56. Zahrg
Dienstag, 20. August 1929
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Line schöne Flugzeugaufnahme vom „Graf Zeppelin" beim lleberfliegen der deutschen Genze.
Mick auf Tokio, das der „Graf Zeppelin" von Friedrichshafen aus in 4 Tagen erreicht hat.
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wtb. Paris, 19. August. (Eig. Meld.) Der korrefpondent des Exelfior im Haag glaubt am Rontaa früh zu wissen, daß Annäherungsversuche « Gange seien dergestalt, daß Briand veran- akt werden solle, Snowden einen Person- jchen Besuch abzustatten, den dieser ian'n erwidern würde.
Die letzten Stunden haben übrigens kein fried- kcheres Bild geboten. Snowden hat sich in der Beantwortung der Note der Franzosen und der Jta- iener keine Zurückhaltung auferlegt. Mündlich hat r noch energischer gesprochen als in der schrift- ichen Antwort. ’____
Wie stark Snowden sich fühlt, dafür spricht am ieutlichsten die Tatsache, daß er in einer Presse- onferenz am Samstag abend, also in aller Oef- rntlichkeit, gegenüber den letzten Vorschlägen, die iaspar namens der übrigen Alliierten ihm über« Mtelt hatte, die gleichen oder doch ungefähr die leichen Ausdrücke gebrauchte, die erst vor acht Ta- ;en von den Franzosen als Beleidigung aufgefaßt raren und von den Engländern nachträglich mit tner etwas kühnen Ausdeutung hatten zurückge- ivmmen werden müssen: lächerlich und unannehm- iar. Snowden kann sich das leisten. Denn er tat den Schlüssel zur Lage in der Hand. Er ist, jenigften« was die finanzielle Seite der saager Verhandlung betrifft, unbestreitbar der Kann, um den sich alles dreht und drehen muß.
Und dis politischen Fraaen, also die, in deren Mittelpunkt die Räumung steht? Briand hat sein versprechen nicht wahraemacht; er hat nicht bis knde der abgelaufenen Woche den Endtermin mit- «teilt, bis zu welchem der letzte uniformierte Franzose das besetzte Gebiet erlassen haben wird. Er hat sich zwar mit der -ckwierigkeit entschuldigt, die seine Generale ind Techniker ihm machten; aber es ist doch ntwedsr ein Zeichen von Schwäche oder eines von chlechtem Willen, wenn in einer la bedeutsamen frage der Außenminister Frankreichs sich hinter nonnme Militärs verstecken muß. Dieser Mon- ig soll nun anaeblich — wir wollen es abwarten - den Briand'schen Bescheid bringen. Sicher wird r nicht befriedigen; und noch sicherer wird er irgendwie verklausuliert geaeben werden. Denn man ,eiß ja, daß Briand das Inkrafttreten des Poung- ilanes als Voraussetzung für iede angebliche voreilige Räumung statuiert. Damit bringt er ün ie politischen Beziehungen zwischen Deutschland nd Frankreich ein Moment des Hazardfpiels, des linden Zufalls; denn weder Briand noch Strese- itann, sondern Snowden ist es doch, von dem die Möglichkeit eines Inkrafttretens des Poungplanes Dcki immer abhängt.
Bisher hat Briand immer mit dem Argument «spielt, daß er zur Gesamträumung etwa zehn Renate brauche. Das würde einen Endtermin im Juni kommenden Jahres bedeuten. Eher Haffen es angeblich die Militärs nicht. Hatte )r. Strefemann nicht Recht, wenn er daraufhin die i Konferenzkreifen schmunzelnd kolportierte Neuerung tat, er würde sich als französischer Mini- !er ständig kriegsbedroht fühlen, wenn er über inen General st ab verfüge, der z u m T r a ns- i o r t von nur 50 000 Mann eine zehnmona- ige Frist aebrauche? Nun, man wird ja ,ohl bald wissen, ob Briand es mit dem Vrch !ige Frankreichs für vereinbar hält, unter dem iopfschütteln einer ganzen Welt weiter mit einer D brüchigen Logik zu operieren 1
Die AMon Hngenbergs.
Die Bayerische Volkspartei nimmt in längeren üusführungen zu den Debatten über den Young- ilan Stellung und kommt zu dem Schlüsse, daß in abschließendes Urteil erst möglich ist, wenn das Ergebnis der Haager Konferenz bekannt ist. Dann rkkärt sie bezüglich des Hugenberg'schen Volks- legehrens, daß, wenn ein solches und Proteste Deutfdjlanb von den Reparationskosten befreien önnten, wären sie die ersten, die dabei wären. Dann heißt es wörtlich:
„Mögen Hugenberg und seine Freunde im Jn- eresse ihrer Parteiregie für gut halten was sie vollen. Sie werden ja sehen, wie weit sie mit hrer Volksbegehrensaktion kommen. Eines nur aussen sich die Deutschen, die sich nicht der poli- ischen Führung eines Hugenberg unterstellen kön- :en, weil sie zum Politiker Hugenberg keinerlei vertrauen haben, auf das entschiedenste verbit- en, daß die Propaganda für diese deutschnationale üttion unter die Parole „hie national" — „hie mnational" gestellt wird. Diese Malträtierung des rationalen Begriffes ist ein Zeichen der in« lenpolitischen Verwahrlosung, unter der ms deutsche Volk so schwer leidet. Leute, die die Ration retten wollen, sollten mit der nationalen Erziehung zunächst einmal bet sich selbst anfangen md mithelfen, daß es in Deutschland unmöglich vird, daß jemand kurzerhand als ein schlechter Deutscher hingestellt wird, wenn er in einer wich- ngen politischen Frage aus ehrlicher Ueberzeugung tben anderer Meinung ist."
Für die Fahrgäste war die Fahrt unbeschreiblich erlebnisreich. An den beiden letzten Tagen fuhren sie fast nur über Steppen und morastige Urwälder und Sumpfgebiete von unendlicher Weite, Trostlosigkeit und Oede, so daß sie sich beglückt fühlten, wenn sie nach langen Stunden wieder einmal ein Dorf zu Gesicht bekamen. In vielen Gegenden der halbzivilisierten Sibiriaken und Tun- gusen erweckte der Anblick des Luftschiffes Panik und Entsetzen. Die Menschen begannen mit allen Anzeichen des Schreckens in die Erdhöhlen zu flüchten oder kletterten unter wildem Angstgeschrei aus die Bäume. Auf der Höhe seines nördlichen Kurses kam das Luftschiff in die Nähe des nördlichen Polarkreises und hatte eine Zone von förmlich grimmiger Kälte zu passieren. Selbst pelzgefütterte Ledermäntel vermochten die Fahrgäste nicht vor der Kälte zu schützen. Der Funksiche- rungsdienst an Bord hat ausgezeichnet funktio-
Begeifferter Empfang.
rotb. Tokio, 19. Slug. (Eig. Meld.) Das Luft- fchiff „Graf Zeppelin" wurde bei seinem Erscheinen
den mit 3 u b e I begrüßt. Es war fast genau 100 Stunden von dem Augenblick seines Aufstieges an in der Luft. Die Bevölkerung der Stadt füllte die Straßen und schaute voller Begeisterung nach dem Lustriesen aus. Nachdem das Luftschiff über der Stadt gekreuzt hatte, drehte es und flog nach dem Lufthafen Kasumigaura, wo es landete.
Deutschlands Glückwunsch.
wtb. Berlin, 19. Slug. (Eig. Meld.) Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald sandte an Dr. Eckener folgendes Glückwunschtelegramm: In stolzer Freude über die von ihnen vollbrachte großartige Verkehrsleistung spreche ich ihnen zugleich im Namen des Herrn Reichspräsiden- ten und der Reichsregierung herzllche Glückwünsche zur Ueberrointmng der schwierigsten
Kamps um Annäherung im Haag.
Besprechung Dr. Skresemanns und Wirths mit den • Besatzungsmächten.
Zeppelin gelandet.
wtb. Tokio, 19. Aug. (Eig. Meld.) Das Luftschiff 'Graf' Zeppelin landete nach mehrstündigem Kreuzen über der Stadt um 6.27 Uhr abends (10.27 Uhr m. e. Z.).
niert, trotzdem die Bordfunker nach dem Ueber- schreiten des 120. Längengrades keine Derstandl. gung mehr mit der deutschen Station Norddeich erhielten und auf den Verkehr mit russischen Stationen angewiesen waren.
Nach Meldungen der Funkstation in Tokio hatte am Sonntagvormittag „Graf Zeppelin in prächtiger Fahrt Sibirien überquert und Sonntag morgen gegen 7 Uhr nach Ueberfliegung be-> bisher fast völlig unerforschten Stakowoi-Eebirges Port Annan erreicht. Das Schiff flog dann über die Meerenge zwischen dem Festland und der ^nsel Sachalin, um in den Tataren-Golf und von dort aus über das japanische Meer zu gelangen. -Lie Fahrt wurde durch das Erscheinen über der Hauptstadt Japans, die früher erreicht wurde als zunächst erwartet wurde, gekrönt.
„ffirof Seppelin“ h-I»erreicht
Das zweite Drittel der Fahrt rund um die Welt ist ausgesührt. Erholungspause vor der Fahrt von Tokio nach Amerika über den Großen Ozean. — Die Landung in Tokio.
. Die deutschnationale Pressestelle bestreitet die flngabe der „Voss. Ztg", daß Hugenberg tn Hitler ein Ultimatum gerichtet und liefet daraufhin zugesagt habe, die radikale, antt-
— Berlin, 19. Slug. (Eig. Meldg. Privatmeld.). Wie wir von unterrichteter Seite hören, wird der Geschwader-Chef des zur Zeit in Swinemünde weilenden russischen Kreuzer-Geschwaders morgen vormittag 10.45 Uhr mit seiner Begleitung auf dem Stettiner Bahnhof eintreffen. Die russischen Marineoffiziere, die im Kaiserhof Wohnung nehmen, werden im Laufe des Vormittags Besuche bei der Marineleitung und dem Auswärtigen Amr abstatten. Der Admiral wird außerdem seine Karte im Palais des Reichspräsidenten und im Reichskanzlerpalais abgeben.
Abreise des italienischen Geschwader».
wtb. Siel, 19. Aug. (Eig. Meld.) Die italienischen Kriegsschiffe Pisa und Ferruccio haben, in den heutigen frühen Morgenstunden nach otagi» gern Aufenthalt Kiel wieder verlassen und die Weiterreise durch den Kaffer-Wilhekmkanal nach der Nordsee angetreten. Nach Steuerungen, die der Flaggoffizier des Admirals einem Pressevertreter gegenüber machte, sind die Besatzungen von dem Aufenthalt in Kiel äußerst befriedigt. Sowohl in Kiel als auch in Bertil waren sie nicht nur Hof- lief) und liebenswürdig begrüßt, sondern geradezu begeistert gefeiert worden.
Das Geschwader fährt zunächst nach Pourts- mouch, bann über Le Havre, Vigo nach Italien zurück. ______
FuldaerZeitung
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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt * rti im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 11t*- 191 der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- " :: leitung 1152, Fuldaer Aetiendruckerei 1150 und 1151. ::
v Rrichstagsabgeordneter Höllern f- Arn Alter von fast 50 Jahren ist der kommunistische Reichs- tagsabgeordnete Emil Höllein an einem Gallen- leiden verstorben. Höllein gehörte seit 1920 dem Reichstag ununterbrochen an.
* Zunahme der Typhuserkrankungen in Weißenburg. (Eig. Meldg.). Die Zahl der lns Krankenhaus im bayerischen Weihburg von Typhus bezw. Typhusverdacht eingelieferten Personen o.- trug bis Sonntag abend 80. Bei 36 der ®*n9ehes ferten wurde einwandfrei Typhus festgestellt. Vorläufig rechnet man mit einer Zunahme der Krankheitsfälle von 5—6 pro Tag. Ein weiterer Todesfall hat sich bis jetzt nicht ereignet. Wie weiter berichtet wird, ist das T r i n k w a s s e r m feinen Entnahmeguellen, Quellenfassungen, Bohrungen usw. einwandfrei.
* ^ei einem Aulomobilrennen bet Comminges in der Gegend von Toulouse fuhr ein Rennwagen mit 110 Klm. Geschwindigkeit in die an der Straße befindliche Zuschauermenge Hinern. Einer der Zuschauer wurde getötet, vier wurden sehr schwer verletzt. Der Führer des Wagens kam nut leichten Verletzungen davon, >
Monatl. l^ölinschl. Postged. (30 bezw 48Ps > °hn-Sustella
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Propaganda seiner Anhänger zu . Tokio, 19. Aug. (Eig. Meld.) Graf Zeppe- vampsen. w I ün rourde um 3.50 Uhr nachmittags Tokioer Zeit
Die Presseabteilung deS deutschen Reichskrie- I (7-50 u^ m. e. Z.) über dem Flugplatz Kasima- gerbundes „Kyffhäuser" teilt mit: Das Volks - I Laura gesichtet. * begehren, das jetzt vorbereitst wird und das I . ^a§ puff3
politischen Kampfes, dem der Kyfshäuserbund nach I lapamscher Zeit (8.35 m. e. Z.).
einer Satzung sich fernzuhalten verpflichtet ist. I .
Demgegenüber ist für die im Kyffhäuserbund zu- In Tokio wurde dem Herannahen des „Graf sammengeschlossenen Verbände und Vereine als Zeppelm" mit dem größten Jnteresie entgegen- solche ein Eintritt in die örtlichen Ausschüsse für S^hen. Die deuffche Boffchast gab bekannt der das Volksbegehren nicht zulässig. Der Be-I „Graf Zeppelin" beabsichtige, über die Haupt- tätigung einzelner Mitglieder wird damit in keiner I brücke des Kaiser-Palastes zu siegen zur Begru- Weise vorgeqriffen. I tzung des Kaisers und des Manischen Volkes.
' 9 9 n I Deutsche, japanische und amerikanische Jnge-
Ittfltlfflfl im ftfltWL I nieure, die mit den Vorbereitungen für die San« vev ^luinuy im yuuy» I bung ^öftigt waren, erklärten, die Einnahme rotb. Haag, 19. Aug. (Eig. Meld.) Das Exper- I 6on Betriebsstoff lasse sich innerhalb von drei ten-Komitee der fünf Mächte, dem mehrere Sach- I Stunden durchführen. Die Weiterfahrt des Luft- verständige der einzelnen Delegationen angehören, I kchiffes wird für Donnerstag oder Frei- tagt seit heute vormittag 10 Uhr. I tag erwartet.
‘ Wichtige Entscheidungen können er ft im Der letzte Teil der Fahrt ist ohne Störungen Laufe des Nachmittags erfolgen, wenn 1 ^laufen. Am Samstag und Sonntag fährt die für vier Uhr vorgesehene Besprechung der I Qeppelin“ mit einer Stundengeschwindigkeit von Außenminister der Rheinlandmächte und die noch | ctroa Kilometern. Um für den Augenblick vorher in Aussicht genommene Unterredung B r i- I ber Gefahr gerüstet zu sein, hat Dr. Eckener das , icylll „israf ^eppeiui wuiuc « i™^. and-Strefemann statt gefunden haben wer- I meift nur mit 3 Motoren laufen taffen. I über der alten Hauptstadt des Ostens von Taufen' den. e 1
In der Frage der Feftstellungs- und Der- söhnungskommission gehen die Verhandlungen des Iuristen-Komitees weiter und scheinen sich in einer Atmosphäre zu vollziehen, in der die deutschen Argumente jedenfalls mcht auf mangelndes Verständnis stoßen. * . .. . ......
wtb. Haag. 19. Slug. (Eig. MeS>3 fcute vormittag trafen im Haag Geheimrat K a st l, der als Sachverständiger an der Pariser Konferenz mitroirtte, und Ministerialdirektor Dr. Poss« vom Reichswitschaftsministerium ein.
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--- Haag, 19. Slug. (Eig. Meld.) Um 4 Mr nachmittags werden die Vertreter der drei Besatzungsmächte zu einer gemeinsamen Besprechung mit Reichsaußenminister Dr. Strefemann unb dem Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, zusammentreten. Man vermutet, daßDr. Strefemann vorher noch eine befondere Unterredung mit Ministerpräsident Briand haben wird. Die in Aussicht genommene Sitzung deS finanzpolitischen Ausschusses wurde vertagt, da über die schwebenden Fragen noch keine Einigung erzielt worden ist.
Floyenbesuch in Deutschland.
IS n I.