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Dienstag, 23. Juli 1929

Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051.

Lage hin.

ändert.

aus Die

Frankreich unterschreibt bie Schutbenabkomen.

Vie französische Kammer mit 8 Stimmen Mehrheit für Ratifizierung.

Havas meldet aus Schanghai: In der Mand- churei ist man der Auffassung, daß die vielfachen llarmgerüchte mit Vorsicht ausgenommen werden aüssen, da alle Anzeichen auf einen friedlichen lusgang des russisch-chinesischen Konfliktes Hin­reisen. Man glaubt, daß mit Rücksicht aus die , inanziellen und innerpolitischen Schwierigkeiten sich ür die Sowjetregierung ebenso wie für China ein riegerisches Unternehmen verbietet. Die gegen- rärtigen Ereignisse müßten als gegenseitige rinschüchterungsversuche betrachtet werden.

Die Nachricht von einer Erkrankung bei Reichsaußenministers beruht darauf, daß er in der letzten Woche leicht erkältet gewesen ist. Das Befinden kann jedoch als durchaus befried!- gend bezeichnet werden und zu Besorgnissen ist nicht der geringste Anlaß vorhanden.

Aus Nanking wird gemeldet: Der Staatsrat iat beschlossen, die Beziehungen zur Sowjetunion ibzubrechen und alle chinesischen diplomatischen Seamten aus Rußland zurückzuberufen. Gleich- eitig werden alle russischen diplomatischen Be- anten ersucht werden, China zu verlassen.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild- und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.

chinesischen Volke und von der Regierung als Kriegshandlung angesehen.

das Reich rund 1200 Millionen ausgeliehen und darüber hinaus noch größere Bürgschaften über­nommen. Die Höhe der Verluste, die sich daraus ergeben, ist momentan noch nicht sestzustellen, doch drückt sich Parker Gilbert hierbei wohl mit Recht ziemlich pessimistisch aus. '

Die Lage der deutschen Wirtschaft hat sich tnt Laufe des vorigen Winters stark verschlech­tert, doch glaubt Parker Gilbert seit März be­reits wieder eine erhebliche Besserung konstatieren zu können. Auch die Kreditverknappung hat seit der Einigung in Paris eine merkliche Milderung er­fahren. Alles in allem: Parker Gilbert ist mit der Entwicklung Deutschlands zufrieden.

*

Die Berliner Sonntagsblätter beschäftigen sich durchweg in längeren Kommentaren mit dem Zwischenbericht Parker Gilberts. Uebereinstimmend wird von den Zeitungen betont, daß die erwar­tete Sensation, wie sie in einem Teil der französi­schen Presse angekündigt war, ausgeblieben ist. Parker Gilbert, so schreibt das „Berliner Tage­blatt", spricht nicht in dem überheblich kritischen Tone, den ein Teil der französischen Presse erwar- tete, sondern er legt, ohne im wesentlichen eine eindeutige eigene Meinung zu betonen, die tat­sächlichen Entwicklungen der Berichtsperiode dar, und er stützt sich hierbei wie gewöhnlich auf deutsche Quellen.

Auch die „Voss. Ztg." hebt die Zuruckhaltung des Generalagenten hervor, der nicht mehr, wie seinerzeit, in der Anleihefrage sich als der Lehr­meister und Ratgeber der deutschen Negierung auf- spiele, sondern sich auf seine Aufgaben, die ihm seine Stellung zuweise, beschränke.

Der „Lokal-Anzeiger" erkennt die Form des Berichtes an, die vom deutschen Standpunkt aus nicht zu beanstanden sei, wobei das Blatt aller»' dings die Frage offen läßt, ob nicht die vorzei­tigen Verlautbarungen der französischen und der englischen Presse den Generalagenten zu einer ge­wissen Bereinigung, zu einer Denaturierung sei­nes Berichtes veranlaßt haben.

lieber die Einzelheiten des Zwischenberichtes gehen dis Meinungen der einzelnen Blätter mehr oder weniger auseinander. Als wichtigste Fest­stellung des Berichtes unterstreicht der „Vorwärts" die Erklärung Gilberts, daß die R e i ch s f i n a n • zen heute im Grunde ihres Wesens als gesund anzusehen sind. Die „Berliner Börsenzeitung wirft hinsichtlich der Länder- u. Eemeindefinanzen dem Generalagenten vor, daß er auch diesmal seine bekannte'Kritik aus seiner falschen Einstellung zum deutschen Staatswesen heraus wiederhole. Be. sonders, fährt das Blatt fort, fällt das Nega­tive der Kritik und der Mangel an positiver pro- duktiver Einstellung bei der Darstellung der Ar- beitslosenversicherunq und der Lage der deutschen Landwirtschaft ins Äuge. Demgegenüber betont der „Lokal-Anzeiger", daß Gilberts Schilderung der Reichsfinanzwirtschaft einen wertvollen Bei­trag für die Beurteilung der gesamten deutschen Finanz- und Steuerverhältnisse darstelle. Auffäl­lig ist besonders die Tatsache, daß der Bericht im­mer wieder auf die Zusagen zurückkommt, die die Reichsregierung und der Reichsfinanzminister im letzten Jahre abgegeben haben, um die außeror­dentliche Gespanntheit der Finanzlage zu kenn­zeichnen und darüber hinaus die unbedingte Not­wendigkeit baldiger und durchgreifender Sanie­rungsmaßnahmen festzustellen.

Die Kriegsgefahr in der Mandschurei.

weißen Russen unö die Roten Russen möchten gern aneinander, lhina steht unter dem Druck der Friedensbemühungen der Großmächte.

wtb. Paris, 22. Juli. (Eig. Meld.) Wie die Chicago Tribüne" aus Peking berichtet, hat rschiangkaischek den Befehl gegeben, daß zehn Divisionen zur Verstärkung der Trup­pen in der Mandschurei abrücken. Trotzdem iofft man in offiziellen chinesischen Kreisen auf ine friedliche Beilegung. Doch trägt die An­wesenheit von Weißen Russen (das sind Anhänger ie§ zaristischen Regimes in Rußland, Emigranten, hemalige Adelige) in China, besonders in der Mandschurei, zur Verwirrung der Lage Bei. Man ^fürchtet ständig, daß es zwischen Weißen Russen mb Rotgardisten am Argunfluß in Sibirien zu Zusammenstößen komme. Die japanischen Konsuln haben auf Weisung ihrer Regierung die apanischen Staatsangehörigen aufgefordert, die vrenzstädte in der Mandschurei zu verlassen.

Der Reichskanzler schwer krank.

Wie von authentischer Seite mitgeteilt wird, ist Reichskanzler Müller in Bad Mergent- heim, wo er zur Kur weilt, plötzlich an einer hochfiebrigen, eitrigen Gallenblasen­entzündung erkrankt. Es wurden durch den behandelnden Arzt Dr. H. Haug die Geheim­räte Enderlen und v. Krekl aus Heidelberg und Professor Hermann Zondek aus Verlin an bas Krankenlager gerufen. Die Aerzte haben den. Reichskanzler die sofortige Operation empfohlen, die am Sonntag nachmittag gegen 17 Uhr durch Geheimrat Enderlen vorgenommen wurde. Bei der Operation zeigte sich an der Gallenblase eine Durchbruch st eile in die Bauch­höhle. Die Operation nahm einen normalen Verlauf. Der Zustand muß als ernst bezeichnet werden.

Das Befinden des Reichskanzlers war in de« späten Nachtstunden des Sonntags noch unver»

Dr. C. C. Wu, der chinesische Gesandte in Washington.

Konservative gegen Hugenberg.

Die deutschnationale Ausfchlutzmaschine weiter i« Tätigkeit.

Der Ring, die konservative Zeitschrift des Herrn von Gleichen, bringt in seinem Heft Nr. 28 den bekannten Briefwechsel zwischen Freiherrn von Landsberg und Geheimrat Hugenberg. Der Ring bemerkt dazu u. a.: Nach Ansicht führender Mit­glieder des Katholikenausschusses sei die Partei­führung von Professor Spahn einseitig beraten worden. Auch das soeben bekannt gewordene Ein­gehen der nationalkatholischen Wochenschrift „Das deutsche Volk" liegt in dem Verhalten des Abg. Spahn begründet. Es fei zu befürchten, daß das weitere Mitwirken nationalkatholischer Kreise bei der Partei für die Zukunft in Frage gestellt sei. Zu dieser Sachlage veröffentlicht der Ring weiter

gehoben.

pcincarcs Befinden unverändert.

Das Befinden PoincarZ ist, rote Havas Paris berichtet, immer noch unverändert.

wtb. Washington, 22. Juli. Der britische Bot­schafter übergab dem Staatssekretär Stimson eine Rote, in der Staatssekretär Henderson zu dem amerikanischen Eingreifen in dem russisch-chinesi- fchen Konflikt seine volle Billigung ausspricht und seine volle Mitarbeit zusagt. Eine Antwort ist aus Nanking bisher nicht eingetroffen. Der frü­here Staatssekretär Kellogg, der heute hier eintraf, und eine mehrstündige llnterrebuna mit Stimson hatte, dementiert bie Gerüchte, daß er das Amt eines Schiedsrichters im chinesisch- russischen Konflikt übernehmen werde. Kellogg erklärte, erstens käme er für dieses Amt nicht in Frage, und zweitens fei die Zeit für die Erörte­rungen von Einzeleiten des Schiedsverfahrens noch nicht gekommen. Zunächst gelte es, beide Länder von dem Beginn feindlicher Handlungen abzuhalten und er hoffe, baß ber Kelloggpakt, ob­wohl er noch nicht in Kraft getreten fei, doch bie moralische Wirkung haben werbe. Er begrüße Stimsons Ermahnungen an die beiden Regierun­gen aufs Wärmste.

Keine Kämpfe.

wtb. Paris, 22. Juli. (Eig. Meld.) Der Kor­respondent des „Petit Parisien" in Schanghai berichtet ,die Nachrichten von einem Kamps an der sibirischen Grenze enffprechen nicht den Tat­sachen. In der Gegend von Sui-Fe:n-Ho sei es zu einer Schießerei gekommen, die jedoch unbe­deutend gewesen sei ,da die Truppen weit voneinan­der entfernt in Stellung lagen. Auch in der Manschuligegend kehre die Ruhe wieder ein. Die Sowjets senden zur Aufklärung Flugzeuge aus. zeigen sich jedoch nicht angriffslustig. Auch unter­nähmen die Sowjefflugzeuge Erkundungsflüge und seien dabei ergebnislos von den chinesischen Trup­pen unter Feuer genommen worden. Der Konsul der Sowjets in Charbin und seine Mitarbeiter, die seit zehn Tagen verhaftet worden seien, seien gestern wieder frei gelassen worden und haben die Erlaubnis erhalten, nach Darren zu reisen, von wo sie sich nach Wladiwostock begeben würden. 8000 Russen, die bei der ost-chinesischen Eisen­bahn und ihren Zweigunternehmen angestellt wa­ren, haben ihren Dienst gekündigt und bereiten ebenfalls ihre Abreise nach Dairen vor. Ebenso haben 400 Lehrer, die in den verschiedenen russi­schen Schulen längst der osb-chinesischen Effen- bahn Unterricht erteilten, ihre Abreise nach Dairen vorbereitet. Der neue Direktor der ost-chinesischen Eisenbahn habe, um diesen plötzlichen Abgang der russischen Beamten zu verhindern, erklärt, er betrachte diese Kündigung als Streik und werde dementsprechend handeln.

uldaerZntung

Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Iuida. Amtliches Kreisblatt.

Nach einem Telegramm aus Schanghai erklärte er chinesische Außenminister Mang, China sei ingedenk, daß es den Kelloggpakt umer» eichnet habe. Jeder Versuch der Sowjets, Trup- ext in die Mandschurei zu entsenden, werde vom

6 Mitglieder ber unabhängigen Linken. 16 Ab­geordnete haben an ber Abstimmung nicht teilge­nommen.

Am Schluß ber Nachtsitzung entstand noch eine Debatte über bie Behanblung eines Antrages bes Abgeordneten Lillaz (Radikale Linke), der den Zweck verfolgte, eine budgetäre Verankerung ber Schulbenzahlungen vorzunehmen. Sein Vorschlag hat folgenden Wortlaut: Beim Schatzamt soll ein Sonderkonto eingerichtet werben, auf bas die Summen gutgeschrieben werben, bie Frankreich von Deutschland erhalten hat vorbehaltlich eines jährlich vorzunehmenben Abstrichs zum Ausgleich ber Lasten für bie Wiedergutmachung der Kriegs- schäden. Die Höhe und die Verteilung des Ab­strichs soll alljährlich durch das Einnahmebudget feftgelegt werden.

Die Kammer vertagte nach langer Debatte bie Beratung bes Antrages auf Donnerstag vormit­tag. Die Sitzung würbe gegen 4 Uhr nachts auf«

rangen bisher noch keine Mitteilung ober Anfrage erhalten hat, die sich auf die Abhaltung der Kon­ferenz im Haag oder einer anderen Stadt der Niederlande bezieht. Sollte jedoch der niederländi­schen Regierung in den nächsten Tagen ein der­artiger Vorschlag unterbreitet werden, stehe zu er­warten, daß die niederländische Regierung keine Bedenken gegen die Abhaltung der Repara­tionskonferenz in Holland geltend machen werde.

Parker Gilberts Bericht.

Der Rcparationsagent Parker Gilbert legt, wahrscheinlich zum vorletzten Mal, seinen Bericht über bie deutsche Wirtschaft, über Währung unb Finanzen vor. In ber Pariser Presse wollte man wissen, baß bieser Bericht voll von scharfen An­griffen gegen die Finanzpolitik ber Reichsregie­rung sei, durch bie bie Leistungsfähigkeit Deutsch- lcmbs gefährbet werbe. Man hat sich aber in Pa­ris versehen ober verhört. Der Bericht Parker Gil­berts zeichnet sich zwar burch besvnbere Ausführ­lichkeit unb Genauigkeit aus, aber er enthält kei­nerlei Sensationen.

Natürlich beschäftigte sich Parker Gilbert auch mit bem Young-Plan, zu bem er ja bie An­regung gegeben hat, unb finbet für bas Ergebnis ber Pariser Konferenz rühmende Worte. Er sagt darüber in seinen Schlußbetrachtungen:

„Der Sachoerständigenbericht von 1929 vervoll­ständigt bas Werk bes ersten Sachoerstänbigen- Aussckusses unb stellt einen Plan auf, ber Deutsch­land über den genauen Umfang feiner Verpflich­tungen unterrichtet unb nach besten Bestimmungen es biefe unter eigener Verantwortung erfüllen wird. Gleichermaßen im Interesse ber Gläubiger­mächte unb Deutschlanbs beseitigt er bie bem Sach­oerständigenplan von 1924 anhaftenden Ungewiß­heiten unb „verleiht", um seine eigenen Worte zu gebrauchen, „ber deutschen Reparationsschuld end­gültig den gleichen Charakter wie den übrigen in­ternationalen Regelungen."

Vor fünf Jahren bezeichnete bie Annahme des Sachverstänbigenplans von 1924 burch Verein­barung zwischen Deutschlanb unb den Gläubiger­mächten bie Entscheidung zugunsten ber vernunft­gemäßen Regelung bes Reparationsproblems und zu gleicher Zeit eine Wahl zugunsten bes frieb« lichen Wiederaufbaus Europas. Die Annahme bie- fes Planes stellte ben Wendepunkt in bem Gene» sungsprozeß nach bem Kriege bar, unb bie Jahre, die darauf gefolgt find, find Jahre einer sich stän­dig mehrenden Stabilität und wesentlicher wirt­schaftlicher Erholung nicht nur in Deutschland, son­dern in Europa in feiner Gesamtheit gewesen. Der Sachverständigen-Plan von 1929 bietet Deutschland und den Gläubigermächten die Gelegenheit zur endgültigen Regelung des Reparationsproblems und schafft damit die erforderliche Grundlage für ben weiteren Fortgang ber friedlichen Wiederauf­bauarbeit.

lieber bie LeistungsfähigkeitDeutfch- I a n b 5 äußert sich Parker Gilbert biesmal nicht so deutlich wie in seinem letzten Jahresbericht vom Dezember 1928. Vielleicht hat die Kritik, die seine auffallend optimistischen Steuerungen unmittelbar vor der Pariser Reparationskonferenz damals fan­den, ihn in dieser Beziehung etwas zurückhalten­der gemacht. Aber Parker Gilbert ist in feinem neuen Bericht, ber bie ersten neun Monate bes verlaufenen Reparationsjahres umfaßt unb mit bem 1. Juli 1929 abschließt, weit bavon entfernt, bas Reich etwa für zahlungsunfähig zu erklären. Im Gegenteil: „Die Etatsfchwierigkeiten der letzt - verflostenen sechs Monate," schreibt er, „haben, wenn sie auch die Notwendigkeit eines klar um» rissenen und schöpferischen Finanzprogramms ha­ben erkennen lassen, an der im Wesensgrunde doch bestehenden Gesundheit der Reichsfinanzen keinen Zweifel aufkommen lassen können ... In ber Tat ist es nach ber letztlichen Periode ber Ge­spanntheit in ber Gesamtlage klarer als jemals, baß bie unausgesetzt fteigenben Einnahmen bie un­erläßliche Dorbebingung für bas Haushaltsgleich­gewicht schaffen, unb baß bei einer wirksamen An» roenbung ber Normativprinzipien öffentlicher Fi­nanzgebarung bie Ueberroinbung ber Schwierigkei. ten ber Etatslage, als Ganzes genommen, nicht wohl ausbleiben kann."

Parker Gilbert erwartet, baß ber Young-Plan auch für die Reichsfinanzen eine erhebliche Er­leichterung bringen wird. „Zu Anfang beabsich­tigt der Reichsminister der Finanzen offenbar, ben aus diesen Erfahrungen refuftierenben Betrag für bie Schaffung eines Betriebsmittelfonds unb für die Deckung des im ordentlichen Reichshaus­halt vorhandenen Fehlbetrags zu verwenden; von böherer Warte unb weiter hinaus schauend hat je­doch ber Minister, im Zusammenhang mit ben all­gemeinen Plänen der Reichsregierung zu einer Finanzreform, erklärt, er betrachte eine Senkung ber Gefamtsteuerlast als eine dringende und not­wendige Aufgabe."

Besonders ausführlich beschäftigt sich Parker Gilbert diesmal mit den Krediten, bie das Reich ausgenommen unb bie es an die Wirtschaft gegeben hat. Die deutsche öffentliche Gesamtschulb belief sich nach einer Erhebung, bie bas Transfer- Komitee angeftellt hat, einschließlich ber kurzfristi­gen Verschulbung, boch ohne bie Neparationsver- pflichtungen am 31. März 1929 auf 15,6 Milliar­den Mark. Davon entfielen fast 9 Milliarden auf bas Reich, ungefähr 1,9 Milliarden auf bie Län­der unb 4,7 Milliarben auf die Gemeinden. Diese hohen Ziffern umfasten vor allem die Ablösung für die Äufwertungsschulden, die insgesamt 6,2 Milliarden Mark betragen. Die schwebende Schuld des Reiches ist während bes Jahres 1928/29 von 175 Millionen auf 936 Millionen Mark angeroach- fen. Unklarer ist bas Stilb über bie Auslei­hungen des Reiches. Schon im Herbst hatte

Die britische Regierung hat die Regierungen der Vereinigten Staaten unb Frankreichs bavon unterrichtet, daß sie sich deren Bemühungen, durch eine freundschaftliche Vorstellung auf beiden Sei­ten zur Beseitigung der Spannung zwischen China und der Sowjetunion zu gelangen, voll anschließe. In maßgebenden Kreisen Londons gibt man sich keinem übertriebenen Pessimismus hinsichtlich der

Die französische Kammer hat in der Nacht zum Sonntag bie Gesetze über bie Ratifizierung bes Lashingtoner unb bes ßonboner Abkommens an» lenommen, nachdem sie in einer Entschließung ihre Vorbehalte niebergelegt hat.

Nachdem auch ber Abänberungsantraa zur Ent- chließung Heraub unb diese in ihrer Gesamtheit ingenommen worben waren, ging bie Kammer ur Einzelberatung bes Gesetzentwurfes über bie Ratifizierung bes Washingtoner Abkommens über, tim oerschiebenen Abgeorbneten würben Gegen- mträge vorgelegt, barunter auch von bem M>- leorbneten Deligne, besten Antrag folgenben Sorttaut hat: Der Präsibent ber Republik wirb rmächtigt, bas in Washington am 29. April 1926 wischen ber Regierung ber Vereinigten Staaten mb ber Regierung ber französischen Republik ge- chlossene Abkommen über bie Konsolibierung unb iie Rückzahlung in 62 Annuitäten ber von Frank- eich bei ben Vereinigten Staaten aufgenommenen titjulb zu ratifizieren.

Außenminister Brianb stellte im Namen der Regierung für diesen Gegenantrag bie Vertrau- nsfrage. In namentlicher Abstimmung, bereu Ergebnis um 1.20 Uhr bekannt gegeben würbe, iahm bie Kammer mit 300 gegen 292 Stimmen iei 592 Abftimmenben ben Gegenantrag Deligne m. Ebenso würbe in einfacher Abstimmung qin ntsprechender Antrag Deligne über bie Ratifizie- ting bes ßonboner Abkommens angenommen.

Die 292 Abgeorbneten, bie gegen bie Ratifizie- ung gestimmt haben, verteilen sich auf bie ein« einen Parteien wie folgt: 11 Kommunisten, 100 Sozialisten, 15 Sozialrepublikaner, 100 Radikale, i Mitglieder ber radikalen ßinte, 2 ßinksrepubli- aner, 7 Mitglieder der Fraktion Maginot, 6 Mit- llieber ber Fraktion Franklin Bouillon, 17 Mit­glieder der Fraktion Marin, 19 Unabhängige und

Nahrungsmittelvergiftung, an ber erleidet, machte es ihm noch unmöglich, in ber Kammer zu erschei­nen.

Konferenz im Haag?

Im Hinblick auf ausländische Blättermeldungen, wonach die Möglichkeit stark gewachsen sei, daß die diplomatische Reparationskonferenz anstatt in London im Haag abgehalten werden soll, erfährt der Vertreter des WTB. von gut unterrichteter Seite in Haag, daß die niederländische Regi-'-mg von den in SWrztAt anderen Regie­