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Gottesdienst-Ordnung.

katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 4. August. Fulda. Dom. 1. Beichi- gelegenheiten sind: Samstag morgens von 'M Uhr ab, nachm. von 2—3 für Kinder, von ’/. 5—7 Uhr und von ’M Uhr ab für Erwachsene, Sonntag morgens von 'M Uhr ab. 2. Sonntagsgottssdienste: 'M, 6, '/-7 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Komm. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt, Komm, des Männerapostol. und des 8. Schuljahres. ‘/»IO Kathedralamt mit Predigt. '/«II Chriftenl. der Jünglinge. 'i>12 letzte hl. Meffe mit Predigt. V>2 Andacht zum hlst. Herzen Jesu. 2 Christenl. der Jungfrauen. 4 Uhr Predigt, Andacht und Segen. Um 7 Uhr abends ist die Andacht in der Marienkapelle. 3. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von *A6—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mit Kommun. - Austlg. V«8 Uhr Pfarrgottesdienst mit hl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte hl. Messe mit Austeilung der heiligen Kommunion. Montag abend ist um 'M Uhr Andacht mit Segen. — Stadtpfarrkirche. Beichtgelegenheit: Samstag nachm. 3—7,7Vi—8' i, Sonntag früh 6—7. Sonntagsgottesdienste: 6 hl. Messe, 6'/« hl. Messe und Komm, des Männerapostol., 8 erster Schulgottesdienst, Pred. und Komm, des 8. Schul­jahres. VilÖ Pfarramt und Pred. 11 zweiter Schulgottesdienst und Pred. 9'-« Christenl. der Jünglinge in der Severikirche. l'/> Christenlehre der Jungst. 2l/t Rosenkranzbruderschaft. Die hl. Kommunion wird von 6—7*/a Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 81/» und um 9’/« Uhr. Werktagsgottesdienste: Um 6, 6V», 7*/< und um 8 Uhr. Mittwoch, Freitag und Samstag früh 6 Beichtgelegenheit. Freitag nachmittags ist um 8 Uhr Segens-Andacht. — Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Uhr Frühmesse mit An­sprache, Komm, des Männerapostol., 8 Hochamt und Pred., Komin, des 8. Schuljahres. 'All Kindergottesdienst und Ansprache. V. 12 Uhr Christenlehre für die Jünglinge. ‘ «3 Uhr für den Mütterverein. 8 Uhr abends Andacht. — St. Sturmius-Pfarrkirche. 7‘« Komm. - Austlg. 7V- Frühmefse mit Predigt. 9* i Uhr Hochamt mit Predigt. Darauf Christenlehre. Um */s2 Uhr Segensandacht. — Abkeikirche der Benediktinerinnen. Sonntag 'M Konventmesse, ‘ «9 Konoentamt, 3 Uhr nachm. Vesper. — Herz-Iesu-tzeim. Sonntags um 6 Uhr hl. Messe. 8 Uhr

* Zuckerrüben- und Baumwollenanbau in Per­sien. Ein von einer tschechoslowakischen Zucker­rübengesellschaft kürzlich nach Persien entsandter Sachverständiger berichtet, daß ein Anbau von Zuckerrüben im nördlichen Persien gute Ergebnisse erhoffen ließe. Eine Zuckerfabrik in dieser Gegend im'irde außer der Versorgung des persischen Mark­tes einen Ueberschuß für die Ausfuhr erzielen kön-

Predigt und Amt. 2 Uhr Andacht und Segen. Werktags 6 hl. Messe. Mittwoch abend 8*/« Andacht und Segen. — Friedhofskapelle am Franzosenwäldchen. Sonntag 6'/« hl. Messe mit Ansprache und Kommunion-Austeilung. Werktags um 7 hl. Messe mit Kommunion-Austeilung. — Severikirche. 7 hl. Messe, 8 Oberrealschulgottesdienst. — Frauenberg. Fest des hl. Dominikus. Hl. Messen von 5—7 Uhr. Um 8 Uhr Singmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. 9 Uhr Levitenamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr Ordensversammlung für den Franziskus - Männerbund, 5 Uhr Ordensversammlung für die Frauengemeinde.

Neuenberg.. 'M Amt und Predigt. — Lehnerz. 'MO Uhr Amt und Predigt. — Diekershan. 8 Uhr Amt und Predigt.

Maria Ehrenberg. Maria Himmelfahrt, 15. August, 5 Uhr ab Beichte und hl. Messe. 9 Predigt und Hochamt.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 4. August. Fulda. 8 und 9'/, Uhl Pfarrer Hattendorff. 8 Uhr abends Jungmännerverein im Bibliothekzimmer. 8 Uhr abends Jungmädchenverein im Schwesternhaus. — Bad Salzschlirf. 10 Uhr Kirchenrat D. Merzyn-Kassel. Donnerstag 5'/« nachm. Besprechung lebenskundlicher Fragen in der Kirche. Amtswoche Pfr. Hattendorff.

Dienstag, 6. August. Fulda. Es beginnt wieder der Kindergarten.

Mittwoch, 7. August. Fulda. Um 8 Uhr abends Bibelstunde im Schwesternhaus.

Donnerstag, 8. August. Fulda. 8 Uhr abends Mütterverein im Schwesternhaus.

Israelitischer Gottesdienst.

Samstag, ben 3. August. Vorabends 7.30, morgens 7.30, nachm. 5.00, Sabbatausgang 8.55 Uhr.

Dienstag Fasttag 12.20.

Wochentags morgens 6.20, nachm. 7.15, abends 8.50.

nen. Auch Baumwolle von gleicher Güte wie die ägyptische würde nach der mit dem.Anbau von Baumwollpflanzen gemachten Erfahrungen dort erzeugt werden können. Es feien Schritte getan worden, um aus Amerika Baumwollsamen zu be­ziehen.

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer.

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den. Meine Ansicht stimmte. Kaum hatte das neue Kabinett mit mir als Ministerpräsidenten sein Amt angetreten und seine Festigkeit bewiesen, so zeigten sich schon die ersten Vorboten einer all­gemeinen Sanierung im Lande. Wir sind jetzt auf dem besten Wege, schnell zu den normalen Le­bensbedingungen zurückzukehren, auch dort, wo wir sie bisher noch nicht wieder finden konnten.

Ich beabsichtige keine neuen Parlamentswahlen vornehmen zu lassen, denn ich weiß, daß die Atmosphäre gereinigt ist und die Volksvertreter es nicht nur dem Namen nach, sondern auch in Wirklichkeit sind. Ich werde deshalb meine inne­ren Reformen wie bisher fortsetzen. Ich benötige gewaltige Summen Geldes für die drei hauptsäch­lichsten Faktoren zur Bestimmung des ägyptischen Dolkswohls — Bewässerung, Gesundheitswesen und Wohnungsbau — sowie für das Erziehungs­wesen. Die Opposition, der ich begegnete, kam aus dem Lager derjenigen Wafdisten, die sich durch mich in ihrem persönlichen Ehrgeiz getroffen fühlten. Die Beamten sind jetzt, wie in jedem anderen Lande, avsführende Organe der Regierungsgeschäfte. Der Staatsapparat arbeitet glatt und regelmäßig ohne Uebervorteilung und Parteilichkeit.

Ich glaube, daß Aegypten eine große Zukunft hat. Wir hoffen, diese Zukunft dereinst mit der großen Vergangenheit messen zu können. Wir ha­ben ein starkes Nationalgefühl entwickelt, und un­ser Ziel ist das der staatlichen Unabhängigkeit, aber wir wissen, daß die geographische Lage Ae­gyptens sehr eigenartig ist. Seit den ältesten Zei­ten sind wir in engem Kontakt mit den Kulturen gewesen, die an den Gestaden des Mittelmeeres auftauchten und verschwanden. Wir sind die Wäch­ter eines der wichtigsten Seewege der Welt und das Bindeglied zwischen zwei Kontinenten. Mein«. Regierungspolitik ist ein friedliche, was wir ja auch durch unsere bedingungslose Anerkennung des Kellöggpaktes dokumentiert haben. Ich glaube, daß Aegypten durch diese seine Politik und seine wirt­schaftliche Entwicklung viel zur Befriedung der Welt beitragen kann, doch muß es gleichzeitig auch aus die Wahrung seiner eigenen Interessen bedacht sein. Im besonderen wünsche ich mit Großbri­tannien harmonisch zusammen zu arbeiten, da die­ses Verhältnis für beide Teile nur vorteilhaft sein kann, so lange sich die Lösung aller schwebenden Fragen auf einer gerechten Grundlage vollziebt.

Aegyptens industrielle Entwicklung schreitet rasch vorwärts, und wenn wir erst den Gesund­heitszustand unseres Volkes erheblich gebessert so­wie den Wassermangel beseitigt haben werden, wird Aegypten noch weitere, gewaltige Fortschritte erzielen. Diese beiden großen Hindernisse liegen noch auf unserem Wege. Wir beschäftigen uns ernsthaft mit der Schöpfung eines Systems, das es uns ermöglicht, auch die kleineren Ortschaften des Landes mit hinreichenden Wassermengen zu versehen. Betreffs der Nilwässer haben wir be­reits ein befriedigendes Uebereinkommen mit Großbritannien getroffen. Die Erhöhung des As» suan-Staudammes sowie die Anlage eines Stau­dammes bei Gebel Aulia gehören zu den Haupt­punkten dieses Abkommens. Aegyptens industrielle Zukunft erscheint mir somit sehr hell und freundlich, und für seine politische erhoffe ich das Gleiche.

Nack wie vor ist der Sudan Gegenstand von Verbandlungen zwischen Aegypten und Großbri­tannien. Die Besprechungen zwischen Zaghlul Pa­scha und Mac Donald erfolgten zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, und so bin ich denn der Meinung, daß sich eine Lösung dieses strittigen Problems zur beiderseitigen Zufriedenheit noch fin­den lassen wird. Auck die Kapitulationen sind noch ein sehr wichtiger Fragenkomplex, dessey Lösung jedoch ebenfalls schon in Angriff genommen wor­den ist. Es handelt sich hierbei um ein stark ver­altetes System, und die daran interessierten Mächte werden sich schwerlich für seine Beibehal­tung auf die Dauer einsetzen. Aber ich will vor­läufig nicht mehr darüber sagen, da diese Frage in nicht allzu ferner Zeit Gegenstand einer Diskus­sion sein wird.

Mit dem Bau von Krankenhäusern und Hospi­tälern sowie einer Besserung der Wohnungsver­hältnisse der minderbemittelten Stände und damit

Zeitung

Der ehrenvolle Empfang der „Bremen" in New Bork.

3. Blatt.

+$+ Druck bet Fuldaer AcNendruckerei. Fulda

Das Katapultflugzeug der „Bremen" wird auf den Namen „New 9)orf getauft. Rechts: Oberbürgermeister Walter beglückwünscht Kapitän Ziegenbein.

In New Port wurde der „Bremen" nach der Rekordfahrt über den Ozean ein großartiger Empfang bereitet. New Parks Oberbürgermeister taufte eigenhändig das Begleitslugzeug der „Bre­men" auf den Namen seiner Stadt, während alle Schisse im New Parker Hafen zu Ehren des deut­schen Schiffes die Sirenen ertönen ließen.

vilder vom Tage.

JVs IZ8.

Samstag, den 3. August 1929. 4

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Ich bin nicht mehr Diktator."

Von Mahmud Pascha, dem ägyptischen Ministerpräsidenten.

Als Diktator habe ich Schiffbruch erlitten. Ich bin in Wirklichkeit kein Diktator mehr. Das ganze Land steht hinter mir, meiner Politik und Regie­rung. Ich regiere nicht gegen den Willen des ägyptischen Volkes. Das Land ist zur Ueberzeu- gung gekommen, daß die Haltlosigkeit und innere Hohlheit der Wafdisten schlimmer als nutzlos war.

Ich wünsche Ordnung und habe deshalb ver­sucht, aus dem Chaos, das in Aegypten herrscht, ein geordnetes Staatswesen zu schaffen und dabei Glück gehabt. Als ich die Zügel der Regierung ergriff, befand sich Aegypten in einer völlig ver­wirrten politischen Lage. Kein Ministerium, keine Dienststelle, keine Regierungshandlung war da­mals frei von Einmischungen solcher Leute, die dort überhaupt nichts zu suchen hatten. Die Stu­denten versäumten ihre Studien und demonstrier­ten auf den Straßen. Beamte und Gewerbetrei­bende vernachlässigten ebenfalls ihre Arbeiten und mischten sich in die Politik ein. Advokaten und Abgeordnete übten einen ungebührlichen Einfluß aus. Das Parlament war zur Farce geworden. Die in nervöse Spannung versetzte Oeffentlichkeit vergeudete ihre Kräfte in sinnloser Agitation. Das Feilschen um persönliche Vorteile war das Gebot des Tages.

Die vernünftigen Elemente unter den Aegyp- tern wurden von den Geheimbünden der Wafdisten terrorisiert, deren Zweiggruppen jeglichen Aufbau des Landes zu stören wußten. 'Kurz, es bestand eine Willkürherrschaft übelster Art. Sie führte zu nichts. Es gab kein innen- und außenpolitisches Programm, keine klar vorgezeichneten Ziele. Die bequemste Methode zur Erlangung einer theatra­lischen Volkstümlichkeit erblickten die Vertreter die­ser Politik in der Zuspitzung der englisch-ägypti- fchen Beziehungen. Dadurch erlitt Aegypten einen gewaltigen Verlust an Geld und Ansehen. Und die wichtigsten Fragen der inneren Reform, wie die Verbesserung des Bewässerungssystems, des Eesundheits- und Wobnungswesens, blieben indes­sen so gut wie unberücksichtigt. Ich sah ein, daß, falls nichts Entscheidendes geschah, Aegypten Gefahr lief, in eine wenig beneidenswerte Lage zu geraten. Ich bin Konstituionalist und habe stets an eine wahre Demokratie geglaubt; aber ich weiß auch, daß die Grundlage jeder Demokratie eine gerechte Vertei­lung der Gewalten bildet. Ein jedes Glied dieser Gemeinschaft muß am richtigen Platze stehen. Ich wußte, daß sobald der Terror gebrochen war, die fortschrittlichen und positiven Teile des ägyptischen Volkes zur Entfaltung der Kräfte kommen wür-

zugleich einer Hebung des Gesundheitszustandes unseres Volkes wird eine neue Generation von Aegyptern herangezüchtet. Sie wird stärker und tatkräftiger, gesünder, konkurrenzfähiger und gei­stig regsamer fein als die heutige und fähig, den ihr gebührenden Platz in der Welt zu behaupten.

Der löjöhr. Sultan vonMarokko 2NulaiMohammed ist zu seinem ersten Staatsbesuch in Paris ein» getroffen. Sein Reich, das er feit 1927 beherrscht, umfaßt über 4 Millionen Einwohner. Seit 1912 steht es unter französischem „Schutz".

Ms blMmchlrönllem Men.

Cine Aulobusfahrt noch Verdun und in die Champagne.

Von K. Abel, Kaplan.

11 Jahre sind bald "ergangen, seitdem der menschen- Mordende Krieg zu Ende und die Kriegsfurie ganze Län­derstriche verwüstet hat. Friedlicher Arbeit haben sich die Menschen, die Völker wieder zugewandt. Die Wun­den des Krieges aber bluten noch in gar mancher Fa­milie; Lasten, Kriegsschulden, Reparationsleistungen werden noch jahrzehntelang auf den Schultern des Vol­kes ruhen und jene schlimmen Jahre nicht vergessen lassen. Wer gar als Frontkämpfer das Furchtbare, Schreckliche des Krieges mitgemacht, der wird, wenn er auch selten und ungern davon spricht, in stillen Stunden ost daran zurückdenken müssen. Er sieht dann im Geiste wieder die schrecklichen Schlachtfelder von damals und Mancher spricht: Jetzt möchte ich einmal wiedersehen die Kampfgebiete von 1914-18, wie sie heute aussehen, wie jenes Dorf, jene Stadt wiederaufgebaut, oder ob heute "och Trümmer sind, wo über vier Jahre Millionenheere Mit allen Waffen miteinander kämpften.

Jeder ehemalige Kämpfer wird aber sicher öfters noch, Menn auch mit Wehmut jener gedenken, die einst teure hebe Kameraden und Freunde ihm geworden in Not "nd Gefahr, die mit ihm gelitten und gestritten, die er "der dann in fremder Erde begraben mußte. Ist ihr ®rab, ihre Ruhestätte still, unversehrt und gepflegt? Sind die weiten Friedhöfe mit den Tausenden Gefallenen "orödet und verlassen, ober gehegt unb in guter Ordnung? .'"en Gruß aus der Heimat möchte man ihnen bringen, o>ellejcht ein paar Blumen auf ihr Grab.

. Sßer aber möchte nicht auch einmal die Seele des M"nzösischen Volkes kennen lernen, ob dieses heißblütige ^olk „och immer chauvinistisch und militärisch, oder ob auch gdemt aus dem blutigen Weltgeschehen und den ,rfe9 nun verurteilt als das größte Unglück und als Heimsuchung des Volkes, ob auch Gedanken des Friedens der Masse des Volkes Wurzel geschlagen?

®Qs zu sehen und zu erfahren, trieb eine kleine Steife- "^Mchast, Leistens Lehrer aus dem deutschen Freige­

richt, eine Omnibusfahrt nach den Schlachtfeldern von Verdun und der Champagne zu machen.

Dunkle Wolken hingen am Himmel, und ein kalter Windhauch umfing uns, als wollten sie uns rauhe April- ftürme ankünden, als wir uns zur Abfahrt in der Nacht des 2. Dftertages an unserem Omnibus versammelten. Nur Mut! Die Hoffnung bleibt, im Westen besseres Wetter zu finden, und diese Hoffnung wurde nicht zu Schanden.

In flotter Fahrt ging es Kinzig- und Maintal ab­wärts auf der guten Frankfurter Straße. Gar bald nähern wir uns der großen Handels- und Verkehrsmetro­pole Mittelwestdeutfchlands, Frankfurt am Main, das im ersten Morgengrauen einen ganz ungewohnten Eindruck auf uns macht. Frankfurt mit dem frisch und rege pul­sierenden Leben, den Menschen- und Fahrzeuge mim- melnben Straßen lag noch ruhig und schlafend am Feiertagmorgen; nur da und dort war ein Polizeimann zu sehen, freundlich grüßend, als wollte er gute Fahrt uns wünschen.

Vorbei an Höchst mit den großen Fabrikanlagen der I. G. Farbwerke ging es dem Rheine zu, und jeder wollte zuerst ihn grüßen, den vielbesungenen Vater Rhein. Bald leuchteten die mächtigen Kuppeln des Mainzer Domturmes auf, vor uns liegt das weite Rhein­tal, eine neue Welt: bas schöne goldene Mainz, die alte Kulturzentrale des Mittelrheins.

Natürlich richtete unsere ganze Aufmerksamkeit sich auf den renovierten Dom, der innen und außen ein neues F . kleid angelegt hat und schön und herrlich 6a- steht, wie kaum zu einer Zeit seines Bestehens. Ist er doch einer der größten und interessantesten Baudenk- mäler am Rhein, zumal er an Haupt- und Nebengebäu­den die verschiedenen Baustile vergangener Zeit zu einem herrlichen harmonischen Gesamtbild vereinigt. Am Altar des großen Mainzer Bischofs Ketteler versammelte sich d'<» kleine Reisegesellschaft zur hl. Messe, um Gott die Ehre zu gehen und auch seinen Segen zum guten Ge­lingen der Fahrt zu erflehen. Da schon Gottesdienstzeit war, konnten wir die herrlichen Altäre, Grabdenkmäler und Reliefs nur wenig besichtigen. Umso länger durften wir draußen das gewaltige Bauwerk mit den vielen Türmen in seiner Schönheit immitw* des dichten Häuser­

meeres schauen, wie er nun ledig und frei aller Fessel, befreit von Stützen und Gerüsten. Da schieden wir vom Dom mit dem Wunsch, daß er, der selbst viele Kata­strophen erlebt, viele Jahrhunderte wechselvoller deutscher Geschichte geschaut, Auf- und Abstieg des deutschen Vol­kes, in seiner Schönheit ein Symbol fein und werden möge für eine bessere Zeit, für ein neues, glück­liches, freies und friedliches Volk und Vaterland. Am Rhein entlang durch fruchtbares Obst- und Rebenland, im Anblick des vielbesuchten und vielgerühmten Rhein­gaues, kommen wir nach Bingen, einzig gelegen an der Nahemündung in den Rhein, überragt von der Burg Klopp und dem Rochusberg. Von seiner schönen Rhein­terrasse aus haben wir einen Blick auf ein herrliches, mit Naturschönheiten gesegnetes Fleckchen Erde. Gegen­über Rüdesheim, am Fuße des Niederwaldes. Am vor­springenden, steilen Bergeshang, an der Grenze zwischen Wald- und Rebenland über den gestaffelten Weinbergen das Nationaldenkmal, auf hohem, architektonischem Unter­

bau. Ein Blick noch nach dem „Binger Loch", dem Mäuse­turm mitten auf der Rheininsel, auf die Ruine Ehren­fels, die Ruine Rossel, vervollständigen das herrliche Bild dieser einzigschönen Rheinlandschaft.

Fast ungern nehmen wir Abschied; wir müssen das Nahetal hinauf. Bald kommt es: Kreuznach und Mün­ster a. Stein, die Perle des Nahetales. Im Anfang des großen Weltkrieges war hier der Sitz des großen Haupt- guartieres. Münster a. Stein lud zu kurzem Besuch. Die herrlichen Kuranlagen an der schönen zum See er­weiterten Nahe, auf dem schon zur Morgenzeit Paddel­boote und Ruderer sich tummelten, die hohen Porphyr­felsenwände wie aus dem See herausgewachsen, 130 Meter hoch, auf deren schmalem Gipfelpunkt die Burg­reste des Rheingrafensteines, die weiten, mächtigen Gra­dierwerke, die das Münster'fche Badesalz liefern, gegen­über die trutzige Sickingerfeste der Ebernburg, all das hielt uns schon eine Weile fest.

Nun schnell! Ein weiter Weg noch bis Metz, dem ersten Tagesziel, lieber Idar geht's zur Grenze des Saarstaates, und damit zur Zollstation St. Wendel. Doch trotz der besten Vorbereitungen, trotz mehrfach einge­holter Auskunft am Konsulat in Frankfurt sollte ein peinlicher Zwischenfall sich ereignen. Die französischen

Zollbeamten verweigerten uns die Durchfahrt; sie waren kühl unb ablehnend. Am Feiertag sei Büro und l..asse geschlossen. Eine Kaution — 3000 Mark hatten wir "vor­gesehen, — dürften sie nicht annehmen. Eine mißliche Lage! Warten bis zum folgenden Tag stürzte den ganzen Plan über den Haufen. Da muh der „Mann mit dem schwarzen Rock" aussteigen zur Verhandlung mit den Zollbeamten, und wirklich die Farbe machte noch Eindruck. Bald war bas Eis gebrochen, unb in mehr oder minder gutem Französisch hatten wir uns verständigt,daß eine dritte Person eine Bürgschaft für den Omnibus übernehmen müsse. Bald war mit Hilfe der Zollbeamten der Retter aus der Not gefunden. Ein Eisenbahnbeamter, der scheinbar schon öfters in solchen Fällen aus der Not geholfen, übernahm die Bürgschaft. Sein Vertrauen zu uns haben mir gerechtfertigt und ihm gedankt. Im Silberschein der deutschen Mark zeig­ten auch die französischen Zollbeamten bald ein freund­liches liebenswürdiges Wesen und eilten, die Zollsormali. täten zu erledigen. Es ist daher verständlich, daß wir nach deren glücklichen Erledigung, freundlich gestimmt, manch ftohes Lied anstimmten. Dafür war ja auch Grund vorhanden, da wir jetzt durch ein Land fuhren, dessen Bewohner zu ihrem Mutterlande zurück sich sehnen, gern deutsche Lieder Horen. Es ist das reiche und wich­tige Industriegebiet an der Saar. Bekanntlich haben die harten Bestimmungen des Friedensvertrages es unter eine neutrale Regierung gestellt, unter den Völker­bund. Zoll und Steuern fließen den Franzosen zu; die reichen Saargruben sind der französischen Regierung übergeben worden, die sie an private Hand weiterge- geben. 1933 wird das Land seine Liebe zum Dater- lande beweisen müssen durch eine allgemeine Abstim- mung, die aber sicher gut ausfallen wird. Die Zechen und Gruben wird dann Deutschland evtl, zurückkaufen müssen. Als wir am Spätnachmittag die Städte Neun- kirchen unb Saarbrücken durchfuhren, die belebten Straßen sahen unb in der Umgebung die Hochöfen in Tätigkeit, in ununterbrochener Folge Züge mit Eisen, Erz und Kohle, da erkannten wir alle, daß man ein reiches Jndustrieländchen, mit fleißiger und regsamer Be- ■ Dotierung dem Vaterlande für eine Zeitlang entrissen.

(Fortsetzung folgt.)