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uldaerZeilung

Amtliches Kreisblatt.

Samstag, 27. Juli 1929

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Die VkMkidllng eines Lneges in der Mandschurei

Am 24. Juli hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika in einfacher, aber feier­licher Zeremonie das Inkrafttreten des Kellogg- paktes, der den Krieg ächtet, proklamiert. Dieses Ereignis wird von der nationalistischen und kom­munistischen Presse mit dem Maß der Ironie kom­mentiert, das ihnen immer zur Verfügung steht, wenn es sich um die Arbeiten für den Frieden handelt. Es wird von diesen Zeitungen daran er­innert, daß der Ausgangspunkt des Kelloggpaktes der etwas tückische Wunsch des französischen Au­ßenministers Briand gewesen sei. ein französisch- amerikanisches Seelenbündnis zu beschließen, daß es zwar dann Kellogg gelungen sei, an die Stelle eines solchen zweiseitigen Vertrages einen allsei­tigen zu setzen, daß aber die Verhandlungen dar­über durch'das englisch-französische Flottenabkom­men bösartig durchkreuzt worden seien und daß vor allem England und Frankreich ihre, Zustim­mung mit allerhand Vorbehalten verknüpft hätten, die den Pakt um jede wirkliche Bedeutung gebracht hätten. Zugleich wird darauf verwiesen, daß die feierliche Proklamierung in einem Augenblick ge­schähe, wo zwei Mitunterzeichner, nämlich Ruß­land und Cbina im Begriffe ständen, den Pakt zu verraten. An ironischen Bemerkungen fehlt es also nicht, womit wieder einmal bestätigt wird, daß der Spott eine besondere Liebhaberei der Gei­ster ist, die stets verneinen.

Es ist noch durchaus nicht ausgemacht, ob nicht auch in dem jebt Zwischen Rußland und China ausgebrochcnen Konflikt der Kellaggvakt seine Wir­kung zeigen wird. Der amerikanische Präsident Hoover hat sich bereits im Sinne des Kriegs­ächtungsvertrages an den französischen Außenmini­ster Briand gewandt, damit er eine Intervention beginne. Briand bat nickt gezögert, diesem Wunsche nackzukommen. Es sind auch Bespreckungen ein­geleitet worden, die einen erfreulichen Ausgang er­hoffen lassen. Wenn natürlich die zahlreichen Weiß­gardisten an der russisck-mandschuriscken Grenze, die dort eigene Truppenkörver gebildet haben, Zwisckenkäile provozieren, alio russische Emigran­ten, die sich heute in ihrem Fanatismus allenthal­ben gerne außerhalb der staatsrechtlichen und völ­kerrechtlichen Gesetze stellen, dann bleibt selbstver­ständlich der Frieden erheblich gefährdet. Die reckts- und linksradikalen Spötter sollten aber auch nicht zu erwähnen vergessen, daß das englisch-franzö­sische Marineabkommen, das im vorigen Jahre soviel Unruhe geweckt hat und vor allem das englisch-amerikanische Verhältnis schwer belastete, nicht mehr besteht.

Dagegen hat der 24. Juli, der Tag der Pro­klamation des Kelloggpaktes ein wichtiges Ereig­nis gebracht, das nicht nur das englisch-amerika- niscke Freundschaftsverhältnis neu begründet, son­dern auch die Grundlage für die neue Seeab­rüstungsbesprechungen in der Welt schafft, und ge­eignet ist, auch die Arbeiten der Vorbereitenden Abrüstungskommission in Genf gemäß den Forde-

Der deutsch-sozialistische „Volkswille" wurde von der Kattowitzer Polizeidirektion erneut beschlag­nahmt, und zwar wegen eines Kommentars zu dem Bericht über den Verlauf des Ulitz-Pwzesfes.

* Die Krankheit des Reichskanzlers. Aus Hei­delberg wird gemeldet: Da der Verlauf des Hei- lungsprozeffrs der Operationswunde des Reichs­kanzlers ein durchaus normaler ist, kann von der weiteren Herausgabe täglicher Krankheitsberichte

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Der Ulitz-Prozetz.

Der Strafantrag.

wtb. kattowih, 26. Juli. Nach Inständigem Plädoyer beantragte Staatsanwalt Malkowski ge­gen den Angeklagten Ulitz eine Gefängnis- strafe von einem Jahr.

Die Konferenz im Haag.

Poincares Gesundheitszustand.

Die an der Rsparationskonferenz interessier­ten Mäckte haben sich jetzt auf den Haag geeinigt. Auch England hat London zu Gunsten des Haag ausgegeben. Nur Belgien will vom Haag nichts wissen, steht aber zurzeit unter scharfem Druck der übrigen Mächte. (Siehe unter letzten Nachrichten.)

*

Die französische Kammer hat den Gesetzentwurf über die Aufbringung der Mittel zur Erfüllung der Schuldenabkommen von London und Washing­ton, durch den eine budgetmäßige Verbindung zwischen Schuldenzahlungen und Reparationszah­lungen hergestellt werden sollte, mit 390 gegen 200 Stimmen ab gelehnt. Die Regierung hatte er­klärt, daß sie nicht in der Lage sein wurde, den Text des Gesetzentwurfs vor dem Senat zu ver­treten. Die Ablehnung ist aus dem Gedanken her­aus erfolgt, daß man in dem Finanzgesetz nickt festlegen dürfe, daß man über die Summen, die man von Deutschland erhalten werde, hinaus zur Begleichung der Kriegsschulden nichts bereitstellen werde.

*

wtb. Paris, 26. Juli. (Gig. Meldg.). Wie Havas berichtet, soll in politischen Kreisen das Ge­rücht im Umlauf sein, daß der Gesundheits- zustand Poincares gestern weniger zufrie­den st eilend gewesen sei, als die erste Unter­suchung der Aerzte es hätte hoffen lassen. Man habe sogar behauptet, daß nach der Untersuchung die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffs ins Auge gefaßt worden fei. Entgegen diesem Gereicht heißt es, dem Havasbericht zufolge, in unterrich­teten Kreisen, daß erst nach dem nächsten Dienstag eine Diagnose der Erkrankung des Ministerpräsi­denten gestellt werden könne. Sie soll erfolgen, um festzustellen, ob Poincare an der Negierungs­konferenz im Haag teilnehmen könne.

Die große Prozession in Rom

Der Papst verließ zum ersten Mal den Vatikan.

Die Beschränkungen der Seerüstung

Initiatives vorgehen von England und Amerika.

Anzeiger für die Stobt Julda und den Landkreis Auidn_______

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Nach einem aus der Mandschurei in Tokio eingetroffenen Telegramm beschossen chinesische Truppen fünf Sowjetflugzeuge, die am frühen Morgen Mandschuli überflogen. Eine von der Zeitung „Nitschi-Nitschi" aus Mandschuli über­mittelte Meldung besagt, daß es zu einem Feuer» gefecht zwischen chinesischen und Sowjettruppen ge­kommen sei, als 16 Sowjetflugzeuge um 6 Uhr über der Stadt erschienen und die Bevölkerung in Bestürzung versetzten.

stand mit einer anderen Pletschkaitis-Organisation, die auf polnischer Seite an der Demarkationslinie tätig ist, in engster Fühlung. Der Führer der bei­den Banden, ein gewisser Bielauskes, ist scm okkupierten Litauen geflüchtet. . .

* Der neue amerikanische Botschafter in Paris. Senator Edge aus New Jersey ist als Nachfolger des verstorbenen Botschafters Herrick zum Botschaj- ter der Bereinigten Staaten in Frankreich er­nannt worden. Er wird nach Beendigung des Kongresses sein neues Amt antreten.

* Annahme des neuen rumänischen Zolltarifs durch die Kammer. Aus Bukarest wird gemeldet: Die Kammer nahm den neuen Zolltarif an, durch den die Zollsätze für .zahlreiche Importwaren herabgesetzt werden.

* Beilegung des Zwiichenfalls von hidasnemety. Aus Budapest wird gemeldet: Nach einer Mit­teilung der Direktion der Ungarischen Staatsbah­nen wird am 26. Juli vormittags 10 Uhr der Transitverkehr auf der Station von Hidasnemety wieder ausgenommen.

Havas meldet aus Mulden: Entgegen anders lautenden Gerüchten ist die Lage in Charbin sehr ruhig. Urteilsfähige Beobachter glauben, daß eine beträchtliche Entspannung eingetreten sei. Das Zusammentreffen des Gouverneurs von Kirin und des Oberkommandierenden der an der mand­schurischen Grenze mobilisierten Armeen mit dem Sowjetkonsul in Charbin scheint die Hoffnung auf Wiederauftiahme der Verhandlungen zu rechtfer­tigen.

Die Telegraphenagentur der Sowjetunion mel­det aus Chabarowsk: Die staatliche politische Ver­waltung stellte fest, daß seit Juni russische weiße Emigranten mit direkter Unterstützung chinesischer Behörden eine rege Tätigkeit an der Sowjetgrenze des Fernen Ostens zu entwickeln begannen. In der Nacht vom 21. zum 22. Juni übersiel eine bewaffnete Bande Nasarows einen Sowjetgrenzposten im Bezirk von Wladiwostok. Am 12. Juni überschritt eine andere bewaffnete Bande die Sowjetgrenze in der Gegend von Tschita. Am 22. Juli wurde bei der Grenz­überschreitung in Transbaikalien eine dritte stark bewaffnete Gruppe von Weißgardisten fejtgenont»

rungen ktzs Versailler Vertrages erheblich zu for­dern. Die Besprechungen, welche der englische Ministerpräsident Mac Donald gleich nach seinem Reaierungsantritt mit dem amerikanischen Bot­schafter Dawes eingeleitet hatte, um die Frage der Seeabrüstung weiterzubringen, haben ein positives Ergebnis gehabt. Mac Donald konnte am 24. Juli im Unterhause folgende bedeutsame Mitteilungen über fein Flottenprogramm machen. Er verkün­dete: 1. Einstellung aller Arbeiten an den Kreu­zern „Suurey" und „Northumberland", 2. Strei­chung des in dem bisherigen Flottenbauprogramm vorgesehenen Depotschifses für Unterseeboote „Naid- stone", 3. Streickung von zwei Kontrakten für Unterseeboote, 4. Verlangsamung des Tempos in der Durchführung der Arbeiten an anderen Flot­tenbauten. Er fügte nock hinzu, daß hinsichtlich des Bauprogramms für 1930 keinerlei vorberei­tende Arbeiten durchgeführt werden, bis das Pro­gramm vom Kabinett genauer geprüft fei. Die Maßnahmen Mac Donalds sollen als Vorbereitun­gen für eine Konferenz der Seemächte gelten, die ein allgemeines Abkommen über die Seeübrüstung beschließen werden. Diese Flottenabrüstungsbe- sprechungen sollen schließlich zu einer Erörterung der Frage der allgemeinen Abrüstung führen, wie sie im Versailler Vertrag Deutschland versprochen worden ist.

Diese Erklärungen Mac Donalds sind erfolgt, nachdem noch wenige Stunden vorher eine Aus- svräcke zwischen ihm und dem amerikanischen Bot- schaster Dawes stattgefunden hatte. Es liegt denn auch bereits eine Antwort des amerikanischen Vrä- sidenten Hoover vor. die die Erklärung Mac Donalds lebhaft begrübt. Zugleich bat Präsident Hoover, nachdem der Senator Borat) sick für die schnelle Einberufung einer Weltabrüstungskonferenz aller Kellogamäckte eingesetzt hatte, angekündigt, daß die Durchführung des amerikanischen Kreuzer- Baunrogramms ausgesetzt werden solle, bis das Ergebnis der angebahnten englifck-amerikanifchen Flottenabrüstungsverhandlungen vorliege. Es han­delt sich hierbei'nm drei neue Kreuzer, deren fäl­lige Kiellegung jetzt ausgefetzt wird.

Der 24. Juli, der Tag der Proklamation des Kelloggpaktes, ist demnach also durchaus kein Tag der Illusionen. Es muß nach hinzugefügt wer­den, daß nach der Erklärung Mac Donalds die üb­rigen an einer Seeabrüstung interessierten Staaten über die zwischen ihm und dem Botschafter Dawes geführten Verhandlungen ständig auf dem Laufen­den gehalten worden sind, sodaß hier also ein völlig anderes Verfahren vorliegt als bei dem englisch- französischen Marineabkommen im vorigen Jahre, das nur scheinbar dem Abrüstungsgedanken diente, geübt worden war. Im übrigen darf auch die Ab­berufung des englischen Oberkommissars Lord Lloyd in Aegypten als ein deutliches Dokument für den Kurswechsel in der englischen Politik ge­wertet werden.

Zum ersten Mal seit dem Jahre 1870 hat der Papst Donnerstagabend in feierlicher Prozession j)ie Peterskirche verlassen, umgeben vom Ordens- fleru«, der weltlichen Geistlichkeit, dem päpstlichen Hofstaat, den Spitzen der vatikanischen Behörden, iet Garde und den Vertretern der hohen vatikani­schen Aristokratie, die beim päpstlichen Thron Dienste tut.

Ein nicht- katholisches Blatt, die „Frankfur­ter Zeitung" gibt von dem Ereignis folgende be­geisterte Schilderung:

Der Auszug des Papstes aus der Vatikani­schen Gefangenschaft vollzog sich durch eine eucha­ristische Prozession mit einer erhabenen Majestät, die allen Teilnehmern und Zuschauern ein un­vergeßliches Erlebnis bleiben wird. Vor den sonstigen großen Feiern und Kanonisationen im Petersdome zeichnete sie sich dadurch aus, daß sie unter freiem Himmel auf der gewaltigen Bühne des Petersplatzes vor sich ging. Als der Peters- platz sich mit der Volksmenge zu füllen begann und ein vielfacher graugrüner Ring von italienischen Uniformen rings um ihn zog, lag noch volle Som­merglut darüber. Der Auszug des Klerus und der Seminare dauerte anderthalb Stunden und hätte

abgesehen werden, gez. Enderlen, gez. v. Krehl. — Der englische Ministerpräsident Mac Donald rich­tete an Reichskanzler Müller folgendes Telegramm: „Ick erhielt mit lebhafter Befriedigung von der erfolgreichen Operation Kenntnis, der sich Eure Exzellenz unterzogen hat. Nehmen Sie bitte meine Glückwünsche und herzlichen Wünsche für baldige Wiederherstellung Ihrer Gesundheit entgegen."

* Pros. Faust beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident empfing Freitag vormittag den deutsch-amerikanischen Historiker Professor Dr. Ernst Faust von der Cornell-Universität.

* Bandentätigkeit an der polnisch-litauischen Grenze. Aus Kowno wird gemeldet: Die-Kow- noer Kriminalpolizei ermittelte eine neue Pleils ch- kaitis-Bande, die in Kowno und an der Demarka­tionslinie eine rührige Tätigkeit entfaltete. Einige Anhänger sind bereits festgenommen. Die Bande

Votschafterkonferenz bei

wtb. Washington, 28. Juli. (Gig. Meld.) Wie „Baltimore Sun" und andere Zeitungen berichten, war bei einer Besprechung, die bet amerikanische Staatssekretär Stimson gestern mit den Vertretern Deutschlands, Englands, Frankreichs und I t a l i e n s hatte, auch der j a p a n i s ch e Bot­schafter zugegen, lieber das Ergebnis der Bespre­chung wird strengstes Stillschweigen bewahrt, das erst gelüftet werden dürfte, wenn die von den genannten Großmächten erstatteten Antworten auf die Vorschläge der amerikanischen Regierung zur Beilegung des russisch-chinesischen Konfliktes eingetroffen find.

Da; Uolonial-Problem.

Von unserem besonderen Mitarbeiter:

In dem Ringen um die endgültige Liguidatio,. des Weltkrieges, veranlaßt durch den Youngplcm, steht obenan unsere Forderung aus neue rechtliche Ermöglichung einer Kolonisationstatlgkeit. Die Ko­lonialfrage als solche muß in den nächsten Jahren unsere Politik in entscheidender Weise beschäftigen. Das ganze Volk muß geschlossen bei den zu siel- lenden Forderungen hinter der Regierung stehen da jetzt die Zeit gekommen ist, in der Deutschland aus wirtschaftlichem Interesse heraus und aber auch aus bevölkerungspolitischen Gründen danach f zu streben hat, sich wieder dis Geltung unter der Kolonialmächten zu verschaffen.

Wir lagen aus wirtschaftlichen Gründen. Hie; ■ gibt es wahrhaftig keine Parteimeinung Nur emJ realpolitische Behandlung dieser Frage ist das Ge­gebene.

Bei den bisherigen Konferenzen des Ddlkerbun- des fanden wir immer wieder die Behauptung, daß ja den Deutschen in den Kolonien und son- fügen überseeischen Gebieten das uneingeschränkte Recht gesichert sei, sich niederzulassen und auch»die deutsche Staatsangehörigkeit unter allen Umstan­den beizubehalten. Das ist eine Auffassung, die wir nicht unwidersprochen lassen können, weil dis Praxis uns oft genug gezeigt hat, rote verschie­dene Mächte, besonders in den ehemaligen deut­schen Kolonialgebieten, dieses Recht immer wieder umzubiegen versuchen. Doch darüber wollen wir heute nicht sprecken. Worauf es ankommt, ist die Aufzeichnung der wirtschaftlichen und kulturellen Verbindung der deutschen Kolonisatoren mit dem Mutterlande. Diese Verbundenheit schafft allem den Nutzen, den mir aus der Kolonisationstatlgkeit unserer ausgewanderten Söhne zu ziehen vermö­gen. Sie sollen nicht nur lediglich als vielleicht zwangsmäßig geduldete Ausländer erscheinen und ihre Kräfte für andere Staaten verbrauchen, son­dern vielmehr sollen sie dazu beitragen, daß das eigene Vaterland durch ihre Tätigkeit die Möglich- feit erhält, seine Handelsbilanz zu verbessern, Ab­satzmärkte in den Kolonien für deutsche Waren zu schaffen.

Eine solche Freiheit suchen wir vergebens in den Kolonien. Dor allem nicht in den ehemaligen deutschen. Wenn wir die Zahlen aus den letzten Jahren vor dem Kriege über die deutsche Ausfuhr uns ansehen, bann finden wir, daß wir damals fast alle Staaten in der Ausfuhr überflügeln tonn­ten, zumal auf den Märkten, die wirklich frei wa­ren, auf denen die deutschen Waren mit denen an- derer Länder vollkommen gleichberechtigt gewesen sind. Allerdings in den Kolonien selbst, zumal in den englischen Kolonien und Dominien, standen wir weit hinter der englischen Ausfuhr zurück. Nehmen wir die Jahre 1909 bis 1913, bann fin­den wir eine Steigerung der deutschen Ausfuhr nach dielen Gebieten, die in jedem Jahre um 90 Prozent hinter der englischen zurückgeblieben ist- Heute sind wir ja von der Ausfuhr nach allen Kolonialgebieten nahezu völlig ausgeschlossen. Am

Staatssekretär Stimson.

men. Bei der Untersuchung wurde festgestellt, baß bie Banden mit voller Unterstützung chinesischer Behörben bie Grenze überschritten, um Eisenbahn­brücken unb Munitionsbepots zu sprengen, anbere Anschläge zu verüben sowie weißgarbistische Ban- ben aus Verbrecherelementen zu rekrutieren. Vom 17. bis zum 20. Juli würben im Amurgebiet eine Reihe russischer Weißgardisten festgenommen, welche bie Grenze zu bem gleichen Zweck über- schritten hatten. Die staatliche politische Verwal­tung verurteilte in ber Gerichtssitzung vom 23. Juli von ben festgenommenen Weißgardisten 16 zum Tode, darunter ben ehemaligen Oberst Tu­ganow, der mehrmals bie Sowjetgrenze über­schritt unb terroristische Hanblungen auf Sowjet- gebiet verübte und ber mit bem Generalstab ber chinesischen Armee in Mulden in Verbindung stand. Unter ben zum Tode Verurteilten befinden sich auch Nasdobrejew, ber aus Paris nach Charbin kam, um Terrorakte in ber Sowjetunion zu ver­üben, unb Baschkarow, ein ftüherer Polizeispitzel ber Charbiner Spionagezentrale, der im Auftrage bes Eeneralstabes ber chinesischen Armee weißgarbistische Truppen zum Einbruch ms Sowjetgebiet formierte. Bei sämtlichen Verurteil­ten hanbelt es sich um aktive Monarchisten unb Terroristen. Das Urteil ist bereits vollstreckt worben.

*

wtb. Paris, 26. Juli. (Eig. Meld.) Der „Chi- kago Tribüne" wirb aus Mukben gemelbet, man nehme an, baß China bereit sei, wegen ber Beschlagnahme bet Ostchinesischen Eisen­bahn eine Entschulbigung vorzubringen, auch sei bie nationalistische Regierung bereit, bie meisten ber bei ber Beschlagnahme verdrängten russischen Beamten wieber in ihre Posten einzu- setzen. Die Nankingregierung erkenne also ben Grunbsatz der gemeinsamen Kontrolle ber Eisenbahn an. Bei ber ersten Fühlungnahme der Verttetet Chinas unb Rußlands habe ber Vertreter von Nanking erklärt, China habe sich ohne das Eingreifen irgendeiner dritten Partei bereit erklärt, mit Rußland in Verhandlungen ein- zutreten. Jetzt sei ber Weg für direkte Verhand­lungen erschlossen. In Mukben herrsche eine opti­mistische Atmosphäre. Die chinesische Friebensdele- gation werbe sich nach Charbin begeben, von ba nach ber Stabt, die bie Russen als Konferenzort Vorschlägen werben.

eintönig gewirkt, wäre er nicht durch wundervolle Musik der geisllichen Chöre und Kapellen begleitet worden. Als der Papst um halb acht Uhr, auf ei­nem hohen Podium getragen, inmitten einer gro­ßen Schar scharlachroter Sesselträger unter dem Haupttor der Peterskirche erschien, senkte sich schon die für Rom charakteristische goldbraune Abenddämmerung herab und vergoldete den schim­mernden päpstlichen Hofstaat. In roeitfaltigem goldenen Mantel betend, das Sanktissimum tn den Händen haltend, wurde der Papst durch beide Flü­gel der berninischen Kolonaden getragen. Als er bie Terrassen der Freitreppe hinaufgetragen wurde wo inzwischen vor dem Hauptvortal ein durch Ker­zen erhellter Purpuraltar errichtet worden war, er­hob sich das Bild zu märchenhaftem Zauber. Dis Nacht war inzwischen hereingebrochen und aus den dunkelen Kolonnaden kamen lange Züge leuchten­der Kerzen heraus, die sich auf der Freitreppe auf­stellten und dort über den Chorhemden und den ungeheuren Lilienfeldern phantastisch flackerten. Feierlich schwebten die Weifen des Tedeums unb ber Segnung über der ergriffenen Menge, die nie­derkniete, während bie Truppen das Gewehr prä­sentierten. Dann verschwand ber Papst unter Glok- tengeläut hinter dem Altar im Hauptportal der Peterskirche.