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Der Abenteurer.

Von D. WhiteIaw.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

Alle deutlchen Rechte bei Grete von Urbanidlv Wien.

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Niemand war in Sicht, als ich einige Minuten später vor dem Maueranschlag stand und mit dem Fingernagel die Stelle mit dem Namen Tabourets und seiner beiden Unglücksgeführten abriß. Dann knüllte ich das Papier zusammen, steckte den Knäuel in die Tasche und wandte mich in der Richtung nach der Jsle Cochard, die in der Nähe der Rue Galilee lag. Es war mir aber nicht be- schieden, an diesem Tage den Doktor Perrancourt zu sehen, und es sollte noch viel Wasser die Loire hinabrin­nen, ehe ich meinen Fuß in das Haus in der Rue Galitce setzte. Der Schlag siel, als ich im Begrisfe war, den Cin- cinnatusplatz zu verlassen.

Die Leute waren um die Ecke der Rue Richebourg ge­kommen und hatten mich von allen Seiten umringt, noch ehe ich mich besinnen und an Flucht denken konnte. Ich hatte von den Scharwachen gehört, die allmählich die Straßen von Nantes, oft von Haus zu Haus, nach Ver­dächtigen durchsuchten. Man nannte diese Leute die Ma- ratbuben, und ihre Macht war unbeschränkt. Sie rekru­tierten sich aus dem Abschaum des Straßenpöbels, und ihre Reihen wurden von Zeit zu Zeit durch Zuzug von Desperados aus der Hauptstadt verstärkt.

Ich spielte den Harmlosen und erklärte dem Führer der Bande, einem hohlwangigen, gelbhäutigen Gecken mit den übelsten Augen, die ich je an einem Menschen ge­sehen, daß ich Engländer sei und mit einem Weinhänd­ler in der Rue Racine Geschäfte, betreffend eine Schiffs­ladung Kongnak, habe, deren Eintreffen auf der Themese schon lange fällig sei

Die Hornlaterne, die einer der Kerle in die Höhe hielt, zeigte mir nur zu deutlich den Unglauben auf dem Ge­sichte des Führers. Noch eine Frage, und wieder eine, die mit der Schnelligkeit von Pistolenschüssen nach mir abgefeuert wurden, machten der Sache, so weit der Füh-

Fuldaer Zeitung

Bilder vom Tage

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Gottesdienstordrmnsi

und seine Gattin haben offenbar keine Ahnung, welch schlimmen Dienst sie ihrer Sache mit hiessen Helfershelfern erweisen Großmann, ein Stettiner Derlagsbuchhändler, veröffentlichte vor 35 Jahren seine Schrift gegen die katholische Morallehre und wähnte, damit einen Hauptschlag gegen die katho­lische Kirchs zu führen. Es waren aber nur Aus­züge aus der Moraltheologie des hl. Alfons von Ligouri, wie er sie für seine Zwecke brauchte, voll anfechtbarer und falscher Uebersetzungen aus dem lateinischen Text. Die lateinischen Moralbücher überhaupt, auch die des Gründers des Redemp­toristenordens, sind für Fachleute und Theologen geschrieben, so gut wie die medizinischen Fachbücher der Aerzte für die Fachleute, und es wäre Prü-

* Der Ozeanflug der Sverige. Nach einer Mel­dung der Associadet Preß aus I v ig t u t (Grön­land) ist der schwedische Flieger Ahrenberg mit dem Flugzeug „Sverige" um 11.18 Uhr Green­wicher Zeit abermals in Richtung Labrador ge­startet.

und bin in alter Wertschätzung Ihr ganz erge­bener gez. Dr. R o m b a ch.

Auch Fulda hat ja über die Bestimmungen des glücklich zum Abschluß gekommenen Konkor­dates besonderen Anlaß zur Freude. Durch die neuen Diözeseneinteilung erhält bekanntlich die Diözese, deren Hauptsitz Fulda ist, einen Zuwachs von rund 102 360 Katholiken. Die Zahl der Pfarreien beträgt 75 und 12 Kuratien mit mehr als 100 Geistlichen.

derie nicht weniger, wenn man etwa an dem In­halt der letzteren über geschlechtliche Fragen und Krankheiten, sowie über die Heilvorschriften An­stoß nähme und sich sittlich entrüstete. Reben an­deren Aufklärungs- und Verteidigungsschriften sei auf die des Prinzen Max von Sachsen verwiesen:

Wie wirb bas Wetter ?

Das mitteleuropäische Hochdruckgebiet hat sich nucy vorübergehender Verstärkung wieder abgeflacht. In sei­nem Bereich liegen selbst die Abendtemperaturen im Binnenlande noch bis bei 30 Grad Celsius. Vielfach hat die Erhitzung zu örtlichen stärkeren Druckfällen ge­führt. In den so entstandenen kleinen lokalen Tiefdruck­gebieten kommt es zu Gewittern, di« bei der hohen Luft­feuchtigkeit stellenweise einen schweren Charakter anneh- men. Aber sonst bleibt die beständige Hitzewetterlage unverändert fortbestehen.

Vorhersage bis Samstagabend: Vielfach Ge­witterneigung.

s. Blatt.

+$> Druck der Fuldaer AcNendruckerel. Fulda.

Dr. 3ng. Julius Dorpmüller, der Generaldirektor der deutschen Reichsbahn, ' ert am 24. Juli seinen 60. Geburtstag. Dorpm ler wurde 1898 Regierungsbaumeister, war 19i bis 17 Chef-Ingenieur der chinesischen Staatsbah: 1917—18 Feldeisenbahnleiter in Transkaukasie 1922—24 Eisenbahndirektionspräsident in Oppel und 1924—25 in Essen. Nach dem Tode Oeser wurde er zum Generaldirektor der deutsche- Reichsbahngesellschaft ernannt.

M (66.

Samstag, ven 20. Juli 1929

Hetzzeitschrift im katholischen München ihr verwerf- liches Treiben wagt, wohl in der Meinung, daß die Münchener Katholiken auch diesmal die Be- fchimpfungen und Herausforderungen ruhig hin­nehmen. __

„Sachen ist wieder Bischofssitz".

Oberbürgermeister Rombach an Dr. porfch.

Der Aachener Oberbürgermeister Dr. Rombach hat an den Führer der Zentrumsfraktion des Landtages, Abg. Dr. Porfch, folgendes Schreiben gerichtet:

Hochverehrter Herr Geheimrat!

Der vielen Hemmnissen zum Trotz nunmehr Wirklichkeit gewordene Staatsoertrag zwischen Preußen und dem Heiligen Stuhle ist in Aachen, der Grenzstadt im Westen, mit besonders freudiger und allgemeiner Genugtuung ausgenommen wor­den. Ein langersehntes Ereignis ist eingetreten, ein Herzenswunsch früherer Generationen erfüllt: Aachen ist wieder Bischofssitz wie in den Jahren 1801—1821! Stadtverwaltung und Bürgerschaft wissen, wieviel damit für die Vaterstadt erreicht ist; sie wissen auch, wie sehr sie dafür der tatkräf- tigen und zielsicheren Führung der Zentrumsftak- tion des Preußischen Landtags zu Dank verpflich­tet sind. Ihnen, hochverehrter Herr Geheimrat, diesen Dank hiermit auszusprechen, ist mir liebe Pflicht und innerstes Herzensbedürfnis. Ich bitte Sie, ihn der gesamten Fraktion zu übermitteln.

Frühmesse mit Predigt. 9V. Uhr Hochamt mit Predigt. Darauf Christenlehre. Um V.2 Uhr Segensandacht. — abteikirche der Benediktinerinnen. Sonntag »/«6 Konvent- messe, */.9 Konventamt, uiN 3 Uhr nachm. Vesper. — «erz-le U-Seim. Sonntags um 6 Uhr hl. Messe. 8 Uhr Predigt und Amt. 2 Uhr Andacht und Segen. Werktags 6 hl. Messe. Mittwoch abend 8l/< Andacht und Segen. — Lriedhofrkapelle am SranzosenwSldchen. Sonntag: 6V« bl. Messe mit Ansprache und Kommunion. Austeilung. Werktags: 7 hl. Messe mit Kommunion-Austeilung. — Severikirch«. Morgens 7 Uhr bl. Messe. 8 Uhr Oberreal, schulgottesdienst. — loiephrheim. V,8 Gottesdienst. — tzrauenberg. Hl. Meßen von 5—7 Uhr. 8 Uhr Sing, messe mit Predigt und liturg. Gebeten. 9 Uhr Hochamt mit Pred. 2 Uhr Versammlung des St. Franziskus. Männerbundes (Erteilung des päpstlichen Segensz. Um 5 Uhr Versammlung der Frauenabtlg. des 3. Ordens (Erteilung des päpstlichen Segens).

neutnberg. */»9 Uhr Amt und Predigt, — Lehnerz. */„10 Uhr Amt und Predigt. — vieterrhan. 8 Uhr Amt und Predigt.

F r ei t a g, 26. Juli, firantitbetg. Fest der hl. Anna, der Mutter der allersel. Jungfrau. Gegen Vi7 Levitenamt.

Maria Ehrenberg St. Annatag, 26. Juli. Früh 6 Uhr Beichtgelegenheit und hl. Messe. 9 Uhr Predigt und feiert Amt (Jungfrauen, und Müttertag).

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, den 21. Juli. Znlda. 8 und 9V. Uhr Kandidat Rübesam. 11 Uhr Militärgottesdienst, Kirchen- rat Mauch-Ludwigsburg. 8 Uhr abends im Bibliothek­zimmer Jungmännerverein; im Schwesternhaus Jung, mädchenverein. — Bab Salzschlirf. 10 Uhr Kreispfarrer Weber. Donnerstag 5«/« Besprechung lebenskundlicher Fragen. Amtswoche Pfarrer Hattendorff.

Donnerstag, 25. Juli, zulda. 8 Uhr abends Mütterverein im Schwesternhaus.

Lvangel. landerkirchl. Gemeinschaft, Suita, Buttlarstr. IZ.

Sonntag, 21. Juli. Abends 8 Uhr Evangelisation S- verfammlung. Thema: „Eine ernste EntscheidungS- stunde". Dienstag abend 81/« Uhr Bibel» und Gebetstunde.

Ludendorffr neuester Streich. ,

6t holt alte Ladenhüter hervor zum Kampf gegen I (Nürnberg).

die Jesuiten. — And München? I Wie Großmann ist Hoensbroeck moralisch und Im „8»W-n D°I--b,M- U|,„ «nr: «I-L SfÄ

Man glaubt sich m die Münchener Tage von I ^Belehrung unzugänglich ist und immer stärker 1924 versetzt - wo die völkische Hetze gegen die f ber Abschüssigen Bahn persönlicher Geschäftig- katholische Kirche und ihre Würdenträger die amt- (gU ^gleitet und (um mit einem Bild der „Tägl.

lichen Stellen rn Berlin und München zur Ab- Rundschau" zu sprechen) seinen Lorberkranz nahezu

wehr auf den Plan rief — wenn man die eben er- Blatt um Blatt zerpflückt hat. Wenn Ludendollff

schienens Folge 11 des 14. Heuets (Juli) von ,/i u - anbere5 aIs die Pilatus-Briefe von dem ver- dendorffs Volkswarte zur Hand nimmt. I Torbenen Viktor Naumann gelesen hätte, er wäre Die erste Seite „schmückt em Bild des hl. Alfon- Ernährt geblieben von der Versuchung, sich mit

von Ligouri, darüber dre Ueberschrrft: „Seht, Jesuitenorden, seiner Geschichte und seiner welch em Heiliger! , als Hauptuberschnft:„Die Morallehre auseinanderzusetzen. „999 Waschkörbe Kreuzzuge der Jesuiten . Die beiden berüchtigte I fönnen bie Schmähschriften nicht fassen, die gegen Pamphletisten Graßmann und Ho en s bie Suiten geschrieben wurden; die Angst vor broech feiern m den Spalten des Blattes mit Jesuiten ist wieder einmal eine Zeitkrankheit

Hife von Erich und Mathilde Ludendorff ihre b- fagt Kardinal Faulhaber in seinen Wiederau erstehung. Zunächst kündigt der General g-(in:fhl5.sBrebiaten eine neue Schrift seiner Gattin Mathilde mit war- Camsms-Predigten.

men Emvichlungen an: „Ei n B l i ck i n d i e M o- In der heutigen Zeit der wirtschaftlichen und ralleyre der römischen Kirche", die ein I noch größeren geistigen Not des deutschen Volkes Abklatsch der berüchtigten Graßmann - Broschüre I und des darniederlieaenden Gemeinschaftsgefühles, zu fein scheint. Allen Deutschen werde darin das I in dieser Zeit einen Kulturkampf neu zu entfachen, Ungeheuerliche der Unmoral dieser von der römi- I wie es Hstch und Mathilde Ludendorff tun, heißt schen Kirche als Richtschnur anerkannten Moral- I in unverantwortlicher Weise ein frevles Spiel trei- lehre zum Bewußtsein gebracht, und es werden die I ben mit dem konsessionellsn und innerpolitischen Uebersetzungen „Professor Graßmanns" aus dem grieben unb neue Zerklüftung ins Volk tragen, lateinischen Text beispielsweise angeführt. Beson- verschärft wird das Unterfangen des Ludendorff- ders betont rmrd die angebliche kirchliche Ter- I Ehepaares durch den Umstand, daß die neue tuschung des Belchtamtsmißbrauches und aus den I 1 ’ v

§ 174 des Deutschen Strafgesetzbuches hingewiesen, wonach schwere Zuchthausstrafe auf den angeblich von Alfons von Ligouri empfohlenen Praktiken steht. „Das ist pfäffische, das ist jesuitische Moral in Reinkultur". Eine Preistafel fordert zur Be- ,

stellung der Schrift Mathilde Ludendorsts sowie 1 nathonscher Gottesdienst,

des Flugblattes „Seht, welch ein Heiliger!" auf. I Sonntag, den 21. Juli. $ulba. Dom. 1. Deicht- Sowohl Erich wie Mathilde Ludendorff ergehen aelegenheiten sind: Jeden Samstag morgens von /,6 fi* hnnn in Beschimpfungen des Jelui- I Ube ab; nachmittags von 2—3 für Kinder; von /s5 •?-«V”-:h r %£ät iTsas

einer wissenschaftlich sein sollenden Weise ihr Mut- Gottesdienste: V,6, 6, -/-? und 7 Uhr hl. Messen mit

chen an den verhaßten Schwarzröcken. Dabei ent- I Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. 7 Uhr

schlüpft ihr das Geständnis, daß ihre „Wissenschaft- I hl. Messe und Komm, der Jungfrauen.Sodalität in der lichen Werke" in allen Kreisen, „auch vor allem 1 Marienkapelle. 8 Pfarramt mit Predigt, Aussetzung

unter den Völkischen unterdrückt werden". Erich I und Umgang und Komm, des 5 Schuljahres und der

Ludendorff beruft sich bei seinen Schmähungen I christenlehrpfl. J""9stauen und aller Jungfrauen der hauptsächlich auf den ehemaligen Jesuiten Graf I s??%” lefete^bl Messe mit

und macht dabei die bemerkenswerte I P^d. Vi2 Andacht zum hist. Altarsakrament. ’/<3 Enthüllung, daß die Werke Hoensbroechs, die m I A^hacht für die Jungfr. 4 Uhr Sakram. Bruderschaft eines jeden Deutschen Hand sein müßten und I Predigt, Andacht und Segen. 7 Andacht in der Marienkap. Quellen seien, von vielen, auch völkischen Deutschen, I z. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von */«6—7 Uhr zum wörtlichen Abschreiben benützt werden, ohne I halbstündlich hl. Messen mit Kommunion-Austeilung. */«8 iie mir »u ermähnen I Pfarrgottesdienst mit hl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte

Erabm°» u»d>°n-b-E - «ud-nd°r!I |

Stadtpfanktrche. Beichtgelegenheiten: Samstag nachm. v. 3—7, 7*/i—8Vi, Sonntag früh 6—7. Sonntagsgottes, dienste: 6 hl. Messe und Komm, des Notburgavereins und der übrigen Hausbediensteten. 6'/« hl. Messe und Kommun, der Jungfrauensodalität sowie der übrigen Jungfrauen. 8 Uhr erster Schulgottesdienst, Predigt und Komm, des 6. und 5. Schuljahres. 9*/i Pfarramt und Pred. 11 zweiter Schulgottesdienst und Predigt. 9*/« Christenl. der Jünglinge in der Severikirche. 2*/i Bruderschaft vom hochw. Gut. 3V« Andacht für die Jungfr.- Sodalität. 4*/* Andacht der NotburgavereinS-Sodalität. Die hl. Kommunion wird von 6—7'/» Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8V» und 9V« Uhr. Werktagsgottesdienste: Um 6, 6V», 71/« und um 8 Uhr. Mittwoch, Freitag, Samstag früh 6 Beichtgelegenheit. Freitag nachmittag 8 Uhr sakramentale Andacht. — vsarrtirche zum hl Geist. Fest der hl. Margarete, vollk. Ablaß. Um 6 und 7 Uhr hl. Messe. 8 Uhr Levitenamt und Festpredigt. Um »/dl Uhr Kindergottesdienst mit Ansprache. 2 Andacht der Jungfr.-Kongreg. 5 abends Andacht. Mittwoch abends um V18 Uhr Andacht. — Sodalität. Vormittags um */»10 Uhr Gottesdienst. — St Sturmius-Pfarrkirche. 7*|< Komm.-Austlg. Th Uhr

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rer der Bande in Betracht kam, ein Ende. Seine Ent­scheidung war bald gefallen. Er murmelte einen Befehl, und ich, Maurice Mannenng, fand mjch zwischen zwei mürrischen Wachen mit dem geckenhaften Führer auf dem Weg über das holperige Pflaster des Uferdammes nach — ich wußte nicht wohin. ________

Lange sollte ich jedoch über das Ziel meiner Bestim­mung nicht.im Unklaren bleiben. Ich war, wie erwähnt, am Morgen vor dem Gefängnis von Le Buffay vorbeige­kommen, und als wir jetzt über eine von einer Stein- brüstung eingefaßte Brücke schritten, kam jenes unheim­lich aussehende Gebäude wieder in Sicht; mit seinem Uhr­turm und den beiden kegelförmig bedachten Tortürmen tauchte es aus dem Nebel auf. Einen Augenblick wurde halt gemacht; dann führte man mich durch ein Seiten­pförtchen an der Ecke des Gebäudes, dort wo die Rue de la Poissonnerie beginnt, hinein.

Der Häscher wandte sich zur Seite und sprach"etne Welle mit einem ruppigen Kerl, dessen riesiger Schlüs­selbund die Art seines Amtes bekundete. Das Pförtchen hinter mir schloß sich mit einem dumpfen Schlag, der mich an das Poltern der Erdschollen auf einen Sargdeckel denken ließ. Dann führte man mich über einen Hof, den Männerhof, wie ich später bei näherer Bekanntschaft mit dem verpesteten Orte fand, und stieß mich mit rauher Hand in eine Zelle. Der Richtung nach, die wir genom­men, mußte das hoch gelegene Fenster gegen den Ufer- dämm gehen. Die Türe hatte ein mit dicken Eisenstäben vergittertes Guckloch, das den Blick auf einen Winkel des Hofes, den ich eben durchschritten hatte, freigab. Es war ein düsterer Ort, mit hier und da einem trüben Lichtkreis an den Stellen, wo die Laternen hingen. Ein größerer Lichtkreis in dem entfernteren Winkel zeigte mir die Lage des Pförtchens und die unfreundliche Gestalt des Tür­hüters. Im übrigen war der Hof eine Welt der Schatten, in der zusammengekauerte Gestalten formlos lagen oder wie Gespenster in den gelbroten Lichtkreisen der Laternen auftauchten und wieder daraus verschwanden. So, dachte ich mir, müssen die Verdammten durch die Höfe der Hölle wandern.

Mit ausgestreckten Händen tastete ich mich in meinem Gefängnis den Wänden entlang. Die feuchtkalten Mau­ern fchlossen, wie ich ungefähr annehmen konnte, einen

rechteckigen Raum ein. In einer Ecke, zunächst dem ster, das wegen seiner Höhe nicht zu erreichen war, stol­perte ich über einen Strohsack, der mir als Bett dienen sollte. Ich sank auf dieses übelriechende Lager unb ver­suchte, den Kopf zwischen die Hände nehmend, die Be- beutung dessen, was mir zugestoßen war, zu erfassen.

Die ganze Sache war mit einer solchen Schnelligkeit vor sich gegangen, daß ich noch nicht Zeit gehabt hatte, meine Sage unb was für Folgen baraus für meine Freunde in La Tourbiere entstehen konnten, zu überden­ken. Ich malte mir aus, wie der Mann aus Saint Ballet am Rande des Sumpfes auf mich wartete, vielleicht zu­sammen mit dem alten Heinrich, der wohl doch in der Schenke gewesen sein und mich nicht bemerken mochte, als ich am Feuer schlief. Ich malte mir Marie aus, wie sie von ihrer kleinen Oase bas Grau ber brauenben Nebel mit ihren Blicken zu burchdringen suchte, auf die Rück­kehr ihres Geliebten harrenb, ber ben Heiltrank zur Lin­derung der Leiden ihres Bruders bringen sollte. Sie würde vergeblich harren. Ich wußte zu viel von ben Mächten, bie in Nantes die Herrschaft hatten, um auch nur einen Augenblick zu hoffen, daß man mich bald in Freiheit setzen würde, wenn ich überhaupt meine Freunde je wieder sehen sollte. Le Bouffay, dachte ich mit Bit­terkeit, war nicht, so wie der Sumpf von La Tourbiere, neutraler Boden für Maurice Mannering, unb ber arg» listige Doktor würbe sich bas wohl zunutze machen. Ich sagte mir, daß ich verloren war, wenn Raoul Perrancourt von meiner Verhaftung erfuhr. . . .

(fünftes Kapitel.

Die Zelle.

Den Monat meiner Gefangenschaft in ber Kerkerzelle von Le Bouffay beschreiben, hieße nur breißigmal ben Kreislauf ber Seihen wieberholen, ben ich jeben Tag zu burchlaufen hatte — unb bie Beschreibung eines Tages wäre nur bie Wiederholung ber Beschreibung einer Stunbc. Das alles liegt nun, Gott sei gepriesen, weit hin­ter. mir, ein Gewirr von Erinnerungen, ein wirbelnder Traum, in dem fieberische Nächte mit trostlosen Tagen ab­wechselten, eine Nachtmär von Not unb Tränen, Schmutz unb Entwürbigung. Oft bes Nachts fuhr ich aus bem Schlaf unb sah, wie ber Schein ber Fackeln absonderliche

Grotesken, wilde Teufelstänze auf meine schmutzverkruste­ten Kerkerwände malte. Dann lag ich still und horchte auf das Getrampel der Füße draußen auf dem Hof — meine Freunde, die Maratbuben, ohne Zweifel — unb auf bas trunkene Gelächter, das, ich weiß nicht woher, kam. Oft auch erhob ich mich von meinem Strohlager unb kroch nach ber Tür, wo ich bann, burch bas Gitter fpähenb, arme, verschüchterte Kreaturen in Reihen aufge­stellt sah, vor ihnen bie Schergen mit Verzeichnissen in den Händen unb breifarbenen Schärpen um bie Brust, ihre Opfer wie Vieh zur Schlachtbank treibenb.

Unter biefen Opfern waren Gesichter, die mich noch heute verfolgen. Die meisten waren Solbaten ber von Kleber unb Westermann aufgeriebenen Armee Saroche- jacquelins, einfache Bauern, bie für ihren heiligen Glau­ben unb ihren König brav gekämpft hatten. Seit ben Märztagen bes vorhergehenden Jahres hatten sie so man­chen Steg erfochten, daß sie sich als die auserwählten Werkzeuge Gottes betrachteten, als die Retter ihres San­des. Als sich aber dann das Blatt wendete, waren sie wie betäubt; unb diejenigen von ihnen, die man nach Se Bouffay gebracht hatte, gingen in dem Hof umher, sprachen mit niemand und hatten bas Aussehen verlore­ner Kinder. Unb was waren sie auch anbcres, als ver­lorene Kinber, biefe einfältigen Ackerbauern, die ihre Pflüge fortgeworfen und das Schwert umgegürtet hat­ten? Wie sie im Kampf ihr Leben gering achteten, so sahen sie auch jetzt im Unglück mit Gleichgültigkeit in bie Zukunft.

Was mir aus jener Zeit bes Grauens vielleicht an deutlichsten in Erinnerung geblieben ist, das sind die Glockenschläge hoch über mir in bem Uhrturm von St Bouffay, dumpfe, dröhnende Schläge, bie mich oft des Nachts aus meinen Träumen schreckten und mir sagten, baß wieder eine Stunde meines Fegseuer- vergangen war. (Vielleicht erinnerst du dich, Cöleste, wie ich — du warst damals noch ein kleines Mädchen — den Auf­trag gab, bas Schlagwerk ber Uhr über ben Ställen in Grey Tor auszuschalten. Unter welchem Vorwand habe ich vergessen, aber ich hatte viel schlaflose Nächte hinter mir, ehe ich mich entschloß, meinen Nerven bieses Zuge- ftänbnis zu machen.)

(Fortsetzung folgt)