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Mittwoch, 24. Juli 1929

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Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051.

erobert

Jas „Blaue Band" für

blue merbwilrbioe Erklärung Henbersans

Flugunglück in Tempelhof

auf

letzungen. Das Flugzeug wurde stark beschädigt.

habe, sich im augenblicklichen Konflikt der Waffen zu bedienen.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchcnblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Freude, mitteilen zu können, daß schon während der Probefahrt die höchsten Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen worden sind. Alle vier Turbinensätze wurden von Cherbourg bis zum Ambrosekanal nicht ein einziges Mal gestoppt."

hätte, zwecks Besprechung dieser Angelgenheit nach Moskau zu kommen, die unterbrochenen Verbin­dungen hätten ihn jedoch daran gehindert. Mos. kau zu erreichen.

In amtlichen amerikanischen Kreisen wird er­klärt, daß die Wiedereinsetzung der russischen Mit­verwaltung an der ostchinesischen Eisenbahn von Rechts wegen jeder Beilegung des russisch-chinesi­schen Streitfalles vorausgehen sollte. Staatssekre­tär Stimson weigert sich zwar, den Status der ostchinesischen Eisenbahn zu besprechen, da die Der- mittlungsoerhandlungen noch nicht weit genug fortgeschritten seien, jedoch erklärt er auf Fragen, daß eine Wiederherstellung des status quo ante sobald wie möglich in außenpolitischen wie inner­politischen Streitfällen üblich wäre.

In der Antwort auf die Note Briands betreffs Vermittlung im chinesisch-russischen Konflikt weist die S o w j e t r e g i e r u n g die darin enthaltenen Vorschläge zurück. Sie erklärt, „daß China die rechtliche Basis, die durch die chinesische Regierung zerstört worden wäre, wiederherstellen muffe; dies sei die notwendige Vorbedingung für eine Bet­legung des Streitfalles".

Die russische Antwort soll die Versicherung ent» halten, daß die Sowjetregierung nicht die Absicht

In Beantwortung von Anfragen im Unter­hause, ob Englmrd sich für oder gegen den fran­zösischen Plan der „Feststellungs- und Vergleichs- kommission im Rheinland" festgelegt habe, ant­wortete Henderson, Großbritannien fei ebenso wie Frankreich, Deutschland, Italien und Japan durch die im letzten September in Genf gefaßten Beschlüsse an den Grundsatz der Einset­zung dieser Kommission gebunden. Die Zusammensetzung, die Ziele und die Dauer der Kommission sollen noch Gegenstand besonderer Ver­handlungen fein. In diesen Punkten seien die Re­gierungen nicht gebunden und hätten auch nicht die Absicht, sich zu binden, bis die Konferenz zusammengetreten sei. Wenn in einem Teil der Anfragen angedeutet wurde, daß es sich um eine interalliierte Kontrollkommission handle, so fei dies ein Irrtum, da Deutschland in ihr mit den glei­chen Rechten vertreten sein soll wie die andern Mächte.

Das Mitglied der Arbeiterpartei, Wedgwood, fragte, ob der Staatssekretär des Aeußern damit andeuten wolle, daß England genau so wie Deutsch­

land an die Kommission gebunden sei. Stehe es nun angesichts der Tatsache, daß die deutsche Re­gierung jetzt offenbar ihre Ansicht in dieser Frage geändert habe, der britischen Regierung genau so frei wie der deutschen, ihre Ansicht zu ändern?

Henderson antwortete, er w^sse nichts von einer Meinungsänderung. Auf die Frag- Wedgwoods. ob Henderson nichts von den Aus­führungen Sircsemanns in der letzten Woche wisse, erfolgte keine Antwort. In Beantwortung der Frage, ob seit September Verhandlungen über die angedeuteten Einzelheiten stattgefunden hätten, erklärte Henderson, davon sei ihm nichts bekannt.

Grohe französische Manöver.

wtb. Paris, 23. Juli. (Eig. Meld.) Vom 26. Juli bis 5. August werden auf dem Truppen­übungsplatz Mailly große Manöver stattfinden, an denen 30 000 Mann beteiligt sein werden. Rach dem „Petit Parifien" sollen dabei alle mo­dernen Kampfmittel eingesetzt werden, darunter 5—6 Flugzeuggeschwader.

Auch in günstigstem Fall ist mit einem Kran­kenlager von 2 bis 3 Monaten zu rechnen. Ange­sichts der bevorstehenden schwierigen Verhandlun­gen wird ein Vize-Kanzler bestellt werden müssen.

Der neue Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, die „Bremen", hat Montag nad)_» mittag 2 Uhr Newyorker Zeit, das ist 8,02 Berliner Zeit, das Leuchtschiff am A m- brosekanal passiert. Der Dampfer hat damit die Strecke Cherbourg bis Newyork in 4 T a g e n 15 Stunden, 42 Min. zurückgelegt und dadurch die bisher beste Zeit des Cunard- dampfers „Mauretania" um 8 Stunden 52 Minuten unterboten.

Das P o st f l u g ze u g der Bremen traf am Montagmittag um 1.05 in Newyork ein.

wtb. Heidelberg, 23. Juli. (Eig. Meld.) Der Reichskanzler verbrachte eine ruhige Nacht. Der Zustand des Patienten wird von den Aerzten weiter als leidlich gut bezeichnet.

Die lebhafte Anteilnahme der Außenwelt am Ergehen des Reichskanzlers kommt in der gro­ßen Zahl von Telegrammen zum Ausdruck, die bisher eingingen, unter ihnen solche vom aposto­lischen Nuntius P a c e l l i, dem Staatssekretär der Reickskanzlei, den Gesandten Rauscher, v. Freytag und Dr. Müller in Bern, dem italienischen und dem japanischen Botschafter, dem württernbergischen Staatspräsidenten Bolz, von der Zentrumsfraktion des Reichstages usw.

Heute vormittag 9.30 Uhr wurde von den be­handelnden Aerzten Geheimrat Cnderlin und Ge­heimrat v Krehl folgender Bericht über das Befinden des Reichskanzlers ausgegeben: Der Z u- ft a n d des Herrn Reichskanzlers ist nach dem heu­tigen Befinden als zufri ed en stellend zu be­zeichnen.

Ein epochemachendes Ereignis in der Schiffahrls- gefchichte.

Die Newyorker Blätter berichten an hervorra­gender Stelle über die Landung der „Bremen", heben in den Ueberfchriften ihre, Rekordfahrt und den Sieg über die „M auretania" her­vor und feiern überhaupt die Fahrt der „Bre­men" als ein epochemachendes Ereignis in der Schiffahrtsgeschickte. Sie veröffentlichen viele Abbildungen und Beschreibungen des Schif­fes, feiner technischen Neuerungen und seiner Be­quemlichkeiten. Ein hervorragender Vertreter der englischen Schiffahrt erklärt, der Rekord der Mau- retania sei in ehrlicher und redlicher Weise ge­schlagen worden. Die Deutschen hätten eine groß­artige Leistung mit dem wunderbaren Schiff er­zielt. Als echte Sportsmänner hätten sie die eng­lischen Schiffahrtsinteressenten in Southampton zur Besichtigung des Dampfers eingeladen.

Am Brooklyner Pier wurde die „Bremen" von Vertretern der Brooklyner Han­delskammer und anderer Organisa­tionen empfangen. Unter den Zuschauer­massen ertönten laute Ausrufe der Bewunderung, als das prachtvolle Schiff in Sicht kam. Die Passa­giere der „Bremen" äußerten sich sehr begeistert und anerkennend über die Fahrt. Sie erklärten, Seekrankheit wäre ihnen unbekannt gewesen und besonders bemerkenswert sei es, daß die Maschi­nen, die in Cherbourg in Vollkraft gesetzt wurden, erst auf der Höhe von Fire-Island etwas gestoppt worden seien, um das Postflugzeug abzulasfen. dessen Abflug sich in glattester Weise vollzogen habe.

Auch die Verwaltung ist sehr befriedigt.

Der Präsident des Norddeutschen Lloyd, Hei- necken, und der Lloyddirektor ©löffel erklärt dem Vertreter des W. T. B., daß sie mit der Fahri in jeder Hinsicht zufrieden seien. Direktor Glaes- sel telegraphierte an die Weserwerft in Bremen, die das Schiff erbaute: „Es erfüllt uns mit größter

wtb. Newyork, 22. Juli. (Eig. Meld.) Die Morgenblätter erklären in ihren Berichten über den gestrigen Empfang der „Bremen" ein solch jubelnder Empfang wäre kaum je zu­vor einem fremden Schiff zuteil ge­worden. Es fei jedenfalls der glänzendste feit Roosevelts Rückkehr im Jahre 1910. Kapitän Mac. Neill, Offiziere und Mannschaften der ge­genwärtig im Newyorker Hafen liegenden M a u» retania beglückwünschten telegraphisch Kapitän Ziegenbein, tue Offiziere auch die Mann­schaft der „Bremen" herzlichst zu ihrer Rekord­reise.

Kapitän Z i e g e n b e in erklärte, er habe die „Bremen" nicht überanstrengen wollen, es sei aber möglich, noch mehr aus den Maschinen herauszu­holen und er hoffe daher, noch einen besse­ren Rekord aufzu st eilen und 30 Kno - ten erreichen zu können.

Die „Bremen" schlug auf ihrer Ueberfahrt den sogenannten M i t t e l k u r s ein, der 49 Meilen länger ist, als die von der Mauretania bei ihrer Rekordfahrt benutzte nördliche Route. Die Passa- giere der „Bremen" weisen in ihrer Schilderung auf das FehlenjedenVibrierensim vor­deren Teil der „Bremen" hin. Nur auf dem Hin­terschiff habe sich das übliche Vibrieren bemerkbar gemacht. Man hofft, daß auch dieses Vibrieren zu beseitigen fein wird. Ferner sollen die Schorn- stetne des Dampfers um etwa 1.20 Me­ter erhöht werden, da der Rauch zeitweise das Deck bestricken hat.

Brooklyn und Newyork werden beute den Kapitän Ziegen'ein empfangen. Bürgermei­ster Walker wird nachmittags das Postflugzeug taufen.

Der Reichspräsident an den Norddeutschen Lloyd.

wtb. Berlin, 23. Juli. (Eig. Meld.). Der Herr Reichspräsident hat an den Norddeutschen Lloyd folgendes Telegramm gesandt:

Dem Norddeutschen Lloyd spreche ich für den schönen Erfolg, den sein neuer Schnelldampfer „Bremen" erlangt hat, meinen herzlichsten Glück­wunsch aus. In unserem Kampfe um die Wie­dererlangung der Gleichberechtigung in Weltwirt­schaft und Seeverkehr ist die Leistung, die Sie durch die Schaffung dieses Schiffes vollbracht ha­ben, ein besonderer Schritt vorwärts.

Vie „Bremen“ in New York eingetroffen. — In 4 Tagen 15& Stunden über Öen Ozean. — Der bisherige Weltrekord um 8 Stunden 52 Minu­ten geschlagen. — Begeisterter Empfang in Amerika.

Für Frieden im Osten.

Wie verlautet, hat das chinesische Ministe­rium des Auswärtigen eine weitere Note an die Sowjetregierung abgesandt, in der von neuem dem Wunsch der chinesischen Regierung Ausdruck ver­liehen wird, die Eisenbahnfrage in fried­lichen Verhandlungen b e i z u l e g e n.

Das chinesische Außenministerium hat ferner ge­sonderte Noten an die Signatarmächte de« Kellog-Paktes gesandt, in denen dargelegt wird, daß China zwar seine Rechte verteidigen wolle, aber nicht die Absicht habe, einen Krieg mit Rußland zu beginnen. In den Noten an die Signatarmächte wird im besonderen darauf hinge» roiefen, daß es die Sowjetregierung sei, die die Offensive an der chinesischen Grenze begonnen und dadurch den Geist des Kellogg-Paktes verletzt habe.

Die chinesische Anwort wurde dem Staats­sekretär Stimson durch den chinesischen Gesandten übergeben. Dieser erklärte nachher, daß China seine Verpflichtungen auf dem Kellogg-Pakt vollkommen zu erfüllen beabsichtige. Ferner erklärte er, daß Nanking versuche, in der Frage der ostchinesischen Eisenbahnen direkte Verhandlungen mit Moskau aufzunehmen und zu diesem Zwecke den chinesischen Gesandten in Finnland beordert

Am Montag nachmittag 3.30 Uhr mußte dem Flugplatz Berlin—Tempelhof wegen Kurbelwellenbruchs ein eben gestartetes Zei­tungsflugzeug landen. Es war dem Flug­zeug nicht mehr möglich, im Gleitflug auf den Flugplatz niederzugehen. Es kam auf dem Bahn­damm der Stadtbahn nieder. Durch den Anprall wurde der Führer Loeb getötet. Der Bordmonteur erlitt schwere Kopf- und Beinver-

Mitzralener Pazifismus.

In Berlin erscheint zu jedem Wochenbeginn ein Druckerzeugnis, das sich etwas anmaßend die „Welt am Montag" nennt. Es ist eigentlich nur ein unbedeutendes' Blättchen, ein typischer Vertrete jenes Asphaltliberalismus, der aus überspitzten Gedankenkonstruktionen und nie zu sättigender Sensationsgier eine Art von „Weltanschauung zusammenmischt. Dieses Blatt beschäftigt sich auch und zwar höchst intensiv mit dem Friedensgedan- ken. Doch geschieht das in einer Weise, die der Geltung des Friedensgedankens nicht nur nicht för­derlich ist, sondern die ihn bei ernsthaften Men­schen diskreditieren muß. Denn mit Schnoddrig- keit, Extremismus und Anmaßung wirbt man keine neuen Anhänger, sondern stößt höchstens alte ab. Daß dieses Blatt auch über Christentum und Kirche in unwürdigem Ton urteilt, kann bei sei­ner ganzen Haltung nicht wunder nehmen. In ei­ner der letzten Nummern der „Welt am Montag fanden wir beispielsweise eine Notiz, die unter der für das Blatt charakteristischen Ueberschrift „Ein pazifistenfresserischer Bischof" behauptet, der Bi­schof von Trier, Dr. Bornewasser hebe sich „durch feine militaristisch-nationalistische Einstellung von feinen Kollegen sehr unerfreulich ab", er verbiete feinen Geistlichen, an den Tagungen der Friedens- gesellfchaft teilzunehmen, er verfolge u. a. auch den saarländischen Pfarrer Franz Gebhardt, der vom Bischof von Luremburg ein in den anerken- nenften Worten gehaltenes Empfehlungsschreiben habe, nur deshalb, weil Gebhardt ein aktiver Pa- zifist fei und „ein wundervolles interkonfessionelles Friedenswerk" im Saarrevier aufzubauen ver­suche. Der Bischof von Trier setze sich damit in Widerspruch mit der Fuldaer Bischofskonferenz, die den katholischen Geistlichen Deutschlands die Mitarbeit an internationalen Friedensbestrebungen empfohlen habe.

Wir haben uns wegen dieser Nottz an das Bi­schöfliche Generalvikariat in Trier gewandt und folgende Antwort erhalten: „Durch Erlaß des Bi- schöflichen Generalvikariats vom 7. Januar 1926 ist den Geistlichen der Diözese Trier anheimgegeben, sich dem Friedensbund deutscher Katholiken anzu­schließen, falls sie für die Friedensbestrebungen sich besonders zu betätigen wünschen. Dagegen ist ih­nen aus wichtigen weltanschaulichen Gründen die Teilnahme an solchen Friedensgesellschaften, die von nichtkatholischen Kreisen ausgehen und vielfach auf Anschauungen beruhen, die von Katholiken ab­gelehnt werden müssen, verboten. Was den Geist­lichen. Herrn Gebhardt betrifft, so ist derselbe nicht Mitglied des Diözesanklerus. Seine Suspension von der Vornahme gottesdienstlicher Handlungen erfolgte keineswegs wegen seiner angeblichen Tä­tigkeit für die Errichtung eines interkonfessionellen Friedenswerkes, sondern lediglich aus ernsten Gründen innerkirchlicher Natur, die sein weiteres geistliches Wirken in der Diözese als bedenklich er» scheinen ließen. Auch das Bistum Luremburg, wo er eine zeitlang im Schuldienst wirkte, verwei­gert ihm die Anstellung unter dem Diözesanklerus". Aus dieser Stellungnahme des Generalvikariats geht einwandfrei hervor, daß von der behaupteter, militaristischen und „pazifistensresserischen" Ein­stellung des Bischofs von Trier gar keine Rede feil­kann und daß die Notiz der „Welt am Montag" weiter nichts ist, als ein neuer Ausdruck der alten Gehässigkeit, die Redakteure und Mitarbeiter die­ses Organs der Kirche gegenüber empfanden.

Wie recht die bischöfliche Behörde daran tat, ihren Geistlichen die Teilnahme an solchen Pazifi­stenzirkeln zu verbieten, die unter der geistigen Führung von Leuten vom Schlage der „Welt am Montag" stehen, beweist dieses Organ ja selbst immer von neuem. Wenn sich dieses Blatt mit den pazifistischen Problemen beschäftigt, dann ver­fällt es entweder auf eine unsachliche Verquickung von Friedensidee und antiklerikalem Auskläricht oder in eine ans Groteske grenzende Verzerrung und Ueberspitzung des an sich sehr guten und schön- nen Friedensgedankens. Dafür war besonders typisch die Glosse des Dr. Frosch: „Der gerettete Christus", die in der „Welt am Montag" erschie­nen ist, als seinerzeit der Prozeß gegen den Got­teslästerer George Grosz schwebte, jenen Zeich­ner, der Christus am Kreuz mit Gasmaske und Kornrnisstiefeln dargestellt hatte. Dr. Frosch setzte sich in diesem Artikel nicht nur, wie zu erwarten, für die Zensurfreiheit ein; er analysierte auch un­ter starker Sympathiebezeugung Werner Hege­manns letztes Buch „Der gerettete Christus". Dr. Frosch nennt es „ein höchst geistreiches Werk, das sich gegen die Meinung richtet, bas Heil der Menschheit sei nur durch Blutopfer zu erkaufen". Die Idee vom Opfertod Christi werde von Hege- mann in größere mystische Lusammenhänge ge­bracht und auf die gleiche ober eine ähnliche Stufe gestellt, wie etwa die Opferung des Sündenbockes bei den Juden, die Menschenopfer zu Ehren des altmexikanischen Gottes Quetzalcoatl, die Opferung des Saturnalienkönigs im alten römischen Leer: oder, wie bei den letzten Ausklängen dieser Satur nahen, der Verbrennung des Prinzen Carneva auf dem Kölner Frühlinasfelt. Wer diese Zusam- menhänae unbefangen würdige, werde die Symbo­lik der Vorgänge verstehen und sie nicht ohne wei­teres als historische Vorgänge hinnehmen. So komme Hegemann in der Tat zu dem Ergebnis daß der Kreuzestod Christi keineswegs geschicht- lich erwiesen fei, daß Christus vielmehr, wofür mancherlei Zeugnisse selbst des Neuen Testaments sprächen, nach der vermeintlichen Hinrichtung wei­ter gelebt hätte. „Die Welt am Montag" nimmt von diesen seltsamen Ansichten Werner Hegemann« mit Vergnügen Kenntnis und knüpft daran aller­lei boshafte Bemerkungen über die Pastöre „die nun vor Wut platzen" würden. Wir wollen uns weiter mit den Schnoddriakeiten aus der Frosch-

Dte Krankheit des Reichskanzlers

In dem relativ zufriedenstellenden Befinden des Reichskanzlers Müller war bis zum Abend des Montag keine Aenderung eingetreten. Es wird immerhin als wichtig angesehen, daß die ersten vierundzwanzig Stunden nach der Opera­tion ohne Komplikationen verlaufen find.

Es bestätigt sich, daß die Krankheit des Kanz­lers erst in den letzten Tagen die gefährliche Wen­dung genommen hat. Bis zum Freitag vor acht Tagen hatte sich der Zustand des Kanzlers gün- ftig entwickelt. An diesem Tag trat eine Verschlim­merung ein, die den Kanzler zwang, seitdem das Bett zu hüten. Am Mittwoch voriger Woche schien sich fein Befinden so weit gebessert zu haben, daß ihm der Arzt auf seinen dringenden Wunsch hin erlaubte, den englischen Gesandten in Brüssel, der sich ebenfalls in Mergentheim zur Kur aufgehalten hatte, vor dessen Abreise zu empfangen. In den folgenden Tagen trat bann bie kritische Wendung ein.

Das Bild zeigt den schwer erkrankten Reichs­kanzler Hermann Müller.

Wie man erfährt, setzt der Reichsaußenminister Dr. Stresemann seine Kur in Bad Wildlin­gen fort.

* Vermählung des Fürsten Franz v. Lichten­stein. (Eig. Meld.) Der regierende Fürst Franz v. Lichtenstein ließ sich Montagabend in der Wie­ner Pfarrkirche mit der verwitweten Baronin Elsa Eroes, geb. v. Gutmann, trauen.

Nach einer Meldung aus Shanghai wird all­gemein geglaubt, das Tfchangkaischek in der Streitfrage auf das Ausland einen mäßigenden Einfluß äusüben wird. Die TOutbenregierung habe die Zahl chrer gut bewaffneten Soldaten mit 200 000 Mann angegeben. Die russischen Streit­kräfte an der Grenze der Mandschurei betragen 60 000 Mann.

wtb. Washington, 23. Juli. (Eig. Meld.) Das Staatsdepartement bezeichnet die Meldung eines New Yorker Blattes, Stimson habe China davon in Kenntnis gesetzt, daß die ostchinesische Bahn als erster Schritt zu einer Verständigung zurückge­geben werden müsse, als nicht zutreffend.

uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Futda. Amtliches Kreisblatt.

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