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Ilr. 201

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Samstag, 31. August 1929.

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56. Zahrg.

3m Haag ist man am Unterschreiben.

Vier Dokumente wurden unterfertigt. — Sie enthalten die politische und finanzielle Einigung. — Die Räumung beginnt Mtte September. — Keine besondere Kontrollkommission — Die Kehrseite der politischen Erfolge.

1 Im Haag hat man sich am Donnerstag mittag über die politischen Fragen, vorab über die Be­satzungsfragen geeinigt. Was vereinbart wurde hat Henderson, der Vorsitzende der politischen Kom­mission und englischer Außenminister in einer Rede auseinandergesetzt. Auch in den finanziellen Fra­gen ist man zu Ergebnissen gekommen, die den Schluß der Konferenz ermöglichen. Die Räumung soll am 15. September beginnen. Die belgischen und englischen Truppen werden in einer Zeit von drei Monaten gänzlich zurückgezogen werden. In derselben Zeit werden die französischen Truppen die zweite Zone räumen. Die Räumung der drit­ten Zone durch die französischen Truppen wird so­fort beginnen, nachdem die Ratifizierung des Doung-Plans durch das deutsche und das französi­sche Parlament erfolgt und der Joung-Plan in Kraft getreten ist. Sie muß am 30. Juni 1930 be­endet sein.

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wtb. Haag, 30. Aug. (Eig. Meld.) In der heu­tigen Vormittagssitzung der 6 einladenden Mächte, die um 10.30 Uhr begann und dem Austausch der Schriftstücke über die gestrigen politischen Verein­barungen dient, wurden folgende politische Doku­mente vollzogen:

1. ein Protokoll, das von sämtlichen 6 einladen­den Mächten unterzeichnet wird. 2. ein gemein­samer Akkord über die Frage der Vergleichskom­mission, das nur die Unterschrift der 5 Locarno- Mächte und nicht diejenige Japans trägt. 3. ein gemeinsamer französisch-englisch-belgischer Brief über die Räumung an Deutschland mit je einem Annex der drei anwesenden Mächte, in wel­chem die Einzelheiten über die Räumung und über die Amnestie enthalten sind. 4. ein gleichlautendes Antwortschreiben der deutschen Regierung an die vorgenannten 3 Mächte.

Die obigen Dokumnte werden heute abend veröffentlicht werden.

*

' wtb. Haag, 30. Aug. (Eig. Meld.) Wie in holländischen Kreisen verlautet, soll die Unter­zeichnung der auf der Haager Konferenz ent­worfenen Abkommen später ebenfalls im Haag er­folgen, nachdem in der Zwischenzeit di e Kom­missionen an anderen Orten ihre Ar­beiten vollbracht haben werden.

Die Kommissionen sind mit der Erledigung der Einzelheiten beauftragt.

| Die Schlußsitzung.

A? wtb. Haag, 30. Aug. (Eig. Mold.) Briand ver­läßt heute mittag gegen 2 Uhr den Haag. He n d e r- s o n reist heute abend mit dem Nachtzuge nach Genf weiter, dagegen nehmen Loucheur, Feron und Snowden an der Schlußsitzung teil, mit der man jetzt für morgen vormittag rechnet. Diese Schluß­sitzung wird durch Rundfunk auf der kurzen Wel­lenlänge von 16,33 Meter der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die deutsche Delegation auf der Haager Konferenz hat noch keine endgültigen Dispositionen für die Ab­reise nach der bevorstehenden Schlußsitzung getrof­fen. Voraussichtlich wird Reichsaußenminister des Aeußern, Dr. S t r e s e m a n n, und ein Teil der Delegierten am Montag wieder in Berlin eintref- fen, während unter Führung des Staatssekretärs von Schubert die übrigen deutschen Delegierten sich vom Haag u n m i t te l b a r nach Genf be­geben werden.

< Der Bericht Hendersons.

,' Der Bericht, den Henderson als Vorsitzender des politischen Ausschusses diesem überreichte und den er in feine große Rede einkleidete, bringt die Ergebnisse der Einigung in der Rheinlandfrage mit wesentlichen Einzelheiten. Er stellt fest, daß der ,Räumungsprozeß während des Monats ^September beginne und daß die belgischen und

englischen Truppen innerhalb dreier Monate nach dem Beginn der Räumung abgezogen sein und daß die französischen Truppen innerhalb der glei­chen Frist die zweite Zone räumen werden. Die Zurückziehung der französischen Truppen aus der dritten Zone, so fährt der Bericht fort, wird un­mittelbar nach der Ratifizierung durch das fran­zösische und das deutsche Parlament und nach der Inkraftsetzung des Poungplanes beginnen. Die Zu­rückziehung wird ohne Unterbrechung fo schnell durchgeführt, wie die physischen Bedingungen es zulassen. Sie wird in jedem Falle innerhalb einer Frist von acht Monaten und nicht später als Ende Juni 1930 vollendet sein. Mit Bezug auf die Lösung der im Absatz 3 des Genfer Kommu­niques vom 16. Sept. 1928 aufgeworfenen Fragen heißt es in dem Bericht: Um im gemeinsamen In­teresse eine freundliche und zweckmäßige Regelung irgend einer Schwierigkeit zu erleichtern, die zwi­schen Belgien und Deutschland oder zwischen Frank­reich und Deutschland bezüglich der Beobachtung von Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages entstehen könnte, einigen sich die deutsche, belgische und französische Regierung dahin, daß die Auf­gabe zur freundschaftlichen Beilegung jeder der­artigen Schwierigkeit von den Kommissionen er­füllt werden soll, die in den Locarno-Schiedsver- trägen vom 16. Oktober 192-5 zwischen Belgien und Frankreich einerseits und Deutschland andererseits eingesetzt worden sind. Diese Kommissionen sol­len in Uebereinstimmung mit der feststehenden Pro­zedur und den Rechten arbeiten, die durch die Ver­träge festgestellt sind. Taucht irgend eine derar­tige Schwierigkeit auf, so wird sie entweder der deutsch-belgischen Vergleichskommission oder der deutsch-französischen Vergleichskommission unter­breitet je nachdem ob Schwierigkeiten zwischen Del-

Die am Donnerstag in einer Reihe von Hör- sälen der Universität abgehaltenen Vertretertagun­gen des Freiburger Katholikentages waren in ihren einzelnen Gruppen stark besucht. Die Bera­tungen werden am Freitag ihren Abschluß finden. Ihr Ergebnis wird der Versammlung alsdann vor­gelegt.

Don den großen Standesversammlungen des Donnerstag abenbs beansprucht besonderes In­teresse die große Elternversammlunq in der städtischen Festhalle, die von der katholischen Schulorganisation Deutschlands einberufen war. In ihr würdigte Weihbischof Dr. Burger-Freiburg die Schulorganisation an sich und sprach insbesondere ihrem Begründer und jetzigen Präsidenten, dem Reichskanzler a. D. Dr. Mar x, höchste Anerken­nung für die geleistete Arbeit aus.

Frau Oberlandesgerichtsrat M. Schumacher- Köhl aus Bonn hielt ein Referat über das Thema

gien und Deutschland oder zwischen Frankreich und Deutschland erwachsen.

Henderson unterstrich im weiteren Verlauf sei­ner Ausführungen die Bedeutung, die die ge­meinsame und gleichzeitige Räumung durch die drei Besatzungsmächte habe, ein Ziel, dessen Erreichung er sich habe angelegen sein las­sen. Er ging auf die von ihm nicht ausdrücklich erwähnten französischen Einwendungen gegen tue Verkürzung der Räumungsfristen selbst ein und stellte sodann fest, daß die Aufgabe so gelöst wor­den sei, daß jede unnötige Gelegenheit zu Ver­zögerungen und Reibungen vermieden werde. Un­ter der Voraussetzung der Unterzeichnung und Ratifizierung der übrigen noch ausstehenden Ver­einbarungen der Konferenz werde die Räumung „innerhalb eines vernünftigen Zeitraums vollzo­gen". Mit Bezug auf die Frage der Räumungs­schäden verwies er auf die erfahrungsgemäßen Schwierigkeiten, solche Schäden zu prüfen und festzustetten. Es sei daher im gemeinsamen In­teresse und diene dem Zwecke der beschleunigten Räumung, daß alle derartigen Ansprüche fallen­gelassen würden.

Briand hat nach dem Matin gestern nach Be­endigung der Verhandlungen einigen Journali­sten erklärt, daß durch ein auf gegenseitige Zugeständnisse begründetes Abkommen Eng­land zufriedengestellt und durch die am Donnerstag getroffene Regelung eine Spannung mit Deutsch­land vermieden worden sei.

Die Saarfrage.

Wie der Korrespondent des Temps aus dem Haag meldet, werden vor Schluß der Konferenz Dr. Stresemann und Briand wahrscheinlich Briefe bezüglich der Saarfrage wechseln, in denen festge­legt werde, daß es sich hier um ein deutsch-fran­zösisches Problem handelt und daß sie bereit sind, Verhandlungen einzuleiten, die sowohl die Inte­ressen Deutschlands und Frankreichs wie die der Saarbevölkerung berücksichtigen.

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Wenn auch formell noch nicht alle Konferenz­ergebnisse festgestellt ober sanktioniert sind, so läßt sich das ziffernmäßige Ergebnis, wie das politische Ergebnis nunmehr ziemlich deut-

„Familie und Schule". Sie betonte, cs liege an der Schule, den Geist der Erziehung zu bestimmen, aber die Familie sei durch keine Schule zu ersetzen. Im Gegensatz zur sozialistischen Erziehung, die das Kind möglichst früh aus der Familie entfernen wolle, müßten die Katholiken die Familie zu ihrer natürlichen Aufgabe zurückbringen.

Sodann ergriff Reichskanzler a. D. Dr. M a r x das Wort, um sich über „Neuzeitliche Schulfragen" zu äußern. Er wies u. a. darauf hin, daß es bis­her nicht gelungen sei, die Bestimmungen der Reichsverfässung über das Schulwesen in vollem Umfange zur Durchführung zu bringen. Es sei nicht gelungen, die in der Verfassung anerkannten Rechte der christlichen Eltern voll zur Auswirkung zu bringen. Jedoch scheine sich im Lager der So­zialdemokratie eine Wendung dahin zu vollziehen, daß die eigentliche weltliche Schule nicht mehr i mit dem Nachdruck erstrebt werde wie bisher. Bei

lich übersehen Es betrifft im wesentlichen vier Hauptpunkte:

1. Die Frage des Ueberschusses Mis der lieber« fchneidung von Dawes-Plan und Young-Plan, alfc der 300 Millionen RM., wegen deren in Pari; eine Einigung nicht erzielt wurde. Der Kamps um den Rechtsstandpunkt in der Frage, der von Deutschland zunächst sehr entschieden geführt wor­den war, barg die Gefahr eines Scheiterns bei Konferenz unb einer notwendigen Abänderunx ober Aufhebung des Doung-Planes in sich; es ift nunmehr schließlich auf diesen deutschen Stand­punkt, der im deutschen Budget natürlich nicht veranschlagt war, verzichtet worden.

Die Forderung noch voller Uebernahme der künftigen Besatz ungsko st en durch Deutsch­land ist von diesem scharf abgelehnt, und die Ver­einbarung ergibt die Schaffung der „caisse commune", in die Deutschland für allemal 30 Mil­lionen Mark, die Gegner die gleiche Summe ein« zahlen unb die bei einer Ueberschreitung dieser Be­träge durch die Besatzungskosten von den Besat­zungsmächten selbst aufzufüllen ist; dadurch ist zu­gleich deren eigenes Interesse an der Beschleu­nigung des Besatzungsabbaues finanziell festgelegt.

" 3. Die Frage de r Besatzungsschäden, der sogenannten „Claims". Sie hat eine wesentlich politische Bedeutung, denn der Verzicht auf die Verrechnung dieser Beträge wurde von Deutsch­land als eine Geste für die frühere Räumung ge­fordert unb von Deutschland schließlich in der Form zugestanden, baß ein Gegenverzicht der Be­satzungsmächte auf bie vorliegenden Ansprüche der Gegenseite erfolgt, die sich aus Vorauszahlungen auf diese Claims ergeben. Die ziffernmäßige Höhe der beiderseitigen Konzessionen ist schwer abzu- schötzen, da es sick meist um umstrittene und lang­wierigen Prozessen unterworfene Forderungen han- beit. Nacb deutscher Berechnung ergibt sich daraus ein materieller Nachteil, der sich steigert um bi« Besatzungsschäden, bie nach bem 1. September ern- stehen sollten, welch letztere sich aber verein­barungsgemäß im Rahmen ber bisherigen Ziffern bewegen müssen. (Siehe letzte Nachrichten.)

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Der englische Premierminister wird am Sams­tagvormittag von London nach Genf abfahren. Er wird wahrscheinlich drei bis vier Tage ht Genf bleiben.

der Beratung bes nächsten Schulgesetzes werde es sich nicht mehr um die Beibehaltung des Halben, ber Simultanschule, handeln, sondern dann werde bas Kampfziel lauten: „Hie christliche unb konfes­sionelle Schule — hie weltliche und religionslose Schule!" In der Frage ber Lehrerpersönlichkeit verlangten bie deutschen Katholiken einen hochgebil­deten Lehrerftand unb erstrebten auch für die Leh­rer eine konfessionelle Vorbildung. Für das Be­rufsschulwesen müsse prinzipiell die weltanschauliche Schule geförbert werben. Zunächst müsse unbedingt schulplanmäßiger Reli­gionsunterricht eingesetzt werden. Die Ausführungen Dr. Marx' fanden den lebhaftesten Beifall der stark besuchten Versammlung.

Neben anderen Organisationen veranstaltete auch der Reichsverband für die katholischen Aus­ländsdeutschen eine Versammlung, in ber Dr. Straubingen-Stuttgart über „bie deutschen Glau­bensbrüder über den Grenzen, ihre Not und unser» Hilfe" sprach.

Das Münster in Freiburg.

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Klosterschülerinnen begrüßen Nuntius Pacelli.

Unten: Dr. Marx, Nuntius Pacelli, bad. Staatspräsident Dr. Schmitt.

Der Deutsche Katholikentag in Areiburg. Am die konfesfionelle Schule.