Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
vor der Haager Konferenz
Die Bestimmung des Konferenzortes hätte nicht gut später erfolgen können, als sie tatsächlich geschehen ist. Auf die großen Hotels in Scheveningen und im Haag ist nun jetzt ein Platzregen von Zimmerbestellungen durch die Auswärtigen Aemter der einzelnen an der Konferenz teilnehmenden Staaten erfolgt. Man nimmt an, daß die Konferenz etwa 2 000 Politiker, Sachverständige und Journalisten nach dem Haag und dem Kurort Scheveningen herbeiziehen wird.
Zurzeit hat es nicht den Anschein, als ob der Verlauf der Konferenz ein ziemlich glatter sein werde. Die deutsche Regierung hat zwar den Young-Plan angenommen insofern, als sie ihn als eine geeignete Grundlage für die Verhandlungen der Regierungen anerkannt hat, aber es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß eine endgültige Annahme durch Deutschland noch von der Erfüllung sehr gewichtiger Voraussetzungen abhängen wird, die man bisher noch nicht hat konzedieren wollen. Die französische Regierung hat bei den Senats- und Kammerverhandlungen in den letzten Wochen mehrfach Gelegenheit gehabt, sich zu den deutschen Forderungen zu äußern, aber sowohl Poincare wie Vriand haben von dieser Gelegenheit einen nur recht bescheidenen Gebrauch gemacht. Die französische Regierung will offensichtlich keine Trümpfe aus der Hand geben, die sie auf der Haager Konferenz noch mit Gewinn glaubt anwenden zu können. Es kann ja nicht mehr übersehen werden, daß auf der Pariser Sachverständigenkonferenz das französische Interesse am besten abge- fchnitten hat, das wohl kein Land so sehr wie das französische, besonders nachdem jetzt die Ratifizierung des englischen und amerikanischen Schutden- abkommen bewilligt worden ist, darauf angewiesen ist, daß der Young-Plan in Kraft tritt, und durch Jahrzehnte hindurch erfolgreich funktioniert. Die Franzosen werden bemüht sein, die Unterstützung Deutschlands im Haag gewinnen und zu diesem Zwecke die deutschen Forderungen eben in taktischer Zurückhaltung offengelassen haben.
Daß Frankreich im Haag keinen leichten Stand baben wird, das geht aus dem Vorstoß des englischen Finanzministers Snowden bervor, der in der Nachmittagssitzung des Unterhauses vom 26. Juli die ziemlich unverblümte Erklärung abgckb, daß der Verteilungsschlüssel des Young-Planes nicht annehmbar fei. Daß solche Kritik von der neuen Arbeiterregierung in England erwartet werden müsse, darüber sind sich wohl die französischen Staatsmänner seit langem im klaren gewesen. Und vielleicht hat die Verzögerung der Bestimmung des Konserenzortes einen wesentlichen Grund darin gehabt, daß man in Frankreich versucht hat, auf England einzuwirken, um seinen Protest gegen den neuen Verteilungsschlüssel der Reparationseinkünfte zu verhindern. Es heißt in der fehr kurz skizzierten Rede Snowdens:
„Nach englischer Auffassung ist die bevorstehende Konferenz berechtigt, über jede Einzelheit des Young-Planes ausführlich zu verhandeln. Die englische Regierung kann vom Young-Plan nur die Höhe der Annuitäten akzeptieren. Der neue.
für England so ungünstige Verteilungsschlüssel für Sachleistungen und die Teilung der Annuitäten in erste Annuitäten und Annuitäten mit Transferschutz muß Gegenstand von Verhandlungen sein. Der Young-Plan mutet mit seinem neuen Verteilungsschlüssel England ein jährliches Opfer von 2% Millionen Pfund gegenüber der Verteilung durch den Spaa-Schlüssel zu. Außerdem verlangt man von England, daß bei der Berechnung des Wertes der deutschen Leistungen ein Betrag von 200 Millionen Pfund außer Anrechnung bleibe, die England bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr an Amerika gezahlt hat, als es von Deutschland und feinen europäischen Schuldnern empfangen hat. Wenn der Spaa-Schlüssel wieder hergestellt wird, würde England wenigstens eine kleine Ent- fchädigung für diese 200 Millionen Pfund finden."
Mit diesen Worten hat der englische Finaniz. Minister ein bedeutsames kritisches Moment in die Verhandlungen über den Young-Plan hineinge- bracht. Die Wiedereinführung des Spaa-Schlüisels würde natürlich auf Kosten Frankreichs geschehen und die Franzosen sind ohnehin in großer Not unk Sorge, daß die von Deutschland einlaufenden Geb der nicht genügend garantiert seien. Es ist nun durchaus möglich, wie gesagt, daß sich Frankreich auf der Haager Konferenz die Unterstützung Deutsch, lands sucht. Zwar ist die Verteilungsfrage keine Angelegenheit, die Deutschland interessiert, wenn aber über diefe Frage keine Verständigung erfolgt und als dann der Young-Plan von England abgelehnt würde, dann wäre das Jntereffe Deutschlands naturgemäß erheblich engagiert. Es ist allerdings auch der Fall denkbar, daß Frankreich England nachgibt unter der Voraussetztzung, daß sich die englische Negierung gewissen französischen Wünschen fügt, so etwa hinsichtlich der Sicherheitsleistungen für die deutschen Sicherheitspfänder. Dann würde sich wiederholen, was wir in den vergangenen zehn Jahren schon so oft erlebt haben, daß nämlich Akte der Einigung und Verständigung zwisckien Frankreich und England gewöhnlich auf de mRücken Deutschlands zustande gekommen sind.
Verschiebung auf den 16. August?
„Times" berichtet aus Paris: Wenn die Ab ficht der beteiligten Regierungen, die Vereinigte: Staaten zur Entsendung eines Vertre« t e r s zur Reparationskonferenz einzuladen, bestehen bleibt, so würde die für die Ernennung des Delegierten und seine Reise nach Eurova erforderliche Zeit die Verschiebung des Eröffnungstages notwendig machen. Unter Berücksichtigung dessen wird ber '16. August als der wahrscheinlichste Zeit- vunkt für den Zusammentritt der Konferenz angesehen. Auch in Paris rechnet man wegen des Regierungswechsels auf einen Aufschub.
Die Schulden.
Aus Washington wird gemeldet:
Zur Ratifizierung des Berenger-Mellon-Abkom mens durch Frankreich sagte der amerikanische Präsident Hoover, er glaube angesichts der entgegenkommenden Haltung des amerikanischen Volkes be-
Jlr. 174
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Dienstag, 30. Juli 1929.
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Nach poincare Scheiden.
/ Der in stürmischem Tempo durchgesührte Kabi- krettswechsel in Paris hat großes Aufsehen erregt. Poincare, der nicht etwa diplomatisch erkrankt war, sondern schwer leidend ist, hat sich zurückgezogen. Ente Kenner der französischen Politik nehmen an, daß er diesmal nicht mehr wiederkehrt. Bemerkenswert ist die Charakteristik, die wir in der „Frankfurter Zeitung" über den scheidenden Leiter der französischen Polittk finden. Es heißt da:
Poincare ist den Siebzigern ganz nahe. Die ungeheure, ungeheuerliche Arbeitskraft, die er in den letzten Jahren entfaltet hat, wird durch eine Krankheit gebrochen. Wahrscheinlich nicht endgültig. Clemenceau hat die gleiche Operation durchgemacht, als er schon viel älter war. Aber die politisch» Rolle Pomcares ist wohl zu Ende. Das politische Leben in Frankreich ist zwar an Ueberraschungen reich genug. Es sind schon Männer wieder auf die Bühne getreten, die in einem Abgrund aus immer versunken schienen. Poincare selbst gehört zu diesen Figuren. Mehrmals ist er abgetreten unter Bedingungen, die eine Wiederkehr auszu- schließen schienen. Aber immer wieder kam eine Situation, in der er der gegebene, der nicht zu umgehende, der rettende Mann war. Er war in vielem nicht der typische Franzose. Man schrieb ihm
Poincare.
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Dualitäten zu, die eher in das Schema des deutschen Charakters passen: den Ernst, die harte Ausdauer. Von Poincare wird kaum ein einziges Witzwort erzählt. Er hat niemals eine geistreiche Rede gehalten. Er besitzt eine glänzende allgemeine Bildung, aber er gab sich immer nur als den Fachmann, als den Juristen, als den Finanzmann, den Politiker von Beruf. Er warf sich stets mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit in feine Tätigkeit, in einen ganz begrenzten Abschnitt? Aber er holte dann auch das Letzte heraus, was mit unerbittlicher Logik aus der Gegebenheit des Augenblicks zu gewinnen war. So war Poincare stets scharfkantig, eckig, rücksichtslos in der Verfolgung feiner Idee. Er verschleierte sich nie. Er stand immer da als der Robuste, der Attive, der Zu- areifende. Das schuf ihm bei einer großen Masse feiner Landsleute die unbestrittene Autorität, das rücksichtsloses Vertrauen. Als Frankreich in einer Fnflanonskrise zu versinken drohte, wirkte sein Name wie ein Zauber. Er kam aufs neue an die Spitze der Regierung, deren Mehrheit eigentlich eine andere politische Achsenrichtung hatte. Die Begrenzung, die Poincare sich stets aufzuerlegen wußte, gab ihm die Kraft der Konzentration, die ben Erfolg in sich tragt.
Poincare war kein Freund des Deutschen. Das soll uns nicht hindern, seine Qualitäten zu sehen und anzuerkennen. In der geschichtlichen Perspek- ttve wird er nicht auf dem ersten Platze sitzen können. Er stand nicht genug über den Dingen. Er sah nicht weit genug in die Zukunft wie Briand. Ihm ging alles um das nächste Ziel und um die vorgezeichnete Aufgabe. Mer Sinn für das Atmosphärische in den internationalen Beziehungen fehlte ihm. Seine Stellung zu Deutschland war von Jugendeindrücken bestimmt. Als Knabe erlebte er den deutschen Einmarsch von 1870. Als Ministerpräsident, als Haupt der Republik sah er dann die Stunde reifen, in der Europa Frankreich die Revanche gestattete. Er war zwar nie ein Apostel der Revanche gewesen. Vor vierzig Jahren hat er als Unterrichtsminister Zirkulare an die Lehrer geschickt: „Sie sollen die neue Generation zur Friedensliebe erziehen." Er mußte sich damals von den Nationalisten sagen lassen, es fei eine Schande für Frankreich, er verleugne die Revanche. Er ist mit Clemenceau, der immer das Humanitätsideal gepredigt hatte, der Vollender der Revanche geworden. Die Zeiten hatten sich geändert. Die russische Allianz, die englische Entente, die Freundschaft mit Italien hatte Frankreich wieder zu einem hohen Selbstverttauen verholsen. Wenn ein Krieg mit Deutschland lange als das offene Verderben angesehen wurde, dann war er unter den neuen europäischen Gewichtsverteilungen nicht mehr das unmögliche Wagnis. Hat Poincare zum Krieg getrieben? Von einem bestimmten Augenblick an hat er ihn jedenfalls nicht mehr gehemmt. Er gab dem russischen Bundesgenossen einen Blankowechsel. Das war sein schwerster polittscher Fehler, den fteilich viele Franzosen nie als Fehler bezeichnen werden. Denn der Krieg war siegreich und brachte Frankreich eine neue Vorherrschaft in Europa. Dem Sieger geht es wirtschaftlich nicht viel besser als dem Besiegten. Mer die politischen Ziele sind erreicht. Das wird immer zu sehr vergessen, wenn man in Frankreich vorn Ertrage des Krieges redet und dabei nur an die noch einzutreibenden Reparationen denkt. Jedenfalls ist
Poincare einer der wenigen, die an der Entwicklung zum Krieg einen großen Teil der Verant- toortung tragen. Er schreibt Bände von Auszeichnungen, um die Reinheit seiner Hände zu beweisen. Aber es gibt Tatsachen, die sich nicht mehr aus der Welt schassen lassen, auch nicht mit dem geschicktesten Advokatenplädoyer und dem reichlichsten Aktenmaterial, das eben zu reichlich ist, um nicht mit Lücken vorgetragen werden zu können.
Diese tiefe Verwicklung in die Ursachen der Katastrophe erklärt auch Pomcares Haltung im und nach dem Weltkriege. Frankreich hatte den Krieg gewonnen, es durste den Frieden nicht verlieren. Die Friedensbilanz akttv zu machen, sah Poincare als die letzte Ausgabe seines Lebens an. Er empfand den Undank seiner Nation, als er nach Ablauf seines ersten Septennats nicht wieder zum Präsidenten der Republik gewählt wurde. Man hatte genug von ihm. In allen Bürgermeistereien steht auf einer Marmortafel mit Goldschrist: Poincare und Clemenceau haben sich um das Vaterland verdient gemacht. Aber die Politik stieß beide aus. Poincare fing an zu schreiben, in Zeitungen und Zeitschriften, um immer wieder seine Ideen zu verfechten und vorwärts zu treiben. Langsam tarn er wieder ins Gesichtsfeld der akttven Polittk. Er wurde wieder Ministerpräsident mit der Devise: Deutschland muß bezahlen. Die Reparation wurde sein Apostolat. Daraus folgte der Einbruch in die Ruhr, der ihn plötzlich zuletzt fteilich nötigte, die Regierung an eine versöhnlichere Richtung abzugeben. Die steinharten scharfen Züge des Poincare von 1923 werden seine historische Physiognomie bestimmen. Er hat sich nachher anzu- passen gewußt, aber nur den Notwendigkeiten, die während seines Fernseins von der Regierung neue Verhältnisse geschaffen hatten: Locarno und Deutschlands Eintritt in den Völkerbund.
Sicherheit und Reparation für Frankreich, das hat diesem außerordentlich zähen und kräftigen Mann die Energie der höchsten Krastenffaltung gegeben. Er tritt ab, nachdem diese Ziele erreicht oder nahezu erreicht sind. Die bevorstehende Regierungskonferenz wird er nicht besuchen und auch nicht als Regierungschef von zu Hause aus zu beemfluffen haben. Seine Krankheit ist nicht diplomatisch. Aber sie befreit ihn auch von einer Mitarbeit an einer Friedensarbeit, die ihm nicht lag: die „Liquidation des Kriegs", die im Haag verwirklicht werden soll, braucht andere Charaktere, andere Persönlichkeiten, die der Zukunft freier gegenüberfteben, weil sie nicht so schwer mit Vergangenheit belastet sind.
Brianös 12. Kabinett
Der Präsident der Republik Doumergue hat, wie aus Paris gemeldet wird, Briand mit der Kabinettsbildung betraut. Briand hat diesen Auftrag angenommen. Es ist das 12. Mal, daß Briand zur Bildung eines Kabinetts berufen wird.
Die Pariser Presse vertritt den Standpunkt, daß Briand den Versuch machen wird, ein republikanisches Konzentrationsministe- rium zu bilden, in dem vertreten sein sollen außer den Mittelparteien die Sozialrepublikaner, die Radikalen und die Gruppe Maginot, was ihm eine stabile Mehrheit von rund 40 Sitzen sichern würde. Die Entscheidung darüber, ob eine derartige Kombination durchführbar ist, hängt von der Stellungnahme der Radikalen ab, und zwar vor allem von der Frage, ob Briand zu der alten republikanischen Tradition zurückkehren wird, das Innenministerium einem radikalen Politiker zu übertragen. In den Wandelgängen der Kammer wurde deshalb.erklärt, daß von der Entscheidung dieser Frage es abhängen werde, ob Briand rasch die Kabinettsbildung durchfuhren kann.
Dir radikale Partei lehnt ab.
wtb. Paris, 29. Juli. (Eig. Meld.) Die radikale Pattei hat das Angebot Briands, Mitglieder der Patter als Staatsminister in das Ministerium aufzunehmen, abgelehnt. Der Vorsitzende der Partei, Daladi er, hat Auftrag erhalten, Briand hiervon in Kenntnis zu setzen. Briand begibt sich nunmehr nach dem Elysee, um dem Präsidenten der Republik von diesem Beschluß Mitteilung zu machen. Man kann nunmehr, wie Savas betont, als fast sicher annehmen, daß alle Mitglieder des zurückgetretenen Kabinetts mit Ausnahme Pomcares dem neuen Ministerium angehören werden.
(Eble Bemühungen.
Die deukschpolnifchen Beziehungen.
Das deutsch-polnische Komitee erläßt folgende Erklärung:
Die deutsch-polnischen Beziehungen drohen sich von neuem ernsthaft zu verschlechtern. Nachdem in langen Vorarbeiten für den endlichen Abschluß des deutsch-polnischen Handelsvertrages die deutsch-polnischen Handesvertrages die wesentlichsten Fragen geklärt waren, hat die deutsche Regierung auf den Wunsch Polen, bereits am 25. Juli offizielle Verhandlungen wiederaufzunehmen, geantwortet, daß infolge Abwesenheit der führenden Persönlichkeiten von Berlin der Termin des Verhandlungsbeginnes um mehrere Wochen verschoben werden müsse. Diese neue Verzögerung ist von der polnischen Oeffentlichkeit als gewollte Verschleppung der Verhandlungen aufgefaßt worden und haf zu Schritten der polnischen Regierung geführt, die die Atmosphäre weiter zu verschlechtern drohen. Das deutsch-polnische Komitee hält es angesichts dieses Tatbestandes für feine Pfücht, auf die Gefahren hinzuweifen, die eine neue Verschlechterung des deutsch-polnischen Verhältnisses mit sich bringt. Das Komitee gibt deshalb dem dringenden Wunsch« Ausdruck, daß der Termin für
die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Polen nicht über das notwendige Maß hinaus verzögert werde. Es sollte ohne große Schwierigkeiten möglich sein, der Delegation die durch die neuen Agrarzölle notwendig gewordenen neuen Unterlagen für ihre Verhandlungen so schnell zu verschaffen, daß der Eindruck einer absichtlichen Verzögerung vermieden wird. Die polnische Oeffentlichkeit ihrerseits sollte sich sagen, daß ein Versuch des Druckes etwa in der Frage der Liquidationen das Gegenteil des gewollten Erfolges bewirken kann, und daß Depressionen in der deutschen Oeffentlichkeit eine Stimmung Hervorrufen würden, die den unerläßlichen Abschluß eines Han. delsvertrages zwischen Deutschland und Polen verhängnisvoll erschweren muß.
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Aus Kattowitz wird gemeldet: Staatsan- ( walt Malkowitz hat gegen das U r t e i l i rn U l i tz-
Prozeß Berufung eingelegt mit der Begründung, daß das Strafmaß nicht feinem Anträge entspreche.
* Innenminister Grzesinski 50 Jahre alt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hader preußische Ministerpräsident Dr. Braun ar den preußischen Innenminister Grzesinski zum 50. Geburtstag folgendes Glückwunschtelegramm oe« richtet: Zum 50. Geburtstag sende ich Ihnen zu- gleich im Namen des Staatsminifteriums herzlichste Glückwünsche mit den wärmsten Wünschen für Ihr ferneres Wohlergehen. Auch die Reichsregierung hat gratuliert.
♦ Der schwedische Flottenübungsverband, beste- hend aus dem Schiff Sven, sechs U-Booten, einem Flugzeugmutterschiff, einem Depeschenboot und 5 Flugzeugen hat den Kieler Hafen, wo es am Samstagvormittag eingetroffen war, wieder verlassen und hat die Rückfahrt angetreten.
ReWllliuisttt Zr. Wirth filier WnlaWragen.
Der 45. Rheinische Handwerkettag, der in diesen Tagen in Trier abgehalten wird, wurde mit einer großen öffentlichen Kundgebung eröffnet, der Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, insbe» sondern auch des Ministeriums für die besetzten Gebiete, beiwohnten. Noch einer Begrüßungsansprache durch den Vizepräsidenten des Reichstages und Präsidenten des Rheinischen Handwerkerbundes Esser ergriff Reichsminister Dr. Wirth das Wort.
Dr. Wirth wies einleitend auf den Wert des Friedens für die Wirtschaft und die Kultur Europas hin. Das Handwerk müsse, um an der großen, dem deutschen Volke gestellten Aufgabe teil« nehmen zu können, feinen Blick aus dem engen Berufskreise herausrichten auf den großen Lebenskreis des deutschen Volkes und den noch größeren der ganzen Welt. Das Handwerk müsse politische Menschen erziehen und sie vorwättsstoßen in die politischen Parteien, damit sie wirksam werden im Staate und im Eemeindewesen. Die Entscheidung über den Aufbau der wirtschaftlichen Existenz liege in der Fortführung einer konsequenten und glücklichen Politik nach innen und nach außen. Nur bei einer günstigen Lösung der Konferenz im Haag sei es möglich, an die zahlreichen Aufgaben heranzugehen, die heute im Westen des Deutschen Reiches brennend seien. Es müßten vor allem Wege,
Brücken, Eisenbahnlinien, Schulhäuser und Wasserleitungen in der Eifel, auf dem Hochwald und im Hunsrück gebaut werden. Wenn wir vorwärts- f(breiten wollen, müssen wir nach der Bereinigung der politischen Atmosphäre ein Programm des Wiederaufbaues in wirtschaftlicher und politischer Beziehung aufstellen, das sich auf eine Dauer von mindestens zehn Jahren erstreckt, und in dem systematisch und organisch alle die Dinge zusam- mengefaht werden, die einer Besserung im besetzten Gebiete bedürfen. Wenn es gelingt, zu einer Senkung der Dawes-Lasten zu kommen, bann erwartet die Bevölkerung am Rhein, daß die i -ermäßigen Realsteuern und namentlich die Gewerbe- unb Hauszinssteuer fühlbar gesenkt werden.
Dr. Wirth kam zum Schluß auf bie von Frankreich geforberte bauernbe Kontrollkommission am Rhein zu sprechen unb bezeicb- riete diese Forderung psychologisch und politisch als unmöglich. Keine der deutschen politischen Parteien werde sich für eine solche Kommission aussprechen können, ohne sich selbst aufzugeben. Das deutsche Volk wolle in seiner Mehrheit den Frieden mit Frankreich. Diese Kontrollkommission sei aber mit dem Gedanken der europäischen Solidari-, tät und einem Paneuropa, wovon Briand gesprochen habe, unvereinbar. Der Rhein sei deutsch, aber er müsse auch frei fein.