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1-N
Fuldaer Zeitung
Römische Hundstage
Glück."
Deutsche Manöver.
Die Reichsfinanzen.
Ein Vergleich der Jahre 1925—1929.
„Gut gebrüllt, Löwe!"
Eine englische Humorzeichnung zu Snowoen, Auftreten im Haag.__________(Daily Expreß.)
Humor des Tages.
" WEIL S ROARED,
)er Inspektor der Pioniertruppen Generalmajor Sehmsdorfs mit einigen russischen Offizieren.
Das einzige größere Manöver dieses Jahres find die Picnierübungen bei Aken an der Elbe, zu dem auch einige russische Offiziere als Gaste ein« getroffen sind. Der Inspektor der Pioniertruppen Generalmajor Sehmsdorfs erklärte den Gasten persönlich die einzelnen Uebungen der Spezial- t nippen. _______________________________
3. Statt.
»cud der Fuldaer Acttendruckerei, Fulda,
im Urchristentum nicht sofort in die Tageshelle em- treten, und mit dem Kultus ist es genau so. Wie die alten Römer ihre Mauern aus lauter breiten, massiven Quadern aufbauen, so errichteten die alten Christen ihre Liturgie. Jeder Satz enthalt da eine Heilstatsache wichtigster Natur. Man erwähnt sie einzeln, weil man an sie glaubt, sie aber auch liturgisch feiern will, und in diesem goldnen, kleinen Festkranze steht der Name Martens tn höchst ehrenvoller Weise. Zuerst wirkt der ganze Kranz auf das Blickfeld des Christen, dann be- trachtet er näher die einzelnen Bluten und Blatter, er dringt ein in deren Schönheit, und sofort sind dann die Marienfeste gegeben.
ging", wie er zu sagen pflegte. Bald siegte der Bulle und riß den Bauer einige Meter weit mit sich, bald war der Mensch der Meister und zwang das Tier, zu gehen, wie es sollte. Zwei Naturkräfte rangen miteinander.
Detmar hatte einen roten Kopf: nur wenige Schweißtropfen standen auf der Stirn, alle Muskeln waren an- gespannt, während er die Blicke scheinbar ruhig auf das Tier mit den blutunterlaufenen Augen gerichtet hielt. Der längliche Schädel des Bauern war bedeckt mit weiß- blondem, starkem Haar, das ein klein wenig ins Rot- liehe spielte. Er trug keinen Bart, sodaß die Backenknochen und der lange, etwas vorspringende Unterkiefer besonders auffielen. Das gab - vereint mit den zu- saminengewachsenen buschigen weißen Augenbrauen und der großen Nase - dem Gesicht etwas Mächtiges. Dl- Züge hätte man sogar brutal nennen können, waren nicht die ruhigen Augen und ein fast weicher Zug um den Mund gewesen.
Wohl eine Minute beobachtete Timte den Bauern. Eben wollte sie weitergehen, da warf er ihr einen flüchtigen Blick zu. „Nun sags nur," stieß er zwischen den Zähnen hervor, „was ich aus den Mienen der anderen lese, sags nur, daß ich mein Weib zu Tobe geknüppelt habe. Du hast ja Mut, Oma Timte.
Sie trat ganz dicht vor ihm hin — der Bulle gab sich gerade in sein Schicksal — und sagte so leise, daß es Tjark, der Iungknecht nicht hören konnte: „Nein, Detmar, mit dem Knüppel hast du sie nicht erschlagen, und doch hast du es getan. Du hast einen kalten Kopf, auch wenn dein Blut kocht. Du wußtest, daß Lena dich nicht ertragen konnte, daß sie an dir zugrunde gehen mußte Du hast deinem Blute gehorcht und nicht dem Kopfe und deinem Gewissen. Deshalb hast du Lena erschlagen, Detmar." Nach diesen Worten ging sie ms ^Timte nahm eine eigenartige Stellung auf dem Warphofe ein Sie herrschte unumschränkter als die Bäuerin in allen Fragen, die Frauenwerk sind. Dabei gab es keine Spannung zwischen Lena und ihr. Die beiden Frauen liebten sich herzlich, und Timke regierte das Haus nicht durch heftige Kommandoworte, sondern durch ihren Willen. Diese Stellung hatte sie sich nicht er-
Selbstverständliches zugesatten, eigentlich ohne daß es jemand merkte. Du lieber Gott, was hätte die zarte kleine Lena wohl anfangen wollen, wenn sie sich nicht an die Tunke T sie lehnte sich an, während der acht Jahre ihrer Ehe und das hatte sie aufrecht erhalten, so lange sie die Kräfte besaß. Nun konnte sie nicht mehr, nun hatten die schwachen Hände nicht mehr die Starke, sich anzuklammern. _
Nun tag sie da drinnen in der großen Kammer. Ste brauchte keine Stütze mehr. Zu Füßen saß Gero. Er hielt die feuchte, kalte Hand der Mutter in der eigenen kleinen warmen und blickte mit großen Augen m das wachsbleiche lächelnde Antlitz.
Timke trat ein, zog sich einen Stuhl ans Bett und nahm Gero auf den Schoß. In ihren Augen lag unend- liches Erbarmen. „Kannst nicht mehr, Lena? sagte sie schließlich. ... ...
Nein verstehst du das?" Nicht die geringste Bitterkeit lag in diesen Worten. Boll namenloser Liebe streichelte sie Geros Hände. Timke konnte auch jetzt nicht lügen. „Der Junge wird es nicht leicht haben, er wird schwer mit sich zu tun bekommen, aber — der wird und ich helfe ihm." . .
Ja du willst, Timke, aber er zerbricht ihn doch, sollst sehen, er zerbricht ihn. Du hast mehr Kraft als zehn andere Frauen und doch, was kannst du gegen Detmars Stärke?" _ „ „
„Mutter, du kannst ruhig fein. Weißt du noch, vor fünf Wochen, als wir Sultan kriegten, der beinahe Vater umwarf? Oma Timke sah ihn nur an, und da leckte Sultan ihre Hand. Deshalb sag ich, Oma Timke ist stärker als Vater." ____
„Timke," sagte sie endlich leise, und sie verstand die Freundin in diesem Augenblicke besser als diese sich selbst, „du mußt den Weg gehen, der dir vorgeschrieben ist, und nun bin ich um meinen Jungen auch nicht mehr in' Sorge, denn ich glaube, er hat recht." Timke erschauerte bei diesen matt und doch lächelnd und klar gesprochenen Worten.
Im Laufe des Tages wiederholte sich der Blutsturz. Als der Arzt aus der Kammer kam, stand draußen Det
mar. Der legte ihm feine riesige Hand auf die Schulter und sah ihn sragend an. Der Doktor zuckte leicht die Schulter, da fragte Detmar: „Wann?" — „Ich weiß nicht, heute nacht, morgen früh," war die Antwort des Arztes, die ziemlich abweifend klang.
Detmar antwortete nicht und ging zu feinem Weibe. Er fetzte sich an ihr Bett. „Sena, ich habe dich entzwei gemacht, weil ich dich haben mußte vor acht Jahren, denn wir beide passen nicht zueinander. So bin ich schuld daran, daß du nun hier liegst und sterben mußt."
Die Sterbende lächelte: „Du hast wenig Schuld, Del- mar. Du hast die Vernunft wirklich nicht gehört, als die Leidenschaft rief. Ich aber habe gewußt und gefüllt, daß ich an dir zugrunde gehen würde — und habe dich doch genommen. Das will ich dir als meine eine Erbschaft hinterlassen, die andere ist der Gero--," flehent
lich blickte Lena ihren Mann an, „den Gero darfst du nicht zerbrechen. Willst du mir das versprechen?"
Detmar schwieg. Nun w^de von ihm verlangt, daß er lügen sollte. Er fühlte sich in diesem Augenblick der schwachen Lena gegenüber unterlegen und beschämt dazu Beschämung war etwas Hartes für ihn: hatte ihm jemand einen Gefallen getan, so pflegte er ihn doppelt zu vergelten. Das wußten alle im Kreise und deshalb war Visser ttotz seiner schroffen, manchmal abstoßenden Art beliebt. Nun schenkte ihm sein Weib etwas Großes; mit ein paar klugen, guten Worten scheuchte sie einen großen Teil der Reue fort, die in ihm aufkam. Reue war Beschämung, die wollte sie ihm ersparen und beschämte ihn damit. Er konnte sich von der Sterbenden doch nichts schenken lassen, ohne wiederzugeben. In seiner Macht lag es, tausendfach zu vergelten.
Das Blut stieg ihm heiß zu Kopf. Er schlug mit der Faust auf den Schenkel, und dann siegte die Natur über das Gefühl: „Das kann ich nicht, Lena," sagte er laut, der Junge ist mein Einziger, er wird einmal der Warp- hosbauer. Er darf nicht werden wie du, Sena. Ich hoffe, ich kriege noch einen richtigen Visser aus ihm zurecht."
Sena antwortete nicht. Mit einem verzweifelten Blick um Hilfe sah sie auf Oma Timte, die eben Gero an der Hand, in der Tür erschien.
^Fortsetzung folgt.) •
Mariä Himmelfahrt.
Don Goerge.
_. „irtnehten Geheimnisse des Christentums 1 r ?munİr miteinander verknüpft. Als Ne - f,nb X ‘ fOrn war es in die Erde gelegt und ent- neAnch zum weltüberschattenden Baume. Wte ® hJm Organismus alles aufeinander angewiesen, m 6eI?p[7e aus der anderen entsteht und durch sie flennt ist wie die Krone und die Aeste und Blu-
imb Früchte in der Baumwurzel ihre Voraus- -üuna und ihr Gefüge tragen, so ist auch das £Sntum ein lebender Organimus, der aus
Innern heraus neue Wahrheiten, aber von ö.ei" ß^hinqt, hervorbringen muß.
""Christi Gottessohnschaft begründet die Gottes- —„Npnvürde Mariens. Wenn Maria einstmals ^Erlöser empfangen, so 'st es billig, daß der „Erstandene und triumphierende Heiland auch sei- Äseits die glückselige Mutter empfange; da er -- nickt verschmähte, in Maria herabzusteigen, so muß er sie auch zu sich erheben, um sie eintreten m lassen in seine Glorie. Man darf sich also nicht Ambern, wenn Maria so machtvoll wieder auf-
wenn sie mit solchem Glanze triumphiert, JL her Himmelstag Mariens es lehrt. Einem ^otte steht es wohl zu, sich am dankbarsten und fte gebigsten zu erzeigen, und Christus mußte barum, obschon er von Maria aus em sterbliches Leben empfing, ihr dafür ein glorreiches m Tausch
diesen Gedanken sind eigentlich schon alle Gründe für die Marienverehrung, für ihren Triumph und ihre Königinwürde angegeben, tfur uns Katholiken ist es nach der Parabel des Heilandes vom Senfkörnlein klar, daß diese Gedanken
Bon unserem eigenen römischen Mitarbeiter.
Bon der römischen Hitze zu'schreiben und dem eigenartigen Stempel, den sie dem gesamten rom scheu Leben monatelang aufdruckt, oumal da s mit versengender Dürre emhergeht, ist für jeden, der römische Hundstage einmal erlebt hat, immer wieder ein willkommenes Thema. Dennoch, ® aani anders ist es in diesen Monaten heute wie 8 vor dem Weltkrieg! D- fiel Rom wl-N.» in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst die ersten schweren Spätsommergewitter mrt erquickendem Regen aufweckten. Wohl belebten sich m de» Abendstunden die Trattorien auf den Straßen wie heute noch, aber vom Quirinal brs zum Vatikan hinüber herrschte tiefsommerlicher Fnede, den nur manchmal der Lärm aus der wetten Welt em wenig stören konnte. ..
Heute treibt Mussolini trotz brütender Hitze seine Ressorts zu unablässiger Arbeit an, und er selber gönnt sich nicht einen Tag der Erholung. Fieberhaft wird darauf hingestrebt, daß immer irgend etwas die Gemüter m Atem halt, tnnet« politisch, außenpolitisch, wirtschaftlich .... wenn der Vatikan sich auch nicht da- Gesetz fernes Handelns von Mussolini vorschreiben laßt, lÄtzt meniaer denn je, so zwingt doch allem schon diese Ueberraschungstaktik Mussolinis die vatikanische Politik, ständig einen etwaigen Schachzug parieren zu können. Denn ein einziger Augenblick der Achtlosigkeit von vatikanischer Sette wurde vom Faschismus her sogleich zu irgendeinem Einbruch I benutzt werden.
I So will es denn trotz des Abzugs vieler hoher 1 kirchlicher Würdenträger aus Rom auch im kirch- I licken Rom diesmal nicht recht Sommer werden, zumal da das Iubiläumsjahr des Papstes auch L wieder viel Fremde und Pilger nach Rom zieht. Der heilige Vater hat bisher seme Audiem I zen auch nur wenig eingeschränkt, und wieder und
Der Warphof
und das Sumpsmoor.
Roman von Alfred Manns, Bremen.
2] -----------
Nun war die Tortum durch den modernen Deich gebändigt worden. Ruhig konnte bei Hochwasser der Bauer in der Marsch schlafen. Er brauchte sich nicht auf Höhen anzubauen, die bei dem sandigen Boden für die Zugtiere ganz unnötige Beschwernisse boten. Nur die Vissers auf dem Warphose saßen nach oben. Mochte der Weg mühsam sein, der Warphof hatte die stärksten Pferde und Ochsen, die schafften es. Nachweislich fett fast vierhundert Jahren hausten die Vissers als freie Männer im höchsten Ansehen beim Volke auf der Dune, und ebenso lange schauen sie histab auf Moor, Geest und Marsch. Manch blutige Fehde war auf dieser Walstatt ausgefodjten, bald gegen die Gräflichen, bald gegen die Bischöflichen. Nicht immer waren die Bauern — ein Visser stets voran — siegreich gewesen, aber nie wurden He so völlig geschlagen, daß der Sieger es hätte wagen dürfen, ihnen die Freiheit zu nehmen. Ein Tribut war das höchste gewesen, was diesen eisenköpfigen Lauern ab gerungen werden konnte, und auch den muhte man ihnen schließlich erlassen.
Nicht umsonst war die Freiheit erkauft, manch em Cifler bezahlte sie mit seinem Blute, auch manch einer erlag im Kampfe gegen die Tortum. Auch der Warphof selbst hatte seine Geschichte, seine blutige Geschichte, die bas Geschlecht der Visser unlöslich mit der Scholle verband. #
Ms Timte nach zehn Minuten oben angelangt war, 6ot sich ihr ein eigenartiges Bild. In dem von den verschiedenen Gebäuden eingerahmten Hofraum stand em Ackerwagen. Vor den hatte Detmar Visser soeben zum ersten Male den jungen Bullen gespannt und mit dem aemaltigen Tiere matz der herkulische Funfzigiahrige seine Kräfte. Das sah Detmar ähnlich, er machte immer
Heine Schutzmarke
verbürgt
Quält® und Preiswürdigkeit.
M Schmitt, Mo,
Weingroßhandlung.
aenus zu erzählen. Er schildert, wie nach dem I Tode der Gottesmutter die Apostel deren Leichnam | im Garten Gethsemane der Erde übergeben hat- , ten, nur Thomas wäre nicht zugegen gewesen. Erst nach drei Tagen hätte er kommen können voll unglücklicher Trauer und großem Schmerze. Er hätte es nicht fassen können, daß dre liebreiche Musiker der Apostel nicht mehr da sei, und nur noch einmal in das edle Antlitz schauen mögen. Da man den Stein vom Grabe wegwalzte, hatte man nur nock die Leintücher entdeckt, die einen himmlischen Wohlgeruch ausströmten, woraus dann die Apostel den Schluß zogen, Engel hatten den Leichnam Mariens in den Himmel emporgetragen. Im Mittelalter wurde durch die Kunst diese Legende Gemeingut der Christenheit. Wenn es auch nur Legende ist, sie zeigt aber in ihrem tiefen Kern den Glauben, daß Christus seine Mutter Nicht d,e Verwesung schauen lassen durfte, zeigt in ihrer
i Ausschmückung den theologisch wahren Satz der Aufnahme Mariens in den Himmel als GemelNgitt des christlichen Glaubens.
Die Kirche in ihrer Liturgie bringt an dem Tage selber mit den auserlesensten Stellen der bräutlichen Poesie des Alten Testamentes ihr Entzücken und Frohlocken zum Ausdruck. Nicht auszudenken ist es, wie oft aus Menfchenherzen Leid und Seufzer erwacht find vor dem Bild der M a- I ter Gloriosa, wie auch Goethe es m der Schlußszene des Faust darlegt. Wo alle Erden- I liebe trog und alles menschliche Erbarmen ohnmächtig blieb, da hat der Gnadenmutter reiche I Huld, Trost und Rettung gesandt; und jubelnd I tönt im Himmel durch alle Ewigkeit das liebliche Echo des einstigen Schmerzensrufes, nun zum Ju- I beiruf verwandelt: „Neige, neige, du Ohnegleiche, I du Strahlenreiche, dein Antlitz gnädig meinem
188.
onnecstag, ven IS. August 1929.
Das neueste Heft von „Wirtschaft und Statt- stik" bringt als Sonderbeilage ausführliche statistische Uebersichten über den am 29. Ium dieses Jahres vom Reichstag verabschiedeten Reichs- Haushaltsplan 1929, dem zum Vergleich die entsprechenden Beträge der vier Vorfahre 1925-1928 äeqenübergestellt werden. Diese Veröffentlichung gibt uns eine wünschenswerte Orientierungsmüg- lichkeit über die Reichsfinanzen. Die Ausgaben und Einnahmen des Reiches sind systematisch zu ordnen, ohne unnötige Zwischentabellen, nur die sachliche Zugehörigkeit ist entscheidend. Alles aber in einer bestimmten Klarheit gehalten, sodaß sämtliche wichtigen Ausgabe- und Einnahmeposten des Reiches erkennbar bleiben und verfolgt werden können. Es ist eine strenge Scheidung zwischen Hoheitsverwaltungen, ihren Ausgaben und Verwaltungseinnahmen einerseits und den allgemeinen Deckungsmitteln andererseits getroffen, ebenso bei den Hoheitsverwaltungen sind jeweils die Kosten der eigentlichen Reichsbehörden von dem sonstigen Verwaltungsauswand getrennt worden. Die Ge- samtausqäben sind ständig von 19-5 bis 1929 ge- stiegen und zwar von 4 532 auf 6 779,4 Mill. RM. Der Behördenaufwand erforderte ohne Wehrmacht 1925 659 7, dagegen 1929 827,6 Mill RM. Aller- dings ist gegenüber dem Jahre 1928 in diesem Jahre eine Kürzung vorgenommen. Dagegen wachsen die allgemeinen Staatsaufgaben für Kriegs- Pension, Schuldendienst, Erwerbslosenfursorge, Sozialversicherung, immer noch «n. Sw betrugen ,m Jahre 1925 3 239,5, im Jahre 1929 5210,9 Mitt. ^DerHauptanteil entfällt auf die Kriegspen- ionen und Kriegsrenten, wahrend den
i nächstgrößten Posten die Sozialversicherung ein nimmt. Die Wehrmacht erforderte 1925 633, 19-8 797 1929 740 Millionen RM.
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5 Fernruf Nr. 623
Das Fest Mariä Himmelfahrt ist I heute das marianische Hauptfest über- I Haupt, wenn es auch nicht immer diesen Namen I getragen hat. Wenn man den Todestag der Mar- I tyrer feierte, weil diese sicher bei ihrem Hmschei- I den mit Christus, ihrem Haupte, dem sie tut blu- I tigen Tode so ähnlich geworden, vereinigte, |o stand doch immer in der Kirche unerschütterlich I fest, daß die Gottesmutter unendlich über diesen I Märtyrern erhaben war, weil sie immer sündenlos I war, während jene doch der menschlichen Schwach- I heit in der Sünde den Tribut hatten entrichten I müssen. Der blutige Tod hatte in ihnen die Sun- I den getilgt, während Maria immer makellos Mir, und darum bei ihrem Tode ihre Seele sofort den I Himmelsflug nehmen formte. D-eier Gedanke ist 1 uralt und das Fest Mariens hieß darum „E n t; schlafung", „Beisetzung", „Ruhe, „Hmgang, „Aufnahme". Natürlich dachte man hierbei zu- nächst an die Aufnahme der Seele Mariens m den Himmel, weil es dem Menschen Nicht gegeben ist, sofort jeden Gedanken bis in seine letzten Kons^ quenzen zu durchdringen, und es für ihn unmöglich i ist, die Himmelswahrheiten sofort ms Kleinste zu i zerlegen. Eine Himmelswahrheit ist das Dogma I der Erlösung, es aber in all seine Einzelwahrhetten zu zerlegen und dem Menschenverstände ganz faßbar zu machen, ist Arbeit der Theologie bis zum Endgericht. Das hat die Theologie bewiesen, daß Maria zuerst die volle Erlösungsgnade zu- gewendet wurde, darum ihre unbefleckte Empsang-
I nis, als deren innerliche Folge sich der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel ergibt. Maria, die vom Sündenfchmutze n,e berührt war, sie, die in ihrem Leibe den Leib des Heilandes genährt ung getragen hat, die endl^i des Heilandes Gnade vor dem Gesetze der Erbsünde bewahrt hat, sie mußte auch in Hinsicht aus
I das Gesetz der Verwesung und Verfchilebung der leiblichen Auferstehung zu höchster Ausnahme-
I ft eil ung erhoben werden. Das unverwesliche Holz der Lade des neuen Bundes durfte | nicht in der Erde vermodern. So hat das fromme
Volk frühzeitig geglaubt und die Kirche billigt die- I sen Glauben durch das Martenfeft am 15. August.
Wenn sich nun die religiöse Phantasie die Himmelfahrt Mariens leg ende risch zurecht legt I und reichlich ausschmückt, dann weiß man, was man davon zu halten hat. Man wollte den nack- I ten theologischen Gedanken m em Gewand klet- I den, worin er auch für den schlichten Verstand greifbar war. Erst die Wahrheit von der Gemeinschaft der Heiligen kommt zu farbenreicher
I Veranschaulichung.
Die Sehnsucht des Menschen, über die Welt zu kommen und ihren Sinn zu verstehen, ist Da erreicht, die Helden der Legende stehen m der Welt | und stehen doch über der Welt. Sie zeigt dem schlichten Leser, wie die Offenbarung zum Glauben, zum sieghaften Glauben, wie die Religion zur
I Religiosität wird. Eine solche Legende wußte der | griechische Kirchenvater Johannes Damas- | 1