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MaerZeitung

Freitag. 2. August 1929

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Der Aufmarsch zur Haager Konferenz

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bas Wort, um den verschiedenen Interpellanten zu antworten. . , . „

Di« Aufgabe der neuen Regierung sei zwar be­schränkt. Man habe von einer Ferienregierung ge­sprochen, jedoch dürfe man sich dies nicht so vorstellen, als ob die Regierung noch vor Beginn der Herbst- taqunq des Parlaments verschwinden werde. D'e Abkommen, welche im Haag zustandekämen, mußten von dem Parlament ratifiziert werden, und die Regie-

Das Echo.

wtb. Varis, 1. Slug. (Eig. Meldg.). In der heutigen Morgenpresse, die die gestrige Vertrauens­abstimmung in der Kammer bespricht, vertreten die linksstehenden Blätter ldie Blätter der Parteien, die nicht für das Kabinett gestimmt haben), den Standvunkt: Wir vertrauen Briand, aber nicht dem Ministerium. Die rechtsstehenden Blätter dagegen sagen: Wir haben Vertrauen zum Kabinett, wir stoßen uns aber an der Persönlichkeit Driands. „Oeuvre" und „Ere Nouvelle" heben übereinstim­mend hervor, daß der Gedanke den Sieg davon ge­tragen habe, man dürfe den Mann, der nach dem Haag aeht, um Frankreich zu vertreten, nicht hin­dern. 'Der sozialistische „Populaire" sucht die ab­lehnende Haltung der Sozialisten zurechtfertigen und erklärt: Die Sozialisten könnten nicht verges­sen, daß Briand betont, von seinem vollkommenen Einverständnis mit Poincare gesprochen zu haben. „Volonte" kritisiert die Haltung der Radikalen und gibt der Meinung Ausdruck, daß die Partei- angehörigen im Lande die Stellungnahme ihrer Parteiführer nicht begreifen mürben. „Echo de Paris" und „Figaro", die nationalistischen Blätter, sind skeptisch und erklären: Briand werde es noch zu erweisen haben, daß er die Erwartungen der­jenigen, die gestern für ihn stimmten, nicht ent­täuschen würde.

polen und Haager Konferenz.

wtb. Warschau, 1. August. (Eig. Meld.) Die hiesige Presse rechnet bestimmt damit, daß Polen eingeladen werde, an der Haager Konferenz teil­zunehmen. Sie erblickt darin ein neues Zeichen für die Erstarkung des internationalen Ansehens des polnischen Staates. Wie die Kurser Poranny mit-

hebt sich der Zeppelin rasch von der Erde. Zu­nächst steuert das Schift in nordwestlicher Rich­tung» dreht aber bald ganz nach Westen ab und verschwindet mit dem Kurs nach Basel.

Heber französischem Boden.

wtb. Paris, 1. Aug. (Eig. Meld.) Rach einer Meldung der Agentur Havas aus Belfort, über­flog „Graf Zeppelin" um 7.45 Uhr die Ortschaft BeaucourtbeiBelfort. Infolge der tief- gehenden Wolken und Regen, war das Luftschiff nicht zu sehen. Man hörte nur das Surren der Propeller.

Um 10.48 Uhr hat das Luftschiff Lyon müt dem Kurs nach Süden überflogen. Er hat durch Funkspruch um sofortige Mitteilung der Witte- runqsberichte über der Gegend von Bordeaux ge­beten. Die Weiterfahrt erfolgt nach einem Funk- spruch von Bord des Luftschiffes über das Mittel- meer nach Gibraltar.

Um 12.20 Uhr überflog der „Graf Zeppelin die Stadt Valence im Rhonetal. Ein zahl- reiches Publikum beobachtete das Flugzeug, bis es in südlicher Richtung den Blicken entschwand.

Heber die Fahrt über das Rhonetal werden aus Lyon noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich beim Ueberfliegen der Stadt Lyon in einer Höhe von etwa 300 Meter und hatte eine Stundengeschwin- digkeit von ungefähr 80 Km. Es wurde von einem Flugzeug begleitet, das es in weitem Bogen umkreiste. Rach Passagieren der Saonemun- dung bog das Luftschiff nach Osten ab, um dem Lauf der Rhone über dem rechten Ufer zu folgen. Es herrschte leichter Südwind, der Himmel ist in etwa 1000 Meter Höhe bewölkt, die Sicht ist gut.

lieber die vorangegangene Flugstrecke wird be­richtet, daß der „Graf Zeppelin" um 9.20 Uhr in beträchtlicher Höhe dem Kanal von Burgund ent­lang flog und über St. Jean a Losne bei Dijon ge­sehen wurde. Um 9.15 Uhr befand er sich mit südwestlichem Kurs westlich von Lens-les- Saunier.

Zeppelins zweiter AtlanNkflug

Das Luftschiff zur Kmerikafahrt aufgestiegen.

[er Entschiedenheit ablehnt. Eine besondere Kon- trolle über deutsches Gebiet ist bereits ein Unding geworden, seitdem Deutschland den Loearnovertrag abgeschlossen hat und in den Völkerbund eingetre­ten ist und seine Reparationszahlungen nach gut- licher Verständigung mit den Gläubigermacbten aufs Prompteste im Gange sind. Schon eine Dul­dung der Befatzungstruppen im Rheinland oder einer besonderen Kontrollkommission für das Rhein­land bis zum Jahre 1935 ist für einen Staat, der sich im Dölkerbundsrat befindet ein ungeheures na­tionales Opfer. Die Dergleichskommisfion des Lo- carmoabkommens hat wenigstens äußerlich einem neuen Verhältnis zwischen Deutschland und Frank- reich Rechnung getragen, indem sie von der Vor­aussetzung der politischen und moralischen Gleich- berechtigung der vertragschließenden Teile ausging. Es würde geradezu eine Verkehrung dieses inne­ren Sinnes des Locarnoabkommens bedeuten, wenn künftig diese Dergleichskommission mit den Rechten eines besonderen Kontrollorgans für die entmih- trifierte Zone versehen werden sollte. Es bleibt dabei ganz gleichgültig, welchen schönen Namen man dieser Kontrollkommission und ihren Aufga­ben geben wird. Jede Art von Kontrollkommission, die als Ablösung der Besatzung fungieren soll, würde, wie man sie auch immer bezeichnen mag, einseitig gegen Deutschland gerichtet sein. Der Lo­carnovertrag selbst hat in Deutschland viele Geg­ner Würde seine Dergleickskommission ihren Eha- rafter ändern und yir Basis einer einseitigen Kontrolltätigkeit gegenüber Deutschland umgeman- delt werden, so würde das auf die moralische Auto­rität des Locarno-Abkommens selbst zurückwirken. Es würde auf die Dauer für Deutschland unerträg­lich werden. Wenn die Franzofen wirklich glauben, ihre Besatzungstruppen nicht zurückziehen zu kön­nen, ohne daß eine besondere Kontrollinstanz ein- gerichtet werde, dann mögen sie diese einrichten. Aber als eine Sonderinstanz, unabhängig vom Locarnoabkommen. Und mit dem Jahre 1935 hat ihre Tätigkeit aufzuhören.

Poincare operiert.

wtb. Paris, 1. August. (Eig. Meld.) PoincarS - heute vormittag in einer Privattlinik operiert

Scheoemngen.^n^deflen^Strand^ote^dl^DelegationeNb^r^groken^Mich^-ntergebrlicht werden.

= Friedrichshafen, 1. Aug. (Tel.) Das Luft­schiff „Graf Zeppelin" ftt heute früh 3.29 Uhr mit 18 Passagieren an Bord unter Führung Dr. Eckeners nach Amerika aufge­stiegen. Der Aufttieg ging glatt von statten. „Gras Zeppelin" passierte um 3.55 Uhr Kon­stanz, um 4 Uhr Schaffhause n, um 5.15 Uhr Walds Hut, um 5.35 Uhr Säckingen und um 6.05 Uhr Basel. x

Der Start des Luftschiffes. — Wieder ein blinder Passagier an Bord. .

lieber den Aufstieg des Luftschiffes werden noch folgende Einzelheiten gemeldet:

Um 2.45 Uhr ertönte das Kommando: „Be­satzung ins Schiff". Nachdem der Ballast entleert wär, gingen auch die Passagiere an Bord. Als einer der ersten der russische Pianist Goure- vitsch. Um 3.11 Uhr begab sich Dr. Eckener in das Schiff. 4 Minuten später rollt das Luftschiff aus der Halle in die kühle Nacht hinein.

Plötzlich taucht, als das Schiff die Halle be­reits verlassen hatte, das Gerücht auf, daß wah­rend der Ausfahrt ein Mannvom Dach der Halle auf das in Bewegung befind­liche Luftschiff gesprungen sei. Die Nachricht wird von einem Kontrollbeamten w* (tätigt. Der ungebene Gast hatte sich, wie sich herausstellle, an einem kurzen Strick vom Hallen­dach heruntergelassen und war dabei auf die Hülle des Luftschiffes gesprungen. Wie verlautet, soll es sich um einen der kürzlich entlassenen Arbeiter der Werft handeln. Kapitän Flemming ordnete sofort die Durchsuchung des Schiffes an. Die Nachforschungen blieben aber erfolglos. Um feine kostbare Zeit zu verlieren, entschied sich die Fuh- rung trotzdem zum Aufttieg Der blinde Passagier ist also im Luftschiff geblie­ben und wird die Fahrt mitmachen.

3.29 Uhr ertönt das Kommando „Luftschiff hoch". Unter den Heilrufen der Zuschauermengen rung in ihrer Berechtigung nicht angezweifelt wer­den kann und in dem Youngvertrag selbst bereits als eine conditio fine qua non vorgezeichnet ist, ist man sich ziemlich sicher, daß grundsätzliche Schwierigkeiten nicht gemacht werden. Man weih aber auch, daß Briand als der berufene Dolmetscher der Gefühle des Mißtrauens und der Unsicherheit, die nach wie vor die französische Bevölkerung ge­genüber Deutschland erfüllen, größten Wert dar- auf legen wird, daß für eine etwa abziehende Be­satzungstruppe ein Ersatz geschaffen wird. (Sine Erörterung dieses Punktes kann von der deutschen Delegation nicht vermieden werden, nachdem im September 1926 und auch im Dezember 1928 ge­legentlich der Beratungen des Völkerbundsrates die Möglichkeit einer deutsch-französischen Besprechung über eine besondere Kontrollkommission für die ent­militarisierte Rheinlandzone von Deutschland nicht absolut ausgeschlossen worden ist.

In den jüngsten öffentlichen Auseinandersetzun- gen zwischen deutschen und französischen politischen Führern ist zum Ausdruck gekommen, daß Deutsch­land im Notfälle eine Kontrollkommission bis zum Jahre 1935, also bis zu dem Jahre, in welchem nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages das besetzte Gebiet geräumt fein müsse, vielleicht konzedieren könnte. Frankreich ist aber mit solcher Befristung bis zum Jahre 1935 nicht einverstanden, es will, daß die Kontrolle der entmilltarlsierten Zone auch über das Jahr 1935 hinaus dauere, daß sie einen beständigen Charakter habe. Hier ist der Punkt, wo Deutschland nicht mehr mitmachen kann, es kann um einer vorzeitigen Räumung der besetzten Gebiete willen keine Verpflichtung über­nehmen, die über die des Derfgiller Vertrags hm- ausgeht. Die nachträglich« freiwillige Anerken- nuna des Versailler Diktats durch das Locarno­abkommen war bereits ein außerordentlich großes Entgegenkommen. Der Außenminister Briand hat dies vor etwa einem Jahre in der Kammer in aller Form zugegeben.

Aus gewissen Erörterungen der Pariser Presse, dann aber auch aus Redewendungen französischer Politiker geht nun hervor, daß man in Frankreich verbucht, mit Hilfe des Locarno-Vertrages über

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Wei im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck, und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- .. leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ..

rung habe den Ehrgeiz, ihr Werk vor dem Parlament vielleicht in einer autzerordenüichen Session zu vertre- ten. Keine Regierung habe seit dem Kriege so wich­tige und schwerwiegende Enftcheidungen zu treffen ge- habt; denn die Konferenz im Haag werde eine Reihe von Fragen zu regeln haben, die für das Schicksal Eu­ropas von weittragender Bedeutung sein würden. Der Boung-Plan 'werde die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland auf eine neue Grundlage stellen: denn solange Frankreich die Rolle eines Ge­richtsvollziehers habe spielen müssen, hätte kerne wirk- liche Derständigung zwischen Frankreich und Deutschland Zustandekommen können. Die im Poungplan vorge­sehene Regelung, die Internationalisierung, die Mobil,-, sierung der deutschen Obligationen, eröffne neue Mög­lichkeiten für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Zahlreiche Reibungsflächen zwischen den beiden Landern würden verschwinden. Briand kam sodann auf seinen Plan der Vereinigten Staaten von Eu­ro p a zu sprechen. Er erklärte, daß er bereits seit wer Jahren an dieser Idee arbeite. Worauf es ankomme, sei die Schaffung eines besonderen Organismus, welcher einen ständigen Kontakt zwischen den europäischen Lan­dern herstelle und ein Forum für die Erledigung zahl­reicher Fragen bilden müsse.

Zur Rheinlandräumung erklärte der Mini­sterpräsident. er könne ohne jode vorgefaßte Meinung nach dem Haag gehen. Er werde guten Willen rmt- bringen, dieser müsse aber auch auf der Gegenseite vor- Händen sein. Die Konferenz müsse endgültige Ergeb­nisse zeitigen. Er habe die Hoffnung, daß sie zu einem endgültigen Abschluß führen werde, wie sich auch im einzelnen der Verlauf der Verhandlungen gestalten möge. Briand schloß seine Rede mit der Aufforderung an die Kammer, den Männern, die als Gesandte Frank­reichs auf der internationalen Konferenz aufträten, um die Sache Frankreichs zu verteidigen, möglichst weit­gehende Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Der Führer der Radikalen, Daladier, erklärte, seine Gesinnungsgenossen könnten nicht, für die Regierung stimmen, in der sie innenpolitisch die Reaktion sähen. Sie können auch nicht gegen die Regierung stimmen, da ihr Briand für eine von ihr' gebilligte Außenpolitik bürge.

Bei der Abstimmung über die Vertrauensfrage erhielt die Regierung 324 gegen 13 6 Stim­men bei etwa 150 Enthaltungen, ein Ergebnis, das die Erwartungen übersteigt. Die Kammer war trotz der plötzlichen Zurückberufung ttus den Ferien fast vollzählig versammelt.

^,s neue Kabinett Briand ist am Mitt- , das aus den Sommerferien wieder zu- rrarufene Parlament getreten. In der Kam- «ner^vettas Briand selbst, im Senat Justizminister » Lhmt bie Regierungserklärung. Die Erklärung kÄt zuerst Poincare ehrfurchtsvolle Sympathie

innigste Wünsche für baldige glückliche Heilung 'und fährt dann fort:

^Durck die Finanzierung im Aeuhern, durch das BuÄgleichgewicht, durch die Stabilisierung und muck die Regelung der auswärtigen Schulden ha- ben die beiden vorhergehenden Kabinette die K o n- f -renz möglich gemacht, die sich in einigen Ta- aen versammeln wird und deren Ergebnisse vor der Oeffentlichkeit des Landes die Vollendung des Werks besiegeln sollen, das für die Sich er he 11 «rankreichs in Europa, sowie für ine Ver- Uibiauna seiner höchsten materiellen und morali- chen Interessen in der Oeffentlichkeit durchgeführt worden ist. Es scheint uns, daß gegenüber dieser Ansicht eine Einigung unter uns möglich sein sollte. Die Hoffnung ist gestattet, daß auch diejenigen, die ch der Freiheit ihres Entschlusses zu unserem gro­ßem Bedauern nicht geglaubt haben, unserm An-, erbieten auf Beteiligung an der Regierung ent­sprechen zu können (die Radikalen), wenigstens durch ihre Abstimmung unsere internationalen Aus­gaben erleichtern könnten. D i e S t u n d e i st i e- denfalls ernst genug, um die Aufopferung jeder anderen Erwägung für die Bedürfnisse unse­rer auswärtigen Politik zu rechtfertigen. Drei Monate Burg-Frieden unter den gegen­wärtigen Umständen zu verlangen, erscheint uns keine unmögliche Forderung. Die Haager Kon­ferenz wird ein wesentliches Glied tn der Kette der Organisierung des Friedens sein. Die Verteidigung der Rechte und der Interessen Frankreichs auf dieser internationalen Aussprache, bildet unsere Daseinsberechtigung. Sie ist unser Programm, wir könnten im gegenwärtigen Au­genblick sagen, unser einziges Programm, tim es zu erfüllen, um im Namen des Landes mit der notwendigen Autorität zu sprechen, brauchen wir Ihr Vertrauen, Ihr ganzes durch ihre Ab­stimmung klar zum Ausdruck gebrachtes Vertrauen. Wir stehen den schwersten Verantwortlichkeiten ge­genüber, die seit dem Ende des Krieges auf einer Regierung gelastet haben. Mit Ihrer Hilfe sind wir bereit, sie zu übernehmen. Wir verlassen uns darauf, daß Sie, allein von den Interessen Frank­reichs geleitet, sich auch Ihrer Verantwortung be­wußt sind. m ,

Die Opposition, die nach Verlesung der Regierungserklärung zu Worte kam, verhielt sich sehr bescheiden. Die Radikaffozialen hatten nacy ihrem Entschluß, sich der Stimme zu enthalten, ihre Interpellationen zurückgezogen. Die So­zialisten und die Kommunisten waren also die einzigen Sprecher der Opposition. Der sozialistische Abg. Fr ossär d kündigte an, daß die Sozialisten gegen die Regienlng stimmen würden, da sie kein Vertrauen in ihre innere Poli­tik hätten. Außerdem brauchte man, um eine wirkliche Friedenspolitik zu machen, eine demokra­tische Mehrheit. Sie müßten eine Regierung ab- lehnen, die Gefangene ihrer reaktionären Mehr­heit sei. Marcel Cachin von den Kommunisten beklagte sich namentlich über die Unterdrückungen, welche die Regierung im Hinblick auf die Kund­gebungen am 1. August gegen die Kommunisten vorgenommen hat. Dieses Vorgehen wurde nur dazu führen, das Ansehen der Kommunisten in den Augen der Arbeitermassen zu erhöhen. Nichts werde den Mut des Proletariats erschüttern.

Sodann ergriff

Briand

teilt, wird über die Zusammensetzung der polm- 1 chen Delegation erst heute die Entscheidung fallen. | Es gilt als wahrscheinlich, daß Außenminister Za- leski die polnische Delegation führen wird.

Die Sicherheit am Rhein.

Die Regierungskonferenz wird zwar in einer der schönsten Städte Hollands statffinden, auch liegt einer der berühmtesten Kurorte, Scheveningen, in nächster Nähe, sodaß der Blick der Diplomaten so­zusagen durchaus auf die Sonnenseite des Lebens fallen wird, aber diese äußeren Annehmlichkeiten haben noch keinerlei günstigen Einfluß aus die au- genblicklichen politischen Gemütsverhaltnisse unfe­rn Delegierten auszuüben vermocht. Es besteht keinerlei Meinungsverschiedenheit darüber, daß der Young-Plan nur unter der Voraussetzung von Deutschland angenommen werden wird, daß eine schnelle Räumung der besetzten Ge­biete von allen Befatzungstruppen erfolgt und auch die Wiederherstellung der. vollen deutschen Souveränität über das Saargebiet wieder eingeleitet wird. Da die deutsche Forde-

jene Meinungsverschiedenheit Hinwegzukommen. Auf Grund dieses Abkommens ist bekanntlich eine Vergleichskommission eingesetzt worden, die die zwischen Deutschland und Belgien oder zwi­schen Deutschland und Frankreich auftauchenden Streitfragen aus der Welt schaffen soll, gegen deren Entscheidung schließlich an den Völkerbundsrat ap­pelliert werden tarnt. Diese Vergleichskommission ist ständiger Natur und gilt solange, wie sich der Locarnovertrag selbst in Kraft befindet. Nun scheint es ein französischer Vorschlag werden zu wollen, diese ständige Vergleichskommisiion des Locarnovertrags mit den Befugnissen einer Kon» trollkomission für die entmilitarisierte Rheinland­zone auszustatten. Da in jener ständigen Ver- qleichskommission Deutschland nur etne Stimme bat, wäre also das Übergewicht der Ententestimmen von vornherein sichergestellt und außerdem waren die besonderen Kontrollbefugnisse der Entente über die entmilitarisierte Zone, gesondert von den Zu- ständigkeiten des Völkerbundsrates, für alle Zu­kunft stabilisiert.

Es ist wohl zweckmäßig, wenn die deutsche Def- fentlichkeit solche Gedankengänge schon jetzt Mit al-

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt. ---56 zghrg wJlnmeietlelokal0.60 M. auswärts0,80 'M. UV.Juy l y