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Fuldaer Zeitung

Rund um die Woche

Die Geistlichkeit an der Spitze des Zuges

Die Familie des Verstorbenen im Trauerzuge.

linden. Sie!

(Fortsetzung folgt}

* Die Spiheltätigkeil hört auf. In einer Kon­ferenz der Innenminister der deutschen Länder, die am Samstag im Reichsinnenministerium unter

3. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckeret, Fulda

nicht gesehen hat.

Um eine gewisse Sorte von Menschen ist es I dabei nicht schade. Wie sagt doch Rockefeller über jene sogenannten „Oberen Zehntausend", unter I denen man sich nicht einfach die Reichen vorzustel­len hat, sondern die brutalen Geldmenfchen: „Was sind diele Leute, haben sie überhaupt noch das Recht, Menschen^enannt zu werden? Es sind Ma­schinen, die eine bestimmte Arbeit verrichten und zu nichts anderem taugen. Ich kenne diese Gesell­schaft, die fick stolz „Finanzaristokratie" nennt. Ich kenne sie, ich habe mit ihnen und gegen sie ge­kämpft. Der Grundsatz aller besteht in einem jede Schranke übersteigenden Egoismus, sie kennen keine Rücksicht und gehen über Leichen. Es ist Wahrheit, daß die Reichen zahllose Menschen in den Tod ge­trieben haben. Ich selbst war nichts anders und be­reue aus tiefstem Herzen mein ganzes Leben . . . Ich habe geglaubt, daß der Gelderwerb und die Erlangung von Macht das Dasein vollkommen ausfüllen können. Heute aber, wo alles, was ich unternahm, als gelungenes Werk hinter mir liegt, muß ich gestehen: kein Sieg, und sei er noch so groß, gibt dauernde Befriedigung. Man langt in­nerlich an einer Grenze an ,wo es nichts mehr zu tun gibt, und dann fühlt man sich grenzenlos leer, nutzlos und unglücklich." Der Mann, der dieses schrieb, besaß bei feinem achtzigsten Geburtstag em Vermögen von vier Milliarden Dollar . . .

„Pässe!" schrie der Kontrolleur, als ich eben die­se« las und in salomonische Stimmung geraten war. Ich erschrecke und ziehe meinen Paß. ,^Jst ja längst abgelaufen! Sie müssen aussteigen. Sie können mit diesem Zug nicht nach Amsterdam fah­ren."

Ich: „Sind sie verrückt?"

Er: „Da muß ich meinen Ehef holen.

Es kommt der Chef. „Meine Vorschriften ge­statten nicht, meine Vorschriften . . . meine Vor- r.r "

Ich kriege zuviel. „Sie haben keine Vorschrift, die Ihnen befiehlt, unvernünftig zu sein."

Er: „Ja, aber..."

Ich: „Ich muß unbedingt heute noch in Am­sterdam sein. Sie werden das nicht hindern."

Ungeheuerliche Verräterei des Doktors aus der Rue

im Herzen, als ich in seinem Gesprächspartner nie­mand anders erkannte, als den infernalischen kleinen Affen, der mich vor einem Monat auf dem Cincinnatus- platz verhaftet und nach Le Buffoy gebracht hatte, und den man, wie ich gehört hatte, „Bürger Robin" nannte. Die beiden gingen in eifrigem Gespräch auf und ab, und warfen ihre Blicke bald auf die Fenster des Ge­fängnisses, bald auf die dunkel dahinrollenden Wasser der Loire mit ihren beschneiten Barken und treiben­den Eisschollen.

Jetzt zwangen mich meine ermüdeten Arme und Beine, auf den Boden der Zelle niederzugehen, und als ich mich von neuem an das Fenster emporzog, war der Damm leer und von den zwei Männern nichts mehr übrig, als die Spur ihrer Schritte in dem niedergetre- tenen Schnee. Und obwohl ich an dem Fenster hing, bis meine Ellbogen wund waren, sah ich die beiden an jenem Tage nicht mehr.

Am Nachmittag, als schon die Dunkelheit aus den Winkeln meiner Zelle kroch, saß ich auf meinem Stroh­sack und horchte auf das gedämpfte Murmeln, das aus dem Korridor und von dem Männerhofe zu mir her drang. Du wirst vielleicht sagen, daß ich auch damals noch keinen eigentlichen Grund hatte, Raoul Perran- court böser Absichten gegen mich zu bezichtigen. Daß er mit Herz und Seele der Revolution diente, und daß die Sympathien und die Hilfeleistungen, die er der Fa­milie Tabouret angedeihen ließ, gegen sein Gewissen gingen, das wußte ich vom ersten Tage meiner Begeg­nung mit ihm. Als ich aber jetzt in dem Düster meiner Zelle saß, da sagte mir, wie schon am Morgen, eine Art Instinkt, daß dieser Mann kein wahrer Freund weder Roberts noch Mariens noch sonst jemandes, außer feiner selbst war. Was Maurice Mannering anlangte, hatte ^h mich nie einer Täuschung hingegeben: jetzt aber war ich gewiß, daß ich dem Doktor und sonst nie­mand meine verzweifelte Lage zu verdanken hatte. War ich nicht Zeuge der Vertraulichkeit zwischen meinem Häscher und Perrancourt gewesen? Auch hatte ich, und das zählte viel, die wirkliche Seele des Mannes ge­sehen, als er an jenem Tage den Uferdamm auf und ab schritt. Vielleicht war ich der Gegenstand der Ge­danken gewesen, die einen so bösen Ausdruck in seine Augen gebracht hatten. Es war nicht wahrscheinlich.

eine hervorragende Ortsgröhe wie der Doktor aus i Rue Galilee von einem Gefangenen nichts wußte, Du den Behörden so viele Rätsel aufzulösen gab.

Vielleicht waren dreißig Tage in Le Bouffay geeig­net, die Beobachtungsgabe eines Menschen zu schärfen, vielleicht machten sie einen auch ungerecht: auf keines Fall wohl bewirkten sie, daß man in seinen Urteilen gegen die Nebenmenschen mild wurde. Ich war miß­trauisch gegen mich selbst...

Hier wurde der Faden meiner Gedanken abgeschnit- ten. Der Schein einer Laterne fiel durch das Gitter mei­ner Tür und ich hörte ungewöhnlichen Lärm von dem Korridor, der aus dem Männerhof nach dem Pförtchen führte. Auch von dem Userdamm vor meinem Fenster kamen Lichter, die grotesk tanzende Figuren auf die Decke meiner Zelle warfen.

Ein halbes Dutzend Male war ich schon Zeuge die­ser periodischen Säuberungen des Gefängnisses gewesen, doch hatte ich nie geglaubt, eines Tages auch an die Reihe zu kommen. Ich lebte zu jener Zeit noch in glücklicher Unwissenheit über die bei den Ausschüssen und Tribunalen übliche Art des Verfahrens und wußte, nicht daß in Nantes der Abschaum des Pöbels die Wage der Gerechtigkeit in Händen hielt. -Ich stellte mir vor, man brächte mich vor ein ordentliches Gericht mit Rich- tern. Verteidigern und all dem Pomp eines formellen Verfahrens und würde mich dann freisprechen. Diese kindliche Zuversicht auf die Anständigkeit der Leute, die im Jahre 1793 in Nantes das Heft in Händen hielten, bewahrte mich während des Monats meiner Gefangen- schäft vor völliger Verzweiflung, aber das Erwachen war nachher um so schrecklicher.

Es dürfte wohl zwischen acht und neun Uhr abend- gewesen sein, als ich meinen Namen rufen hörte. Man zog mich aus der Zelle und stieß mich mit rauher Hand vorwärts, bis in den Männerhof, wo ich meinen Platz in einer Reihe anderer armer Teufel, die der Mauer entlang aufgestellt waren, angewiesen bekam. Bei dem Scheine der in Abstand zu Abstand hängenden Later- nen konnte ich meine Schicksalsgefährten deutlich genug erkennen.

*

Rationalisierung. Jetzt ist es auch an Nie Städte aekommen. Das ist ein ungeheures Er­eignis. "Wenn man in früheren Zeiten andere Grenzen haben wollte, muhte man Krieg darum ühren. All die Striche, die auf der bunten deut- chen Länderkarte verschiedene Reiche abgrenzen, ollten rot gemalt fein; denn sie sind meist mit Blut erstritten worden. In unfern friedlichen Zei­ten streiten sich die Bürger recht harmlos um ihre städtischen Grenzen. Berlin kommandiert, und das souveräne Volk hat sich zu fügen. Die alten Län­der schwinden, und die neuen Oberbürgermeiste­reien trete an ihre Stelle. Die alten Paläste haben ihre Wohnherren gewechselt, und das ist eigentlich alles, was geschehen ist. Vorsichtig schiebt man zwi- scheu manche Rivalen neutralere Mittelstädte oder Streifen von Landkreisen. Sonst hätten wir am Ende morgen Kriegserklärungen. Hamborn rüstet sckon . . . Allzu wichtig muß man es nicht neh­men. Es könnten natürlich die übelsten Formen der Zentralisierung eintreten, aber nötig ist das nicht. Die Form entscheidet so wenig hier, wie im großen Staat. Aber der Gedanke, daß die neuen Gebilde wahrhaft auch Kulturgebilde wer­den sollen, der entscheidet, und ob man aber ge-

Der Abenteurer.

Don D. Whitelaw.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

«lle deutsche» Rechte bei Stete von Urbanifctti. Wie».

37j ---------

Was meine Pein vollendete, war der Umstand, daß Ich während der ganzen Zeit meiner Haft in Le Bouffay keine Nachricht über Robert und seine Schwester bekam, denn ich wagte nicht, nach der Rue Galilee zu fenben ober noch Raoul Perrancourt zu fragen, aus Furcht, meine Freunbe unb ben Doktor selbst in Gefahr 3^ brin­gen ben ich bei aller gegenseitigen Abneigung doch für einen ergebenen Freunb ber Familie Tabouret halten mußte. Ich war entschloßen, eher zu sterben ober in ben Kerkern von Le Bouffay zu verfaulen, als durch trgenb einen Schritt zu meinem Vorteil bie Sicherheit meiner Freunbe in La Tourbiere zu gefährden. War es nur bestimmt, meine Abenteuerlaufbahn in den Kerkern von Le Bouffay zu beenden, bann sollte es wenigstens em Ende in Ehren sein.

Eine Anklage gegen mich war noch nicht erhoben wor­ben; bie Tribunale hatten vollauf mit ben Vendeern zu tun bie burch bas arge Wetter zu Hunberten aus ihren Schlupfwinkeln getrieben würben unb in ber Stobt Schutz suchten wo sie aber halb in die schlau ersonnenen Fallen Carieres unb ber teuflischen Maraibuben gerieten. Diel- leicht waren auch bie Zeugnisse gegen mich nicht genü­gend um selbst so leichtfertige Richter wie bie ber Revo­lutionstribunale zu überzeugen Es lag gegen mich nichts vor, als mein Unvermögen ober meine Unwilligkeit, Die Natur meiner Geschäfte in Nantes zu erklären unb ber Fetzen Papier mit ben gedruckten Namen ber drei Re­bellen, ben man in meiner Tasche gefunden hatte. Dieser Fetzen von dem Maueranschlag auf dem Cintmnotusplatz gab, wie ich glaube, den Behörden viel zu denken, und ich war froh, daß er außer dem Namen Robert Tabourets noch andere enthielt.

Und bann — ich glaube, es war am dreißigsten Tage meiner Gefangenschaft — trat wieder Raoul Perrancourt in mein Leben ein, und ich erfuhr zum erftenmate, die

Galilee.

Mit vieler Ausdauer hatte ich es zuwege gebracht, unterhalb meines Fensters in ben Mauerbewurf ein Loch zu scharren. Es bot mir für meinen Fuß so viel Halt, baß ich bis zu ber Fensterkante emporsteigen und auf den Uferbamm hinunterschauen konnte. Für die außerorbentliche Unbequemlichkeit biefer Stellung fühlte ich mich stets reich entschäbigt burch ben Blick in bie Welt, von der ich so grausam ausgeschlossen war. Wenn ich mich recht erinnere, war es eine Stunde nach Mittag, als ich von meinem unbequemen Beobachterposten aus meinen Freund, ben Doktor, zu Gesicht betont.

An jenem Tage hatte es ein wenig geschneit, Mt Uferbömme, Brücken und Dächer ber Häuser waren leicht mit Schnee bestäubt, und Eisschollen trieben auf ben grauen Wassern bes Flusses. Raoul Perrancourt schritt ben Uferbamm auf unb ab, bie Hände auf dem Rucken, die Augen auf das Pflaster gerichtet; nur von Zeit zu Zeit hob er ben Blick unb sah nach ber Stelle unter meinem Fenster, wo, wie ich wußte, bas Gefängnis war. In biefem Blick lag Aerger sowohl als Erwartung unb eine Wildheit, bie mir früher an Dem Manne unbekannt war. Raul Perrancourt, buchte ich bei mir selbst, hat bei seinen Besuchen im Sumpf stets eine Maske getra­gen Der Mann, ber bort auf bem Uferbamm hin unb her ging, war nicht ber Freund weder Mariens noch ihres Bruders, dessen war ich gewiß. Dieser veränderte Gesichtsausdruck hielt mich zurück, als ich dem Impuls bes Augenblickes folgend im Begriffe war, bie Aus- merffamfeit bes Doktors auf mich zu lenken. In seiner ganzen Haltung lag etwas so abstoßend Unheimliches, daß ich meine Regung im Zaum hielt; unb ich bm tn ber Tat froh, baß ich mich nicht herabwürbigte, von Raoul Perrancourt eine Gunst zu erbitten.

Mein Beobachtungsposten war von solcher 2lrt, Daß ich es bort nicht länger als wenige Minuten hmker- einanber aushalten konnte. Ich ließ mich auf ben Bo­den der Zelle nieber, unb so bald es meine verkrampf- ten Ellbogen unb Zehen erlaubten, hing ich a” ber Fensterkante unb spähte eifrig auf ben Fluhdamm ’ Der Doktor aus ber Rue Galilee war jetzt nicht mehr allein, unb es gab mir einen ordentlichen Ritz

Er: „Meins Vorschriften..."

Ich: „Nun, dann muß ich mit dem Auswarttgen Amt in Berlin telefonieren..."

Er: „Nun, dann will ich es für einmal noch ge­statten ..."

Der Holländer, der noch im Abteil sitzt, lacht sich kaput. Sagt endlich: „Der Mann hätte Ihnen doch eigentlich helfen sollen, es ist doch Ihr Lands­mann/ m r, .

„Ne", sage ich, „er ist eine Behörde, verstehen Sie, Mynheer? . . . Wäre er nicht Behörde, so wäre er am Ende sogar höflich."

Man sah dann auf der holländischer, Seite den Fehler in meinem Paßbuch. Man lächelte da­zu liebenswürdig und vergaß, daß man Behörde war. Sicher aber ist dieses Erlebnis eine Aus­nahme, denn wer wüßte nicht; daß es eine freunb« licheren Menschen gibt, als unsere Behörden? . . .

Der Mann im Monde.

Es ist einmal unser Schicksal, daß heute die W i r t s ch a s t f ü h r t. Sie legt die Grenzen, sie stellt die wichtigsten Gebäude, sie bestimmt den Lauf der Dinge. Auch im großen Europa ist das so. Briand hat jüngst von der europäischen Wirt- schaftsunion gesprochen. Kulturell ist dieses Eu­ropa als abgeschlossene Einheit ein Unsinn. Der Spanier steht im lebendigsten Zusammenhang mit | Südamerika, und es gibt eins lateinische Kultur. So auch eine angelsächsische, mögen auch die Unter­schiede zwischen England und Amerika groß sem. Auch ein Mitteleuropa gibt es, und wir Deutschen haben ein hohes Interesse daran. Erdteile find keine Kultureinheiten. Das ist vollkommener Un­sinn. Aber wirtschaftlich liegen die Dinge anders. Da muß künstlich Interessengebiete schaffen. Ich für meinen Teil glaube nicht an ihre Zukunft. Auf nie Dauer werden doch die seelischen und geistigen Einheiten und Gegensätze entscheiden. Und schon darum haben wir gar kein Interesse daran, uns in diesem Augenblick auf Grund französischer In­teressen mit Amerika zu verfeinden. Mr hat es . überhaupt gefallen, daß Kaas und Wirth einmal I ganz deutlich gesprochen haben. Ich glaube sogar, daß der nächste Krieg einfach ein wildes Losschla­gen gegen die Geldmächte sein wird, die da glau­ben, von Gnaden der Finanz allein die großen Fragen der Völker entscheiden zu können. Cs wird I ihnen am Ende gelingen, Volk um Volk an den I Bettelstab zu bringen und alle in Sklaven zu ver- I wandeln. Dann aber werden diese Sklaven sich in ihrer grenzenlosen Not mit einander verbünden, I und ein Tag wird kommen, wie ihn die Welt noch

Wie kann man nur mit der Armbanduhr in » ,„n Tegernsee springen! Nichts zu machen, I die Uhr steht still. Wäre ich ertrunken, man hätte die Minuten meines Todes vom Ziffernblatt 1 Seien können. . . Futsch! Nichts zu machen. Nun gehe ich ohne Uhr. Schaue auf das große Äiffernblatt der G o 11 e s u h r. Ei, die Sache lobnt sich. Wo gäbe es einen Zeiger so strahlens, I wie die liebe Sonne. Will ich jetzt wissen wie Ivät es ist, so muß ich immer den Himmel an- i dxmen. Oder den Schatten, wie er wächst und abnimmt. Oder den Abendstern. Oder auch die Mücken, wenn sie ihre Tanzstunde halten. Ach, 1 bu elender Menschenverstand, was hast du aus Gottes Uhr gemacht, als du die Taschenuhr er­kunden hast! Das nennt man rationalisieren. Jon Sonne, Mond und Sternen, von Mucken und Abendrot und Dämmerung, was ist geblieben * \ Ein Ziffernblatt. Ein paar schwarze Zeiger. Das Weltall in der Westentasche oder am Armband. Das kreisende Universum in einem kleinen Ge­häuse. Wie glücklich die Menschen, die immer den Himmel anfcbauen mußten, wollten sie wissen, wie pät es ist. Sie waren noch mit dem leben­digen Weltall verbunden. Wir kommen ohne das aus. Die Sonne auf das Zifferblatt, die Blu- men ins Herbarium und die Menschen ins Büro. Ich lebe jetzt wieder wie unsere Väter in der Steinzeit oder noch viel früher. Wenn ich ein Auto sehe, dann halte ich es für einen Saurier ober sonst eins der vorsündslutlichen Ungeheuer. Am liebsten würfe ich jetzt Tischlampe, Schreib­maschine, Kintopp, Telephon und die gesamte moderne Sachlichkeit in den Tegernsee. Dazu sämtliche Bürokraten, Behörden, Schienen, Tages­ordnungen, Fahrpläne nebst Straßenschildern, An­standsbüchern, Modesachen, Presseerzeugnissen, Philosophien und Kölnischem Wasser und was mir sonst zuwider ist. Und machte es wie der alte Rockefeller. Er hat noch drei Bücher in seiner Privatbibliothek und darin liest er nach dem Früh­stück bis 11 Uhr: es ist die Bibel, ein Predigten­buch und ein Band geistlicher Gedichte. Aus das Predigtbuch würde ich obendrein noch verzichten.

Die Beisetzung Hugo von Hofmannsthals.

Ank hem Kalksburaer Friedhof bei Wien wurde der verstorbene berühme österreichische Dichter Hugo v. Hofmannsthal unter zahlreicher Beteiligung prominenter Persönlichkeiten?Zefetzü So^ war n neben bekannten Politikern viele Freunde des großen.Dichters aus chreni Ferien nach Wienge eilt, um an ber Bestattung teilzunehmen. Hofmannsthal wurde im Gewand des Dritten vroens vom hl. Franziskus bestattet. Drei Franziskaner gaben ihm das Grabgeleitt -Licken Gra^

unterblieb jede Grabrede und fanden nur bie tn ber katholischen Kirche uoucyen gebete statt.

dem Vorsitz des Ministers Severing stattfand, kam auch die Sprache auf die im Orlofs-Prozetz zutagegetretenen Mißstände, die sich durch die Tä­tigkeit von Spitzeln ergeben haben. Relchsmini- ster Severing mißbilligte diese Vorgänge und er­klärte, daß er allen ihm untergeordneten Dienst­stellen verboten habe, weiterhin irgendeine Ver- binbung mit Agenten auszunehmen oder zu unter­halten, baß er in Zukunft keinerlei Verbindung biefer Art mehr dulden werde. Die Innenminister ber ßänber billigten diese Erklärung und rotefen daraufhin, daß sie in allen vorkommenden Fallen dem Reiche zur Durchführung von Untersuchungen ihre Polizeiorgane zur Verfügung stellen werden. Damit werden hoffentlich für immer solche unan­genehme Mißstände für beseitigt gelten können, werden auch die bis jetzt für die Beschäftigung von Agenten aufgewandten Gelder zweckdienlicheren Bestimmungen zugewandt werden.

* Im Paddelboot über den Aermelkanal. Zwei deutsche Studenten aus Leipzig, Felix Muller und Werner Muchlert, kamen am Donnerstag abeni um 10 Uhr in Dover an, nachdem sie den Ranai

Mit der Armbanduhr in den Tegernsee. - Eingemeindung und'«ultnrwille. Die Wirtschaft führt. — Patzkontrolle und höflliche Behörden.

willt ist die Eigenart des geWchtlich Gewordenen zu achten, was natürlich nicht besagt, daß leder alte Pflasterstein, der nun einer Betonstraße wel­chen muß, in ein Museum gehört. Wir wollen ein­mal sehen, wie sich ihr Äulturwille nun betätigt.

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. Sonntag, den 21. Jnli 1929.

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