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56. Mrs

Freitag, 23. August 1929

Geht man im Haag auseinander?

»i. cihuna der sechs einladenden Mächte, die sowohl gestern wie heute und morgen Wir haben

4AA im Bild- und „Buchenblätter-. Rotationsdruck und Verlag 194 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und Not. "

den."

»

Das politische Komitee, das seit Wochen- I frist nicht mehr zusammengetreten ist, wird am Freitagnachmittag eine Sitzung abhalten.

In den politischen Fragen, die die Rhein- landräumun g betreffen, ist festzustellen, daß der Unterschied der Auffassungen doch ein sehr großer ist. Um was es sich dabei handelt, be­darf keiner besonderen Erörterung. Es sind dies Fragen der Räumung und der finanziell damit zusammenhängenden Sonderprobleme. Eine Er- j örterung der Aufgabe, die dem Juristenausschuß anvertraut worden ist und die sich aus dem fran­zösischen Wunsch nach einer Feststellungs- und Versöhnungskommission ergibt, wurde deutscher­seits a b gelehnt, zumal das Hauptthema, also die Frage der Räumung, von der Gegenseite noch nicht zur Diskussion gestellt wurde und die Auf­gabe des Juristenausschusses seit mehreren Tagen nicht weiter gefördert werden konnte.

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wtb. Paris, 22. Aug. (Eig. Meld.) Neber den Verlauf der gestrigen Vollsitzung im Haag schreibt Echo de Paris, bezüglich der Forderung einer vor­läufigen Regelung der Reparationen habe Snow­den, ebenso wie Briand, Mosconi und Jaspar nur eine ablehnende Haltung hätten annehmen können. Es sei klar, daß der Dawesplan weder abgeschafft, noch in seiner Wirkung ausgesetzt werden könne, bevor der Youngplan internatio­nales Gesetz geworben sei. Der Reichsaußenmim- ster habe sich darauf versteift, die Gläubiger vor eine brutale Entscheidung zu stellen, nämlich die: Deutschland bezahle nichts. Die logisch- Folge eines solchen Gewaltaktes hätte der unver­zügliche Abbruch der Konferenz und die Zurück­verweisung der Deutschen auf den Dawesplan bezeichnet, aber selbstverständlich seien die Gläu­biger, die ihren gemeinsamen Gegner und Schuld­ner vergessen hätten, einer so starken Entschlossen­heit nicht fähig und hätten sich bereit erklärt, am Donnerstagvormittag eine neue Sitzung ab­zuhalten. Das sei für Stresemann ein erster Erfolg.

Der Außenpolitiker des Petit Parisien will aus dem offiziellen Communique über die Sitzung fol­gende Feststellungen herauslesen können: Roch sei nichts zerschlagen. Alle Delegierten hätten ein­mütig und zwar einschließlich Snowden die Not­wendigkeit anerkannt, schleunigst zu irgend einem : Abschluß zu gelangen. Je näher der Augenblick der Trennung heranrücke, um so mehr zögere Snowden, das Wort auszusprechen, das den Bruch zur Folge haben werde. Sachlich habe sich nichts geändert. *

Der Oberbefehlshaber der engli­schen Besatzungstruppen in Wiesba­den hat den telegraphischen Befehl vom Kriegs­ministerium aus London erhalten, alle Vorberei­tungen zu treffen, um die Rückkehr der britischen Truppen für Anfang September zu ermöglichen.

Zu diesem Zeitpunkt soll die Räumung der von den Engländern besetzten Zone beginnen und m beschleunigtem Tempo durchgeführt werden. Es ist 1 dem englischen Oberbefehlshaber zur Pflicht ge-

ständiae Angaben über das Bsschäftigungsverhält- nis eines ihrer Arbeitnehmer oder über den Grund der Lösung des Beschäftigungsverhältnisses machen, zum Schadenersatz vervflichtet, wenn der Reichs­anstalt aus solchen falschen oder unvollständigen Bescheinigungen ein Schaden entsteht. Außerdem sind Strafen angedroht.

Zu den Maßnahmen, von deren Durchführung in erster Linie eine finanzielle Entlastung der Ar­beitslosenversicherung zu erwarten ist, wäre zu sa­gen, daß die Vorschriften über die Wartezeit et- was abgeändert werden. Dse Wartezeit soll künf­tig nicht mehr allgemein sieben Tage betragen, sondern nach dem Familienstande gestaffelt sein, sodaß Arbeitslose ohne zuschlagsberechtigte Ange- hörige eine Wartezeit von 14 Tagen, solche mit 1, 2 oder 3 Angehörigen eine Wartezeit von 7 Ta­gen und solche' mit vier oder mehr Angehörigen eine Wartezeit von 3 Tagen zurückzulegen haben. Der Entwurf trifft ganz bestimmte Sicherungen ge­gen eine Umgehung der Wartezeit-Vorschriften.

Der Entwurf der Reichsregierung macht sich aber nicht den Mehrheitsbeschluß der Sachverstän- digenkommission zu eigen, wonach die Höhe der Arbeitslosenunterstützung allgemein von der Dauer der vorausgegangenen Beschäftigung abhängig sein soll. Er übernimmt aber diesen Grundsatz für die Zeiten der berufsüblichen Arbeitslosigkeit, soweit die Lohnklassen von 7 aufwärts in Frage kommen. Die Arbeitslosen der Lohnklasie 7 bis 11 .ollen nämlich während einer berufsüblichen Arbeitslosig- kei die volle Arbeitslosenunterstützung nur dann erhalten, wenn sie in den letzten zwei ^ab^n D°r der Arbeitslosmeldung mehr als 52 Wochen in einem Zusammenhang gearbeitet haben, die durch Unterstützung nicht unterbrochen waren. Erfül­len sie diese Voraussetzung nicht, dann erhalten sie eine aeringere Unterstützung und zwar die Arbeits- losen der Lohnklassen 7 bis 10 die Sätze der Klasse 6, die Arbeitslosen der Lohnklasse 11 die Sätze der Lobnklasse 7.

Wartegelder und Ruhegehälter sollen in Zu­kunft auf die Arbeitslosenunterstützung angerechnet werden, ebenso in gewißen Umfange auch die Renten der Sozialversicherung. Dagegen sind von der Anrechnung ausgenommen die Bersorgungs- reuten.

Die Beiträge zur Krankenversicherung der Ar­beitslosen, die aus Mitteln der Reichsanstalt für Arbeitsvermittung und Arbeitslosenversicherung be­stritten werden müssen, werden herabgesetzt.

Die Höhe der Entlastung, die die Arbeitslosen­versicherung durch den Entwurf voraussichtlich er»

Konferenz geübt worden ist.

Es scheint, daß die nervöse und zur Zeit wenig I erfreuliche Stimmung der Konferenz die an sich kaum abzuweisende Argumentation und Geltend­machung des deutschen Anspruches auf eine Rege- I lung dieser Frage einigermaßen beeinträchtigt hat, offenbar im Zusammenhang mit dem Bewußtsein auf der Gegenseite, daß bei einem Scheitern der mit großen Hoffnungen ins Leben getretenen Kon- I fereiiz zur Gesundung Europas die Aufrollung der I Frage, wer eine derartig unbefriedigende Entwick- I lung verschuldet hat, den einzelnen Teilnehmern eine wenig erfreuliche Perspektive eröffnet. Wie weit materiell die deutschen Anregungen und For­derungen Aussicht auf Erfüllung haben, läßt sich bei dieser Gesamtlage, für die man zum großen Teil auf Vermutungen angewiesen ist, erst nach Abschluß der Verhandlungen sagen.

Wie mehrere Blätter über den Verlauf der Sechsmächte-Besprechung im Haag berichten, sind die deutschen Vorschläge für de«- 1. Sentembev das Annuitätenschema des Youngplanes als Proviso­rium in Kraft zu fetzen, bei den Gläubigerdelega­tionen auf wenig Gegenliebe gestoßen. Nach dem „B. T." ist der deutsche Antrag in einer Weise beantwortet worden, die man wohl nur als Ablehnung bezeichnen könne. Etwas positiver ge­faßt ist der Bericht der „Deutschem Tageszeitung" in dem es heißt: In sehr wesentlichen Punkten wurde der deutsche Standpunkt und die deutschen Vorschläge sowohl von Frankreich wie von Eng- lang abgelehnt. Briand habe erklärt, die Voraus- fetzung für das Aufhören des Dawesvlanes sei die vorherige definitive Annahme des Youngplanes. ^^^n Provisorium ohne gleichzeitige Bindung Etschlarids könne er nicht zustimmen. Richt viel besser sei Snowdens Standpunkt gewesen.

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Bezeichnende Schlaglichter aus die in Eng- gegenüber Frankreich b e r r = ! n m Stimmung wirft ein Aufsatz in der letzten Nummer des „New Statesman", einer füh­renden unabhängigen Wochenschrift, di« der re­gierenden Arbeiterpartei nahesteht. In dem Ar­tikel wird es dem britischen Schatzkanzler Snow­den als besonderes Verdienst angerechnet, daß er die Entente Cordiale mit Frankreich zerstört habe. Das Blatt führt aus:

„Wir hoffen, daß die Handlungsweise der bri­tischen Regierung auf der Haager Konferenz das Ende der Entente mit Frankreich bedeutet. Die Entente hörte auf, einen wirklichen Sinn und Zweck zu haben, als der Friede unterzeichnet wurde. Fast immer feit jener Zeit ist sie weiter nichts gewesen als eine Kette an unserem Fuß. Wir hätten sie endgültig zu Ende bringen müffen, als das französische Heer in das Ruhrgebiet ein­drang . . . Die Entente ist eine fühlbare Unge­hörigkeit, ja, ein Anachronismus. Natürlich wün­schen wir ein gutes „Einvernehmen" mit allen Mächten der alten und neuen Welt. Aber warum ganz besonders mit Frankreich? Nirgend gibt es irgendeinen Grund, weshalb wir Frankreich alo den Empfänger unserer besonderen Freundschaft und Unterstützung auswählen sollten. . Frankreich ist tatsächlich'(wie sich seit 1920 unzählige Male gezeigt hat) die einzige Macht, deren Ziele den unsrigen ganz und gar fremd sind und deren Ein­fluß den Aussichten eines dauernden Friedens m Europa am feindlichsten ist. Unsere Absichten smd denen der französischen Politiker entgegengesetzt.

eine völlig verschiedene, fast genau entgegengesetzte I Anschauung über das was notwendig ist für die Befriedung und das künftige Gedeihen Europas. Soweit die so sorgfältig ausrecht erhaltene Entente überhaupt eine praktische Bedeutung hat, ist sie eine Drohung für den Frieden von Europa und nicht I eine Bürgschaft dafür. Sie hat kein Daseinsrecht I und keine Wirklichkeit. Kein Dckseinsrecht, weil Frankreich und England weniger gemeinsame In­teressen miteinander als beide mit anbern Volkern I haben, und keine Wirklichkeit, da wir, soweit sich die Zukunft voraussehen läßt, gewiß nie wieder an der Seite Frankreichs kämpfen werden. Wahr­scheinlich wird es in diesem Jahrhundert leinen Weltkrieg mehr geben; sollte jedoch eine solche Ka­tastrophe eintreten, so ist es höchst unwahrschein­lich, daß Frankreich und England sich im selben Lager befinden werden. Warum sollen wir Frank­reich bevorzugen, das mehr als irgend ein anderes Land in Europa getan hat, um 11 Jahre nach dem Waffenstillstand eine Kriegsatmofphäre aufrechtzu­erhalten? Diese Tatsache ist unbestreitbar. Von diesem Standpunkt aus ist Frankreich der , größte und gefährlichste unserer Feinde . . . Wie ironisch das Wort „Cordiale" heute klingt! Wenn wir un­fern nationalen Interessen folgen wollen, so wäre

! eine wirkliche Entente mit Deutschland, gegründet auf wirkliche gemeinsame Interessen, sowohl poli­tisch wie wirtschaftlich viel vorteilhafter für uns als diese Entente mit Frankreich, die zu einer Farce geworden ist. Von unserer Seite au« wün'cken wir jedoch keine Sonderentente mit Deutschland oder sonst jemandem. Wir wünschen Zusammen­arbeit mit allen Völkern zu unserem gegenseitigen

I Nutzen. Aber wir wollen ganz bestimmt nicht länger vom Quai d'Orsay am Gängelband geführt

I werden. Diese Tatsache wird im Haag klar. Sie wird noch klarer werden, wenn die gegenwärtige Regierung am Ruder bleibt . . . Herr Snowden bringt vielleicht die Haager Konferenz zum Schöi-

I tern, aber wenn er das tut, so wird er uns ge­wiß dem Tage näher gebracht haben, wo die wirk­liche Liquidation der militärischen und finanziellen

I KriegsproReme erreicht wird . . . Wenn er endlich I dem völlig falschen gegenseitigen Verhältnis, von I dem Downing Street und der Quai d'Orsay nut

so verzweifelter Kraft den Schein zu wahren ge­sucht haben, ein Ende bereitet, so wird er sich nicht nur um seine eigenen Landsleute, sondern um ganz Europa ein großes Verdienst erworben ha-

Die Arbettswsenresorm.

Aus dem Reqierungsentwurf zur Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermiitlung und Arverts- lofenversicherung.

Nachdem die Reichsregierung dem Reichsrat den Enwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslo­senversicherung voraelegt hat, wurde der Entwurf auch den Mitgliedern des Reichstagsausschusses für soziale Angelegenheiten zur informatorischen Kennt­nis zugestellt. Es ist dies das erstemal wohl, daß ein Entwurf einem Ausschuß zugeleitet wird, bevor der Entwurf vom Plenum des Reichstags dem Ausschuß überwiesen worden ist.

Schon dieser ungewöhnliche Vorgang weist dar­auf hin, daß die Vorlage von größter sozialpoliti- toer Bedeutung ist, um die schon feit Monaten lebhaft gekämpft wurde. Der Entwurf, so,wie ihn die Regierung jetzt, nachdem sie ihre Zustimmung erteilt hatte, 'vorlegt, kann nichts anderes als em

Mtzglückter geppelin-Start

Das Luftschiff „Graf Zeppelin" sollte bereits wieder auf Fahrt fein. Leider ist der erste Start nicht geglückt. Sämtliche Passagiere des Luft- schiffes hatten sich um 3.47 Uhr an Bord begeben, und um 4.04 Uhr begann die Vodenmann schäft, den „Graf Zevpelin" aus der Luftschiffhalle her- auszuziehen. Drei Minuten später, als das Luft- schiff gerade das Freie erreicht hotte, stieß infolge eines fehlerhaften Schienenwagens die Hintere Motorgondel auf den Erdboden auf. Durch den Stoß wurden zwei Streben gebrochen. Um 4.15 Uhr wurde das Luftschiff in die Halle zu- rückgebracht. Dr. Eckener stieg sofort aus und begann den Schaden zu untersuchen.

Associadet Preß meldet: Dr. Eckener erklärte die Ausbesserung der Streben dürste etwa acht Stunden dauern.

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wtb. New York, 22. Aug. (Eig. Meldg.). Nach einer Meldung der Associated Preß vom Lan­dungsplatz des „Grafen Zeppelin" bei Tokio er- klärte Dr. Eckener, er hoffe, daß der Wiederauf­stieg des Luftschiffes heute abend 10 Uhr Tokioer Zeit, also 2 Uhr nachm. MEZ., erfolgen könne.

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wtb. New York, 22. Aug. (Eig. Meldg.). Nach einer Meldung der New York Times aus Tokio war der Andrang der Schaulustigen, die sich mit der Bahn nach dem' Flugplatz Kasimagaura bege­ben wollten, so stark, daß noch in der Nacht meh­rere Sonderzüge eingelegt werden mußten. Die Kosten für den Betriebsstoff, den Mundoorrat und die Easmenge. die von dem Luftschiff über­nommen worden sind, werden m i t 38 000 Dol - (a r angegeben. Ein Teil dieser Kosten ist durch die Einnahme aus den Gebühren der mitgeführten Poft gedeckt. Es sind bereits zwei Torpedoboots- zerstörer in See gegangen, um dem Luftschiff In­formationen zu erteilen und gegebenenfalls Hilfe leisten zu können. Für die japanischen Zeitungen ist eine große Anmhl Brieftauben an Bord ge­nommen worden, da die Funkapparate des Lust- scbiffes in den ersten Stunden nach der Abfahrt für den Wetterdienst voll in Anspruch genommen werden.

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Der javanische Ministerpräsident Hai an den deutschen Reichskanzler anläßlich der Ankunft des '..Graf Zepvelin" in Tofto einen in sehr warmen Worten gehaltenen Glückwunsch gerichtet. In dem Antworttelegramm des Reichskanzlers wird der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß dieser Flug der Freundschaft der beiden Länder dienen möge-

Vorbereitungen in Los Angeles.

wtb Los Anoels, 22. Aug. (Eig. Meldg.). 2lih dem hiesigen Flugplatz find alle Vorbereitungen für die Ankunft des Zeppelins getroffenen. Der kleine Ankermast ist nahezu fertiggestellt. 350 Ma­trosen treffen aus San Diego zur Landungshivfe ein. Eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen sind für Dr. Eckener, die Besatzung und die Passagiere geplant.

macht worden, die nötigen Maßnahmen sofort zu treffen.

Mit Rücksicht auf verschiedene, die W i e s - babener Bevölkerung stark beunruhigende Presse­meldungen, denen zufolge nach Abzug der eng­lischen Besatzung Wiesbaden eine neue Besetzung durch belgische Truppen erhalten soll, hat der Magistrat sich telegraphisch an den Reichsaußen- minister Dr. Stresemann mit der dringenden Bitte gewandt, die ohnehin schon sehr stark ge­schädigte Kurstadt Wiesbaden vor dieser Verlän­gerung der Besetzung, die eine neue wirtschaftliche Katastrophe bedeuten würde, zu bewahren.

Am Donnerstag.

wtb. Haag, 22. August. (Eig. Meldg.). Die heute morgen um 10% Uhr begonnene Sitzung der sechs einladenden Mächte dauerte etwa eine Stunde und endete mit einer Vertagu n g out i morgen nachmittag 4.30 Uhr. Inzwischen soll in inoffiziellen Besprechungen der Delegierten unter­einander der Versuch gemacht werden, eine prak­tische Lösung in den finanziellen Fragen herbeizu- führen. An der heutigen Aussprache nahmen teil Briand, Snowden, Henderson, Moscom und Adat- schi, von deutscher Seite Reichsminister Dr. Stre­semann. Wie man erfährt, faßte der Vorsitzende Jaspar die Diskussion dahin zusammen, daß der deutsche Antrag allen Beteiligten die Notwendig­keit vor Augen geführt habe, so lange zusam- menzu bl eiben, bis eine glückliche L o-

I sung gefunden worden fei.

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wtb. Haag, 22. August. (Eig. Meldg.). Die I Sitzung der vier Rheinlandmächte ist mit Rücksicht auf die im Gang befindlichen Arbei­ten von heute nachmittag auf morgen früh 11.30 I Uhr vertagt worden.

Kompromiß darstellen. ,

Zwei Aufgaben waren vom Kabinett bei der Aufstellung des Entwurfs zu erfüllen. Erstens sollten nachweisbare Mißstände ausgeräumt wer- den, die sich bei der Durchführung des Gesetzes her- ausgestellt hatten. Weiter war es dringend not- wendig, das finanzielle Gleichgewicht der Reichs- anftalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung, das im letzten Winter aufs schwerste erschüttert wurde, wieder berzustellen. Das waren auch die Aufgaben der Sachverständigenkommis­sion, an deren Vorschläge der Entwurf der Regie­rung sich weitgehend anlehnt, ohne, sie uneinge­schränkt zu berücksichtigen.

Der Entwurf der Regierung enthalt nun über die Befestigung der Mißbräuche unter anderem folgende Bestimmungen: Der Begriff der Arbeits­losigkeit wird im Gesetz definiert. Es kann also künftig nicht mehr vorkommen, daß Personen, die in Wirklichkeit keine Arbeitnehmer sind, die Ar­beitslosenunterstützung beziehen. Nach § 75 a sol­len geringfügige Beschäftigungen künftig nur bann oerficherungspflichtig sein, wenn sie von Personen, die berufsmäßig überwiegend als Arbeitnehmer tätig zu fein pflegen, berufsmäßig ausgeübt wer­den' Das Gesetz grenzt den Kreis der geringfügi­gen Beschäftigungen im einzelnen näher ab.

Für unständig Beschäftigte, wie für Hausge­werbetreibende und Heimarbeiter, sieht der Ent­wurf die Möglichkeit vor, daß Sonderoorschriften erlassen werden, die den besonders gearteten Ar­beitsverhältnissen dieser Gruppen Rechnung tra- gen. Die 93 a und 93 b regeln die Sperrfristen, hie bei unberechtigter Arbeitsverweigerung oder bei freiwilliger Aufgabe oder schuldhaftem Verlust einer Arbeit verhängt werden. Sie sollen künf­tig nickt starr auf vier Wochen festgesetzt sein, son­dern der Entwurf gibt den durchführenden Stel­len einen elastischen Rahmen von 2 bis 8 Wochen, innerhalb dessen sie die Dauer der Sperrfrist den besonderen Verhältnissen des Einzelfalles anpassen können. Es folgen dann eine Reihe von Vor­schriften über Vereinfachung und Verbesserung des Verfahrens. So wird auch das Befreiungsverfah­ren vereinfacht. Eine besondere Bestimmung sieht vor, daß die Arbeitslosenunterstützung von °mts- roeaen zu entziehen ist, wenn sich heraufftettt, daß die Voraussetzungen Mw Bezüge in Wirklichkeit nicht Vorgelegen haben. Weitere Vorschriften ver- ! stärken die Kontrolle. ...

Auch während einer Sperrfrist und wahrend ! der Wartezeit muß der Arbeitslose sich künftig beim Arbeitsamt melden. Der Arbeitslose, der einen Antrag auf Unterstützung stellt, muß künftig I angeben, in welchen versicherungspflichtigen Be­schäftigungen und wie lange er in diesen seit dem Beginn der Anwartschaft gestanden hat. Anderer- seit's werden Arbeitgeber, die vorsätzlicho der sahr- [ lässig in einer Bescheinigung falsche oder unvoll-

Sitzung der sechs einladenden Mächte, die Jin deutsches Ersuchen um Wiederaufnahme pjaentlichen Konferenzthemas am Mittwoch- ^mittag zusammengetreten war, hat vorläufig feinem” Ergebnis geführt. Sie wird am Don- Arstaa fortgesetzt werden, lieber ihren Verlaus lick nichts Positives sagen, zumal die strenge OTaufur, unter der sich die Besprechung zwischen Ln Hauptdelegierten vollzog, ein Eindringen in hie Einzelheiten des Verlaufes verbietet. Es ist iedoch nicht schwer, an Hand der bekannt geworde­nen technischen Einzelheiten des Verlaufes sich den Sachverhalt in großen Zügen zu konstruieren Dr. Stresemann hat den deutschen Standpunkt an Hand ; eines schriftlichen Berichtes z -r Kenntnis der übri­gen Mitglieder gebracht. Briano urtb Snowden hoben darauf erwidert, u. der Reichsaußenmini­ster hat schließlich noch einmal gesprochen. Der deutsche Standpunkt ging dahin, daß die Konfe­renz ihre Hauptaufgabe bisher nicht nur noch nicht erfüllt, sondern mit der Behandlung an sich gleich­falls wichtiger, aber im Vergleich zu dieser Haupt­aufgabe doch minder bedeutungsvoller Nebensra- qen in den Hintergrund gedrängt hat. Zur Er­örterung steht das Verhältnis zwischen Schuldner und Gläubigern, und diese Klärung hat zunächst nach der Richtung hin zu erfolgen, was am 1. September geschieht, wenn bis dahin die Konferenz nicht mit einem vollen Ergebnis abgeschlossen sein wird. Formal wird der Dawesplan automatisch weiter laufen, solange die Rechtsgrundlage des Youngplanes nicht durch ein Abkommen geschaffen ist. Sachlich gilt das Wort der maßgeben­den Autoritäten, wonach die Raten des Youngplanes die höchste für Deutschland tragbare Belastung darstellen. Für Deutschland ist es eine entscheidende Frage, die in diesem Zusammenlange geklärt werden muß, sei es auch nur für ein Uebergangsstadium, wenn die Konferenz hier und vor dem 1. September nicht zu einem Abschluß gelangen sollte. Es besteht kein Zweifel Darüber, daß von deutscher Seite in die­sem Zusammenhänge einige Kritik an den Metho­den der Verhandlung, an der breiten Ausspan­nung der Differenzen zwischen den Gläubiger­mächten zum Nachteil der Konferenzaufgaben und an dem dadurch bedingten Nichtfortschreiten der

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