Neu- u. Umbauten sowie Reparaturen werden prompt und billig ausgeführt
Sonntag, den 21. 3uli 1929.
Zuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblad).
Nr. 167
'zicc L_.yrec war im
über Kritiker und Rcz
Nachdem wir eine halbe Stunde gesessen und den Motor abgekühlt hatten, setzten wir an zum letzten Vorstoß. Nur langsam mühten wir uns an die letzten einzelnen Häuser heran. Bor uns aber wartete ruhig der Berg.
Das Bergdorf war fast ausgestorben. Beinahe unheimlich mutete das Motocengeräusch an. Nur ein ganz Alter, der nicht mehr auf dem Felde arbeiten konnte, beargwöhnte uns. In der zitternden Greisenhand wippte das Pfeifchen. Die Kleinen, die zum Heuen noch zu jung, hörten im Spiele auf und standen Spalier an der schlammigen, holperigen Dorfstraße, flachsköpfia und erdfarben. Zwei guckten aus einem Stallfenster wie junge Ziegen. Grunzend flohen die Schweine watschelnd die Gänse, ängstlich die Hühner . Alles wunderte sich. Und in der Tat, nur einmal in der Geschichte des Dorfes war ein Auto über diesen Weg ins Dors gekommen. Es war das eines Arztes, der eine schwer kranke junge Bäuerin noch gerade retten konnte. Am Ende des Dorfes hörte der unwegsame Weg ganz auf. mir noch die an den Steilhängen ausgetretenen Kuhpfade zeigten die Spuren des Verkehrs.
Wir konnten nicht weiter. Wir verhandelten mit betn Alten. Ein Scheunentor öffnete sich weit. In der dunklen Pforte verschwand, angestaunt von einer Häckselmaschine und knurrend wie ein beleidigter Hund das Auto. Da aber lachte der Berg zum ersten Mal. und in fernen Gründen kollerte der Steinschlag. ---
Wir mußten auspacken und schleppten unsere Kisten, Rucksäcke und Zeltbahnen in die Behausung des Malers, der hier schon seit Monden lebte. Gebräunt, groß und wie bei gewohnter Tätigkeit, bewegt« er sich in dem engen, armseligen Raum. Wir andere waren unbeholfen, täppisch und noch gebleicht von der Stubenluft der steingebauten Stadt. Wir hatten Mühe, um die Stasfelei herumzukommen und stießen mit unseren Füßen an die an die Wände angelehnten fertigen und halbfertigen Bilder. Die Stühle, auf die wir uns nun endlich setzten, waren hart. Der Maler ging in eine Ecke, wo er auf einer Bank Tassen, Messer, Papier, Pinsel, Leinwand und Essen herumlag, um Kaffee zu suchen In einem irdenen Krug lauerte durch das Abendlicht der düsteren Stube frisches Bergwasser. Die
dunkelgraue Farbe des Gefäßes war wie die Umrandung eines spöttischen Auges. Es blinzelte mir aus dem Krug entgegen, daß wir auch hier, hinter den Wänden des steinernen Hauses nicht sicher waren vor dem Spott des draußen im Dämmer ruhenden fröhlichen Alten.
Bald zog würziger Kaffeedust durch die Bude. Wir aßen Bauernbrot und frische Butter. Durch die ab- lenkende Tätigkeit des Essens und angeregt durch den Kaffee und die Luftbänder bläulichen Qualms wurde uns schon besser. Die Nacht war gekommen und wir hatten die erste Enttäuschung, daß es uns nicht gelungen war, den Berg mit dem Wagen zu besiegen, vergessen. Nun Pläne waren gemacht; das Gepäck der Tragkraft der einzelnen entsprechend verteilt. Am meisten wollte der immer hilfsbereite Kaufmann tragen, dann kam der Maler und zuletzt der Lehrer. In drei Gängen wollten wir am anderen Morgen alles oben haben. — Gespräche über Kunst und Frauen hatten uns wieder in die Sicherheit der Vorfreuden hineingewiegt, die ja gerade deswegen so schön ist, weil sie, der Phantasie entsprungen, ungestört von möglichen Zwischenfällen, nur von Wunschbildern genährt wird. So kam es, daß wir garnicht merkten, wie ein seiner dünner Regen eingesetzt hatte. Erst als eine gewaltige Woge gerade an unser Fenster gepeitscht wurde, schraken wir zusammen und guckten uns dumm an. — Da aber lachte der Berg zum zweiten Male und schüttelte sich, daß es in den Bäumen krachte, daß die Dachziegeln quietschten wie die gejagten Mäuse. Und er lachte zwei Tage und zwei Nächte.
Er muß sehr fröhlich gewesen fein. Hinter dichtt Wolken hatte er sich verschanzt und gerüstet zu einem Krieg im Frieden mit uns. Die Wolken hingen bis in die Stube herein. Ständig rieselte feiner Regen unk durchnäßte den, der einmal hinaus mußte und die Sonne suchte. Ich weih nicht, belagerten wir den Berg ober belagerte er uns. Unser Gesprächseifer war längst erlahmt. Der Maler greift zu dem Pinsel, wir zu ben Büchern, wie nach ben Hänben uns rettenbet Leidensgenossin. Zwischendurch fielen einige, hingewor- fene Worte. Was gerade jedem wert schien, gesagt zu werden, brummte er vor sich hin. Der Maler schimpfte
Wer seine Kinder zum vernünftigen Sparen erzieht, erweist ihnen den
besten Dienst fürs Leben.
neu. . .,
Se. Bischöfliche Gnaden bezeichnete die Trais- bacher als eine der schönsten der 50 von ihm geweihten Kirchen. Sie ist zudem ein ehrendes Zeugnis für den Opfersinn und den unermüdlichen Arbeitswillen der Gemeinde Traisbach und ihres
Rhab,
Telephon 424
zusammentreten.
Bestandene Prüfung.
Herr Otto Rohrhirsch beendete am 13. Juli an der Universität Heidelberg das medizinische Staatsexamen mit dem Prädikat gut bis sehr gut.
Oeffenttiche Fürsorge und Arbeitslosenversicherung.
Nach dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wird die Ar^itslosenun- terftühunq für die Dauer von vier Wochen versagt, wenn der Arbeitslose sich ohne berechtigten Grund trotz Belehrung über die Rechtsfolgen weigert, eine Arbeit anzunehmen, oder wenn er seine Arbeitsstelle ohne wichtigen oder berechtigten Grund aufaeqeben, oder durch ein Verhalten, das zur fristlosen Entlassung berechtigt, verloren h°t- Das gleiche gilt, wenn er sich ohne berechtigten Grund weigert, sich einer Berufsumschulung oder Fortbildung zu unterziehen. Nun müssen aber ine Dienststellen der Arbeitslosenversicherung darüber klagen, daß Verfahren der Fürsorgestellen in vielen Fällen die Absicht dieser Bestimmungen, zum Arbeitswillen zu erziehen, durchkreuzen Häufig i werden von den Fürsorgestellen die Arbeitslosen während der Sperrfrist unterstützt, und zwar mit denselben Beträgen, die sie erhalten wurden, wenn sie Arbeitslosenunterstützung bezögen. Auf dem Verwaltungswege, und zwar über den Reichsml- nister des Innern, Severing, find nunmehr die Fürsorgebehörden auf die Pfli ch thi n ge rot e- sen worden, in allen derartigen Fallen die Voraussetzungen der Hilfsbedürftigkeit a u f das strengste zu prüfen. Keinesfalls sollen lau* I sende Barunterstützungen in demselben oder an- I nähernd demselben Umfange gewährt werden wie I sie den Arbeitslosen außerhalb der Sperrfrist als
Leistungen der Arbeitslosenversicherung zustehen. Nach Möglichkeit soll die Unterstützung des I Arbeitslosen von einer Arbe, ts- leistung abhängig gemacht werden Es ist ganz selbstverständlich, daß der Arbeitslose an- I gehalten wird, sich regelmäßig bei dem zuständigen I Arbeitsamt um Arbeit zu melden und sich auch entsprechend um Arbeit zu bemühen. Darüber hinaus ist es notwendig, die Reichsgrundsatze über I Voraussetzungen, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge entsprechend umzuarbeiten. Eine solche Umarbeitung soll auch in Aussicht ge- nommen sein. Bei der Umarbeitung muß Rücksicht genommen werden, daß die Maß nahmen der Fur- sorgestellen den berechtigten Maßnahmen der Arbeitsämter nicht entgegenwirken ober sie gar aufheben. Es ist überhaupt zu prüfen, rote
Dachdeckerae’chäf* Heinrinhstr. 63
weit den Arbeitsämtern eine Mitwir- kung innerhalb der Fursor g e v et- bände zugestanden werden kann, falls der Beweis erbracht wird, daß an bestimmten Orten bte Fürsorgeämter nicht ihre Pflicht tun. ®o bas ber Fall ist, sollte man an der bewahrten Art f e halten.
sie. Daraus entsteht in den nicht hoffnungslosen Fällen menschliches Mitgefühl, Klarheit über bie Lage der anderen und die «gen- und sozial. Gesinnung, die uns so notwendig ist.
*
Gegen Samstagmittag schienen Gewitter herauf- .„.3 Im Rundfunk krachte es, als sollten h^ fneaetitoen WTB.-Meldungen von derchine- sisch-russiAn Front mit Kanonen-Donner-Gerau- scheu musikalisch untermalt werden.
was ist mit den firiegerveretnen?
5Bor einiaer Zeit wurde eine Aeußerung des s-n«-l- - °r »=n S 0 r n, d-- «rfien P-°ftd°n>-n
Bie neue Nirche in Traisbach.
Am Donnerstag würbe vom $od)tDÜrbi.s- ften Herrn Bischof von Fulda bie neue Kirch« gehört, feierlich emgetveiht. lieber bas neue Gotteshaus wirb uns geschrieben:
Mit organischem Empfinden für Das JBerburo densein von Natur und Kunst ist dieser Klrchenbcw in die Landschaft des Rhönvorgelandes hinelnge- stellt. Als ein Zeugnis heimatlicher Schöpferkraft und heimatlicher Arbeitskraft. Als «'N Beweis, daß unsere Fuldaer Architekten durchaus befähigt sind, an sie herantretende Aufgaben in zeitgemäßer Einstellung zu lösen. Das Traisbacher $a..roert leat ein ehrendes Zeugnis ab von der künstlerischen Erfindungs- und Gestaltungskraft bes Architekten BDA HermannMahrund feiner Mitarbeiter.
Die Verbundenheit des Baus mit dem Heimat - lidien Boden erweist sich aus dem bodenständigen Material, schwerem Bruchstein. Auf ansteigendem Gelände steht die Kirche schützend über dem Ort. Eine Freitreppe führt zu ihr hinauf, die steigende Linie betonend, lieber dem Portalvorbau steigt der Giebel leicht und muhelos empor, Hantiert m der Nordwest-Ecke durch den Glockenturm. Dieser aeht im Obergeschoß aus dem Viereck ins Achteck über, den Abschluß bildet der gestauchte Kegel des Helms. Der glatt verputzte Innenraum ist eine Spitztonne mit gerautem Scheitel ,der dem Ge wölbe eine reizvolle Wirkung gibt. Der Alta.- raum öffnet sich in spitzem Chorbogen und schließt i sich in fünf Seiten des Achtecks. Der Uebergang I des Gewölbes zu den Seitenwanden vollzieht sich durch rückspringende Dreiecknischen. Der Kirchenraum wird durch zwei Stufenabsätze von mäßiger Höhe in den Altarraum hinübergeleitet, auf drei Stufen den Hauptaltar tragend. Die Altarmenfa ist in moderner Form gehalten als em unten zu- laufender rückspringender Block. Die Orgelempore läuft ohne eine die Sicht zum Kochaltar behindernde Mittelstütze freitragend durch die Breite des I Schiffes. Das Turmuntergeschoß birgt die Taufkapelle, in und durch ihre Kleinheit von aparter Stimmung und Wirkung des Raums. Ein Hei-
I nes Meisterstück für sich!
I Die Verputz- und Kunststeinarbeiten wurden von der Firma Brühler und Nüchter-Fulda tn sauberster Weise ausgeführt.
I Es sei an dieser Stelle und bei dieser Gelegenheit dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die weitere Innenausstattung ober -ausmalung nicht ohne Zuziehung des Baukünstlers, des Architekten, sondern folgerichtig nach seinen Ideen und Anga- | ben erfolgen möge. Das alte, nun verlassene Kirm- I lein birgt ein Kleinod Barocker Altarkunst des 18. I Jahrhunderts. Seine Uebernahme in den neuen
Bau ist nachdrücklichst zu empfehlen. Gute Stile vertragen sich immer nebeneinander, ob alt ober
Dor neuen Münzausprägungen.
Bekanntlich betrug ber Umlauf an Hartgeld m der Vorkriegszeit runb eine Milliarbe. Er entsprach so ungefähr den Bedürfnissen des Verkehrs. Durch ben Krieg und nach bem Kriege haben wir in Deutschlanb aber eine gewaltige Steigerung Des Papiergeldes, besonders des kleineren, erfahren, | das nur langsam ersetzt wurde durch Ausprägung von Scheidemünzen. Jetzt ist geplant, die Aus- prägung besonders von Silbermun- zen fortzusetzen, obwohl scheinbar, nach den Be- ständen der Reichsbank an Silbermünzen zu schließen, der Markt keine Aufnahmefähigkeit für Hart- aelb zeigt. Es erschien überaus schwer, vor allem bas kaufende Publikum roieber an bas Silbergelb 3U gewöhnen, nachdem man 15 Jahre lang immer nur mit den Gelbscheinen es zu tun hatte. Man konnte überall die Wahrnehmung machen, daß man bie Einziehung ber Rentenbankscheme zu 1 unb zu 2 Mark vielfach sehr bebauerte. Ganz be- sonders vermißt wird aber der 5 Mark-Renten- schein, der bis auf eine Summe von ungefähr 30 Millionen Mark so ziemlich aus bem Verkehr ver- schwunben unb durch bas — sagen wir es nur offen — unhandliche silberne Fiinfmarkstück ersetzt wurde. Aber die Fünfmarkscheine werden mit der Zeit ganz aus dem Verkehr gezogen sein, weil die Ausprägung der Fünfmarkstücke immer mehr fortschreitet. Aus dem Verkehr verschwinden rotrb auch bas bronzene Fünfzigpfennigstück, um bem Nickelstück zu weichen, bas sich aber ebenfalls beim Publikum absolut keiner Liebe erfreut.
Rinnen muh der Schwertz . .
WM Bronnzell
Besitzer:
Hermann Kramer
Telephon Amt Fulda Nr. 46
Gut bürgerliches Gast- und Unterhaus
Großer Saal, Gartenwirtschaft Fremdenzimmer, Autogaragen
braten ufro. ufro., von jeder Sorte zwei Büchsen. Die Kiste war schwer. Dazu kam noch eine Kiste mit Wem, roten und weißen, diverse Delfarbinen und Käse zum Nachtisch fehlten auch nicht. Für die Nacht warm durchgefütterte Schlafsacke. Der „Spiegeltisch hätte den Ansprüchen einer verwöhnten Dame genügt. Nur mit knapper Not tarnen wir selber im Wagen unter. Einer am Steuer, die anderen oben, unter und über dem Gepäck.
Der Motor sprang an und treu wie immer, em wenig brummend ob der ungewohnten Last, schleppte er Wohn- und Schlafstube, Bücherei, Küche unb Keller und Mensch über den Asphalt der Stadt ostwärts auf die breite Landstraße. Das Wetter hatte sich gebessert. Eine leichte Wolke von Staub wirbelte hinter uns her. Nach einstündiger Fahrt hatten wir glücklich alle Arten gebauter Landstraßen hinter uns und bogen in einen lehmigen, vom Regen noch feuchten Ackerweg ein. Rechts und links lagen gutgeratene Kornfelder, deren Halme mit schweren Äehren belastet waren. Sie waren so hoch, daß sie auf den kleinen Wagen herabsahen und nachdenklich die Köpfe schüttelnd, schienen sie sich gegenseitig ihre Befremdung über uns zuzulifpeln. Ganz seltsam wisperte es in den geduldigen Feldern. Der Weg war ziemlich ausgefahren. Hohe Steine, die von den stelzbeinigen Erntewagen umgangen werden können, sperrten ihn. Tiefe Entwässerungsgräben durchschnitten ihn. Zwei von uns mußten aussteigen. Im kleinsten Gang ging es knatternd und keuchend, geschoben und gehalten, der Wagen wie eine Dampfwalze. Die Schnitter und Heuwender lösten ihre Arbeitshaltung, standen aufrecht unb äugten nach uns. Als bas Lichtkabel abriß, die Nummerschilber genügenb verbogen waren unb uns bas Wasser im Kühler kochte, ließen wir ben Wagen ein wenig verschnaufen. Wir setzten uns an den Grabenrand. Da sahen wir nicht mehr weit von uns den Berg. Er aber hatte uns auch gesehen. Wir wunderten uns über die steilen, wegelosen Hänge unb mir war, als habe ber Berg gerabe auf uns gewartet, um einen Spaß zu haben, sich eine kleine Ab- wechstmig zu gönnen in ber Gleichtönigkeit feiner vielen, vielen Tage. Wir waren nicht mutlos, eher zornig, unb knirschten trotzig: nun gerade!
Dom Rathaus.
Nach 32jähriger ehrenamtlicher Mitarbeit m ben Körperschaften bet Stabt Fulda hat dieser Tage Herr Kaufmann Karl Arnd sich aus ben städtischen Geschäften zurückgezogen und sein Amt als 1. Beigeordneter der Stadt Fulda niedergelegt. Am 1. April dieses Jahres, als er auf eine 25jährige Tätigkeit tnt Magistrat zurückblicken konnte, war ihm, wie wir damals berichteten, von dem gesamten Magistrat unter Führung des Oberbürgermeisters der aufrichtige Dank der Stadt Fulda für feine lang- jährige wertvolle Mitarbeit ausgesprochen worden. Mit Recht! Wer ein Menschenalter hindurch we schwere Verantwortung getragen hat, die städtische Ehrenämter mit sich bringen, wer um ber guten Sache willen in großem Umfang seine Zeit geopfert unb zahlreiche Unbequemlichkeiten, vorab un-
sachliche Kritik unb bewußten unb unbewußten mit in ben Kauf nehmen mußte, hat bet
»‘‘Äff »'S« g MMiK^NEeEch^uch'ch wMsRftlicher Be- haltntssen, namen Maßnahmen ber
n^tHAen^SBebörben während feiner langen Amts- ffWÄ W-ll- U* lönron. ^rMraermeifter Dr. Antoni hat Herrn Arnd, zuverlässigen Ratgeber betrachtet. Sn oen leg tenJahren hat Herr Arnd auch die für bie geistige Entwicklung unserer Stabt so bedeutsame Stabt- schuldeputation geleitet. Ferner war er Mitglied der Oberrealschuldeputation. Nachdem Herr Arnd vor einiger Zeit nicht unerheblich erkrankt war, hat sich die Zentrumssraktlon ber Städtischen Körperschaften .deren treues Mitglied er Spesen ist, dem Wunsche des Scheidenden, von der Bürde seines Ehrenamts entlastet zu werden, nicht wider- fehen können. Zur Regelung der Nachfolge des Herrn Arnd, die auf Grund ber Wahlvorschlags- Wen aus bem Jahre 1924 erfolgt unb blszunt kommenden Wahltag, den 17. November dieses Jahres, Wirkung HÄ, wird bte Zentrumsfraktion der Städtischen Körperschaften m nächster Zeit
Der fröhliche Berg.
Don
So aber war der Berg: Lebendig. Unb wer ihn nicht verstaub, hörte nicht sein Lachen unb sah nicht feine Tränen.
Don bem Turm einer Ruine hatten wir ihn einst gesehen. Wer ihn sah, ben zog es zu ihm hin, um bei ihm zu fein unb mit ihm zu plaubern, wie man mit Freunden redet ober mit erfahrenen Männern, bie es gut mit bem anberen meinen. Er war einst wie fein Bruder neben ihm. Der war unruhig, ber reckte stolz bie unberoatbete, zackige Spitze in ben blauen Himmel: jünger war ber unb lud nicht ein, sondern forderte heraus. Unser Berg war anders. Es war wie ein rechter Dorfwirt, ber vor feiner Türe steht, bie saubere Schürze um ben runben Bauch, unb burch feine Freundlichkeit unb Gediegenheit Vertrauen erwetfenb, ohne Worte, bie Borüberziehenden veranlaßt, bei ihm unb keinem anderen zu rasten. Er war wie ein Wirt, ber sich im Laufe der Jahre eine scharfe Menschenkenntnis angeeignet hat, der die Beweise echter Behaglichkeit, die fein Haus zu bieten vermag, an sich selber trägt, in dessen Auge viel Güte ist, wie ein Wirt, der mit Menschen aller Art umgehen gelernt hat, der Spaß macht und einen Spaß versteht, der aber auch ungeladene Gäste abweist unb freche Eindringlinge vor bie Türe setzt. Vollblütig war er; neben ber Güte lag männlicher Zorn in ihm. Unb in feinem Nacken faß ber Schalk. So war unser Berg. Unb mit stummer Geste hatte er auch uns geloben; ben Maler, ben Kaufmann, ben Lehrer. Wir verstanden ben Gruß. Unser Plan war fertig: wir werben mit bem Auto auf ben Berg hinauffahren unb oben im Zelte „fernab vom (Betriebe der Menschen" unsere Ferien in Sonne und freier Lust Der- bringen.
Der Wagen wurde bepackt. Es fehlte nichts, was nötig war, um drei Wochen in Saus und Braus leben zu können: ein großes Hauszelt; Konserven ber erlesensten Art, Sauerkraut mit Frankfurter Würstchen, Königsberger Klops, Bauerngulasch mit Nudel, Hahnen-
gnlBa, ben 20. Juli 1929
(Es bleibt beim 17. November.
Sine amtliche Mitteilung über den Kommunal- Wahltag.
Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: <n<i3 vreußische Staatsministerium hat durch Be- Nuß vom 18. Juli 1929 als Wahltag fürdte allgemeinen Neuwahlen zu den Provinziallandtagen und zu den Kommunallandtagen her Bezirksverbände Kassel, Wiesbaden und des I Landeskommunalverbandes der hohenzollerifchen I »ande, den Kreistagen und den Gemein d e- I Vertretungen der Städte und ßatü)g«nenv I ben, sowie zu den Amtsvertretungen in der Ryein- vrovinz und der Provinz Westfalen den 17. 1L 1929 festgesetzt und zugleich beschlossen, die an dem I genannten Tage stattfindenden Wahlen miteinan- I der zu verbinden.
Damit ist nun wohl der große kommunale Wahl- I tag endgültig festgelegt. Im Interesse der kommunalen Arbeit, die in vielen.fallen auf lange Sicht verrichtet werden muß, ist es sehr zu begrüßen, daß jetzt Klarheit geschaffen ist und bie kommunalen Körperschaften mit der Erneuerung im Lause des Herbstes bestimmt rechnen können.
Bei uns in Fulda muß am 17. November gewählt werden zur Stadtverordnetenversammlung und zum Kommunallandtag, also zu zwei Körperschaften. Beteiligung an den Kreistagswahlen kommt nach dem Ausscheiden der Stadt aus dem Kreise nicht mehr in Frage. In ben Gemeinden des Landkreises Fulda wird außer m den Gemeindevertretungen auch zum Kreistag und zum Kommunallandtag, also zu drei Körperschaften, gewählt. Alle Wahlen Md von erheblicher Bedeutung, vor allem auch die Wahlen zum Kommunallandtag. Zu letzterer reichen diesmal erstmals Stadt- und Landkreis Fulda getrennte Wahlvorfchläge ein, während bei der letzten Wahl Stadt und Land Fulda einen gemein- fernten Wahlkörper bildeten. Es wurde von der Liste der Zentrumspartei Oberbürgermeister Dr. Antoni und Bürgermeister und Landwirt Herbert- Zirkenbach gewählt. Die übrigen KommunaNaud- tagsabgeordneten des Zentrums waren Rektor Sondergeld-Hünseld, Landrat Dr. Wiechens-Gers- felb, der jüngst verstorbene Sanitätsrat Dr. Scherf- Bad Orb, Forstmeister Rang-Salmunster und Bürgermeister Linker-Neustadt. Hoffentlich gelingt es auch bei der kommenden Wahl für den wichtigen Kommunallandtag wieder eine tüchtige Zentrumsfraktion zustande zu bringen. Einträchtige Zusammenarbeit aller Zentrumskreise ist dafür die unumgängliche Voraussetzung.
Städtische Sparkasse
gegr. 1825
früher Friedrichsmarkt — Jetzt Bahnhofstraße Nr. 5 Ausgabe von Helmsparkassen.
Ja, das muß er, wenn das Quecksilber tnt Wärmemesser bis zu 40 Grad emporklettert. Man kühlt sich auch nicht ab, wenn man sich der diesjährigen Fastnachtslage erinnert, da man vor Frost kaum noch atmen konnte. Kalter Winter - heißer Sommer. Ausgleichende Gerechtigkeit. ! Alles das stimmt. Einer verträgt Hitze besser als der andere. Aber den meisten Zeitgenossen lauft Schweiß von der Stirn. Freilich: Wer Urlaub hat, kann in kühler Wohnung bleiben, bis bie Sotme untergegangen ist und die Hoffnung auf kühle Nachtluft ins Freie lockt. Zu keiner Jahreszeit fühlen sich so viele verlockt, abends ins Freie zu eilen wie jetzt. Gestern abend ballten f^ auf Straßen und Plätzen, namentlich in der Nahe des Bürgervereins, die Menschen tote Fsiegen- schwärme. Keines wollte ins Bett gehen. Es war zu warm. Man lechzte nach kühlem Trunk. Schließlich kam doch der gesegnete Fuldaer Nachtwind, ber es selbst in Zeiten ber amerikanischen Hitzewellen kühler macht. O ihr armen Rhemgauer, ihr Kurgäste in Rothenburg ob ber Tauber, ihr Berliner, bie ihr diese kühle Nachtlust nicht habt, bte uns hier für die Tageshitze wieder rüstig macht. Denn wenn das Tagesgestirn wieder hervorkommt, wird es wieder heiß. Wer Urlaub hat, geht ins Kühle, stürzt sich günstigenfalls m Fluten (wo solche noch vorhanden), aber wer keinen Urlaub hat, wer im heißen Büro ist ober wer gar am Kochherd stehen muß und wer an einem Schmelzkessel, einem Dampfkessel oder fonft einem Produkt neuzeitlichen Erfindungsgeistes steht, das mit der Julisonne in Wettbewerb zu treten bestrebt ist! Wißt Ihr, was das heißt, Ihr Urlauber, Ihr Ferienreisende? Erholt Euch gut von der Zeit der Ueberbürdung. Aber vergeßt nicht, einige Minuten an die zu denken, die jetzt an ber Werkbank stehen, beten Schweiß sich mischt mit Oel und Fett der Maschine. Denkt nur einige Minuten Pfarrherrn.