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Fuldaer Zeitung
Gottesdienst-Ordnung
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 11. August. Fulda. 8 und 97, Uhr Kreispfarrer Weber. 11 Uhr Kindergottesdienst. 8 Uhr abends Jungmänneroerein im Gemeindehaus. 8 abends Iungmädchenverein im Schwesternhaus. — Schlaft Bieberstein. 97< Uhr Pfarrer Hattendorfs. — Bad Salzschlirf. 10 Uhr Kirchenrat D. Merzyn-Kassel. Donnerstag nachm. 57« Besprechung lebenskundlicher Fragen (Bibelstunde) in der Kirche. — Grostenlüder. 17« Uhr nachm. Pfarrer Hattendorff. Amtswoche Kreispfarrer Weber.
Mittwoch, 14. August. Fulda. Um 8 Uhr abends Bibelstunde im Schwesternhaus.
Donnerstag, 15. August. Fulda. 8 Uhr abends Mütterverein im Schwesternhaus.
Evangelische landeskirchliche Gemeinschaft, Fulda Butklarstratze 17.
Sonntag, 11. August. Abends 8 Evangelisationsversammlung. Prediger Werre. Dienstag abend 87« Uhr Bibel- und Gebetstunde.
Singmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. 7,9 Uhr, nach Ankunft der Pestwallfahrt aus der Stadtpfarrei, Predigt und Levitenamt mit Aussetzung. (Die Biiftke in der Kirche bleiben für die Teilnehmer der Prozession reserviert, die Prozession wird vom Konvent abgeholt und zurückbegleitet). 10 letzte hl. Messe. 2 Uhr Kreuzwegandacht mit Predigt auf dem Kalvarienberg. 3 Novizenunterricht.
Iteuenberg. 7,g Amt und Predigt. — Lehnerz. 8 Uhr Amt und Predigt. — Diekershan. 7,10 Uhr Amt und Predigt.
Montag, 12. August. Frauenberg. Fest der hl. Klara von Assisi, Jungfrau vom 2. Orden. Ablaßtag und Generalabsolution für die Terziaren. 8 Levitenamt mit sakram. Segen. 7,5 feiert Besper mit sakram. Segen. Nach dem Amte und der Vesper Verehrung der Reliquie der hl. Klara.
Mittwoch, 14. August. Frauenberg. Nachm, 7,5 feiert Vesper mit sakram. Segen.
Israelitischer Gottesdienst.
Samstag, den 10. August. Vorabends 7.20, Verfassungsfeier morgens 7.30, nachm. 5.00, Sabbatausgang 8.45 Uhr.
Wochentags morgens 6.20, nachm. 7.
Mittwoch, 14. August, nachm. 6, abends 8.30.
Donnerstag, 15. August, morgens 6.15, nachm. 7.30, Nacht 8.29 Uhr,
3. Blau.
Druck der Fuldaer Acliendruckerei, Fulda.
Technik und verkehr.
— Starker Rückgang der wagenstellung der Reichsbahn. In der Woche vom 21.—27. Juli ist gegen die Vorwoche ein starker Rückgang in der Wagenstellung der Reichsbahn von 943 382 auf 925 922 zu verzeichnen.
katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 11. August. Fulda. Dom. 1. Beicht- gelegenheiten sind: Samstag morgens von 7,6 Uhr ab, nachm. von 2—3 für Kinder, von 7,5—7 Uhr und von 7-8 Uhr ab für Erwachsene, Sonntag morgens von 7-6 Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: 7-6, 6, 7-7 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Komm. 7 hl. Messe und Komm, des Jugend und Jungmännerver. in der Marienkapelle. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt und Komm, des 6. und 7. Schuljahres. 7-10 Kathedralamt mit Predigt. 7«11 Christen!, der Jünglinge. 7 «12 letzte hl. Messe mit Predigt. 7'2 sakram. Andacht mit Segen. 2 Christen!, der Jungst. 4 Predigt, Andacht und Segen. Um 7 Uhr abends Herz-Mariä-Bruderschaft mit Segen. 3. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von 7-6—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mit Kommun. - Austlg. 7.8 Uhr Pfarrgottesdienst mit hl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte hl. Messe mit Austeilung der heiligen Kommunion. Montag abend 7-8 Segensandacht zu Ehren der Gottesm. — Stadtpfarrkirche. Beichtgelegenheit: Samstag nachm. 3—7,77-—87-, Sonntag früh 6—7. Sonntagsgottesdienste: 6 hl. Messe, 67« hl. Messe und Komm, des Jugendver. und der Jugendabtlg. des KKV. 8 feierliche Pest wallfahrt mit dem Allerhlgst. nach dem Frauenberg, dortselbst Pred. und Hochamt. 87» hl. Messe. 11 zweiter Schulgottesdienst, Predigt. 17. Uhr nachm. Christenlehre der Jungfrauen. 27i Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. Die hl. Kommunion wird von 6—77, Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 87, Uhr vormittags. Werktagsgottesdienste: Um 6, 67-, 77« und um 8 Uhr. Mittwoch, Freitag und Samstag früh 6 Beichtgelegenheit. Freitag nachmittags ist um 8 Uhr Segens-Andacht. — Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Uhr Frühmesse mit Ansprache. 8 Hochamt und Predigt, Komm, der Jünglinge und des 7. Schuljahres. Um 7«11 Kindergottesdienst und Ansprache. 7-12 Christenlehre der Jungst. 8 Andacht. — Sobalitäf. Vormittags um 7-10 Uhr Gottesdienst. — St. Sturmius-Pfarrkirche. 77« Komm. - Austlg. 77- Frühmesse mit Predigt. 9*/, Uhr Hochamt mit Predigt. Darauf Christenlehre. Um 7-2 Uhr Segensandacht. — Abkeikirche der Benediktinerinnen. Sonntag 7«6 Konventamt, um 3 Uhr nachm. Vesper. An Wochentagen /«6 Uhr hl. Messe, 7,g Konventamt, 3 Uhr Vesper. — Herz-Fefu-tzelm. Sonntags um 6 Uhr hl. Messe. 8 Uhr Predigt und Amt. 2 Uhr Andacht und Segen. Werttags 6 hl. Messe. Mittwoch abend 87« Andacht und Segen. — Friedhofskapelle am Franzosenwäldchen. Sonntag 67« hl. Messe mit Ansprache und Kommunion-Austeilung. Werktags um 7 hl. Messe mit Kommunion-Austeilung. — Severiklrche. 7 hl. Messe, 8 Oberrealschulgottesdienst. — Frauenberg. Hl. Messen von 5—7 Uhr. Um 7,8 Uhr
cher der Staat als das „Mädchen für alles" von allzu vielen Mitbürgern angesehen und in Anspruch genommen werden will.
Wir wollen den freien Bürger ttn freien Staat! Wir brauchen Menschen, die, erfüllt von echter Religiösität, mit hingebender Liebe und Treue der Familie, der Nachbarschaft, dem Berufsstande, der Gemeinde, dem Staate dienen, die Bausteine für den Neubau unseres Volkskörpers liefern und die, getragen von innerer Verantwortung, an der Beseitigung der Not unserer Brüder und Schwestern mitarbeiten. Die Behebung der Wohnungsnot beseitigt sittliche Notstände, soziales Verständnis überbrückt Klassengegensätze. Religiöse Duldung führt zur Zufammenarbett der aufbauenden und religiös-sittlichen Volkskräfte.
Der Verfassungstag bleibe daher frei von leidenschaftlichen Parteierörterungen! er biene dem Vaterland. Und wenn auch dem neuen Reiche der äußere Glanz fehlt, es wird eine Zukunft haben, wenn es geistig und sittlich, menschlich und fami- lienhaft, innerlich groß und rein und stark ist.
O Deutschland, hoch in Ehren, Du heilig Land der Treu!
Dir gilt am Verfassungstag unser stilles Gebet und Gedenken!
ttommunalpolitisches.
— Slädleiag und Inlandsanleihen. In einem Rundschreiben behandelt der deutsche Städtetag den Versuch der Zentralisierung der Anleihepläne. Wahrend bekanntlich vor kurzem der Präsident der Sparkassen und des Girooerbandes die Einsetzung eines Kontrollausschusses wünschte, will der Städtetag nur die Mitwirkung
Grundlagen gelegt, um das durch Glaubensspal- tung und soziale Klüfte, durch Krieg und Revo- lution noch mehr zerrissene deutsche Volk wieder zusammenzusühren.
Wir sind Deutsche! Für unser deutsches Vaterland haben unsere Soldaten geblutet, sind sie gefallen! Diesem Vaterland will und muß auch die Verfassung dienen. Das Wort „Verfassung" ist und bleibt ein toter Begriff, wenn wir ihm nicht zum Leben verhelfen, indem wir ehrlich und red- lich daran arbeiten, daß alle Deutschen wieder ein Heimatland, ein Vaterland haben. „Wo Dir Gottes Sonne zuerst schien, da ist Deine Heimat, da ist Dein Vaterland!" In diesem Vaterland aber soll Ordnung herrschen, sollen die Bürgerrechte geschützt sein, die Bürgertugenden gedeihen und die Lebens- und Schaffensmöglichkeiten eines fleißigen Volkes sich wieder entwickeln und entfalten können. Deshalb müssen wir uns zur Verfassung bekennen und fteudig, bewußt und gewollt, in berent Sinne und Geist, an den Aufgaben des Vaterlandes Mitarbeiten.
Das Deuffchland von 1871 und 1914 gehörte der monarchistischen Staatsform an, das Deuffchland der Nachkriegszeit wurde republikanisch. „Ich habe zwei Söhne für dieses Vaterland verloren," sagte Ebert. Das deutsche Volk hat 1800000 Söhne für fein Vaterland geopfert. Der Staat ist eben derselbe geblleben, nur die verfassungsmäßigen Grundlagen haben sich geändert. Die Volksrechte wurden durch die Verfchsung erwettert, der Gemeinwille hat andere, neue Träger erhalten. Wir wollen das Vergangene respektieren, aber auch dem neuen republikanischen Staat unsere Achtung und Liebe entgegenbringen, damit wir zu einer wahren Volksgemeinschaft kommen.
Noch sind wir kein freies Land! Geblieben sind uns aber unsere stillen Wälder und schönen Täler, geblieben sind die roten Heiden, die prächtigen Flüsse und Ströme mtt ihren Wahrzeichen der Vergangenheit; geblieben sind unsere Kirchen und Dome, die von jahrhundertealter deutscher Kultur und christlichen Glauben Zeugnis geben.
Geblieben ist der deuffche Bauer, der ttotz aller Ungunst der Zeit dem deuffchen Boden das Höchstmaß seiner Leistungsfähigkeit abzuringen sich bemüht. Geblieben ist der deuffche Denker und Techniker, der erneut die Welt mit seinen Erfolgen in Erstaunen setzt. Geblieben ist der deutsche Arbeiter, ohne den die deuffche Wirtschaft keine Weltgeltung erhalten kann und wird. Geblieben ist das deutsche Handwerk, das trotz aller Rationalisierung einer gehobenen Geschmacks- und Kunstrichtung zum Durchbruch verhilft. Ja, noch lebt deuffche Geschichte und deuffche Sitte, deuffche Kunst und Dichtung, deutsche Art und deutscher Brauch. Es gibt wieder deuffche Kraft und Größe, deutsche Erfolge und Fortschritte!
Sehen wir doch auch das Gute und vergessen wir nicht das Herbe, das hinter uns liegt. Erweisen wir uns stets als Glieder eines großen Volkes, das sich trotz des verlorenen Krieges eine neue und bessere Zukunft ju zimmern hat!
Wir sind gesinnungsmäßig noch kein einhett- liches Volk. Noch fehlt vielen unter uns die echte und rechte Staatsgesinnung, der gesunde Volksund schicksalverbundene Gemeinschaftsgeist. Wir müssen efft noch „Voll" werden; Volk, das im letzten deuffchen Arbeitsmanne seinen Bruder sieht.
Dieses „Volkwerden" kann nicht durch Parlamentsbeschlüsse, durch behördliche Beinflussungen und durch parteimäßige Bindungen vorangebracht werden. Hier hat jeder Deutsche selbst seine Aufgabe zu erfüllen. Not tut der Geist des Sichver- stehens, der Geist des Dienens und Helfens, der Geist der Solidarität und Gemeinschaft; der gesunde deutsche Familiengeist. Heben und stützen wir die Familie, und wir haben ein gesundes, wetterhartes Volkstum, das allen Stürmen der Zeit sich gewachsen zeigen und auch dem Staate geben wird, was des Staates ist. Dann wird der Zeitpunkt verschwinden, daß jeder Stand und Beruf nur seine Not in die Welt hinausruft, und in wel-
der Gemeinden bei den Anleihevorbereitungen, wobei die Leitung des Städtetages sich mit der Girozentrale über die Anleiheformalitäten unterhalten soll. Bekanntlich kann der Städtetag nur auf dem Verhandlmigs- aber nicht auf rechtlichem Wege etwas gegen die Auflegunf einer Anleihe tun.
Soziales.
— Das Soziale Museum in Frankfurt a. M. veran staltet in der Zeit vom 16. bis 28. September 1929 einen Fortbildungskurfus für Leiter und Mit- arbeiter von Einrichtungen gemeinnütziger Rechtsberatung. Der Kursus 'st m erster Linie für solche Peffönlichkeiten bestimmt, die tn Ar- beitersekretariaten, Frauenschutzstellen, Rechtsauskunftsstellen, Volksbüros, Wohlfahrts- und Jugendämtern und ähnlichen gemeinnützigen Einrichtungen ufw. beruflich oder ehrenamtlich tätig find. Anfragen und Anmeldungen find zu richten: An das Soziale Museum e. V. m Frankfurt am Main, Universität Mertonstraße 17-21 (Fernsprecher: Maingau 77082) .
wirtschaftliche Kömpfbewegungen.
— Die gestrige Rotiz „Weitere Entlassungen bei den Banken" ist aus Versehen unter diese Rubrik, wohin sie ihres ganzen Inhalts nach nicht gehört, geraten. Es handelt sich um eine Nachricht aus Frankfurt, die unter der Spitzmarke „Neues aus Frankfurt" erfchei- neu sollte. Heber geplante Kündigungen bei den hie- igen Bankinstituten, durch die besonders ältere Beam» ten betroffen würden, ist uns nichts bekannt.
Samstag, den 10* August 1929.
Vaterland und versassungrtag.
Don Abgeordneten Josef Andre, Stuttgart Berfassungstag! Am 11. August 1919 unterste der verstorbene Reichspräsident Ebert in
Schwarzburg die Weimarer Verfassung.
qss- Prinz Max von Baden, der letzte Kanzler alten Bismarckschen Reiches, das Reichskanz- r-rvalais verließ, wandte er sich an der Tür tn !^m Augenblick stärkster Erschütterung zuruck zu Ä und sprach: „Herr Ebert, ich lege Ihnen das Rutsche Reich ans Herz." Ebert antwortete schlicht und einfach: „Ich habe zwei Söhne für dieses
verloren." (Erinnerungen des Prinzen Max.)
^ehn Jahre sind seitdem ins Land gegangen; ,obn ^ahre voll außen- und innenpolittscher Kämpfe ?,nd Hoffnungen, aber auch zehn Jahre deutscher Uneimgk-it und Zerrissenheit. Und doch die Weimarer Verfassung erwies sich m diesem ersten Jahrzehnt neudeutscher Geschichte besser als ihr Ruf. Sie hat allen Parteien von rechts und links und der von der Mitte Hausrecht gegeben und dir
Ruys van Beerenbrock,
der von Der Königin WilhÄmine der Niederlande mit der Kabinettsbildung beauftragt war, hat nunmehr die Liste der Mitglieder seines Kabinetts fertiggestellt.
Bilder vom Tage.
_ _ Baron von houkard,
der belgische Finanzminister, wurde als Vorsitzender der finanziellen Kommission auf der Haager Konferenz vorgeschlagen.
Zwischen der Arbeit.
Skizzen von vierzehn Urlaubskagen
Zs von Josef Gutberlet.
(Schluß.)
20. Bewegte See.
Von der Heberfahrt sei nicht allzuviel gesagt. Trotz- Sem oder gerade weil sie mir so unendlich lang vorkam. Viel länger als die Hinfahrt Wir haben hohen Seegang. Im Anfang macht mir der gleichmäßige Rhythmus des Schaukelns Spaß. Vis mir langsam das unbehagliche Gefühl des Hebeffeins zum Halse hochsteig:. Ich wehre mich verzweifelt dagegen. Ich will keine Seekrankheit haben, und ich halte durch. Ich weiß allerdings nicht, wie es gekommen wäre, hätte unsere Fahrt länger gedauert.
Andere Mitreisende sind schlimmer daran. Unten auf dem Zwischendeck schwanken einige mit leichenblassem Gesicht umher. In den Aüfenthaltsräumen liegen etwelche auf den an der Wand übereinander eingerichteten Ruhebetten. Die mir auf Deck gegenüber sitzen, knabbern Cakes, essen Obst und halten krampfhaft die Augen geschlossen. Sie wollen sicher nicht sehen, wie zur Seite das Meer auftaucht und wieder verschwindet. In schönster Gleichmäßigkeit. Was mir gut gefällt. Eine junge Frau an der Reling springt plötzlich auf, neigt sich darüber. Ihr Gatte hält sie hinten am Rock. Opfer der „mal de mer". So etwas könnte einen bald zum Mittun verleiten.
Don Von Dover bis Ostende begleitet uns eine Schar Möoen. Ich bewundere ihre Ausdauer im Flug und folge interessiert ihrem schönen Lufffpiel. Wenigstens am Anfang der Fahrt. Später, unter dem Eindruck des verteufelten Druckes im H'ils weniger.
Endlich Land. Die Küste taucht auf. Und alle Be- fchwernis ist vergessen.
21. „C'eft la guerre“.
Das ist der Krieg. Will ein sogenanntes Panorama zur Abschreckung in Ostende zeigen. Das „Panorama de la bataille de OPser", wie es sich in großen ßettern vorstellt. Man schaut es sich an. Besonders, wenn man selbst nicht am Kriege teilgenommen hat. ßlber man wird durch diesen Abklatsch nicht überzeugt. Dafür scheint es selbst einem Nichtkriegsteilnehmer zu harmlos.
Ein großer Rundbau. Man drückt dem Besucher am Zugang einen Waschzettel in die Hand, der mit dem hochtrabenden Satz beginnt: „Nieuport, Dixrnude, Ypres, iont les norns immortedes des Dilles martrjres de la Flandre." Der Hintergrund große Wandgemälde mit brennenden Städten und Sttaßenkampf-Szenen. Auch »Wer vom Feldkrieg. Davor alte Geschütze, Minen»
roerfer, lebensgroße Nachbildungen von Pferden und Soldaten, zwischen aufgeworfenen Gräben. Recht malerisch. Darin liegt gleichzeitig die Kritik.
Man will und kann nicht. Das große, grausige Geschehen wird hier zu totem Museum, aus dem alles zu wägendem Verstand, nichts zum Herzen spricht. Ganz anders dagegen eine
22. Fahrt durch die flandrischen Schlachtfelder.
Hier wird auch dem, der nicht draußen war, ein Ahnen dessen, was zuerst mit plastischer Deutlichkeit und rücksichtsloser Offenheit Ludwig Renn („Der Krieg") und Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues") lebendig dargeftellt haben. Das Buch des letzteren fand ich übrigens auch in mehreren Hebeffetzungen in den Auslagen belgischer und englischer Buchhandlungen.
Kriegserinnerungen (objektiv, nicht subjektiv gemeint) treten einem schon entgegen, wenn man von Ostende nach Middelkerke ober noch weiter bis Nieuport durch die Dünen wandert. Heberall zerstreut sind die massigen Betonuntefftände. Dazwischen liegt auch einmal gedeckt ein zerschossenes Blockhaus, das sich die Deutschen damals bauten. Gleich im Eingang zu Middelkerke ein hohes Hotel „Exzelsior", eine Ruine, mit grinsenden Fensterhöhlen und durchschlagenen Decken. Bei Middelkerke auch ein deuffcher Friedhof. Drei hohe schwane Holzkreuze als Mal und über 300 mit deutschen Namen als Grabschmuck.
Ein Rundfahrtauto führt mich mit einer ganzen Anzahl von deuffchen Kurgästen über die flandrischen Schlachtfelder. Lornbartzyde, letzte deuffche Stellung, Nieuport, erste belgische. Hier noch ein erhaltener Schützengraben, hinter einem Wäldchen. Wenigstens soll hier einmal ein solches gewesen sein. Heute stehen nur noch vereinzelte verkohlte Baumstümpfe. Man wandert hindurch. Gegen ein Eintrittsgeld, das den Kriegsinvaliden zugewandt wird. Ein unterirdischer Betongang, der unter einem Teich hindurchführt, diente der Heranschaffung von Muniton und Proviant.
Ergreifender aber noch der erhaltene Schützengraben bei Dixrnude, das heute ganz neu aufgebaut ist. Das Städtchen war dem Erdboden gleich gemacht. Man nannte diese Stellung „Le bot)au de la mort", der Todesgraben. Sie liegt direkt hinter der Mer. Deren Schleusen, damals geöffnet, das ganze Gelände unter Wasser setzten. Dreihundert Meter davor, auf der anderen Seite des Flusses, befand sich die deutsche Stellung. Unfer Führer scheint bei seinen Erklärungen noch einmal mitzuerleben. Fällt dabei in seine flämische Muttersprache zurück. Spricht davon, wie unsere Landsleute vergeblich veffuchten, diffe Stellung zu nehmen. Die uns in den Rücken der Engländer gebracht hätte. Spricht auch von den Studentenregimentern, die man in Berlin zusammengestellt hatte, um mit ihrem jungen
Eifer diesen wichtigen Stützpunkt zu stürmen. Vergeblich. Die Mer sei vom Blut rot gewesen.
Wir kriechen durch die Unterftänbe unb Laufgräben. Die fast Tag für Tag neu gebaut werben mußten. Es kommt uns ein Verstehen, baß bie Leute, die längere Zeit hier aushalten mußten, wahnsinnig würben.
Dpres, Fpern. Die Ruines bes Halles bas ein- brucksvolle Denkmal bes Grauens. Daneben baut man bie herrliche Kirche neu auf. Am Eingang zum Ort haben bie Engländer ein monumentales Tor aufgebaut In dessen Wände Namen eingegraben sind. Von 58 000 (achtundfünfzigtausenb) vermißten Engländern.
Weiter geht die Fahrt. Die Eindrücke sind für den, der aus den Resten sich bas ganze Grauen ber Sümpfe zu reproduzieren versucht, so stark, baß er sie garnicht roiebergeben kann. Unb boch kommen sie sicher noch lange nicht an bie Wirklichkeit heran. Man versteht, baß ber Muskate von 1914=18 bie Parole „Nie roieber Krieg" im Herzen trägt.
Zum Schluß besuchen wir bie große beuffche Kanone, bie ben Namen „Langer Max" trägt. Die Kanon be Leugenboom bei Moere. Die bort in einem Wäldchen eingebaut von deuffchen technischen Wundern erzählt. Einige Zahlen: Länge bes Geschützrohres: 17 Meter, Gewicht: 77 530 Kg., Durchmesser bes Rohres 38 cm., Reichweite: 45 Kilometer. Man schoß bamit bis Dun- kerke (Dünkirchen). In 1 Minute 20 Sekunden war bas 750 Kg. schwere Geschoß am Ziel.
Neben bem Geschütz wölbt sich ein einfacher Erdhügel über bem Grab von 52 Solbaten. Die beim ersten Abschießen burch ben Lustbruck getötet würben. 52 Menschenleben, benen ber erste Abschuß burch Ein- bvücken ber Lunge ben Tob brachte. Grausig. Später feuerte man aus ber Ferne mit Hilfe ber Elektrizität ab. Fernzünbung.
Das gleiche Geschütz mit ber ganzen Stellungsanlage, mit Gleisen unb Transportzug hatte man in einiger Entfernung aus Holz aufgebaut. Um bie feindlichen Flieger zu täuschen.
Wenn ich ben Film biefer Besichtigungsfahrt, bie mehrere Stunden dauerte, wieder vor meinem geistigen Auge abrollen (affe, dann tauchen einige Bilder auf, die mich immer wieder erschüttern, die der
23. krisgerftiebhöse.
Besonders um Dpern herum sind sie sehr zahlreich. Meist englische. Mit Hunderten und Tausenden von Gräbern. Der größte saßt deren nicht weniger als 10000. Ernste Mahner Und wie viele Tausende ruhen noch unter der Erde, über die wir gingen und fuhren, unbekannt — vermißt?! Großer Gott, das ist der Krieg!
Die englffchen und belgischen sind tadellos in Ordnung. Jedes Grad trägt einen schlichten, aber schönen
Grabstein. Bunte Blumen zeugen von liebendem Ge-' denken. Und hinter dem größten dieser Friedhöfe, auf dem zwischen 10000 Engländern auch friedlich ein unbekannter deuffcher Soldat seinen letzten Schlaf hält, führt im Halbrund eine herrliche Wandelhalle. In deren Wände auch wieder Tausende von Namen eingegraben sind. Vermißte? . . .
Die deutschen Friedhöfe, die ich sah, sind dagegen sehr bescheiden. Außer einem, der von einem reichen Deutschen unterhalten wird. Sonst schlichte schwarze Holzkreuze, die Hügel teils mit, teils ohne Blumen, viele richtig verwahrlost. Eindringlich mahnen sie: Vergeßt unsere Helden nicht. Unterstützt Ihr, die Ihr ein besseres Los zöget als sie, ben Volksbunb Deutsche Krieger- gräberfürforge, bamit auch sie eine würdige Grabstätte erhalten.
Eines drängt sich einem bei der Fahrt durch die flandrischen Schlachtfelder, über die im Hintergründe ber berüchtigte Kemelberg ragt, auf: Das Ahnen ber göttlichen Vorsehung unb Weisheit, bie Gräber mit Grün unb Blumen beckt, über benen Vögel fingen. Das ewige Werben unb Vergehen unb roieber Werben. In besten Kette wir nur ein winziges Glieb darstellen.
24. Rückkehr.
Rasch, allzu rasch verfliegen bie wenigen Urlaubstage. Die Arbeit, bie Pflicht ruft roieber. Frühmorgens fahre ich zum letztenmale am Meer entlang. Zahlreiche Segel zeigen an, baß bie Fischer schon roieber an ber Arbeit finb. Ein letzter Blick noch auf bie riesige bunteigrüne Fläche — ba Derberfen Häuser ben Blick. Ostenbe. Unb nach roieber zwei Stunben Brüssel.
Die wenigen Stunben bes letzten Aufenthaltes benutzte ich, um zu bem oor ben Toren ber Stadt liegenden Bois be la cambre zu fahren, biefem prächtigen Walb uralter biefer Eichen unb Buchen, wo bie Brüsseler ihr Wochenenbe verbringen. Wie viele Großstäbte können die belgische Residenz um diese ideale Erholungsstätte beneiden!
Es ist Samstag mittag. Ganze Klasten von Schulkindern, die hier gespielt, kehren heim. In den zahl- reichen Restaurants rüstet man für die Wochenendbesucher. In den Gärten werden die Tische gedeckt und große Lautsprecher geben die verstärkten Weisen roiber» die im Hause eine Nabel erstklassigen Grammophon- platten entlockt. Was mich sehr angenehm berührt unb zum Weilen einläbt, ist bie Wahl wirklich guter Musik. So sitze ich benn in einem biefer Gärten, lausche und träume. Unb nachbem ich zu Mittag gegessen, führt mich bie Elektrische zum Gare bu Nord, zur Heimreise. Der D-Zug Bruxelles—Cologne wartet schon.
Urlaubsenbe. Was mir aber bie vierzehn kurze: Tage brachten, bavon zehre ich lange, lange - >