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Fuldaer Zeitung

Die

Sie erste vrigiualiiufnahme vom Kamps um die »Müschen Sahnen

Denk an Deine Augen!

Trage rechtzeitig ein Augenglas.

Fortsetzung folgt)

Gesamtkosten gingen zu seinen Werk mißlang, dann waren die reichen Bauern nutzlos aufge- angehen, daß Detmar dann sv- von Grenzländereien schreiten

der von

machen. Jedenfalls, wenn der mal denn is da nischt dran zu machen." nachdenklich: „Mich mag er leiden, der vielleicht spreche ich einmal mit ihm." sah sie verwundert von der Seite an: du kleenes Mädchen, wo willst denn die

wort: Wat sich neckt, bet--"

Hier hatte er eine nicht allzu „Kümmere dich um deine sechs

„Det siebente is unterwegs;

Warzenschweine wat jesagt hat, Antje wurde Detmar Visser, Karl Ladtke „Menschenskind,

gelinde Ohrfeige weg: Rangen!"

een Junge is an bei

Reihe, wir kriegen immer umschichtig," antwortete bei Berliner mit komisch weinerlichem Tone, währenb er sich bie Backe rieb. Dann summte er: „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß, als heimliche Hiebe, von die niemanb weiß.--Verlaß bir uff eens, Mächen,

ick erzähle fe niemanben die Schote, die du mir eben jelangt hast, denn Wenn die Leute erfahren, wofür bat ick fe jekriegt habe, benn--du wirst auch im Leben

nich anders."

Antje kniff die Lippen zusammen, sie schämte sich, hätte aber um die Welt kein freundliches Wort ge­funden.

Kurage hernehmen?"

In diesem Augenblicke — der Wagen fuhr bereits auf dem Bereiche von Meiko Brinks Pachtland — sah Antje erstaunt auf einen Acker, wo ein Mann die Arbeit des Pflügens verrichtete. Das war ein hoher.

glauben, daß die nach dem Konflikt entstandene Sagt, der Ost-China-Bahn geändert werden muß und zwar gemäß den Pekinger und Mukdener Abmachungen von 1924 in der Anerkenntnis, daß alle derartigen Aende- rungen durch die im Voranstehenden vorgesehene Kon­ferenz entschieden werden solle. Die Sowjetregierung empfiehlt einen Direktor und einen stellvertretenden Direktor der Ost-China-Bahn, die von der Verwaltung der genannten Bahn unverzüglich genannt werden. Die Sowjet-Regierung wird die Ost-China-Bahn-Angestell- ten, die Bürger der Sowjetunion sind, anweisen, die in Artikel 6 der Abmachung von 1924 enthaltenen Bedin­gungen streng einzuhalten. Dieselbe Anweisung ergeht von der chinesischen Regierung an ihre örtlichen Be­hörden und Organen. Beide Teile lassen unverzüglich, sämtliche im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Zwischenfall, bezw. nach dem 1. Mai 1929 verhafteten Personen frei.

Wir erleben dieses heute im ganzen Bereich der Technik. Der B,?rkehrsmimster SiegerwaD hat

Das Gesunde, das Geistige muß herrschen, auch in der Religion. Es ist in jüngster Zeit wieder viel von Konnersreuth die Rede gewesen. Auch soll ja demnächst ein großes gründliches Werk darüber erscheinen. Man halte sich zurück. Solange die Kirche nicht spricht, ist es nicht gut, ein endgültiges Urteil zu fällen. Es leidet dort ein Mensch er­greifend, das ist sicher. An Betrug denkt auch im Ernst niemand mehr. Aber welcher Geist hinter all den Geheimnissen steht, wer kann es wissen? Ob nicht auch auf solcher Stufe noch ein Ringen ist, wo denn die dunklen wie die lichten Mächte um den Menschen kämpfen, was stände solch einer Annahme im Weg? ‘ Mein Glaube beruht nicht auf Konnersreuth, sondern auf den Evangelien und

nen Kanal. Denn bie Lasten, unb wenn bas Barmittel des bisher manbt, unb es konnte fort zur Veräußerung mußte.

Heute kümmerte ihn bas nicht. Heute war der Tag, wo man dem Sumpfmoore durch bie Tat zu Leibe ging. Detmar Visser glaubte an den vollen Erfolg; er wollte daran glauben, baß ihm in Jahresfrist ber Tag beschie- ben war, an bem er sagen konnte: Jetzt haben wir dich zahm, du Untier! Jetzt tust du, was ich, was Detmar von bir verlangt! Er war in einer ähnlichen Stimmung wie seinerzeit ber Schäfer Wiarb, als er glaubte, ber Himmel habe es zugelassen, baß er, statt fünfzig gute Schafe zu retten, eine Leiche barg.

.Dieses Werk mußte gelingen, benn Detmar hatte sein ganzes Sein unb Denken barangesetzt. Schlug bas Moor biefen Sturm siegreich ab; so war es mächtiger als ber Visserwille Detmars. Dann zerbrach es mit ble­iern Willen auch Detmar selbst . . .

Um bie Mittagszeit bieses Spätsommertages fuhr ein sübscher, mit einem soliden Pferde bespannter Kalesch- sagen durch bas trockene Moor ber Kolonie zu. Ge­leitet wurde bas Gefährt von Karl Ladtke, den Wiarb einst als Hanbwerksburfchen dem Moore entriß. Der Berliner war damals vor bald dreizehn Jahren bei Meiko

Die ersten Ergebnisse der Erhebungen über bie Kre- bitlage ber deutschen Landwirtschaft im W irisch afts; ah r 1927-28 werden soeben der Oeffentlichkeit übergeben.

Die Gesamtverschuldung der deutschen Landwirt­schaft betrug am 30. Juni 1928 11,11 Milliarden Mark. Es ergibt sich, daß in Ostdeutschlanb bie Gesamt­verschuldung mit zunehmender Betriebsgröße steigt, um in ber Größenklasse 100 bis 200 Hektar den Höhe­punkt zu erreichen unb von da an wieder abzusinken. In Westdeutschland steigt die Gesamtverschuldung bis zur Größenklasse von 200 bis 400 Hektar. Die Neu- verschuldung ist in absoluten Zahlen gerechnet im Osten etwas niedriger als im Westen. Gemessen an der Höhe

Dipl.-Optiker Sauerborn

FULDA) Steinweg Nr 12.

Der Warphof

und das Sumpfmoor.

Roman von Alfred Manns, Bremen.

161 --------

Es war sechs Jahre später.

Die Regulierung der Tortum, mit der man aus be­stimmten technischen Gründen am Oberlauf begann, war bis zur Höhe des Visserschen Sumpfmoores gediehen. Heute hatten Detmar Vissers Blicke mehr Glanz unb Leben als sonst, denn heute hatte er selbst den ersten Spatenstich für den Samme-Tortumkanal getan, für fei«

mtb. Moskau, 31. Aug. (Eig. Meld.) Telegra- phen-Agentur der Sowjet-Union: Der Entwurf der von der Sowjet-Regierung vorge» s ch l a g e n en gemeinsamen r u s si s ch - ch i n e f i. Deklaration zur Regelung des russisch- chine­sischen Konflikts, der von dem stellvertretenden Volkskommissar des Auswärtigen, Litwinoff, ge­stern dem deutschen Botschafter von Dirksen über­geben worden ist, hat folgenden Wortlaut:

Beide Teile erklären, daß sie sämtliche zwischen bei­den Teilen schwebenden Streitfragen gemäß der Ab­machung von 1924 lösen und insbesondere die Bedin­gungen des Ankaufes der Ost-China-Bahn gemäß Ar- tikell 9 der Nankinger Abmachung entscheiden werden. Beide Teile ernennen unverzüglich in gehöriger Weise Bevollmächtigte für eine Konferenz zur Regelung aller im Voranstehenden erwähnten Fragen. Beide Teile

Landwirtschaftliches.

firebitlage ber deutschen Landwirtschaft im Wirt­schaftsjahr 1927-28.

Brink hängen geblieben, zuerst als mäßig besoldeter Knecht unb bann als Häusler auf bem Boben, ben Meiko Brink von Detmar Visser in Pacht hatte. Den Warphof hatte Sabtte nie roieber betreten, unb wo er Detmar kommen sah, gsiig er ihm aus bem Wege. Die Magb Gesche war sein Weib geworben. Lanb für bie eigenen Zwecke überließ ihm Brink nicht; alles, was er brauchte, und auch etwas Gelb, erhielt er von bem Kolonisten, unb er staub sich nicht schlecht babei. Sein Sparkassen­buch wies bereits einige hunbert Märker auf unb bas, obgleich ein halbes Dutzend kleine Ladtkes vor feiner Kate herumtollten, denen der Vater nach Feierabend von ben Moorgeistern erzählte, die er kannte aus den Geschichten Wiards, der jetzt sein guter Freund war.

Auch mit Meiko Brink war eine große Veränderung Dorgegangen. Betrunken war er nur einmal jährlich beim Schützenfest; im übrigen Teil des Jahres befleißigte er sich großer Nüchternheit, unb bas ausgerechnet nach ber Erbschaft, ba er sich geraume Weile jeben Abenb sein Räuschchen hätte leisten können. Er tat bas, wie gesagt, nicht. Von Setmars Moorland steckte er sich noch einen ziemlich erheblichen Komplex ab unb wühlte mit Ladtke und einem Kleinknecht auf dem nunmehr ziemlich großen Areal derart fleißig umher, daß der karge Boden verhältnismäßig gute Erträge lieferte.

Wenn Detmar hier vorüberkam, ber auf bem guten Lehmboden seiner Aecker ganz andere Ernten zeitigte, schüttelte er zwar ben Kops, aber er hatte boch Respekt vor ber Charakterentwicklung unb Energie bieses kleinen Kolonisten, unb er nahm ihm nur wenig Pacht ab, wo- burch Brink in ben Stand gesetzt wurde, fein Vermögen nicht auszugeben, im Gegenteil, es zu mehren.

Die Frau war ihm vor einigen Jahren gestorben, und nun rackerte er für seine Antje, seinen Stolz. Um Antjes willen war er beinahe hoffärtig, unb Kolonisten sowie Dörfler schüttelten mißbilligenb den Kopf, als Meiko seine Tochter aus ber Dorfschule nahm unb sie in eine Töchterschule ber Kreisstabt schickte. So etwas hatte man noch nicht erlebt, in ber Gegenb: eine Ko­lonistentochter und bie Stabtschule, bas paßte nicht zu­sammen!

Als Antje ihre Schulzeit — bas Mäbchen war immer mit unter ben besten Schülerinnen — beenbet hatte.

!ik. 202.

Sonntag. 6en 1. September 1929

setzte sich Meiko Brink in ben Kopf, Antje müsse ben stäbtischen Haushalt erlernen, unb so fanb sich benn auch in ber Kreisstabt eine Arztfrau, bie Antje bei voller Familienzugehörigkeit — wie man so sagte: schlicht um schlicht — aufnahm.

Nun war auch bieses Jahr vergangen, unb Antje kehrte ins Vaterhaus zurück. Sie saß nämlich in ber Kalesche, bie Ladtke der Kolonie entgegenfuhr.

Antje war ein frisches, hübsches unb schlankes Mäd­chen geworden, etwas unter Mittelgröße. Sie besaß Herzensgüte und Geschmack genug, um im Umgang mit ber gleichalterigen Dorfjugend ihre bessere Bildung nicht zur Schau zu tragen.

Fröhlich plauderte sie mit Ladtke, neben dem sie saß. Nach einer Gesprächspause fragte sie, ernst wer­dend: „Karl, wie geht» dem Vater? Und wie siehts hier überhaupt aus?"

„Och, Antje, weeste, mit die Arbeet unb so, bat macht sich. Ader bein Vater, bei ben tonttnt et mir so vor, als wenn ber immer tleener wirb. Mir hat er mal jesagt, ber Visser da oben," hier zeigte Ladtke mit bem Peitschenstiel hinter sich, „--bat ber ihn bie Jegenb

hier nur für zehn Jahre jelassen hat. Davon sind nu reichlich sechse rum, und nu jrault sich dein Vater davor, bet bie brei unb ne halbe Jahr ooch rumjehn."

Antje blickte betrübt. Schließlich meinte sie: „Detmar Visser wirb boch ein Einsehn haben! Was will er benn mit bem Moorlanb, bas Vater kultiviert hat? Er besitzt ja halb in bem ausgetrockneten Sumpfmoor wahrhaftig genügend neue Aecker unb Wiesen."

„Ick wees et nich," war bie Antwort. „Is ja mög­lich, er will bet janze Moor zu'n Naturschutzpark für

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Actieudruckerei. Fulda.

auf der lebendigen Ueberlieferung der Kirche. Das ist ein klarer und durchaus rationaler Standpunkt. Er gestattet, ruhig dem Wunderbaren, das sich auf Erden auch heute noch begibt, zuzufchauen. Auf mich hat am meisten dort gewirkt das grauenhafte Schauspiel eines Mägdleins, das so viel leiden muß. Alles Uebrige hat mich kaum interessiert; denn je- stillen hl. Messe Wunder ist größer als das Konnersreuth. Der Mann im Mond.

breiter, anscheinend bärenstarker Mensch, ber ben Pflug mit einer Hanb so tief eindrückte, daß zwei Gäule ge- walttg zu reißen hatten. „Hat Vater noch einen neuen, großen Knecht angenommen?"

Der Berliner lachte aus vollem Halse: „Jroßen Knecht? ssDu bist jut. Del is doch der Vissergero, bet seit Ostern in Dresden uff bie Technische Hochschule jeht." Damit zog er bie Zügel an. „Brrr!"

Antje gab ihm einen Rippenstoß: „Sofort fährst bu weiter! ober warte," mit diesen Worten riß sie Karl Ladtke bie Zügel unb Peitsche aus ber Hand, sagte „hü" unb gab bem Pferde einen Hieb, ber es sofort zum Ga lopp brachte. Hinten auf bem Acker stand Gero und sah verwundert dem Gefährt nach; er schwenkte ben Hut aber Antje beachtete ihn nicht, nur Karl winkte zurück boch ber Wagen schaukelte bei bem Tempo auf bem wei chen Boben berart, daß er fast tjeruntergefallen wäre.

„Bist bu benn bes Deubels, Mädchen? Der Gero is et, habe ick jesagt; der is doch immer bein Freunb je- wesen. Als Kinber habt ihr doch immer zusammen- jehockt."

„Wir sind keine Kinder mehr! Und es wird nicht mehr gehockt."

Der Berliner stieß einen leisen Pfiff aus. „Bläst ber Winb aus bet Loch? Antje, et jibt een altes Sprich-

foeben die Deutsche Lufthansa begrüßt, weil sie eine Rekordleistung im deutsch-amerikanischen Post­verkehr zustandegebracht hatte. Kaum ist die „Bremen" auf ihrer Rückfahrt in Cherbourg, da steigt schon der Pilot Stübnitz mit dem an Bord mitgeführten Heinkel-Flugzeug auf. Es ist der 1. August, vormittags 8.35 Uhr. Wohl herrscht Windstärke 8, also starker Sturm, wohl Seegang 6, was auch ein großes Schiff spürt, aber bereits 10.50 Uhr ist Studnitz über Hoek van Holland, um 12 Uhr über Borkum und um 12.45 Uhr glück­lich in Bremerhafen gelandet. 800 Kilometer hat er in vier Stunden zurückgelegt. In Bremerhaven geht die Ladung sofort in ein von der Deutschen Lufthansa bereitgehaltenes Flugzeug und ist um 3.30 Uhr auf dem Tempelhof in Berlin. Am glei­chen Abend noch ist die gesamte Post bei den Emp­fängern. Ist das nicht fabelhaft, ein wahres Zau­berstück? Aber eben darum, weil das heute mög­lich ist, weil sogar das Heldenhafte nach und nach davon weicht, setzt es uns nicht mehr in Erstaunen. Die Technik ist eine Dienerin, die uns wegen aller ihrer neuen Methoden lange Zeit so beschäftigte, als wäre es eine Königin. Run ist gewissermaßen das Königliche davon, und es kann die Seele wie­der in ihre alten Königsrechte eingesetzt werden. Inzwischen hat sich der Mensch verwandelt, das ist wahr. So wie sich ein Mensch verwandelt, der nicht mehr in der alten Postkutsche fährt, sondern in Benrwagen. Die Technik hat erzieherische Kraft entfaltet. Sie hat einen exakten, sachlichen, mich- lernen Menschen hervorgebracht, und das alles wird nun der geistigen Seite der Kultur zugute kommen.

Verweilen wir noch einen Augenblick bei diesen für uns so wichtigen Gedankengängen. Es gibt viele Menschen heute, die eine Scheidung vorneh­men zwischen den Kräften, die in der technifchen Kultur und denen, die in der Religion und in der Kunst sich auswirken, wobei denn leicht heraus­kommt, daß der Religion die weicheren Seiten des Menschen verbleiben, während der Geist und alles Männliche mit Religion nicht zu tun habe. Das ist aber die verkehrte Welt. Wir dienen Gott am besten mit den höchsten Kräften, die wir haben. Diese aber gipfeln immer noch im Geiste, im Den­ken und im Wollen. Religion auf ihrer höchsten Stufe ist gar nichts Feminines oder Sentimentales. Im Gegensatz finden wir gerade bei den großen Heiligen einen höchst entwickelten Verstand und ein eisernes Wollen. Das Zeitalter der Technik wird uns auch eine Art neuen religiösen Typs schenken, und er wird schon sichtbar genug. Es ist in der Presse schon darauf hingewiesen, wie gerade der Berufsgedanke manchen Vereinen einen ganz neuen Schwung gibt. Dieser Berufsgedanke fin­det seinen Boden am ehesten noch in jenem Ge­schlecht, das in den gewaltigen Betrieben, in den Warenhäusern, und wo es immer sei, auf Stunde und Minute genau seinen Dienst verrichten muß.

Da haben wirs, der Herbst ist schon wieder da. Auf den Stoppelfeldern lassen die Buben den Dra- cken steigen. In das Grün der Baume mischt sich nas eine oder andere fahle Blatt, so wie im Blond- fmar der Manneskraft die ersten grauen Harle,n erscheinen, über den Ohren, vielleicht gar über der aanzen Stirn — das erste hat die holde Gattin her- ausgerissen, aber nun kann sie schon nicht mehr dagegen an — ja, nun haben wir das Silberne Jubiläum sichtbar da — im Hofe aber fallen die Kastanien, platzen dumpf auf, eine nach der an­dern ... Du lauschst in den Abend hinein, wie sie so pochen, und es bricht die stachelige Schale, wor­auf dich ein frisches Braun anlacht . . .

Vorbei, vorbei ist der Sommer . . . !chön ster­ben, lachend aus der Schale fallen, das ist nun die Hauptsache ... nur in der „Gruga" in Essen be­merkst du es kaum; denn da blühen die Rosen, unb : es ist eine Pracht, daß man meint, es sollte dort ? der Frühling verewigt werden, und so wandern ? auch die Menschen dahin, die alle den Frühling !- mit nach Hause nehmen. Geh auch du, wenn di, es - bisher vergessen, es ist eine Ausstellung der Natur selber, die schönste, die es gibt, unvergleichlich herr­licher als alle Reklameausstellungen mit ihrem Lärm unb ihrer Sensation.

Mehr als den Vögeln, die sich schon ihre Reise in den Süden zurechtlegen, folgen wir heute dem Wundervogel, der majestätisch um die Welt fliegt. Mit Recht wird bei diesem Ereignis von einer neuen Epoche geschrieben, die für den gesamten Verkehr zwischen den entferntesten Ländern herauf­zieht. In Wirklichkeit handelt es sich dabei noch um viel mehr. Der Weltrundflug des „Graf Zep­pelin" schließt einen Kreis um die Erde, der einst in den Tagen des Vasco da Gama, des Kolumbus, des Maggelan wunderträchtig geöffnet wurde. Da­mals, in den Tagen der großen Entdeckungen, weitete sich das Fühlen und Ahnen der Menschen, denen ganz neue Erdteile zum ersten Male vor das Forscherauge und vor die Phantasie traten. Da eben damals auch die Tiefen und Höhen des gan­zen Universums sich den Newton, den Galilei, den Keppler neu offenbarten, wurde rein räumlich das Weltbild des Mittelalters gesprengt, und es warf auch der Geist alle Fesseln von sich, und aus ben Abgründen der menschlichen Seele herauf quoll ein geradezu dämonischer Sang neuer Freiheit. „Graf Zeppelin" eröffnet neue Verkehrsaussichten, aber er schließt den Kreis um die Welt.

Die Erde hat aufgehört, für uns ein Wunder zu fein. Wenn man in vier Tagen — unb bald noch schneller — auf bie sicherste Weise nach Tokio kommen kann, bann ist bas seelisch balb nicht mehr als ein Fußmarsch von Nürnberg nach München, von Koblenz nach Bingen, von Berlin nach Leip­zig. Kein Mensch regt sich barüber mehr auf. Man erwartet auf diesem Wege nicht die Wunder mehr, die sich einstmals jemand versprach, der diese strecken zuerst auf der schnellen Eisenbahn zurück- legte. Die Erde ist wirklich kleiner geworden durch diesen Flug, beängstigend klein. Cs ist im Grunde gar nicht mehr möglich, sich auf ihr zu verlieren. Stolz auf diese Leistung des deuffchen Geistes, werden wir doch zugleich demütig durch sie. Die neue konkrete Ansicht von ber Enblichkeit, uns bar- gestellt burch einen Flug um biejWelt, ber ein paar Tage dauert, lenkt uns fast gewaltsam in die Ferne der Unendlichkeit, die nicht auf den Flächen dieser Erde fick ausleben kann, sondern die in eine ganz andere Dimension, in die der Seele gehört.

Rund um die Woche.

Drachen und Stoppelfelder. — Auf dem Gipfel. - Dienerin und Königin. — Oer neue Menschentyp. — Konnersreuth.

Flüchtlinge auf dem Bahnhof von Mandschuli.

Die Lage in Dftfibirien ist noch immer ungelöst. Die Bewohner de- Kriegsgebiete wurden In« Hinterland transportiert, während die Armeen sich schwer bewaffnet gegenuberftehen. Unser Bild, die erste Originalaufnahme vom russisch-chinesischen Kriegsschauplatz, zeigt den Abtrasport von Flucht- hingen auf bem Bahnhof Mandschuli.

Eine Deklaration.

bes Einheitswertes ist dagegen der Grab ber Berschul- bung in Westdeutschland geringer als "Ostdeutschland.

Die absolute Verschuldungszunahme tm Wirtschafts­jahr 1927-28 ist in Westdeutschland etroas großer als m Ostdeutschland. Die prozentual ungefähr gleiche Zu­nahme in den ost- und westdeutschen Betrieben von SO bis 200 Hektar ergibt am Einheitswert gemessen 'N Ost­deutschland eine fast doppelt fo hohe wertmäßige Neu belastung als in Westdeutschland. Hinsichtlich des Re- altrebites wird festgestellt, daß im ^gememen de organisierte Realkredit gegenüber dem Nichtorganisierten Realkredit an Raum gewonnen hat. 3n ben emzemen Wirtschaftsgebieten hat Nordwestdeutschland mt 66 Mark je Hektar den stärksten Zuwachs der Verschuldung zu verzeichnen. Verglichen mit dem Emhe.tswert, wei t jedoch Ostpreußen mit 7.5 vom Hundert die höchste Stei gerung auf. Der Verschuldungszuwachs von 56 Mark je Hektar in Deutschland bedeutet eine Erhöhung der Verschuldung von 11 Prozent gegenüber dem 1. 3ult 1927 bezw. um 6,1 v. H. des Emheitswertes. West- deutschland zeigt bei einem absoluten Verschuldungs­zuwachs von 53 Mark je Hektar, wenn man von dem Verschuldungsstand vom 1. Juli 1927 ausgeht einen et- mas höheren (12 Prozent) prozentualen Verschuldungs- anftieg als Ostdeutschland. Wertmäßig (in vom Hun- dert bes Einheitswertes betrachtet) ist ber Verschul­dungszuwachs dagegen in Westdeutschland nur etwas mehr als halb so groß wie in Ostdeutschland.

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer.