lehnen? Das — das geht doch nicht! Gegen Detmar Bister lehnt man sich doch nicht auf."
Da sah ihr der Knabe so recht treuherzig in die Augen. „Oma Timke, wie oft bist du Vater entgegengetreten Du lebst noch, und dir hat Vater auch nachgegeben, weißt das wohl?"
Oma Timke errötete zum ersten Male wieder feil Jahren. Sie schämte sich und wußte nicht warum, wollte es nicht wissen. Sie drückte das Gesicht des Knaben gegen ihre Brust, der sollte ihr Erröten nicht sehen. „Wart es ab, mein Kerl, wie du denkst, wenn es einmal so weit ist."
' „Ja, das will ich, aber anders denken tu ich dann nicht."
„Gero und mit dem Gymnasium? Sieh, da dürfen ja Mädchen gar nicht hin."
„So? — Na, dann muß ich ja wohl allein gehen, wenn ich sonst nicht Ingenieur studieren kann. Ich will auch Vater nicht ärgern. Aber mit der Antje — dabei bleibt es."
*
Der Ingenieur Maring war kein Schnellarbeiter. Mi> friesischer Ruhe und Genauigkeit pflegte er an seine Aufgaben heranzugehen. So auch hier. Er weigerte sich, das Projekt der Regierung oorzulegen, bevor es nicht bis in alle Einzelheiten absolut genau und einwandfre- zu Papier stand. Er trat für diese Arbeiten nicht mit einem großen Aufwand von Hilfskräften an, sondern machte zumeist alles allein und hatte nur ein paar Ao beiter bet sich zum Tragen der Instrumente und bei Richtungsstäbe, sowie zum Aushaken und Ziehen dei Meßkette.
Er ließ sich von Detmars Unruhe nicht treiben und beschäftigte sich zwischendurch mit anderen Arbeiten, denn er konnte seinen übrigen Auftraggebern nicht ohne wei teres den Stuhl vor die Tür setzen. Auf diese Weise zogen sich die privaten Vorarbeiten sehr in die Länge, uni das war schließlich nicht einmal ein Fehler, denn bis dil steifnackigen Anwcchner des südlichen Tortumgebietes Ma- ring ihre Unterschrift zu einer Verhandlungsvollmacht mit der Regierung gaben, ging beinahe ebensoviel Zeil hin wie zu Marinas Arbeiten. tF- f.)
Donnerstag, den 29. August 1929
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)
verhandeln.
ist,
Kampf gegen Schund- und L ^Muhfchriften
n
Mr die Klagen über die Straßenbeleuchtung, die uns in größerer Zahl zugegangen sind,
der bas
bte bil-
folgenbes zu beachten: Durch Magistratsbeschluß fmb 100 Gaslaternen aus Ersparnis» grünb en vor kurzer Zeit außer Betrieb gesetzt worben. In ber großen Laterne Ecke Kurfürstenstraße sollen von ben 21 Brennern nur 6 brennen. An ben außer Betrieb gesetzten Laternen werben die zerstörten Glühkörper nicht erneuert. Für runb 600 Gaslaternen sinb im
Laternen zum Selbstkostenpreis liefert, ist sie liger als bie elektrische Straßenbeleuchtung. Bürger, bie an ber N i e b r i g h a l t u n g stäbtischen Stenern interesiiert sinb — unb
zur Zeit noch an ber notwenbigen Zusammenarbeit der Landesjugendämter fehlt, wodurch bie Antragstellung ebenfalls nachteilig beeinflußt wirb. Der Antragstellung kommt aber, wei! bas Gesetz vom 18. Dezember 1926 eine Begriffsumschreibung der Schunb- unb Schmutzschrift nicht enthält, eine sehr große, fast bie ausschlaggebenbe Bedeutung für Handhabung des Gesetzes zu. Der Bericht stellt mit Bedauern fest, daß die Vorarbeit der Antragsteller bisher nicht durchweg glücklich gewesen ist.
Im ganzen kann nach den Darlegungen des Berichtes angenommen werden, daß die Verleger von Schmutz- und Schundschriften sich aus das Gesetz eingestellt haben und bemüht sind, Konflikte zu vermeiden. Als weitere Folge des Gesetzes darf gelten, daß bie große Zahl von Schundheften, bie in den Listen der Organisationen und Verbands enthalten sind und deren Zahl vor Erlaß des Gesetzes übertrieben hoch geschätzt worden ist, im regulären Handel kaum noch aufzutreiben sind. Es wäre daher verfehlt nur in dem zahlenmäßig geringen Ergebnis, wie es sich in den 63 Nummern der Schundlifte ausdrückt, die Wirkung des Gesetzes zu erblicken. Ein Gesetz, das durch seinen Bestand allein schon gute Wirkung ausübt, braucht an sich nicht schlecht zu sein. Es wäre jedoch verfrüht, im gegenwärtigen Zeitpunkt ein endgültiges Urteil über die Wirkung des vorliegenden Gesetzes abzugeben.
Der Reichsinnenminister hat dem Reichstag einen Bericht der Reichsregierung über bie praktischen Erfahrungen bei Durchführung bes Reichsgesetzes zur Bekämpfung von Schunb- unb Schmutzschriften auf ©runb des Antrags Dr. Stegerwald und Genossen vom 13. Juli 1928 vorgelegt.
Es besteht bie Prüfstelle Berlin für Schunb- und Schmutzsckriften unb bie Oberprüfstelle seit Juli 1927, bie Prüfstelle München seit Oktober 1927. Die Spruchtätigkeit hat naturgemäß erst später beginnen können. Bis zum 31. Mai 1929 sinb 63 Schriften in bie Liste ber Schund- unb Schmutzschriften ausgenommen worben, barunter Kriminal- unb Skandalblätter, typische Liebesromane, übte Zeitschriften und dergleichen.
Als Antragsteller sind bisher tätig geworben von Lanbeszentralbehörben: Die Preußischen Minister bes Innern unb für Volkswohlfahrt, ber Württembergische Minister bes Innern unb ber Sächsische Arbeits- unb Wohlfahrtsminister, ferner bie Lanbesjugenbämter Hamburg, Düsselborf, Berlin, Wiesbaden, Lübeck, München, Dresden, Bres- lau sowie Lippe. Diese Zusammenstellung zeigt, daß die meisten Landeszentralbehörden unb Lanbesjugenbämter sich bisher ber Antragstellung enthalten haben, sobaß bas Gesetz in einem großen Teile Deutschlands noch keine Wirksamkeit entfaltet hat. Es kommt hinzu, baß es
sinb fast alle Bürger, ba bekanntlich bie Grund- vermögenssteuer auch von ben Mietern in Form anteilig überroähbarer Zuschläge mit aufgebracht werden müssen — werden in Erkenntnis ber Zusammen ! nqe Beleuchtunqswünsche auf ein erschwingliches Maß zurückschrauben.
Sakholikentag unb Rundfunk.
Tausenden und Abertausenden von Katholiken werden vielleicht die Zeitumstände nicht erlauben, persönlich zum Deutschen Katholikentag nach Freiburg zu kommen. Der Süddeutsche Rundfunk wird nun durch seine Sender in Freiburg und Stuttgart von den Festlichkeiten die Begrüßungsfeier am Mittwoch abend übertragen. Es wird also in ganz Deutschland und im Auslande möglich sein, diesen Festakt durch das Radio zu hören und im Geiste mitzuerleben. Aus Gründen, die nicht beim Lokalkomitee liegen, wird außer dem Begrüßungsabend keine Veranstaltung der Tagung auf den Rundfunk übertragen.
Rundfunkgerät für Blinde.
Der Rundfunk verschafft den Blinden Anregung, Freude und Lebensinhalt. Es gibt aber immer noch eine große Anzahl Blinder, denen es aus Mangel an Mitteln nicht möglich ist, sich eine Rundfunkanlage zu beschaffen oder das ihnen aus Mitteln früherer Sammlungen gelieferte Rundfunkgerät zu unterhalten. Die Oberpostdirektion Kassel wendet sich deshalb noch einmal an die Rundfunkteilnehmer ihres Bezirk mit der Bitte um Beisteuerung eines Betrags zur Beschaffung von Rundfunkgerät für Blinde. Die Briefträger werden bei ber Einziehung ber Rundfunkgebühren
amtliche Empfangsscheine ber Blindensammlung zum Erwerb anbieten.
Denkt auch im Sommer an Eure Heizung.
Ans dem Preußischen Wohlfahrtsministerium wirb geschrieben: Die Heizperiode ist vorüber, Heizung unb Oefen sinb außer Betrieb. Da tst es notwenbig, sobald als möglich an die Abstellung ber kleinen Schäden zu gehen, bie sich an Herben, Kesseln, Heizkörpern und Leitungen herausgesteNt haben. Solange wir täglich Heizen mußten, war Abhilfe nicht möglich. Schaffen wir diese aber nicht jetzt, so werden wir im kommenden Herbst unsere schadhaften Heizanlagen in Betrieb nehmen müssen und ihre Mängel dadurch noch mehr vergrößern. Im Sommer sind alle Fabriken und Handwerker der Heizungsgewerbe viel weniger belastet als unmittelbar vor Beginn und während ber Heizperiode. Ziehen wir sie jetzt zu Rate, so werden wir alle Arbeiten rascher und billiger aus- gefiihrt erhalten. Die Jnnenwandungen ber Kachelöfen sind mit Ruß und Flugasche belegt; lassen wir den Ofen reinigen, so wird er mit geringerem Kohlenverbrauch besser Heizen. Verzogene und gelockerte Türen, undichte Kittfalze und Risse in den Fugen lassen kalte Luft in das Ofeninnere strömen und beeinträchtigen die Heizwirkung: auch ihnen müssen wir abhelfen und lassen daher Oefen, die dauernd geheizt worden find, durch einen zuverlässigen Töpfermeister nachsehen. Aehnliche Mängel werden wir bei eisernen Oefen finden: Undichte Stellen an den Türen, am Eisenmantel und an der Schamotteausführung, zerbrochene Rost- ftäbe, beschädigte Reguliergriffe, zerbrochene Schau- gläser und dergleichen. Der eiserne Ofen muß einer gründlichen Jnnenreinigung unterzogen werden, solange Ruß und Flugasche sich noch nicht fest verkrustet haben. Bei Zentralheizungsanlagen, die den Sommer über gefüllt stehen bleiben, müssen wir die Kesselzüge, den Rauchfuchs und den Schornstein gründlich reinigen lassen. Wenn auch die Warmwasser-Bereitungsanlagen Winter und Sommer betrieben werden, ist eine regelmäßige Untersuchung und Instandsetzung ihrer Kesselanlage unbedingt erforderlich. Auch die Schornsteine bedürfen ständiger Aufsicht: denn sie müssen dicht fein, um den Rauch gefahrlos über das Dach zu führen. Schornsteinköpfe, Schornsteinwandungen und Verschlüsse sind darum so ftüh als möglich instandzusetzen. die Verschlüsse gut gangbar und festschließend herzustellen. Wollen wir, daß alle diese Arbeiten mit Ruhe und Gewissenhaftigkeit durchgeführt werden, so müssen wir sie jetzt, nicht erst im Herbst, wo alle Firmen überlastet sind, in Auftrag geben.
Im väckerhanbwerk
ist Mitte September nochmals eine Gesellen- Prüfung. Lehrlinge können sich noch bei dem Vorsitzenden Fl. Seibel, Luckenberg 10 melben.
Auf eine sehr lehrreiche Ausstellung, bie zur Zeit im Schaufenster ber Firma Sauer Söhne in ber Friedrichstraße zu sehen ist, möchten wir auch an biefer Stelle aufmerksam machen. Es sinb ba zwei Ruhebetten (Chaiselongues) zu sehen, bie von einem Fachmann geöffnet, b i e Geheimnisse ihres Inneren barbieten. In bem Stück, bas von zünftiger Hand gefertigt ist, siebt man saubere, einroanbfreie Rohstoffe unb gebiegene Arbeit. An bem anberen Stück, bas von "einem Hausierer gekauft wurde, spiegelt sich ein Bilb bes Grauens: Abfall: Kehricht unb sonstiger Schunb als Füllung In ber Fuldaer Zeitung haben wir immer wieder bie Leserschaft gemahnt, solide bodenständige Arbeit vorzuziehen. Wer sich bie brastische Gegenüberstellung in ben Schaufenstern ber Fa. Sauer angesehen hat und bann immer noch nicht weiß, was er zu tun hat, bem ist nicht mehr zu helfen.
städtischen Haushaltsplan 45 000 RM. vorgesehen, für bie wenigen elektrischen Lampen bagegen allein 4 800 RM. Da bas Gaswerk bas Gas für
avr Derbandsausschuß des Zweckverbandes lieber» ^werf Fulda-Hünfeld-Schlüchtern
,7Tte wie hier schon erwähnt wurde, am 26. Aug.
im Sitzungssaal des Kreisausschusses zu «„lda. Zur Beschlußfassung standen in der Haupt- die Organisationsfragen, die vom Derbands- /msfchuß gemeinsam mit den Mitgliedern derKreis- Esschüsse und Kreistage von Fulda, Hünfeld und Schlüchtern, sowie des Magistrats unb der Stadtverordnetenversammlung von Fulda am 16. d. M. ?„rchgesprochen worden waren. In Ergänzung ber L<y-ung wurde einstimmig beschlossen,daß giredoerbanb sich künftig bei der Erfüllung feiner Ausgaben der Elektrizitätsgesell- »chaft Fulda A.-G. bediene, deren Aktien in feinem ausschließlichen Eigentum sind. Der Betrieb und der Hauptteil der Anlagen des Zweckverbandes soll auf die Elektrizitätsgesellschast Fulda A.-G. übertragen werden. Zum Abschluß der Verhand- kungen wurde der Vorstand bevollmächtigt, mit dem Elektro-Zweckverband Mitteldeutschland zu Kassel bezw. der von seinen Mitgliedern in Kassel zu begründenden kommunalen Elektrizitätsgesellschaft über eine Beteiligung zu
Julba, den 28. August 1929.
Die diesjährigen priesierexerzttien
im Priesterseminar zu Fulda wurden durch Mater Mischler aus Köln abgehalten. An dem ersten Eursus nahmen 52 Geistliche teil, an dem zweiten Kursus 55. Mit Ausnahme eines Herren aus her Diözese Würzburg und eines aus ber Diözese IRainfl gehörten bie Teilnehmer alle bem Fuldaer Diözesanklerus an.
Viozesanverband ber IRüfteroertine.
Die Müttervereine ber Diözese sinb durch ben »wwürdigsten Herrn Bischof in einen Diözesanver- yLZx -usammengeschlossen worben. Als Diozesan- jst Pfarrer Rübsam im Fulda ernannt {"nrhen Der Diözesanverband wird bem Zentral- 3anb in Düsseldorf angeschlossen.
Mieter-Forderungen.
Der Reichsbund Deutscher Mieter e. V. (Sitz Berlin) hielt am 24. und 25. August 1929 in Eisenach im Kurhaushotel „Der Fürstenhof" seine diesjährige Tagung ab. Der Oberbürgermeister von Eisenach begrüßte den Reichsmietertag. Außerdem waren Vertreter der großen gewerkschaftlichen Organisationen, des Bundes Deutscher Bodenreformer, der Dewog, der politischen Parteien usw. und zahlreiche Gäste anwesend.
In der geschlossenen Tagung gelangte u. a. folgende Entschließung zur Annahme:
Die vom 23. bis 25. August 1929 in Eisenach zum Reichsmietertage versammelten Vertteter der Landes-, Provinzial- und Bezirksverbände und der Ortsvereine des Reichsbundes Deutscher Mieter e. V. erheben erneut folgende Forderungen:
1. Jede Mieterhöhung ist unbedingt abzulehnen: das gilt auck für die Mieterhöhungen durch örtliche Umlagen für Betriebskosten und dergl.
2. Die N e u b a u m i e t e ist durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch hinreichende Hypothekenge
währung aus Hauszinssteuermitteln und durch Zinszu- fchüffe aus öffentlichen Mitteln bis auf die Höhe der ge- schlichen Miete zu senken. Den Gemeinden sind zum Bau von Wohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung unverzinsliche Darlehen aus Reichs- und Staatsmitteln zu Verfügung zu stellen.
3. Die Hauszinsfteuer ist zu beseitigen; die gesetzliche Miete ist gleichzeitig um diesen Betrag zu senken.
An Stelle der Hauszinsfteuer ist eine für das Reich einheitliche „Wohnungsbausteuer" zu schaffen. Diese ist nach dem Maßstabe der Einkommensteuer und mit dieser zu erheben und nur für den Bau von Wohnungen und zur Senkung der Neubaumieten zu verwenden. Ist die Wohnungsnot beseitigt, so fällt diese Steuer wieder fort.
4. Solange die Hauszinsfteuer erhoben wird, ist sie restlos für die Zwecke des kommunalen und gemeinnützigen Wohnungsneubaues, insbesondere auch zur Senkung der Neubaumieten zu verwenden. Der Bau von Wohnungen für kinderreiche Familien ist in erster Linie zu fördern. — Zahlungsunfähigen Mietern ist die Hauszinsfteuer zu erlassen, zahlungsschwachen ist sie zu ermäßigen.
5. Die gesetzliche Miete ist sofort unter Herabsetzung der Hauszinsfteuer um den gleichen Betrag auf 100 Prozent der Friedensmiete zu senk e n. Den obersten Lavchesbchörden ist das Recht zu entziehen, die vom Reichsarbeitsminister festgesetzte gesetzliche Miete durch einen festen Prozentsatz der Friedensmiete oder durch Zulassung von Umlagen zu überschretten.
6. Die Instandhaltung der Wohnungen ist durch reichsgesetzliche Vorschriften und durch Ausdehnung der Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege mehr als bisher zu sichern.
Gefährliche Handwerksburschen
Schnöder Undank für erwiesene Wohltaten.
Dor etwa 14 Tagen suchte ein wandernder Schlosser bei dem Kaplan in N e u h o f um Unterstützung nach. Es wurde ihm lohnende Beschäftigung sowie freie Unterkunft und Derpflegung beschafft. Zum Dank dafür stahl er einige Tage später einem Lehrling auf dem Sportplatz die Taschenuhr. Nicht genug damit packte er bei seinem Herbergswirt Wäsche, Bücher usw. ein und wollte am vorigen Sonntag „weiter reifen". Doch konnte er sich nicht lange des gestohlenen Gutes erfreuen, da die Hausfrau den Verlust merkte und die Polizei benachrichtigte. Landjägermeister S t e ig e m a n n-Reuhof konnte bei der Durchsuchung des Handwerksburschen nicht nur die Wäsche, sondern auch die übrigen Sachen sicher- stellen. Zur Sühne seiner Tat wurde er dem Richter übergeben.
Lin anderer Bruder Straubinger raubt seinen jüngeren Wanderkameraden aus.
Eine weit rohere Tot wurde in der Sonntagnacht verübt. Ein 18jähriger ehemaliger Fürsorgezögling, der sich schon längere Zeit im Lande herumtreibt, überfiel einen 16jährigen Burschen, den er am selben Tage getroffen hatte, auf der Straße Neuhof — Flieden, bearbeitete ihn mit einem Eichenstock und nahm ihm den Rucksack mit sämtlichen Bekleidungsstücken weg. Dann durchsuchte er die Tasche des Jungen nach Geld und flüchtete, als sich ein Auto näherte, querfeldein. Der mitleidige Kraftwagenführer brachte den Jungen nach Neuhof, wo er beherbergt wurde. Durch die benachrichtigten Landjägereibeamten wurden fofort alle Schritte zur Ergreifung des Täters unternommen, und es gelang Landjägermeister Steigemann und Oberlandjäger Köhler, den Straßenräuber in Hauswurz ausfindig zu machen und festzunehmen. Sämt- iiche gestohlenen Sachen führte er noch bei sich, sodaß sie dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden konnten.
Zur Aburteilung wurde er in das Gerichtsgefängnis in Fulda eingeliefert.
*
Bei solchen Vorfällen ist es ein unbedingtes Erfor dernis, die Landjägereibeamten umgehend 3:, benachrichtig en, damit sofort alle Schritte zur Er- mittlung der Täter unternommen werden können uni die Straßen von solchen Elementen befreit werden.
Der tägliche B«.rkehrsunsall.
Gestern nachmittag (14.40 Uhr) stieß an bei Straßenkreuzung Leipziger st r. — Butt! ar— Kurfürstenstraße ein die Leipzigerstraße Rich- tung Kaserne fahrender auswärtiger Personen- kraftwagen mit einer aus der Buttlarstraße kommenden Kraftdroschke zusammen. Die Kraftdroschke wurde durch den Anprall vollständig herumgedrehl und auf den Bürgersteig am Cafe Hobeck geschleudert. Personen wurden nicht verletzt. Beide Fahrzeuge wurden leicht beschädigt, konnten ihre Fahrt jedoch fortsetzen. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll den Führer der Kraftdroschke treffen, der versuchte, noch vor dem von rechts kommenden Wagen die Sttaßenkreuzung zu passieren, statt diesem die Vorfahrt zu lassen.
--- Schießstand des A. D. 3. v. an der Geishecke. Es wird darauf hingewiesen, daß auf dem in der Geishecke befindlichen Schießstande des ADJV. Bezirk Fulda jetzt wöchentlich Schießen stattfinden. Im eigenen Interesse des Publikums wird vor dem Betreten der Schleßstanu- anlagen dringend gewarnt.
Lichlspiel-Schau.
„(Befangene des Meeres".
Der beste Film, den wir in dieser Woche in Fulda zu sehen bekommen, ein russisches Produkt mit dem Titel: „Gefangene des Meeres", läuft jetzt in den „Lichtspielen Bahnhofstraße". Freilich kann man dieses an sich tüchtige Werk nicht mit den großen Russenfilmen vergleichen. Doch bringt es in kleinerem Rahmen eine hohe Vollendung zuwege. Die Handlung, deren Hauptthema das Mißtrauen zwischen zwei !, ertönen und seine schließliche Beseitigung darstellt, ist ein- fach und nicht ohne Spannung. Die Photographie — darin liegt ja vor allem die Bedeutung russischer Filme — ist hervorragend und zeugt von einer leichten und ästhetischen Auffassungsgabe der Photographen, die zu- jammen mit dem guten Schauspielermaterial unter treff- kicher Regieleitung den einzelnen Szenen die notige Wir- tung und Durchschlagskraft zu geben vermochten. Besonders ergreifend find die qualvollen Stunden in dem gesunkenen U-Boot dargestellt. Es ist fast zum Heulen, wenn man sieht wie ein Matrose, dem schon der Tod - vor Augen steht, noch einmal seine geliebte Ziehharmonika hervorholt oder wie ein anderer verzweifelnd nach dem Revolver packt. Und dann wieder ein Bild des Tiefenmessers, dessen Zeiger unverrückbar feststeht: ein Kompaß des Todes' — Das einzige, was man an diesem Film tadeln muh, ist der allzu ausgedehnte Schluß. Der Händedruck, der die Versöhnung besiegelt, hätte genügt. Mit der Hochzeitsreise, die sich jeder dazudenken könnte, knüpft man an amerikanische Vorbilder an. Das ist eine unnötige Konzession an einen entarteten Publikumsgeschmack, den man den Russen nicht verzeihen kau. — Leider macht bei diesem Film die Begleitmusik zu große Pausen.
Der andere, daneben laufende Film: „Sündige Jugend" verbirgt hinter seinem lüstern-zugkräftigen Titel ein zinic '' ' -rmtofes Durchschnittsprodukt.
» 199.
Oer Warphof
und das Sumpfmoor.
Roman von Alfred Manns, Bremen.
13] ---------
Gero vermochte nicht durchzudringen, denn dieses Mal hatte er Oma Tinte nicht auf seiner Seite. Liebevoll hatte sie ihm zugeredet: „Sei vernünftig, mein Junge. Sieh mal, dein Vater hat eine große Sache vor mit dem Moore. Bis das fertig ist, vergehen Jahre, vielleicht viele Jahre, unb Vater kann etwas zustoßen — ich denke ja nicht dran, denn Vater ist gesund und stark, aber er selbst denkt das, und dann will er gern, daß einmal fein Nachfolger von diesen Sachen mehr versteht als er. Wohl versteht Vater viel, denn er ist ein kluger Mann, aber doch kein Ingenieur, und das sollst du werden. Da hast du doch Lust zu, nicht?"
Omar Tinte lachte, es lag so ein Nein wenig Hochmut darin, der ihr sonst nicht zu eigen war: „Gero, merk dir das: Der Meito Brink ist Kolonist und hat eine Moorparzelle von deinem Vater gepachtet. Seine Tochter wird mal, wenn sie aus der Schule ist, auf dem Warphof Jungdeern oder in der Stadt Hausmädchen. Was soll die wohl auf dem Gymnasium?"
„Die Antje Brink ist zu gut dafür, die bient nicht."
„So? Junge, wer sagt das?"
„Ich sage das, denn ich will das nicht. Und wenn ich etwas gar nicht will, dann kann ich genau so wütend werden wie Vater."
Erstaunt sah Oma Timke den Jungen an. Sie hatte bemerkt, daß die Dorfjugend den Gero kaum mehr hänselte, denn der war nun so, daß er auch zuschlug, wenn einem anderen mit Worten Unrecht getan wurde--
unb weil fein Kinb wußte, wie weit es gehen bürste, bis Vissers Gero einschnappte. Da waren alle vorsich- liig, unb Herr Baumann munberte sich, baß in den Unterrichtspausen unb überhaupt bie Kinder viel manier
licher waren als früher. Als er dahinter kam, sprach er zu sich: „Alle Wetter, diese Visser sind doch eine eigene Rasse. Der Junge ist manchmal so weich unb hält doch bie ganze Gesellschaft in Schach.
Eine drollige unb bezeichnende Schulanekdote hatte Oma Timke vom Kleinknecht Tjark erfahren. Nach Einstellung ber jüngsten ABC-Rekruten hatte Heiko Arens diese heimlich beiseite genommen unb ihnen den Spott- vers auf Gero beigebracht. Die kleine Schar in ihrer Einfalt fchrie dem Gero denn auch richtig das Schimpf- reimfet entgegen, als Heiko ihnen heimlich winkte. Der erwartete Erfolg blieb aus, denn Gero lachte. Aber ein Erfolg anderer Art trat ein: Antje Brinks Gesicht war rot vor Aerger: sie wußte, wer die harmlosen Lütten aufgestachelt hatte; sie ging auf Heiko zu und rief ihm ins Gesicht: Du Feigling du! Da vergaß der Junge in feiner Wut die Folgen unb er vergriff sich an Antje, wofür er auf ber Stelle Geros Hiebe einzustecken hatte. Während das Strafgericht vor sich ging, trat Antje zu ben Lütten ynb herrschte sie an: „Wer das dämliche Lied noch einmal singt, bekommt Haue wie jetzt Heiko." — „Na, denn willt wi bat man nich mehr feggen, wat Heiko uns lihrt het," war die verschüchterte Antwort.
An all dies dachte Omar Timke, unb es würbe ihr leichter, benn ber Kampf gegen Detmar, ber ihr so gänzlich roiber bas Gefühl ging, würde sich mit dem erstarkenden Selbstbewußtsein Geros mildern. War das niajt schon längst geschehen, auch bevor sich bei bem Jungen eine Wanblung bemerkbar machte? Warum war Detmar nicht • hr so hart zu dem Sohne? Es hatten doch bei ihm Sorge und B-rdruß seinen Mißmut und böse Laune allen Dingen unb Personen gegenüber ganz erheblich gesteigert.
Oma Timke schoß eine heiße Welle zum Herzen. Geschah bas ihretwegen? Unsinn! Aber bie Blicke, mit benen Detmar sie ansah, waren so eigenartig! Keine Leidenschaft lag barin; hätte Oma Timke das bemerkt, sie würde eidbrüchig gegenüber Lena geworden sein und bei Nacht unb Nebel ben Hof verlassen haben. Aber dergleichen kam nicht in Frage; suchend war Detmars Blick suchend und verwundert. Diese Blicke drangen tief in die Seele der gereiften Frau und dort biteben fit dran
gen nicht durch zu ben Gebauten unb zum Verstaube. In ber Seele ließen sie einen Schimmer von Glück zurück, bas bie Dreißigerin noch jünger erscheinen ließ als zu jener Zeit, da Mette, die Entdeckung gemacht hatte, Oma sei noch sehr jung. Diese starke Frau hatte sich so sehr in der Gewalt, daß sie bislang selbst den Gedanken erfolgreich zu befehlen vermochte. Sie war imstande, in Detmar lediglich den Warphofbauern zu sehen. Sie wollte es nicht wissen, unb sie verleugnete ihre stets vor- hanbenen heimlichsten Gefühle für ihn, auch vor sich selbst, beinahe wie etwas Häßliches. Unb wer hätte wohl bester zueinander gepaßt, als diese beiden kraftvollen Menschen!
Gero, der erst trotzig dagestanden hatte, sah nun erstaunt auf seine geliebte Pflegemutter; so in Grübeleien kannte er sie gar nicht. Doch schnell fand sich Timke wieder, sie wußte sogar noch den Zusammenhang mit dem Gespräch von eben: „Also du willst nicht, daß Antje einmal Jungdeern bei uns ober Hausmädchen wird? Was, meinst du, soll sie denn werden?"
„Das will ich dir wohl sagen, Oma Timke: Die Antje wird einmal die Warphofbäuerin."
„Was du sagst! Und dein Vater?"
Gero blickte ernst. „Bis es soweit ist, bin ich groß. Es kann wohl fein, daß der Vater Lust hat, mich tot» zuprügeln, wenn er es hört. Aber weil ich dann die Antje nicht heiraten kann, werde ich es nicht leiden, und weißt was? Ich bin dann auch stark, noch stärker als Vater und--und da wehre ich mich."
Oma Timke wurde es ganz eigenartig zumute; fast haßte sie den Jungen, weil er jetzt schon daran dachte, sich gegen den. Gewaltigen aufzulehnen, und mußte ihn doch liebhaben, weil er so war wie dieser.
Sie nahm die Sache nicht als kindliche Laune. Die wenigen Male, daß Gero seinen Willen deutlich zum Ausdruck brachte, hatte er ihn auch durchgesetzt, und so wie heute, hatte er noch nie gesprochen. Timke wurde es kalt bei dem Gedanken, daß einmal zwei Dister riefen und dazu noch Vater und Sohn sich im Zorne ein- ande rgegenüberstehen würden. Furchtbar mußte das sein! Sie zog den Jungen heftig an sich: „Gero, Kleiner, du willst dich doch nicht aeaen deinen Vater auf-