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Ar. 199.

Donnerstag, den 29. August 1929.

Fuldaer Zeitung

Zug-Kalaskrophen und ihre Verhütung.

Bon einem besonderen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

In der letzten Zeit mehren sich wieder die furchtbaren Zugkatastrophen in der ganzen Welt. Alle Eisenbahnverwaltungen sind energievoll be­strebt, die Etsenbahnunfälle möglichst einzudäm­men, da sie leider wohl nicht ganz zu vermeiden sein werden. In erster Linie ist man bestrebt, alle technischen Errungenschaften auf dem Gebiete des Sicherheitswesens der Eisenbahn so schnell wie möglich nutzbar zu machen, den gesamten Bahnbe­trieb immer weiter zu vervollkommnen.

Doch wie sachverständige Kreise betonen, ma­chen oft menschliche Schwächen — und sei es auch nur für Augenblicke — selbst die Vesten Erfin­dungen durch falsche Handhabung für Momente unbrauchbar. Das sind erfreulicherweise nur Aus­nahmen. Vielfach spielt die höhere Gewalt die Hauptrolle, nur zu oft die Verkettung unglücklicher Zufälle Gerade in Deutschland sind wir leider noch nicht fo weit, trotz aller Bemühungen, daß der Oberbau der Bahnanlagen wieder voll­

kommen intakt ist, da der Reichsbahnverwaltung die erforderlichen Mittel für sofortigen Aus- und Umbau fehlen, der gerade durch die während des Weltkrieges erforderlich gewordene Aus­nutzung bis zum Letzten sehr gelitten hat. Wie oft führen an sich geringfügige Achsen- und Schienenbrüche nicht die größten Eisenbcchnunfälle herbei.

Andere Zugkatastrophen oder Zusammenstöße sind vielfach auch auf Verschulden von Bahnbe­diensteten zurückzuführen, sei es, daß ein Fahr­dienstleiter die Gleise falsch freigab, sei es, daß ein Lokomotivführer das Haltesignal überfährt, oder daß vorschriftswidrige Rangierbewegunaen in einer Zeit ausgeführt werden, wo auf derselben Fahr­straße ein Zug zum Ein- oder Ausfahren kommt. Es kommt auch vor, wie jetzt bei der furchtbaren Katastrophe in Buir, daß sonst der zweigleisige Betrieb nur eingleisig durchgeführt werden kann, daß besondere Weichen behelfsmäßig eingebaut werden, was für das Fahrdienstpersonal ganz be­sondere Vorsichtsmaßregeln bedingt. Hier handelt es sich zumeist darum, daß auf solchen Strecken die Fahrgeschwindigkeit erheblich vermindert werden

muß, um Baustrecken gefahrlos durchfahren zu ton­nen.

Wir wissen ganz genau, wie furchtbar verant­wortungsvoll und lebensgefährlich gerade der Be­ruf des" Lokomotivführers ist. Und wir sind die letzten, dis eine Schuld dem Fahrpersonal der Eisenbahn aufladen, sondern suchen vielmehr zu verstehen und zu erkennen, wie gerade in diesem gefahrvollen Berufe nicht Zufälligkeiten, sondern vor allen Dingen augenblickliche menschliche Schwä­chen ein momentanes Versagen der Willenskraft, der Entschlußfähigkeit ausschlaggebend sein können für die Katastrophen. Es ist hier auch nicht der Platz, alle die Fragen zu erörtern, die setzt von der Reichsbahnverwaltung erneut eine sorgsame Nachprüfung erfordern, wie es möglich ist, den Be­trieb auch dadurch zu sichern, daß man dem Eisen­bahnpersonal bessere Dienstzeiten schafft, ihm aber auch bessere Bezahlung zukommen läßt, damit es nach aufreibendem Dienst praktische Mög­lichkeiten zur Erholung an Geist und Körper be­kommt. Wir sind der Auffassung, daß gerade das Eisenbahnfahrpersonal, in erster Linie die Loko­motivführer und Heizer, die eine große Verant­wortung zu tragen haben, denen kostbares Gut, nämlich Menschenleben, Tag und Nacht anver­traut sind, gerade die b e st b e z a h l t e st e n in der Eisenbahnverwaltung sein müßten. Wir neh­men an, daß die Fachorgane der Eisenbahnbeam­ten gerade die letzte Katastrophe wieder zum An­laß nehmen werden, um ihrerseits praktische Vor­schläge der Reichsbahnverwaltung darüber zu ma­chen, wie sie sich die Möglichkeiten immer weite­rer Sicherungen des Bahnbetriebes aus der Praxis heraus denken.

Wie uns aus Kreisen der Reichsbahnverwal­tung mitgeteilt wird, werden zukünftig auch da­durch Betriebsunfälle verringert werden können, daß nur noch Personenwagen mit eiser­nem Kastengerippe gebaut werden. Solch« Personenwagen vermögen bei Unfällen bedeutend mehr Widerstand sowohl bei Zusammenstößen wie beim Entgleisen zu leisten, als die alten Personen­wagen mit hölzernem Gerippe. Vor allen Dingen ist ein größerer Schutz der Reisenden gewährleistet, weil derartige eiserne Wagenkästen bei Zusammen­stößen nicht fo leicht eingedrückt werden können, wie die hölzernen, wodurch zum mindesten die Verletzungen der Reisenden verhindert oder gemil­dert werden dürsten.

Frankfurter Radio-Programm.

Freitag, den 30. August 1929.

6.30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetterbericht und Zeitangabe. 12.15: Schallplattenkonzert: „Große Pianisten". 15.15—15.45: Stunde der Jugend: „Physi­kalische Experimente im Rundfunk — im Versuch. 15.15

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Die neueste Aufnahme des Reichspräsidenten bei einem Pirschgang im Revier von Fall bei Dietramszell, wo er, wie alljährlich, seinen Urlaub verbringt.

Druck der Fuldaer Acklendrucker«».,

Wie wird das Wetter?

Bei fast wolkenloser Witterung und starker Erhitzung welche die Temperatur bis an 30 Grad ansteigen ließ ist der Luftdruck über Deutschland in schnellem Fallen begriffen. Der sich dadurch entwickelnde Ausläufer des bei Irland liegenden Tiefs hat an seiner Südseite be­reits kühlere Lustmassen ostwärts in Bewegung gesetzt, die unter Gewittern bis nach Mittelfrankreich vorge­drungen sind. Im Laufe des Tages wird auch bei uns diese kältere Luft anlangen und Bewölkung und Ge- wittertätigkeit Hervorrufen. Eine stärkere und dauernde Verschlechterung des Wetters ist allerdings nicht wahr- schemlich, da der Wirbel ziemlich weit im Norden vor- beiziehen wird, doch wird die Witterung zunächst wech. sein und wieder etwas kühler.

Witterungsaussichten für Donnerstag: Wechselnd be­wölkt Schauerneigung, etwas kühler.

bis 15.55—16.05: Hausfrauendienst. 16.05—16.45- Rennplatz Iffezheim bei Baden-Baden: Großer von Baden. Pferderennen. 16.45—17.45: haust Nachmittag. 17.45—18: Aus dem Stuttgarter garten: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10: i stunde. 18.30: Stunde des Südwestdeutschen Radiokl_ 18.50: Esperanto-Unterricht. 19.10: Stenoaraphji^ Fortbildunaskursus. 19.30: Zwanzig Minuten Forkschrj in Wissenschaft und Technik. 19.50: Film-Wochensch< 20: „Der Kammersänger", Komödie von Frank Wei lind. Dazu eine weitere Komödie: 22: Funkstille

Snowden und die Franzosen.

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Le Journal, Paris, stellt den englisch: - ' atz-

kanzler in obiger Weise dar und gibt der Z.ich- nung die Unterschrift:

„Das Lösegeld des Friedens"

Snowden: „Noch und noch!"

Wir sagen: „Entente cordiale!"

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