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Donnerstag, 1. August 1929

Jlr. 176

Hoffnung für die Zukunft Europas

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Vor fünfzehn Jahren

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotatwnsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schnft- - leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

cher Form sich die Bereinigten Staaten beteiligen, ob nur durch Entsendung eines Beobachters oder in aktiverer Form, steht natürlich bei der Entschei­dung der amerikanischen Regierung. Ebenso wer­den die kleinen Staaten eingeladen, die Repara­tionsgläubiger sind. Zum Teil ist die Aufforde­rung schon an sie ergangen. Für die Uebngen steht sie noch bevor.

fraktionen aufhören oder einflußlos werden, wer­den die Katholiken im Deutschen Reiche aus allen den vorher erwähnten Gebieten wieder aus das schmachvollste geknechtet. Die Zen­trumsfraktionen in den Parlamenten smd daher nach menschlichem Ermessen als . dauernde Insti­tutionen eine absolute Notwendigkeit."

Ministerpräsident Briand und die übrigen. Mit­glieder der Delegation für die Haager Konferenz werden, wie der „Jntransigeant" wissen will, Montag 11 Uhr Paris verlassen und um 18 Uhr im Haag eintrcffen.

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rott). Paris, 31. Juli. (Eig. Meld.) Die fran­zösische Delegation für die Haager Konferenz wird laut „Matin" aus folgenden Personen bestehen: Ministerpräsident Briand, Finanzminister Cheron, dem Sekretär im Außenministerium, Berthelot, dem Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, dem Kabinettschef Leger, dem Rechtsfachverständi­gen des Außenministeriums Fromageot sowie mehreren Sachverständigen, darunter dem Archi­var der Bank von Frankreich Quesney.

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wtb. Paris, 31. Juli. (Eig. Meldg.). Matin erklärt, daß die französische Regierung, nach wie vor dabei bleibt, daß die Haager Reparationskon- ferenz am 6. August beginne Die Nack.- richt, Macdonald würde sich an der Konferenz nicht persönlich beteiligen, sei nickt ernst zu nehmen. Denn gerade der persönliche Wille Macdonalds sei der einzige Grund gewesen, weshalb die Konfe­renz nicht in der Schweiz, also in der Nähe von Genf, tagen würde. Es wäre wohl möglich, daß die holländische Regierung darum ersuchen wird, nicht am 6. August, sondern einige Tage später zu beginnen, weil die technischen Vorbereitungen, na­mentlich die Verbesserung der Telephon- und Tele­graphenverbindungen einige Tage erfordern. Et­was Endgültiges fei aber nicht bekannt geworden. Jede Verzögerung wäre ernst. Denn da der Völ­kerbund Ende August in Genf zusammentrete, habe die Konferenz drei Wochen Zeit, was gerade genug sein werde, den finanziellen Teil des Programms zu entwickeln.

Exelsior gibt ein mit Vorsicht aufzunehmendes Gerücht wieder, wonach die politische Konferenz wahrscheinlich nur ein oder zwei Wochen daubrn und technische Kommissionen einsetzen werde, die bestimmt seien, die Fragen über die Inkraftsetzung des Poung-Planes zu regeln. Die Konferenz wird ihre Arbeiten nach der Session des Völkerbundes, die im September in Genf stattfinden wird, fort« setzen. v ...

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— Berlin, 31. Juli. (Prioatmeld.) lieber d'- formale Seite der Einberufung der Haag- Konferenz verlautet von unterrichteter Seite, daß die sechs beteiligten Möchte vereinbaren, sich am 6. August zu einer festgesetzten Stunde im Haag zu treffen. Zu dieser Zeit wird dann die Eröff­nungssitzung stattfinden. Die sechs Mächte laden Amerika ein, an der Konferenz teilzunehmen und zwar erfolgt die Einladung durch den Doyen

Spanien.

Aus Madrid wird gemeldet:

Verkündung des Kriegszustandes Unter den Linden m Berlin.

Am 1. August 1914 wurde die allgemeine Mobilmachung für Deutschland angeordnet. Der Kriegszustand wurde verhänge und in unendlichen Zügen rollten die Militärtransporte an die Gren­zen. Wenige Tage später nahm das blutige Ringen in ganz Europa seinen Anfang.

Die deutsche Mobilmachungsurkunde.

Bor 15 Jahren, am 28. Juli 1914, erklärte Oesterreich-Ungarn den Krieg an Serbien Schlag auf Schlag folgten die Mobilmachungen und Kriegserklärungen der ubngen Machte. Der Welt­krieg hatte begonnen, der alle Völker so viel an Blut und Gut und Tranen kosten sollte.

Konferenz - Beginn.

Die niederländische Regierung hat in Beant­wortung der von den Regierungen Frankreichs, Englands, Deutschlands, Belgiens, Italiens und Japans unternommenen Schritte wegen Abhaltung der Reparationskonferenz der Regierungen im Haag den betreffenden Gesandten mitgeteilt, daß sie sich steuen werde, die Konferenzmitglieder im Haag zu empfangen. Sie hat dabei der Hoffnung Aus­druck verliehen, daß der kurze Termin, der ihr zur Vorbereitung der Konferenz belassen wird, es ihr doch ermöglichen werde, alle Maßnahmen zu treffen, die einem glatten Geschäftsgang der Kon­ferenz förderlich sein könnten.

dener Akademien, der Aerzte- und Rechtsanwalts­vereine von Madrid und Barcelona, des Allge­meinen Arbeiterverbandes, der Arbeitergewerk­schaften, des Vereins für den Völkerbund und des Vereins für internationales Recht. Die Verurtei­lung wegen politischen Vergehens schließt nicht die Möglichkeit aus, Mitglied der Nationalversamm­lung zu werden.

♦ Das Befinden des Reichskanzlers. Reichs- finanzminister Dr. Hilserdmg ist von seimm Ur­laub nach Berlin zurückgekehrt. Aus der Ruckreise hat er, wie die „Voss. Ztg." berichtet, ln Heldei- berg den Reichskanzler besucht, dessen Befinden sich so erheblich gebessert hat, daß er Be- suche empfangen und auch politische Unterhaltungen führen kann.

den sein hochseliger Vater in einem Briefe an den Erastn Hertling einmal in folgende treffende, von Katholiken, die weniger Erfahrung haben als Bellestrem, wohl zu beachtende Worte gekleidet hatte: „Erkämpfung der kirchlichen Freiheit auf allen Gebieten, der Gleichberechtigung der Katho­liken int Deutschen Reiche, Wiederherstellung bet., christlichen Schule, Durchdringung aller staatlichen Einrichtungen mit christlichen Grundsätzen m v.sind noch lange nicht erreicht, werden nicht s bald vollständig erreicht werden, und wenn sie erreicht werden sollten, müssen sie erhalten werden. Die Katholiken im Deutschen Reich sind eine geborene Minorität; nur durch ihre Elm gkeit gegenüber ihren gespaltenen Gegnern üben sie einen maß- gebenden Einfluß aus. Diese Einigkeit kommt in den Zentrumsftaktionen zum Ausdruck und zur Betätigung. An dem Tage, wo die Zentrums-

irtnüna des Welt-Studentenwerkes in Krems übet die Zukunft Europas hielt, erklärte Seipel, in dieser Frage sei jeder Pessimismus unbegründet. Europa.brauche sich vor der sogenannten Amerika­nisierung nicht zu fürchten. Die Nachricht, daß Briand in der nächsten Zeit einen feierlichen Appell zur Gründung der Vereinigten Staaten von Euwpa oder doch wenigstens zu einem wirt­schaftlichen Zusammenschluß Europas erlassen wolle, habe allenthalben größtes Aufsehen erregt. Für diese Initiative müsse man Briand besonders dank­bar sein. Wenn es nun so scheine, als ob sich die anderen europäischen Staaten gegen eine europä­ische Wirtschaftsunion sehr skeptisch äußerten, so sei daran nur wieder das Mißtrauen schuld. Ganz besonders zurückhaltend sei Amerika, das hinter den Vereinigten Staaten von Europa einen anti- amerikanischen Block vermute. Es bleibe also die Aufgabe der Politiker, Vertrauen zu verbreiten und damit die notwendigen psychologischen Vor­aussetzungen für die Sanierung Europas zu schaffen.

Der L fluguft.

Pariser Maßnahmen.

wtb. Paris, 31. Juli. (Eig. Meldg.). Der Pariser Polizei stehen morgen, wie Journal mel­det, im Ganzen 30 000 Mann Polizei und Mili­tär zur Aufrechterhaltung der Ordnung und 23er- Hinderung von Demonstrationen zur Verfügung.

* Münchens letzte liberale Zeitung. Die ein- zige liberale Tageszeitung Münchens, die „A. Z. am Abend" hat ihr Erscheinen eingestellt. Das Blatt war die Fortsetzung der seinerzeit weit über

* Graf Ballestrem, der Sohn des bekannten langjährigen führenden Zentrumsparlamentariers und Reichstagspräsidenten, ist in Schlesien,, zu dessen alten Adel er gehörte, im 63. Lebensjahr gestorben. Graf Ballestrem war auch in der neuen Zeit dem Zentrum treu geblieben. In seinem Kreise war Graf Ballestrem bis heute anerkannter Führer des Zentrums, und das Ver­trauen, das er sich hier in allen Volksschichten durch sein bescheidenes, liebenswürdiges, stets hilfs­bereites Wesen erwarb, führte dazu, daß er auch in den Preußischen Landtag als Abgeordneter entsandt wurde. Graf Ballestrem bekundete den Sitzungen des Vorstandes und der Vertrauens­männer der Niederschlesischen Zentrumspartei stets reges Interesse, fein Rat wurde gern gehört und beachtet, wie überhaupt fein ganzes Tun und Lassen von dem einen Gedanken beherrscht schien.

In einem Erlaß über die Vermehrung der Zahl der Mitglieder der Nationalversammlung werden , zuerst die Gründe zu dieser Maßnahme dargelegt Das Schulden,-Problem. I und dabei erklärt, der Augenblick scheine der Regie-

,. Qi «..r; /ffizj Meld ) I rung günstig, um die Aenderung der Berfassung

suchen Botschafter ClaudelNoten aus, m, oenen Jahre 1876 habe sich ungenügend

der Au chub der Tlgung der 400 JKiUtonen « Regierungen zur Autoritätslosig-

Dollar Kriegsmaterialschuld entsprechend der Ent- gezeigt um me ggierung n 3 »

schließung jetzt in Kraft tritt, da Frankreich das murtet^ U norme ^e, volle

Mellon-Berenger-Abkommen vor dem 1. August I . '< r-^ Hie Regierung habe sich über

ratifiziert hat. Mellon sprach die Erwartung aus, der noch

daß' der Kongreß seinerseits das Abkommen m den Entwurf «ner^ NEn^f-st

einer Sondersession ratifizieren werde, sodaß die I . .. n Ministerpräsidenten und Vorsitzenden

Kriegsmaterialschuld ganz m Wegfall komme. I Kadern und des Staatsrats ein, ihre Mei-

akfütliiMncfannforpni I nung darüber auszusprechen. Der zweite Teil des

Die nvrufiungsttonserenz. I Erlasses enthält sieben Artikel. Die Sitze tn der Aus London wird gemeldet: Nationalversammlung werden um 49 vermehrt.

Wie der Amtliche Britische Funkdienst berich- Sitze erhalten Vertreter der Universitäten, verschie- tet, wurde die in Washington laut gewordene 23er« I mutung, daß es sich ermöglichen lassen werde, noch | vor Ablauf des Jahres in London eine Abrüstungs. konferenz der führenden Seemächte abzuhalten, in London mit Interesse aufgenommen. Man ist hier der Meinung, daß bei einem zufriedenstellenden Verlauf der vorbereitenden Besprechungen zwischen den Vertretern Englands und der Vereinigten Staaten die Abrüstungskonferenz, die nach der auf der Washingtoner Konferenz getroffenen Verein- | barung im Jahre 1931 stattfinden sollte, schon in i diesem Jahre abgehalten werden kann. Der ameri­kanische Botschafter General Dawes hatte eine wei­tere Unterredung mit Premierminister Macdonald über die Frage der Abrüstung zur See.

(Ein Bärendienst.

Mit dem theoretischen Gefasel über den Ersatz der deutschen Sozialversicherung durch Zwangs­sparkassen ist Deutschland ein schlechter Dienst er­wiesen worden. In erster Linie war es die deutsch- nationale Presse des Herrn Hugenberg, die von den Segnungen einer Zwangssparkasse Rühmens machte. Jetzt wird zu dem Feldzug, den „Lokalanz. und „Deutsche Zeitung" gegen den Poungplan führen, der Korrespondenz der christlichen Gewerk­schaften „aus deutschnationalen Kreisen" getrie­ben:

„Haben „Deutsche Zeitung", „Tag", „Lokal- anzeiger" nicht allen Grund, schamhaft zu schwei­gen?" Tragen sie nicht ihr voll gerüttelt und ge­tüftelt Maß Schuld an der unerträglichen Be- lastung, die unserem deutschen Volk durch den Aoungplan auferlegt wird?

Sie haben monatelang, auch während der Pa­riser Verhandlungen, das Buch von Gustav Hartz „Irrwege der deutschen Sozialpoli- t i k" propagiert, sie haben insbesondere mitJBefya* gen immer und immer wieder seine Milchmädchen- r-chnl'ngen abgebritctf. wonach ein deutscher Arbei- ter 36 000 bis 108000 Rrn. ersparen kann, wenn nur statt der Sozialversicherung die Zwangs« sparkasse durchgeführt wird.

Jetzt jammern sie, wenn französische Politiker und Journalisten sagen: In Deutschland wird ge- rad° von den Nationalisten immer wieder nachge« wwfen, daß ein deutscher Arbeiter 600 000 bis | 700 000 Franken sparen kann. Kein französischer I Arbeiter — und sie sind doch sicher ebenso fleißig und sparsam wie die Deutschen fann aud) nur 100 000 Franken sparen, meist begnügt er sich, n>enn er es auf 50 000 gebracht hat. Kann aber der deutsche Arbeiter zwölfmal so viel sparen, dann gchts ihm also viel besser als dem-französi­schen Arbeiter, dann kann er aber auch zahlen' J»des Nachgeben würde eine ungerechtfertigte Be­lastung des französischen Arbeiters zugunsten des deutschen fein, das darf Frankreich nicht zulaffen Hier ist einer der zugkräftigsten Grunde Mit denen ntan der Welt und der franzosuchm Deffent« lickkeif die dauernde Belastung Deutschlands klar- macht, und hier liegt die Schuld eines Teiles der Rechtspresse und ihrer Hintermänner klar zutage.

Jeüt nüht es nichts mehr, daß der Scherl-Ver­lag das Hartzfche Buch, zurückhält. Der Dolchstoß gegen die deutsche Sozialvolitik hat seinen Zr eck erreicht, der Poungplan ift eme feiner Folgen. Die Schuldigen mögen noch so laut fdjreten: ^Das ha­ben wir nicht gewollt", danach wird die Geschichte nicht fragen. __________________________

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

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