Dienstag, den 16. 3uli 1929.
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).
P. 162
Fulda, öen 15. Juli 1929
Verfoneunachrichlen.
Dberpräftb^ Dr. Schwander ist, obwohl auf seinen Wunsch von jeder Feier abgesehen wurde, Gegenstand zahlreicher Ehrungen anläßlich der Vollendung der ersten zehn Jahre seiner Amtszeit geworden. Unter den Glückwünschen befand sich auch ein Handschreiben des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, mit dem wegen tzchwanders bervorragende Verdienste um das preußische Bildungswesen die Humboldme- daille überreicht wurde.
Meisterprüfung.
Vor der hiesigen Meisterkommission bestanden ihre Prüfung die Schneider: Joh. I. Boländer- Kirchhein Kr. Hersfeld, Martin Ehrhardt-Sieglos Kr. Hersfsld, Hans Post-Hersfeld und Jos. Kremer- Maberzell.
Hohes Aller.
Die Witwe Josephine Hammer geb. Ger- bardt, begeht heute in geistiger und körperlicher Frische ihren 82. Geburtstag. Sie ist auch heute noch eine eifrige Leserin der Fuldaer Zeitung und des Bonifatiusboten.
Dichkig für Sozialrentner!
Am Mittwoch, den 17. Juli, von 9—12 Uhr wird hie Unterstützung für Juli an die hilfsbedürftigen Sozialrentner der Stadt Fulda ausgezahlt. Rote Ausweisnummerkarten Und bei der Zahlung vorzulegen. Diejenigen Renten, welche von dem Empfangsberechtigten an diesem Tage nicht übgeholt sind, werden denselben auf ihre Kosten durch die Post übersandt.
Der zweite JuU-Sonnkag
brachte schönen blauen Himmel. Wolkenlos ruhte er über Stadt und Land. Die Luft war durch ein kühles Windchen, das aus dem Nord-Osten kam, lebhaft bewegt und verhinderte allzu große Sck'weißbildung. Wasserkuppe und Klosterwiese, Rhönturnfest und Rhön-Sängertag bildeten stärkste Anziehungspunkte. Aber auch sonst freuten sich viele Menschen der lieben Sonne und der in ungewöhnlicher Klarheit ausgebreiteten reiwollen Landschaftsbilder. Nur die Straßen der Stadt lagen einsam.
Die RechtsgüMgkeik der Gewerbesteuer-Ordnung.
Der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich hat die Anträge der Deutschnationalen und der Wirtschaftspartei auf Ungültigkeitserklärung der Steuer-Notverordnung vom 8/Mai 1929 abgewiesen. Zur Begründung führte Reichsgerichtspräsident Dr. Numke aus:. Zu der Frage, ob ein steuerlicher Notstand genügt, und ob auch Steuerverordnungen im Wege der Notverordnung erlassen werden können, hat der Staatsgerichtshof bereits in seiner Entscheidung im 112. Bande des Zivilsenats des Reichsgerichts Stellung genommen und diese Frage bejaht. Dieser Entscheidung hat sich der Staatsqerichtshof angefchlossen. Ebenso ist die Frage bejaht worden, daß ein Notstand auch dann vorliegt, wenn die Regierung vielleicht noch in der Lage war, darauf hinzuwirken, den Landtag zusammenmhalten, oder aut seinen Zusammentritt hinzuwirken. Sicherlich ist es ein Recht der Besteuert-n. Gesehesvorlagen zu Fall zu bringen, und es ist Aufgabe der Regierung zu prüfen, ob dann die Voraussetzungen eines Notstandes vorliegen. Ebenso kann damit, daß eine solche Gesetzes-
Klage des MUseburobettlers.
^ch schon, wie das geht und stets wird gehn: Man nickt und spricht: „Da muß etwas geschehn! Es wär' dach ein- Schande ... und so weiter, Doch hab ich heute grad' nichts bei mir, leider!" Und lob ich dann mit herzlicher Lobpreisung Die Wohltat einer künft'gen Ueberweisung, Dann sagt man: „Herzlich gern!" Doch welch ein
. . Kummer!
Ser Freund vergißt mir meine Postschecknummer!
Ja, das Vergessen, ach, ich ?enne das, Weil ich schon selber manchmal was vergaß Und mir damit — wie lang und tief das schmerzt! — Der Großen Gunst und Gnade ganz verscherzt.
Drum: war dir wirklich mein Kapellchen lieb,
O, dann besinne dich nicht lang und gib
~ bie Enge- droben freu'n sich! - Achthundert v.erundzwanzig achtundneunzig.
Kathol. Kirchengemeinde Kl-insassen, Fulda-Land
Der Milseburgpfarrer Ludwig Nüdling.
Vorlage zu Fall gebracht wird, ein Notstand ent- , stehen. Auch das ist zu verneinen, daß die Not- Verordnung dadurch über das zulässige Maß hin- ] ausqeht, daß sie auf ein ganzes Jahr erlassen worden ist. Die Artikel 62 und 55 der preußischen Verfassung sind eng auszulegen.
Zur Höhe der Verzugszinsen.
Die im Bürgerlichen Gesetzbuch bestimmten Schuldzinsen betragen bekanntlich 4 Prozent. Sie treten mangels einer anderen getroffenen Vereinbarung in Kraft. In Anbetracht der heutigen Wirtfchaftsverhältnisse wird man ihre Höhe nicht mehr als ausreichend bezeichnen können. Die Rechtsprechung hat sich daher bereits seit längerer Zeit mit der Zubilligung höherer Zinssätze einverstanden erklärt, sofern ein besonderer Schaden seitens des Gläubigers nachgewiesen werden könnte. Nach einem Urteil des Kammergerichts (17. U. 781/29 v. 21. 3. 29) bedarf es jedoch nunmehr dieses besonderen Nachweises nicht mehr. Der Gläubiger kann ohne weitere Begründung lediglich unter Berufung auf die Lage des Geldmarktes nunmehr einen höheren Zinssatz in Anspruch nehmen. Das Kammergericht hielt folgende Sätze für angemessen: für das Jahr 1925 12 Prozent, für das Jahr -1926 9 Prozent und für das Jahr 1927 7 Prozent. Für die Folgejahre hat das Gericht noch keine Feststellungen getroffen. Die Prozeßrichtervereiniqung Groß-Berlins faßte den Beschluß, daß bei Zahlungsbefehlen, die von Gewerbetreibenden beantragt werden, ein Zinssatz von 2 Prozent über Reichsbankdiskont — also zurzeit 9% Prozent — nicht beanstandet werden könne. Höhere Zinsen können auch dann zugelassen werden, wenn ein besonderer Rechtsgrund hierfür vorliegt oder ein höherer Schaden nachgewiesen wird.
Zinserhöhungen für Baudarlehen.
Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte hat vor kurzem mehrere Wohnungsbaudarlehen an Gemeinden gekündigt, um den bisherigen niedrigen Zinssatz auf 8 Prozent zu erhöhen. Nur bei Annahme des erhöhten Zinssatzes sollen diese Darlehen verlängert werden. Der Deutsche Städtetag hat eine Eingabe an den Reichsarbeitsminister mit der Bitte gerichtet, die Reichsversicherungs- anftalt zur Ueberprüfung dieser Maßnahme zu veranlassen. Diese Erhöhung würde in Zukunft die Mieten der mit diesen Baugeldern errichteten Bauten unerschwinglich machen.
Versteigerung von Fleckviehbullen, Ebern und Ziegenböcken.
Der Verband Kurhessischer Fleckviehzüchter veranstaltet am 31. Juli in Fulda, am. 1. August in Hersfeld und am 2. August d. Js. in Treysa je eine Bullenversteigerung. Gleichzeitig gelangen auch Eber und Zuchtsauen mit Abstammungsnachweisen und erstmalig auch Sanenziegen-Jungböcke mit Abstammungsnachweis freihändig auf allen dreiVersteigerungen zum Verkauf. Es liegt im dringendsten Interesse der Gemeinden ihren Bedarf an Zuchttieren bei dieser Gelegenheit zu dek- ken, da sie hierdurch am besten zu brauchbarem Zuchtmaterial gelangen.
Selbstmord in der Fremde.
Bei der Station Schwanheim bei ' um wurde auf dem Bahnkörper die Leiche dcs ÜAiäh- rigen W. H. aus Hettenhausen ir der Rhön gefunden. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. dessen Gründe unbekannt sind.
Der tägliche Kraftfahrzeugi-Unfall.
Um 91/2 Uhr heute morgen stieß ein dir Kurfürstenstraße nach dem Bahnhof entlang fahrender Motorradfahrer mit einem vom Bahnhof kommenden kleinen Personenkraftwagen an der Straßenkreuzung Kurfürftenstraße-Viehmarktplatz zusammen. Beide Fahrzeuge mußten wegen Beschädigung a b - g e s ch l ep p t werden. Der Motorradfahrer erlitt leichte Verletzungen an der linken Kopfsaitc?. Außerachtlassung der Verkehrsvor- schriften kommt als Ursache des Zusammenstoßes in Betracht
— Ehemalige 81er. Die Versammlung am Samstag bei Gastwirt Franz Ballmeier, die gut besucht war, wurde von dem Kassierer Grasch eröffnet und geleitet, da der erste Vorsitzende erkrankt ist. Besprochen wurde die am 5. und 6. Oktober hier stattfindende Tagung des Bundes ehem. 81er. Vorgesehen ist für Samstag Abend ein Bunter Abend mit einer reichhaltigen Fest- folge, die vom Vergnügungsausschuß vorbereitet wird. Ein Wohnungsausschuß wird die Ouartierfrage für die auswärtigen Abgeordneten lösen. Es wurde mitgeteilt, daß der Vorstand den 81er-Kameraden Martin Möller aus Kerzell, der sich im hiesigen Kreis-S,iechenhaus befindet, anläßlich feines 80 Geburtstages mit einem Geschenk erfreut hat. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles folgte Austausch der Erinnerungen.
— Das Gastspiel des Zauberkünstlers Ufferini in Fulda findet bis auf Weiteres täglich abends 8 Uhr im Bürgerverein statt. Am Mittwochnachmittag 4 Uhr veranstaltet Ufferini eine Schüleroorstellung zu ermäßigten Preisen. Näheres im Anzeigenteil.
Erstes Gängerfest des Fulda-Rhön-Gänaergaues
lassen.
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10 Jahre Segelsport in der Nhö?
Man sang und tanzte und konzertierte, daß es eine Lust war, sich von den Wogen des Festes tragen zu
Es hat lange gedauert, bis die „Sangesbruder in Fulda und Umgebung sich als Gau des großen deutschen Sängerbundes zusammengeschlossen haben. Erst kürzlich haben die verschiedenen Vereine ihre Bedenken zuruckgestellt und sich zur Einigkeit bekannt. Die vielen Hunderte der Sänger in Fulda Stadt und Land emt ja die Liebe zum deutschen Lied. Und es ist etwas Großes, daß so viele deutsche Männer das deutsche Volkslied pflegen. Man mag vielleicht früher manches gegen den schematischen Drill in den Männergesangvereinen emzu- wenden gehabt haben. Heute kann man nicht mehr kühn behaupten, das echte deutsche Volkslied und wahre Pflege der Musik habe dort kein Heim mehr. Man muß tm Gegenteil im deutschen Sängerbund eine erfreuliche Entwicklung — fort von der überlebten „Liedertafelei" — feststellen, die auch auf dem gestrigen ersten Sänger- fest des Fulda-Rhön-Sänger-Gaues stark bemerkbar war.
Der Männergesangverein Neuenb'erg war mit der Vorbereitung und Durchfführung des ersten Sängerfcstes nach der Einigung beauftragt. Man hat sich in unserem Nachbardorf nicht getäuscht. Festausschuß, Vorstand und die gesamten Mitglieder haben getan, was in ihren Kräften stand, um dem Kritiksingen der Gauvereine einen würdigen Rahmen zu schaffen.
Das Fest wurde am Samstag eröffnet durch die 21b- halung des Gaubanners vom Bahnhof Fulda. Altem Brauch gemäß bleibt das Banner bis zum nächsten Jahr in der Obbhut des festgebenden Vereins, um dann in das Heim des Vereins zu wandern, der die Zurichtung des 2. Sängerfestes übernommen hat.
Nach dem Zuge durch die Stadt vereinigten sich die Neuenberger mit den übrigen Sängern zu einem
Kommers in der Festhalte
auf der Klosterwiese. Die festlich geschmückte, riesige Halle konnte die Massen, die berbeiqeftrömt waren, fast nicht fassen. Der Vorsitzende des M. G. V. Neuenberg, Herr Schnell, rief den Sangesbrüdern einen herzlichen Willkommgruß zu. Pfarrer Ludwig Nüdling- Kleinasssen hatte zu dem Feste wieder einen markigen Vorspruch beigesteuert, der starken Beifall fand. Die Grüße des Landrats und des Kreisausschusses überbrachte Regierungs-Assessor Dr. Stachels. Im Namen des Oberbürgermeisters und des Magistrats der Stadt Fulda wünschte Magistratsrat Dr. Danzebrink den Bestrebungen des Sängergaues und besonders dem ersten großen Feste volles Gelingen. Gauvorsteher, Prokurist Z ir k e n b a ch-Fulda unterstrich in seiner kurzen Ansprache den Gedanken der Einigkeit und Volksgemein- chsaft, der diesem 1. Sängerfeste zu Grunde liege.
Dann erfolgte die feierliche Uebergabe des G a u b a n n e r s an den M. G. V. Neuenberg. Ein Jahr lang hatte es der Kirchenchor „C ä c i l i a"-N e u h 0 f treu bewahrt. Für ihn sprach Lokomotivführer Dann e-Neuhof. In seiner mit großem Beifall aufgenommenen vorzüglichen Ansprache wies der Redner darauf hin, daß das Banner von Neuhof zum 10. Deutschen Sänger-Bundessest nach Wien getragen worden und mit der Gedenkmünze an dieses große Ereignis geschmückt fei. Herr Schnell dankte im Namen des festgebenden Vereins. Seine Worte klangen aus in ein dreifaches Hoch auf das deutsche Lied und das deutsche Vaterland: die Versammlung fang dann stehend das Deutschlandlied.
Um die Ausgestaltung des Abends bemühten sich in anerkenenswerter Weise außer dem Heimatverein der „Liederkranz Fulda", das Sängerquartett 1927" Fulda, MGV. „Gemütlichkeit"-Horas und vor allem die Fuldaer Feuerwehrkapelle.
Nach dem offiziellen Teil blieb man noch lange bei Gesang und Tanz zusammen und wie immer, wenn deutsche Männer festlich zusammensitzen, floß das iBer in Strömen.
Am Sonntag morgen um 6 Uhr mußten die Schläfer dann durch die Musikkapelle geweckt werden. Um 8.30 Uhr fand in der Kirche zu Neuenberg der Festgot- t e 5 b i e nft statt.
Das mit Spannung erwartete Kritiksingen, über das wir an anderer Stelle berichten, begann gegen 10.30 in der Festhalle.
Am Nachmittag formierten sich die Vereine mit ihren Fahnen zu einem stattlichen Festzug. Es mögen wohl an die Tausend Sänger gewesen fein, die durch das mit Ehrenpforten und Fahnen grüßende Neuenberg zogen.
Der Festzug endete auf dem herrlich gelegenen Fest- platz, über dem sich ein strahlend blauer Himmel wölbte. Im Hintergrund das bunte Dächergewirr der Fuldaer Altstadt, überragt von den Türmen und Bauten der Barockstadt. Von der Ferne grüßten klar und freundlich die Berge der Rhön, vor allem die Wasserkuppe, auf der zur selben Zeit auch viele Hunderte aus Fulda Stadt und Land zum Rbönturnfest zusammengekommen waren. Bei diesem Wetter muhte Festesstimmung aufkommen.
Herr Schnell bot den Sängern und Gästen noch einmal den Willkommgruh des gastlichen Neuenberg. Gauvorsteher Prokurist Zirkenbach sprach den Wunsch aus, daß die jetzt endlich erreichte Einheit bestehen bleibe. Im Gau gebe es keinen Unterschied des Standes. Hier sind wir nur deutsche Sänger und Brüder. Er gedachte des kürzlich verstorbenen Bundesdirigenten Musikdirektor Gottfried Leber und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das deutsche Volk.
Die Massenchöre leitete M. Worringen- Fulda. Da sich aber nur ca. 300 Sänger beteiligten, vermißte man bei allem Wohlklang die Wucht und den Vollklang, den man von einem Massenchor erwarten darf. Es wäre gut, wenn die einzelnen Vereine ihre Mitglieder dazu erzögen, auch bei einem gemeinsamen Auftreten ihren Mann zu stellen.
Dann begann auf der Klosterwiese das allgemeine Volksfest. Es war ein buntes und lautes Treiben.
— Iubiläumsfahri nach Rom der Katholiken aus den Diözesen Mainz-Limburg-Fulda. Für die Katholiken der Diözesen Mainz, Limburg, Fulda ist aus Anlaß des goldenen Priester-Jubiläums S. Heiligkeit Papst Pius des XI. von der Wallfahrtsvereinigung Frankfurt am Main eine Sonderfahrt nach Rom beabsichtigt. Die Sonderfahrt beginnt in Frankfurt am Main und führt über Luzern, Mailand-Genua-Rom (5 Tage Auf- enthaltj-Asstsi-Florenz-Venedig: Padua-München-Frank- furt. Es ist Gelegenheit zu einem Abstecher nach Neapel geboten. Die Wallfahrt dauert vom 3. bis 15. September einschließlich. Der Preis beträgt Mk. 298.— Unterkunft und Verpflegung, sowie sämtliche Nebenkosten. Die Teilnahme ist jedem möglich! Auch die Sa-
Das Segelflugdenkmal auf der Masserkuppe.
Mit dem am 18. Juli beginnenden Segelflug- Wettbewerb wird das 10jährige Jubiläum des Segelflugsports in der Rhön gefeiert werden. Jahr für Jahr find auf den Höhen der Rhön die besten Segelflieger aus ganz Deutschland zusammengekommen, um in unermüdlicher Arbeit den neuen Sport auf seine jetzige Höhe zu bringen.
Anläßlich des 10jährigen Stattfindens der Rhönsegelflüge hat für den diesjährigen Wettbe-. werb auch die Stadt Fulda einen Preis gestiftet.
Von unserem Musikkritiker wird uns geschrieben:
Beim ersten Sängerfest des Fulda-Rhön-Sängel. qaues konnte man wieder feststellenn, daß die Dirr genten der dem Gau angeschlofsenen Vereine andauernd bemüht sind das Studium der wertvollen deutschen Volkslieder zu pflegen und die Geschmacksrichtung der Sänger soweit als möglich zu heben.
Bei dem Kritiksingen am Sonntag vormittag, an dem sich 20 Gauoereine beteiligten, lag bas Kritikeramt in der Hand des Musikdirektors Siollewerck von Schloß Favorit bei Rastatt in Baden. Die Darbietungen fanden ebenso zahlreiche wie aufmerksame und dankbare Zuhörer. Die Wahl der Chöre entsprach im allgemeinen der Stärke und der Leistungsfähigkeit der Vereine. Nur in einem Fall hatte man über seine Kräfte gewählt. Das Konzertprogramm war frei von sogenannten Schlagern und allem Kitsch. Musikalisch und voikspsy- chologsich gediegene Lieder schmückten in weit überwie- genber Zahl neben einigen Kunstchören die Vortrags- ordnung. Eine Bemerkung sei uns gestattet: Wenn tm Freien ftattfinbenbe Sängerseste lediglich als Volksfeste angesehen werden sollen, dann finge man bei solcher Gelegenheit in Zelten oder Holzhallen lieber keine Kunstchöre. Hier können sie mit ihrer wechselnden Dynamik, ihren feinen Nuancen und Schattierungen nicht zur Geltung kommen, mögen sie auch, wie das gestern der Fall war, noch so gut vorgetragen werden. Es wurde überhaupt viel Erfreuliches geboten. Besonders erfreuend wirkte die klangliche Sauberkeit und rhythmische Frische bei der Wiedergabe der Volkslieder. Auch die Vereine, die von des Schicksals Tücke heimgesucht wurden — der Chorleiter von Concordia-Mittelkalbach verunglückte auf der Straße Niederkaibach—Neuhof mit dem Motorrad, der Chorleiter des Männerquartetts Fulda 1912 und der Eintracht Horas, Musiklehrer Paul Rübsam, erkrankte schwer — setzten sich ohne Dirigent mutig und mit schönem Erfolg durch.
Nachmittags bewegte sich der Zug der Sänger zum Festplatz, wo in Wort und Lied der deutsche Män- nergefang begeistert gefeiert wurde. Unter Leitung von M. Worringen kamen drei Mafsenchöre zu Gehör: „Wo gen Himmel Eichen ragen" von Heinrichs, „Ich hört ein Vöglein pfeifen" von Karl Schauß und „Mei» jung, frisch Herz" von Walter Dost. A. W.
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