Einzelbild herunterladen
 

... " :' .

-

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

irr. 202

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Sonntag, 1. September 1929.

Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Klemzeile (Col.) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 JUt. Reklamezeile: lokal0,60 >L>, auswärts0,80 M. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051.

56. Zahrg.

SnHHHHEanaUBKSDQH

Vas Rheinland ist dankbar füt dieVesreiung.

Der Abschluß im Haag.

Die Hauptsache für die rheinische Bevölkerung «t heute die Gewißheit, daß am 15. September her Abzug der fremden Truppen beginnt, jgx Reichsminister Dr. Wirth sagte, als er die LitzUNS der einladenden Mächte verließ, zu den gm umringenden Journalisten: „Ich stelle mich gfoten nunmehr als ehemaligen Minister der besezten Gebiet« und jetzigen Minister der be­freiten Gebiete vor." Kundgebungen der Be­friedigung liegen aus den besetzten Städten zahl­reich vor. Oberbürgermeister Dr. Külb-Mainz faßte feine Meinung dahin zusammen: „Mainz hat vielleicht die schwersten Lasten der fremden Besatzung tragen müssen. Mit um so größerer Freude haben wir vernommen, daß es der vev- dienstvollen Arbeit des deutschen Delegations­führers Dr .Stresemann und seiner Mitarbeiter gelungen ist, die baldige endgültige Räumung durchzusetzen. Wenn wir hier auch noch nicht im einzelnen wissen, unter welchen Opfern und Be­dingungen der Abzug der fremden Heere erkauft weiden mußte — und wir wollen hoffen, daß man mit den Konzessionen nicht das Maß des für Deuffchland Erträglichen überschritten hat! —, so sind wir hier alle vom Standpunkt des besetzten Gebietes aus mit dem Haager Resultat doch freudig einverstanden. Wir begrüßen es vor allen Dingen als einen großen moralischen Erfolg, der unS endlich aus der Zwangsjacke heraushilft. Für unsere Stadt selbst bedeutet natur­gemäß die Räumung eine unerhörte Er- leichterung, die die Bahn für eine gedeih­liche Aufwärtsentwicklung der Stadt Mainz in wirtschaftlicher Hinsicht frei macht. Richt zuletzt auch wird unsere Bürgerschaft den Vorteil da­von haben, daß durch den Abzug der Franzosen bedeutende Wohnungskomplexe endlich wieder frei werden. Ich glaube, die Stimmung unserer Bür­gerschaft doch dahin zusammenfassen zu können, daß sie die große Leistung Dr. Stresemanns dank­bar anerkennt in dem freudigen Bewußtsein, in wenigen Monaten wieder freie Deutsche zu fein.“

*

Bürgermeister Gervais von Aachen sandte an­läßlich der Befteiung der Stadt von der fremden Besatzung durch die Beschlüsse im Haag Dank- teleg ramme an den Reichspräsidenten, den Reichskanzler, den Reichsaußen­minister und den Minister für die be­setzten Gebiete.

Das deutsche Schreiben an die Besatzungsmächte, in dem das Räumungsabkommen bestätigt wird, hat folgenden Wo r t l a u t:

„Ew. Exzellenzen! Ich habe die Ehre, den Empfang der heutigen Note Ew. Exzellenzen zu bestätigen, die Sie an mich im Namen Ihrer Regierungen gerichtet haben. Die Deutsche Regierung nimmt Kenntnis von der Erklärung der belgischen, britischen und französischen Re- gieruny hinsichtlich der Räumung des Rheinlandes, wo­nach die Räumung während des Monats September be­ginnen wird. Die belgischen und britischen Truppen werden vollständig zurückgezogen werden innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten vom Beginn der Räumung ab.

Die französischen Truppen werden die zweite Zone innerhalb desselben Zeitraumes verlassen. Die Räumung der dritten Zone durch die französischen Truppen wird unmittelbar nach der Ratifizierungg des Aoung-Planes durch die deutschen und französischen Parlamente und Inkraftsetzung des Planes stattfinden. Die Räumung wird ohne Unterbrechung durchgeführt werden, und zwar so schnell, wie es die technischen Bedingungen erlauben, spätestens innerhalb eines Zeitraumes von acht Mo­naten, jedoch nicht über das Ende des Juni 1930 hin­aus.

Gleichzeitig habe ich die Ehre, Ew. Exzellenzen das Einverständnis der deutschen Regierung zu den Bestim­mungen in den drei Anlagen Ihrer Note hinsichtlich gewisser Fragen, die mit der Räumung Zusammenhän­gen, zu bestätigen. gez. Dr. Stresemann.

Das englische Kriegsministerium hat über die Zurückziehung der britischen Truppen aus dem Rheinland verfügt: Die Truppen werden über Ostende-Dover befördert werden. Die Fami­lien werden vor den Militärpersonen nach Eng­land zurückkehren. Die Familien werden vor den Militärpersonen nach England zurückkehren. Die Heimbesörderung der Tiere erfolgt über Antwer- Pen-Harwich. Das schwere Gepäck, der Proviant und der Wagenpark werden auf Kähnen den Rhein herunter fahren und bann zu Schiff nach verschiedenen Häsen Englands gebracht werden.

Was erreicht wurde.

Die Haager Konferenz 1929 ist zu Ende. Es waren Wochen erbitterten Kampfes, in denen die Hauptaufgabe, die sogen. Liquidierung des Krie­ges, bis auf die drei Schlußtage der Konferenz zurückgedrängt worden war. Die Delegationen aller beteiligten Hauptstaaten haben in den Ausein­andersetzungen wiederholt sehr heiße Köpfe bekom­men. Das Ergebnis wird auch für alle Staaten Anlaß geben zu überlegen, was sie erreicht und was sie nichterreicht haben. Es ist kein Zwei­fel, daß Deutschland zu dem Versöhnungskompro­miß erhebliche Kosten beigesteuert hat und keine öffentliche Stimme in Deutschland wird es sich nehmen lassen, diese Kosten im einzelnen s i ch t- bar zu machen. Wir dürfen aber auch nicht die positiven Seiten des neuen Arrangements über­setzen, wenn wir nicht ungerecht sein wollen. Wir neigen sehr dazu, das, was in den Verhandlungen mit den Gläubigerstaaten inzwischen erreicht wor­den ist, einfach als selbstverständlich anzusehen, als ein Faktum, daß für die Gegenseite eben­so selbstverständlich sei wie für uns. Dabei ist es unverkennbar, daß der We g von Versailles bis zum Laaa auch für die Gläubigerstaaten ■

ein Weg der Enttäuschung gewesen ist, daß sie aus politische und wirtschaftspolitische Ziele, die sie in Versailles auf unsere Kosten verfolgt haben, in hohem Matze haben verzichten müssen. Sie haben sie allerdings eingetauscht gegen bedeutsame Psycho­logische Werte, die sich besonders in dem Verhält­nis zwischen Deuffchland und Frankreich nutzbar machen werden.

Wenn wir die deutschen Vorteile kennzeich­nen wollen, die wir durch die Haager Konferenz erreicht haben, so müssen wir einen Ausgangs­termin annehmen, als den wir wohl am besten die vorjährige Septembertagung des Völkerbunds­rates auswählen. Am 16. September wurde ein gemeinsames Kommunique zwischen den fünf Signatarmächten des Rheinpaktes und dem Ver­treter Japans vereinbart, in dem zum Ausdruck gebracht wurde, datz man über folgende drei Punkte zu einem Einvernehmen gelangt sei. 1. lieber die Eröffnung von Verhandlungen über eine vorzeitige Rheinlandräumung; 2) über die Notwendigkeit einer vollständigen und endgültigen Regelung des Reparationsproblems und 3) über das Prinzip der Einrichtung einer Feststellungs- und Dersöhnungskommission, deren Zusammen­setzung, Dauer und Arbeitsgegenstände noch be­sondere Verhandlungen zwischen den Regierungen gepflogen werden sollten. Die beiden ersten Punkte entsprachen einer deutschen Forderung, währeno der letzte Punkt durch das französische Interesse nahegelegt war.

Es hat sich gezeigt, datz diese Resolution vom 16. September keine Vereinbarung nur zum Scheine geblieben ist, sondern zu positiven Ergeb­nissen geführt hat. Es ist eine Reparations­konferenz von Sachverständigen einberufen wor­den ,die einen neuen Zahlungsplan vereinbarte, der jetzt im Haag allgemeine Zustimmung gefun­den hat. Ferner steht der Termin für die end­gültige Rheinlandräumung fest, der letzte fremde Soldat muß bis zum 30. I uni 1930 das rheinische Gebiet verlassen hab en.Un­klar ist im Augenblick nur noch die Lösung der Saarfrage. In den beiden ersten Punkten der Resolution haben also die deutschen Anregungen zu einem Erfolge geführt. Man soll nicht sagen, daß diese Entwicklung unvermeidbar gewesen wäre, ja daß sie noch mit größerer Beschleunigung hätte zu Ende geführt werden können. In theoretischer Hinsicht gewiß, aber in politisch-praktischer Hinsicht kaum. Als vor 5 Jahren am 29. August die Deutschnationalen dem Dawesplan zustimmten, haben sie sicher nicht gehofft, daß genau 5 Jahre später ein anderer Plan an seine Stelle treten würde, der nicht nur erhebliche Erleichterungen für Deutschland mit sich bringen würde, sondern auch mit der Festsetzung eines Termins verbun­den wäre, an dem das Rheinland völlig geräumt sein wird. Wer meint, hier Widerspruch erheben zu müssen, der lese nur einmal die Rede nach, die damals die deutschnationalen Außenpoli­tiker im Reichstag gehalten haben. Zugleich ver­schwinden jetzt aber auch die Kontrollinstan­zen, die wir auf Grund des Dawesplanes noch in Deuffchland dulden mutzten, das Reparations- kommissariat, die Aufsichtsorgane in der Reichs- bcmk und in der Reichsbahn. Wir haben also innerhalb eines Zeitraumes von 10 Jahren seit Abschluß des Versailler Vertrages die deutsche Souveränität wiedergewonnen, soweit sie überhaupt im Rahmen des Versailler Ver­trags zurückzugewinnen war. Und wer möchte be­haupten, daß das kein großer Gewinn sei, wenn man bedenkt, wie sehr das ganze deutsche Volk beim Zusammenbruch Ende 1918 damit gerechnet hat, daß es eines Tages auch noch das Rheinland und das Ruhrgebiet werde preisgeben müssen. Wenn man uns sagt, daß unsere Reparationen im­mer noch eine gewaltige Einschränkung unserer Souveränität bedeuteten, so ist auch das richtig, aber in dieser Beziehung wird auch derPoung- Plan kein Schlußpunkt in den notwendigen Vereinbarungen bleiben. Der neue Zahlungsplan gibt uns jetzt wenigstens die Möglichkeit, die deut­schen Finanzen wirklich und endgültig zu sanieren und unser Wirtschaftsleben vom Steuerdruck zu entlasten, auch wird sich der deutsche Kredit im Auslande heben, nachdem jetzt das Höchstmaß der deutschen Leistungen bekannt ist. Im Dawes- plan lagen für die Zukunft unseres Finanz- und Wirffchastsplanes noch sehr böse Tücken.

Der dritte Punkt des Genfer Kommuniques vom 16. September 1928, eine Forderung Briands, ist nicht erfüllt worden. Auch hier stehen wir vor der Tatsache eines deutschen Erfolges, toenn man auch die Auslegung, die im Haag in diesem Zusammenhänge die Artikel 3 und 4 des Locarno­paktes gefunden haben, in einem für Briand positiven Sinne werten möchte. Ist eine solche Wertung aber möglich, dann lag, wie wenigstens unsere Juristen sagen, die Schwäche unserer Der- handlungsbasis bereits vor, ehe wir nach dem Haag gingen, nämlich in den Bestimmungen des Locarnopaktes. Im übrigen dürfen wir nicht darauf verzichten, gerade diese Frage politisch zu sehen. Je mehr der Defftändigungswille zwischen Deutschland und Frankreich wächst, und es liegt in der Natur der Dinge, daß er wachsen muß, umso unwichtiger wird die hier vorliegende Streitfrage.

Wir sind uns durchaus bewußt, datz DeuWi- laud, das nun einmal ben Krieg verloren hat, in ben kommenden Jahren, hoffentlich nicht Jahr­zehnten, noch schwere Tributlasten tragen muß, wir sind uns auch bewußt, daß im Haag nicht alle unsere Wünsche erfüllt worden sind. Aber das seit dem 16. Sevtember 1928 verflossene!

Jahr bedeutet für die deutsche Politik doch wieder eine starke Aufstiegslinie. Wir haben das Recht und die Pflicht, dankbar zu sein.

Snowden über das Ergebnis.

wtb. London, 31. Aug. (Eig. Meld.) Daily Herald veröffentlicht eine Unterredung feines Haager Vertreters mit Snowden, in der dieser u. a. ausführte: Die Annahme des Poungplanes zugleich mit einem Abkommen über Beendigung der Besetzung des Rheinlandes wird viel dazu beitragen, die Krieg shärte n zu vermin­dern. Der Poungplan bietet beträchtliche Vorteile, sowohl für Deutschland als auch für seine Gläubi­ger. Die Tatsache allein, baß bie finanziellen Verpflichtungen Deutschlands jetzt endgültig begrenzt sind, mutz günstig auf die innere Wirt­schaft aller Länder wirken. Einer der größten Vorteile, die aus dem Poungplan für Deutschland entspringen, ist die Beseitigung aller ä u ße- ren Kontrollen über bie Finanzen unb bie Wirtschaft Deutschlands. Die Deutschen können die Erwartung hegen, daß ihre Wohlfahrt infolge dieser Tatsache zunimmt.

Die Vormillagsberalungen im Haag.

Scharfe Auseinanbersehung.

wtb. Haag, 31. August. (Eig. Melbg.). In der heutigen Vormittags sitzung kam es noch ein­mal zu einer ziemlich scharfen Auseinan­dersetzung zwischen ben Vertretern der Glau­big e r m ä cht e unb den d e u tsch e n D e l e g i er- t e n, den Reichsministern Dr. Curtius und Dr. Hilferding. Es wurde von Deutschland verlangt, daß es aufgrund von Kapitel 9 § 343 desNoung- plan e s eine Verzichterklärung abgebe, die sich auf alle Entschädigungen namentlich der Liquidationserlöse aus dem beschlagnah ms - ten de ut sch en Eigentum erstrecken sollte. Man verständigte sich jedoch angesichts des hartnäcki­gen deutschen Widerstandes schließlich dahin, daß eine besondere Unterkommission für die weitere Behandlung dieser Fragen eingesetzt wird. Deendigung bet Arbeiten des Haager Finanz-

komiiees.

wtb. Haag, 31. August. (Eig. Meldg.). Das Finanzkomites der Haager Konferenz hat heute vormittag feine Arbeiten beendet. Das Schluß­protokoll ist fertiggestellt. Es enthält verschiedene Anlagen: 1. Die Vereinbarung zwischen den Gläu-

Der Freitag der Freiburger Tagung begann mit einem Pontifikalamt zu Ehren der Mutter Gottes, der Patronin der Katholikentage. Nachdem der Vormittag den Schluß der Vertretertagung gebracht hatte, begann am Nachmittag in der Schwarzwald­halle die erste geschlossene Versammlung, in der zunächst das Präsidium der 68. Generalver­sammlung der deutschen Katholiken gewählt wurde. Auf Vorschlag des Zentral- und Lokal-Komitees wurde unter Leitung von Geheimrat Herder zum 1. Präsidenten unter lautem Beifall Rei ch s- kanzler a. D. Dr. Marx gewählt, der mit dankenden Worten die Wahl annahm und dabei

Fürst Alois zu Loewenstein,

der hochverdiente ständige Leiter der Generalver­sammlungen der Katholiken Deutschlands.

einen Rückblick bot auf die früheren Katholikentage, die in Freiburg ftattgefunben, und wo ein Ritter v. Busch, ein Freiherr v. Andlaw und ein Ludwig Windthorst, der größte Führer des katholischen Deutschlands, gesprochen hätten. In der Gegen­wart rufe ihm der Name Freiburg zwei Männer ins Gedächtnis, die ihm unvergeßlich als Führer vor seiner Seele ständen: die Namen von Pfarrer Wacker und Konstantin Fehrenbach. Marx schloß seine Worte mit dem Wunsche: Möge biefer Katholikentag zur Ehre Gottes und zum heile nicht nur des katholischen, sondern des ge­samten Deutschlands führen.

Zum Ersten Vizepräsidenten wurde darauf der Sohn de? langjährigen bekannten Reichstagspräsidenten Graf B a l l e st r e m ge- wäblt. her bei her Annahme seiner Wahl in dieser

bigermächten untereinander und zwischen Deutsch­land und den Gläubigermächten über die neue Verteilung der deutschen Leistungen. 2. Die Neuregelung der Sachlieferun­gen, wozu eine Unterlage für den Fall eines Mo­ratoriums und der Sachlieferungen in diesem Falle, ferner eine zweite Unterlage über das ita­lienisch-englische Kohlenabkommen und die An­nahme eines Teiles der italienischen Quote durch Frankreich gehören. 3. Ein Reglement für dis Uebergangsperiode einschließlich der ge­stern getroffenen Regelung über die Leistungen Deutschlands während der Zeit bis zum Jnkraft». treten des Doungplanes. 4. Die Einigung über die Frage der Besatzungskosten und die Grün­dung einer gemeinsamen Kasse für Kosten, die nach dem 1. September außer der Besatzung ent­stehen. Es wurde dem Präsidenten Jaspar überlas­sen, den Zusammentritt und den Tagungsort der verschiedenen Unterkommissionen und ebenso Zett und Ort für die Schluhkonferenz zu bestimmen.

Die letzte Plenar-Sitzung.

Um 12 Uhr mittags trat bie letzte nicht öffent« liehe Plenarversammlung der Haager Konferenz zusammen, um von den politischen und finanziell len Regelungen Kenntnis nehmen.

Nach Genf!

Die Abreife der deutschen Delegation aus dem Haag

wtb. Berlin, 31. Aug. (Eig. Meldg.). Privat­meldung: Reichsminister des Aeußern Dr. Str e- semann und Staatssekretär von Schubert treffen aus dem Haag kommend mit einem Teil der deutschen Delegation morgen früh in Berlin ein und reifen nachmittags in Begleitung des stell­vertretenden Leiters der Preffeabteilg. der Reichs­regierung, Geheimrat von Kaufmann nach Genf weiter. Die Reichsminister Dr. Curtius und hilferding sowie Ministerialdirektor Dr. Zech- lin, die ebenfalls aus dem Haag zurückkehren, blei­ben in Berlin. Die im Haag für die Teilnahme an den Genfer Arbeiten bestimmten Mitglieder der deutschen Delegation begeben sich vom Haag unmittelbar nach Genf.

*

wtb.Genf, 31. Aug. (Eig. Meldg.). Der eng­lische Staatssekretär des Aeußern Henderson ist heute mittag m Genf eingetroffen und wird heute nachmittag die internationale Presse empfan­gen.

Tatsache ein Dreifaches dokumentiert sah: einmw die Ehrung des deutschen Ostens, zweitens den Be­weis echt katholischer Auffassung, baß alle Stände gemeinsam für die katholische Sache und das ge­meinsame Vaterland arbeiten müßten, wie es der katholische Wei als seine Hauptaufgabe anfehe, zu­sammen mit allen Ständen für das Wohl von Va­terland und Kirche zu wirken, und drittens die Ehrung des Andenkens feines Vaters, der fchrn 1872 im Präsidium der Breslauer Katholikenta­gung vertreten gewesen sei und 1887 in Trier die Generalversammlung der deutschen Katholiken ge­leitet habe.

Zum Zweiten Vizepräsidenten wurde Reichstagsabgeordneter E r f i n g gewühlt, der in feiner Wahl eine Auszeichnung unb Anerkennung der großen katholischen unb christlichen Arbeiterbe­wegung sah.

Nach der Dortmunder Tagung hätten Berliner Zei­tungen die Frage aufgeworfen, woher es komme, daß in Deutschland weiteste Kreise der katholischen Arbei­te r w e l t so treu zur Kirche hielten. Er könne die Frage dahin beantworten, daß die katholische Kirche von jeher der Lage des Arbeiters immer große Beachtung geschenkt habe. Er brauche nur die Namen Leo XIII. unb Ketteler zu nennen. Die Zeitverhältnisse brächten es mit sich, daß wir heute im katholischen Volke stärker um die Einheit ringen müßten. Bestimmte Kreise seien zurzett daran, der Arbeiterschaft zu empfehlen, aus den Boden des wirtschaftlichen und politischen Klassen­kampfes zu treten. Die katholische Arbeiterbewegung habe diesen Standpunkt immer abgelehnt und werde ihn immer ablehnen. Würde sich dieser Standpunkt durch­setzen, dann wäre es mit der katholischen Einheit und dem Zusammenwirken aller Stände im katholischen Volke vorüber, und dann würden wir Katholiken zum Spiel­ball unserer Feinde werden. Deshalb wollen wir einig bleiben und gemeinsam die Fragen der Zeit im Zei­chen des Kreuzes im Weltendome der katholischen Kirche lösen.

Anknüpfend an diese Worte wies Präsident Marx darauf hin, daß die „Rheinische Zeitung" im Zusammenhang mit dem Katholikentag geschrie­ben habe, man begänne nun auch im katholischen Lager mit dem Arbeiter zu rechnen. Demgegen­über brauche er nur darauf hinzuweifen, daß auf Katholikentagen immer schon Arbeiter gesprochen hätten. Er brauche nur die Namen Giesberts und des Bergarbeiterführers Stütze! zu nennen und die Tatsache ins Gedächtnis zu rufen, daß auf der ei­gentlichen letzten großen Katholikenversammlung in Dortmund der 1. Voffitzende der Christlichen Ge­werkschaften, Stegerwald, Präsident gewesen sei.

Zur dritten Vizepräsidentin murbi die Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes, Dr Gerta Krabbel, gewählt. Sie betonte, dc wenn je auf einem Katholikentage, dann bei bie» fern die Mitarbeit der Frau von Bedeutung sei. Gerade den Frauen obliege bei der Aufgabe der Rettung der christlichen Familie eine große Pflicht,

ta WWmm des kalhsllkenlages.

Dr. Marx, Graf Ballestrem, Arbeiterführer Ersing, Frau krabbeL Ein BegrützungstsSegramm an den Reichspräsidenten

v. Hindenburg.