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Samstag, -en 10. August 1929.

zuldaer Zeitung Mmttiches Ureisblatt).

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Ne killte 8cilm

die in Bo«e

ist auch den Fuldaern, der Ferne wohnen, als aus der fleimat ein lieber Freund. Sie ist

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Für die Beurteilung des kathol. religiösen Lebens in Frankreich darf man nicht den Maßstab des deutschen Katholizismus anlegen. Der franz. Katholizismus hat nne ganz andere soziologische und historische Stellung. Das weiter auszuführen hier kein Platz.) Zu einer Zer- itörung der Einheit von nationaler und kath. Tradition vie bei uns durch die Reformation ist es in Frankreich richt gekommen. Wenn auch im Jahre 1789 in der Re­solution ein Bruch kam, so war es aber zu spät. Der Katholizismus bleibt auch nach 1789 öffentliche Religion, freilich werden seine Dogmen vielleicht mit ganz andrem Pathos und Intensität bekämpft von Irreligiösen. Athei- ten und Aufklärern, aber der Katholizismus bleibt tra- litionelle Religion des Landes, eine gegebene öffentliche 8röße. Man kämpfte gegen die Kirche als privilegierte soziale Institution, das Gut des Klerus, gegen Sonder- tellunq der Kongregatgionen, gegen Klerikalismus, um ihn rls politische, selbständige Macht zu erledigen. Der Ka- iholtzismus blieb noch Gesellschaftsmacht.

Durch die antiklerikale Gesetzgebung aber wurde die Kirche ihrer ganzen politischen Macht beraubt. Bluhen- >es katholisches Leben finden wir in Folge fast nur bei )en besitzenden vermögenden Klassen, bei alten Roya­listen usw. Da ist große Frömmigkeit, große Opfer für iußere Missionstätigkeit werden gebracht, aber die große Masse des Volkes hat durch Schuld und Wirksamkeit der Laienschule die lebendige Verbindung mit der Kirche ver­loren. Durch die Laienschule sind die breiten Schichten |u einer erstaunlichen Unkenntnis über alles Katholische gekommen, der aufklärerische Liberalismus hat zersetzend gewirkt. So gilt es wohl noch als Anstandspflicht bei sielen, sich kirchlich trauen, beerdigen zu lassen, feierliche Kommunionen der Kinder zu feiern, aber lebendiges kath. Leben, Sakramentenempfang, sonntäglichen Kirchenbesuch lennen viele nicht. Der französische Katholizismus ist nit Recht manchmal ein Heer von Offizieren ohne Sol­lten bezeichnet worden. So ist die Kirche trotz äußerer «folsreicher Missionstätiakeit nicht erfolgreich gewesen bei

Goldene Hochzeit.

Samstag feiert Lehrer t. R. Johann Bernhard Wack und seine Ehefrau Christine, geb. Lünkel, Heinrichstraße 61, bei guter Gesundheit und gei­stiger Frische das.Fest der Goldenen Hochzeit. Beide Gatten stehen im 73. Le

Kein Tag vergeht, ohne daß der Oeffentlrchkeit nicht eine große Zahl von Verkehrsunfallen ge­meldet werden. Auto-Zusammenstoß, eine Stra­ßenbahn fährt auf einen Autobus, Radfahrer sto­ßen zusammen. Wir haben nun an Hand von ein­zelnen Unfällen versucht, die Ursachen festzustellen und zu ergründen, ob derartige Verkehrskatastro- vhen nicht vermieden werden können.

In der Hauptsache ereignen sich Zusammen­stöße an Straßenkreuzungen. Richt nur in Groß­städten, auch in Mittel- und Kleinstädten. Dabet ist das Hauptübel wohl darin zu suchen, daß mel- sack die Haltestellen der Straßenbahn oder der Autobusse zu nahe an den Kreuzungen liegen. Die- fern Hebel wäre ja leicht abzuhelfen, wenn man die Haltestellen immer in eine entsprechende Ent- ______fnMiort Kr-Iiriinaen leate. Dann wird

es sich sicherlich vermeiden lassen, daß einmal Zu­sammenstöße zwischen Fahrzeugen erfolgen, oder daß Menschenleben dadurch gefährdet werden, daß beim Passieren vielfach unübersichtlicher Kreuzungs- punkte von gerade ansahrenden ober kurz halten­den Verkehrsmitteln die Fußgänger ange'ahren werden. Wenn aber eine große Sichtmoglichkeit

Aus blutdmchlriinktem Boden.

5ine Aulobusfohrt nach Verdun und ln die Champagne.

Von K. Abel, Kaplan.

Fwtoasr Actiendruckmi

Fwl<Sa«

Reims möglichst an der französischen Front entlang zu nehmen. Von Verwüstungen des Krieges sehen wir an der Straße Verdun—St. Menehould nichts mehr. Die Gegend ist menschenarm, der Boden wenig ergiebig, die kleinen Siedlungen machen einen schmutzigen und ärm- lichen Eindruck.

Heber St. Menehould, dem wichtigen Etappenort der franz. Argonnenfront kommen wir in die Cham­pagne. Die Dörfer sind wieder aufgebaut, die Feldfluren wieder in Benutzung genommen, nur das eigentliche Kampfgebiet ist unberührt geblieben. Der furchtbare Granatrege nder Champagneschlachten hat den Kreide­boden so aufgewühlt, daß die dünne Humusschicht völlig verschwunden ist, und an einen Anbau des an sich schon ' unfruchtbaren Landes gar nicht zu denken ist. Weithin leuchten mit dem weißen Trichterfeld die bekannten Champagneberge des Cornillet, Hochberg, Keilberg und der Pohlberg.

Die Orte Somme, Suippes, Ionchery et St.-Hilaire le Grand sind vollständig neu aufgebaut. Die neuen Höfe haben, im Gegensatz zu früher, die sehr praktische Form fränkischer Hoftaiten erhalten. Um den weiten rechteckigen Hof lagern sich die Gebäude, nach der Straße zu das massive geräumige Wohnhaus, daneben die Ein­fahrt, an der einen Längsseite die Nebengebäude, an der anderen die Stallungen, und an der Rückseite ab­schließend die 2 oder Ztorige Scheuer. Bei der spärlichen Besiedlung des flachen Landes ist hie wie auch sonst reich­lich Land den Bauern zugemessen, 200—300 Mögen, also größere Bauernhöfe.

Ganz besonders freundlich wurde wir in Suippes in einer kleinen Speisewirtschaft ausgenommen und bewir- tet. Die guten Leute boten, was sie nur hatten. Der Schwiegersohn des Besitzers, der lange Jahre bet der Besatzungsarmee gedient und später in Mainz und Wies- baden als Werkstättenleiter gearbeitet, wie auch seine junge Frau waren des Lobes voll über das Rheinland und seine Bewohner. Auch ehemalige Kriegsgefangene beteiligten sich am Gespräch. Sie verstanden es wohl, daß es hohe Zeit sei, daß franz. Truppen das Rheinland räumten. Aber mehrmals betonte der junge Mann, daß gar mancher Franzose in seiner Dienstzeit am Rhein, in seiner Gesinnung ein ganz anderer geworden sei, daß viele Soldaten dort zu Friedenssteunden geworden feien.

Wenige Kilometer vor St. Hilaire gelangten wir auf die schnurgerade alte Römerstraße. Dort, wo das Feld

Wenn er aber dann offensichtlich versuchte, das Chri- stentum und den Sozialismus auf die gleiche Ebene zu stellen — ohne es freilich offen auszufpre- chen — und meinte, die erste Epoche werde im Christen- tum durch die Gestalt Jesus, im Sozialismus durch Marx, die zweite Epoche durch Paulus auf der einen Bebel und Liebknecht auf der anderen Seite, charakteri­siert, während im Christentum die dritte Epoche begon­nen hätte als die christliche Sekte nach Rom vorstieß und der Sozialismus jetzt an die Phase der Erfüllung grenze, so müssen wir diesen Ausführungen doch entgegenhalten, daß der Vergleich zwischen Christentum und Sozialismus nicht zu weit gehen darf. Zwischen beiden „Bewegun­gen" besteht immer noch der nicht ganz unbedeutende Unterschied, daß die von Christus gestiftete Kirche nicht für eine begrenzte Zeit bestimmt ist, sondern ihre göttliche Mission in allen Entwicklungsstadien der menschlichen Gesellschaft zu erfüllen hat. Der S o z i a- I i s m us dagegen ist doch nur die Reaktionsbe­wegung auf bestimmte wirtschaftliche Erscheinungen der modernen Zeit, er ist bloß der Gegenspieler des aus unchristlicken Kräften entstandenen Kavitalismus, der dem schaffenden Volke die Menschenwürde geraubt hat. Eine Fortentwicklung kann nur dadurch Herberge- ührt werden, daß beide einander entgegengesetzten, aber aus derselben Quelle entsprungenen Strömungen ihren Ausgleich finden im christlichen Solidarismus. Nicht der Klaffenkampfgedanke kann die Menschen, endgültig weiter führen, sondern die ch r i st l i ch e Liebe, die versucht, die Unterschiede auszugleichen und/ in jeher Zeit eine gerechte Lebensordnung zu schassen. Nur ihr Ausgangspunkt und nur ihr Ziel ist auch jenseits des Irdischen und von der Ewigkeit umweht.

Wie stark sich die Sozialdemokratie unter dem Druck der fetzt auf ihr lastenden Verant­wortung gewandelt hat, ging aus der feinen Unter­scheidung hervor, die Prof. Dr. Nölting zwischen „Gesinnungsethik" und Verantwortungs­ethik machte. In dem Stadium, in dem sich die So­zialdemokratie jetzt befindet, kann sie nicht mehr ohne Rücksicht auf die konkreten Verhältnisse Forderungen stellen, sondern sie muß ihre Versprechungen einlösen. Der Kommunismus und der Nationalsozilismus dage­gen haben noch ein jüngeres Alter. Der Nationalsozialis­mus hat es leicht, sehr leicht. Ob die Propaganda die er treibt, oder die Art wie er sie treibt, aber als „G e - sinnungsethik" betrachtet werden kann, ist eine Frage. (Auch die Sozialdemokratie hat freilich früher eti* Propaganda getrieben, die schon mehr „Hetze" war, und manche ihrer Richtungen tuen es heute noch.)

Nach diesen einleitenden Worten folgte eine erwäh­nenswerte Abrechnung mit den Nationalsozialisten. Nicht alle Bewegungen erreichten auch das dritte Sta­dium, das der E r f ü l l u n g. Der Nationalsozialismus kann sein Ziel nie erreichen, da ihm keine o r i g i n e I le einheitliche, große Idee zu Grunde liegt. Andere Bewegungen, z. B. der bürgerlichen Wanderbewegung (Wandervogel) und der bürgerliche Liberalismus feien auch vorzeitig zusammengebrochen. Eine weitere Schwäche der Nationalsozialisten ist außer ihrem farb­losen Programm voller Plattheiten, SelbstverstaiMich- keiten und Verschwommenheiten die Tatsache, dan der

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Verkehrsunfülle und ihre Verhütung.

Klagen aus großstädtischen Verhältnissen, die aber auch sonst beachtenswert find.

gelitten, befonbes das nach Osten gelegene Chor und das Hauptschiff. Das Gewölbe des Hauptschiffes ist durch viele Granaten eingeschlagen. Die Türme und die Glockenstühle mit den 13 Glocken sind weniger mitge­nommen und schon längst wieder ausgebessert. Durch den Einschlag eines schweren Geschosses wurde ein unbe­kanntes, vollständig in der Mauer verstecktes Portal aus dem 12. Jahrhundert wieder freigelegt, und durch einen Haubitzeinschlag ein unterirdischer Gang entdeckt. Den Altar des Hauptchores krönt ein prachtvolles Ciborium. Cs besteht aus vier schraubenartig gewundenen Säulen, die einen aus Holz geschnitzten vergoldeten Altarhimmel tragen. Das Gotteshaus, ebenso das anliegende Prie- fterfeminar und Bischofspalais haben durch die Beschie­ßung lange nicht soviel gelitten wie die ganze Umgebung und der anliegende Stadtteil.

Das Priesterseminar, direkt an den Dom an gelehnt, war vor dem Krieg in ein Mädchengymnasium ver- wandelt worden; es ist jetzt seiner alten Bestimmung wieder gurütfgegeben. Besonders sehenswert war noch der große Klostergang (Cloitre) mit feinen kunstvollen Kapitellen und reichem Maßwerk und den 18 — jedes in anderem Stil — ausgemeißelten Fenstern. Der Schöpfer dieses Werkes, von Kunstfachleuten hochgeschätz­ten Konstruktionen und Maßwerkes, ist Pater Peerat (1400 gest.), dessen Epitaph in dek Kathedrale von Metz die ehrende Schrift trägt: „mastre de l'ouvrage de la citeit de Mes . . et de la grant eglife de Toul et de Verdun." (Baumeister der Stadt Metz . . und der großen Kirchen von Toul und Verdun.)

Die Stadt wird künftig durch die neuen schmucken Häuser und breiten schönen Straßen weit andere franzö­sische Städte in dieser Gröhe überragen. Die geschleiften mittelalterlichen wertlosen Festungsmauern haben zum Bau ihre schönen Quadersteine hergeben müssen. An vielen Stellen gleicht die Festungsmauer großen Stein­brüchen.

Wie überall in den Kampfgebieten sind wir auch hier in Verdun zuvorkommend und höflich behandelt wor­den. Ja gerade hier in Verdun legen die Einwohner ihre Zurückhaltung ab, die sie Fremden, auch Engländern und Franzosen gegenüber beobachten, wenn sie die Gäste als Deutsche erkannt haben.

Unser nächstes Ziel ist Reims. Die Weiterfahrt er­folgt durch die Argonnen. Wir suchen den Weg bis nach

ungläubigen Massen, die dem Sozialismus und Kommu­nismus zum Opfer gefallen (Banlieu-Missionen). Auch im Klerus herrscht mancherorts die verhängnisvolle Vor- ftellung: Frankreich ist ja ganz katholisch, weil alle Fran­zosen nominell zur Kirche sich bekennen. Und so findet man sich mit mit vielem traditionell Gewordenem ab.

Diesem Versagen im politischen und sozialen Leben steht ein bewunderswertes, nicht in diesem Maße bei uns Vorhandenes geistiges-theologisches Interesse gegenüber. Eine erstaunliche Literatur über theologische und asze- tische Fragen finden wir; mystische Werke werden viel gelesen. Wir haben nur den einen Wunsch, daß in die­sem Frankreich, wo wir im Ausbaugebiet so viele herrliche Kirchen neu erstanden sehen, auch die Anstrengungen, den übergroßen Priestermangel zu beheben, von Erfolg ge­krönt fein mögen. Ja, daß Gott bald wieder ein reges, blühendes katholisches Leben erstehen lasse!

"Nun zurück zur Fahrt! Einen Lieblingswunsch sollte ich nicht erfüllen können. Im Dffnalre von Douaumont wollte ich für die Gefallenen des Weltkrieges, besonders auch für die vielen Deutschen, die in diesem Totenhaus ihre letzte Ruhe gefunden, eine hl. Messe kessen. Abbe Noel hatte freudig zugestimmt. Aber des Morgens be­stand keine Möglichkeit wieder hinauf zu kommen zum Beinhaus. So nahm ich denn meinen Weg zur altehr­würdigen Kathedrale Notre Dame von Verdun, um hier im schwerheimgesuchten, eben von Gerüsten strotzend und Hammerschlägen widerhallenden Gotteshaus, meine In­tention auszuführen. Zahlreicye, meist hochbetagte Geist­liche und Domherren waren zugegen. Freundlich wurde ich ausgenommen, doch kaum einer sprach deutsch. Geist­liche in mittleren Jahren fehlten, jüngere waren wieder vertreten. Viele fromme Beter, schwarz gekleidet meist, aus besseren Ständen anscheinend, knieten in den im We­sten und Süden gebräuchlichen Klappstühlen an den ver­schiedenen Altären.

Die Geschichte dieser altehrwürdigen Kathedrale, die mitten in der Stadt gelegen alle anderen Gebäude weit überragt, mußte uns interessieren. In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde schon der Grundstein gelegt, (apres le passage des Huns, nach dem Hunnen- einfaO) von Bischof Pulchrone (gest. 470). Das Schick­sal der Stadt hat natürlich das Gotteshaus teilen müssen; fünfmal wurde es mehr ober weniger zerstört und des Domsckatzes beraubt. Im Weltkrieg hat es auch schwer

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finetommcnsltufcn in Deutschland.

Gliederung nach emlrnnmenSgmppen Der- Einblick in die soziale Schichtung, mag unb Lebensverhältnisse unseres 64

in ,Errve^v kes vermitteln. Weit klarer, em- \°Xr ate lange Abhandlungen sprechen die ^L^der Einkommensteuerstatistik. Kein Kapitel ?^n Wohlstandes ist es freilich, von dem sie deutMn 2hei ein Kapitel deutscher Armut. b"^Ä,st die Lohn- und Eehaltsempfan- 3UnhhiW Steuerabzug vom Arbeitslohn un- ger, d-e 2325 Millionen Menschen hatten •eII^9ahre 1926 in dieser Gruppe 10,39 Millro- im inrrlei steuerpflichtiges Ein- nen kerNd 1 höchstens 1200 RM. jährlich Ein- k°^7n Weitere 0,36 Millionen waren wegen kommen. hem steuerfteien Existenzminimum - ® LilÄ vorgesehenen Familienermäßigungen eben» S WteuiM Jeder von diesen 360 000 «Irinnen hatte durchschnittlich nur 1877 RM. Äick zu verzehren. Es verbleiben also 12,49 Gonen mit einem Gesamteinkommen tion 25,06 Serben RM., die den Lohnabzug gezahlt haben. Durchschnittseinkommen dieser Steuerbelaste- belief Ah auf je 2006 RM. Aus dieser bret= A Schicht heben sich (in ganz Deutschland) nur itwOOO Gehaltsempfänger heraus, die em -Jahreseinkommen von über 8000 RM. beziehen und daher neben dem Lohnabzug noch der Einkommen­steuerveranlagung unterliegen.

Als zweite große Gruppe kommen dte Er­werbstätigen in Frage, die ihre Steuer auf (Stunt) von Veranlagung zu zahlen haben, ezüt das Jahr 1926 wurden 3,76 Millionen Steuer- vflicktige mit 12,6 Milliarden RM. Einkommen veranlagt. Die Einkünfte stammen zu 1,94 Milliar­den aus Land- und Forstwirtschaft, zu 7,67 Milliar­den aus Gewerbebettieben, zu 0,98 Milliarden aus Kger selbständiger Berufsarbeit, zu 1,85 Milliar- rus Gehältern der Festbesoldeten, die mehr als 8000 RM. im Jahre beziehen; der Rest verteilt sich auf die Einkünfte aus Kapitalvermögen, Ver­mietung und Verpachtung usw. Und die Einkom­menstufen? Auch hier das gleiche Bild wie vor­her: die breite Schicht der Einkommensteuerpflichtt'- qen muß sich mit geringem Verdienst begnügen. 45 61 Prz. der Veranlagten entfallen auf die Ein- kommen'tnfe bis 1500 RM., 29,18 Prz. beziehen 1500 bis 3000 RM. jährlich. Insgesamt haben nicht weniger als 91,81 Prz. der veranlagten Steuer­pflichtigen ein Einkommen von unter 8000 RM. Nur 7,84 Prz. fallen in die mittlere Einkommen­stufe von 8000 bis 50 000 RM. und 0,35 der Einkommensbezieher erfreuen sich eines Einkom­mens von über 50 000 RM. jährlich.

Das Zahlenbild ist zwar nicht ganz vollständig, immerhin werden jedoch die Einkommensverhält­nisse von rund 27 Millionen Erwerbstätigen aus­gewiesen. Mit aller Deutlichkeit zeigt sich, daß der überwiegende Teil der Erwerbstätigen seinen und seiner Familien Lebensunterhalt aus spärlichem Verdienst bestreiten muß. Die Ziffern berichten von einem Volk der Arbeit, nicht von einem wohlhabenden Lande mit breiter Rentnerschicht und reichen Einkünften aus Kapitalbesitz.

1918 trat der Jubilar in Friedlos bei Hersfeld, wo er 25 Jahre tätig war, in den Ruhestand ein und siedelte dann nach Fulda über. U. ° mutte er rüher auch zehn Jahre in Schenklengsfeld (Rhon). Veränderungen bei der Eifenbahnvenvalkung.

Der Vorstand des hiesigen Reichsbahn-Ver­kehrsamtes, Reichsbahnrat Gramm, ist nut so­fortiger Wirkung als Verkehrsdezern^it zur Reichsbahndirektion Trier versetzt. Die Beamten im Verkehrsamtsbezirk Fulda bedauern unend­lich den Weggang des stets gerecht denkenden Vor- gesetzten und wünschen dem Scheidenden für seine weitere Laufbahn alles Gute. Als Nachfolger ist dem Vernehmen nach Reichsbahnrat Kalischeck von Frankfurt a. d. O. in Aussicht genommen.

Aus dem Gerichksfaal.

Die 19jährige K. B. von hier war zirka 4 Jahre lang bei einer bejahrten hiesigen Witwe Monatsmädchen gewesen. Am 17. Mai d. Js. er­brach die B. in Abwesenheit der Dame mit Gewalt die Tür zu einem verschlossenen Zimmer und ent­wendete einen 10-Markschein. Die Diebin war rm gestrigen Termin geständig und Mgte Reue. Das Urteil lautete wegen schweren Diebstahls ach a Monate Gefängnis. Bei Zahlung von 30 Mark Buße soll Strafaussetzung erfolgen — Der Mahr. K. M. in Schlotzau hatte im Herbst und Winter 1928 in seiner früheren hiesigen Stellung als Metzgergeselle seiner Arbeitgeberin Fleisch gestoh­len, anderwärts verkauft und den betrag dafür eingesteckt. Außerdem hatte M. Betrage für Fleisch- und Wurstlieferungen von Kunden emge- logen, ohne sie abzuliefern. Da der ^Augeklagtt noch unbestraft ist, verurteilte ihn das Gericht statt zu einer verwirkten Gefängnisstrafe von 10 Tagen zu 30 Mark Geldstrafe. Die als Zeugin geladene und nicht erschienene Ehefrau W. von hier wurd. in eine Ordnungsstrafe von 5 Mark genommen. Weil eine Radfahrerin verbotswidrig an der Blu­menmauer entlang gefahren war, wurde sie zu ei­ner Geldstrafe und zu den Kosten des Termins ver- ixrteilt — Verschiedene Strafsachen mußten ve^ tagt werden. — Eine Privatklage er-'? durch Vergleich.

Eine politische Versammlung.

Pros. Dr. Erik Vötting setzt sich vom sozialdemokratischen Standpunkt aus mit dem Nationalsozialismus aus­einander.

Bevor wir auf die gestrige Rede von Prof. Dr. Nölting (Mitgl. des Landtages) tm Stabtfaal etn- qeben, möchten wir noch eine Berichtigung zu unseren Bemerkungen über die am Mittwoch un gleickM Saal tagende Nationalsozialistische Versammlung bringen. Wir hatten die Besucherzahl mit 400 angegeben, werden aber sitzt aus Leserkreisen daraus aufmerksam gemacht, daß wir uns gehörig verschätzt haben. Es seien nämlich nur 300 Personen bagemefen.

Wenn man bie in letzter Zeit ist Fulda abgehaltenen politischen Versammlungen regelmäßig besucht hat war man über bie gestrige Rede bes sozialdemokratischen Ab­geordneten angenehm enttäuscht. Sie staub bet aller Schärfe ber Kritik auf einem geistigen Niveau, das man bei den letzten „politischen" Versammlungen m Fulda vermissen mußte. Die Vornehmheit tu der Form, das Bemühen um strenge Sachlichkeit schuf eine Atmosphäre, in der sich jeder anständige Mensch gern bewegt. Wir erkennen das trotz grundsätzlicher Ablehumtg des mar= xistischen Sozialismus, für den der Redner sprach, gerne an.

Prof. Dr. Nölting ging davon aus, daß bet ,e° der Bewegung drei Epochen festzustellen seien. Dte erste Epoche sei die Zeit der Vorbereitung, ber stil­len geistigen Arbeit unb bie Lehre. Die z w e i t e Epoche sei bie Phase ber Verbreitung, ber Agi- tation. Als brüte folgt bann bei lebenskräftigen Bewegungen bie Epoche ber Verwirklichung.

Partei der feste soziologische Stamm kern fehlt. In der Partei wird alles zusammengesaht, was sich in Deutschland irgendwie getreten fühlt. Eshan beit sich um völlig w tb e r f p t*ed>e nb e Ele- mente, die nur einig sind tm Hatz.

Drei Schiften lasien fick' unter den Natlonalio- r e n bie kämpfen wollen, ganz gleichgültig gegen wen.

Di- ,weite Gruppe sind junge Leute mit Güolgschastsinstinkt. Der Redner machte hier

Jugend" war bie Inflation. Sie lebt tu einer fletfttgen Anspruchslosigkeit. Sie will nicht das g r u b l e r ische, sondern das magische Wort. Sie :hat iBrtjnjt« DDn irgend einer Seite kommandiert zu weben.

Die brüte Schicht ber Nationalsozialisten sind Teile bes zerriebenen Mittelstandes unb ber Arbeite» schäft bie mit Bitterkeit gegen die Zeit erfüllt sind. Weite Kreise bes Mittelstandes, bes Kleinbürgertums sind innerlich und äußerlich verarmt. Auch der Arbei­ter lebt in einer großen Enttäuschung. Er hat nicht ver- gessen was früher ber Sozialismus versprochen Hatz als er nur Endzielpolitik" treiben konnte Heute trüg? die Sozialdemokratie mit an der Verantwortung. Sie hat manches noch nicht erreicht, aber auch kein Na­tionalsozialist kann einen Weg zeigen, ber das deutsche Volk schnell aus feiner schwierigen Sage fuhrt.

Die dritte Schicht befindet sich auf der Wander, schäft. Sie hat nach ber Revolution bie Mehrheltsso. -ialisten, später bie Deutschnationalen unb bte Wirt- (diaftspartei gewählt unb wirb vorläufig noch einmal non Hitler aufgefangen. Aber auch Hitler ist keine Endstation. $ Prof. Dr. Nolting ging bann auf bte Agüa11ons- metboben ber Nationalsozialisten em. Sie begehen ein Verbrechen an ber Arbeiterschaft, baß sie ben Hatz gegen ben Kapitalismus, ber allgemein gehaßt wirb, gegen einen Flügel, bas 1 u b l f ch e Vankkapital, ablenke. Heute sind bie verschiedensten Arten des Kapi- taüsmus, besonderes durch die Konzernbildung, der bie Massen unter die Herrschaft ne u e r W i r t- schaftsdynastien bringe, aufs engste verschmolzen Die Industriellen wissen, warum sie den Natlonalfozla- lismus unterstützen; die Aufmerksamkeit wird abgelentt

Auf weitere Einzelheiten wollen wir nicht ein- gehen. Nur eine witzige Bemerkung zu den gut besuchten Versammlungen der Nationalsozialisten sei noch verzeich- net: „Die Clowns haben auf allen Jahr-Markten de» größten Zulauf, auch auf dem politischen".

Ein Nationalsozialist gab durch eine Aufzählung ber Parteien, benen er schon angehört habe, unfreiroillig eine Bestätigung für bie Behauptung bes Reimers, baß sich viele Mitglieber dieser Partei auf ber Wanderung befinden.

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