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Amtliches Kreisblatt.

56. Zahrg

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

Mittwoch, 21. August 1929

4AA im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Jlt» 1“* der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- .. 11 ko 9Trii*ithrit(feret 1150 littö 1151. V.

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sowjet-russische Gebiet begonnen, die Verluste an Toten und Verwundeten unter der sibirischen Bevölkerung und den Angehörigen der Roten Armee zur Folge gehabt hätten. Lange Zeit hätten sich die Sowjet-Grenzbehovden von entsprechenden Maßnahmen ferngehalten und die Folge davon sei eine Häufung von Ueberfällen auf das Sowjetgebiet gewesen.

In der holländischen Presse wird heute festge­stellt, daß diese Separatarbeit der großen Gläubi­germächte, bei der ja auch Deutschland miet'fr als ab wartender Zuschauer fungiert, die kleineren Gläubigermächte einigermaßen verprellt hat. Es wird in diesem Zusammenhang sogar von der

Schmidt, der bis 1928 auch Reichstagsabgeord- neter war, dem örtlichen Ausschuß für das Hugen- bergsche Volksbegehren beigetreten sei; er erklärt, er habe zwar gegenüber dem Poung-Plan erhev^ liche Bedenken, habe aber nie daran gedacht, sich dem Ausschuß für ein Volksbegehren anzuschlle- ßen.

♦ Auch Hitler hat jetzt zu der Behauptung der Vossischen Zeitung über Abmachungen Hitlers mit Hugenberg das Wort ergriffen. Nach Hftlers Erklärung ist die Behauptung des Berliner Blat­tes von Anfang bis Ende frei erfunden. Weder er noch die nationalsozialistische Bewegung habe von Hugenberg ein Ultimatum irgendwelcher Art oder Subvenftonen erhalten. Ebenso unwahr sei es, daß Geheimrat Kirdorf von ihm die Unter­drückung der sozialistischen und antikapitalistlschen Tendenzen verlangt habe, und schließlich sei es unwahr, daß er dieser Forderung nachgegeben habe und daß in den nächsten Tagen eine Zusammen­kunft zwischen Hugenberg und ihm zum Abschluß eines neuen Paktes stattfinden werde.

Heimwehr und Schutzbund.

In Oesterreich stehen sich die Organisationen Heimmehr (national) und Schutzbund (sozialistisch) ähnlich gegenüber rote Stahlhelm und Reichsban­ner in Deutschland. In einem steierischen Städt­chen ist es am Sonntag zu einer großen Rauiereti zwischen Angehörigen der beiden Organisationen gekommen, wobei es über 100 Verletzte gab. Die Organisationen geben sich gegenseitig die Schuld an den Vorfällen. Die Sozialdemokraten benutzen diese Angelegenheit, um eine große Aktion gegen den Heimwehr-Faschismus zu veranstalten. In einer Wiener sozialdemokratischen Vertrauensmän­nerversammlung wurde nach einem Referat des Abg. Deutsch und einer sich anschließenden erreg­ten Aussprache eine Entschließung gefaßt, die die Schuld an den blutigen Vorfällen in Sankt Lo­renzen den steiermärkischen Heimwehrführern zu­schreibt und gegen die schwache Haltung der Auf­sichtsbehörden bei dieser Gelegenheit Protest ein­legt. In der Entschließung heißt es dann weiter, es sei so weit gekommen, daß die organisierte Ar­beiterschaft Oesterreichs von ihrem Selbstschutz Ge­brauch machen müsse, solle es nicht einer Hand voll Abenteuerer gelingen, das Land dem Unter­gang zuzutreiben. Sie wünschten keine anderen Auseinandersetzungen als die mit den Waffen ges Geistes. Sollten aber die HeimwehrFafchisten es wagen, ihren Putschdrohungsn Taten folgen zu lassen, dann würde die österreichische Arbeiterklasse keinen Augenblick zögern, sich zu verteidigen und sich aller Mittel bedienen, welche sie für notwendig halte. Richt mit einer Einzelaktion Unverantwort­licher, sondern in Massenaktionen des gesamten Proletariats und in der Festigung des Schutzbun­des seien die geeignetsten Mittel des Abroehr- kampfes zu erblicken. Die Arbeiterschaft wird auf­gefordert, die Abwehr mit allen Kräften vorzube­reiten und sich bei dieser Abwehr nicht einschüchtern zu lassen. *

wtb. Dien, 20. Aug. (Eig. Meldg.). Wie die Blätter aus Graz berichten, weisen die Führer der österreichischen Selbstschutzverbände Seidle und Pfrimer in einem Aufruf darauf hm, daß die große Anzahl verwundeter Heimwehrleute gegenüber den wenigen verletzten Schutzbündlern in St. Lorenzen beweise, daß von sozialdemo- t i s ch e r Seite gegen die unbewaffnete Heimat- wehr geschossen worden ist. Der Aufruf verlangte Bestrafung der Schuldigen und Entwaffnung des republikanischen Schutzbundes, andernfalls würden die Heimwehrführer nicht vor der Selbsthilfe zu­rückschrecken.

Die Arbeitslosenversicherung.

Beachtenswerte Ausführungen eines Sozialisten Mr Arbeitslosenversicherung.

Es wird zwar nicht von sozialistischer Seite und von den freien Gewerkschaften bestritten, daß erhebliche Mißstände bei der Arbeitslosen­versicherung aufgetreten sind und auch weiterhin auftreten können. Wer man tut so, als ob zur Beseitigung dieser Mißstände keine besonderen ge­setzlichen Maßnahmen notwendig wären, sondern daß sie aus dem Verwaltungswege be­teiligt werden könnten. Deshalb versuchen sie auch mit einer gewissen Taktik, die Oeffentlichkeit über die tatsächlichen Auswüchse und die durch sie ein­getretene finanzielle Belastung der Reichskasse so­wohl wie der Versicherungsanstalt hinwegzutäu- schen.

Wenn aber sozialistische Beamte in verant- wörtlichen Stellungen sich mit dieser Materie be­fassen müssen, dann erhalten wir ein ganz ande­res Bild. So hat vor kurzem der sozialistische Kölner Regierungsvizepräsident Bier über die wertschaffende Erwerbslosenfürsorge geschrieben und darin den Nachweis erbracht, daß unter den Er­werbslosen ungefähr ein Drittel zu den sogenann­ten asozialen Elementen (Schwarzarbeiter und Ar­beitsscheue) gehörten, daß dieses Verhältnis zwar an den Orten, in denen der Arbeitswille der Unterstützten regelmäßig geprüft wird, etwas gün­stiger sei. Aber trotz der steten Nachprüfung, zum Beispiel in Köln, sei festzustellen, daß jeder vierte Erwerbslose der Unterstützung nicht bedürftig oder nicht würdig sei. Weiter verweist er auf Wiesbaden, wo nachgewiesenermaßen 43 bis 44 Prozent der zur Pflichtarbeit cin&entfenen Er­werbslosen den Dienst verweigert hätten und da­mit aus der Unterstützung ausgeschieden seien.

Das schreibt ein Sozialdemokrat aus den Er­fahrungen, aus der Praxis heraus. Allerdings

Bildung eines „Blocks der Unzufrienen" gesprochen. Ein Besuch, den heute vormittag Die rumänischen Delegierten Propovici und Titulesku bei der deutschen Delegation abstatteten, durften allerdings der Behandlung deutsch-rumänischer An­gelegenheiten, also der Frage der bis 1931 lau­fenden Sachlieferungsverträge gegolten haben.

Appell Eupen-Malmedys.

Die gesamte Presse aller Parteien der Kan­tone Eupen, Maldmedy und Sankt Dith veröffent­lichen eine Kundgebung an die Bevölkerung und die Regierung Belgiens, in der es heißt:

In diesem Augenblick schicken sich die Regie­rungen der am Weltkrieg beteiligten Mächte an, die Reparationsfrage endgültig zu regeln und eine Bereinigung der übrigen noch offen stehenden Fra­gen vorzubereiten. Wir halten diesen Zeitpunkt gerade im Interesse einer endgültigen Befriedung Europas für gekommen, die Aufmerksamkeit aus das Schicksal unserer Gebiete zu lenken. Das Ende des Völkerringens sollte, so mar es der Wille der nach Frieden lechzenden Welt, Fr et- heit und Selbstbestimmung zur Geltung bringen. Auch Eupen und Malmedy sollten über ihr zukünftiges Geschick entscheiden. Leider haben es die Verhältnisse mit sich gebracht, daß wohl unter den Einwirkungen des eben erst abgeschlos­senen Kampfes diese Volksbefragung unter einer militärischen Herrschaft in einer Weise zur Durch­führung kam, die nicht als ordnungsmäßige Aus­führung der Bestimmungen des Versailler Vertra­ges angesehen werden kann. Die Anerkennnung des Ergebnisses erfolgte aufgrund der Berichte eines Mannes, der nie in unserem Gebiete geweilt hat. und durch Körperschaften, in denen damals noch Parteien und Richter die gleichen waren. Wir wenden uns an alle rechtlich denkenden Belgier, die nur zur Verteidigung ihrer Heimat und nicht um Eroberungen willen zu den Waffen gegriffen haben. Belgien feiert im kommenden Jahre den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit, ein Fest der Freiheit. Dazu steht im Widerspruch, daß an sei­ner Osigrenz- eine Bevölkerung wohnt, die die­ses Fest nicht begehen kann. Von dem lebhaften Wunsch beseelt, daß in Zukunft auf das friedliche und einträchtige Zusammenleben der beiden Nach­barstaaten kein Schatten mehr fallen möge, hal­ten die Unterzeichner, nachdem auch das Deutsche Reich die Markfraae in einer gereckten und wA- ligen Meise zu regeln zugesagt hat. den Zeitpunkt für gekommen, den Gerechtigkeitssinn und den Weitblick der belgischen Staatsmänner anzurufen, damit der Bevölkerung von Eupen, Malmedy und Sankt Dith nunmehr endlich Gelegenheit gegeben werde, nack freiem Willen über ihre Zu­kunft zu entscheiden. *

'Vor kurzem mußte sich der Verband des Deut­schen Groß- und Ueberseehandels dagegen wehren, zu den Unterzeichnern des Hugenbergschen Aus­rufes zu gehören. Nunmehr liegt em ähnlicher Fall vor. Aus Schlesien war berichtet worden, | daß dort der volksparteiliche Generaldirektor Dr.

Reuter meldet aus dem Haag: Es verlautet, daß bei der Rheinland besprechung klar geworden ist, daß der französische und der deutsche Standpunkt noch immer weit auseinandergehen. Briand war, wie berichtet wird, noch immer au­ßerstande, ein endgültiges Datum für die Beendi­gung der Räumung zu nennen. Er bleibe dabei, daß ihm das unmöglich sei, bevor eine Regelung der Reparationsfrage erreicht ist. Der deutsche Standpunkt ist bekanntlich der, daß die Räumung von der finanziellen Regelung nicht abhängig gemacht werden sollte. Der deutsche Standpunkt wird von Henderson geteilt. Der britische Staats­sekretär des Aeußeren hat wiederum erklärt, daß die britische Regierung nicht beabsichtigt, die Zu- rückziehung der Truppen lediglich von dem Ergeb­nis der Haager Konferenz abhängig zu machen, sondern daß sie am Ende des nächsten Monats mit der Räumung beginnen werde.

Eine mathematische Aufgabe.

wtb. Haag, 20. Aug. (Eig. Meldg.). Nachdem die drei Unterausschüsse des Sachverstandtgen- Komitees der Gläubigermächte bis spät in die Nacht gearbeitet hatten, tagt heute wiederum das Komi­tee selbst. Die Ausschüsse hatten, wie man er­fährt vor allem drei Aufgaben: der erste, die Fest­stellung der Summen, die England zufließen wür­den, wenn der Ueberschuß aus der Liquidation des beschlagnahmten deutschen Eigentums nicht mehr zwischen den verschiedenen Gläubigern verteilt, sondern gänzlich England überlassen würde; der zweite, die genaue Feststellung des Ueberschusses, der durch die Ueberschneidung von Dawes-Plan und Poung-Plan bis 1. September des Jahres entsteht; der gritte: die Klärung der umstrittenen Frage, ob der englische Anteil an den Annuitäten des Poung-Planes um 45 oder 48 Mill, niedriger ist als unter dem Dawes-Plan. Heber das ge­naue Ergebnis dieser Untersuchungen, die im we- sentlicken eine mathematische Aufgabe darstellen, wird man erst etwas erfahren, wenn der Gesamtausschuß der Sachverständigen zu einem abschließenden Gutachten gelangt sein mirb._____

ren Zukunft am meisten nahestehen. Niemals war die Verpflichtung Deutschlands, em eindring­liches und ernstes Wort zum Thema der „Liqui­dierung des Krieges" zu reden größer als tn die­sen Tagen. Stresemann hat sich immer sehr zu­rückgehalten, wenn er auch früher aufgeforöert wurde, die sogen. „Genfer Atmosphäre , die stets eine „Atmosphäre Briands" gewesen ist, nicht zu ehrfürchtig zu behandeln. Die Atmosphäre Brmnd besteht nicht mehr und es dürfte gerade letzt ort der Zeit fein, im Haag zum obigen Thema auch einmal ein deutsches Wort zu sprechen.

Der fleine Briand.

Der französische Ministerpräsident Briand »vielt im Haag nicht mehr die diplomatische Hel- venrolle, die er aus den Ratstagungen, in Genf zu spielen gewohnt war. Er ist ziemlich klein­laut geworden, was umsomehr auffällt, als er früher immer so große Reden gehalten hat. Seine örößte Waffe ist seine ganz seltene Redebegabung. Wie kommt es, daß er zu ihr nicht auch jetzt «refft, wo er seinen Strauß mit England auszu­fechten hat? Hat er das Gefühl, mit pathetischer Rethorik auf Snowden, seinen englischen Gegen­spieler, nicht wirken zu können. Glaubt er auf dessen Beifall allzu lange warten zu müssen, weil jener von Natur schweigsam ist? Auf den bishe­rigen internationalen Zusammenkünften war Eng­land gewöhnlich durch den früheren Außenminister Chamberlain vertreten, der dem Meister des Wortes Briand unerhört viel Respekt entgegenzu­bringen pflegte. Snowden ist nicht der Mann, der sich so leicht imponieren läßt. Er ist nicht der Mann des Effektes, und billige Affekte berühren chn nicht. So ist denn im Haag eine große Rollen­vertauschung eingetreten, nicht nur eine Vertau­schung der englischen Position gegenüber Frank­reich, sondern auch ein Wechsel in der Besetzung. Das beredte Schweigen Snowdens, der immer nur auf die Propositionen Briands sein ironisches „Nein" antwortet, hat dem Führer der französi­schen Delegation die Rede verschlagen. Er ist Ziemlich kleinlaut und still geworden und wir Ha­chen fast die Sorge, daß er sich eines Tages aus bele'ibigter Eitelkeit rächen könnte.

Offen gesagt, haben wir in den friedenspathe- itffchen Reden Briands seit Eintritt Deutschlands in 'den Völkerbund bis zum heutigen Tage selten ei­chen Ansatz zu einer wirklichen eindrucksvollen Friedens t a t zu erblicken vermocht. Er ist ein großer Bluffer gewesen und ist es bis zum heu­tigen Tage geblieben, und auch die Verleihung des Nobelpreises, den er mit Stresemann geteilt hat, ist ihm kein Anreiz geworden, die Ziele mit Energie weiterzutreiben, die er so oft in allzu rei­chen und schönen Worten verklärt hat. Man hat zu feiner Entschuldigung bisher immer angeführt, daß er der Gefangene Poincares sei und sich dessen bedächtiger Zaudertaktik anzugleichen habe. Heute, wo er französischer Ministerpräsident ist, und Poincare krank darniederliegt, wird man diese Entschuldigung nicht mehr Vorbringen dürfen. Er selber tut heute so, als fei er an die Gutachten der militärischen Sachverständigen ge­bunden, wenn er seinen Willen bezeigen möchte, den deuffchen Wünschen auf Räumung des Nhein­landes entgegenzukommen. Wann kommt die Zeit, wo Briand einmal der Briand feiner eigenen Worte wird? Wann wird Briand einmal er selbst fein? Wann kommt die Tat, die die ganze Welt nicht nur als eine wirkliche Versöhnungsgeste, sondern auch als eine politisch kluge Handlung be­zeichnen würde, nämlich die Tat der Rheinland­räumung? Wir und die ganze Welt warten noch immer vergebens darauf und die schöne Gelegen­heit der Haager Konferenz hat er bereits gänzlich versäumt.

Nein Briand ist der große Mann nicht, den er scheinen möchte, er ist ein politischer B e - am ter, der die Verantwortung fürchtet, auch wenn dem Wagemutigen der Beifall der Mensch­heit sicher wäre. Er fürchtet seine nächsten Vorgesetzten, die Militärs. Sonst wür­de er von dem Haag aus keine Fragebogen nach Paris senden, deren Einzelheiten für ihn längst beantwortet sein müßten. Dann würde er auch nicht mit Snowden über 40 Millionen feilschen, die er auf die bequemste Weise einsparen könnte, wenn er dafür sorgen wollte, was Frankreich int Versailler Vertrag versprochen hat, nämlich für den Beoinn einer energischen Abrüstung. Die französischen Generale beherrschen die deutsch-franzölische Politik, die nicht wollen, daß das Rheinland eher geräumt mürbe, als bis die neuen großen Befeftiounasw-rk-' nn der franzö­sisch-deutschen Grenze fertiggestellt sind, in die die französischen Besatzungstruppen die man gerne als die Kernarmee Frankreichs bezeichnet, dann hin­einverlegt werden sollen. „Er feilscht rote ein Alt­händler", schrieb am Sonntag der „Vorwärts", dem man sicher nicht vorwerfen kann, daß er sich nicht mit seiner ganzen Seele der deutsch-französi- schen Verständigungspolitik verschrieben habe. „Die Haltung Briands in der Räumungsfrage, so heißt es im Vorwärts, ist in den letzten Tagen geradezu kläglich gewesen! Er wagt es, als Gegenleistung für die Annahme des Doung-Planes durch Deuffch- land die Räumung der zweiten Vertragszone 6 Wochen vor dem vertraglichen Termin anzubieten, und für die Räumung der dritten Zone versteckt er sich einstweilen hinter General Guillaumat, um dann wie ein Altkleiderhändler händeringend um jeden Monat zu feilschen. Es gibt keinen Sozial­demokraten, der nicht die deuffch-französische Freundschaft höher stellt, als alles andere. Dieses Hauptziel unserer Außenpolitik bleibt auch heute noch, wo in der Kraftprobe Snowden-Briand un­sere Sympathien auf Snowdens Seite stehen. Aber es muß eine wirkliche Verständigung zwischen gleichen Völkern sein, die zueinander Vertrauen haben, und nicht ein Verhältnis von Souverän zu Vasall".

In der Tat, Briand hat in den Haager Konfe­renztagen an Renomee und Prestige erheblich viel verloren. Seine Haltung wäre noch einiger­maßen verständlich, wenn es Frankreich finanziell schlecht ginge, wenn es der französffchen Finanz­politik unmöglich märe, erhebliche Ersparnisse zu machen. Aber dem ist nicht so. Eine Einigung im Haag ist deshalb nicht möglich, roeil die französi­sche "Politik nach wie vor rückwärts gewandt ist, weil sie kein Vertrauen zu der Mentalltat der Völker der Nachkriegszeit fassen kann, von denen die Besiegten innerlich einer besseren und friedliche­

rotb. Moskau. 20. Aug. (Eig. Meldg ). Das Außenkommissariat überreichte der deutschen Bot­schaft zur Weitergabe an die Regierungen von Nanking und Mukden eine Erklärung, welche durch eine Reihe von Angaben, die Ungenauigfeit chinesischer Meldungen über angeb­liche Heberfälle von Sowjet-Truppen auf chinesische Truppen dokumentarisch nachzuweisen versucht. -i

Nach einer Aufzählung einiger Fälle von Heber­ollen auf sowjetrussisches Gebiet weist die Erklä­rung darauf hin, daß vereinzelte Fälle des Heber­schreitens der chinesischen Grenze durch Angehörige der Roten Armee nur infolge der Überfälle w e i ß- gardistifcher und chinesischer Truppen­teile auf russisches Gebiet stattfanden, und betont, die Ausnutzung der Weißgardisten durch die chine­sischen Behörden schaffe eine drohende Lage an der Grenze. In der Erklärung heißt es weiter: Die Sowjet-Regierung, die alle Maßnahmen trifft, damit auch vereinzelte Fälle des Heberschreitens der Grenze durch Sowjet-Truppenteile nicht vor­kommen, bringt darauf, daß die chinesischen Be­hörden weißgardistifche Truppenteile entwaffnen und allen Ueberfällen auf sowjet-russisches Gebiet vorbeugen, widrigenfalls weitere Äerrvicklungen, die durch Heberfälle auf russisches Gebiet geschaf­fen werden, voll und ganz zur Verantwor­tung der Regierungen von Nanking und Mukden fallen würden.

Die Erklärung des Außenkommissariats erin­nert ferner daran, daß die Sowjet-Regierung noch am 13. Juli in einer Note wegen der Beschlag­nahme der ostchinesischen Eisenbahn durch die chine- sffchen Behörden auf die Tatsache der Mobilisie­rung, der Verschiebung und Zusammenziehung mandschurischer Truppen und weißgardistischer Truppenteile an der Grenze hingewiesen und die chinesischen Behörden vor weiterem Mißbrauch der Friedensliebe der Sowjet-Regierung gewarnt habe. Diese Warnung haben die chinesischen Behörden unbeachtet gelassen. Die Bildung weißgordi- tischer Truppenteile habe in stärkstem Maße an« gedauert und diese Truppenteile hätten sofort nach )em Abbruch der Verhandlungen zwischen der H.S.S. R. und China mit Ueberfällen auf das

Russische Erklärung an Ransing uns Mmoen

Moskau nimmt fÄr sich Friedensliebe in Anspruch. Die Rolle der Weißgardisten.

starke zu den ruffisch-chinefischen Grenzgesechken.

Moskau und Nanking melden übereinstimmend die ersten russisch-chinesischen Kämpfe bei Mund- schurija und Pogranitschnaija.

Wie Reuter aus Mukden meldet, haben rus­sische Aufklärungsabteilungen mit Unterstützung von Koreanern sich eines Dorfes diesseits der Grenze der Provinz Kirin bemächtigt und es nach Plünderung der Häuser in Brand gesteckt. Zwei chinesischen Kaufleute wurden getötet, drei andere verschleppt. Am Freitag nachmittag sind ungefähr in derselben Gegend die chinesischen Stellungen von russischer Artillerie beschossen worden. 24 000 Mann der mandschurischen Armee sind in Thitsikar eingetroffen

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Anzeiger für die Stabt Jutba und den Landkreis Auiba__

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