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Sonntag, den IS. August 1929.

Fuldaer Zeitung (Amtliches kreisblatt).

Vertreter in die kommunalen Körperschaften zu schicken und so in entscheidender Weise das Schick­sal einer wichtigen Wirtschaftsfrage günstig zu be­einflussen. _______

Dom Finanzamt wird uns geschrieben: Bei dem Finanzamt gehen ost gewöhnliche Briefe mit Wertinhalt (barem Geld, Verrechnungsschecken usw.) ein. Damit diese Gelder zur Vermeidung von Weiterungen schnell­stens verbucht werden können, ist es erforderlich, daß derartige Briefe an die Finanzkasse des Finanzamts gerichtet werden und nicht an das Finanzamt.

wie ist der unpstindbare Lohnankeil zu berechnen?

Die Frage, ob der unpfändbare Lohnanteil vom Gesamtlohn oder vom ausgezahlten Lohn zu be­rechnen ist, wird umstritten. Eine Entscheidung des Reichsarbeitsgerichtes vom 29. Mai 1929 spricht sich dahin aus, daß der Bruttolohn für den pfändbaren Teil des Lohnes maßgebend ist. Der Abzug müsse aus dem Gesamteinkommen berechnet werden, das der Arbeitnehmer brutto einschließlich der Abzüge für soziale Abgaben und Steuern er­hält. Unter „Lohn" sei nach der verkehrsüblichen Auffassung zu verstehen, was der Arbeitnehmer für geleistete Arbeit zu fordern hat. Das seien nicht nur der Lohnanteil, der dem Arbeitnehmer zur Verfügung stehe, sondern auch die Beträge, worauf er an sich Anspruch hat, die aber von ihm an andere Stellen abgeführt werden: Steuern und soziale Abgaben. Diese Summe mindere nicht den Lohn, sondern nur den auszuzahlenden Betrag. Sie gehörten zu den Kosten des Lebensunterhaltes genau so wie die Ausgabe für Lebenshaltung, Be­kleidung und Wohnung. ____

Wie die Kraftpostreisenden versichert sind.

Die Deutsche Reichspost hat mit der Versiche­rungsgesellschaft Thuringia einen Versicherungs­vertrag abgeschlossen, nachdem sämtliche Reisenden, die mit Kraftfahrzeugen der Deutschen Reichspost bei 'den ordentlichen Kraftposten und bei Kraftsonderpoften (Extrapoften) befördert werden, gegen Unfälle, die in ursprünglichem Zu­sammenhang mit dem Betrieb des Kraftfahrzeuges stehen, versichert sind, und zwar mit 10000 Mk. für den Todesfall und mit 20 000 Mk. für den Jn- validätsfall bei Kapitalzahlung und mit 1000 Mk. für Kosten des Heilverfahrens. Die Kraftpost­reifenden find durch diese Unfallversicherung gün­stiger gestellt, als durch eine bloße Haftpflichtver­sicherung, weil die Leistung aus der Unfallversiche­rung ohne Rücksicht darauf zu gewähren ist, ob den Führer des Postkraftfahrzeuges ein Verschul­den an dem Unfall trifft oder nicht, während eine Haftung eines auf ähnliche Weise nicht versicherten Kraftfahrzeughalters seinen Fahrgästen gegenüber nur dann einzutreten hat, und die Entschädigung aus der Versicherung daher nur dann erfolgt, wenn der Unfall auf ein nachweisbares Verschul­den des Kraftfahrzeugführers zurückzuführen ist.

Reform des Derechkigungswesens.

Auf ihrer diesjährigen Generalversammlung hat die Vereinigung evangelischer Arbei­ter- und Gewerkschastssekre täre, der über 400 evangelische Berufsbeamte des Gesamt­verbandes der christlichen Gewerkschaften, des Reichsverbandes evangelischer Arbeitnehmerver­bände Deutschlands, der Genossenschaften usw. an­gehören, in Bielefeld folgende Entschließung an­genommen: „Die Generalversammlung der Ver­einigung Evangelischer Arbeiter- und Gewerk- schaftssekretäre richtet den Blick der verantwort­lichen Stellen auf den furchtbaren Uebelstand des überhandnehmenden Berechtigungswesens und der Examenhäufung als Voraussetzung für den Ein­tritt in fast alle Berufe. Das Wort „Freie Bahn dem Tüchtigen" ist völlig in sein Gegenteil ge­kehrt worden. Die Verteuerung der Ausbildung und Vorbereitung für säst alle Berufe macht es den Arbeiterkindern, wie den Kindern des Mittel­standes und der Bauernschaft fast unmöglich, die ihnen ihren Gaben und Fähigkeiten nach zustehen- den Stellungen zu erreichen, während minder Ge­eignete nur wegen der wirtschaftlichen Leistungs­fähigkeit ihrer Väter in die leitenden Stellungen hineinwachsen. Die Generalversammlung bittet alle Stellen, die auf diesem Gebiet Verantwortung tragen und zur Mitarbeit berufen sind, das Be­rechtigungsunwesen möglichst radikal zu beseiti­gen."

Eine Mahnung an die Kraftfahrer.

Die Kreisbauernkammer Unterfranken erläßt folgende Mahnung an die Kraftfahrer, die auch anderwärts befolgt werden sollte: Kraftfahrer,

unregelmäßig abwechseln. Die erstaunliche Anpassungs­fähigkeit der Heilsarme an den betreffenden Volkscharak­ter zeigt sich aber noch stärker in der Art, wie sie den Sportfanatismus der Amerikaner auszunutzen versteht. Die Hauptsache ist natürlich die Geldkollekte. Ein hüb­scher junger Mann stellt seine Trommel in die Mitte und läß die Zuschauer ihre Dime- und Ouarterstücke (Zehn- und Fünfundzwnzig Cent) mitten auf die Trommel wer­fen, so daß diese dankend erklingt. Er weiß, daß jeder, der nicht trifft, oder besten Dime- oder Ouarterstück von dem Trommelfell auf die Straße geworfen wird, von neuem in die Tasche greift und sein „Glück" nochmals versucht. So steigert sich die ganze Darbietung zu einem Spektakel, das die Zuschauer dermaßen in Anspruch nimmt, daß sie die aus der Hosentasche ganz infam her- auslugende Schnapsflasche eines eben Bekehrten, über die einer der Heilsarmeesoldaten schamhast, aber wissend und verzeihend lächelnd, das emporgerutschte Jackett jenes Sünders herunterläßt, gar nicht gewahren. Ethik, Sport, Prohibition, Schaulust, Langeweile und Hypokrisie: alles auf einem Platze.

Amerikanische Jugend.

11 Uhr nachts am Broadway, dort, wo der Menschen­strom sich allmählich zu verlaufen beginnt und die letzten Strahlen des Greath Withe Way sich der untergehen­den Sonne gleich im Wasserspiegel des steinernen Ozeans brechen. Ich will zurück zur tageshellen Nacht. Plötz­lich hemmt ein dichter Menschenknäuel meinen Weg. Un­fall? Mord? Boxkampf??? oder werden die neuesten Sportnachrichten einer gierig lauschenden Menge verkün­det? Nichts von alledem. Drei zerlumpte Jungen, zwei Weiße und ein Schwarzer, tanzen Jazz. D. h.: zwei tanzen und einer klatscht, nicht allzuselten vom Publikum begleitet, mit den Händen die Begleitmusik und greifen mit bewundernswerter, akrobatischer Geschicklichkeit nach den ihnen mit erstaunlicher Freigebigkeit hingeworfenen Dime- und Ouarterstücken. Es gehört nicht viel Phan­tasie dazu, um jeden dieser Jungen, genau so wie den an der nächsten Ecke stehenden, ebenso aufdringlichen wie zielbewußten Zeitungsjungen, in einem stolzen Palaste oder in einem luxuriösen Apartement der Park Avenue wohnen zu sehen. Kein Mensch kümmert sich um sein

nehmt Rücksicht auf den starken Verkehr auf den Landstraßen und in den Ortschaften zur Zeit der Ernte. Die Bergung der Ernte drängt sich auf wenige Tage zusammen; eine starke Häu­fung des Verkehrs ist die Folge. Die hochbelade- nen Erntefuhren verlangen besonderes Fahrge­schick, sie beengen die Fahrbahn, erschweren die Verkehrsübersicht und sind dem rechtzeitigen und genügenden Ausweichen oft sehr hinderlich. Dazu sind Menschen und Tiere, die um diese Zeit von früh bis spät schwer arbeiten müssen, stark über­müdet. Auf diese Verhältnisse Rücksicht zu neh­men, sollte für jeden Kraftfahrer eine Selbstver­ständlichkeit sein. Die erschreckende Zunahme der Verkehrsunfälle durch Kraftfahrzeuge gemahnt zur Vorsicht und Rücksicht.

Ein Fuldaer in der Fremde überfallen und be­raubt.

Wie uns aus Herborn gemeldet wird, wurde in der Nacht zum Freitag auf der Burger Landstraße der dort beschäftigte Monteur Georg B i e n s a ck aus Fulda von zwei jungen Leuten überfallen und feiner Barschaft in Höhe von 400 Mark beraubt. Die beiden Täter sind unerkannt entkommen.

Die Tomate als volksnahrungsmittel.

Wenn auch die Tomate bereits feit Jahrzehnten als Gemüsefrucht in jeder Hauswirtschaft bekannt ist, so wird sie doch immer noch nicht in dem Maße als bekömmliches und erfrischendes Nahrungsmit­tel verbraucht, wie sie das mit Rücksicht auf ihre vielfache Verwendbarkeit im Interesse einer ge­funden Volksernährung verdient. Die Ausgangs­form unserer heutigen Tomatenpflanze war eine ganz kleinblütige Form mit kirschgroßen Früchten, die int Küstengebiet Perus heute noch wildwach­send angetroffen wird. Heute wird die einjährige Pflanze in der ganzen Kulturwelt und nicht zu­letzt bei uns selbst in vielen Abarten angepflanzt und liefert in ihren Früchten ein wohlschmeckendes und zuträgliches Gemüse. Der deutsche Anbau hat in den letzten Jahren derart zugenommen, daß der Käufer möglichst versuchen sollte, Tomaten deut­scher Herkunft zu erhalten. Warum? Weil die einheimischen Tomaten den holländischen und ita­lienischen gegenüber einen großen Vorzug haben: Sie sind in der Sonne, am Strauch gereift, wäh­rend die vom Ausland eingeführte Ware zumeist halb grün gepflückt und verpackt werden muß, weil sie sonst bei der Länge des Transport­weges leiden würde. Dieser Vorteil der einhei­mischen Tomate macht sich in einem ausgesproche­nen Aroma und einem infolge des unter Einwir­kung des Sonnenlichts erfolgten Reifeprozesses hö­heren Gehalt an lebenswichtigen Stoffen bemerk­bar. Der Genuß von Tomaten, ob roh oder ge­kocht, übt insbesondere auf die Perdauungsorgane und damit auf das körperliche Allgemeinbefinden eine sehr günstige Wirkung aus. Ihr Kalorien« und Eiweißgehalt ist zwar nicht sehr groß, da aber Ergänzungs- und Mineralstoffe eine nicht minder wichtige Rolle als die organischen Nährstoffe in

Am 10.bis 11.August dieses Jahres fanden in Kassel die Volksmeisterschasten der Deutschen Turnerschaft vor über 10 000 Zuschauern statt- Un­ser Bild bringt den besten Kurzstreckenläufer

Seelenheil, Jugendglück und ähnliche pädagogische soziale Probleme.

Der Policeman.

Ich irre in der Nähe der Brooklyn Bridge umher auf der Suche nach der Redaktion der Deutschen Zeitung. Ungeduldig und auskunftheischend luge ich nach einem Policeman aus, den der Newyorker kurz „Cab" nennt. Ich habe noch kein Wort gesprochen und schon sagt der stattliche Jünger Hermandads: The German Herold? Und weist mich auf das nahegelegene Gebäude. Ein andermal frage ich um Auskunft nach den Abfahrtszeiten und -stellen des „Bus" nach irgend einem Park. Väterlich legt sich die Hand des Policemans um meine Schulter. Er erklärt mir, daß der „Bus" viel zu teuer und infolge seiner stündlichen Abfahrtszeiten Zeitverlust für mich be­deutet. Er empfiehlt mir eine Straßenbahn und führt mich, immer noch die Hand um mich geschlungen, bis zur Straßenbahnhaltestelle und geht erst fort, als er mich wohlgeborgen in jenem billigen Verkehrsmittel weiß. — Keine Ausnahmeerscheinung, sondern Erlebnisie zu jeder Tages- und Nachtzeit, in jedem amerikanischen Ort.

Unmögliche Geschichten.

In einem Künstlercafe unterhält man sich am Stamm­tisch wieder einmal über die liebe „Konkurrenz".

„Denkt Euch, was in der letzten Nacht dem Schrift­steller M. passiert sein soll. Er liegt int Halbschlummer da, kann nicht recht einschlafen. Da sängt mit einem Male seine Schreibmaschine zu klappern an. Nanu? Er springt aus dem Bett, geht nachsehen. Und was findet er? Auf dem Blatt, das er abends, halb vollgeschrieben, in der Maschine drin gelassen hat, steht zu lesen: „Ab Ersten kommenden Monats trete ich aus Ihren Diensten, da die mir vorgesetzte Kost meinen verwöhnten An­sprüchen nicht genügt." —

„Oh, das ist noch gar nichts! Der Maler P. hat, wie Ihr wißt, die Angewohnheit, den Pinsel wütend auf den Fußboden zu schleudern, wenn ihm etwas an seinen Bildern nicht gelingt. Neulich machte er es eines Abends wieder so, ließ den Pinsel liegen und ging zu Bett. Am nächsten Morgen sand er das Bild fertig gemalt vor.

unserer Ernährung spielen, sollte der Tomate mit ihrem Vitamin reicht um und hohen Gehalt an Mi­neralstoffen ein bevorzugter Platz in unserer Er­nährung eingeräumt werden.

Erhebung über die Milchproduktion.

Der preußische Landwirtschaftsminister hat das Preußische Statistische Landesamt und die preußischen Landwirtfchaftskammern ersucht, bei schleunig! eine Erhebung über die Milchproduktion in Preußen durchzuführen. Erstmalig werden da­bei die Durchschnittserträge je Kuh kreisweise durch Schätzung festgestellt werden. Die Erhebung wird genauere Anhaltspunkte über die Milch­erträge in den verschiedenen Gebieten Preußens bringen und für die allgemeine Wirtschaftspolitik wie auch für die Landwirtschaft selber von großem Werte sein. Es ist daran gedacht, diese Erhebun­gen auszubauen und zu wiederholen.

Der nächste Viehmarkt.

Am 22. August dieses Jahres findet hier ein Viehmarkt statt. Der Abtrieb des Viehes am Vor-Markttage von der Viehladerampe am hie­sigen Bahnhof erfolgt über die Straßenecke Kur­fürstenstraße—Zieherferweg nach der Straße „Am Viehmarkt" und von da unmittelbar nach den ein­zelnen Stallungen in der Stadt. Der Auftrieb des Viehes zum Markt am Markttage selbst beginnt um 6 Uhr und muß um 8 Uhr beendet fein. Hier­bei ist das nichtuntersuchte Vieh durch die Schloß­straße, das voruntersuchte Vieh durch die Linden­straße aufzutreiben. Im Interesse der ungehinder­ten Abwicklung des Marttverkehrs wird die Be­völkerung ersucht, auf die vorstehenden Verhaft» nisse Rücksicht zu nehmen.

Segen ein Schaufenster geschlendert

wurde gestern nachmittag ein Radfahrer, als er vom Buttermarkt nach dem Schweinemarkt ein- biegen wollte. Das Schaufenster zersprang. Der Radfahrer wurde leicht verletzt. Wen die Schuld trifft, ist noch nicht geklärt. Allen Fahrern, auch den Radfahrern, sei aber wiederum der dringende Rat gegeben, an unübersichtlichen Stra- ßenecken so langsam und vorsichftg zu fahren, als es nur mögftch ist.

Ans dem Gerichtssaal.

Vom Amtsgericht Fulda wurden im Dezember 1928 der 56 jährige Händler Benjamin Jsraelski und sein 22 jähriger Sohn Martin, beide von Krojanke (Westpreutzen) wegen Betrugs verurteilt. Ersterer erhielt, da er schon zweimal wegen Be- trugs vorbestraft ist, 3 Monate Gefängnis, letz­terer 100 Mk. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil hatten beide Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung vor der Kleinen Strafkammer ergab sich, daß die beiden im Sommer 1927 im Kraft­wagen durch die Rhön fuhren und mit Vorliebe in abseits gelegenen Försterwohnungen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Anzug- stosse und andere Waren verkauften, die von Sachverständigen als das „Schlechteste vorn Schlech­ten" bezeichnet wurden. Die Berufungsinstanz hob

Europas Lammers fDrpo-Qlbeiibuig), rechts, ’m Kampfe im 200 Meter Vorauf mit Pontv w (Tgde. 1848-Fulda) links.

und zwar großartig, und in der Ecke stand der Spruch: „Was du malst, ist ja alles Mist — ahnst du jetzt, was du für ein Pinsel bist?" —

„Habt Ihr schon die Geschichte von dem Klaviervir­tuosen Sch. gehört? Der kaufte sich vor kurzem ein funkelnagelneues Klavier . Als er es nun in seiner Wohnung stehen hatte und sich zum ersten Male daran­setzte, um es zu probieren, gingen mit einem Male die Tasten mit ihm durch. Ob er wollte oder nicht, seine Hände wurden mitgerissen, er mußte spielen, was das Klavier wollte. Und was spielte dieses? „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan." Ihr kennt doch das schöne Lied von Schumann---? S. M.

—Dom Wespenstich. Wenn man von einer Wespe gestochen wird, so empfindet man zunächst einen sehr ähnlichen Stich wie nach einem Bienenstich, doch besteht zwischen dem Bienen- und Wespenstich ein wesentlicher Unterschied. Durch den Stich der Biene gelangt Ameisen­säure in die Wunde: das Gift, das durch den glatten Wespenstachel in die kleine Stichwunde eindringt, ist dagegen keine Säure, sondern vielmehr ein alkalisch wirkender Giststoff. Es wäre also ganz verkehrt, wollte man einen Wespenstich ebenso wie den Bienenstich mit eil m alkalisch wirkenden Mittel zu ''"'ämpfen suchen. In diesem Falle dürfen nur solche Mittel angewendet w. ' durch die d .' mfck '< r ■; wacht wird, das heißt also durch Mittel, die durch Säure wirken.

— Das Sleinwerden im Aller. Das „infame 2IIt= werden", wie man sagt, bringt noch etwas mit sich, was in der Regel nicht beachtet wird, nämlich die Abnahme der Körpergröße. Nach den Untersuchungen des Bel­giers Quetelet bleibt die Körperlänge vom 30. bis 40. Lebensjahre unverändert; sie vermindert sich dann vom 40. bis zum 50. Jahr um 10 mm., vom 50. bis 60. Jahr um 35 mm., vom 60. bis 70. Jahr um 16 mm., vom 70. bis 80. Jahr um 10 mm. und sehr wenig vom 80. bis 90. Jahr. Der Mensch nimmt also im Durchschnitt in der Zeit des Alters um 71 mm. ab.

Probedose und Broschüre „Ratschläge eines Arztes“ durch:

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Aew-Vorker Mornentbilder.

Von Dr. Leo K o s z e l l a.

Der drollige Schossör.

Knapp eine Stunde nach der Landung der „New- york". Ich nehme eine der Jellow (gelben) :Taxi, deren Schofföre durch keinen Uniformteil irgendwie gekenn- zeichnet und vielleicht gerade deswegen um so aufdring- Ucher sind, um zum Hotel zu fahren. Einige Hunden Meter vom Pier entfernt hält der Wagen plötzlich mitten «uf der Straße. Der Schofför, ein Italiener springt her- aus und läßt seinen Wagen ungesichert stehen. Rechts vom Auto auf dem Bürgersteig spielt sich eine anscheinend nicht ganz ungefährliche Boxkampfszene ab, der einige Dutzend Menschen höchst interessiert zuschauen. Der Ring wird von meinem Schofför durchbrochen und der Zwei­kamps durch sein Eingreifen zugunsten des einen Part­ners entschieden. Der andere liegt auf der Erde. Schimp­fend und gestikulierend kehrt der Schofför zum Wagen zurück und antwortet auf die Frage nach dem Grunde seines Davonlaufens:

So ein albanisches Schwein hat meinen Landsmann angegriffen. Da mußte ich helfen!

Die pfiffige Heilsarmee.

7 Uhr abends in der Nähe des Washington Square. Ich dumme durch die um diese Zeit schon ganz ruhigen Straßen des noch vor einigen Stunden kochenden Der- kehrsviertels. Die Bänke sind von zeitungslesenden Männern und Frauen ebenso überfüllt, wie die Papier- körbe, Rasenflächen und Wege von den Reliquien jener hier fast sportgemäh betriebenen Beschäftigung: der Zei­tungslektüre. (Allerdings werden nur die Ueberschriften gelesen, worauf die meist 50 Seiten starken Riesensormate der hiesigen Zeitungen in jeder Weise Rücksicht nehmen.» Am Rande einer nicht ganz unbelebten Straße stehen jene auch in Deutschland bekannten Heilsarmeefiguren, nur'daß sie hier neben der Heilsarmeeflagge auch das Sternenbanner führen. Und noch eines unterscheidet sie: der ftöhliche, nicht selten in Clownerinnen ausartende Ton rgjrer Darbietungen, die mit leidenschaftlichstem Ernste

r Fulda, den 17. August 1929

AEAlA und kommunaler Einfluß

Heber die Vergesellschaftungsfrage . Elektrozweckverbands Mittel- “ütfchland ist gestern hier schon Im Zusam- «renbanq mit der Sitzung des Derkehrsausschusses

Ueberlandwerkes Fulda—Hünfeld—Schlüchtern

«ulda berichtet worden. Bekanntlich handelt es fick für die Oeffentlichkeit angesichts der aus ver- rckiedenen Gründen unvermeidlichen Vergesellschaf­tung des Zweckverbandes, der auch die Vergefell- lckaftung des Ueberlandwerkes Fulda zu einem er- lieblichen Teil im Gefolge hat, vor allem um die Sicher st ellung des kommunalen Ein­flusses in der Gesellschaft. Der Elektro,zweck- verband Mitteldeutschland hat eine Denkschrift herausgegeben, in der u. a. auch über die Siche- rung des Kommunalen Einflusses in der zu grün­denden „Kommunale Elektroverband Mitteldeutschland A.-G." gehandelt wird. Es heißt in dieser Beziehung:

Da die Verwaltung einer Gesellschaft von dem hier geplanten Umfange dazu neigen kann, die Gesellschaft allzu stark als Selbstzweck zu betrachten oder die kommunale Natur und den kommunalen Unterbau nicht in allen Fragen hinreichend zu beachten, so muh schon im Gesellschaftsstatut auf eine möglichst enge Verbindung Der kommunalen Verwaltungen mit der Gesellschaft Be­dacht genommen werden.

Im § 11 des Gesellschaftsvertrages (der im Ent­wurf vorliegt) ist deshalb zunächst bestimmt, daß jeder Kreis oder jede Gemeinde, die sich als Gründer an der Gesellschaft beteiligen, im Aufsichtsrat vertreten ist. Da der Gesellschnftsvertrag auch die Möglichkeit einer Beteiligung von staatlichen und kommunalen Gesellschaf­ten vorsieht, bestimmt der 8 H ferner, daß die Mitglieder der an der Gründung beteiligten Gemeinden und Ge­meindeverbände stets die Mehrheit im Aufsichtsrat bilden müssen, damit auch im Aufstchtsrat der überwie­gende Einfluß der Kommunen gesichert bleibt.

Um des weiteren eine möglichst enge und laufende Mitarbeit der kommunalen Verwaltungen zu gewähr­leisten, sieht der § 17 die Bildung von drei Aufsichtsrats­ausschüssen vor, die dem Vorstand bei den wichtigsten Verwaitungsaufgaben Direktiven geben. Die Ausschüsse sollen von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats geleitet werden, damit durch seine Person die Verbindung zwi­schen den drei Ausschüssen aufrecht erhalten wird. Man könnte hier vielleicht noch die Bestimmung aufnehmen, daß auch in diesen Ausschüssen die Vertreter der Gemein­den und Gemeindeverbände die Mehrheit haben müssen.

Im § 18 ist dann weiterhin festgelegt, daß in den Dersorgungsgebieten besondere Beiräte aus den kom­munalen Körperschaften zur Mitarbeit und zur Bera­tung der Verwaltung bei Fragen mehr örtlicher Natur gebildet werden können. Der Aufgabenkreis dieser ort» - lichen Elektrizitätsbeiräte soll vom Aufsichtsrat bestimmt werden. Auch vom Standpunkte der Gesellschaft aus kann die Mitarbeit dieser Beiräte, besonders bei Tarif­fragen, bei gewissen Personalangelegenheiten sowie bei Verhandlungen mit Großabnehmern und Gemeinden nur erwünscht sein.

Um endlich den Uebergang von Gesellschaftsanteilen in fremde Hand zu verhindern und dadurch, den kom­munalen Einfluß in der Gesellschaft auch für die Zukunft zu erhalten, ist durch die Bestimmung des ß 4 die U e be r- traqung oder Verpfändung von Aktien an die Genehmigung des Aufsichtsrates und der General­versammlung gebunden Dadurch wird erreicht, daß Ak­tienoerkäufe,' die die erforderlichen Genehmigungen nicht gefunden haben, der Gesellschaft gegenüber nichtig sind.

„Durch die erwähnte Bestimmungen des Ge- sellsckaftsvertrages", so schreibt die erwähnte Denk­schrift, „ist der Einfluß der kommunalen Verwal­tungen in der Gesellschaft gesichert. Durch ihre tätige Mitarbeit in den Ausschüssen und Beiräten ist den kommunalen Körperschaften die Möglich­keit gegeben, ihren besonderen Interessen auch in ei­ner so großen Gesellschaft Geltung zu verschaffen." — Wir zweifeln nicht, daß es st a r t e n Persönlichkei- ten aus der Verwaltung tatsächlich auch künftig ge­lingen wird, Einfluß auf die Elektrizitätswirtschaft auszuüben. Von Bedeutung wird es fein, daß in den kommunalen Körperschaften immer solche auf Kenntnis und Uneigennützigkeit gestützte Persön­lichkeiten zu finden sind. Die kommunalen Wähler haben es in der Hand, solche Männer als