunale Wahlen gelten lasten will. Im Wahlkampf wird auf diese Ansichten zurückzukommen sein.
Mit der viel erörterten Verwaltungsreform ist ein ganz kleiner Anfang gemacht worden durch die auf (§nmb des Gesetzes vom 27. September 1927 beschlossene Auflösung der Gutsbezirke. Diese ist im Jahre 1928 zum größtenteil durchgeführt worden. Weit umfangreicher noch sind aber die Veränderungen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Hier ist mit Wirkung vom 30. Juli 1929 eine Neuregelung der staatlichen und kommunalen Bezirkseinteilung in Kraft getreten, die' die bisherige verwaltungsrechtliche Struktur dieses Gebietes völlig umgestaltet hat. In erster Linie wurden davon die Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg betroffen, im geringeren Maße der Regierungsbezirk Münster, lieber die Veränderungen im Bestände der preußischen Gemeindeeinheiten durch die Auflösung der Gutsbezirke gibt die statistische Korrespondenz eine umfassende Uebersicht. Am 1. Januar 1928 bestanden in Preußen 11894 Gutsbezirke, davon wurden bis zum 1. Januar 1929 aufgelöst 11 316, so daß nur noch 576 Gutsbezirke bestehen biteben.
Die Verteilung auf die Provinzen ist infolge der verschiedenartigen verwaltungsrechtlichen Struktur der Landesteile verschieden. Während in Ostpreußen 2093, in Pommern 2240, in Nieder- schlesien 2448, in Brandenburg 1712, in Sachsen 1045 Gutsbezirke aufgelöst wurden, waren es in Oberschlesien 694, in Schleswig-Holstein 323 und in den westlichen Provinzen noch weniger; in Hannover 286, in Hessen-Nassau 255, in der Rheinprovinz und in Westfalen zusammen nur 22.
Explosionen in städtischen Kanälen.
Man schreibt uns: Die fortschreitende Auto- mobilifierung des Verkehrs hat durch die Vermehrung der Kraftfahrzeuge aller Art eine Gefahr mit sich gebracht, deren völlige Beseitigung den zuständigen Behörden mangels Beachtung der gegebenen Vorschriften durch Garagen- und Werk- statt-Jnhaber noch nicht gelungen ist. Es ist dies die Gefährdung der öffentlichen Entwässerungsanlagen durch das Eindringen von brennbaren und explosiven Flüssigkeiten, wie sie gerade im Automobilwesen in großer Menge sowohl als Betriebsstoff, wie zur Reinigung Verwendung finden. Hierzu gehören Benzine aller Art, Benzol, Petroleum, Schmieröle u. a. m., die unter der Bezeichnung „Mineralöle" zusammengefaßt werden können. Derartige explosible Leichtflüfsigkeiten können sowohl durch Unachtsamkeit beim Auffüllen der Tanks als auch durch unbemerktes Leerläufen von Behältern infolge Schadhaftigkeit, ober auch durch Entleeren der Betriebsstoffbehälter in Werkstätten und beim Waschen und Reinigen der Kraftwagen in die Kanalanlagen gelangen. Durch den Abfluß auch nur geringer Teile solcher sprengfähigen Flüssigkeiten im Mifchwasser besteht bekanntlich für die in den Kanälen beschäftigten Arbeiter, wie auch für Straßenpaffanten, eine große Gefahr. Sowohl ein zufällig in den Kanal fallendes brennendes Streichholz, eine brennende Zigarre ober Zigarette als auch offenes Licht beim Betreten der Kanäle kann bie auf ber Oberfläche fchwirnrnenben Leichtflüfsigkeiten zur Explosion bringen. Den bereits ftattgefunbenen Kanalexplosionen — z. B. Essen, Düsselborf, Bremen, Wilhelmshaven, Hamburg, Worms, Hannover, Dortmund, Manchester, New Port u. a. — find leider auch Menschenleben zum Opfer gefallen, ganz abgesehen von dem großen Materialschaden, der hierbei verursacht wurde. Die Unglücksfälle haben dazu geführt, Maßnahmen zu treffen, um die Einleitung explosiver Flüssigkeiten in die Kanalisation wirksam zu verhindern. Wenn auch die Einleitung polizeilich verboten und der fahrlässigerweise Zuwiderhandelnde für entstandene Schäden haftbar zu machen ist, so genügen diese Schutzbestimmungen meistens nicht. Die zuständigen Behörden sind daher bestrebt, den Zufluß von feuergefährlichen Betriebsstoffen in die Kanäle durch mechanische Vorrichtungen fernzuhalten. Hierzu sind vor allem die nach den neuesten Vorschriften konstruierten Benzin- ober Mi- neralölabschneiber geeignet, bie bie Mineralöle in einem befonberen Behälter sammeln unb nach seiner Füllung den Zufluß automatisch verschließen. Die angefammelten Mineralöle sind alsdann herauszunehmen und — soweit nicht anderweitig verwertbar — zu vernichten. Der Einbau von Benzin- ober Mineralöl-Äbfcheibern in bie Ahwasser- leitung muß im Interesse ber öffentlichen Sicherheit bei allen Garagenbauten, Autowaschplätzen, Reparaturwerkstätten, Tankanlagen, sowie chemischen Waschanstalten geforbert werben.
Einstellung von Arbeitslosen statt militärischer Hilfskommandos.
Im letzten Winter sind auf Anforderung örtlicher Verwaltungsbehörden öfter Hilfskommandos der Reichswehr zum Freimachen von verschneiten Eisenbahnstrecken gestellt worden, obgleich für diese Arbeiten eine genügende Anzahl Arbeitsloser hätte gestellt werden können. Im Einvernehmen mit dem Reichswehrminister hat der Reichsarbeitmini- fter daher, wie die Deutsche Beamtenbund-Korre- fpondenz erfährt, bestimmt, daß in solchen unb ähn- ,