Fuldaer Zeitung
Rhön 1929
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* Zusammenstöße bei Vauernkundgebungen in Neumünster. Der Empfang des am Donnerstag NUS dem Gefängnis entlassenen Landbundsuhrers Wilhelm Hamkens war der Anlaß zu einer großen Bauernkundgebung in Neumunster. Um 15 Uhr setzte sich ein etwa 3000 Mann starker Zug von der Tonhalle aus in Bewegung. Am Groß- ilecken kam es mit den Demonstranten, die eine Fahne, in die ein Pflug und ein großes Schwert gezeichnet waren, bei sich trugen, und der Polizei zu einem Zusammenstoß, wobei die Beamten von Gummiknüopel und Säbel Gebrauch machen muß» ten Eine Anzahl Personen wurde verletzt. Nach Beschlagnahme der Fahne setzte sich die Polizm an die Spitze des Zuges, der nun geordnet durch
3. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.
Schriftleiter: Dr. ph'l. Johannes Kramer.
< «ha cs in meiner Nachbarschaft einen Wauwau I ■m bet Tag und Nacht, bei Regen, Sonnen.
»nd besonders bei Mondschein sein Gebell nicht ver- ftummen läßt, wozu sich gelegentlich die Sehn- staute unzähliger Kater gesellen, die nächtlich au?Entdeckungs- und Vergnügungsreisen gehen, so Ä ick Mr die Stadt Frankfurt, die sich nunmehr den Ehrentitel einer ruhigen Stadt erwerben will.
Autos wird verboten, sich durch mörderisches ^uven den Weg an den großen Verkehrsplatzen zu fcnhnen Sie haben einfach langsamer zu fahren, «nd jedes Unglück ist ausgeschlossen. Nebenbei ge- I kaat brauchte nun nicht jede Kleinstadt an lebe Straßenecke einen Schutzmann zu stellen, der den Xmun Tag durch Freiübungen, Hände auf, Hande nh Winken reckts und Winken links den gesamten Straßenverkehr brachlegt. Was in Berlin notroen- hia ist kann in Buxtehude am Ende doch entbehrt werden. Weiter: Auch das Hupen eines Autos, bas noch irgendeinen Fahrgast, der im dritten Stock wohnt, herunterlärmen soll, wird in Frank- furt untersagt. Daß den Motorrädern etwas mehr L Leibe gegangen wird, halte ich für selbstverständlich; mein Freund erklärte mir dieser Tage noch, er habe eine ganze Woche lang keine ruhige Nacht wegen ihres Lärmens gehabt. Und vor allem- Endlich kann man den Kötern einmal an den Hals, die die ganze Nachbarschaft beunruhigen. Also die alte Reichsstadt Frankfurt soll leben. Vivant fequentes! Ist Ruhe des Bürgers erste Pflicht, so soll man endlich auch die Bürger- schaft in Ruhe lassen. Möglichst auch mit neuen Steuern usw.!
aber auch gar vieles über'die wirtschaftlichen politischen und religiösen Verhältnisse in Lothringen und Elsaß er-
ganzen Tour. Er sollte uns ja auf die Schlachtfelder bei Verdun bringen. Der Weg ging jetzt durch hügeliges Gelände, desien Dörfer, Höfe und Weiler einen unsau- bereu unfreundlichen Eindruck machten. Ganz franz. Charakter hatten alle Gebäude. Hochausgeschrchtete Dung- Haufen vor der Haustüre der Straße entlang, große Holz- stöße, zahlreiche Ackergeräte in Unordnung durcheinander in diesen Höfen, die alle nach einem «chema er- baU$alb blinkten am Horizont die Türme von Metz, der Hauptstadt des Lothringer Landes. Einen längeren Aufenthalt zur Besichtigung dieser sauberen und auch wirtschaftlich so wichtigen Stadt konnten wir uns gönnen. Wir mußten uns begnügen mit dem Besuch der Kathedrale, die bekanntlich zu den berühmtesten gotischen Baudenkmälern zählt und deren nächster Umgebung. Die Franzosen sind nicht wenig stolz darauf, daß si- nach dem Krieg die drei großen Zeugen gotischer Baukunst ihr eigen nennen können: die Kathedrale von Reims, das Münster von Straßburg und den Stephans- dom von Metz. Allerdings wurden die beiden Portale: das Liebfrauenportal im Jahre 1884-85 und das einzig- schöne Christusportal an Stelle des Blondelschen aus dem 15. Jahrhundert, im Jahre 1895=1903 von den Deutschen erbaut und im Gegenwart des Kaisers Wilhelm einge- weiht und damit auch dem Dom seine Stilreinheit gegeben. Das reichgegliederte Christusportal ist sicher das größte Meisterwerk der Steinmetzkunst des letzten Jahrhunderts. An der Stirnseite der Strebepseiler stehen die doppeltlebensgroßen Figuren von Jsaias, Jeremias, Eze- chiel und Daniel. Letzteres Gesicht trägt ine Zuge Kaiser Wilhelms II., es ist noch unversehrt. Nur das Schildchen, das ein Metzer Bürger nach der Abdankung des Kaisers angebracht, „sic transit gloria mundl, 1918 ( ,o vergeht die Herrlichkeit der Welt"), ist verschwunden. Ganz einzig ist die Höhe des Schiffes der Ka- thedrale, 43 Meter hoch. Den kostbarsten Schmuck dre- ses Gotteshauses bilden aber unbestreitbar die unvergleichlichen Glasgemälde der großen Fenster, davon zwei in einer Höhe von 33.50 Meter und einer Breite von 13 Meter. Sie decken eine Fläche von 4000 Quadratmeter. Mit ihrem prächtigen Farbenspiel müssen sie jeden Besucher fesseln.
^Fortsetzung folgt.)
JV» 179.
Sonntag, ven 4. August 1929.
amte. Die Haupteinnahme des Städtchens, der Kauft leute und Wirte, war ja früher das uberzahlreiche deutsche Militär gewesen. Der franz. Soldat, wenn auch zahlreich in St. Avold, verzehrt sehr wemg. Seme Loh- nung ift gering, - man höre und staune - der Soldat der siegreichen granbe Nation erhalt 25 Centimes _ ■ mfennia pro Tag. — Scheinbar haben es die Franzosen 5IK M üdlebt zu m-ch-u. DI- ftnng-n Gesetze, auch viele deutsche bestehen noch weiter, das herrische Auftreten der Beamten, der Angriff auf elsaß- lothringische Sonderrechte und Gewohnheiten, auf politische und kulturelle Traditionen — (denken mir an Kirche und Schule - hat die Elsaß-Lothringer m einen 'djarfen politischen Abwehrkampf gebracht, den vor allen Singen die katholische Partei führt. Die Begeisterung für Frankreich ist stark abgeslaut, das man 1909 m vielen Orten als Befreier jubelnd begrüßte. Offen kämpfen heute viele für ein autonomes Elsaß-Lothringen u. mochten einen selbständigen Staat zwischen Deutschland und Frankreich schaffen. Ja der eine und der andere der Gäste, vielleicht um uns zu schmeicheln, begeisterte sich stark für Deutschland. Jedenfalls, ernst ist überall die Sehnsucht nach deutscher Ordnung, Pünktlichkeit, Sau. berkeit und Fleiß und auch — nach deutschem Sier und deutschen Zigarren und Tabak. Frankreich hat nämlich Tabakmonopol und der Tabak dort ist teuer und schlecht. Deshalb ist es nicht zu verwundern, daß an der nahen Grenze ein blühender Tabakschmuggel besteht. Selten werden Uebeltäter erwischt, aber, wenn einer der Schmuggler Unglück hat und erwischt wird, bann muh er sie bei den strengen Gesetzen schwer bluten und für hundert andere mitbüßen.
Schwer ist es im Grenzland zu leben, niemals sollte man sich da anfiebeln," in diesen melancholischen Worten sprach sich die Unzufriedenheit und Denkungsart der geprüften, im Krieg und auch nachher hart heimge-
f ’ <js mar 2. Dfterfeiertag abend, und doch um 10 Uhr war alles ruhig auf den Straßen; die Lokale waren ge- schlossen und dunkel, bei uns etwas Unerhörtes. „Ja, der Franzose ist sparsam und geht wenig aus, horte ich da immer sagen. Da kennt man keine Vereinsmeierei und tausend Veranstaltungen und Festlichkeiten rote bet uns, daß man Abend für Abend zu einem andern Ber- ein ober Klub muß, fonbern ba sucht man noch mehr Unterhaltung unb Freude in ber Familie. D°s Familienleben ist weniger auseinandergerissen und erschüttert als bei^uns. Das'religiöse Leben ist in Elsatz-Lothringen im Verhältnis zum Jnnerfrankretch noch gut. St Avold selbst ist ein bekannter Marienwallfahrtsort, wohin aus der weiten Umgebung im Mai und Oktober die Prozessionen und Wallfahrten kommen.
Das Bedientenpersonal in diesen Grenzstädten ist durchweg deutsch. Der Wirt sagte offen: „Französische Mädchen sind untauglich für solide, ausdauernde und aute Arbeit," drum kommen diese aus dem Saargebiet unb auch aus bem Trierland. Daß die Ausweisungen im neuen franz. Gebiet immer noch nicht zu Ende sind, mußte eine Hausangestellte erfahren. Am folgenden Tage mußten ihre Eltern und die ganze Famcke das französische Gebiet verlassen, über die „Kehler Brücke, wie man kurz sagt.
Herrliches Wetter lockte uns am folgenden Morgen. Früh sollte auch schon die Abfahrt fein. Unser Quartier war pünktlich marschbereit. Doch im anberen Quartier laa zur festgesetzten Stunde noch alles in süßer Ruh. Eine Ausrede war schnell gesunden. Die einen hatten ihre Uhren nach deutscher, die anderen nach französischer bezw. mittel- unb westeuropäischer Zeit gestellt. Den'Unterschied von einer Stunde benutzten die Herrn mit den mitteleuropäischen Chronometern, die herrliche Pfarrkirche, einen schönen Barockbau, eine alte Bene- diktinerklosterkirche, mit ganz wunderbaren Deckengemal- den zu betrachten unb auch ber in ber Nähe gelegenen Wallfahrtskirche, einer Basilika mit mächtiger Kuppel, einen Besuch abzustatten. .
Eine Stunde war verloren. Die muhte emgeholt werden, denn dieser zweite Tag war der wichtigste der
das schlichte Büchlein las mit dem etwas sonderbaren Titel: 40 Jahre Storcheniante (Bergstadt- Verlag.) Das ist ein Buch! Die Aufzeichnungen einer Hebamme. Ich komme daraus zurück. 3ebes Mädchen und jeder junge Mann, der an Ehe denkt, sollte dieses Buch lesen. Es wird eine Mission bei uns erfüllen. In tausend Heime leuchtet es hinein, denn was erlebt nicht alles eine Hebamme' Und in alle diese Heime tragt sie die Schätze ihres gesunden Sinnes, ihres reichen Gemütes, ihrer wundervollen religiösen Kraft . . . . Niemals ist sie Mutter geworden, diese treue Frau. Aber kommt sie einmal drüben an, so werden viele liebe Kindlein sie begrüßen, denen sie das Leben
suchten Bewohner aus.
Dieser Abend war lehrreich für uns unb gerne hatten mir uns noch ein wenig unterhalten, aber früh ver- abschiedeten sich die Gäste. Während meine Reisegenos- (en ihr Ruhelager aufsuchten zum verdienten Schlaf, durste ich noch mit ber Wirtsfamilie plaudern. Da konnte ich dann manch Neues ihnen erzählen von unserem Le- den und Ergehen nach bem Krieg und ber Inflation,
die Hauptstraßen zu der Großen Auktionshalle des Verbandes der Rotbuntzüchter marschierte, wo das Eintreffen Hamkens erwartet wurde. Um 17 Uhr trafen mehrere Autos mit Schutzpolizei ein, die die vor dem Versammlungshaus wartende meltau sendköpfige Menge zurückdrängte, das Versammlungslokal umstellte und die Versammlung auflöste. Hamkens traf erst gegen 19 Uhr in Neumun. ster ein, als die Bauern sich bereits zum größten Teil zerstreut hatten. .
* Die verhafteten deutschen Studenten in Polen. Die drei deutschen Studenten, die vor einigen Monaten in Polen auf einer harmlosen Reise > der Nähe Lembergs angeblich wegen e-ptonage- verdachtes verhaftet worden sind, sind immer noch nicht freigelassen worden. Die Untersuchung soll immer noch nicht abgeschlossen sein, obgleich inzwischen bereits mehrere Monate vergangen sind. Das Auswärtige Amt hat sich natürlich lebhaft . Lüht die Freilassung der Studenten zu erw,r.
ken, bisher aber ohne Erfolg.
Die Zieger der „10. Rhön 1929 .
Fliegerlager Wasserkuppe, ben 2. 8. 1929. nio hiesiäbriae in allen Teilen harmonisch verlau- I fene gubiläums-keranftaltung hat ihren Abschluß ge- | Lmsen Rackbem bas Preisgericht unter bem Vorsitz I L« Staatsministers a. D. Dominicas, erster Vorsitzender I des ^Deutschen Luftfahrt-Derbanbes, zusammengetteten war unb in langer Sitzung feine nicht ganz l ichte En- I Mioihuna aetroffen hatte, sand im großen, voll besetzten
FALW-i-w P-°Z°- Ärsu“r£ I unb „getreue^Eckeharbt bes deutschen Se-
I Auges" begrüßte" in launiger Weise bie Vertreter ber I Staats- unb Kommunalbehörden unb bankte allen de ken die w langen Jahren das Werk der Rhön unter.
I hrrfion- fein Dank galt in Sonderheit auch der I deutschen Presse. Der Direktor des Forschungsinstitutes der Rhön-Rossitten-Gesellschast, Pros. Georg.l, rour«
I biate in markanten Worten bie Bedeutung ber Iubi- bes Seaelfluges als Sport unb Wissen-
Interesse ber Sache. Der tlmgenbe Lohn für bie scho I non Leistungen war Heuer leider gering.
I Im Leistungswettbewerb fiel der gernfegelflugprets ((Breis ber Stabt Frankfurt a. M.) in Hohe von Mark
I 2500.— an Flugzeug „Wien", Führer Kronseld, für I feinen 150 Kilometer langen Streckenslug in bie Ge- ’genTno? Baruch V?m F°rnzielflug (Preis bes
I Preußischen Handelsministeriums), m Hohe von Mark
Ä' ÄffÄÄKg L biet heimite ebenfalls der Württemberger Hirth auf Lore" ein. Neben den bereits ausgeflogenen Ta- nespreisen, bei denen Hirth-Stuttgart mit Mk. 565 an Erster Stelle vor Kronfeld, Kege? und Dittmar steht, wurden Zahlreiche Prämien für Rekorde, Süiertennun gen ufro’geX an: Kronfeld, Hirth Kegel, Dittmar, Magersuppe und Groenhosf, die zwischen Mk. , undD200 schwanken Uebung ttbetyerbes waren nach •1er Ausickreibunq die Preise für die größte Gesamt (luadauer und die Preise für die größte Höhensumme. Für ihre Flüge mit der längsten Gesamtzeit errangen. Flugzeug „Darmstadt", Führer Neininger 24.13.51 Zk 760, Flugzeug.Herkules", Führer Hurtt-.g. 17.7.52 Mark 535 und Flugzeug .M l", Führer Maper l6. ^ m« Kn« Der Preis von Kreis und Stadt (Sersjeu! m Höhe von Mk.^1500 gelangte zur Verteilung unter:
Siirfhfus" »Vübter Bebau vom Berliner Segelflugver* 4930 «t 672 ..«rltem.
berg" Führer Bachern, Akaflieg Stuttgart, für 3 414 Ä Mk 466 und „Darmstadt", Führer Neininger für 2 724 Meter Mark 362. An ausgewogenen (Eagesprei len erhielten u. a.: Krebs, Akaflieg München, Mk. 618, Maver-Aachen, Mk. 360, Neininger, 2tt°si^öDcwm! ftab? Mk. 345, Bachem, Akaflieg Stuttgart, Mk. 275 und Dedau-Berlin Mk. 140. Zusatzpramien für Re- korbe, Dauer- unb Höhenflüge bekamen ferner Nei ninqer Bebau und Mayer, sowie Hurttig von der Kas feier Kaufmann von der Fuldaer und Krebs von der Münchener Gruppe und endlich Marga von Etzdorf.
Müdem „Hindenburg-Pokal" und dem „Prinz Heinrich-Rhön-Wanderpreis der Lüfte" (für die größte ^hmhBhe vonn 2160 Meter) wurde ausgezeichnet der & ber S« 1929" Robert Kronfeld Mit werr- vollen und praktischen Ehrenpreisen wurden u. a. be dacht: der Württembergische Luftfahrt-VerbandStutt- gart die Akaflieg München, der Berliner Segelflugve. ei Groenhoff, Mayer-Aachen, Kegel und Hurttig, Kas- sei, Dittmar und Kaufmann-Fulda.
Hptm. a. D. Schreiber.
Aus blutdMchkrönkiem Beben.
Cine Autobusfahrt nach Verdun unb In die Champagne. Don K. Abel, Kaplan.
^Allmählich brach die Dämmerung herein. Links der Straße Saarbrücken-Ferbach ziehen sich ziemlich nahe, in ihren Umrissen gut noch zu erkennen, die Spicherer Höhen hin. 1870 wurden sie von den Deutschen unter großen Verlusten gestürmt; viele Grabdenkmäler, große und kleine, waren von der Straße aus zu sehen. Es wurde schon dunkler. Sollten wir unser Tagesziel erreichen? Fraglich! Je näher wir St. Avold kamen, einem kleinen Landstädtchen im Lothringer Bergland, vielen deutschen Soldaten aus ihrer Militärzeit bekannt, für Mann und Offizier aber vielleicht nicht in bester Erinnerung, umso mehr wurde es klar, daß wir hier übernachten mußten. Da war es kein leichtes (Beginnen, em gutes Quartier zu finden. Mit Wenigem galt es oon lieb zu nehmen. Hotel M. e. T., die ersten aber auch fast einzigen Logierhäuser der Stadt konnten uns ausnehmen. Erstaunt sahen wir c'nanber an, benn eauber- teit und ganze Aufmachung liehen viel zu wnn,chen übrig. Man merkte, daß wir in Frankreich waren. Unser Hotel war gut besetzt von jungen franz. Soldaten, die im Gegensatz zu den franz. Soldaten auf der «trotze einen sauberen netten Eindruck machten und vor allem durch ihr freundliches, höfliches Benehmen aufsielem W.e wir hörten, waren es Offiziersaspiranten, die des Tages über studiert hatten und nun ihr bescheidenes Abendbrot verzehrten. Man hörte kaum ein lautes »ort unb um 8.30 Uhr verließen sie nach franz. Gewohnheit bie Wirtschaft, um ihr Quartier aufzusuchen.
Außer einigen älteren Herren, war niemand mehr zu Gast Uns mundete natürlich nach den 280 Kilometer Tagesleistung das Abendbrot ganz vorzüglich Da auch die Gäste deutsch sprachen und ehemals Deutsche waren, war es ganz natürlich, daß bald eine rege Unterhaltung einsetzte. Was wir nun hörten, war >m allgemeinen ein Klagelied dieser Grenzbewohner, der neuen franz. Bürger, über die jetzigen Zustande, über hohe Steuern, wenig Verdienst, schlechten Geschäftsgang, über mißtrauische, heimtückische, langsam arbeitende stanz. Be-
Ich spreche von Ruhe, und doch ist das ganze I Volk auf Wanderschaft. Tante und Oma stehen verzweifelt im Torbogen, wo heute schon die Ju- I gend ausfliegt nach Schweden, nach Spanien, nach I Norderney, nach Italien und wer weiß, wohin. Dazu die großen Tagungen, an denen sich die Schwärme sammeln, wie die Vögel im Herbst vor der Wanderung in den Süden. Es ist schon nicht mehr möglich, auch nur die wichtigsten Tagungen mitzumachen, weil sie sich in der Zeit schon gegenseitig überschneiden. Dabei darf man ruhig sagen, daß derlei Veranstaltungen durchaus nicht rein gemütlichen oder gesellschaftlichen Charakters sind. Es geht dabei sogar ziemlich ernst zu, und auch die Reden und die Referate beschäftigen sich mit' bedeutenden Fragen. Das Programm etwa des Freiburger Katholikentages beleuchtet das Familienproblem in ganz vorzüglicher Weise. Will man ehrlicher sein, so kann man den Vorwurf, unser Zeitalter sei nichts als Sport und Kino, noch nicht aufrechterhalten, denn es hat wirklich eine starke geistige Bemühung eingesetzt. Andererseits entstehen die vielen Tagungen auch aus der Notwendigkeit, seiner Stimme die nötige Resonanz zu geben. Es sind Stimmverstärker großen Stils. Alles geht heute kollektivistisch zu, wie man so sagt, alles ist Massenbetrieb. Aehnlich wie sick im wirtschaftlichen Leben, man denke an die ungeheuren amerikanischen elektrotechnischen Gesellschaften, die sich da eben jetzt bilden, der einzelne nur noch behaupten kann, wenn er sich so oder so mit anderen zusammenschließt, so geht es auch in der Kultur. Die Stimme des Einzelnen verklingt. Wenn aber die Zentrale der Müttervereine, der Jungmänner, der Arbeitervereine, des KKV. und was es immer sei, sich zum Worte meldet, dann sind das immer gleich Zehn- und Hunderttausende. Und da Hilst eben' nichts, man muß dabei sein. Auch das Christentum darf den Willen zur Macht, wie er sich heute in solcher Art kundgibt, nickt unterschätzen. Auck hinter feinen Fahnen müssen die Hunderttausende, die Millionen stehen. Schließlich wird sich das Nebrrmaß auch hier herabsetzen. Ganz von selbst wird das kommen. Einmal sind mir in der Tecknik schon so weit, daß in Zukunft, namentlich mit Hilfe von Mikrophonen, es bei internationalen Tagungen möglich sein wird, die Reden jedem einzelnen Teilnehmer in seiner Sprache zuzuführen. Mag nun Herr Stresemann deutsch, Macdonald englisch und Driand französisch sprechen, es wird sozusagen das Pfingstwunder von einst sich in der Technik erneuern. (Ob auch der Pfingstgeist, das
geschenkt hat. . „ .
a Der Mann im Monde.
___ < , wachsen muß. Heute wird die Menschheit Tag für Rund um die Woche. I jemals in* ihr ersonnen worden sind, hindurchge-
j i 1 2Iber bie beg Geistes wächst dabei
st«« Frankfurt. — Tagungen und Ferntagungen. — Masse nicht. Die Tat kommt zu kurz. Die Selbsttätig-
Die ruyige " feit erlahmt. Ja, eines Tages wird der routi-
und Persönlichkeit. — 40 Jahre Storcheniante. | werteste Radiofreund es einsehen, daß er mehr ge-
Ist natürlich -in- -nd-r- Fra--.» Dann taff«, M ÄÄ
Tagungen, bei denen es auf rem logische Der- I hotrnr'tfot und sozuiaaen miterlebt, als wenn S'Ä&TÄTÄ Ä»*“'3it6en$"n3erl‘über es werden die Reden ebenfalls einfach vor dem I sich ergehen lajji. •
Mikrophon gehalten. So begrüßte neulich der Prä- I Das ist mir fo. recht zum Bewußtsein gekom- sident bes österreichischen elektrotechnischen Vereins I men, als ich kür^ch Mtten in der europäische die Gäste des ersten internationalen Fernkongresses I Spannung, die alle Kabinette in Atem halt, Mil der elektrotechni chen Verbände von Wien, Aachen, I ten in all den Nachrichten von neuen Rekorden fiaaa und Budapest, die friedlich zu Haufe saßen I und auch von Erdbeben und schrecklichen Tragödien und^ench im Drahtnetz unterhielten. Eine Zeit- fArMlte Tnci mit bem ctroas fonber*
lang fällt so etwas auf, bis man sich daran ge- I wöhnt und als selbstverständlich hinnimmt, was I doch ein ständiges Wunder ist. Endlich wird auch I der Umlauf der Finanzen hier wohltätig eingret» fen. Schließlich kostet so etwas, wie eine Konferenz im Haag, doch viel Geld. Und schließlich wird man doch überlegen müssen, ob sich diese oder jene Tagung nicht sparen läßt. Darüber wird man einmal sehr ernstlich nachdenken müssen, und dann wird einem manche Erkenntnis aufgehen.
Gemeint ist dieses: Der Drang zum Massenbetrieb kommt schon bald an die Grenze, wo er dem Einzelnen nicht mehr nützt und ihn Nicht mehr bereichert. Man merkt schon heute beim Rund- I fünf, wie sich gewisse Redewendungen bei den I Rednern wiederholen. Man hängt den Hörer beiseite unb denkt sich: Ach, das ist ja wieder da» I alte Lied von der sogenannten Menjchheitskultur, von der Humanität und ähnlichen Dingen, die alle I schon früher hundertmal besser und gründlicher gesagt worden sind. Auch bei den Reden über dre idealsten religiösen Fragen wird das so gehen, daß man schließlich wiederholen muß. Dann kommt die Frage, welche Wiederholung denn allem interessant sei Das ist die Wiederholung, die mit ber Tat öerbunben ist. Dann wirb man mieber leben wollen unb nicht reben. Dann wirb man bes Geistes, ber sich leicht unb ziemlich verantwortungslos aus Platten unb in Drähten tummelt, mübe werben. Man wirb zubem erkennen, bah echte Erkenntnis nickt nur an ben Menschen von außen herangebracht werben, sondern baß sie auch im Innern
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